Mittwoch, 22. Mai 2013

Mit den Victorinos nach Madrid (2. Teil)


SfA begleitet einer der berühmtesten Stierzuchten nach Las Ventas
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von Colin Ernst 


Zusammenfassung: Madrid und die Stiere

In Madrid hat es der torero nicht leicht, niemals gehabt. Morenito de Aranda, hat gefallen, aber keine trofeo bekommen. Die erste puerta grande öffnete sich für einen torero zu Pferde, der rejoneador aus Sevilla, Diego Ventura. Felicidades maestro! Die erste trofeo konnte Perrera für sich verbuchen, der mit seiner faena das Madrider Publikum begeistern konnte. Felicidades maestro con mucho gusto! Las Ventas in Madrid war nie gefüllt, erst heute, bei der confirmación von Jiménez Fortes aus Málaga mit Morante de la Puebla und José María Manzanares und den Domecqs. "No hay billetes" - keine Eintrittskarten mehr zu bekommen. Das Größte für den empresario einer plaza. Die beste Nachricht für den Züchter und den torero. Und was passiert? Der Regenguss, der Las Ventas nicht verschont, ruft maestro Morante auf den Plan, er besichtigt das ruedo am Morgen seines Kampfes - da muss was getan werden! Hier kann man sehen, wie sich die figuras selbst um Details kümmern - die areneros haben viel zu tun, um die Arena in Form zu bringen. Morantes Einsatz fruchtet, die corrida findet statt. Die Temperaturen sind eisig, das Madrider Publikum auch, keine orejas, für keinen dieser drei großen matadores, keine vuelta al ruedo für die berühmten Domecq Stiere. 


Im Internetportal tentaero, habe ich mir die tweets der aficionados angesehen, die im großen und ganzen meine Meinung vertreten. Die Stiere waren nicht so, wie erwartet. Natürlich, denn von Domecq wird viel erwartet. Und von Morante und Manzanares erwartet man angesichts dieser encaste, Höchstleistungen. Fortes hat da noch "Welpenschutz". Die Kritiken sind auf Seiten Morantes, was die capa-Arbeit angeht, auf Seiten Fortes, der recht gut war, auf Seiten Manzanares, der "hätte" glänzen können. "No hay billetes", das heißt ein fünf Sterne cartel! Wenn dann keiner der Protagonisten triumphieren kann, ist es gelinde ausgedrückt: Ein Desaster! Morante füllt jede plaza, aber orejas hat er diese Saison in Spanien noch nicht bekommen. Es ist, als ob alle aficionados auf den "einen " Stier warten, mit dem Morante tanzt, wo er seine Kunst entfalten kann. Morantistas, toreistas, toristas - alle warten - ich auch. Manzanares, der "Prinz von Sevilla ", hat auch jede Menge aficionados im Rücken, aber mit toros, die nicht auf seiner "altura" (Höhe) sind, kann er keine estocada recibiendo zeigen. und darauf warten wir. Madrid, die aficionados aller Welt, warten auf DEN STIER und DEN TORERO! Wenn die Feria de San Isidro vorbei ist, wird es eine neue Statistik geben, man wird in den "Best Off"- Listen Namen streichen, Namen hinzufügen, Namen die Geschichte schreiben, Namen von Stieren, die hier geglänzt haben, mit ihrer bravura. Namen von toreros  welche die puerta grande öffnen konnten, Namen von toreros  die ihr Blut in der Arena von Las Ventas (Übersetzt heisst es "Die Verkaufte" ???), Namen der ganadería, die mit ihrer Zucht den Olymp erklommen haben. Las Ventas - ist Leben und Sterben zugleich, ...für einen banderillero, der versagt, oder mit ovaciones geehrt wird. Für den Zuschauer, der einen Teil seines Monatslohnes geopfert hat. Für den Züchter, der das Beste präsentieren will und dessen Stiere zurück gegeben werden - eine Schmach. Man wird in Zukunft vielleicht (....) keine toros dieser ganadería ordern... 560 Tiere zum Metzger (Las Coquillas)... Der matador geht, abgesehen von möglichem Blutverlust, auch ein Risiko ein, denn versagt er, kann er quasi einpacken. Das Versagen hängt von den Stieren ab - der aficionado weiss zu unterscheiden, ob sich mit den Stieren wenig anfangen lies, oder ob der torero nicht die Klasse für Las Ventas hat. Die Monumental ist sehr entscheidend, für den Weg eines matadores, seine Meisterprüfung. Viele haben es, wie Alejandro Talavante, mehrmals geschafft, die puerta grande in Las Ventas zu öffnen. Wir werden sehen, ob ihm dies, am Samstag, 19:00 Uhr wieder gelingt, mit den toros der ganadería Victorino Martin, als einziger Protagonist. Fuerza y suerte, maestro! 

Talavante und Madrid

Raus aus dem Flieger, in der Flughafentoilette "in Schale" geschmissen und mit der Pressesprecherin Victorinos, Marlen, ab zur plaza. Die Monumental ist beeindruckend, gut zwei Stunden vor Beginn der corrida haben sich die aficionados eingefunden. Überall stehnen Gruppen zusammen, die nur ein Thema diskutieren: Talavante und die Victorinos. In der Menge kann man bekannte Gesichter ausmachen, Jaime Ostros, El Juli, Victorino Martin sen. und andere. Die aficionados bitten um ein Foto, ein ums andere mal. In Begleitung des bekannten Taurinokritikers José Luis Carabias und des Fotografen Ivan Matito betrete ich die heiligen Hallen von Las Ventas.

23.798 Zuschauer - AUSVERKAUFT
(Foto: Boris Kahl)
In der plaza hätte keine Maus mehr Platz, so dicht gedrängt, sitzt man auf den engen Steinstufen, die Buissnesclass im Flieger war dagegen ein Luxus. Zusammen mit anderen, eingeladenen Gästen Victorinos, sitze ich quasi unter dem Balcon des Presidenten, die plaza gleicht einem Hornissenschwarm. Dann kommt Talavante mit seiner cuadrilla in die Arena, begleitet von fenetischem Aplaus. Ich denke, jeder hier ist überzeugt, heute ein ganz besonderes Schauspiel zu erleben... Ich bin ein wenig entäuscht, statt der goldglänzenden traje de luces, trägt er ein rot-schwarzes Gewand, das eher der traje eines banderilleros gleicht.

(Foto: Ivan Lopez Matito)
Der erste toro kommt aus dem toril, gemessenen Schrittes betritt er die plaza  schaut sich um und beschließt die Sache langsam anzugehen. Das Publikum ist mucksmäuschen still, was beeindruckend ist, in so einer großen plaza  Das schöne Gesicht des Stieres kann ich sogar von dem weit oben gelegenen tendido ausmachen, es strahlt Selbstbewusstsein aus. Als "Boticario" endlich Talavante angreift, hat er das Pech, genau in dem Winkel der Arena Talavantes capa zu folgen, wo der Boden vom Regen aufgeweicht und rutschig ist, ein Vordebein knickt bei dieser Aktion ein, aber er ist schnell auf den Beinen. In meinen Augen, ein grober Fehler Talavantes, den Stier so brusk passieren zu lassen, wenn der Boden dort so rutschig ist.

(Foto: Ivan Lopez Matito)
Der toro greift nicht gleich an, sondern scheint zu überlegen, wen er sich zur Brust nimmt. Vielleicht geht es dem Tier wie mir, denn es ist vollkommen unklar, was das Team Talavantes da unten treibt. Es herrscht eine Unortnung in der Verteilung der Aufgaben, als wenn sie nicht genau wüssten, wer was, wann zu tun hat - Keiner zitiert den Stier, keiner leitet den toro in eine bestimmte Richtung. Ich bin verwirrt, so etwas habe ich noch nie in einer corrida gesehen - cuadrilla ohne Order.
(Foto: Ivan Lopez Matito)
Im tercio de varas, geht der Stier entschlossen auf das, vom peto geschützte Pferd los, was der picador gleich zwei Mal hart bestraft. Die aficionados pfeifen und schimpfen, denn das muss nicht sein. Im tercio de banderillas, werde ich wieder entäuscht, die banderilleros sind zum Teil überfordert, kaum ein banderillo wird richtig plaziert, das Setzen der banderillas, sonst immer einer der Höhepunkte, gleicht einem Trauerspiel. Und das, sowie die Überforderung des jungen matadores, ziehen sich wie ein roter Faden, durch die ganze corrida  Keine Erwartung wird erfüllt, Die ersten zwei toros, hielten nicht unbedingt, was sie versprachen, aber ich denke, das sie mit einem erfahrenen torero besser ausgesehen hätten. Der dritte Stier Matacanas, kommt aus dem toril geschossen und läd Talavante ein, mit ihm zu tanzen. Nun wird die plaza lebendig, die ole-Rufe produzieren Gänsehaut.

(Foto: Ivan Lopez Matito)
(Foto: Ivan Lopez Matito)
Eine gute faena. Aber diesmal verhindert die misslungene estocada, den Triumpf. Ich habe bei jedem Stier den Eindruck, das er noch besser sein könnte als der vorherige. Wird aber von der, etwas kopflosen Arbeit der cuadrilla überrascht. Der Stier verausgabt sich am Pferd, weil keiner die quites zum adäquaten Zeitpunkt macht. Unsinnige capotazos und muletazos, erreichen weder Stier noch Publikum, welches langsam die Geduld verliert. Nummer 5, "Plazajero", ist auch ein Stier, mit dem ein torero etwas anfangen könnte, aber auch hier versagt Talavante, der konzeptlos versucht, den Stieren pases zu entlocken. Junger Mann, da muss man auch mal näher ran! Bisher hatte Alejandro noch die Unterstützung vom Publikum, aber dessen Geduld ist nun erschöpft, es hagelt Sprüche, Geschimpfe und Pfiffe, als er den sechsten de la tarde, "Jaquita" nach kurzem, lustlosen toreo, vor der Zeit tötet. Respektloses Agieren eines resignierenden toreros. Die Zuschauer fliehen regelrecht, noch bevor der torero sich, zur estocada in Stellung bringt. Das Madrider Publikum kehrt ihm den Rücken zu....

Ratlose toreros (Foto: Ivan Lopez Matito)
Gesenkten Hauptes, verlässt Talavante das ruedo, unter Pfiffen und einem Hagel von Sitzkissen. Unsere Gruppe sitzt wie geschockt, kopfschüttelnd auf den kalten Steintreppen - Alles fragt sich : Was war das - was haben wir da sehen müssen? Schlechte estocadas  schlechtes Setzen der banderillas planloses capa schwingen, mäßige muletazos ...zwei mäßige Stiere, zwei gute toros  zwei Stiere, die Talavante den Triumpf hätten Schenken können. Aus einem unvergessenen Nachmittag, wurde ein Abend zum Vergessen. Das war nicht der Talavante, den man kennt.

Nun habe ich Zugang zum Herz der plaza, den Katakomben, wo die unglücklichen Protagonisten sich der Presse stellen. Was soll man dem Publikum erklären, wie lässt sich so etwas erklären? Die ganze Vorbereitung, das ganze Spektakel, alles für die Katz - der Schaden ist groß! Jeder aficionado konnte sehen, das der torero heute nicht auf der Höhe war, und auch die Stiere ließen Wünsche offen, was selbst Victorino Martin, der Züchter bestätigt. Es wird einen regelrechten Pressekrieg geben, die Paperpress, bezahlt von den toreros  wird an den Victorinos kein gutes Haar lassen. Die Internetpresse wird etwas objektiver sein, die Tweets in den Taurinoportalen, sind nicht zu gunsten Talavantes. Mit José Luis bin ich im Presseraum gewesen, wo alles über den Computern hängt, schreibt und Fotos verschickt. Es ist sehr still dort, normalerweise herrscht fröhliches Gewusel, aber die Tatsache, das man nun über etwas derart Unerfreuliches berichten muss, erstickt jedes Geräusch. Ich wandere durch die "heiligen Hallen", die Händler sind im Aufbruch, die areneros sammeln die Sitzkissen auf, die dort im Sand liegen. Schnell stelle ich mich hinter einen burladero, ich habe noch eine Mission zu erfüllen : Etwas Sand aus Las Ventas, für meine aficionada No. 1, meine Mutter, die eine kleine Sammlung von Sand aus verschiedenen plazas besitzt. Wichtig, man muss ihn wirklich aus der plaza "stehlen", gekaufter Sand gilt nicht. Gegen halb Zwölf brechen wir endlich auf, der Rummel hat sich verflüchtigt und alle sind erschöpft. In der Haut des ganaderos möchte ich nicht stecken, in der Talavantes auch nicht. Mit Marlen fahre ich nach Hause, wo wir, nach kurzem Luftholen, unsere Waffen schärfen: Die Computer. Ich lese die Kritiken vor, Marlene beginnt mit ihrem Text, der die Meinung des Züchters wiederspiegeln soll. Gegen zwei Uhr morgens kommt auch José Luis, der noch die Nachlese der corrida im Radio gesprochen hat (Canal 24h -RNE1 y RNE5 21:05 und "El 5. toro um 21:45h RNE5.) So brüten wir zu dritt über den Texten von Marlen, jedes Wort wird mit der Lupe seziert, denn man muss vorsichtig sein, mit seinen Äußerungen, in diesen Kreisen. 

Mein Rückblick: Ich bin, gut vorbereitet zu "meinem" Debut in Las Ventas gereist, habe mich demütig vor der Kathedrale der tauromaquia verneigt. Habe meine unbequeme "traje de luzes" angelegt, und mein Herzblut auf dem Pflaster des patio de arrastre vergossen (Meine geliebte Canon, ist im Gedränge runtergefallen, das Objektiv karputt und ich habe nicht ein Foto machen können). Aber um einen Traum zu leben, muss man opfern können und mein Traum ist noch nicht vorbei, denn morgen geht es mit den Victorinos nach Talavera de la Reina, wo ich das Vergnügen haben werde, El Cid, Uceda Leal und Ivan Fandiño zu sehen, mit den tapferen Stieren Victorino Martins.

Samstag, 18. Mai 2013

Mit den Victorinos nach Madrid (1. Teil)


SfA begleitet einer der berühmtesten Stierzuchten nach Las Ventas
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von Colin Ernst 


Als ich mit den Reportagen für dieses portal taurino begann, wollte ich auch einen ganadero, einen Züchter interviewen. Also setzte ich mich auf "gut Glück" mit dem bekannten Züchter, Victorino Martin, in Verbindung. Zu meiner Überraschung erhielt ich schon bald eine positive Mail, von Señor Martin persönlich, der sich meine Artikel im SfA angesehen hatte. Er lud mich ein, seine ganadería zu besuchen und und das Interview dort zu führen. Welche Ehre für einen kleinen Schreiberling. Leider lies mein Terminkalender dies nicht zu und zu einem späteren Zeitpunkt hatte Sr. Martin zuviel zu tun. Wir einigten uns auf ein online geführtes Interview und ich schickte ihm meinen Fragenkatalog zu. Wieder machte uns die Zeitknappheit der angehenden Saison des Stierkampfes einen Strich durch die Rechnung, wieder vertagten wir die Geschichte. 

Der ganadero Victorino Martín (Foto: mundotoro)
Nach Wochen erhielt ich die beruhigende Antwort, das man mich nicht vergessen hätte und man sich bald mit mir in Verbindung setzen würde. Am 1. Mai klingelte mein Telefon, die Mitarbeiterin von Victorino Martin, Marlen, fragte an, ob ich am 18. Mai nach Madrid kommen könne. Normalerweise kann ich das, als Angestellter nicht so einfach, aber dies war eine Chance, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Welcher aficionado lässt sich schon die Möglichkeit entgehen, auf Einladung Victorinos, die wohl wichtigste corrida des Jahres, in Las Ventas in der spanischen Hauptstadt zu sehen? Der matador de toros Talavante und sechs Victorinos, ich mitten im Geschehen, im Tempel der afición, in Las Ventas  - ein Traum! Ein aficionada trifft Vorbereitungen, wie ein torero, wenn es nach Las Ventas geht. Kameras, aufgeladen und mit Munition bestückt, capa und muleta, in dem Sinne. Das weiße Stofftaschentuch, mit dem ich hoffendlich für orejas plädieren darf. Die Kleiderfrage..., man ist in Las Ventas ... Mehrere Variationen, die Wettervorhersage ist noch nicht ganz klar - Kältewelle, mit Regen oder Sonne und es geht aufwärts. "Nur kein Regen" schicke ich meine Bitte an Petrus. Meinen Fragenkatalog habe ich zig mal studiert, blieben noch eintausend nicht erfasste Fragen und ich hoffe Victorino Martin hat Zeit und Geduld mit mir. Das Programm ist eng, ich denke an die toreros  die mit den Wagen, quer durch Spanien reisen, um jeden Tag in einer anderen plaza, präsent zu sein, - welch Marathon! Kurz vor der corrida werde ich in Madrid ankommen, wenig Zeit um etwas von der Stadt zu sehen. Mir bleibt der" tarde", der Nachmittag, in Madrid, am nächsten Morgen werde ich mit dem Züchter nach Talavera de la Reina (Toledo) fahren. Dies ist die plaza de toros, wo der große Joselito, sein Leben ließ... 6 Victorinos 6 für El Cid, Uceda Leal, Ivan Fandiño. Ein Luxuscartel für aficionados. El Cid wird mit seiner Erfahrung glänzen können. Leal könnte überraschen und ich bin besonders gespannt auf Ivan Fandiño, der in den letzten 2 Jahren einen fulminanten Aufstieg erfahren hat, Montag geht es auf die finca, für mich, das Sahnehäubchen. Zu sehen wo und wie, die Victorinos, aufwachsen. Die großen Herden, die ich bisher nur auf Fotos, oder im Internet gesehen habe, diese schönen, intelligenten Gesichter. Dies in purer Natur zu erleben, dürfte meinen Ausflug auf den Olymp der tauromaquia krönen. Den geneigten Leser, werde ich in den folgenden Tagen auf dem Laufenden halten.

6 toros 6 - Zwei Events - Zwei Blutproben

Wie bekannt, wird sich Morante de la Puebla, in Ronda allein sechs toros stellen. Er wünscht sich sechs verschiedene ganaderías. Der empresario von Ronda, Fransisco Rivera Ordoñez, "Paquirri", überlässt dem Sevillaner die Wahl! Nach ihren Differenzen wegen der Auszeichnung Riveras, mit der Medalla de belles artes, im Jahr 2008, hatte Morante diesen heftig kritisiert. Seit dem herrschte Funkstille, die erst mit dem " brindis von Sevilla", ein Ende fand. Auch bekannt, das Alejandro Talavante, am 18. Mai, allein , sechs Victorinos in Las Ventas gegenüber tritt. Beide Events sind fraglos DIE corridas der Saison 2013 - No hay billetes - garantiert. Doch was macht grade diese corridas so interessant? 

Der matador de toros Morante de la Puebla (Foto: mundotoro)
Nun, da ist Morante de la Puebla, el duende, wenn er will, das Phänomen, wenn der Stier ihm gefällt, die "illustre figura", der Künstler, der mehr broncas und pitos zu hören bekommt, als orejas. Aber die Menge tobt, bei jeder gelungenen media veronica. Unberechenbar, wie die toros de verdad, wenn er ihnen gegenüber tritt. Was hat er in Ronda, bei der traditionellen Goyesca zu gewinnen? Als einer der beliebtesten und umstrittesten matadores Spaniens, Viel und Nichts! Zunächst die traje goyesca, Morante hat einen eigenwilligen Geschmack, was Mode betrifft. Ich bin ein Fan von seinen modischen Ausflügen. Er wird sich zweifelos Mühe geben mit der Auswahl dieser historischen traje. Nun kommt die Essens des Ganzen, die Auswahl der Stiere, b.z.w., der ganaderías. das macht die Geschichte richtig spannend! Welche wird er auswählen? Wahrscheinlich die, welche er am besten kennt. Mir würde ein bunter Mix, wo ein torero zeigen kann, das er alles beherrscht, am besten gefallen, damit wären die toristas und die toreistas befriedigt und er könnte glänzen - heller geht es nicht. Trifft er aber die falsche Wahl, wird es wieder broncas und pitos hageln. Das Genie hat sich zu zahme, dicke, langsame Stiere ausgesucht, die nicht angreifen, es gab keine traumhaften veronicas, die muletazos waren brusco, heftig und ohne Kunst. Der Morantista weint, die aficionados schimpfen, Morante wird die Backen aufblasen, weil der Stier nicht hielt was er versprach, die Züchter sind blamiert, der empresario hat zwar eine volle Kasse, aber angesichts des Dramas, rauft er sich die Haare. Für Morante, wie für die Züchter, ist es eine Blutprobe. Der torero muss in Bestform sein, körperlich, wie mental, um einen langen Nachmittag, durch zu stehen. Schwächelt er, kann jede falsche Bewegung tötlich sein. Er wird unter der schön gestalteten traje schwitzen, die Arme werden schwer, bei den schönen Schwüngen der capa, wenn er den fünften oder sechsten Stier zum Pferd geleitet. Die Handgelenke schmerzen, von den Drehungen beim natural. Die Schultermuskeln zicken auch. Und dann die nervliche Belastung, der ein torero zweifellos in dieser Situation ausgesetzt ist. Jeder Stier ist bekanntlich anders. Der eine wirft den Kopf hoch, der andere will dem Tuch so gar nicht folgen. Von dem Verhalten des Tieres hängt der matador vollkommen ab, wenn sich ein Stier verweigert, kann man sich auf den Kopf stellen. Wenn ein Tier seinen wahren Gegner ausgemacht hat, spielt man mit seinem Leben. Alle fünfzehn Minuten einem anderen Individium gegenüber zu stehen, eine Komunikation auf zu bauen, eine schwere Aufgabe. Am Ende gibt es nur eine Wahrheit - puerta grande oder Nichts, der Ausweg..., die enfermería. Bei ersterem wird Morante der begehrteste torero sein. Im schlechtesten Fall, wird er weiterhin die plazas füllen, weil es aficionados gibt, die an ihn glauben und sein "Versagen", den Züchtern zuschieben. Der Ausweg durch die enfermería .., nicht wünschenswert, aber es ist bekannt, das einige torero  nach einer cornada, gefragter waren, als jemals zuvor. Die Sensationsgierigen, wollten sehen, ob der torero nach seiner "Blutprobe", noch den Mut hat, sich den Stieren zu stellen. Die einzelnen Züchter, die diese Goyesca beschicken, können sich, je nach dem  damit entschuldigen, das die eines der seltenen Exemplare war, welches nicht hielt, was es versprach. Der Schaden ist da, aber nicht mit großen Konsequenzen, Übermorgen wird ein anderer toro bravo dieser Zucht, seinem matador einen Triumph schenken. So gesehen, liegt die Hauptlast dieser corrida goyesca in Ronda, auf den Schultern Morantes. Mir persönlich würden toros aus der Zucht von Nuñez de Cuvillo, Parladé, Miura, Jandilla, Victorino Martin, Frailé gefallen. Lo desea fuerza y suerte Morante!
Der matador de toros Alejandro Talavante (Foto: mundotoro)
Die corrida Talavantes in Las Ventas, präsentiert sich in anderem Licht. Eine ganadería tritt gegen einen torero an. Alejandro Talavante, hat auch viel zu verlieren, der Züchter aber auch. Sind die Victorinos in Form, Talavante aber nicht gut auf sie eingestellt, kann sie nicht "lesen", werden viele denken, das es zu früh für ein solches Event war. An seiner Qualität gibt es keinen Zweifel, aber sechs Victorinos im fünfzehn Minuten Wechsel, ist heftig. Zumal die Victorinos einen normalerweise in Atem halten. Der junge Mann hat sich keine leichte Aufgabe gesucht - das gefällt mir. Und das in Las Ventas .., das Publikum ist immer sehr kritisch, Trophäen werden nicht verschenkt. Die plaza de toros ist gigantisch, Talavante muss die obersten Ränge mit seiner Kunst erreichen. Was veranlasst den Züchter, auf so einen "Deal" ein zu gehen? Natürlich ist Madrid ein Argument, aber eben auch ein enormes Risiko. Schneiden die Victorinos schlecht ab, was ich nicht hoffe, wird man sich in der nächsten temporada noch daran erinnern. Weniger empresario werden Stiere ordern, weniger toreros der ersten Kategorie, werden um Victorinos bitten, wenn sie contratos schließen. Und die toristas werden enttäuscht sein, denn ein Victorino ist ein Versprechen. Kein Versprechen auf einen Bilderbuchkampf, sondern auf Leistung. Das heißt, diese Stiere sind keine Komparsen, sondern Akteure. Gleich sechs Victorinos dem Vergleich zu stellen, ist ein hohes Risiko, man stelle sich vor, keiner der sechs toros erreicht das Klassenziel... Halten sie ihr Versprechen, kommt kein empresario  kein matador an ihnen vorbei! Die Arenamanager werden nächstes Jahr zu Victorino Martin pilgern, um toreros und dem Publikum diese toros zu bieten, wollen sie ihre plaza de toros füllen. Genau wie Talavante, werden die Victorinos unter die Lupe genommen, von den sechs Stieren wird man Höchstleisung erwarten, Talavante wird man eine unspektakuläre faena verzeihen. Auch Victorino wird man einen Stier verzeihen, der nicht hielt was er versprach, aber die toristas werden mit der Lupe auf die toros schauen. 

Was macht diese beiden encierros so spektakulär? Morante, der sich seine Stiere aussucht, Talavante, der sich auf eine ganadería einlässt? Die Züchter die Morante auswählt, haben es einfacher, als Victorino Martin, auf den sich Talavante festgelegt hat. Letzteres setzt großes Vertrauen voraus - der torero vertraut auf die toros dieser ganadería  und der ganadero  auf den matador der die corrida bestreitet. Beide Seiten wissen, was für sie auf dem Spiel steht. Triumphiert Talavante, rennt man auch ihm die Türen ein, er ist ganz oben, ein Triumph in Las Ventas mit Victorinos, katapultiert ihn in die erste Reihe. Geht in die Geschichte der tauromaquia ein. Fuerza y suerte para Alejandro Talavante y los Victorinos!!!


Donnerstag, 16. Mai 2013

Nachruf: Patricia McCormick


Wenn eine matadora die Herzen erobert
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von Dominik Sachsenheimer 

Am 26. März verstarb Patricia McCormick im Alter von 83 Jahren in Del Rio, Texas, eine Ikone in Mexico und eine Symbolfigur der afición ausserhalb der Spanisch sprechenden Welt.

Im Verlauf ihrer elf-jährigen Karriere trat McCormick in über dreihundert novilladas auf und galt als beste torera ihrer Zeit. Sports Illustrated und Time Magazine portätierten sie in ihrer Glanzzeit, die New York Times und Los Angeles Times ehrten sie nun mit Nachrufen.

Eine alternativa für Frauen war zu McCormicks Zeiten undenkbar, kein matador wäre mit ihr gemeinsam aufgetreten und im Gegensatz zur legendären rejoneadora Conchita Cintron toreierte McCormick  stets zu Fuss, nur oft wesentlich besser als ihre männlichen Kollegen – ein Afront! Carlos Aruza, wohl bis heute Mexicos bedeutendster torero, gab Folgendes zu Protokoll: “Sie toreiert grössere Stiere als alle anderen Damen und sie tötet gut. Ihr einziger Fehler ist, eine Frau zu sein.

McCormick, die 1929 in St.Louis geboren wurde, sah ihre erste corrida mit sieben Jahren auf Familenurlaub in Mexico City und verliebte sich sofort in einen schuhlos im Schlamm toreierenden matador sowie die tauromaquia im allgemeinen. Im heimatlichen Hinterhof  wurde forthin nur noch Stierkampf gespielt.

Einige Jahre später siedelte die Familie nach Texas um. Patricia zog nach der High School weiter nach El Paso, direkt an die mexikanische Grenze, vordergründig um Kunst- und Musik zu studieren, vor allem aber um im nahen Juarez mit matadores zu trainieren. 1951 schmiss sie das Studium und debütierte mit zarten 21 ebendort. Weil diese corrida auch im amerikanischen Fernsehen gezeigt werden sollte, musste sie wohl oder übel ihren Eltern davon beichten, die daraufhin entsetzt den Universitätsdirektor um ihre Wiederaufnahme anflehten – zu spät, die Tochter hatte bereits einen Sponsor beschafft und einen Vertrag über neun festivales taurinos ausgehandelt.

Neben vielen Erfolgen durchlitt McCormick sechs cornadas, die schlimmste davon 1954 in Ciudad Acuña, ebenfalls in Mexico, direkt am Rio Grande. Der Stier erwischte sie so übel in Bein und Bauch, dass der Arzt die letzte Ölung anordnete und sie über den Fluss ins texanische Del Rio bringen liess, damit sie wenigstens in ihrem eigenen Land sterben konnte. Zum Glück eine Fehleinschätzung.

Nach ihrem Karriereende 1962 lebte McCormick in Kalifornien, arbeitete als Sekretärin und Malerin und zog erst 2000 nach Texas zurück, ironischer Weise nach Del Rio, genau den Ort, in dem sie nach der schlimmen cornada 1954 wieder hergestellt wurde. Einige Einwohner erinnerten sich auch ein knappes Jahrhundert später noch gut an die damalige Aufregung, eine berühmte torera im Dorf zu haben!

McCormick blieb unverheiratet und kinderlos doch ihre Legende in Südamerika sowie ihr Beitrag zum mundo taurino jenseits der vermeintlichen Sprachbarriere werden sie lange überdauern.

Mittwoch, 15. Mai 2013




von Lorenz Rollhäuser


" Der Stier wird aus kulturellen Motiven gehalten, 
um auf bestimmte Weise getötet zu werden, 
das heisst, er wird nicht getötet um verzehrt zu werden, 
sondern getötet und zudem verzehrt. 
Das macht den Stierkampf angreifbar."

Lorenz Rollhäuser

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Quellennachweis:
TOROS, TOREROS, Lorenz Rollhäuser, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg, 1990

Dienstag, 14. Mai 2013




von Ernest Hemingway



"Ich habe nicht vor den Stierkampf zu rechtfertigen."

"Ich bin davon überzeugt, dass man den Stierkampf aus moralischer wie moderner Sichtweise, dass bedeutet vom christlichen Standpunkt her, nicht verteidigen kann; Er ist mit Sicherheit sehr grausam; die gewollte oder auch unerwartete Gefahr ist stets präsent, und der Tod ist gegenwärtig, und ich will nicht versuchen den Stierkampf zu rechtfertigen!"


Ernest Hemingway
(1932 / 1923)

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DER STIERKAMPF - EINE TRAGÖDIE, Ernest Hemingway, The Toronto Star Weekly, 20.10.1923
TOD AM NACHMITTAG, Ernest Hemingway,Charles Scribner`s Sons, New York, 1932 

Montag, 13. Mai 2013

Tod der Coquillas




von Colin Ernst


Ein Stierzucht ist gezwungen die Pforten zu schliessen
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Coquillas - eine Stierzucht verschwindet... - ein Züchter gibt auf. Letzte Woche las ich in "Aplausos", das der Züchter Sánchez Fabrés / Mariano Cifuentes, seine ganadería schließen wird. Die ganadería liegt bei Las Veguilles in der Provinz Salamanca. Es sei an der Zeit eine schmerzliche Entscheidung zu treffen. Die wirtschaftliche Lage, die geringe Nachfrage nach seinen toros, liessen keine andere Option mehr zu. Ein Grossteil der Kühe, Stiere und Kälber, wird den traurigen Weg zum Metzger gehen! Nur gut fünfzig Tiere will Sánchez Fabrés behalten und auch diese werden nach und nach reduziert. Somit verschwindet ein ganzes Zuchtprojekt, die Coquillas, abstammend von den Santa Colomas - 560 Zuchttiere - Fünfhundertundsechzig!!!! werden geschlachtet! Doch bevor die ganadería ihre Türen für immer schließt, haben sich in Saint Sever einige aficionados zusammengetan, um die casta Coquilla und ihren Züchter, mit einer letzten corrida zu ehren. Dieser Stierkampf fand vor einigen Tagen statt. In "Aplausos" war zu lesen, das die toros "unterschiedlich und interessant" gewesen seien... Die toreros José Calvo (silencio und vuelta al ruedo), Luis Bolivar (palmas und silencio  und Tomás Dafau (oreja und dos orejas), begleiteten die Coquillas auf ihrem letzten Weg. Der ganadería gelang in den letzten Jahren kaum ein Triumpf, kaum ein torero zeigte Lust, sich mit dieser casta zu messen. Es sind unbequeme Stiere. Argumente wie, sie hätten Saltilloaugen, wären zu klein, zu dick, zu unruhig, würden zuviel schauen und so weiter, musste sich der Züchter anhören. So war diese Zucht zum Ende fast nur noch bei novilladas vertreten. Bei den toreros nicht beliebt, geht eine ehemals beliebte casta langsam aber sicher unter. Die empresarios der großen plazas kontraktieren für die figuras die gewünschten, beliebten ganaderías wie Domecq oder Nuñez de Cuvillo. Designerstiere, wie toristas sagen. 1954 debütierte die ganaderías in Madrid. Der bekannte matador El Capea kommentierte dem Züchter, das seine Stiere nichts für die großen Arenen seien.1983 triumphierten die matadores de toros Ruiz Miguel, Francisco Rivera "Paquirri" und Julio Robles mit ihnen und Paquirri konnte dos orejas y rabo für sich verbuchen. Man sollte meinen, das dies sich für die Zukunft auszahlen würde, aber man hatte sich getäuscht. Als Paquirri im Folgejahr mit diesen toros in Alcanil auftreten sollte, sagte dessen apoderado ab. Entweder andere Stiere, oder kein Paquirri... - anscheinend waren ihm die Coquillas nicht mehr genehm. Kurz darauf starb Paquirri bei seiner corrida in Pozoblanco

Bereit für den Schachthof - die antitaurinos wird es freuen
Es macht traurig, betroffen und wütend, quasi zu zusehen, wie 560 Tiere aus rein wirtschaftlichen Gründen getötet werden. Natürlich kann man den Züchter verstehen, der angesichts der beständig steigenden Futtermittelpreise, den Tierarztkosten und den geringen Verkäufen, irgendwann das Wasser bis zum Hals steht. Ich hoffe inständig, das noch Zuchttiere dieser Blutlinie erhaltenbleiben, denn es ist "altes" Blut, welches vielleicht in der Zukunft gebraucht wird, um das Blut der "Designerstiere" aufzufrischen

Sonntag, 12. Mai 2013

The Wall Street Journal





von Philip de Málaga

Die Finanz-Krise der toros hat nun auch das Wallstreet Journal erreicht
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Der matador José María Manzanares in der größten südspanischen Metropole in Sevilla
am vergangen 19. April. Der Leser fragt sich zu Recht, die tendidos sind doch voll?
Am letzten Freitag erschien in der auflagenstärksten amerikanischen Tageszeitung The Wall Street Journal ein Artikel mit dem Titel: "Der Stierkampf in Spanien ist am stolpern". In diesem Sommer rechne man mit 1.011 corridas, jenem blutigen Showdown, bei dem der toro fast immer unter den Händen der matadores stirbt. Somit hätte sich seit 2007 die Anzahl der festejos taurinos halbiert.

Juan Pedro Domecq
Die Krise wird vor allem an der ganadería von Juan Pedro Domecq dargestellt, der in seinerfinca aufgrund der wirtschaftlichen Krise sein Personal gewaltig reduzieren musste. Vor Jahren war seine Zucht ein Vorzeigeunternehmen mit hervorragendsten Ergebnissen, doch jetzt stellt der ganadero resigniert fest: "Die Krise bringt uns alle an den Rand des Abgrundes"

Den Ursprung der taurinischen Krise sieht das Wall Street Journal vor allem in der abolición de los toros in Katalonien, was sich derzeit als Echo in den parteipolitischen Spielchen der bildu im Baskenland widerspiegelt. Allen voran dem unverständlichen Vorgehen der Stadt San Sebastián.

Samstag, 11. Mai 2013

Toros in der viertgrößten plaza de toros der Welt




von Philip de Málaga


In dem mexikanischen Sonora hat man in der letzten Tagen die toros verboten. 
Doch gleich in der Nachbarschaft sollen sie wieder zum Leben erweckt werden.
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Es sind nur wenige Tage vergangen, seitdem der mexikanische Bundesstaat Sonora die toros verboten hat (Siehe Beitrag: Über die Falschheit die Stiere zu verbieten), und da veranstaltet man im benachbarten Baja California, genau in Tijuana, die Stiere dort wieder zum Leben zu erwecken. Nicht zögerlich, nicht ein vorsichtiges Herantasten,  nicht ein Ausprobieren, nein, in der viertgrößten plaza de toros der Welt, mit einem Fassungsvolumen von 22.000 Zuschauern (etwas weniger als in Las Ventas in Madrid). Dieser coso hat eine nicht sehr lange Tradition. Erst am 26. Juni 1960 wurde er eingeweiht. Da er sich direkt an einem Strand befindet nennt man ihn im Volksmund Plaza Monumental de Las Playas. Das Besondere an dieser plaza de toros sind die vierzig überdachten palcos in Höhe des callejóns.

(Foto: mundotoro)
(Foto: mundotoro)
Eigentlich sollte dort unter anderem der spanische und berühmte matador de toros El Juli antreten, aber wegen seiner cornada in Sevilla war man gezwungen nach Ersatz zu suchen. So werden dort an den nächsten beiden Sonntagen, die Top-figuras der mexikanischen tauromaquia erwartet: Zutoluco, El Payo, Juan Pablo Sánchez, El Zapata, Adame und El Pana. Auch die toros sind für den mexikanischen Raum auffand gross. Am ersten Sonntag mit einem Durchschnittsgewicht von 500 Kilo am zweiten Sonntag gar 550 Kilo. Die mexikanische empresa Casa Toreros ist bekannt für ihre sorgfältige und gezielte Auswahl der reses.


Plaza Monumental de Las Playas in Tijuana
(Foto: mundotoro)
Interessant bei diesen festejos taurinos ist vor allem, dass Publikum dass dabei angesprochen werden soll. Zunächst einmal die einheimische afición, dann die enttäuschten aficionados aus dem benachbarten Sonora und schliesslich die interessierten taurinos aus den angrenzenden Vereinigten Staaten. Immerhin, in dreissig Minuten ist man in San Diego und selbst nach Los Angeles sind es lediglich eineinhalb Stunden. Die amerikanische afición kann sich darüber freuen.

Über die Falschheit die Stiere zu verbieten!

Sie verbieten die toros und verfügen nicht einmal über die taurinische Tradition
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von Philip de Málaga


Mario Vargas Llosa
Der Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa stellte schon im letzten Jahr fest, "Die toros zu kritisieren sei nichts anderes als eine Modeerscheinung!" Eine Modeerscheinung, die toros zu verbieten, die sich vor allem die antitauristas auf ihre Fahnen geschrieben haben oder der Versuch von lokalpolitischen Parteien reflektiert gegen irgendeine Zentralregierung auf kulturelle Distanz zu gehen. Das es sich dabei weder um kulturelle Interessenvertretung noch um aktiven Tierschutz handelt, dass haben mittlerweile auch die ausländischen Medien mitbekommen.

Und trotzdem ist die Liste der vorwiegend katalanischen antitaurinischen Ortschaften etwas grösser geworden:
  • Spanien (87, 72 davon in Katalonien)
  • Frankreich (4)
  • Portugal (1)
  • Equador (2)
  • Kolumbien (3)
  • Venezuela (5)
  • Peru (2)
  • Mexiko (5)
Wenn man jetzt aber mal von Barcelona absieht, wo es ohne Frage eine bestimmte afición gibt, und einen Blick auf die anderen Gemeinden wirft, die sich als stierkampffreie Zonen deklarierten, wird man sich schnell einer Tatsache bewusst. Es  ging eigentlich nie um die toros.

Begonnen hat es 1989 mit dem touristischen Ort Tossa de Mar. Überall auf der ganzen Welt konnte man es in den Medien lesen: Erste spanische Gemeinde verbietet die toros. Die Welt der antitaurinos jubelte. Jedoch die taurinos und diejenigen die sich in der mundo de los toros ein wenig auskannten, staunten. Da wurde allen Ernstes etwas verboten was es sowieso gar nicht gab. Weder verfügte die Gemeinde über eine plaza de toros, noch kamen toreros aus dieser Region, auch keine ganadería weit und breit und schliesslich konnte sich die gerade mal Viertausend-Seelen-Gemeinde ein festejo taurino auf keinen Fall leisten. Ein Ort, wo eine taurinische Tradition überhaupt nicht vorhanden war. Aus null toros wurden noch weniger. Antitaurinische Logik. Wer aber eins und eins zusammenzählt erkennt worum es hier ging. Nichts anderes als ein Marketingtrick um die Werbetrommel für Tossa de Mar zu rühren. Und trotzdem haben sie mit den toros auf diese Weise ihr Geld verdient, weil sie sich gegen diese öffentlich ausgesprochen haben, um so ihr Örtchen mehr antitaurinos zugänglich zu machen.

Als letzte Meldung ging diese Tage durch den Presse-Ticker, dass sich der mexikanische Bundesstaat Sonora nun auch offiziell von den Stieren verabschiedet hat. Mittlerweile der Fünfte in México. Im Gegensatz zu Tossa de Mar gab es hier jedoch gelegentlich festejos taurinos. Sogar eigene plazas haben sie. Aber um von einer wirklichen Verankerung mit der Tradition der tauromaquia kann man auch hier nicht sprechen. Gerade mal fünf unbedeutende plaza de toros gibt und gab es, keine älter als siebzig Jahre, maximal 6.000 Zuschauer und alle lediglich der dritten categoría:
  • Hermosillo (1947)
  • Nogales (1999)
  • San Luis Río Colorado (1957) 
  • Guaymas (1954)
  • Agua Prieta (1983)
Für einen Bundesstaat der mehr als doppelt so gross ist wie Andalusien eine doch eher bescheidene Anzahl. Aber Sonora ist vor allem wegen seiner Wüste bekannt. Und toros in der Wüste, dass muss nicht unbedingt zusammenpassen. So hat es auch wenig matadores de toros dorthin gezogen und es wurden vor allem, wenn überhaupt novilladas angeboten. 

Der rejoneador Pablo Hermoso de Mendoza
(Foto: mundotoro)
Die letzte corrida in Sonora, ein rejoneo mit immerhin dem berühmten rejoneador Pablo Hermoso de Mendoza, gab es am 12. April 2012. Vor über einem Jahr! Dies Veranstaltung soll bei einem der Abgeordneten auch der Auslöser gewesen sein, weil es ihm missfiel, wie viele Kinder sich dafür begeistern konnten. So kam es, dass am 3. Mai diesen Jahres der Kongress beschlossen hatte, die toros zu verbieten. Ob es hierbei um Tierschutz ging kann jeder für sich selbst entscheiden, denn traditionelle Feste wie die Hahnenkämpfe sind in Sonora selbstredend weiterhin erlaubt.
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Quellennachweis:
DIE TOROS ZU KRITISIEREN IST NUR EINE MODEERSCHEINUNG, Mario Vargas Llosa, SfA, 2.11.2012

Freitag, 10. Mai 2013




von Cristina Sánchez

(Foto: Dr. Andreas Krumbein)
"Wenn sich das toril zu plaza de toros öffnet, wird dieses dem toro seine Identität wiedergeben. Der Mensch, der vorher für seine Gefangennahme verantwortlich war, gibt ihm das Recht zurück, wild zu sein und anzugreifen. Er schenkt ihm die Freiheit wieder; die bedeutungsvollste, die er ihm geben kann: Das Privileg den Menschen anzugreifen und zu töten. Der toro de lidia gehört zu den wenigen Tieren, denen der Mensch das Recht zugesteht, ihm das Leben zu nehmen. Ist es nicht die grausamste aber auch schönste Freiheit, die der Mensch da dem Tier zugesteht?"

Cristina Sánchez

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Quellennachweis:
MATADORA, Cristina Sánchez, Editorial Planeta S.A. , Barcelona 1998