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Mittwoch, 19. Februar 2014

Encastes duras - Schwierige Stiere (1. Teil)

Über die Vorlieben der toreros und woher diese kommen
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von Colin Ernst
(Fotos: La Tauromaquiamundotoro)



Als aficionado, der sich sehr für die Stierzucht interessiert, verfolge ich die Planungen der verschiedenen carteles für die grossen und kleinen ferias mit besonderem Interesse. Nicht nur welche toreros zusammen auftreten, sondern auch welchen ganaderías sie sich stellen. Seit ewigen Zeiten haben die toreros ihre Vorlieben, was in den letzten Jahren zu einer gewissen Eintönigkeit bei den corridas geführt hat. Oft sah man die gleichen toreros, mit den gleichen ganaderías beziehungsweise encastes. Viele aficionados haben dies beklagt und es scheint, das unsere Klagen etwas Gehör gefunden hat. Victorino Martin, sagte kürzlich in einem Interview, das sich eine "figura", ein Star torero sich jeder encaste stellen können muss (Siehe SfA TAUROZITAT: Wer zu den Grossen gehören möchte ...). 

Als einer der ersten toreros del arte – Künstlertoreros, hat Miguel Angel Perera sich bereit erklärt, zu San Isidro den sogenannten encastes duras entgegen zu treten. Den Victorinos und den Adolfos (Beide ganaderías führen das Blut der Albaserradas, was eine Kreuzung aus Santa Colomas und Saltillos ist). 

Der torero artista Miguel Ángel Perera will sich den toros duros stellen
Was aber hat es mit Vorlieben der toreros und den „duras“ auf sich? Beginnen wir mit den Vorlieben eines toreros. Jeder hat seinen Stil, seine eigene Art, den Stier zu zitieren, zu bewegen, an zu halten und zu dominieren. Mit dem einen Stier gelingt es quasi spielend, mit dem andern nur schwer, mit manchen gar nicht. In der Ausbildung zum torero, als novillero, beginnen sie mit Kälbern zu trainieren, später mit Kühen, nehmen an tentaderos teil. So lernen sie ihr Handwerk. Wie in allen Professionen, beginnt man mit den Vorlieben dort, wo man Erfolgserlebnisse hat. Hat man einmal mit einem Rind eine gute faena gezeigt, gibt es, neben dem Applaus auch die Sicherheit, beim nächsten res dieser ganaderías. Denn nun kennt der torero schon die Eigenart dieser Zucht. Er lernt in Laufe dieses praktischen Trainings viel über die Art, wie das Tier angreift, oder, wie zum Beispiel für einige Blutlinien charakteristisch, das nach oben stossen der Hörner, sobald sie die capa oder muleta vor den Augen haben. Andere ganaderías, anderes comportamiento. Man lernt, welche Züchtungen Schwächen in Vorder- oder Hinterbeinen haben, so das man lernt, die Schwächen oder auch die Stärken auszugleichen. 

Nun hat der torero, im Laufe der Lehrjahre, bestimmte ganaderías kennen und schätzen gelernt. Er hat vielleicht dem tentadero beigewohnt, in dem die zukünftige Mutterkuh geprüft wurde und ein paar Jahre später, steht er ihrem ersten Sohn gegenüber. Er wird sich an das Benehmen und die Qualitäten der Mutter dieses toros erinnern. Wahrscheinlich kennt er auch den semental, den Vater dieses Stieres. Nun, zu Beginn einer corrida, sucht er die Plus- und Minuspunkte der Eltern in dem Stier und kann so eine intelligente, künstlerisch wertvolle Arbeit aufbauen. Hat dieser torero mit dieser „Familiengeschichte“ Glück hat und triumphiert, dann wird er mit Sicherheit nicht Nein sagen, wenn er noch mal und noch mal gebeten wird, mit Exemplaren dieser ganaderías oder encaste anzutreten. In ihren Anfangszeiten, kümmert es die jungen toreros wenig, mit welchen Züchtern sie sich zeigen können, Hauptsache, sie können überhaupt auftreten. Erst viel später können sich es die toreros leisten, bestimmte ganaderías zu bevorzugen. Auf dem langen, steinigen Weg nach oben, haben sie auch viele Stiere kennen gelernt, die ihnen nicht behagten, sie sogar schwer verletzten. Auch dies behalten sie in ihrem Gedächtnis, die meisten, um aus ihren Fehlern zu lernen, andere, um solche Begegnungen in Zukunft zu vermeiden. Den Tag, an dem ein torero beinahe hilflos in einer plaza steht, weil der Stier nicht reagiert, wenn er sich nicht zur estocada aufstellen lässt, wenn er ständig den Kopf hoch trägt und, und, und,..., wird der torero nie vergessen. Das wiegt schwerer als eine cornada

Sabios, wie Enrique Ponce, von dem man sagt, ihn habe eine vaca geboren (natürlich im Scherz), haben nicht nur allen encastes gegenüber gestanden. Viel mehr. Jemand wie er, mit über 25 jähriger Erfahrung, kennt alle Vatertiere, Mutterkühe und deren Nachfahren, der verschiedenen ganaderías. Vom toro, den er mitunter indultiert hat, kennt er wahrscheinlich die ganze Ahnenreihe persönlich. Auch er hat seine Vorlieben, was aber für den maestro nicht heisst, dass er nicht mit anderen ganaderías antritt. Andere toreros riskieren das erst gar nicht.

Enrique Ponce, der sabio unter den maestros
Im Grunde ist das nicht anders, als wenn wir uns einen Hund zulegen. Der eine kann mit einem Jagdhund nichts anfangen, der andere kommt mit einem Hütehund nicht zurecht. Als Reiter bevorzuge ich Pferde mit viel Vollblut, viele meiner Kollegen lesen die Abstammungspapiere und steigen gar nicht erst auf. Aber warum sehen wir in manchen Dekaden so viel Einheitsbrei in den plazas? Das liegt zum Teil an der Ausbildung des Nachwuchses, dem geflüstert wird, das er mit dieser encaste nicht triumphieren kann. An den Star toreros, welche die Idole der novilleros sind und oft ihren eigenen Interessen gemäss, ihre Lieblingsganadería ordern. Und an den empresarios, die schon seit Jahren ihre Vorlieben haben. Das kann der Preis für die Tiere, oder aber auch der Erfolg an der taquilla sein, der ihn motiviert, in seiner feria eine bestimmte Blutlinie zu promovieren, mit toreros, von denen er annimmt, dass sie mit diesen am besten aussehen. Viele puertas grandes sind auch sein Gewinn.