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Freitag, 7. August 2009

Und wenn die Zuschauer Kinder sind? (1.Teil)

Das Thema der Tauromaquia ist für sich alleine schon recht schwierig, und wenn nun noch Kinder ins Spiel kommen wird es nicht gerade einfacher. Das dieses ein sehr sensibles Thema ist, dürfte wohl allen Lesern klar sein. Dabei geht es hier nicht um Jungtoreros, wie zum Beispiel der zehnjährige Miguelito aus Mexiko, der in Frankreich aufgetreten ist. Gott sei Dank sehen die Spanier das anders: Vor dem 16. Lebensjahr hat keiner etwas im öffentlichen Rund einer Plaza de toros zu suchen.
Aber was ist mit den jungen Zuschauern von Familien die der afición verfallen sind. Wann und wie soll man den Familiennachwuchs der Tauromaquia näher bringen? In Spanien gibt es dazu keine Altersbeschränkungen. Nur in Katalonien kann man erst mit 14 Jahren einen Stierkampf besuchen. In Andalusien werden in vielen Zonen die Kleinen sogar mit den toros gross. Die Stiere spielen hier eine wichtige Rolle. Oder wie hat König Philipp II dazu gesagt? “Die Bräuche der Stierkämpfe liegen den Spaniern einfach im Blut.“
Meine neunjährige Tochter hat schon mehrere Male eine corrida de toros im Fernsehen verfolgt. Im Allgemeinen gefiel es ihr: Das Ambiente, die Musik, das spektakuläre Setzen der banderillas a la El Fandi und die Wildheit der Stiere. Auch sieht sie sich gerne ab und zu das TV-Magazin Toros para Todos an (Link dazu auf der rechten Seite) mit dem charismatischen Moderator Enrique Romero. Nur bei den picadores, den Lanzenreitern und beim Todesstoß sah sie stets weg – ihr tat der Stier leid.
Das Vorspiel
Nun waren wir in Málaga und es gab an dem Nachmittag eine novillada mit Kälbern, ein Wettbewerb der Stierkampfschulen für Nachwuchstoreros. Meine Tochter war nicht sicher, entschied sich aber trotzdem es sich mal anzuschauen. Wie der Zufall es wollte kamen wir gerade als die Tore geöffnet worden sind. So ergatterten wir einen Platz an der barrera. Wir sassen in dem Insiderblock, gleich in der ersten Reihe an der hölzernen Barriere, genau dort wo die toreros sich im callejon, im Gang zwischen dem Rund und dem Publikum, aufhielten. Während des Stierkampfes hatten wir dann die kunstvollen capas der Stierkämpfer direkt vor uns auf der barrera ausgebreitet liegen.
Doch bevor es losging nahm ich meine Tochter beiseite, und ging mit ihr in die gegenüber von der Stierkampfarena liegenden Bar. Genau dort wo sich die afición zu einem letzten Drink traf, bevor es losging. Hier wollte ich meiner Tochter erst einmal drei Dinge zu ihrem ersten Stierkampf mit auf den Weg geben.
ERSTENS: Du sollst wissen, dass wir jederzeit, wenn du es wünscht, sofort den Stierkampf verlassen. Fühlst du dich angewidert, bist du traurig, wird dir gar übel oder was es auch immer ist, keiner wird dich zwingen einen Stierkampf anzuschauen. Du musst es nur ehrlich sagen und schon sind wir draußen. Denn zu dieser Veranstaltung gehen wir nur für dich, damit du es mal live erleben kannst.
ZWEITENS: Der Stier ist dazu da um zu sterben. Du wirst keinen sportlichen Wettkampf sehen. Der ganze Stierkampf hat nur ein Ziel: Den Tod des Stieres! Hierzu vielleicht eine Erklärung: Ich wollte sie mit möglichen indultos, also Begnadigungen der Stiere nicht durcheinander bringen, auch deswegen nicht, weil diese bei solchen Veranstaltungen sowieso nicht zugelassen sind.
DRITTENS: Bei diesem Stierkampf wirst Du Blut sehen. Mal mehr, mal weniger. Was aber nicht gleich bedeutet, dass durch das Blut auch Schmerzen hervorgerufen werden.
Große Augen eines kleinen Mädchens sahen mich an, und sie nickte verständig. Sie versprach mir mit einem kräftigen Handschlag es sofort mitzuteilen, wenn sie gehen möchte. Ich war so ziemlich davon überzeugt, dass wir keine viertel Stunde in der Plaza de toros bleiben werden.
Zurück zu Bar. Ein junger Mann, Diego,  bediente uns an der Theke, er wollte auch Stierkämpfer werden, aber das Glück hatte er leider nicht auf seiner Seite. Im letzten Jahr hat er hier an so einem Wettbewerb teilgenommen, aber seine Arbeit mit dem roten Tuch kam beim Publikum nicht an und wurde mit einem unerträglichen silencio abgestraft. Nie wieder, hatte er sich geschworen. Meine Tochter fand ihn trotzdem sehr sympathisch – schließlich flirtete er mit ihr kräftig und verabschiedete sich mit dem Wunsch sie bald hier wieder begrüßen zu können.
Antonio taucht auf. Auch er wollte mal Stierkämpfer werden, aber um ehrlich zu sein, ihm war dass alles viel zu gefährlich. Als er das erste Mal so einem Stier gegenüber stand, hat er es einfach mit der Angst bekommen, und beschlossen diese Karriere doch anderen zu überlassen. In den tendidos sei es sowieso bequemer und vor allem viel sicherer. Wir mussten sehr lachen, auf welche humorvolle Weise er sein taurinisches Scheitern uns vorgetragen hatte.