Montag, 22. Mai 2017

Der Stier verwandelt sich zum Spiegelbild der Menschheit




von Philip de Málaga


Polemik in Alicante
Über den Versuch ein Stierkampfplakat zu verbieten
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Das man im sector antitaurino alles unternimmt um die mundo de los toros komplett zu verbieten, ihr das Leben schwierig zu machen, scheint mehr als nur nachvollziehbar. Nichts desto trotz sollten sich auch deren Argumentationstechniken in einem nachvollziehbaren Bereich befinden. Da kommt nicht selten viel Polemik ins Spiel und jene gezielten Beleidigungs- und Diffamierungskampagnen seien mal bewußt beiseite gelassen. 

In der spanischen Hafenstadt Alicante mit gut 330.000 Einwohnern, südlich von Valencia, haben die toros viel Tradition. Schon seit dem 15. Jahrhundert wurden in der dortigen 2.000-Seelengemeinde festejos populares dokumentiert. Das erste festejo taurino mit königlicher Präsenz wird auf das Jahr 1605 datiert. Eine erste richtige  Plaza de Toros entstand 1847. Aber erst nach dem grossen Umbau wurde mit einem damals stolzen aforo für 15.235 Zuschauer am 8. Juni 1888 der neue coso alicantino eingeweiht, bei der die berühmten figuras Frascuelo, Lagartijo und Guerrita sogar unter anderem gegen toros der ganadería Miura antraten. Ein Ort mit einer 170-jährigen Tradition der tauromaquia. Da kann man sehr wohl den Titel des Kulturerbes rechtfertigen.
Schon seit 1988 verfügt die Hafenstadt Alicante über eine grosse Plaza de Toros
Und nun in der Gegenwart zieht die Plaza de Toros der 2. categoría jährlich zu ihren vier corridas de toros, dem rejoneo und einer novillada tausende von aficionados an. Im letzten Jahr wurden, weil unter anderem der populäre matador de toros José Tomás antrat, alle abonos verkauft. An die 90.000 Zuschauer in nur einer Woche! Die ganze spanische Pressewelt schaute nach Alicante um zu sehen, was der maestro aus Galapagar bei Madrid im ruedo leistete. Die tendidos wurden mit tres orejas belohnt. Die mundo taurino freute sich und war begeistert. 
2016: Volles Haus in Alicante
Und nun, ein Jahr später schaut die spanische Medienlandschaft erneut nach Alicante. Eine feria taurina beginnt mit einer Ankündigung, einem so genannten cartel. Und genau jenes cartel taurino 2017 für Alicante sorgte für Aufregung, für viel Polemik.

Am Dienstag der letzten Woche wurde im Kreistag, auffallend spontan, durch das mehrheitliche Bündnis linker Regionalparteien, Compromís, die alcantinische Vereinigung Guanyar Alacant, welcher unter anderem die linkspopulistische Podemos angehört und auch die sozialistische Arbeiterpartei PSOE beschlossen, nicht die toros zu verbieten, sondern das cartel taurino. Was ist geschehen?

Im sector taurino ist man verständlicherweise vor allem in den letzten Jahren besonders bemüht, den kulturellen Anspruch der tauromaquia zu unterstreichen. Für viele aficionados de toros ein viel zu spätes Bestreben. Denn gerade im Umgang mit den intellektuellen aficionados tun sich die antitaurinos besonders schwer. So auch in diesem Fall.

Auslöser von dem ganzen Trubel war auf dem cartel taurino die Darstellung  des spanischen Poeten und Dramatikers Miguel Hernández Gilabert (1919 - 1942, zu seinem 75-jährigen Tod), dessen Porträt vor dem Kopf eines toros zu sehen ist. Neben der Büste des Schriftstellers finden sich Auszüge aus seiner Poesie Llamo al toro de España. 

Für die linke Politikerschaft symbolisiert Hernández den Kampf für die Freiheit. Er beteiligte sich aktiv am spanischen Bürgerkrieg  (1936 - 1939) auf Seiten der Republikaner, und nahm im Juli 1937 am II. Internationalen Schriftsteller Kongress für die Verteidigung der Kultur in den Städten Barcelona, Valencia, und Madrid teil, wo sich auch berühmte Schriftsteller einfanden wie Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger oder Pablo Neruda
Das war eine klare antifaschistische Kampfansage. Doch der Krieg war für die Republikaner verloren, Franco übernahm die Macht, und Miguel Hernández war gezwungen, nachdem das faschistische Regime die Vernichtung zahlreicher seiner Werke anordnete, die Flucht anzutreten. Es gelang ihm die Grenze nach Portugal zu erreichen und auch zu überqueren. Aber da er ohne Dokumente war, wurde er spontan von den portugiesischen Polizisten der Guardia Civil übergeben. Er kam in das Gefängnis von Sevilla, wurde dann in das berühmte Gefängnis von Madrid, dem Cárcel de Torrijos überwiesen. Dank des Einflusses seines Freundes Pablo Neruda kam er aber im September 1939 ohne Prozess wieder auf freien Fuss. Doch nur für kurze Zeit. Denn nur wenige Monate später wurde er wieder verhaftet und im März 1940 zum Tode verurteilt.  Und wieder traten seine intellektuellen Freunde, allen voran José María de Cossío (der Gründer des grössten Lexikons über die tauromaquia, den COSSÍO), für ihn ein und noch im selben Sommer verwandelte die Justiz die Todesstrafe von Miguel Hernández in eine 30-jährige Haft. Er wurde im September in das Gefängnis von Palencia und von dort nach Ocaña in Toledo verlegt. Ein Jahr später brachte man ihn nach Alicante, wo er die Zelle mit dem bekannten spanischen Maler und Schriftsteller Antonio Buero Vallejo teilte. Noch im selben Jahr erkrankte er an Tuberkulose und starb am 28. März 1942 um 5.32 Uhr. 
Die Nobelpreisträger Vicente Aleixandre und Pablo Neruda waren gute Freunde von Hernández.
Und an diesem Punkt setzen die links-sozialistischen Politiker an und meinten, das ein Freiheitskämpfer, der mit seinem Leben sich für die Demokratie einsetzte, für die Freiheit menschlichen Handels und Denkens stand, eben wie unter anderem links orientiertes Gedankengut, und sein Leben verlor, nichts auf einem cartel taurino zu tun habe. Seine Büste auf einem Plakat was für eine Veranstaltung für ein "Vergnügen des Tötens" werbe, könne nicht für seine Ideologie stehen. Und genau hier irren die Befürworter von dem Verbot.

Denn der Name Miguel Hernández lässt sich sehr wohl mit der mundo de los toros in Einklang bringen. Zum einen pflegte er Freundschaften zu zahlreichen aficionados de toros, wie auch zu Pablo Neruda oder Vicente Aleixandre und zum anderen verstand er sich in der poesía taurina. Und allein schon in seiner bekanntesten Poesie wird es im Titel Llamo al Toro de España  ersichtlich: Der toro und Spanien, das gehört irgendwie zusammen.
Link: LLAMO AL TORO DE ESPAÑA
Die toros stellen in allgemeinen Werk von Miguel Hernández eine wichtige Metapher da, in welcher nicht nur der Ruhm oder die Niederlage in der mundo de los toros dargestellt wird, sondern er erkennt in der tauromaquia die Tragödie der menschlichen Existenz. Seine Art und Weise die eigene Weltanschauung zu präsentieren. So steht im Zentrum seiner Gedichte der toro bravoein wildes Wesen, bereit zu töten, welcher im ruedo gegen den torero, den Menschen antritt, um die Menschheit mit der eigenen begrenzten Existenz zu konfrontieren.
Miguel Hernández mit einem jungen novillo.
Da Hernández genauso wie der toro vom Land kommt, identifiziert er sich auch mit ihm. In ihm sieht er die Leidenschaft, die Zerstörung, die Liebe und die Eroberung des Lebens. 
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"Der toro verwandelt sich
zum Spiegelbild der Menschheit."

Miguel Hernández
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José María de Cossío
1934 kam Miguel Hernández in den direkten Kontakt mit der mundo de los toros. Sein grosser Freund und Förderer José María de Cossío nahm ihn mit in sein Team, um in der Redaktion für das monumentale und einzigartige Nachschlagewerk über Stierkampf, den COSSÍO, mitzuarbeiten. Mit viel Euphorie ging Hernández an die Arbeit. 

Es geht sogar weiter. In der Literatur spricht man von der tauromaquia hernandina, wo das Sein des Menschen und seine Rechtfertigung dazu im Mittelpunkt stehen. Insbesondere der toro und der toreo. Eine Begegnung die vom Schicksal bestimmt zu sein scheint, vom beherrschten, geradezu stoischen Beginn bis hin zum  Sieg über den Tod. Besonders häufig wird diesbezüglich die Poesie Citación fatal (Verhängnisvolle Aufforderung) in Verbindung gebracht. Der zweite Teil von diesem Gedicht beginnt mit Morir es una suerte como vivir (Zu sterben ist eine suerte wie zu leben). Unter einer suerte versteht man im toreo ein jegliches Manöver, welches von einem torero mit capa oder muleta mit dem toro durchgeführt wird. Im wahren Leben reflektiert sich in der suerte die Art und Weise im Umgang mit den Gegebenheiten. Diese Zeilen widmete Hernández in Anspielung an die Tragödie des Lebens dem torero Mejías Sánchez, welcher auf tragische Weise den Tod fand (SfA-Mitarbeiterin Torodora Gorges hat sich auf ihrer Webseite torodoro mit diesem torero auseinandergesetzt).

Es lässt sich nun mal nicht verleugnen. Hernández und die toros das geht sehr wohl. Selbst im Kreistag von Alicante merkte man, auch auf den Druck der Medien hin, mit diesem Vorgang sich doch eher der Lächerlichkeit preisgegeben zu haben. In der konservativen Tageszeitung ABC sprach die empresa von einem politischen Vandalismus. Andere bezeichneten es als sterile Polemik. 

Selbst die Ausrede der eher links orientierten Politiker, Plakate müssten grundsätzlich zuerst einmal von der Politik abgesegnet sein, wirkte doch eher bescheiden. Auch der Hinweis, dass dieses Verbot nicht als ein Angriff auf die corridas de toros zu verstehen sei, wirkte sicherlich nicht überzeugend. Und  so kam es schnellstens zur Schadensbegrenzung. Nur einen Tag später, am Mittwoch den 17. Mai machte der Kreistag von seinem Verbot einen Rückzieher.

Ende der Polemik.
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Quellennachweise:

EL Simbolismo del Toro en la Obra Poética de Miguel Hernández von Mariate Cobaleda, Universität von Salamanca 2005
Poemas del Alma, Portal über spanische Poesie
poesiacastellana, Portal über spanischsprachige Poesie
ABC Comunidad Valenciana

Freitag, 5. Mai 2017

Historischer Rekord




von Philip de Málaga


40.000 verkaufte Eintrittskarten an einem Tag
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Sie ist nicht nur mit einem aforo für 23.798 Zuschauer die grösste Plaza de Toros in Europa mit den meisten festejos taurinos, sondern die toros im Allgemeinen erfreuen sich in der spanischen Hauptstadt auch grösster Beliebtheit. So wurden am ersten Verkaufstag für die einzelnen entradas am 3. Mai 2017, so teilte die empresa mit, 40.000 Tickets verkauft. Davon 75 Prozent über das Internet. 
Auch im Vorfeld verbuchte der Verkauf von Dauerkarten einen leichten Anstieg. Für die temporada taurina 2017 wurden 16.258 abonos verkauft. Somit befinden sich knapp 70 Prozent der Sitzplätze in Las Ventas in den Händen von leidenschaftlichen aficionados de toros.
Die Stierkämpfe in der spanischen Hauptstadt erfreuen sich steigender Beliebtheit. (Foto: mundotoro)

Mittwoch, 3. Mai 2017

Picasso in London





von Ursula Herzog



Über die Ausstellung "Minotaurs and Matadors" in London
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Am 28. April wurde in London in der Gagosian Gallery in Mayfair eine Ausstellung mit dem Thema "PICASSO: MINOTAURS AND MATADORS" eröffnet. Diese Ausstellung wird bis zum 25. August 2017 geöffnet bleiben.
1959 in Cannes (Photo: Edward Quinn
Der Kurator ist Sir John Richardson. Richardson, 93 Jahre alt, war mit Picasso befreundet und war gemeinsam mit dem Künstler bei vielen Stierkämpfen im Süden von Frankreich. 
Pablo Picasso und John Richardson in Vauvenargues (1959) 
Ausgestellt sind 120 Exponate, die meisten aus Privatsammlungen. Es handelt sich um Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Drucke, Keramik und einen kleinen Film aus dem Jahr 1929. In der Ausstellung ist auch das kleine Bild des Picadores auf seinem Pferd zu sehen, welches Pablo Picasso im Alter von acht Jahren gemalt hat.
Le Picador (1890)
Torero (1970)

Samstag, 29. April 2017

Eine Stierkampfarena in Schwerin





von Peter G. aus Ulm


Es ist doch immer wieder erstaunlich mit anzusehen, wie die Deutschen zwar gegen den Stierkampf wettern, die Anhänger wie Befürworter von Stierkämpfen beschimpfen, beleidigen, und sogar den Tod wünschen, aber sie selbst benutzen die Ideologie des Stierkampfes für eigene Zwecke. Da steht der Stier als Symbol für Kraft und Fruchtbarkeit. Aber durch ein Verbot der Stierkämpfe nutzt ihm die Fruchtbarkeit wenig, denn die Zucht dieser edlen Rasse wollen die Antitaurinos verbieten.

Und obwohl der Stierkampf so kritisiert wird, finde ich immer wieder parallele Darstellungen wo man sich meistens mit der Kraft eines Kampfstieres vergleicht. Oft auch der Mut, die Eleganz und die Geschicklichkeit eines Toreros wird gerne eingebracht. Und schon ist vergessen die so hoch verfluchte Grausamkeit. Vom Tod will man nichts wissen, aber an dem allgemeinen Ruhm eines Toreros zu profitieren, das kann doch nichts Schlechtes sein. Denn mit Stierkampf habe es nichts zu tun. Und man spricht auch nicht davon. Wirklich nicht?

Auf meiner Reise nach Mecklenburg stolperte ich über folgende Schlagzeile: Mecklenburger Stiere ohne Chance. Und der Artikel begann: In der Schweriner Stierkampf-Arena ... Ja, Sie haben richtig gelesen. Da stand es klar geschrieben: Stierkampf! Es ist sogar die Rede von einer Stierkampfarena! Einer Plaza de Toros, wie man es in Spanien nennt. Noch ähnlicher kommt man dem französischen Arénes
Gut es ging in der Tat nicht um Stierkampf, wie wir ihn aus Spanien kennen, sondern um Handball. Und die Spieler nennen sich eben die Stiere. Und den Stier nehmen sie wortwörtlich. Ich surfte online und entdeckte in einem anderen Artikel, dass acht Mal der Begriff Stiere vorkam. 
Gewiss, die Identifizierung mit Tieren finden wir öfters. Zum Beispiel auch in Sprichwörtern:
  • Ein toller Hecht sein
  • Sich wie ein Geier auf etwas stürzen
  • Bekannt wie ein bunter Hund sein
  • Auf das richtige Pferd setzen
  • Wie von der Tarantel gestochen
  • Ein Gedächtnis wie ein Elefant haben
  • Kämpfen wie ein Löwe
Da gibt es noch tausend weitere Beispiel. Aber ich möchte auf die Anspielung eingehen. Wenn man sich zum Beispiel als Löwe sieht, also die Handballer sich als Löwen bezeichnen, kämen sie dann auf die Idee, ihr Stadium Löwenkampf-Arena zu nennen? Wohl kaum. Auch andere Tiere kämen da nicht zum Einsatz. Hundekampf-Arena, würde sicherlich die Tierschützer auf den Plan rufen. 
Die Sport- und Kongresshalle in Schwerin
Es liegt auf der Hand. Die ideologische Parallele zum Stierkampf ist offensichtlich. Und das hier ist kein Einzelfall. Ich bin sogar davon überzeugt, dass die meisten Mitglieder in jenem Handballclub auch wenig Ahnung vom wahrhaftigen Stierkampf haben. 

Mittwoch, 26. April 2017

Mit Rilke in Ronda





von Gregor Ziolkowski


Rilke konnte sich durchaus entzünden am Stierkampf
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Am letzten Sonntag Vormittag lief im Deutschlandfunk die Reportage "Mit Rilke in Ronda". Rilke, Ronda und der Stierkampf, irgendwie scheinen diese Namen zusammenzugehören, und trotzdem hat der in Prag geborene österreichische Schriftsteller nie eine corrida de toros zu sehen bekommen. Diese Reportage von Gregor Ziolkowski handelt von Rainer Maria Rilkes Reise in das andalusische Ronda im Dezember 1912. Obwohl Rilke nie einen Stierkampf gesehen hat, findet sich die mundo de los toros im Zentrum von dieser Radiodokumentation wieder. Ohne Frage ein Grund, die SfA-Leser auf diese Sendung hinzuweisen.
Das Rilke-Denkmal vor dem Hotel Reina Victoria in Ronda
In der gewiss sehr stimmungsvollen Reportage heißt es unter anderem: "Und gibt diesen weiten Blick frei auf eine aufregend zerklüftete Berglandschaft. Das Rilke-Denkmal im Rücken, fällt es nicht schwer, den in sich gekehrten Dichter in seinem hellen Dreiteiler regelrecht vor sich zu sehen, an diesem Ort für Übungen in mondän-geistiger Versenkung". Jeder der einmal Ronda besuchen konnte kam in diesen Rausch des beeindruckenden Ausblicks.
Der weite Blick auf die zerklüftete Berglandschaft von Ronda
Und trotz aller berauschender Weitsicht geht es hier um die Stiere: "Jenseits aller ideologischen Erwägungen gilt wohl für Ronda, dass es auch in einer andalusischen Stadt mit 36.000 Einwohnern heutzutage nicht ganz einfach ist, eine Arena für 6.000 Zuschauer zu füllen". In der Tat ist die Anreise für aficionados de toros dort stets mit einem gewissen Mühsal verbunden. Hinzu steht die Real Maestranza de Ronda im Konkurrenzkampf mit viel grösseren Plaza de Toros, für weit mehr als 10.000 Personen, in Sevilla, Málaga, Granada und Córdoba (alle in Andalusien und leichter zu erreichen). Und so finden dort im Jahr lediglich zur Feria von Ronda, Anfang September drei festejos taurinos statt. Eine novillada oder certamen de las escuela taurinas, wo sich die besten Schüler der andalusischen Stierkampfschulen präsentieren, ein rejoneo zu Pferde und eben eine corrida de toros, die berühmte corrida goyesca, welche zu den abschliessenden Höhepunkten der temporada taurina in Spanien gehört. Jedes Jahr ist sie mit einem no hay billetes schon Wochen vorher ausverkauft, und die Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft gibt sich dort ein Stelldichein. 
Volles Haus zum Goya-Stierkampf im September
Hier zu lesen: Andalusisches Refugium: Mit Rilke in Ronda (Deutschlandfunk)

Hier zu hören: Mit Rilke in Ronda (Deutschlandradio / Mediathek)
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Siehe auch:

Sonntag, 23. April 2017

Nimes 2017: Juan Bautista




von Ursula Herzog


Der Torero Juan Bautista allein in Nîmes
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Am Donnerstag wurde im Rathaus von Nîmes offiziell das am 4. Juni geplante encerrona von Juan Bautista angekündigt. Juan Bautista wird gegen  sechs Stiere aus sechs verschiedenen ganaderías antreten. Für dieses Ereignis hat der Modeschöpfer und Kunsthistoriker Christian Lacroix, der ebenfalls aus Arles stammt, das Plakat und den traje de luces, den Bautista tragen wird, entworfen.

Mitten im Winter am 28. Februar 1999 hatte die Karriere von Juan Bautista in Nîmes begonnen. Das indulto von Tanguisto aus der ganaderías Yerbabuena hatte Aufsehen erregt. An diesem Tag wurde aus dem kleinen JalabertJuan Bautista“. Vier Monate später öffnete ihm Madrid die puerta grande. Neben Arles, seiner Geburtsstadt, war Nîmes die Stadt seiner größten Triumphe. Bautista hat in 33 paseos, zwei davon als novillero,  51 orejas und drei rabos geschnitten und hat 11 Mal die porte des Consuls geöffnet (die letzten vier Male in Folge).
 
2015 haben Juan Bautista (Jean-Baptiste Jalabert) und seine Schwester Lola Jalabert gemeinsam mit Alain Lartigue die Leitung der Arena von Arles übernommen.

Das „anspruchsvolle“ Video über diese corrida de toros mit Juan Bautista verbindet den Stierkampf mit dem antiken Nîmes:

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Der matador de toros Juan Bautista wurde am 11. Juli 1981 in Arles als Sohn des empresarios der Arénes in Arles und rejoneador Luc Jalabert geboren. Seine alternativa hatte er am 11. September 1999 in Nîmes mit dem padrino Juan Antonio Ruiz "Espartaco" und dem testigo César Rincón, wobei er ein oreja und ovación erhielt.

Auch in Spanien war Juan Bautista im letzten Jahr recht erfolgreich. Im SfA Ranking Top Matadores de Toros 2016 in den Plaza de Toros in allen Kategorien belegte der Franzose Platz 6, und lag damit vor figuras wie Roca Rey (9), Enrique Ponce (10) einem El Juli (16) oder vor seinem Landsmann Sebastián Castilla (22).

Donnerstag, 20. April 2017

Sevilla: Ein Stier wird geehrt




von Philip de Málaga


Anlässlich des begnadigen Stiers Cobradiezmos
wurde in La Maestranza eine Ehrenplakette angebracht
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Anlässlich des indultos, der Begnadigung des toros Cobradiezmos von der ganadería Victorino Martín am 13. April 2016 in der Real Maestranza de Sevilla, wurde im corral der Plaza de Toros eine grosse Kachel angebracht, welche auf diese historische corrida de toros hinweist. Der 567 Kilo schwere toro wurde nach der lidia von Manuel Escribano begnadigt. 
In Gegenwart des matador de toros Manuel Escribano und seiner cuadrilla, des presidente José Luque Teruel, welcher das orangene pañuelo anzeigte, sowie des Vorsitzenden der Bruderschaft der Maestranza, Javier Benjumea, wurde die Gedenktafel enthüllt. 
Der begnadigte Stier Cobradiezmos
Sie wurde platziert neben den anderen zwei Tafeln, wo man den ebenfalls in Sevilla begnadigten Stieren gedachte: Der toro Laborioso von der ganadería Marqués de Albaserrada welcher am 12. Oktober 1965 vom maestro José María Manzanares begnadigt worden ist und der novillo Arrojado von der ganadería Nuñez del Cuvillo welcher am 30. April 2011 gegen den novillero Rafael Astola antrat.

Freitag, 14. April 2017

Viernes Santo - Karfreitag

Was der Karfreitag mit der Tauromachie zu tun hat
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von Philip de Málaga


Der Viernes Santo, der Karfreitag ist in Spanien der einzige Feiertag wo während der laufenden temporada taurina keine festejos taurinos veranstaltet werden. Und trotzdem gibt es eine Verbindung zwischen der tauromaquia und dem Karfreitag.
"Veronika reicht Jesus das Schwer" von Gebhard Fugel, 1907,
Kirche Sankt Joseph in München.
(Das Gemälde wurde im 2. Weltkrieg zerstört)
Auf dem Kreuzweg begegnet Jesus der Veronika. Eine erste Erwähnung findet diese Begegnung in den Evangelien von Markus (5, 25-34) und Matthäus (9, 20-22), jedoch wird dort kein Name genannt. Erst um 425 wird im apokryphen Evangelium, der Acta pilati des Nikodemus in Kapitel VII ein Name erwähnt: 
Und ein Weib mit dem Namen Bernike schrie von weitem und sagte:
Ich litt am Blutfluss und berührte den Saum seines Gewandes,
und der Blutfluss, der zwölf Jahre angedauert hatte, hörte auf.
In der lateinischen Übersetzung findet sich der Name Veronika wieder. Dabei handelt es sich um eine Kombination der beiden lateinischen Wörter vera (= wahr) und ikon (= Bild), welches zusammengesetzt Veronika ergab. Gemeint ist die wahrhaftige Abbildung vom Kopf Jesus auf dem Schweisstuch.
Veronika reicht Jesus das Schweisstuch. (Erzdiözese Wien)
Dieses wahre Bild entstand laut christlicher Überlieferung bei der Begegnung zwischen Jesus und Veronika auf seinem Leidensweg zum Kreuz. Dort reichte Veronika dem leidtragenden Jesus ein Sudarium (Schweisstuch), damit er seinen Schweiss und das von der Dornenkrone laufende Blut abwischen konnte. Während diesem Vorgang, soll sich auf wunderbare Art und Weise das Gesicht von Jesus auf dem Tuch eingeprägt haben. So ist es als das Tuch, Leinen oder Schleier der Veronika in die christliche Geschichte eingegangen.
Auch bei der Osterpressionen der Semana Santa in Spanien, wie hier in Cuenca,
findet sich das Motiv von Jesus und Verónica.
Der hier abgebildete Thron ist am Morgen des Freitag zu sehen.
Der Übergang zur mundo de los toros findet sich in den künstlerischen Darstellungen wieder, wie eben jene Veronika dieses Tuch in der Hand gehalten und geführt haben könnte. 
Verschiedene Darstellungen wie die Veronika das Schweisstuch hält.
Und genauso wie die Heilige Veronika das Sudarium in der Hand hält, führt ein torero seine capa, wenn er das wohl bekannteste Manöver ausführt. Eben die verónica, welcher ein jeder matador zu Beginn verwendet, um den toro auf die capa zu fixieren.

Die Erfindung von diesem Manöver mit dem toro wird dem matador de toros Joaquín Rodriguez "Costillares" (1746 - 1799) zugeschrieben. Als Mitbegründer der tauromaquia begann er die capa so zu halten, wie auf einigen Abbildungen der Heiligen Verónica. Die Namensgebung ist jedoch erst später vom matador de toros Pepe Hillo (1754 -1801) erfolgt und wurde als verónica im Buch Tauromaquia o Arte de Torear erwähnt, welches 1796 im andalusischen Cádiz veröffentlicht worden ist.

Der torero Manuel Domínguez, die Heilige Veronika
und der 
torero Morante de la Puebla 

Donnerstag, 6. April 2017

Warum eigentlich?

Warum eigentlich berichten die deutschen Medien
dermassen einseitig über den Stierkampf?
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von Philip de Málaga


Wenn der FC Bayern München gegen SV Butzendorf mit 0:4 im eigenen Stadium verliert freuen sich gewiss zahlreiche Personen und viele finden es gar gut. Aber in den Medien wird doch dann mal hinterfragt, was ist da genau passiert und wie konnte es dazu kommen.

Wenn die CDU in der nächsten Bundestagswahl unter die Zwanzig-Prozent-Hürde fällt beginnt man doch gleich nach der Schliessung der Wahllokale mit der Analyse und die Presse versucht zu erklären was und warum dieses so geschehen konnte.


Genauso aus Kriegsgebieten. Da werden doch nicht nur die leidenden Familien gezeigt und die Leichenname oder Verwundeten gezählt, sondern man wird auch mit reichlich Hintergrundwissen versorgt.


Nicht aber beim Stierkampf. 


Wenn es um die mundo de los toros geht, wenn man im deutschsprachigen Bereich über die tauromaquia berichtet, scheint die deutsche Medienlandschaft eigentlich nur eins zu interessieren: Ist wieder ein torero schwer verletzt oder auch getötet worden? Oder sie fragen geradezu sarkastisch nach, ob diesmal der Stier gewonnen hat? Da scheint eine Schadenfreude zu entstehen, die man der Leserschaft oder am Bildschirm vermitteln möchte und spricht vom historischen Untergang einer spanischen Tradition.


Sogar mit einem Video werden online die Nachrichten aus der grössten Plaza de Toros von Spanien begleitet. Doch statt ein wenig zu erklären wird von "Bestrafung", "Aufspiessung" und "Durchbohrung" eines Menschen berichtet. Immerhin, irgendein Blatt spricht von einem torero, der ein Anfänger gewesen sei. Das war es aber auch schon, statt mehr auf diese Thematik einzugehen. Dass es sich hierbei um eine novillada gehalten hat, wird dem Leser vorenthalten, bzw., der Unterschied zwischen einer corrida de toros und einer corrida de novillos wird dem Leser einfach nicht mitgeteilt. Vielleicht auch deswegen, weil es die Redakteure selber nicht wissen. 

Leider wird auch der Tathergang fast garnicht oder auch falsch beschrieben:

Auszug aus dem Münchner Merkur vom 6. April 2017
Mitten im Kampf? Tatsache war jedoch, der 23-jährige novillero Dani García Navarrete kam zum Ende seiner faena und trat an, um den jungen Stier mit einer estocada zu töten. Dieser Augenblick wird auch momento de la verdad, der Augenblick der Wahrheit, genannt, weil es der erste Moment ist, wo sich der torero ungeschützt zwischen die Hörner des Stieres begeben muss, um den espada zwischen den Schulterblättern einzufügen. Und genau in diesem Moment, wenn der torero den Degen einführen möchte erwischt ihn der novillo mit den Hörnern. 
Dani García Navarrete setzt zum Todesstoss an. Nur wenige Sekunden später erwischt ihn der novillo.
Auch wurde der verletzte torero als einen Publikumsliebling bezeichnet. Wie sie dazu gekommen sind, ist rätselhaft, denn von Dani García Navarrete war es sein Debüt in Las Ventas von Madrid. Die meisten Zuschauer kannten ihn kaum. Und in den letzten fünfzehn Monaten stand er gerade lediglich sieben Mal im ruedo einer plaza de toros

Zwar war der novillo auffallend schwer, wog aber nur 460 Kilo und nicht 500, wie in den deutschen Medien informiert wird. Aber er war klein, wie eben ein novillo und hatte nicht die Größe eines ausgewachsenen 500-Kilo-toros

Mit anderen Worten, die verantwortlichen Journalisten waren weder dort, noch haben sie entsprechend recherchiert. Und das erleben wir beim Thema Stierkampf im deutschsprachigen Bereich immer wieder. Besonders bedauerlich, denn gerade bei dieser doch sehr sensiblen Thematik, sollte man seine Hausaufgaben machen, statt mit falschen und einseitigen Informationen um sich zu schmeissen. Warum fragen sich die Redakteure nicht einmal, weshalb an die siebzig Millionen Menschen weltweit sich für die tauromaquia begeistern? Warum schaut die ganze Welt im Juli nach Pamplona

Bei so wenig Feingefühl, bei kaum Recherche und bei so zahlreichen Verstössen gegen den Pressekodex sollten die deutschen Schreiber doch vom Thema der toros besser Abstand nehmen. 

Und so stellt sich die Frage, warum tun sie es dann? Wahrscheinlich vertreten sie zum einen den Standpunkt auf der "richtigen" Seite zu stehen, und zum anderen mit solchen Artikeln mehr Leser zu gewinnen. Nur dürfen sie dabei nicht in Anspruch nehmen, der Wahrheit nahe zu sein. Ist es nicht besser gar nicht zu schreiben als Unwahrheiten oder gar Lügen zu verbreiten?

Im Mai letzte Jahres setzte sich ein ganzes Team der BILD-Zeitung zusammen um der afición de toros 54 Fragen zusammenzustellen, die sich, laut der Redakteure die Anhänger von Stierkämpfen gefallen lassen müssen. Allein an den Fragen ist zu erkennen, dass die Journalisten sich nicht mal annähernd mit diesem Thema auseinander gesetzt haben. Trotzdem reagierte SfA mit 54 Antworten, welche die BILD Redakteure akzeptieren sollten! Ein Beitrag der bis jetzt schon über 8.000 Mal gelesen worden ist, zudem noch mit zahlreichen positiven Reaktionen.

Es ist einfach nur bedauerlich, wie die deutschsprachigen Medien, vollkommen unverständlich mit einer doch auch sehr intellektuellen Liga in Spanien umgehen. Die spanische Politikerin Esperanza Aguirre sagte mal dazu: "Natürlich haben diejenigen die gegen die fiesta sind nicht mehr das intellektuelle Niveau wie vor einem Jahrhundert, wie zum Beispiel ein Joaquín CostaAzorínMaetzuUnamuno oder Giner de los Ríos. Jetzt finden sich die Intellektuellen auf der anderen Seite wieder!" Und sie fügt hinzu: "Wir leben in einem freien Land und kein taurino zwingt niemanden in die plazas zu gehen!" Und genauso zwingt keiner die deutsche Presse etwas über das Thema Stierkampf zu schreiben.

Paul Ingendaay
Wer einen Blick in die Berichte der verschiedenen Tageszeitungen wirft, wird nur ein Blatt finden, welches auffallend demokratisch, sensibel und auch sachlich mit diesem Thema umgeht. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Obwohl sie ebenfalls ziemlich kommentarlos das Video zu Dani García Navarrete online eingestellt hat, verstand es Ihr Kulturkorrespondent Paul Ingendaay dieses Thema recht professionell anzugehen. Wie kaum ein anderer deutscher Journalist der Gegenwart, tauchte er nicht nur in das spanische Leben vollkommen ein, sondern verstand es die kulturellen Abläufe mit der Tradition zu verknüpften und es den Nichtkennern zu vermitteln. Er ist weder Pro noch Contra, für ihn gehört es zu Spanien und seine Artikel reflektieren die Passion für die Stiere wieder. Jene Leidenschaft, von der die meisten Deutschen keine Ahnung haben. 
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"Wenn die Deutschen über Stierkampf reden,
dann kommt es mir so vor,
alle reden mit,
aber keiner weiss Bescheid!"

Christian Q. aus Südafrika 
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In der Tat scheint es in deutschsprachigen Ländern so zu sein, das nicht wenige sich für die mundo de los toros interessieren, aber zum einen nicht wissen, wo sie sich entsprechend informieren können und zum anderen trauen sie sich nicht darüber öffentlich zu sprechen. SfA versucht schon lange, seit Juli 2009, auf neutralem Weg dagegen zu wirken, und wie wir von SfA darüber denken kann kann man bei der Idee von SfA nachlesen:
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"Wir von SfA wollen keinen von der Tauromachie überzeugen,
diese Entscheidung muss ein jeder für sich selbst treffen.
Unser einziges Ziel ist es zu informieren, darzustellen,
was wirklich in der mundo de los toros geschieht 
und versuchen zu erklären,
warum sich weltweit an die 70 Millionen Menschen
für die Welt der Stiere, 
und zwar aus allen Gesellschaftsschichten, interessieren!"
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Daran hat sich bis heute nichts geändert. Und STIERKAMPF für ALLE wird im kommenden Jahr mit einem neuen Portal beginnen, um gerade diese Gruppe der Interessierten anzusprechen.