Mittwoch, 17. April 2013

Der kleine Picasso und die Stiere

Selbst "Pablito" organisierte als kleiner Junge corridas in Málaga
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von Philip de Málaga


Der berühmte spanische Künstler Pablo Picasso (sein kompletter Name war Pablo Diego José Francisco de Paula Juan Nepomuceno María de los Remdeios Cipriano de la Santísima Trinidad Ruiz y Picasso, so steht es zumindest im Taufbrief) ist am Dienstag den 25. Oktober 1881 in der südspanischen Metropole Málaga im Haus Nummer 36 an der Plaza der Riego, dem heute bekannten Plaza de la Merced geboren, begleitet von starkem Regen und den kräftigen Böen des Levante. Und genauso ungestüm wie der Wind durch Málaga fegte, begann eine grosse Karriere des erst geborene Sohn der Familie Ruiz.

Der heutige Plaza de la Merced in Málaga
Pablito, wie er liebevoll genannt wurde, war stets nervös, liebte die Bubenstreiche und war trotzdem allen sympathisch. Seine Spielwiese war der heutige Plaza de Merced. Dort tobte er sich mit seinen Freunden aus, jenen Kindern die einen grossen Gefallen an den toros hatten, wie fast alle jungen Leute. Und so war es naheliegend, dass er seinen Vater regelmässig zu den corrida de toros in Málaga begleitete. Pablito war so angetan davon, dass er gelegentlich die plaza, wo er wohnte in eine plaza de toros verwandelte, einige seiner Kompagnons wurde zu toros und er selbst übte sich im Schwingen der capa und der muleta. So veranstalte er seine eigenen tardes des toreo de salón. Seine ersten selbstorganisierten corridas, nur eben ohne toros.

Der kleine gelbe picador
Sein erstes Wort was er sprechen konnte, laut seiner Mutter María Picasso López war "piz". Dahinter verbarg sich aber nicht eine Anspielung auf die menschlichen wie notwendigen Bedürfnisse sondern vielmehr die Aufforderung nach einem "lápiz", das spanische Wort für Bleistift. Schon mit seinem ersten ausgesprochenen Wort deutet Pablo Picasso an, was er wollte, nämlich den Spuren seines Vaters zu folgen, der ebenfalls ein Künstler war. Schon in frühen Jahren widmete er sich dem Zeichnen und der Kunst und sein erstes Werk in Ölfarben widmete Pablito im Alter von neun Jahren den toros. El pequeño picador amarillo (Der kleine gelbe picador). 

Pablo Picasso malte nicht nur weiterhin viel über und von den toros er konnte sich auch als Künstler und Mensch mit der mundo de los toros identifizieren. Ganze Ausstellungen geben noch heute davon ein Zeugnis ab.
Der grosse Picasso und die Stiere

Dienstag, 16. April 2013

Es ist immer eine Fiesta de toros!




Rainer Bischof


"Es existiert im spanischen Denken um die Fiesta de toros 
der Begriff "Kampf" überhaupt nicht.
Im gesamten spanischen Vokabular für die Corrida, 
überhaupt für das Umgehen mit den Stieren, 
gibt es den Begriff "Kampf" gar nicht. 
Es ist immer eine Fiesta de toros, ein Fest für die Stiere."

Rainer Bischof
(Komponierender Philosoph 
und langjähriger Chef der Wiener Symphoniker)

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Quellennachweis:
Heilige Hochzeit, Rainer Bischof, Böhlau Verlag, Wien 2006

Montag, 15. April 2013

Die Geburtsstunde der internationalen Tauromachie

Erst Anfang des letzten Jahrhunderts, genau im Jahr 1923, war es der Amerikaner Ernest Hemingway der der mundo de los toros ausserhalb der spanisch sprechenden Länder zu einen gewissen Ruf verhalf.
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von Philip de Málaga

Zwar haben schon Romanciers wie Lord Byron (1788 - 1824) oder Théophile Gautier (1811 - 1872) einem intellektuellem Kreis an Lesern in Europa vermittelt, was die Spanier mit den Stieren machen, doch das Interesse im Ausland an der mundo de los toros wurde erst durch den amerikanischen Nobelpreisträger Ernest Hemingway so richtig geweckt. Im Frühjahr 1923 fuhr Hemingway mit einem Freund nach Madrid um seinen ersten Stierkampf zu sehen. Der amerikanische Schriftsteller berichtet von seiner Vorfreude und dem Erwerb von zwei barrera-Plätzen direkt unter der Presidentenloge für jeweils 25 Peseten. Gleich neben ihnen sass ein Amerikaner der sich mit den toros schon auskannte und ihnen gerne erste Informationen vermittelte. 

Und es war keine novillada, wie viele vermuten, sondern eine corrida de toros die Hemingway zu sehen bekam mit den matadores de toros Gitanillo, Chicuelo und Villalta y Serres. Mit einer unglaublichen Beobachtungsgabe erkennt der amerikanische Schriftsteller die Faszination der toros.
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"Keiner darf sich während des Kampfes einem Stier anders nähern 
als direkt von vorne. Das macht die Sache gefährlich."

Ernest Hemingway
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Hemingway berichtete was er gesehen und empfunden hat. Dabei ging es für heutige Verhältnisse auffallend brutal zu, allein schon deswegen, weil zu diesem Zeitpunkt die Pferde der picadores noch nicht über den entsprechenden Schutz, den peto, verfügten, welcher erst 1929 eingeführt worden ist. Vielleicht sogar wegen Hemingway, der in den kommenden Jahren die toros literarisch ins Ausland brachte. Am 20. Oktober 1923 berichtet Hemingway der Öffentlichkeit in der Wochenendausgabe des Toronto Stars über seine erste Begegnung mit den toros. Und er stellt gleich fest, dass man eben das, was hier geschieht gar nicht rechtfertigen sollte und kann:
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"Ich habe nicht vor den Stierkampf zu entschuldigen.
Der Stierkampf ist kein Sport. Es wurde nie behauptet, dass er einer sei.
Der Stierkampf ist eine Tragödie, eine sehr grosse Tragödie.
Die Tragödie ist der Tod des Stieres."

Ernest Hemingway
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Im Juli besuchte Hemingway Pamplona. Auch hierüber hat er im Toronto Star am 27. Oktober 1923 berichtet und von nun an entwickelte sich der amerikanische Schriftsteller zu einem Vollblutaficionado. Er lernte toreros kennen, diskutierte mit spanischen aficionados und 1925 erschien sein erstes Buch über die toros. Der Unbesiegbare bei Charles Scribner`s Sons in New York. Im darauffolgenden Jahr kam sein erster Roman der toros auf den Markt, The Sun Also Rises, im Deutschen Fiesta. Die fiesta von Pamplona, San Fermín wurde schlagartig weltberühmt.

Hemingway tauchte in die mundo de los toros regelrecht ein. Er wurde zu einem Experten, er konnte mitreden. Und so erschien 1932 sein Meisterwerk Tod am Nachmittag. Auffallend dabei vor allem der Anhang wo er mehr als 550 taurinische Begriffe dem Leser näher bringt. Mit 10.000 Exemplaren eroberter diese erste Auflage die Welt und brachte den Lesern nicht nur die mundo de los toros näher sondern erklärte auch was dort geschieht.

Ernest Hemingway
in der ersten Reihe bei den Stieren
Die toros begleiteten den amerikanischen Schriftsteller sein ganzes Leben. 1959 schickte ihn die Illustrierte Life nach Spanien, um über die Stierkampfsaison zu schreiben. Vor allem das Duell der damals beiden besten matadores de toros Luis Miguel Dominguín und Antonio Ordoñez zu begleiten. So reiste er durch ganz Spanien um faszinierende Momente festzuhalten. Hemingway nahm den Auftrag an um das Leben zu suchen. Aber letztendlich fand er zwei Jahre später den Tod. Beim Stierkampf sei der Tod des toros eine Tragödie, so schreibt Hemingway in seinem ersten Text. Eine Tragödie die sich in seinem Leben widerspiegeln sollte. Seine Aufzeichnungen wurden jedoch erst 1985 mit dem Titel Gefährlicher Sommer veröffentlicht. Für viele, das beste Buch der toros was er geschrieben hat.

Sonntag, 14. April 2013

Manzanares in Sevilla




von Philip de Málaga


Der tarde de toros drohte zum Fiasko zu werden, doch dann kam der toro von Juan Pedro Domecq
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Da ist er wieder, so ein Tag. Ein torero und 6 toros 6. Doch nicht irgendeine plaza de toros. Nein, einer der Hauptstädte der toros schenkte dem matador de toros José María Manzanares einen ganzen Nachmittag. Vor vollen tendidos erweckte es aber den Anschein, dass die toros diesem tarde einen Strich durch die Rechnung machen wollten. Das Publikum konnte es nicht fassen. Die besten ganaderías und ein angesehener matador de toros schafften es nicht zu überzeugen. Im Portal mundotoro erklärt man es mit einem tarde mit viel Publikum und ohne bravura und toreo. Der Nachmittag drohte im silencio zu versinken, keine größere Niederlage für einen maestro der in Sevilla antritt. Doch dann begegneten sich ein matador mit viel voluntad und ein toro aus der ganadería Juan Pedro Domecq. Manzanares kniete sich vor das toril um alles zu riskieren, um Zeichen zu setzen, wenn er seinen letzten toro empfängt.
Warten auf den Stier (Foto: mundotoro)
(Foto: mundotoro)
(Foto: mundotoro)
Von da an lief alles wie im Rausch. Und wieder war es einer dieser tardes  der aufzeigt, es sind die einzelnen Momente die triumphieren. Jene Sekunden, Vibrationen, Empfindungen und Wahrnehmungen, der Glaube an das toreo, jene Augenblicke die man erleben darf, um danach wieder einmal kräftig durchatmen zu müssen. Von den antitaurinos hört man häufig die Kritik die toros zu intellektualisieren. Doch es geht um weitaus mehr. Die Seele ist angesprochen, das Herz, die Empfindung, ein Gleiten der Zeit, eine Rechtfertigung des Lebens, und dass dieses Gefühl nicht bei allen aufkommen kann scheint nur verständlich. So wie es Leute gibt, die sich für den Fussball oder die moderne Kunst einfach nicht begeistern können.

Freitag, 12. April 2013

Mehr Rechtssicherheit für die mundo de los toros




von Philip de Málaga


PETA bedroht Mitarbeiter von SfA
Der matador de toros Enrique Ponce wird zum Ehrenpräsident der Anwaltsvereinigung LEMAT in Granada
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Eigentlich ist es kein Geheimnis mehr. Die toros gewinnen derzeit auf allen politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Ebenen. Da scheint es nur verständlich zu sein, dass man der mundo de los toros eine juristische Basis verschafft, ein rechtlich korrektes Fundament, allein schon deswegen, damit sie nicht ständig antitaurinischer Repressalien ausgesetzt ist. Auch SfA-Mitarbeiter wurden in den letzten Monaten von Organisationen wie PETA bedroht, bzw. es wurde der Versuch unternommen sie bei ihrem Arbeitgeber anzuschwärzen, damit sie ihren Job verlieren. PETA tötet nicht nur Tiere, sondern sie haben auch ein Interesse daran menschliche Schicksale zu zerstören, bzw. Organisationen anzugehen, nur weil sie die Interessen von PETA nicht unterstützen.

In der Mitte Enrique Ponce, ganz rechts Enrique Romero
(Foto: mundotoro)
Gestern wurde der matador de toros Enrique Ponce von der Vereinigung LEMAT, eine Gruppierung angesehener Rechtsanwälte in Granada zum Ehrenpräsident gewählt. Ebenfalls anwesend war der populäre Fernsehmoderator Enrique Romero, der mit seiner Sendung Toros Para Todos für höchste Einschaltquoten in Andalusien sorgt. Damit möchte LEMAT die juristische Welt mit der mundo de los toros verknüpfen.

Die toros sind in der spanischen Verfassung verankert. Ja, Sie haben richtig gelesen. Die toros  sind in Spanien nicht nur legal, sie werden auch geschützt! Zum einen durch das Ministerium für Kultur und zum anderen von den Diputaciones, den Kreistagen der jeweiligen Provinzen. Das Recht steht eindeutig auf Seite der taurinos. Das ist eine Tatsache!
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"Es ist ein Grundrecht eines jeden 
an den corridas in Spanien und Frankreich
als Akteur oder als Zuschauer teilzunehmen, 
bzw. solche festejos taurinos zu organisieren."

Philip de Málaga 
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Auch in Europa, im Europäischen Parlament hat man sich im April 2007 zu 72 Prozent, also mit einer eindeutigen Mehrheit dafür entschieden, die Stierkämpfe nicht zu verbieten! Und noch bis zum September diesen Jahres werden die toros auf der Iberischen Halbinsel zum nationalen Kulturgut erklärt werden, wie schon in Frankreich. Meine Damen und Herren der antitaurinischen Fraktion, das sind einfach nur realbezogene Fakten. 

So wird SfA in Zukunft keine Angriffe oder Bedrohungen auf Mitarbeiter von SfA akzeptieren und gegebenenfalls juristische Schritte in die Wege leiten. Die Kriminalisierungswelle und Verleumdungskampagnen antitaurinischer Organisationen sind weder haltbar noch juristisch in irgendeiner Weise vertretbar.

Donnerstag, 11. April 2013

Die Stiere bleiben weiterhin in Katalonien




von Philip de Málaga


. . . aber eben keine corridas!
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(Foto: mundotoro)
Das katalanische Parlament hat gestern sein aktuelles Regelwerk für ihre traditionellen Stierfeste, die correbous vorgelegt. Mit anderen Worten, die populären Stierfeste bleiben den Katalanen erhalten, aber die klassische corrida de toros bleibt weiterhin verboten. Und Francesc Homs, katalanischer Regierungssprecher stellt unmissverständlich dar, dass auch dieses neue Regelwerk auf keinen Fall ein Schlupfloch für festejos taurinos in Katalonien sei. Diese bleiben weiterhin verboten. Auch wurde das Mindestalter von 14 Jahren für die Teilnehmer erneut bestätigt. 

Mittwoch, 10. April 2013

Stil kann dabei nicht schaden




Paul Ingendaay



"Stierkampf bietet eine mächtige Metapher für das Leben selbst:
Jeden kann es erwischen,
doch Stil kann dabei nicht schaden."

Paul Ingendaay
Kulturkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Madrid

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Quellennachweis:
Ein Kult aus Blut und Empfindsamkeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. 6. 2004

Das Team von SfA

Schon seit langem ist STIERKAMPF für ALLE, kurz SfA kein individueller Blog mehr, wo ein aficionado de toros seine Leidenschaft zum Besten gibt. Im Sommer 2009 ging SfA an den Start. Seit 2012 haben sich hier immer mehr taurinos, aficionados prácticos und auch Kenner zum Thema der tauromaquia zu Wort gemeldet und so kam es, dass SfA derzeit von einem Team präsentiert wird. Experten die beim Thema der tauromaquia nicht nur mitreden sondern auch vermittelnd erklären können. Wir stellen uns vor:
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TORODORA GORGES

- Geboren 1950 in Berlin
- Wohnhaft in Hessen
- Erste Begegnung mit den toros: 1968
- Aficionada seit 1994
- Autorin des Buches "Morante de la Puebla - Torero"
- Web-Präsenz: torodoro und Morante - Das Buch
- Kontakt: torodora.gorges@web.de
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DOMINIK SACHSENHEIMER

- Geboren 1973 in Freiburg im Breisgau
- Wohnhaft in Hartford, Connecticut (USA)
- Beruf: Finance Manager
- Erste Begegnung mit den toros: 1989
- Aficionado seit 1991
- Aficionado práctico
- Kontakt: DSbeiSFA@gmail.com
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DR. ANDREAS KRUMBEIN

- Geboren 1963 in Berlin
- Wohnhaft in Göttingen
- Beruf: Diplom Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik
- Erste Begegnung mit den toros 1985
- Aficionado seit 1991
- Leitmotiv: "Wenn ein Tier für einen stirbt, muss man hinsehen!"
- Webpräsenz: Stierkampf - corrida de toros
- Kontakt: andreas.m.krumbein@freenet.de
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PHILIP DE MÀLAGA

- Geboren 1961 in München
- Wohnhaft seit 1989 in Málaga (Spanien)
- Beruf: Geschäftsführender Gesellschafter bei PA-Trading 
- Erste Begegnung mit den toros: 1985
- Aficionado seit Juni 1991
- Gründer der deutschsprachigen Portale SfA und COSSÍO en alemán
- Webpräsenz: SfA, COSSÍO en alemán
- Kontakt: philipdemalaga@me.com

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Nicht alle Autoren sind hier aufgeführt, weil sie zum einen auch für andere Medien tätig sind, oder auch nicht so öffentlich genannt werden möchten.

Dienstag, 9. April 2013

Die deutsche Literatur und der Stier

Wenn man ein Buch über die Stiere schreibt, weil man auf der Suche nach Glauben ist
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von Torodora Gorges

Im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts hatte Kurt Tucholsky im südfranzösischen Bayonne – grenznah zu Spanien – einem Stierkampf beigewohnt. Mit seiner unnachahmlich satirisch-kritischen und trotz aller Distanziertheit anschaulich-mitreißenden Darstellung lässt er den Leser in seinem „Pyrenäenbuch" teilhaben am Erlebten. Er schafft es überdies, in aller Kürze nonchalant-nebenbei einen brillanten kulturhistorischen Abriss der „corrida de toros" zu geben, deren ihn überwältigenden ambivalenten Eindruck er schließlich so resümiert:

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„Eine Barbarei. 
Aber wenn sie morgen wieder ist: ich gehe wieder hin."

Kurt Tucholsky
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75 Jahre sind seither vergangen. Zum empörten Entsetzen der Tierschützer hat das Interesse und der Zulauf zu den corridas in den letzten Jahren stetig zugenommen, nur leicht gebremst durch die BSE-Krise im vergangenen Jahr. Zweifel, ob Spanien wegen dieses Makels „europafähig" wäre, bleiben politisch folgenlos. Nicht nur in ihrem Ursprungsland, sondern auch in Südfrankreich breiten sich die Stierkämpfe mehr und mehr aus. Entgegen anderen Behauptungen werden auch dort die Stiere durch den Degenstoß in der Arena vor den Augen des Publikums getötet. Die gesetzliche Erlaubnis dazu besteht seit 1951.

Europa und der Stier! Welche Menschen nun lassen sich anziehen und fesseln von dem Schauspiel, das andere rundheraus als unzeitgemäßes blutig-sadistisches Hinrichtungsspektakel ablehnen? Neugierige und häufig schlecht informierte Touristen, die den folkloristischen Angst-Lust-Kick suchen, erliegen nicht so zahlreich der Faszination des archaischen Rituals, dass sie – wie oft behauptet – für den Tod von immer mehr Stieren in der Sommersaison verantwortlich zu machen wären. In der Regel wiederholen sie ihren Besuch in der Arena nicht. –

Worin besteht für Kenner und Liebhaber des Stierkampfs seine ungebrochene Attraktivität? Was reizt Zuschauer, denen keine besondere Neigung zu gewaltsamen Impulsen oder primitiver tierquälerischer Lust nachzuweisen ist, zum wiederholten, regelmäßigen Besuch der ritualisierten Interaktionen zwischen Stieren und Menschen? Wie ist es zu erklären, dass überzeugte Anhänger dieses Geschehens, also „fans" des Stierkampfs, sich „aficionados de los toros" nennen, soviel wie (begeisterte) „Liebhaber der Stiere".

Drei Bücher zum Thema „Stiere" sind unlängst erschienen, in denen diesen Fragen nachgegangen wird. Die Verlage setzen offenbar bei den deutschsprachigen Lesern ein ausreichendes Interesse an diesem brisanten, politisch so wenig „korrekten" Thema voraus.

Gemeinsam ist den drei nordeuropäische Autoren - es sind die schottische Literatin A.L.Kennedy, Stierkampf; der Kärntner Journalist Harald Irnberger, Toros y Toreros; und der deutsche Ethnologe Karl Braun ¡Toro! – eine vorurteilsfreie, um Verstehen und Verständnis bemühte Auseinandersetzung auf dem Hintergrund umfassender theoretischer, aber auch aus eigener Anschauung gewonnener Sachkenntnisse. Alle drei konfrontieren den Leser mit ihrer Ambivalenz und den Konflikten, die wohl jeden Teilnehmer und Beobachter, der gegenüber dem Stierkampfritual sympathisierende Neigungen entwickelt, immer aufs neue „anfechten" dürften.

„Es gibt ein Leben vor dem Tod am Nachmittag" - so untertitelt Harald Irnberger sein Buch „Toros y Toreros". In Abwandlung des Titels „Tod am Nachmittag" erweist er dem „Meister" Hemingway Referenz, dessen Lektüre ihn in jungen Jahren zunächst zum „angelesenen" und später zum leibhaftigen aficionado geprägt hat. Irnberger weiß, dass viele spanische Stierkampfkenner aus unterschiedlichen Motiven nicht mit Hemingways Einschätzungen und Beurteilungen einverstanden sind. Sein eigener Versuch, Jahrzehnte später dem berühmten Hemingway-Brevier einen überfälligen „Anhang" anzufügen, ist so gut gelungen, dass es dessen Lektüre evtl. ersetzen könnte. Kurzweilig, humorvoll und anekdotenreich referiert Irnberger Wissenswertes über Stiere und Menschen, die miteinander und voneinander leben. Sozusagen hautnah erlebt er seit vielen Jahren in Andalusien die Allgegenwart des Stiers in der Alltagsöffentlichkeit. Der Leser kann den Lebenslauf eines toro bravo (Kampfstier) von der Geburt bis zum Todesstoß in der Arena exemplarisch ebenso nachvollziehen wie die Entwicklung eines toreros vom novillero (Neuling, Novize) zum matador de toros (dem Meistertitel oder der Promotion vergleichbar). Im Hinblick auf die Tradition der Kampfstierzucht informiert Irnberger über geschichtliche und gesellschaftspolitische Zusammenhänge. Er setzt sich mit den Argumenten der Gegner des Stierkampfs auseinander, er kritisiert den verstärkten Trend zu Kommerzialisierung und Banalisierung und beschäftigt sich mit der schwierigen Rolle der Frau in diesem Männerberuf.

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„Der Stierkampf ist eine spirituelle Übung.
Er findet vor allem im Kopf statt."

Juan Belmonte García
(1892 - 1962, matador de toros)
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Große toreros der Vergangenheit werden vorgestellt und zitiert, etwa Belmontes Definition: „Der Stierkampf ist eine spirituelle Übung. Er findet vor allem im Kopf statt. Er ist eine wirkliche Kunst". Enrique Ponce, ein derzeit sehr berühmter Stier-„Künstler", ergänzt: „Das Wichtigste ist, dass der Kopf gut funktioniert. Stierkampf ist nichts für Idioten." Gleichzeitig beklagt Irnberger, dass gerade in der gegenwärtigen Situation große Könnerschaft oft ohne Anerkennung und Verdienst bleibt, während Mittelmaß, Leichtsinn, Clownerie und Geldgier („das Ende der Würde") triumfieren. Seine Sorge um den kulturellen Niedergang der fiesta nacional ist verständlich! Die im Klappentext von Irnbergers Buch vertretene Meinung: ..."das traditionelle Drama vom Sterben des Stiers ist zur vulgären Schmierenkomödie verkommen" kann dennoch nicht generalisiert werden.

Nach Karl Brauns Ansicht beruhen die Konflikte um den Stierkampf in Europa auf interkulturellen Missverständnissen. In seinem Buch „¡Toro! Spanien und der Stier" versucht er, die soziokulturellen und psychologischen Hintergründe der corrida aufzudecken und Nicht-Spaniern einsichtig zu machen." Im ursprünglichen Sinn bedeutet corrida de toros der Lauf mit den Stieren. Durch die San-Fermin-Fiesta in Pamplona weltweit bekanntgeworden, wird dieser oft lebensgefährliche Brauch - weitaus weniger spektakulär jedoch – besonders in ländlichen Gegenden bei festlichen Gelegenheiten (z.B. zu Ehren von Heiligen) praktiziert. Braun berichtet über traditionelle örtliche Stierfeste und deren Verwurzelung im Mythos.

Kaum zu vermuten bei dem volkstümlich-lärmenden, ziemlich derben Treiben ist hinter dem Unterhaltungswert des Stierlaufs noch dessen unbewusste symbolische Bedeutung als Opfer- oder Fruchtbarkeitsritual. Das anschließende gemeinsame Verzehren des Stiers im Dorf zum Beispiel gibt noch Hinweise auf den versöhnend-vereinenden Opfermahlcharakter. Unter Bezugnahme auf einen folkloristischen Text fokussiert Braun seine These: „Daß der Stier es ist, der ein menschliches Mit-Opfer fordern kann, daraus entspringt die Aggression gegen den Stier; daß der Stier im allgemeinen das den Menschen entlastende Opfertier geworden ist, daraus entspringt die große positive Emotion für den Stier..." in Spanien.

Nach einem Rückblick auf den vorchristlichen Kult um Artemis, die „von Stieren umgebene Göttin", geht Braun in einem prähistorischen Exkurs auf Mutter-Göttinnen ein, die nach dem Vorbild des Mondes (die Sichel gleichgesetzt mit dem Stierhorn) Leben und Wiedergeburt symbolisieren. Die heidnischen Göttinnen wurden „christianisiert" und als „Virgenes" (Heilige Jungfrauen) in den Dienst der katholischen Kirche genommen, in deren Schutz in Spanien, dem „Marienland schlechthin" – so Braun - die volkstümlichen Bräuche um den Stier praktiziert werden.

Was den Zuschauer der modernen „corrida de toros" (den Stierkampf in der Arena, wie er seit mehr als 200 Jahren ausgeübt wird) erwartet, bringt Braun auf folgende Formel: „Die corrida ist kein Kampf, nicht einmal ein Wettkampf... Es ist kein Treffen zweier gleichwertiger Gegner; der Stier ist Mittel nur zu einem einzigen Zweck: die mit Risiko verbundene Fähigkeit des Menschen (zu zeigen), sich ungebändigte Natur zu unterwerfen..." Der Ablauf einer corrida einschließlich des Tötungsakts ist durch strenge Regeln kontrolliert; von sadistischen Impulsen oder Blutlust seitens der agierenden oder zusehenden Personen könne keine Rede sein, meint Braun. Er fragt nach dem Ursprung der starken gefühlsmäßigen Bindung des spanischen Volks an seine fiesta nacional. Eine der in Erwägung gezogenen Theorien lautet: Mit dem Niedergang der berittenen Adels-Corrida gegen Ende des 18. Jahrhunderts übernahm das (Fuß-)Volk die Stierspiele. Aus den zunächst wilden, ungebändigten Interaktionen entwickelten sich die wohlgeordneten strengen Formen, die nach der Tradition bis heute für die corrida gelten. Demnach könnte – in einer provokativen These - die Aufklärung als Nährboden des Rituals der corrida de toros gelten.

Gegen Ende des Buches, bevor er in einem letzten Kapitel „Das Töten und die Ordnung in der Kultur" – auch hier wieder unter kulturhistorischen, philosophischen oder psychoanalytischen Aspekten - thematisiert, erlaubt sich Braun die Forderung, dieses Ritual in die Reihe der zu schützenden Kulturgebilde aufzunehmen.. Mit ironischem Hinweis auf „allenthalben stattfindende Denkmalsucht und Musealisierung" wagt er die Frage: „Haben kulturgeprägte Interaktions- und Sozialformen, die noch intakt sind, etwa weniger Rechte als von Kultur geschaffene materielle Objektivationen?"

Im bibliographischen Anhang dieser beiden Stierkampf-Fachbücher sucht man als Kenner bedauerlicherweise vergebens den Namen des Autors Lorenz Rollhäuser, der 1990 bei Rowohlt „Toros, Toreros" veröffentlicht hat. Die Lektüre dieses Sachbuchs, das höchst mitreißend und originell geschrieben ist, bedeutet neben der fachlichen Bereicherung einen intellektuellen Genuss, auf den ein Hinweis sich unbedingt gelohnt hätte.

André Masson
Die schottische Autorin A.L. Kennedy gilt als talentierte Schriftstellerin. Ihr Buch „Stierkampf" ist das zweite von drei ihrer auf Deutsch vorliegenden literarischen Werke. Zugang zum Thema sucht sie auf sehr subjektive Weise. Im Oszillieren zwischen fiktiver Literatur und Journalismus entsteht eine Art von Reisebericht. Sie konfrontiert ihre persönliche Befindlichkeit und Sensibilität mit einem großen Faktenwissen und setzt ihr psychosomatisches Leiden in Beziehung zu den Qualen der Kreatur. Dass sich ein Schriftsteller symbolisch ständig dem Todesstoß ausgesetzt erlebt, Literatur demnach der tauromaquia vergleichbar sei, erkannte vor ihr bereits Michel Leiris. In erster Linie sucht Kennedy in der „corrida de toros" emotional-affektive und transzendentale Elemente, von denen sie auch ihren Schreibprozess bestimmt sieht.

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„Ich schreibe dieses Buch,
weil ich auf der Suche nach Glauben bin"

Alison Louise Kennedy
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„Ich schreibe dieses Buch, weil ich auf der Suche nach Glauben bin", erklärt sie im Eingangskapitel „Begegnung mit dem Tod". Im Kapitel „Glaubensakte" erwägt sie mögliche Gemeinsamkeiten in den religiösen Wurzeln der corrida und dem Autodafe der Inquisition. Durchgängig kämpft Kennedy mit ihrer zunehmenden Faszination für das blutige Ritual und dem moralischen Gebot des Tierschutzes. Sie informiert gründlich und unterhaltsam, wenn auch für Stierkampfkundige – wie sie selbst einräumt – keine Novitäten geboten werden. Details behandelt sie dabei bisweilen großzügig: dem im 19. Jahrhundert berühmten Stierkämpfer Antonio Sánchez, „El Tato", musste nach einer Hornverletzung das Bein amputiert werden. Man verfiel auf die etwas makaber anmutende Idee, das verlorene Bein des beliebten Madrider toreros in Formalin zu konservieren und diese Reliquie im Schaufenster einer Apotheke auszustellen. Das so zur Schau gestellte Bein – und nicht die Prothese des toreros – wie Kennedy irrtümlich angibt – wurde später bei einem großen Brand ein Opfer der Flammen. Mit der schriftstellerischen Freiheit geht die sachliche Genauigkeit glücklicherweise nur bei der Schilderung weniger Fakten verloren.

Mit besonderer Faszination liest man das letzte Kapitel „Tor der Angst". Überaus eindrucksvoll und mitreißend schildert die Autorin ihre Erlebnisse als Zuschauerin von verschiedenen Stierkämpfen mit gegenwärtig populären toreros in der Arena La Maestranza von Sevilla. Es gelingt ihr, den Leser miterleben und mitleiden zu lassen, was sie empathisch-literarisch auf die an der corrida Beteiligten – Tier und Mensch –projiziert. Sie beschreibt die corrida als Erfahrung eines religiösen Mysteriums und bezieht sich damit auch auf  Federico García Lorca, der seinem Freund, dem vom Stier getöteten torero Ignacio Sánchez Mejías, durch seine Totenklage ein unvergängliches Denkmal setzte.

Für Stierkampfinteressierte – seien es Befürworter oder Gegner – ist die Lektüre aller drei Neuerscheinungen empfehlenswert, auch wegen ihres überwiegend nüchtern-sachlichen Stils (abgesehen von A.L. Kennedys Transzendenzanmutungen). Die Autoren verzichten auf Pathos und Schwulst, wie sie oft in Büchern spanischer Herkunft zur rechtfertigenden Abwehr stierkampfgegnerischer Positionen zu finden sind. Es wird nicht zu leugnen versucht, dass die Ansprüche an ein Gelingen des Rituals zwischen Stier und Mensch oft grausam scheitern und die Interaktionen barbarisch tierquälerisch entgleisen können. Dies – wie die Autoren - vor allem der heute prakitizierten, stark kommerzialisierten Form der corrida anzulasten, kommt jedoch zu sehr einer nostalgischen Verklärung guter alter Zeiten gleich.

Hier noch eine Anmerkung: Für Stierkampfgegner oder distanzierte Skeptiker, sofern sie ausreichend Spanisch verstehen, dürfte die Lektüre einer 2001 in Madrid erschienenen Publikation interessant sein. Unter dem Titel „Antitauromaquia" hat Manuel Vicent seine seit 20 Jahren regelmäßig für die Tageszeitung „El Pais" geschriebenen Artikel aktualisiert und veröffentlicht. Brillant und höchst polemisch kämpft er in der Form des Pamflets gegen alle denkbaren Stierkampf befürwortenden Argumente aus den dunklen Bereichen seiner Nation, dem „España negra y irracional". Unverhohlen empört und drastisch-schonungslos prangert er die blutigen „Massaker" an, die als Kultur getarnten und vom spanischen König applaudierten Torturen, die einer demokratischen humanen Gesellschaftsform in einem vereinten Europa unwürdig seien. -

Werfen wir zuletzt noch einen Blick auf ein literarisches Meisterwerk, das 1926 in Paris ersterschienen war und vor wenigen Jahren (1998, Steidl) bei uns neu aufgelegt wurde: „Tiermenschen". In diesem autobiographischen Roman lässt Henry de Montherlant, selbst ein leidenschaftlicher „aficionado", der in jungen Jahren eigene Erfahrungen als torero gemacht hatte, einen alten spanischen Herzog gegen anti-taurinische Vorbehalte raisonieren: „Man weiß sehr wohl, daß der Stierkampf in unserm Lande der große Bindestrich zwischen den verschiedenen Ständen ist. Man hat es darauf abgesehen, durch die Vernichtung des Stierkampfes die Einheit der spanischen Seele zu vernichten".

Heute, viele Jahrzehnte später, in der Aera der europäischen Union, wird um den Stier(kampf) nach wie vor polemisiert, argumentiert, gestritten und gekämpft. Vermutlich wird er die zunehmende Einheit Europas weder gefährden noch gar vernichten. Vielleicht wird Europa auf den Kampf-Stier in seiner irritierenden, vielfältige Projektionen zulassenden Faszination genausowenig verzichten können wie auf den Stier-Kampf mit seinen Ambivalenz und Widerspruch beinhaltenden und auslösenden Funktionen.

Kaum bekannt durch die Medien wurde als Folge der Anschläge in den USA, dass in Eriwan / Armenien nach Überwindung verschiedenster Hindernisse am 7. September im Jahre 2001 eine corrida mit spanischen toros und toreros stattfand. Ein Land, bisher europäischer Außenseiter, nähert sich Europa über den Stier, - eine absurde Vorstellung?

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Quellennachweise:
DER TOD DES STIERES, Karl Braun, Verlag C.H. Beck, München 1997
TOROS, TOREROS, Lorenz Rollhäuser, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1990
STIERKAMPF, A.L. Kennedy,Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 2001 
TOROS Y TOREROS, Harald Irnberger, Eichbauer, Wien, 2000
SPIEGEL DER TAUROMACHIE, Michel Leris, Matthes & Seitz Verlag, München, 1982

Montag, 8. April 2013

PETA tötet Tiere, und nicht zu wenig




von Philip de Málaga


Da spielen sie sich als Moralapostel den Menschen gegenüber für die Tierwelt auf, und selbst tun sie doch gar nichts, damit die Tiere am Leben bleiben. Im Gegenteil: Sie töten!
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Jeder kennt Pamplona. San Fermín, das Fest der Stiere, von dem schon Hemingway schwärmte und berichtete. Und die nackten Demonstranten, die gegen das Töten der toros protestierten, organisiert von der Tierrechtsorganisation PETA, auch sie hat sich damit weltweit einen Ruf geschaffen. Doch wer einen Blick hinter die Fassade dieser Organisation wirft, wird erkennen, dahinter versteckt sich pures Marketing. Denn PETA wie auch andere antitaurinos haben noch nicht einem einzigen toro das Leben gerettet. Weder erkauft noch durch irgendwelche Initiativen erreicht. Das ist eine Tatsache!

Zwar betreibt PETA Tierheime, aber sie selbst bezeichnen diese nicht einmal als "traditionelle Tierheime". Und somit versuchen sie das Töten der Tiere zu rechtfertigen. Sie nennen es Euthanasie, Sterbehilfe. Auf diese Weise sollen mehr als 20.000 Tiere durch Mitglieder der PETA-Organisation getötet worden sein.

Diesbezüglich gab es schon 2007 in North Carolina, in den Vereinigten Staaten, einen Prozess gegen zwei PETA Mitarbeiter, angeklagt der Tierquälerei und unlauterer Müllentsorgung. Ihnen wurden Tiere anvertraut mit der Zusage, man würde für sie ein passendes Tierheim finden. Doch das ist wohl nicht geschehen. Viele Tiere wurden einfach nur entsorgt. Oder in Norfolk (Virginia) wurden 2012, also im letzten Jahr, von den 733 anvertrauten Hunden 662 entsorgt. Bei den Katzen sieht die Ziffer nicht anders aus. Von den 1.110 Katzen anvertrauten Tieren haben lediglich 65 überlebt. Wenn man den Zahlen glauben darf, nicht einmal zehn Prozent der  PETA anvertrauten Tiere überleben. So viel in Sachen Vertrauen zu der grössten Tierrechtsorganisation der Welt.

PETA spielt sich in dieser so realen Welt als Retter der Tiere auf, aber in Wahrheit tun sie gar nichts. Im Gegenteil, sie verklagen die Gesellschaft und machen nicht einmal vor den Kindern halt. Da versuchte PETA die Erwachsenen zu manipulieren indem sie Kinder traumatisierten. So wurden zum Beispiel schon 2003 in 15 Bundesstaaten der USA Comics an Kinder verteilt mit dem Titel "Deine Mama tötet Tiere". Provokation pur, nur weil die Mutter einen Pelz trug.

In der tauromaquia finden sich ähnliche Vergleiche. Aficionados seien unmenschliche Wesen und der Erziehung von Kindern nicht würdig. Überhaupt, Kinder die mundo de los toros näher zu bringen, zu erklären was dort geschieht, gleiche einer kriminellen Tat. Vergleiche mit dem Holocaust kommen auf den Tisch, aber selbst deutsche Gerichte haben dieses untersagt. 

(Foto: mundotoro)
Und wenn dieses Jahr wieder die Nackedeis nach Pamplona ziehen, um sich als Moralapostel dieser Gesellschaft aufzuspielen, um die taurinos krimineller Machenschaften zu beschuldigen, dürfen sie sich nicht wundern wenn sie zu hören bekommen, "Hört mal, habt ihr sie noch alle?" 

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Mehr Infos auf Peta kills animals

Sonntag, 7. April 2013

Wirtschaftsfaktor: José Tomás

In Spanien, Frankreich oder México füllt einer wie kein anderer die plaza de toros, wenn er denn antritt. Und dabei füllen sich nicht nur die Reihen der Zuschauer, auch die Kassen des Veranstaltungsortes. Man nennt es den José Tomás Effekt.
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von Philip de Málaga


Matador de toros José Tomás
(Foto: mundotoro)
Man bezeichnet ihn als den torero eines Jahrhunderts. Und das, obwohl sich auch die tauromaquia mitten in ihrer größten wirtschaftlichen Krise befindet. Kein matador de toros hat es dermassen verstanden die afición in seinen Bann zu ziehen wie er. Nicht einem toreador ist es gelungen, dass es an Worten fehlte, seine Auftritte zu beschreiben. Die Rede ist von José Tomás, der 1975 in Galapager bei Madrid als erster von vier Brüdern geboren ist. Es war sein Grossvater Celestino der seinen Enkel mehrmals zu den toros in Las Ventas mitnahm und mit zehn Jahren stand José Tomás das erste Mal vor einer becerra. Der Grossvater und seine Freunde waren beeindruckt von diesem jungen Talent und spendierten ihm 1988 eine becerrada mit freien entradas. Ein Jahr später präsentierte sich das junge Talent am 25. Juli 1989 der Öffentlichkeit, wo es ihm gelang einen rabo als Auszeichnung zu erlangen. Ein Genie der tauromaquia war geboren.

Apotheose in Nimes
(Foto: HJD)
In den nächsten Jahren entwickelt er sich zur makellosen Reinheit des toreo, da ist die Rede von temple und Wahrheit. 1995 bestreitet er seine alternativa in Mexiko und am 14. Mai 1996 wird sein Ritterstatuts als matador de toros in Madrid bestätigt. Jedoch dauert es vier Jahre bis es ihm gelingt in Las Ventas die puerta grande zu öffnen. 2001 viel das magische Wort, das man mit José Tomás in Verbindung brachte: Apotheose. Erst Barcelona und dann León wo er schwer verletzt wurde und seine temporada abbrach. Im folgenden Jahr begegnete der maestro etwas, womit er nicht umzugehen vermochte. Im Sommer wurde er zunächst in Barcelona und dann in Murcia von dem Publikum ausgepfiffen. Jose Tomás zögerte nicht lange und trat von den toros zurück. Die afición war sprachlos.

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"Die Wahrheit beim toreo ist,
du must bereit sein den toro herauszufordern, 
dass er der muleta folgt ...
... oder dass er dich erwischt."

José Tomás
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Delirium in Nimes
José Tomás
auf allen Titelseiten am 17. September 2012
Es dauerte fünf Jahre bis am 17. Juni 2007 eine informative Bombe ein taurinisches Erdbeben in Bewegung setzte. José Tomás kehrt zurück. Und gerade Barcelona wo er so in Schmach verabschiedet worden ist sollte der Ort seiner neuen Triumphe werden. Und wie von magischer Hand gesteuert, keine plaza de toros wo es kein no hay billetes gab, wo der maestro aus Galapagar antrat bis hin zum magischen Auftritt in Nimes, wo es seit langem einem torero gelungen ist auf wirklich alle Titelseiten der spanischen wie französischen Medien zu kommen. Der personifizierte duende hat sein Ziel erreicht.
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"Natürlich habe ich Angst. 
Wenn es nicht so wäre, wäre ich kein Mensch, aber ich bin einer.
Aber wenn ich den toro sehe 
versuche ich meinen Körper zu vergessen 
und an meine Angst nicht zu denken.
Denn wenn mir das nicht gelingt, finde ich nicht die nötige Ruhe."

José Tomás
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Der José Tomás Effekt

Am letzten Freitag konnten die Leser von SfA einen Blick auf die taurinische Finanzwelt werfen. Und bei dieser Finanzwelt spielt auch der maestro aus Galapager eine tragende Rolle. Die Medien sprechen vom José Tomás Effekt. Denn seit seiner Rückkehr in die ruedos im Jahr 2007 füllt der matador de toros nicht nur die plaza de toros hasta la bandera sondern lässt es auch gewaltig in den Kassen klingeln. Während nur einer corrida werden in und um der plaza durchschnittlich 2,4 Millionen Euro umgesetzt. Davon weit über 850.000 Euro für die entradas. Der Kenner der Szene wird sicherlich hier gleich einwenden, 850.000 Euro für entradas? Soviel passen ja gar nicht in eine plaza de toros rein! Und es stimmt. Denn um überhaupt in den Genuss zu kommen an jenem Tage José Tomás zu erleben, waren zahlreiche aficionados gezwungen, sich so genannte abonos, also Dauerkarten zu besorgen. Teilweise war der Verkauf jener abonos bis zu 400 Prozent gestiegen. Und das nur für das Interesse an einem torero. Den empresarios konnte das nur gefallen. Von den restlichen 1,5 Millionen Euro profitierten die umliegenden Gastgewerbe, das Transportwesen und andere Geschäfte. 

Ein wertvolles Reisegepäck
Wenn dieser Koffer auf Reisen geht klingeln die Kassen.
(Foto: HJD)
Beim letzten grossen Auftritt in Nimes am 16. September 2012 sollen laut offiziellen Angaben die aficionados mehr als drei Millionen Euro in der südfranzösischen Stadt gelassen haben. Und das nur wegen zwei Stunden José Tomás, der an einem Vormittag mit 6 toros 6 sein Leben riskierte. Apotheose pur, aber auch im Geldbeutel.
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Siehe auch:
Der Stierkampf erobert die Titelseiten
Apotheose von Torodora Gorges
José Tomás von Dominik Sachsenheimer
Wie sieht sie eigentlich aus, die taurinische Finanzwelt von Philip de Málaga

Quellennachweise:
COSSÍO LOS TOROS, INVENTARIO BIOGRÁFICO, Espasa Calpe 2007
EXPANSIÓN, spanisches Wirtschaftsmagazin, Unidad Editorial Información Económica, Madrid 2013
JUAN MEDINA, Profesor für wirtschaftliche Theorien an der Universität de Extremadura