Freitag, 23. Juni 2017

Iván Fandiño


  
Robert Weldon
June 22 at 7:48pm
Mi amigo Dominik, que reside en Florida, EEUU, es, además de un gran aficionado a los toros, una grandísima persona. Ayer, tocado por la confusión y la tristeza, escribió esta pieza musical original en homenaje al maestro Iván Fandiño. Me parece un homenaje muy acertado. Se escucha clase, hondura, seriedad, entrega, ambición. Se escucha Fandiño, QEPD. 

Mittwoch, 7. Juni 2017

Wenn Plakate täuschen




von Philip de Málaga


Barcelona rüstet sich für die nächste corrida,
doch eine corrida de toros soll es nicht sein
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Wer durch die Strassen der katalanischen Hauptstadt schlendert wird mit einem Plakat überrascht, welches die nächste corrida cultural ankündigt.
Man sieht eine Plaza de Toros, doch der eingefleischte aficionado erkennt es sofort und fragt sich, was soll dass denn? Zu sehen sind im Hintergrund die tendidos der Real Maestranza de Sevilla, der andalusischen Hauptstadt.  Eine Plaza de Toros  welche jährlich über zwanzig festejos taurinos vor meistens vollen Rängen veranstaltet. Pure afición a los toros. Aber es geht weiter: Die Dame im Zentrum des cartel mutet mit ihrem Haarkamm ebenfalls doch sehr andalusisch an. Und schließlich steht es in dicken Buchstaben dort geschrieben: LA GRAN CORRIDA CULTURAL. Alles wird gezeigt was die Seelen vieler Andalusier erfreuen lässt: Die königliche Plaza de Toros, andalusische Schönheiten, der rote Sand im ruedo und von einer CORRIDA ist die Rede, dessen Wort sich unmittelbar unter dem Begriff Toros positioniert findet. Nur der Hauptakteur scheint hier zu fehlen: Der toro bravo.

Da wird man mit andalusischen Elementen bombardiert, benutzt Vokabeln aus der mundo de los toros, doch den wichtigsten Darsteller will man nicht dabei haben. Mehr noch, unter den angekündigten Künstlern finden sich nicht einmal Spanier, geschweige denn Andalusier. Da kann man doch mal wirklich hinterfragen, was dieses cartel eigentlich überhaupt bewirken soll? Keine Frage, ist gibt auf jeden Fall eine fiesta, nur eben keine fiesta nacional

Ist es nicht so, dass die Katalanen das spanische Kulturgut der tauromaquia ablehnen? Dann sollten sie es aber auch konsequent tun, und nicht so andeutungsweise Wischi Wascha ins Rennen senden. Mit Regionalstolz hat dieses nichts zu tun. Und nebenbei bemerkt, die Monumental von Barcelona ist ja nun wirklich keine unbedeutende Plaza de Toros. Aus ihr sind zahlreiche berühmte figuras hervorgegangen und 1941 gab sogar eine maxicorrida gab. 
Warum ein so beeindruckender coso mit einer plaza de toros aus Andalusien beworben wird,
versteht eigentlich keiner.
Seit 1947 steuert die Familie Balaña das Geschehen rund um die Monumental. Man kann durchaus von einer Familientradition sprechen. Umso schwerer ist es nachvollziehbar, warum gerade das Haus Balaña so auf Distanz zu den toros steht. in diesem offensichtlichen Desinteresse sieht die größte Mediengruppe von Spanien, Vocento,  fehlendes Ehrgefühl und man spricht von nicht mal dem kleinsten Anzeichen eines Reuegefühls der afición gegenüber. Und warum Balaña ausgerechnet mit Sevilla für Barcelona wirbt ist und bleibt für niemanden nachvollziehbar. 

Es geht aber auch anders. In Madrid zeigt man den Katalanen wie man eine corrida de la cultura organisiert: Der bekannte empresario Simon Casas will die barrera, welche die tauromaquia von der Gesellschaft trennt niederreissen, und die pasión taurina dem Publikum so nahe bringen wie möglich. Als Teil der Kultur. Dazu werden die Zuschauer unter anderem eingeladen die ganadería vorerst zu besuchen, dann beim Verladen und Entladen in der Las Ventas dabei zu sein und die dazugehörige corrida soll vom Minister für Kultur als presidente geleitet werden.

Dienstag, 6. Juni 2017

Kurswechsel bei den Linken?




von Pablo Iglesias


Ein Verbot der Tauromachie ist auch bei der
linkspopulistischen Podemos keine Thema mehr
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Der 1978 in Madrid geborene Pablo Iglesias gehört zu den führenden Persönlichkeiten des linkspopulistischen Sektors. Als Generalsekretär der Partei Podemos führte er eine Partei an, die sich für ein Verbot der toros aussprach. Vor allem in Städten wie Alicante oder Huesca (Aragón) ging Podemos mit geradezu brachialer Gewalt gegen die mundo de los toros vor. 

Befand sich die Partei in den Jahren 2012 und 2013 im politischen Höhenflug ist sie nun aufgefordert sich neu zu situieren. Ein glaubhaftes Konzept gegen die PSOE muss her. Zahlreiche ihrer jungen Wähler bekennen sich aber zu afición a los toros. Und um diese nicht zu verlieren versicherte  Pablo Iglesias auf einem Forum der konservativen Tageszeitung ABC in Madrid, das die prohibición de los toros definitiv kein politisches Ziel von Podemos sei. 
Pablo Iglesias, Spitzenkandidat von Podemos

"Ich mag die toros nicht, 
aber die corridas werde ich nicht verbieten!"

Sonntag, 4. Juni 2017

Der Antitaurino Peter Jansen, in Frankreich verhaftet




von Philip de Málaga


Während der Live-Übertragung wollte es 
der bekannte Antitaurino es der ganzen Welt zeigen,
doch es kam anders!
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Gerade hatte SfA seine Leser über die neue digitale Plattform für Liveübertragungen Taurocast am Freitag berichtet, nahm der bekannte  antitaurino Peter Jansen die morgendliche novillada in Vic-Fezensac, welche live weltweit zu sehen war,  erneut zum Anlass, um unerlaubt sich mit freiem und beschmierten Oberkörper zwischen dem ersten und zweiten novillo in das Rund der plaza de toros zu begeben (saltar al ruedo), um gegen die tauromaquia zu protestieren. Doch diesmal wurde es nicht zu einem anillo de la gloria für den sector antitaurino, denn die französische Polizei setzte überzeugend und unverzüglich diesem Auftreten ein Ende und verhaftete den illegal operierenden menschlichen saltarín

Der verhaftete antitaurino Peter Jansen
Das Peter Jansen von ausländischen Organisationen, vor allem aus den Niederlanden, welche meistens relativ aggressiv gegen die mundo de los toros operieren, finanziert wird, ist weitgehend bekannt. Trotzdem wurden in den bisher 16 Strafbeständen mitnichten die erforderlichen Gelder gezahlt, welche sich jeweils zwischen 300 Euro und 30.000 Euro pro Veranstaltung bewegen. In sechs Fällen, so in Mallorca, Requena, Castellón, in Madrid Vista Alegre und Las Ventas sowie in Córdoba sind die Strafzahlungen nach wie vor in Höhe von 600.000 Euro fällig. Und da die zivilrechtlichen Strafen nicht ihre entsprechende Wirkung zeigten, hat das Gericht, Kammer Nummer 7 in Madrid im März diesen Jahres entschieden, das Verfahren gegen Peter Jansen in einen strafrechtlichen Prozess umzusetzen und seinen Suchbefehl ausgeschrieben. Seitdem galt Peter Jansen als flüchtig. 

Doch nun wurde er in Frankreich am Vormittag des letzten Samstags in Vic-Fezensac nicht nur aus der plaza de toros geführt, sondern auch gleich verhaftet und auf Initiative des französischen Journalisten und aficionado de toros, André Viard der Justiz übergeben, damit man ihn nach Spanien ausliefert. Diesem Antrag wurde unverzüglich stattgegeben und Peter Jansen wurde den Händen der Guardia Civil übergeben, damit man ihn der spanischen Gerechtigkeit zuführen kann.

In dem Portal SOS-Galgos konnte man folgendes lesen:
Da sei doch mal die Frage erlaubt, wie tief sind eigentlich die antitaurinos aus dem Sektor des "Tierschutzes" gesunken, um kriminelle Personen auf etwas anzusetzen sogar finanziell zu unterstützen, was zum einen, nicht nur als kulturelles Erbe deklariert ist, also sich absolut im Bereich der Legalität befindet, und zum anderen vor allem eine Anhängerschaft von an die siebzig Millionen Menschen hinter sich weiss?

Man darf gespannt sein, was der sector antitaurino jetzt unternimmt, um Peter Jansens Freiheit zu bewirken.

Freitag, 2. Juni 2017

TAUROCAST: Live-Stierkämpfe für die ganze Welt




von Philip de Málaga


Ab morgen:
Ein neues Portal via Internet geht ins Rennen,
wo man auch in Deutschland die toros sehen kann
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Eine neue Plattform um die mundo de los toros aus Spanien und Frankreich in die Welt zu tragen ist geschaffen worden. Und ab morgen, Samstag beginnt Taurocast mit seiner ersten Live-Übertragung einer corrida de toros. Geplant sind für dieses erste Jahr die Übertragung von 25 festejos taurinos (17 corridas de toros und 8 novilladas).

Manuel Molés Usó
Begleitet werden die festejos taurinos von dem anerkannten Moderator und Träger der Medaille für die Schönen Künste (Medalla de Oro al Mérito de las Bellas Artes) aus dem Jahr 2006, Manuel Molés Usó aus der Provinz Castellón. Der jährige Kommentator lebte sein Leben in der mundo taurino. Erst bei dem spanischen Hauptsender TVE, dann ab 1991 beim Pay-TV-Sender Canal+. Er gilt als die Stimme der tauromaquia, als der Erzähler der corridas. Vor gerade mal sieben Monaten, hatte er sich bei der der letzten corrida von Zaragoza von der mundo taurino verabschiedet. Umso erstaunlicher für viele, dass er wieder zu sehen und vor allem zu hören sein wird. Wahrscheinlich setzen die Initiatoren von Taurocast als Werbeeffekt, eben gerade auf diese Stimme. 

Es begann mit der Gründung der Tebas Broadcast S.L. am 2. Dezember 2016 durch den aficionado de toros Javier Tebas Janas, dessen Vater Präsident der Spanischen Fussballliga ist. Das Unternehmen verfolgt in erster Linie fünf Ziele: Produktion von Veranstaltungen und Shows, Übertragungen und Verteilungen derer, Kauf und Verkauf von Medienrechten, Verkauf und Vermietung von Güterverkehr und Gebäuden und als letzten Punkt Verwaltungsaufgaben. Das jüngste Projekt gehört nun den toros. Javier Tebas sieht es so: "Es handelt sich um eine digitale Plattform wie Netflix, HBO oder beim Sport, und wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass diese weitgehend angenommen worden sind. Da dachte ich mir, dass es an der Zeit wäre, eine solche Initiative für die mundo de los toros zu starten". Gesagt, getan, morgen geht es los.

Im französischen Vic-Fezensac beginnt es morgen gleich mit zwei festejos taurinos, einer novillada am Vormittag mit einer corridas am Nachmittag. Überhaupt ist es auffallend dass über 60 Prozent der festejos in dieser temporada taurina von Taurocast aus Frankreich übertragen werden. Über die Auswahl der plaza de toros sagte Javier Tebas: "Wir haben den aficionados zugehört, und wir denken es besteht ein Interesse die corridas zu sehen, bzw. ferias taurinas zu verfolgen, weil sie zwar gut, aber eben noch nicht so bekannt sind".
Vic Fezenec: Morgen laufen hier die Stiere ein und weltweit kann man es sehen.
Es folgen Granada, Segovia, Céret, Mont-de-Marsan, Saint Vincent de Tyrosse, Huelva, Huesca, Bayona und Aranda del Rey. Die letzte Übertragung findet zwischen dem 25 August und 15 September statt. Hierbei können die Zuschauer sich die corridas aussuchen.

Finanziell scheint das Angebot auch recht attraktiv. Das Jahresabonnement für die 25 festejos taurinos liegt bei 69,99 Euro (2,76 pro Veranstaltung). Wer noch schnell zugreift bekommt noch 10 Euro Preisnachlass. So bekommt man pro festejo für 2,36 Euro. Interessant bei dieser Preispolitik, man hat die Möglichkeit die ferias taurinas bzw. corridas einzeln zu buchen. Dort beginnen die Preise je nach Volumen der feria bei 4,90 Euro. Vorteil von dieser Variante, auch bei einem cartel de lujo mit figuras, bleibt man nicht mit einem No hay billetes vor einem leeren Bildschirm sitzen. Ein weiteres attraktives Angebot, bei beiden Preisen hat man in der Mediathek auf all seinen Geräten die Möglichkeit die Veranstaltung verspätet oder mehrmals zu sehen.

Wo man Taurocast als digitale Plattform sehen kann scheint auch vielen verständlich. Auf allen Computern, Tabletcomputern, Smartphones auch somit auch auf den Smart-TV mit entsprechender Verbindung. Bei Apple TV gibt es schon eine eigene App. Auf Amazon leider noch nicht. 

Auf jeden Fall erhält hier Canal Plus Toros von Movistar mit seinen an die 80.000 Abonnenten eine gewaltige Konkurrenz. Javier Tebas hat grosse Pläne. Und im Gegensatz zu anderen Konkurrenten möchte er sich am Interesse der Zuschauer, der aficionados de toros orientieren. Am Ende des Jahres möchte man das Projekt Amerika angehen und das Endziel ist die Champions League der tauromaquia: San Isidro. Die Gruppe von Movistar muss sich wohl warm anziehen. 

Ein Kuriosum zum Ende. Taurocast versteht sich als eine weltweite Plattform, aber neben Spanien und Frankreich wollen sie vor allem die Vereinigten Staaten und Norwegen ins Visier nehmen. 

LINK: Taurocast

Mittwoch, 31. Mai 2017

Ja was denn nun?




von Philip de Málaga


Demonstration gegen Stierkampf in Madrid
Wie viele waren es denn nun?
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Was ist eigentlich Realität? Gewiss den Ursprung leitet man von dem lateinischen Wort "realitas" ab, welches für Wirklichkeit steht. Der Duden definiert es als eine tatsächliche Gegebenheit. 

In der tauromaquia wird für die jeweilige Seite, seien es nun aficionados de toros oder antitauristas, stets bevorzugt die eigene Wahrheit in Anspruch genommen. Ob diese dann der Realität entspricht, steht auf einem anderen Blatt.

Kurios wird es stets, wenn antitaurinos dann auf die Strassen gehen und mit Zahlen um sich schmeissen, wie viel sich denn nun beteiligt hatten. So fand am 13. Mai diesen Jahres in der spanischen Hauptstadt Madrid eine manifestación statt um ein Verbot der tauromaquia zu fordern. Kurios, obwohl siebzehn Organisationen für Tierschutz hinter diesem Event standen, fand sich die nach eigener Angabe größte Tierrechtsorganisation der Welt, Peta nicht in der Liste der Veranstalter. Die Frage, warum sich diese Organisation nicht daran beteiligt hat, scheint nicht ungerechtfertigt. Auch wird zwar in den spanischen Medien berichtet, dass sich die spanische Partei für Tierschutz, Pacma hinter diese manifestación gestellt habe, wie Podemos oder Izquierda Unida, aber trotzdem tauchte die Pacma nicht als Veranstalter auf. Allerdings sollte darauf hingewiesen werden, dass Pacma selber schon einige manifestaciónes für ein Verbot der toros organisiert hat.

Zurück zum 13. Mai. Es ist erstaunlich mit anzusehen, wie hier verschiedene Medien, und selbstredend der sector antitaurino die Öffentlichkeit mit Zahlen bombardiert haben,  welche teilweise über 2.500 Prozent variieren. Wie kann das sein? Während man zu lesen bekommt, dass es 80.000 gewesen sein sollen, sprechen offizielle Stellen der Regierung von lediglich 3.000 Manifestanten. Eine solche Spannbreite entbehrt einer jeglichen Logik.
Dagegen sprechen nicht alle antitaurinos von einer solch hohen Beteiligung. Einer der Mitveranstalter, Anima Naturalis teilte in einer Pressemitteilung mit, dass die Zahl der Beteiligten sich auf 18.000 beziffern lässt. Wie zu ersehen ist, auch im eigenen Lager herrscht eine Diskrepanz wie viele denn nun da waren.

Auf jeden Fall scheint die Zahl von 80.000 utopisch hoch angesetzt zu sein. Und trotzdem kein Einzelfall. Zum Beispiel am 28. März 2010. Während Tierschützer hier von 20.000 gar 25.000 sprachen, nur um die Zahl der Besucher in der Plaza de Toros Las Ventas von knapp 24.000 aficionados zu übertrumpfen, waren es laut den spanischen Medien wie EL PAÍS gerade mal 2.000 bis 3.000 Gegner von Stierkämpfen. Und mit dem Jonglieren von Zahlen unterstreicht man mit Sicherheit nicht seine Glaubwürdigkeit.
Ein antitaurina in Madrid: Für eine mehr animalische Menschlichkeit
Abschliessend seien noch weitere Gedankengänge erlaubt : 
  • Wie viel Tier braucht der Mensch für seine Menschlichkeit? 
  • Und setzen sich die lautstarken antitaurinos auch wirklich für die toros ein? 
  • Es ist noch kein Fall bekannt, dass ein antitaurino einem toro das Leben gerettet oder freigekauft hat, und sich um ihn dann auch kümmerte.
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Siehe auch:
Doch so viele oder nur so wenig SfA Reportage vom 28.03.2010



Montag, 22. Mai 2017

Der Stier verwandelt sich zum Spiegelbild der Menschheit




von Philip de Málaga


Polemik in Alicante
Über den Versuch ein Stierkampfplakat zu verbieten
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Das man im sector antitaurino alles unternimmt um die mundo de los toros komplett zu verbieten, ihr das Leben schwierig zu machen, scheint mehr als nur nachvollziehbar. Nichts desto trotz sollten sich auch deren Argumentationstechniken in einem nachvollziehbaren Bereich befinden. Da kommt nicht selten viel Polemik ins Spiel und jene gezielten Beleidigungs- und Diffamierungskampagnen seien mal bewußt beiseite gelassen. 

In der spanischen Hafenstadt Alicante mit gut 330.000 Einwohnern, südlich von Valencia, haben die toros viel Tradition. Schon seit dem 15. Jahrhundert wurden in der dortigen 2.000-Seelengemeinde festejos populares dokumentiert. Das erste festejo taurino mit königlicher Präsenz wird auf das Jahr 1605 datiert. Eine erste richtige  Plaza de Toros entstand 1847. Aber erst nach dem grossen Umbau wurde mit einem damals stolzen aforo für 15.235 Zuschauer am 8. Juni 1888 der neue coso alicantino eingeweiht, bei der die berühmten figuras Frascuelo, Lagartijo und Guerrita sogar unter anderem gegen toros der ganadería Miura antraten. Ein Ort mit einer 170-jährigen Tradition der tauromaquia. Da kann man sehr wohl den Titel des Kulturerbes rechtfertigen.
Schon seit 1988 verfügt die Hafenstadt Alicante über eine grosse Plaza de Toros
Und nun in der Gegenwart zieht die Plaza de Toros der 2. categoría jährlich zu ihren vier corridas de toros, dem rejoneo und einer novillada tausende von aficionados an. Im letzten Jahr wurden, weil unter anderem der populäre matador de toros José Tomás antrat, alle abonos verkauft. An die 90.000 Zuschauer in nur einer Woche! Die ganze spanische Pressewelt schaute nach Alicante um zu sehen, was der maestro aus Galapagar bei Madrid im ruedo leistete. Die tendidos wurden mit tres orejas belohnt. Die mundo taurino freute sich und war begeistert. 
2016: Volles Haus in Alicante
Und nun, ein Jahr später schaut die spanische Medienlandschaft erneut nach Alicante. Eine feria taurina beginnt mit einer Ankündigung, einem so genannten cartel. Und genau jenes cartel taurino 2017 für Alicante sorgte für Aufregung, für viel Polemik.

Am Dienstag der letzten Woche wurde im Kreistag, auffallend spontan, durch das mehrheitliche Bündnis linker Regionalparteien, Compromís, die alcantinische Vereinigung Guanyar Alacant, welcher unter anderem die linkspopulistische Podemos angehört und auch die sozialistische Arbeiterpartei PSOE beschlossen, nicht die toros zu verbieten, sondern das cartel taurino. Was ist geschehen?

Im sector taurino ist man verständlicherweise vor allem in den letzten Jahren besonders bemüht, den kulturellen Anspruch der tauromaquia zu unterstreichen. Für viele aficionados de toros ein viel zu spätes Bestreben. Denn gerade im Umgang mit den intellektuellen aficionados tun sich die antitaurinos besonders schwer. So auch in diesem Fall.

Auslöser von dem ganzen Trubel war auf dem cartel taurino die Darstellung  des spanischen Poeten und Dramatikers Miguel Hernández Gilabert (1919 - 1942, zu seinem 75-jährigen Tod), dessen Porträt vor dem Kopf eines toros zu sehen ist. Neben der Büste des Schriftstellers finden sich Auszüge aus seiner Poesie Llamo al toro de España. 

Für die linke Politikerschaft symbolisiert Hernández den Kampf für die Freiheit. Er beteiligte sich aktiv am spanischen Bürgerkrieg  (1936 - 1939) auf Seiten der Republikaner, und nahm im Juli 1937 am II. Internationalen Schriftsteller Kongress für die Verteidigung der Kultur in den Städten Barcelona, Valencia, und Madrid teil, wo sich auch berühmte Schriftsteller einfanden wie Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger oder Pablo Neruda
Das war eine klare antifaschistische Kampfansage. Doch der Krieg war für die Republikaner verloren, Franco übernahm die Macht, und Miguel Hernández war gezwungen, nachdem das faschistische Regime die Vernichtung zahlreicher seiner Werke anordnete, die Flucht anzutreten. Es gelang ihm die Grenze nach Portugal zu erreichen und auch zu überqueren. Aber da er ohne Dokumente war, wurde er spontan von den portugiesischen Polizisten der Guardia Civil übergeben. Er kam in das Gefängnis von Sevilla, wurde dann in das berühmte Gefängnis von Madrid, dem Cárcel de Torrijos überwiesen. Dank des Einflusses seines Freundes Pablo Neruda kam er aber im September 1939 ohne Prozess wieder auf freien Fuss. Doch nur für kurze Zeit. Denn nur wenige Monate später wurde er wieder verhaftet und im März 1940 zum Tode verurteilt.  Und wieder traten seine intellektuellen Freunde, allen voran José María de Cossío (der Gründer des grössten Lexikons über die tauromaquia, den COSSÍO), für ihn ein und noch im selben Sommer verwandelte die Justiz die Todesstrafe von Miguel Hernández in eine 30-jährige Haft. Er wurde im September in das Gefängnis von Palencia und von dort nach Ocaña in Toledo verlegt. Ein Jahr später brachte man ihn nach Alicante, wo er die Zelle mit dem bekannten spanischen Maler und Schriftsteller Antonio Buero Vallejo teilte. Noch im selben Jahr erkrankte er an Tuberkulose und starb am 28. März 1942 um 5.32 Uhr. 
Die Nobelpreisträger Vicente Aleixandre und Pablo Neruda waren gute Freunde von Hernández.
Und an diesem Punkt setzen die links-sozialistischen Politiker an und meinten, das ein Freiheitskämpfer, der mit seinem Leben sich für die Demokratie einsetzte, für die Freiheit menschlichen Handels und Denkens stand, eben wie unter anderem links orientiertes Gedankengut, und sein Leben verlor, nichts auf einem cartel taurino zu tun habe. Seine Büste auf einem Plakat was für eine Veranstaltung für ein "Vergnügen des Tötens" werbe, könne nicht für seine Ideologie stehen. Und genau hier irren die Befürworter von dem Verbot.

Denn der Name Miguel Hernández lässt sich sehr wohl mit der mundo de los toros in Einklang bringen. Zum einen pflegte er Freundschaften zu zahlreichen aficionados de toros, wie auch zu Pablo Neruda oder Vicente Aleixandre und zum anderen verstand er sich in der poesía taurina. Und allein schon in seiner bekanntesten Poesie wird es im Titel Llamo al Toro de España  ersichtlich: Der toro und Spanien, das gehört irgendwie zusammen.
Link: LLAMO AL TORO DE ESPAÑA
Die toros stellen in allgemeinen Werk von Miguel Hernández eine wichtige Metapher da, in welcher nicht nur der Ruhm oder die Niederlage in der mundo de los toros dargestellt wird, sondern er erkennt in der tauromaquia die Tragödie der menschlichen Existenz. Seine Art und Weise die eigene Weltanschauung zu präsentieren. So steht im Zentrum seiner Gedichte der toro bravoein wildes Wesen, bereit zu töten, welcher im ruedo gegen den torero, den Menschen antritt, um die Menschheit mit der eigenen begrenzten Existenz zu konfrontieren.
Miguel Hernández mit einem jungen novillo.
Da Hernández genauso wie der toro vom Land kommt, identifiziert er sich auch mit ihm. In ihm sieht er die Leidenschaft, die Zerstörung, die Liebe und die Eroberung des Lebens. 
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"Der toro verwandelt sich
zum Spiegelbild der Menschheit."

Miguel Hernández
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José María de Cossío
1934 kam Miguel Hernández in den direkten Kontakt mit der mundo de los toros. Sein grosser Freund und Förderer José María de Cossío nahm ihn mit in sein Team, um in der Redaktion für das monumentale und einzigartige Nachschlagewerk über Stierkampf, den COSSÍO, mitzuarbeiten. Mit viel Euphorie ging Hernández an die Arbeit. 

Es geht sogar weiter. In der Literatur spricht man von der tauromaquia hernandina, wo das Sein des Menschen und seine Rechtfertigung dazu im Mittelpunkt stehen. Insbesondere der toro und der toreo. Eine Begegnung die vom Schicksal bestimmt zu sein scheint, vom beherrschten, geradezu stoischen Beginn bis hin zum  Sieg über den Tod. Besonders häufig wird diesbezüglich die Poesie Citación fatal (Verhängnisvolle Aufforderung) in Verbindung gebracht. Der zweite Teil von diesem Gedicht beginnt mit Morir es una suerte como vivir (Zu sterben ist eine suerte wie zu leben). Unter einer suerte versteht man im toreo ein jegliches Manöver, welches von einem torero mit capa oder muleta mit dem toro durchgeführt wird. Im wahren Leben reflektiert sich in der suerte die Art und Weise im Umgang mit den Gegebenheiten. Diese Zeilen widmete Hernández in Anspielung an die Tragödie des Lebens dem torero Mejías Sánchez, welcher auf tragische Weise den Tod fand (SfA-Mitarbeiterin Torodora Gorges hat sich auf ihrer Webseite torodoro mit diesem torero auseinandergesetzt).

Es lässt sich nun mal nicht verleugnen. Hernández und die toros das geht sehr wohl. Selbst im Kreistag von Alicante merkte man, auch auf den Druck der Medien hin, mit diesem Vorgang sich doch eher der Lächerlichkeit preisgegeben zu haben. In der konservativen Tageszeitung ABC sprach die empresa von einem politischen Vandalismus. Andere bezeichneten es als sterile Polemik. 

Selbst die Ausrede der eher links orientierten Politiker, Plakate müssten grundsätzlich zuerst einmal von der Politik abgesegnet sein, wirkte doch eher bescheiden. Auch der Hinweis, dass dieses Verbot nicht als ein Angriff auf die corridas de toros zu verstehen sei, wirkte sicherlich nicht überzeugend. Und  so kam es schnellstens zur Schadensbegrenzung. Nur einen Tag später, am Mittwoch den 17. Mai machte der Kreistag von seinem Verbot einen Rückzieher.

Ende der Polemik.
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Quellennachweise:

EL Simbolismo del Toro en la Obra Poética de Miguel Hernández von Mariate Cobaleda, Universität von Salamanca 2005
Poemas del Alma, Portal über spanische Poesie
poesiacastellana, Portal über spanischsprachige Poesie
ABC Comunidad Valenciana

Freitag, 5. Mai 2017

Historischer Rekord




von Philip de Málaga


40.000 verkaufte Eintrittskarten an einem Tag
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Sie ist nicht nur mit einem aforo für 23.798 Zuschauer die grösste Plaza de Toros in Europa mit den meisten festejos taurinos, sondern die toros im Allgemeinen erfreuen sich in der spanischen Hauptstadt auch grösster Beliebtheit. So wurden am ersten Verkaufstag für die einzelnen entradas am 3. Mai 2017, so teilte die empresa mit, 40.000 Tickets verkauft. Davon 75 Prozent über das Internet. 
Auch im Vorfeld verbuchte der Verkauf von Dauerkarten einen leichten Anstieg. Für die temporada taurina 2017 wurden 16.258 abonos verkauft. Somit befinden sich knapp 70 Prozent der Sitzplätze in Las Ventas in den Händen von leidenschaftlichen aficionados de toros.
Die Stierkämpfe in der spanischen Hauptstadt erfreuen sich steigender Beliebtheit. (Foto: mundotoro)

Mittwoch, 3. Mai 2017

Picasso in London





von Ursula Herzog



Über die Ausstellung "Minotaurs and Matadors" in London
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Am 28. April wurde in London in der Gagosian Gallery in Mayfair eine Ausstellung mit dem Thema "PICASSO: MINOTAURS AND MATADORS" eröffnet. Diese Ausstellung wird bis zum 25. August 2017 geöffnet bleiben.
1959 in Cannes (Photo: Edward Quinn
Der Kurator ist Sir John Richardson. Richardson, 93 Jahre alt, war mit Picasso befreundet und war gemeinsam mit dem Künstler bei vielen Stierkämpfen im Süden von Frankreich. 
Pablo Picasso und John Richardson in Vauvenargues (1959) 
Ausgestellt sind 120 Exponate, die meisten aus Privatsammlungen. Es handelt sich um Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Drucke, Keramik und einen kleinen Film aus dem Jahr 1929. In der Ausstellung ist auch das kleine Bild des Picadores auf seinem Pferd zu sehen, welches Pablo Picasso im Alter von acht Jahren gemalt hat.
Le Picador (1890)
Torero (1970)

Samstag, 29. April 2017

Eine Stierkampfarena in Schwerin





von Peter G. aus Ulm


Es ist doch immer wieder erstaunlich mit anzusehen, wie die Deutschen zwar gegen den Stierkampf wettern, die Anhänger wie Befürworter von Stierkämpfen beschimpfen, beleidigen, und sogar den Tod wünschen, aber sie selbst benutzen die Ideologie des Stierkampfes für eigene Zwecke. Da steht der Stier als Symbol für Kraft und Fruchtbarkeit. Aber durch ein Verbot der Stierkämpfe nutzt ihm die Fruchtbarkeit wenig, denn die Zucht dieser edlen Rasse wollen die Antitaurinos verbieten.

Und obwohl der Stierkampf so kritisiert wird, finde ich immer wieder parallele Darstellungen wo man sich meistens mit der Kraft eines Kampfstieres vergleicht. Oft auch der Mut, die Eleganz und die Geschicklichkeit eines Toreros wird gerne eingebracht. Und schon ist vergessen die so hoch verfluchte Grausamkeit. Vom Tod will man nichts wissen, aber an dem allgemeinen Ruhm eines Toreros zu profitieren, das kann doch nichts Schlechtes sein. Denn mit Stierkampf habe es nichts zu tun. Und man spricht auch nicht davon. Wirklich nicht?

Auf meiner Reise nach Mecklenburg stolperte ich über folgende Schlagzeile: Mecklenburger Stiere ohne Chance. Und der Artikel begann: In der Schweriner Stierkampf-Arena ... Ja, Sie haben richtig gelesen. Da stand es klar geschrieben: Stierkampf! Es ist sogar die Rede von einer Stierkampfarena! Einer Plaza de Toros, wie man es in Spanien nennt. Noch ähnlicher kommt man dem französischen Arénes
Gut es ging in der Tat nicht um Stierkampf, wie wir ihn aus Spanien kennen, sondern um Handball. Und die Spieler nennen sich eben die Stiere. Und den Stier nehmen sie wortwörtlich. Ich surfte online und entdeckte in einem anderen Artikel, dass acht Mal der Begriff Stiere vorkam. 
Gewiss, die Identifizierung mit Tieren finden wir öfters. Zum Beispiel auch in Sprichwörtern:
  • Ein toller Hecht sein
  • Sich wie ein Geier auf etwas stürzen
  • Bekannt wie ein bunter Hund sein
  • Auf das richtige Pferd setzen
  • Wie von der Tarantel gestochen
  • Ein Gedächtnis wie ein Elefant haben
  • Kämpfen wie ein Löwe
Da gibt es noch tausend weitere Beispiel. Aber ich möchte auf die Anspielung eingehen. Wenn man sich zum Beispiel als Löwe sieht, also die Handballer sich als Löwen bezeichnen, kämen sie dann auf die Idee, ihr Stadium Löwenkampf-Arena zu nennen? Wohl kaum. Auch andere Tiere kämen da nicht zum Einsatz. Hundekampf-Arena, würde sicherlich die Tierschützer auf den Plan rufen. 
Die Sport- und Kongresshalle in Schwerin
Es liegt auf der Hand. Die ideologische Parallele zum Stierkampf ist offensichtlich. Und das hier ist kein Einzelfall. Ich bin sogar davon überzeugt, dass die meisten Mitglieder in jenem Handballclub auch wenig Ahnung vom wahrhaftigen Stierkampf haben.