Samstag, 27. April 2013

Ein Leben für die Stiere (2. Teil)





mit Miguel Sánchez


Der matador de novillos stellt sich den Fragen von Philip de Málaga

Miguel Sánchez: Mein ganzes Leben habe ich den toros gewidmet. Und als ehemaliger Bankmann ist es verständlich dass ich versuche es in Zahlen auszudrücken.
Wenn man das jetzt alles zusammenzählt, stellt man fest, der ist schon 100 Jahre alt.

SfA: Wie ist Deine Erfahrung als asesor artístico mit den Präsidenten einer corrida?

Miguel Sánchez: Vieles was man als asesor artistico sagt hören die Präsidenten zwar, nehmen es aber nicht wahr. Entscheiden letztendlich wie sie wollen. Sie haben manchmal den selben Einfluss wie schlechte Schiedsrichter beim Fussball und keiner kann dagegen etwas machen. Mir gefällt vor allem nicht, wenn die Mehrheit des Publikums ein oreja fordert und der Präsident dieses einfach ignoriert, obwohl er laut dem reglamento taurino dazu verpflichtet ist, diese Auszeichnung dem matador zu zugestehen.

SfA: Was ist für dich das toreo? Was bedeutet es für dich?

Miguel Sánchez: Beim toreo kann ich nur meine eigene Erfahrung sprechen lassen. Die toros und die dazugehörige afición sind nicht frei von Widersprüchen. Eigentlich habe ich keine Daseinsberechtigung. Ich will mich erklären. Als mich mein Vater mit sieben Jahren das erste Mal mitgenommen hatte, keine Frage ich war fasziniert, doch ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, selbst einmal im ruedo zu stehen. Und trotzdem kam es dazu. Ein unheimlich starkes Gefühl überkam mich. Und von da an begann ich mit was auch immer, einem Handtuch oder Ähnlichem und versuchte nachzuahmen was ich in der plaza de toros gesehen hatte. Das zu vermitteln ist nicht einfach, diese Erfahrung muss man selber machen. 

SfA: Wie siehst Du die Zukunft der toros?

Miguel Sánchez: Ich denke mit allen Schwierigkeiten welche derzeit nicht nur die fiesta zu kämpfen hat, bin ich sehr optimistisch eingestellt. In meinen Augen wird sie nie ihr Ende finden. Solange es Menschen gibt, die sich trauen einem toro entgegenzutreten und dabei auch noch unvergleichbare arte schaffen, wie zum Beispiel MoranteRafael de PaulaAntonio Ordoñez oder Curro Romero, brauch sich die fiesta keine Sorgen machen. Meint, mit  toreros und solchen Charakteren wird die fiesta nacional ewig bestehen.

Und wer ist eigentlich dagegen. Da verkaufen sich innerhalb von zwei Stunden gut 20.000 entradas um José Tomás zu sehen. Und vor der corrida kommt eine Handvoll Menschen, sie nennen sich antitaurinos, und beschimpfen diejenigen die es wagen, in die plaza de toros zu gehen. Es kann doch nicht sein, dass ich zu einer vollkommen legalen Veranstaltung gehe und von irgendwelchen Leuten lautstark als Mörder beschimpft werde. Wir taurinos verlangen ja nicht, dass sie sich ändern, sondern dass sie unseren Standpunkt und unsere Ideologie anerkennen, genauso wie wir ihre Haltung respektieren.

SfA:  Wo siehst Du die wirklichen Gegner der fiesta

Miguel Sánchez: Meistens finden sich die wahren Gegner der fiesta innerhalb der fiesta, sozusagen in den eigenen Reihen. Vor allem den empresarios fehlt es am notwendigen Weitblick. Sie denken alle in erster Linie an das schnelle Geldverdienen. Ich habe noch keinen empresario gehört, der kein Geld verloren hat. Alle haben Geld verloren, sagen sie. Dabei stimmt das gar nicht. Sie haben nur weniger verdient. Und was sie weniger verdient haben deklarieren sie öffentlich als Verlust. Ein Beispiel. Ein empresa möchte mit einer vollen plaza de toros fünf Millionen Peseten (ich rechne noch in Peseten) verdienen. Jedoch sind die corridas nur zu drei Viertel besucht und jetzt verdient man nur zweieinhalb Millionen Peseten. Doch statt vom Gewinn zu reden spricht man von zweieinhalb Millionen Peseten Verlust. Alle verlieren nur Geld. Wenn dann aber eine plaza de toros für die nächste temporada ausgeschrieben wird, stehen sie Schlange, manchmal bis zu zwölf Bewerbungen. Ist doch komisch, wo sie gar nichts verdienen.

SfA: Als torero, welche waren deine bevorzugten suertes?

Miguel Sánchez: Mit der muleta. Nicht so sehr mit dem capote. Im meinem Geist hatte ich immer Antonio Ordoñez. Ich habe ihn kopiert, und wenn ich mich dann im Nachhinein mich auf den Fotos gesehen habe, ich war selber überrascht. Dieselbe Haltung, das hat mich gefreut und stolz gemacht.  In sofern bildeten die Manöver mit der muleta den Kern meiner Arbeit. Vor allem die natural und derechazo.

SfA: Und die banderillas?

Miguel Sánchez: Nie, nicht mal beim Training.

SfA: Hast du auch Nachts heimlich unter Mondschein auf der Weide geübt?

Miguel Sánchez: Nie. Dazu bin ich viel zu legal. Und ausserdem war und ist mir bewusst, dass ich damit meine compañeros, die am nächsten Morgen antreten in Lebensgefahr bringe. Nein, das kam für mich wirklich nie in Frage.
Mijas ... Stierkampf für Touristen
Für Miguel Sánchez ein Alptraum

SfA: Was denkst du über die ausländische afición?

Miguel Sánchez: Wunderbar. Aber leider werden die Touristen, besonders hier an der Costa del Sol in Ortschaften wie MijasBenalmádenaTorremolinos und früher auch Fuengirola geradezu ausgebeutet. Die Eintrittspreise sind nicht selten exorbitant! Aber das ist nicht nur die Schuld der empresarios  sondern auch der Behörden, welche diesem Vorgehen keinen Einhalt gebieten.

Manchmal ist es richtig peinlich. Sie nennen es corrida de toros aber in Wahrheit es ist eine becerrada. Wenn überhaupt. Vor gar nicht so langer Zeit sah ich eine solche Veranstaltung. Die Tiere brachten nicht einmal achtzig Kilo auf die Wage, und die Kerlchen die sich dort übten standen wohl das erste Mal vor solch einem res.

SfA: Wer sind für dich die grossen figuras der Gegenwart?

Enrique Ponce, für Miguel Sánchez
einer der besten toreros der Gegenwart.
(Foto: mundotoro)
Miguel SánchezEnrique Ponce. Seit dreiundzwanzig Jahren nach seiner alternativa ist er immer noch ein regelrechter Computer, gekleidet in traje de luces. Er verfügt über  eine privilegierte Mentalität. Er ist ein torero der für den toro da ist. Er kennt sich mit den Stieren aus wie kein anderer. Was er mit den toros macht ist einfach nur unglaublich. Der toro steht für ihn im Mittelpunkt. Hier in Málaga hat er im Jahr 2000 ein indulto erreicht. Das einzige indulto welches es in der hundertfünzigjährigen Geschichte der plaza de toros in Málaga gegeben hat. Aber der toro aus der Zucht Buenavista war nicht nichts Besonderes, nicht mal erwähnenswert, sondern erst durch Enrique Ponces Arbeit mit der muleta wuchs der toro über sich hinaus, bis das Publikum das indulto forderte. Ponce setzt sich halt für die Gutmütigkeit seiner toros ein, wie kein anderer.

Dann wären da noch ManzanaresEl JuliTalavanteMiguel Angel Perrera und natürlich Morante und José Tomás.  

SfA: Was denkest du über Frauen im ruedo?

Cristina Sánchez
Miguel Sánchez: Da gibt es einige die mit viel Mut an die Sache gehen. Frauen treten nun mal mit geringeren Konditionen an als ihre männlichen Kolegen. Aber das bringt auch Vorteile, vor allem wenn es ihnen gelingt diese gegenüber dem Publikum auszuspielen. Frauen versuchen mehr zu wirken als mit dem toro zu agieren. Das ist auch einer der Gründe, warum männliche matadores de toros nicht so gerne mit matadoras antreten.

SfA: Und Cristina Sánchez?

Miguel Sánchez: Sie war ohne Frage sehr mutig, in Madrid gab es sogar dos orejas, in Amerika war sie erfolgreich, und sie ist gegen richtig grosse und gefährliche toros angetreten, stimmt alles, aber mich selbst hat sie in meinem Inneren nie so richtig ansprechen können.

SfA: Wie siehst du die Kontinuität eines toreros? Wie flexibel dürfen sie sein?

Miguel Sánchez mit Curro Romero
Miguel Sánchez: Ein kreatives toreo mit arte kann man einfach nicht dauerhaft erwarten, wie zum Beispiel die Arbeit eines Maurermeisters. Der torero muss den Moment abwarten, in der entsprechenden Verfassung sein und vor allem die Möglichkeit haben, das zu tun, was ihm auch am meisten liegt. Ich habe zum Beispiel überhaupt kein Problem damit, wenn Morante statt der üblichen fünfzehn bis zwanzig Manöver mit der capa eben vierzig capotazos und mehr vorführt, und dementsprechend die faena ein wenig kürzer gestaltet. Wozu braucht man die muleta wenn die tollen Momente beim capeo liegen? Einer der danach handelte war Curro Romero. Ich habe gehört, dass er bei einem toro nur den capote verwendete. Schau mal, hier ein Foto mit Curro Romero, und wir hatten uns gerade darüber unterhalten.

Philip de Málaga
und Miguel Sánchez
Morante hat ja diesbezüglich auch schon Interesse gezeigt, und wenn er dieses Jahr in Ronda mit den sechs toros antritt, würde es mich nicht wundern Ähnliches zu sehen zu bekommen. Aber nur wenn er als unico espada antritt.

SfA: Vielen Dank für das Interview.

Miguel Sánchez: Die Ehre liegt ganz bei mir und ich freue mich schon darauf noch viele deutsche aficionados hier in der Malagueta begrüssen zu können.

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Das museo taurino von Málaga ist Montag bis Freitags von 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr geöffnet. Feiertags geschlossen.

Freitag, 26. April 2013

Und sie sagen keiner geht mehr zu den Stierkämpfen

(Foto: mundotoro)
Madrid, heute morgen: Grosser Andrang an den taquillas um die ersten abonos, Dauerkarten für die festejos taurinos San Isidro in Las Ventas in der spanischen Hauptstadt zu erwerben. Ab Montag den 29. April hat man die Möglichkeit die entradas zu den corridas einzeln zu erwerben.

(Foto: mundotoro)

Ein Leben für die Stiere (1. Teil)





mit Miguel Sánchez

Der ex-torero ist am 25. Juni 1940 in Málaga geboren. Als gelernter Bankmann ging er auch seinem Beruf nach. Wohlgemerkt, seinem Beruf. Schliesslich wollte sein kostspieliges Hobby finanziert werden. Denn seine wahre Leidenschaft galt, so lange er denken kann, den toros. Schon als Siebenjähriger übte er das Schwingen der capa mit einem Handtuch. Neun Jahre lang praktizierte er die Arbeit eines torerosHeute ist er der Direktor des museo taurino in Málaga. Miguel Sánchez stellt sich den Fragen von Philip de Málaga.

SfA: Kommst du aus einer taurinischen Familie? 

Miguel Sánchez: Mein Vater war ein grosser aficionado

SfA: Aber du wolltest ein wenig mehr werden als nur ein aficionado.

Miguel Sánchez: Genau. Ich habe 43 Jahre in einer Bank gearbeitet. Es war mein Beruf, aber nicht meine Berufung. Ich habe die Bank benötigt, denn ich konnte mich nicht auf das Abenteuer toros einlassen ohne dabei auch mein Leben zu finanzieren. Während meiner neun Jahre, die ich als torero aktiv war, bestand mein Leben aus zwei Teilen. Die Bank und die Stiere. Meine gesamte Freizeit investierte ich in die Stiere.

SfA: Wie sah denn so ein typischer Arbeitstag aus?

Miguel Sánchez: Jeden Morgen stand ich um sechs Uhr auf um auf der plaza zu trainieren. Meine Mittagspause verbrachte ich in einem Sportstudio und abends nach der Arbeit joggte ich meistens rauf auf den Gibralfaro und hinten rum wieder zurück. Es war mir wichtig in guter Form zu sein.

Meine Ferien nahm ich nie im Sommer, wie fast alle meine Kollegen, sondern im Januar und im Februar. Da fuhr ich dann aufs campo, zum Beispiel nach Jerez um dort während der fünfundzwanzig Tage das Leben eines toreros beziehungsweise eines Anwärters zu erfahren.

SfA: Wann hattest du deine erste Begegnung mit den toros.

Miguel Sánchez: Das war 1949 bei einem tentadero, wo ich mich das erste Mal mit becerras versuchen durfte. Und man kann sagen, dass meine erste Vorstellung wohl übermässig beeindruckend gewesen sein muss. Nicht weil ich so gut mit der becerra gearbeitet habe, vielmehr müssen mein Bewegungsablauf und meine Haltung beeindruckt haben. Keiner glaubte mir, dass ich das erste Mal vor einer becerra stand. Man muss wissen, zu meiner Zeit gab es keine escuelas taurinas, ich musste mir alles selbst beibringen und schaute mir die Techniken anderer professioneller matadores ab. Alles was ich konnte, habe ich mir im toreo de salon beigebracht. Und dieses habe ich mit einer solchen Vorstellungskraft betrieben, so dass ich im Geiste den toro immer vor mir sah. Und ich versuchte an Terrain zu gewinnen. In meiner Vorstellung nahm ich wahr wie gross der toro war, wie er angriff, mit welchem Horn er attackierte, wie er zurückwich, wie er wendete ...

Miguel versucht sitzend eine Bewegung mit der muleta vorzuführen, um das Gefühl zu vermitteln, wenn ein toro passiert, dabei streift seine Hand die Tischplatte und er erhebt sich um einen derechazo in der Mitte seines Raumes zu erklären.


Miguel Sánchez: Wir müssen dem toro immer einen Schritt voraus sein, auf ihn zugehen, einen paso gewinnen. Nicht verlieren, gewinnen!

Miguel Sánchez mit zwanzig Jahren
Nach meiner Lernphase hatte ich 1955 meine erste novillada sin picadores. Am 12. Oktober 1963 bestritt ich meine erste novillada con picadores. Es folgten zwanzig novilladas bis man mich aufforderte meine alternativa zu absolvieren, was ich aber ablehnte. Das hatte verschiedene Gründe. Zum einen war es in meiner Epoche üblich gegenüber dem escalafón, einen gewissen Respekt zu zeigen, also eine Wertschätzung den besten matadores de toros gegenüber.

Es begann im Sommer 1964. Bei einer novillada erkämpfte ich mir tres orejas. Am 12. Oktober sollte es in der Malagueta eine corrida de toros geben. Doch die Veranstaltung wurde suspendiert. Die toros schickte man aufs campo und holte sie dann wieder zu einer novillada zurück. Dort trat ich an und es gelang mir tres orejas und einen rabo als Trophäen zu erlangen. Aus der puerta grande wurde ich auf hombros hinausgetragen. Ein unvergesslicher Moment. Nur wenige Tage später, am 24. Oktober gab es eine corrida de toros mit den matadores Antonio de Jesus, Antonio León und Amador Ordoñez. Aber Amador holte sich, bei der Vorbereitung für jene corrida, mit einer becerra auf dem campo, eine cornada und konnte nicht antreten. Und da haben sie sich an mich erinnert, schliesslich hatte ich gerade eine salida por la puerta grande und es war den aficionados noch frisch im Gedächtnis. Da kam die empresa auf die Idee, mir einen Tag vor der corrida die alternativa anzubieten. Pepe Ordoñez, der Bruder von Antonio Ordoñez, beriet mich und wir beschlossen, dass es besser wäre keine alternativa anzutreten. Es wäre in meinem derzeit erfolgreichem Stadium eher kontraproduktiv. Zu schnell und unüberlegt. Und könnte sogar meine Erfolge als novillero in den Schatten stellen.

12. Oktober 1964: Miguel Sánchez in Málaga: tres orejas und rabo, Salida por la puerta grande
Ein Jahr später gab es in Marbella ein festival taurino mit Antonio Bienvenida, Antonio Ordoñez, Manolo VazquezJaime Ostos, Gregorius Sánchez und dem rejoneador Fermín Bohórquez (padre). Genau wie in Málaga sind wieder einen Tag vorher zwei toreros ausgefallen, Manolo Vazquez und Jaime Ostos. Und so rief mich Pepe Ordoñez an und wir, Monaguillo und ich, sind eingesprungen. Auch hier gelang es mir zu überzeugen und verdiente mir dos orejas. Und das in Gegenwart der grossen maestros wie Antonio Bienvenida, Antonio Ordoñez und Gregorius Sánchez.

Antonio Ordoñez, Monaguillo, Miguel Sánchez, Gregorius Sánchez und Antonio Bienvenida
1967 beendete ich meine Karriere als matador de novillos. Das war schlimm für mich und kostete mich viele Tränen. Obwohl ich das Potential hatte gelang es mir nicht den Weg nach vorne zu finden. Der richtige Start wollte sich einfach nicht einstellen. Aber die mundo de los toros blieb mir erhalten. Ich konnte nicht ohne sie leben. Als ich in Rente ging, dass Letzte was mir vorschwebte war, als Hausmann zuhause zu sitzen, Fernsehen zu schauen, Füsse auf dem Tisch liegend meiner Frau beim Hausputz zu beobachten oder einkaufen zu gehen. Und so begann ich hier dieses Museum aufzubauen. Das war vor vierzehn Jahren.

Fortsetzung folgt.

Donnerstag, 25. April 2013

Ein grosser Irrtum




Richard Ford (1796 - 1858)

"Es ist ein weiterverbreiteter und grosser Irrtum, anzunehmen, 
dass die Stierkämpfe in Spanien so häufig stattfinden, 
wie Bettler an den Strassenrändern zu sehen sind. 

Im Gegenteil, 
man sieht im Stierkampf den Gipfel des ästhetischen Genusses, 
genauso wie die italienische Oper in England. 

Und beide sind ziemlich kostspielige Vergnügen."

Richard Ford (1946)

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Anmerkungen:

GATHERINGS FROM SPAIN, Richard Ford, 11. Kapitel, London 1846
Richard Ford war 1945 einer der ersten britischen Schriftsteller die mit der tauromaquia von Pedro Romero in Berührung kam. Vier Jahre lang bereiste er die iberische Halbinsel worüber er zwei Bücher geschrieben hatte.

Mittwoch, 24. April 2013

Wenn der Moment zur Ekstase wird




von Philip de Málaga


Morante und die capa:
Eine Kostprobe, gleich einem Tropfen edelstem Wein für das Publikum in Sevilla
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Sevilla, die andalusische Hauptstadt ist anders. Nicht wegen ihrer Bauten, den Mauern und der Geschichte, vielmehr sind es die Menschen, welche die Geschicke dieser mediterranen Metropole lenken und formen. "Así soy, así somos. Sevillanos. ¿Por qué? Sevilla nos eligió, para ser sus paisanos" (Ich bin, wir sind. Sevillaner. Warum? Sevilla hat uns ausgesucht, um die Bewohner zu sein), so lesen wir in einer Poesie von Manuel Lamprera. Sevilla ist anders, weil die Sevillaner es anders sehen. La mirada, der Blick, die daraus entstehende Erkenntnis, dass unterscheidet sie von den Nicht-Sevillanern. La mirada, der andere Blick, das gilt auch für die toros.


La Real Maestranza de la Caballería de Sevilla, sie ist nicht etwa nur eine plaza de toros, sondern viel mehr, das taurinische Herz von Andalusien. Das Wimbledon des toreo. Denn das Publikum sucht den Moment der Wahrheit schon vor der estocada. Nicht waghalsige Manöver sind gefragt, keine hektischen Aktionen werden gesucht, so wie eine a porta gayola, ohne Frage ein mutiges Manöver, aber mit einer eher unruhigen Ausführung schafft sie damit nicht den Weg zum duende. Wenn die Gänsehaut wie eine ola (Welle) durch die tendidos schweift, könnte es dem matador gelingen hier zu triumphieren um das ruedo durch die puerta grande zu verlassen. Damit gehört er zu den ganz grossen toreros dieser Welt. Und wer erst einmal die puerta del príncipe öffnet, dem ebnet sich der Weg in den Olymp der tauromaquia.

Eine Woche nach der semana santa beginnt die berühmte feria taurina von Sevilla. Die berühmtesten matadores der mundo de los toros geben sich ein Stelldichein um die Gunst des sevillanischen Publikums zu erringen. Keine leichte Aufgabe, denn es liegt nicht nur an dem maestro selbst sondern das Ergebnis erschliesst sich aus dem Zusammenspiel zwischen toro und torero. Das Wetter und die Laune des Publikum tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei.

Auf dem Weg in den TAURO OLYMP: El Juli
(Foto: mundotoro)
Die feria taurina 2013 von Sevilla gehört nun der Vergangenheit an und die Sieger stehen fest.

Bester matador: El Juli
Beste faena: El Juli und Manolo Escribano
Bester rejoneador: Diego Ventura
Bester banderillero: Juan José Trujillo (cuadrilla: José María Manzanares) und David Adalid (cuadrilla: Javier Castaño)
Bester picador: José Antonio Flor  (cuadrilla: Antonio Nazaré)
Beste ganadería: Miura

Und, fehlt da nicht irgend jemand?

Stimmt, zwar nur einige wenige Sekunden, aber man es es gesehen, es war spürbar. Sozusagen eine Momentaufnahme. Ein kurzer Moment. Aber dem sevillanischen Publikum ist diese kurzweilige emotionale Spannung nicht entgangen. Ein Manöver, ein halbes Manöver, eine media veronica  und die Gefühlswelt der tendidos vibrierte.

Morante de la Puebla, der Bohéme
(Foto: mundotoro)
Wer macht denn schon so etwas? Die Frage scheint nicht ungerechtfertigt. Doch wer Sevilla kennt wird gleich vermuten, das kann nur einer sein. Der Bohème der tauromaquia. Obwohl noch aktiv, schon eine Legende unter den toreros artistas, der Künstler aus einem Dorf bei Sevilla. Wir sprechen von Morante de la Puebla.

Was ist geschehen? Eigentlich war es ein irgendwie ein bedeutungsloser tarde de toros. Drei matadores, fünf ovaciónes und ein silencio. Das klingt nicht vielversprechend. Auch das Genie, wie er hier und da gelegentlich beschrieben wird, man kann nicht gerade behaupten dass er sich überarbeitet hätte. Mehr routinemässig spielt er sein Programm runter, wobei er natürlich es versteht mit der capa zu überzeugen. Das ist sein Metier, sein Können, sein embrujo.

Media veronica
von Morante de la Puebla
(Foto: mundotoro)
Wir sind im ersten tercio. Morante führt eine quite durch, dass heisst er dirigiert den toro vom picador weg. Und in der Tat geschah nicht mehr als dies, er führte seinen toro einfach nur, die capa mit runden Bewegungen schwingend, weg vom picador. Mit dem Rücken zur barrera bleibt er plötzlich stehen, und fordert den Stier heraus. Der toro zögert nicht anzugreifen und Morante führt die capa, nein, er befiehlt ihr mit aller Langsamkeit um seinen Körper herum zu gleiten. Gleich einem fliegenden Teppich schwingt sich mit temple die capa um ihn herum. Der toro passiert ihn auf der linken Seite und die capa wirkt wie ein Bindeglied zwischen Mensch und Tier, zwischen torero und toro. Der angeborene Zusammenhalt, die symbolische Darstellung der Zugehörigkeit. Ein Moment der Einheit. Die capa verschwindet hinter dem Rücken von Morante, der toro rennt ins Leere, dreht sich um neunzig Grad nach links und bleibt stehen.

Gerade mal drei oder vier Sekunden sind vergangen, das pure duende erreichte in einem Bruchteil einer Sekunde die tendidos. Der Moment war da. Man hat ihn gesehen, gespürt, die Luft blieb für drei Sekunden einfach stehen, ein Augenblick auf den man den ganzen Nachmittag schon gewartet hatte. Kein Geschnörkel, keine Eile, ein Manöver mit aller Kunst der Langsamkeit durchgeführt, so sicher, als ob nichts einfacher wäre als dies. Das Eis war gebrochen, und der maestro wollte zeigen, wie man sie vorführt, die veronicas, doch leider schien der toro andere Pläne zu haben.


Auch die spanischen Medien haben ihn mitbekommen, jenen magischen Moment der Apotheose. In El Mundo schrieb man, dass ihm diese media veronica mit grosser Sicherheit die Tür zur corrida goyesca in Ronda geöffnet hätte. Morante in Ronda alleine gegen toros 6. Mehr als ein Gerücht? Da spricht einiges dafür. Zum Beispiel, dass Morante den Stier in Sevilla dem empresario und ex-matador de toros Francisco Rivera Ordoñez gewidmet hatte.

Morante widmet einen Stier Fran Rivera Ordoñez
(Foto: mundotoro)
Auch die Tatsache, dass die letzte corrida goyesca mehr oder weniger ein Reinfall war und kaum noch wahre aficionados im September dorthin pilgerten. Keine Frage, keiner scheint besser geeignet für eine solche goyesca wie Morante. Kaum ein torero vermag jene künstlerischen und auch ein wenig anderen Dingen so zu vermitteln wie er. Der Bohème in Ronda, ein no hay billetes scheint wieder gesichert zu sein ... wenn es denn was wird.

 Morantistas können sich vielleicht auf Ronda freuen, wenn sie denn an entradas kommen
Zurück zu Sevilla. Morante de la Puebla hat die afición an seinem Können schnuppern lassen. Von der Flasche des köstlichen Weins, des edlen Tropfens der tauromaquia, ihnen nur einen kleinen Schluck spendiert. Man solle ja geniessen, nicht nur alles einfach aufsaugen, sondern die wahren Momente der Ehrlichkeit, des duende, der Vibration erfahren und schätzen lernen.

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Morante de la Puebla - Torero, Portait eines spanischen Künstlers
Torodora Gorges, Books in Demand GmbH, Frankfurt am Main, 2010 
ISBN 978-3-8391-5692-6

Dienstag, 23. April 2013

Sevilla und die Stiere




von Collin Ernst


Eine Zusammenfassung über eine der wichtigsten ferias taurinas in Spanien
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Vor dem encierro José María Manzanares in Sevilla, sah ich das Foto des Victorino Stieres.
Welch ein Prachtexemplar: Gesicht, mit großen, ehrlichen, wachen Augen, die Hörner schön geschwungen, nicht zu groß und ausladend, aber keineswegs kleine, nach innen gebogene. Der Körperbau athletisch, gut bemuskelt, nicht fett und eine außergewöhnliche Farbe, die man nicht sehr oft sieht. Ein wirklich schöner Kerl, der auch mit seinem Gewicht im guten Maß bleibt.

Nun war ich sehr gespannt, was der "Prinz von Sevilla" (Manzanares "Titel" vom letzten Jahr), mit diesem Stier an zu fangen weiß. Wie bekannt, war das Fernsehen in Sevilla ausgeschlossen, aber Dank Internet, konnte ich mir doch einige Sequenzen ansehen. In Manzanares habe ich mich nicht getäuscht, ein Victorino ist (noch) nichts für ihn. Die Zeit ist noch nicht reif.

Einen Victorino muss man verstehen, in ihm lesen können, und dazu braucht es Erfahrung. José María lamentierte in einem Interview (aplausos) das der toro nicht "ruhig" war, ständig wären seine Ohren in Bewegung gewesen und er hätte auf alles um ihn herum reagiert. Nun, ein guter toro bravo ist eben ein Kampfstier, der wachsam ist, der auch Detailles wahrnimmt. Es sei denn das der torero "transmitiert" - vermittelt, überträgt.
José María Manzanares mit einem derechazo
(Foto: mundotoro)
Genau an diesem Punkt, kommen wir zu etwas Mysteriösem, was nur wenige besitzen und noch wenigere können es vermitteln : Selbstsicherheit. Ein in sich ruhender, sicherer torero  überträgt das auf den toro - genau wie die zahmen Ochsen, die den Stier mit ihrer ruhigen behäbigen sicheren Art, beruhigen.

Manzanares will Kunst zeigen, el arte del toreo, was ihm auch schon oft, mit anderen Stieren, gelungen ist. Aber ein Victorino ist etwas Besonderes. In denen fließt Blut aus alten Zuchtlinien wie Miuras und Saltillos, toros, die nur aufs Kämpfen, nicht aufs Verteidigen, gezüchtet sind. Sie sind vergleichbare Ferraris, Porsche gegen Audi und Mercedes. Sie denken anders und schneller, folgen ihren Instinkten sehr schnell, damit muss sich der torero erstmal auseinander setzen. Sie sind nicht nur auf "schön Aussehen" gezüchtet, sondern in erster Linie zum Kampf, auf Angriff gedrillt.

Juan José Padilla
(Foto: mundotoro)
Daher haben matadores, wie Juan Jose Padilla, der eher ein "Guerrero" (Krieger) ist, mit diesen Stieren weniger Probleme und sind eher in der Lage, Ihnen zu folgen, als ein " Künstler". Natürlich spielt auch die Erfahrung eine große Rolle, ein Enrique Ponce, ein El Juli, die können Stiere "lesen" und, was ich persönlich an ihnen schätze, sie können auf Grund ihres Wissens, Ihres Einfühlungsvermögens,  fast alle Stiere gut aussehen lassen.

Meine persönliche Meinung ist, das Manzanares noch ein paar Jahre benötigen wird, bis er mit dos orejas y rabo, oder gar einem indulto, der ganadería Victorino Martín belohnt wird. Der toro bravo aus Sevilla bekommt von mir persönlich dos orejas (armer Jose María ...).

Das mano a mano von El Cid und Daniel Luque, ebenfalls mit Victorinos, zeigt dem geneigten Zuschauer, die Unterschiede auf. Die toreros konnten nicht wirklich glänzen, mit den Victorinos bei diesem mano a mano. Aus meiner Sicht, hat El Cid seine Hausaufgaben gemacht und profitiert natürlich von seiner jahrelangen Erfahrung. Er konnte den Stier an sich binden, hielt ihn beschäftigt. In schneller Abfolge vollführte er die Figuren und Drehungen, den toro keine Sekunde aus den Augen lassend. Mit Victorinos kann und muss man wohl manchmal solche Wege gehen. Diese Stiere fordern viel von einem torero denn der kleinste Fehler, eine Unachtsamkeit, oder falsch interpretierte Reaktion, und schon hat er Dich.                                                                                                              

Der matador de toros El Cid,
zufriedene toreros sehen anders aus
(Foto: mundotoro)
Es ist also nicht einfach, einen Kampf zu liefern, bei dem der matador glänzen kann, der das Publikum in den Bann zieht. Oft zollt der torero den schwierigeren Stieren Tribut, zu Lasten seiner Kunst, die das Publikum erwartet. Besonders Stiere wie die Miuras oder Victorinos, oder die mexikanischen Piedras Negras, liefern gerne verbissene Auseinandersetzungen und oft gelingt es diesen Stieren, einen Künstler zum reinen Akteur zu degradieren. Der torero kann nur noch reagieren. Der schöne Schwung der capa verkommt zu einem hektischen Gewedel und Gerenne, die elegante Art der muleta, langsam und tief, wird zackig weggerissen, schnell vorbeigezogen, die erwarteten "Kapriolen", wie das Hinknieen vor dem toro  oder lässiges auf dem estribo Sitzen, fällt flach. So hat es mich nicht wirklich gewundert, das El Cid nur ein oreja bekam, Luque gar keins..., selbst der Applaus hielt sich in Grenzen.

Man darf nicht vergessen, dass der empresario, also der Betreiber der plaza de toros, die Stiere aussucht. Und die toreros auch. Dem Publikum von Sevilla fehlte es dieses Jahr ein wenig an "richtigen" Stieren, zumindest sind das oft gehörte Kommentare, zuviel von Domecq..., zu kleine toros zu schwer, zu langsam, oder eben das Gegenteil von "guten" Stiere, eben jenen toros bravos, und mit einfach nur durchschnittlichen toreros. Man kann es keinem Recht machen, es bleibt ein Glücksspiel.

Oft kommt ein toro bravo voller Feuer aus dem toril und nach dem ersten Kontakt mit dem Pferd (tercio de varas), und ein paar schönen lances mit der capa ist die Luft raus. Der Stier ist ausgepumpt und bewegt sich kaum noch. Der matador kann ihn nur noch schwer ermuntern, sich der muleta zu stellen. Nun hagelt es pitos (Pfiffe) und broncas (Schimpferei), mal wegen dem Züchter, der so einen schwachen Stier schickt, oder wegen dem unfähigen toreros  der dem Tier keine pases mehr entlocken konnte.

El Juli mit seinem ersten Stier
(Foto mundotoro)
Die toros von Toros del Cortez, eine Zweigstelle, ein zweites hierro der ganadería Victoriano del Rio, forderten in Sevilla Blutzoll. El Juli, einer der besten, erfahrensten matadores  erwischte der erste Stier heftig am Oberschenkel. Lebensgefährlich! Ein Drittel des Beins durchbohrt, eine fünfzehn Zentimeter cm cornada, die Femoralaterie wurde verletzt. Ohne sofortiges Eingreifen eines Arztes, tötlich und die Infektionsgefahr einer solchen cornada ist enorm hoch.

Vor einer Woche führte El Julis Weg aus der Arena, durch die Puerta de Principe, diesesmal durch die Tür zur enfermería. Angesichts dieses Unglücks, wer will sich da noch über zu kleine, oder zu fette Stiere beschweren - sie sind alle lebensgefährlich. Der Stier, aus der Toros del Cortez Zucht, führt übrigens auch Domecqblut....

In der gleichen corrida wie El Juli, kämpften Manzanares und Antonio Nazaré, letzterer konnte das Sevillaner Publikum überzeugen, bekam die dos orejas für eine gute faena, was wohl auch damit zu tun hat, das Nazaré ein Sevillano ist.
Antonio Nazaré mit der muleta
(Foto: mundotoro)
Die toros der ganadería Torrestrella (Álvaro Domecq), die am Samstag für El Cordobés, Juan José Padilla und El Fandi ausgesucht waren, hielten was sie versprachen. Der erste Stier wurde allerdings vom Präsidenten zurückgezogen, da er mehrmals mit den Vorderbeinen einbrach.

Ich frage mich, nach dieser corrida ernsthaft - was will das sevillaner Publikum eigentlich? Alle drei toreros der 1. Kategorie - figuras! Alle haben ihr gesamtes Können gezeigt, inklusive gefährliches Setzen der banderillas. Die Stiere waren durchweg gut. Die estocadas sassen, wie es sein soll und das Publikum war immer noch nicht zufrieden. Woraus besteht dieses Publikum? Aus Touristen? Aficionados ? Was muss ein Stier, ein Stierkämpfer bieten, um hier zu glänzen?

Nun, am letzten Sonntag der Feria de Sevilla, bekommt man "Es" geboten. Der letzte Sonntag gehört traditionell den Miuras. Das cartel bestand aus El Juli, Javier Castaño und Rafael Rubio "Rafaelillo". Nachdem der maestro El Juli ausfällt, darf ein Sevillaner an seiner Stelle antreten : Manuel EscribanoMiuras sind keine einfachen Stiere, schnell, wendig, gefährlich. Javier Castaño hat mit ihnen Erfahrung und er hat seine beiden Exemplare gut gemeistert, besonders der erste war eine Trophäe wert. Rafaelillo kam auch sehr gut zurecht, auch wenn wenig Raum für "Schönheiten" blieb. Die Miuras reagieren schnell, dann nehmen sie auch gern mal den Kopf hoch, versuchen die muleta zu erhaschen, oder was auch immer dahinter ist. Die Überraschung war der "Ersatzmann" Manuel Escribano. Er hatte seine Miuras tatsächlich im Griff. Sein Erster war mit 606 Kilogramm der schwerste, aber dennoch verdammt flink auf den Beinen. Escribanos letzter Stier bot sich einen saubere Vorstellung, eine Demonstration seiner Rasse. Der Sevillaner, der seine banderillas selbst setzte, konnte sein Können zeigen, der Stier seine bravura und so gab es zum Abschluss eine vuelta al ruedo für diesen guten Miura und 2 orejas für den toreros, somit die puerta grande.
Manuel Escribano führt mit einem Miura eine natural durch
(Foto: mundotoro)
Die Stiere, beinahe aller Züchter, waren gut, bis auf ganz wenige Ausnahmen. Morante de la Puebla verlässt die feria ohne Trophäe, Manzanares konnte mich nicht überzeugen. Meine "persönlichen Ohren" gehen an Padilla, Ventura, El Fandi, El Cordobés, El Juli und Escribano. "Meine besten Stiere", sind nach wie vor die Victorinos und die Miuras, wobei ich dem toro von Manzanares (Victorino) und dem letzten von Escribano ovación und vuelta al ruedo zuspreche. Dem maestro El Juli, wünsche ich schnelle Genesung, schnelle Recuperation, alle meine deutschen aficionado-Freunde haben um ihn gebangt. In diesem Sinne : ¡Fuerza maestro!

Sevilla, die Königsklasse des toreo, fast immer vor vollen tendidos
(Foto: mundotoro)

Montag, 22. April 2013

Frauen im Torerohimmel




von Philip de Málaga


In Spanien wurde wieder eine neue matadora de toros gekürt
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Daysi heisst sie, und ihr Vorname klingt so gar nicht nach torero, eher vermutet man eine Version von Disney & Co. dahinter. Doch nicht nur mehreren Wundern (spanisch: milagros) gleich, reiht sich Daysi Milagros Sánchez Lazarte mit dem Künstlernamen "Milagros del Perú" in die Reihe der matadores de toros ein. Sie ist damit die elfte Frau, die mit viel Vision alles dran setzte um diese Position zu erkämpfen, mit der arte del toreo

Die neue matadora ist am 27. Oktober 1987 in Perú geboren. Im Oktober 2010 hatte sie ihr Debut mit picadores hier in Medina de Pomar (Burgos, Spanien). Und nun mit 25 Jahren bestritt die junge Dame gestern in der plaza de toros von Moralzarzal bei Madrid ihre alternativa. Ihr Ritterschlag vom novillero zum matadores de toros. Vor lediglich gut 2.000 Zuschauern, denn die tendidos waren lediglich nur zu einem Drittel gefüllt, gelang es der Debütantin trotzdem gleich mit ihrem ersten toro der alternativa zu überzeugen und erhielt die Auszeichnung von dos orejas. Salida por la puerta grande, so etwas tut jedem Einsteiger gut.

Der Ritterschlag zum matador de toros
Jesuli de Torrecera, Esaú Fernández und Milagros Sánchez
(Foto: mundotoro)
Milagros de Perú
Wie heisst es eigentlich? Wie nennt man die weiblichen torerosLa matadora? "Ja, selbstverständlich", sagt die wohl bekannteste und wohl auch erfolgreichste matadoraCristina Sánchez, und sie ist die erste die dazu steht. Aber trotzdem ist gerade bei Milagros de Perú auffallend, da spricht kaum einer von der matadora. Alle reden von der la matador. Grammatikalisch wohl nicht ganz so in Ordnung, aber es zeigt auf, wie Frauen hier versuchen in eine Männerdomäne vorzustossen. Mit Frauenquote käme man hier nicht weit, denn der Schlüssel zum Erfolg liegt in den tendidos. Kein Publikum, kein Erfolg, eine simple Rechnung. Und wie es scheint, wurde auch die junge Südamerikanerin ein wenig gemieden. Was nicht wundert, denn sie betrat das ruedo gleich mit zwei Nachteilen. Da war nicht nur der Hauch der rundum femininen Weiblichkeit, nein, sie kam auch noch von ausserhalb von Spanien. Da tun sich selbst männliche Kollegen schwer und nur wenige aus Amerika haben es wirklich geschafft, wie der Kolumbianer César Rincón. Naja, letzterer hat es nicht nur geschaft, er versetzte Spanien in einen wahren Rausch. 1991 gelang ihm in Madrid vier Mal die salida por la puerta grande innerhalb von nur einem halben Jahr. Das ist bis heute noch keinem gelungen: "César Rincón in Madrid zu sehen ist wie Gott etwas zu fragen und er antwortet dir!"


Ein derechazo vom Milagros Sánchez 
(Foto: mundotoro)
Zurück zu den Damen. Es gibt einige taurinos, vor allem in den Reihen der älteren aficionados, ist man geneigt dazu bei den toros eher das Männliche hinein zu interpretieren. Die Symbolik deutet irgend etwas von Zeugungskraft an. Und genau da hätte so eine matadora nicht all zu viel zu verlieren. Dass sie dabei genauso ihr Leben aufs Spiel setzten um gute suertes zu vollführen, dass sie denselben Kennerblick für die toros benötigen, dass die estocadas deswegen nicht weniger gefährlich werden, wie für männliche matadores de toros kann sie nicht so ganz überzeugen.


Cristina Sánchez
Ich selbst habe bis jetzt nur eine matadora gesehen. Das war Cristina Sánchez in Estepona. Und mit allem Respekt, sie war nicht nur der beste torero sondern durchaus auch die überzeugendste im ruedo an diesem tarde de toros. Und immerhin stand an ihrer Seite Manuel Díaz "El Cordobés" dem es eigentlich fast immer gelingt, dass Publikum in den plaza de toros der unteren Kategorien für sich zu gewinnen. Aber Sánchez agierte ruhig, routiniert und elegant. Und in den tendidos kam das an. 

Bisher haben es zwölf Damen geschafft den Himmel der matadores de toros zu erobern:

1968: Bertha Trujillo "Morenita del Quindío"  (Quindío, Kolumbien)
1979: Ángela Hernández (Alicante, Spanien)
1981: Raquel Martínez  ( Tijuana, México)
1981: Maribel Atienzar (Albacete, Spanien)
1996: Cristina Sánchez (Madrid, Spanien)
1997: Mari Paz Vega  (Málaga, Spanien)
2005: Raquel Sánchez  (Toledo, Spanien)
2007: Marbella Romero  (Morelia, México)
2010: Hilda Tenorio  (Ciudad de México, México)
2010: Sandra Moscoso (Jerez de la Frontera, Spanien)
2011: Lupita López    (Yucatan, México)
2013: Daysi Milagros Sánchez Lazarte "Milagros del Perú" (Perú)

In dieser Übersicht sind vor allem dass es in Spanien erst seit 1979 matadoras gibt. Die Erklärung ist einfach, denn von 1908 bis zum Jahr 1974 war es dem weiblichen Geschlecht gesetzlich vollkommen untersagt sich die traje de luces anzuziehen. 

Wie dem auch sei, die taurinos sollten endlich beginnen die Grenzen zu vergessen und sich alsmundo de los toros verstehen. Genauso wie die banderilleros zu Hilfe eilen, wenn einem matador eine cornada zugefügt wird, genauso sollten alle die mit den toros zu tun haben an einem und dem selben Strang ziehen. In diesem Sinne wünscht SfA der neuen matadora viel suerte (in diesem Fall bedeutet es Glück) für ihre taurinische Zukunft.
eine einzige
Die erste puerta grande für die neue matadora de toros "Milagros de Perú"
Moralzarzal, bei Madrid, 20. April 2013
(Foto: mundotoro)
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ANMERKUNG VON SfA:
Die taurinischen Medien wie mundotoro, burladero oder Aplausos sprechen davon, dass "Milagros de Perú" erst als zehnte Frau es gelungen ist sich matadores de toros nennen zu dürfen. 

Die Liste der weiblichen matadores de toros  wurde um Sandra Moscoso (2010) nachträglich erweitert. Ein aufmerksamer Leser von SfA hat uns darauf hingewiesen. Vielen Dank dafür nach München.

LITERATURHINWEIS:
MATADORA, MEIN LEBEN ALS STIERKÄMPFERIN, Cristina Sánchez, Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt am Main, 1998