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Freitag, 30. Juli 2010

Kennen Sie Toro?

Wir befinden uns im Jahre 2010 n. Chr. Ganz Spanien ist von den Spaniern besetzt … Ganz Spanien? Nein! Eine von unbeugsamen Katalanen bevölkerte Region hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die spanischen Politiker, die als Besatzung in in den Lagern von Madrid, Sevilla, Pamplona und Valencia liegen …

Katalonien will den Stier nicht mehr

Das katalanische Parlament hat entschieden. 55 Prozent stimmten einem Verbot von Stierkämpfen in Katalonien zu. Aber immerhin, 45 Prozent waren dagegen! Weiss Gott keine Minderheit!

Und wie ich schon an anderer Stelle geschrieben hatte, selten ging es um die Stiere. Erst war es Politik und nun ist es ein Fall für die Justitia. Besorgt schaut Madrid nach Barcelona. Kann ein regionales Parlament so einfach spanisches Grundrecht aushebeln? Auch die Hälfte der freiheitsliebenden Katalanen ist sich jetzt nicht mehr so sicher ob man die Freiheit der Individuen so einfach beschneiden sollte. Die libertad de los toros bravos auf Kosten der Freiheit für die Menschen? Dabei geht es hier auch nicht um den Stier, sondern es stellt sich die Frage, welche juristischen wie politischen Konsequenzen das mit sich bringen könnte. Das Verfassungsgericht wird es uns beantworten.

Die spanischen Medien betrachteten es auf Distanz. Aber die Kommentaristen der grössten Mediengruppe VOCENTO waren sich dennoch einig. Teodoro León Gros stellte fest: “ Hier geht es nicht um Ökologie sondern um Politik. Es sind keine antitaurinos sondern antiespañoles die das mythische Symbol Spaniens von der Landkarte radieren wollen.” Und Rosa Belmonte differenziert: “Catalonia is not Spain!” Auch hier scheinen alle einer Meinung zu sein. Es geht nicht um Tierschutz sondern alles wirkt wie pures politisches katalanisches Kalkül. Und nicht umsonst erschienen weltweit die meisten Zeitungsartikel zu diesem Thema nicht wie üblich in der Rubrik “Kultur” oder “Panorama”, sondern in der Sektion “Politik”.

Und der toro?

Kommen wir zurück zur Frage. Kennen Sie Toro? Nicht den toro, sondern Toro? Weinliebhabern dürfte diese Region bekannt sein. Ich aber spreche von einer 10.000 Seelengemeinde in der Provinz Zamora, die schon im 14. und 15. Jahrhundert unter Heinrich III, Isabella von Kastilien, Ferdinand II von Aragon und Johanna der Wahnsinnigen, zu historischem Ruhm gelangte. In Toro gab es natürlich toros, und das schon seit 1828. Doch mit der Zeit verblich die tauromaquia und die plaza de toros führte ein eher tristes gar kümmerliches Dasein. Doch sie wurde wieder hergerichtet und 2008 zum Kulturerbe erklärt. Und jetzt, gerade vorletzten Sonntag gab es wieder toros in Toro! Vor 3.800 Zuschauern wurde sie mit einer corrida de toros feierlich eingeweiht, wo die maestros mit sechs orejas triumphierten.

Und nur fünf Tage später trotzte dem katalanischen antitaurinismo ein weiteres Städtchen mit seiner taurinischen Wiedergeburt:  Archidona in Andalusien. In deren berühmten Plaza Ochavada wurde eine plaza de toros portátil errichtet, deren Kulisse so spektakulär war, dass die corrida de toros live im TV übertragen wurde.

Und da alle guten Dinge drei sind begeben wir uns in die Heimat des Don Quijotes, in die La Mancha. In Villarrubia de los Ojos wurde vor einer Woche gleich eine neue plaza de toros eingeweiht. Vor 3.500 Zuschauern gaben sich die bekannten matadores de toros El Cid, Miguel Ángel Perera und Alejandro Talavante mit neun orejas und einem rabo ein unterhaltsames Stelldichein.

3 : 1 für die tauromaquia

Jetzt brauchen wir nur ein wenig zu rechnen. Während die Tierschützer schon seit Jahren versuchen den Stierkampf in nur einer Stadt zu unterbinden, nämlich Barcelona, und dem wohl auch ein Stück näher gekommen sind, haben die taurinos in nur einer Woche gleich drei plaza de toros aktiviert. Nur die afición hängt es nicht an die grosse Glocke.

… kommen wir zurück zu den unbeugsamen Katalanen. Zwar sind sie immer ausgezogen um ordentlich alles durcheinander zu wirbeln, viele zu verärgern, aber letztendlich haben sie sich stets in ihr kleines Dorf wieder zurückgezogen. Nicht anders wird es dem katalanischen antitaurismo ergehen … wenn überhaupt.