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Dienstag, 27. Dezember 2016

"Einfach nur lächerlich!"




von Valle-Inclán


Auch der spanische Dramatiker Ramon María Valle-Inclán (1866 bis 1936) aus Galizien zählte zu dem Kreis der passionierten aficionados de toros. Und wenn ein Dramaturg einer corrida de toros beiwohnt, weiss er sehr wohl das Gesehene zu reflektieren. Aber sein Blick war nicht nur auf das ruedo fixiert, sondern er schaute auch in die tendidos und beobachtete aufmerksam das Geschehen vor der plaza de toros und im gesellschaftlichen Umfeld. Schon damals versuchten sich verschiedene Personen auf dem sector antitaurino. Hier ein Textauszug aus dem Jahr 1915, wie Valle-Inclán darauf reagierte: 
Der Journalist Ramón Pérez de Ayala, der Schriftsteller Valle-Inclán und der torero Juan Belmonte 
"Die gesamte Kampagne dieser geradezu stillosen Schriftsteller ist einfach nur lächerlich! Die fiesta de toros ist das Wunderbarste was man sich vorstellen kann! Meines Erachtens sind die toros die einzige Erziehung die wir haben. Die Emotion, die Kunst, der Mut, das Licht. 

Ich bewundere Belmonte, seine Ausstrahlung. Jener Mann, wenn er weit weg vom toro sich befindet, er ist nur hässlich, klein, geschrumpft, lächerlich und ohne Schönheit versehen, aber wenn er dem toro begegnet, überträgt er etwas, wobei wir uns wunderbar fühlen, es reizt uns, es zieht uns in seinen Bann. Genau das ist die arte der corrida de toros. Gibt es etwas Schöneres als diese Übertragung, eine Verwandlung, eine Harmonie der Gegensätze zu sehen? 

Das griechischen Volk, welches zu den künstlerischsten gehörte, sah ihren Helden in der Tragödie sterben, und liebten ihn dafür mehr, weil er es verstand deren Gefühle in künstlerische Materie zu verwandeln; und das bevor wir ein starkes Land voller Künstler wurden. Nun werden wir alle plötzlich sentimental und weinen; und wohltemperierte Menschen welche es verstanden hatten aus Schmerzen, Perlen der Kunst zu kreieren, sollen nun zu Heulsusen und Nörglern konvertiert werden. Und dieses Werk wird von einer lächerlichen Presse getragen, die stets mit einfältigen Wehklagen präsent zu sein scheint."

"Spanien ist eine groteske Verformung der europäischen Zivilisation!" 
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Quellennachweis:

De Silencios y Espejos, Alberto Mira Nouselle, Seite 91, Edición de la Universidad de Valencia, Departamento de Filología y Filosofía Inglesa y Alemana, Valencia 1996