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Freitag, 26. Februar 2016

Versuchen die Sozialisten ihre neutrale Position zum Stierkampf aufzugeben?




von Philip de Málaga


Die Sozialistische Arbeiterpartei bringt neue Ansätze
für ein Verbot der Tauromachie mit in ihr Parteiprogramm
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Es war schon eine erstaunliche Nachricht, welche da in dieser Woche durch den Nachrichten-Ticker gelaufen ist. Da hat der Spitzenkandidat der Sozialistischen Arbeiterpartei von Spanien (PSOE), Pedro Sánchez, mit dem Kandidaten der Ciudadanos, Albert Rivera eine Vereinbarung unterschrieben, dass im Falle einer Regierungsbildung nach den nächsten Wahlen, ein neues Tierschutzgesetz in die Wege geleitet werden soll. 

Pedro Sánchez und Albert Rivera unterschreiben eine neue Tierschutz-Vereinbarung
Dabei geht es in erster Linie um die Anpassung eines neuen Rahmen für das bestehende Tierschutzgesetz, um es für alle Regionen Spanien auf einen Mindeststandard zu bringen. Dabei geht es nicht nur um den Schutz der Tiere und deren Rechte sondern ganz im Besonderen gegen eine Misshandlung, bzw. Quälerei von Tieren bei öffentlichen Veranstaltungen wie populäre Feste, und jetzt wird wortwörtlich der Begriff festejos populares genannt.

Ganz klar, es ist offensichtlich, dass man hier nach neuen Ansätzen sucht, wie man die tauromaquia in ihren kulturellen wie traditionellen Rechten beschneiden kann. Ein erstaunlicher Versuch, der sicherlich nicht im ganzen sozialistischen Lager an Zustimmung finden wird. Allein die sozialistische Hochburg Andalusien, wo die PSOE schon seit 1982 das Sagen hat, wird dieser Änderung nicht so ohne weiteres zustimmen. Zustimmen können. Denn diese Region lebt von den toros. Und wie SfA in dieser Woche schon feststellte, der toro ist ein wichtiger Teil der andalusischen Kultur. Nicht nur das, mehr noch, die mundo de los toros bildet hier einen wirtschaftlich wie ökologisch wichtigen Faktor. Viele Menschen leben mit dieser Kultur, sind ein Teil von ihr und häufig leben sie auch von ihr.

Bald vielleicht auch ein Wahlkampfthema? Wohl kaum.
Die vielen sozialistischen Parteigenossen, welche laut einer Umfrage vor vier Jahren noch 43 Prozent ausmachten, welche ein Verbot der tauromaquia ablehnten, haben da sicherlich auch ein Wörtchen mit zureden. Und wenn wir von Politik und anstehenden Wahlen sprechen, zählen die Wählerstimmen der aficionados de toros auch gerade nicht wenig. In Spanien bekennen sich nach jüngsten Umfragen immerhin 19 Prozent zu den toros. Auf die kann kaum eine Partei verzichten, schon gar nicht, wenn man mit einem knappen Ergebnis rechnen kann.

Insofern kann man da Vorgehen von Pedro Sánchez nur kopfschüttelnd zur Kenntnis bringen. Gerade auch  deswegen, weil in den letzten Jahren die Beliebtheit an den festejos populares auch in sozialistischen Regionen gestiegen ist, und sogar in Katalonien sich weiterhin grosser Popularität erfreu, obwohl die corridas de toros dort verboten sind. Wie man es auch immer bewerten will, dieses neu angestrebte Tierschutzgesetz, welches wohlgemerkt derzeit nur in den Köpfen der Opposition sich zusammenbraut, trifft vor allem die ländliche Bevölkerung, jene kleine Ortschaften, wo die festejos taurinos ein jährliches Highlight bilden.