Mittwoch, 16. Oktober 2013

Der Mensch ist weder Engel noch Tier

von Ursula Herzog



Am 14. Oktober wurde von den „28 Clubs de la Coordination des Clubs Taurins de Nîmes et du Gard“ der folgende offene Brief an die Antis und besonders an  Jean-Pierre Garrigues von „CRAC Europa“ veröffentlicht.
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Nach Rodilhan und Alès sind Sie in diesem Sommer in Ihrer blinden und gefährlichen Gewalttätigkeit in Rion-des-Landes einen Schritt weiter gegangen. Wir aficionados können vor dieser Sturmflut an Hass nicht stumm bleiben. Dieses Mal haben Sie nicht hilflose und aufgeregten aficionados provoziert, sondern Gendarmen, deren Aufgabe der Erhalt der Ordnung ist. Wir haben sehr wohl verstanden, dass Sie die Tatsache, dass Sie Ihre eigenen Aktivisten in Gefahr bringen, mit dem leider abgenützten Argument des Terroristen, der ein Opfer seiner eigenen Bombe wird oder des Feuerwehrmannes, der im Brand umkommt, rechtfertigen: Fanatiker haben zu allen Zeiten ihre Ausschreitungen mit dem höheren Interesse an einer „guten Sache“ gerechtfertigt.

In seiner Ausgabe vom 28. August 2013 berichtet Midi Libre, sie hätten, um Ihr inakzeptables Verhalten zu rechtfertigen, sich auf den Begriff des „Zivilen Ungehorsams“ berufen.  Sie haben dabei offensichtlich vergessen, dass dieser nur in einem nicht demokratischeren Staat, wo die Grundrechte der Menschen nicht respektiert werden, vorgebracht werden kann.

Ich bitte Sie Monsieur Garrigues, beleidigen Sie mit solchen Vergleichen nicht das Gedenken an Gandhi oder Martin Luther King.

Monsieur Henry Emmanuelli, der Abgeordnete und Präsident des Conseil General des Landes, zeigt sich in seinem Antwortschreiben mit Fug und Recht besorgt über Ihre Auffassung von Demokratie. So wie er sind auch wir der Meinung, dass in der heutigen Zeit unsere Mitbürger in unserem Land sicher Besseres zu tun haben, als sich über eine Frage zu entzweien, deren unvereinbare Gesichtspunkte man von vorne herein kennt.

Seit wann muss man über ein Kulturgut abstimmen? Was uns betrifft, wir haben die Schwäche zu denken, dass es für unsere Republik eine Ehre bedeutet, die Kulturen der Minderheiten zu beschützen. Die Demokratie ist nicht dazu da, Unterschiede in der Politik, der Religion, der Philosophie oder der Kultur zu unterdrücken, sondern sie soll im Gegenteil ermöglichen, dass alle in Frieden nebeneinander leben.

Im Laufe des Oktobers finden in Manduel, in Beaucaire, Rodilhan und Vauvert (Gemeinden, die sie üblicherweise angreifen), verschiedene taurinische Ereignisse statt. Die aficionados erinnern eindringlich daran, dass sie niemanden zwingen, in die Arena zu gehen. Sie nötigen die nicht, die nicht dieselben Werte, wie sie haben und sie wollen auch nicht für alle Menschen das Verhältnis zwischen Mensch und Tier festlegen. Sie würden im Gegenteil niemals akzeptieren, dass irgendjemand für sie entscheidet, was gut oder schlecht für sie ist. Erinnern Sie sich Monsieur Garrugues, dass von den Katharern bis zu den Hugenotten, von Mistral bis zu Gaston Doumergue, die Menschen des Midi, für die die tauristische Tradition  Teil ihrer Identität ist, sich noch niemals ihr Gewissen von irgendjemandem vorschreiben haben lassen.

Mit Pascal setzen wir auf Ihre Intelligenz. Wir hoffen, dass Ihre Vernunft über Ihre Leidenschaft die Oberhand gewinnt, bevor Ihre unaufhörlichen Provokationen irreversibel werden. Überdenken Sie in einem klaren Augenblick die vernünftigen Gedanken dieses Philosophen, der Sie Folgendes lehrt:
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„Der Mensch ist weder Engel noch Tier, 
und das Unglück will es, 
dass wer einen Engel aus ihm machen will, 
ein Tier aus ihm macht.“
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Les 28 Clubs de la Coordination des Clubs Taurins de Nîmes et du Gard

Dienstag, 15. Oktober 2013



Ein Zitat von
Andrés Amorós Guardiola



Auch der spanische Literaturhistoriker und Professor für Literatur und romanische Philologie an der Universität von Madrid bekennt sich zur tauromaquia. Mehr noch, als Schriftsteller in taurinischen Angelegenheiten hat er sich ebenfalls einen Namen geschaffen.

"Keine plaza de toros 

- keine Frau, keine Liebe - 

sind sich irgendwie identisch. 

Alles besitzt 

seine eigene Persönlichkeit. 

Buchstäblich gesagt, 

sie sind einzigartig."



Montag, 14. Oktober 2013

Ein Dorf, mehrere tausend Zuschauer und der Wahnsinn



von Colin Ernst
(Fotos: mundotoro)


Matadores de toros auf dem Pferd
Rejoneadores zu Fuss
Und das Publikum aus dem Häuschen!
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Pueblo del Rio steht Kopf! So, wie in seinem Heimatdorf, würde ich Morante de la Puebla gerne immer sehen. Wenn man mal von seiner estocada absieht, hat er einmal mehr gezeigt, was so alles in einem Morante steckt. Die capa ist sein Liebstes und so begrüßte er den ersten der Bohórquez Zucht mit ihr. Nach einem bewegenden Schauspiel, in dem media veronicas genauso wenig fehlten wie chicuelinas. Zu Pferde, mit dem cremefarbenen „Remate“ sah er sehr gut aus im Part der banderillas. Einhändig und zweihändig, wie ein Profi, setzte der maestro die langen und kurzen Holzstäbe, als machte er dies täglich. Das Publikum war mehr als begeistert. Zum Abschluss stieg er allerdings aus dem Sattel, dem rejón de muerte wollte er seinem toro nicht zumuten. Nach anstrengendem Ritt, zwei pinchazos bedankte sich das Publikum mit dos orejas beim maestro de la Puebla

Nach dem Motto „Damen zuerst“ hatte Lea Vices das festejo eröffnet, nicht a pie, sondern zu Pferde. Sie bot eine gute Vorstellung, die ihr ein oreja einbrachte.


Überraschend für viele, die außerordentliche Leistung, El Juli’s im Sattel von Oro, einem siebenjährigen Lusi-Arabé, eines der besten Pferde Venturas. Professional, anders kann ich es als Reiter nicht ausdrücken. Sollte er das Lager wechseln, wie Paco Ojeda, der im rejoneo ebenso glänzt wie a pie. Dos orejas y rabo waren seine Belohnung für diesen gelungenen Einsatz.


Diego Ventura tauschte für diesen Tag das Pferd gegen die muleta und stand den figuras in nichts nach. Empfing den toro mit dem farol de rodillas, setzte banderillas, und lieferte eine exzellente faena mit der muleta. Die banderillas teilte er sich mit El Fandi, Talavante, Morante und El Juli begeisterten die aficionados mit chicuelinas al a limón, so etwas sieht man nicht alle Tage. Das begeisterte Publikum sprach Diego Ventura zwei Trophäen zu.


El Fandi, auch er ein sehr guter Reiter, setzte die banderillas al violín und seine estocada war exzellent, dos orejas. Sein Resultat. 


Alejandro Talavante, etwas auffällig in seiner mexikanischen traje, hielt sich recht gut im Sattel von Girasol, einem erfahrenen Pferd. Die banderillas setzte er a uno mano, einhändig. Er torerierte länger am Boden, als seine Kollegen, was auch ihm zwei Trophäen einbrachte. 

Eine sehr gute Leistung zeigte auch der novillero Pablo Sobrino, der seinen novillo mit einer estocada recibiendo tötete, etwas, was man dieser Tage eher von José María Manzanares zu sehen bekommt. Der junge torero wurde für diesen Einsatz mit dos orejas y rabo belohnt.


Insgesamt kann man sagen, war dies der krönendste Abschluss der Saison und das beste Event des Jahres, wenn man einmal von Morantes encierro in Ronda absieht. Man hat den toreros angesehen, das sie nicht nur mit dem nötigen Eifer zugange waren, sondern auch noch richtig Spaß bei der Sache hatten. Morantes breites Grinsen, als er vom Pferd stieg, El Julis entschlossenes Gesicht, beim Setzen der banderillas, dieses festival hätte im TV übertragen werden sollen, so gewinnt man aficionados!

Sonntag, 13. Oktober 2013

Sevilla verabschiedet sich für dieses Jahr



von Colin Ernst
(Fotos: mundotoro)


Ein novillero sorgt für Schlagzeilen
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Die corrida in Sevilla, gekrönt mit den Namen der figuras wie Morante de la Puebla, El Juli, El Cid, José María ManzanaresAlejandro Talavante war bestens besucht. Namhafte ganaderías hatten die maestranza beschickt, also beste Voraussetzungen. 


Für Schlagzeilen sorgte der jüngste torero, der novillero Lama de Góngora schon im Vorfeld. Hatte man ihn, entgegen der regulären Reihenfolge, als ersten im cartel geführt. Wohl ein Druckfehler. Aber fangen wir bei diesem torero an. Er hatte einen Juan Pedro Domecq zum Partner, mit dem kein pase zu gewinnen war. Nach einer guten estocada forderte der junge Protagonist den sobrero de regalo und erkämpfte sich eine Trophäe unter den wachsamen Augen des Publikums aus der andalusischen Hauptstadt. Schöne Handwechsel der muleta, mit Schwerpunkt auf der rechten Hand, porta gayola und mehrfache faroles de rodillas und larga cambiadas begeisterten die tendidos.  

Alejandro Talavante war mit seinem Nuñez de Cuvillo toro glücklos, seine faena war nicht die schlechteste, erreichte aber kaum die tendidos. Seine erste corrida unter neuem apoderamiento

José María Manzanares, der Prinz von Sevilla, sah sehr gut aus mit seinem toro aus der Zucht von Pilar, hatte aber seine Schwierigkeiten eine estocada recibiendo anzubringen. Der zweite Ansatz, ein volapie, gelang sehr gut, und dafür gab es ein oreja

Der matador de toros El Juli konnte einmal mehr seine gefestigte Technik zeigen, an einem guten toro von Garcigrande

                                            
El Cid konnte nicht an die Triumphe der letzten corridas anknüpfen, was vermehrt an dem etwas schwachen toro lag. Wunderbare lange naturales krönten seine Arbeit mit dem Victoriano del Rio Stier. Der Abschluss, zwei pinchazos, kosteten ihn endgültig die Trophäe. 


Morante de la Puebla, der die corrida de beneficencia eröffnete, hinterließ die tendidos wieder einmal mehr im Traum, nach dem Gebrauch der capa. Seine Versuche, den toro der ganadería Vellosino an sich zu binden, scheiterten allerdings mitunter an mangelnder Zusammenarbeit. Die Morantistas waren zufrieden, herrliche Arbeit mit der capa  das Möglichste mit der muleta  aber eine Trophäe war der toro nicht wert. Insgesamt eine schöne corrida, für einen guten Zweck, die den aficionados im Gedächtnis bleiben wird.


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Plaza de toros in Sevilla (1ª categoría)
Wohltätigkeitsveranstaltung für das Rote Kreuz
Etwas mehr als 12.000 Zuschauer
Juan Pedro, El Vellosino, Garcigrande, Victoriano del Río, El Pilar, Nuñez de Cuvillo und ein  sobrero de regalo von Domingo Hernández
für die diestros
Morante de la Puebla - gran ovación
El Juli - ovación
El Cidovación
José María Manzanaresoreja
Alejandro Talavanteovación
Lama de Góngoraovación und oreja

Samstag, 12. Oktober 2013

Hamlet und die Stiere



Ein Zitat von
James A. Michener


Der US-amerikanische Schriftsteller bereiste ab 1966 gerne Spanien und begegnete der mundo de los toros mit viel Gefühlen. Er lernte toreros kennen und liebte es die toros auf den dehesas zu betrachten. 1968 erschien sein Buch Iberia, wo er auf gut vierzig Seiten seine Gedanken zur tauromaquia niedergeschrieben hat.

"Zu meinen schönsten Erinnerungen 
an Spanien und Mexiko 
gehören vor allem 
jene langen Nachmittage 
an denen ich die toros 
in ihrer natürlichen Umgebung 
beobachten konnte."

"Und das höchst beeindruckende 
dritte terciovoller Emotionen 
und einer Vorahnung 
des tragischen Endes, 
wo der matador 
alleine 
mit seinem Schicksal fertig werden muss, 
ist natürlich Hamlet, 
während sich 
der durchaus überwältigende Epilog, 
die Tötung des toros
nur mit Äschylus vergleichen lässt."

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IBERIA, Spanish Travels and Reflections, James A. Michener
Random House, Inc.,  New York, 1968

Freitag, 11. Oktober 2013

Banderillas negras in Zaragoza




von Colin Ernst



Die corrida gestern in Zaragoza, zu Ehren der Jungfrau von Pilar, wäre nicht unbedingt erwähnenswert, wenn dort nicht ein Part stattgefunden hätte, von dem ich annahm, das er zu längst vergangenen Zeiten angehört. 
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Aber zunächst, zum Wesentlichen, dem resultado, dem Ergebnis. Ganadería Nuñez de Cuvillo und toros von Parladé. Keine Sternstunde, was die Nuñez Stiere angeht, einer ging zurück in den corral… Parladé hatte als Ersatz etwas zu bieten, da hätte Ivan Fandiño Trophäen sammeln können, aber sein Gebrauch mit den aceros war nicht dem entsprechend. Auch Padilla konnte nichts verrichten, genauso wie El Cid, weder toros noch toreros hatten einen guten Tag. 

Der einzige torero der an diesem tarde zumindest ein wenig bieten konnte: Iván Fandiño
Was aber war das Außergewöhnliche an dieser, etwas schalen, corrida? Banderillas negras! Was hat es damit auf sich? Banderillas negras oder auch der castigo genannt, werden vom Präsidenten „verordnet“, angefordert, wenn sich ein Stier beharrlich weigert, dem picador gegenüber zu treten. Er geht also gar nicht ans Pferd. Da kann der arme torero sich gewissermaßen auf den Kopf stellen, er bekommt ihn selbst mit Tricks nicht dorthin. Das aufgebrachte Publikum hat gesehen, das der Stier sich nur zur eigenen Verteidigung stellt, nämlich mit dem Rücken zur Bande, und da will er bleiben und sich verteidigen – eigentlich clever. Aber es hat wenig mit trapio oder bravura zu tun. Also bekommt er eine Ersatzbehandlung, statt der pica des picadores  die banderillas negras. Diese sind doppelt so lang wie die herkömmlichen banderillas und sollen die pica ersetzen. Diese Aufgabe ist extrem gefährlich für den banderillero, denn selten, fast nie kommen sie zum Einsatz. Und er muss ganz nah an den störrischen, unkontrollierten toro heran. Diesmal wurden die pares negros sehr gut gesetzt. Der Effekt blieb nicht aus, der Stier war so wütend, das er seinen angestammten Platz an der Bande verliess und am Ende eine faena zuließ. Würden manche Züchter mehr auf trapio züchten, denn auf humildad (Demut), dann kämen die, von mir totgeglaubten banderillas negras gar nicht zum Einsatz.
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Zaragoza
Knapp 7.000 Zuschauer
GanaderíasNuñez de Cuvillo und Parladé
Für die maestros:
Juan José Padilla - ovación und silencio
El Cid silencio und silencio
Iván Fandiño - vuelta al ruedo und silencio

Donnerstag, 10. Oktober 2013

"El Soro" Rückkehr in die Arena nach 20 Jahren


von Colin Ernst
und Philip de Málaga
(Fotos: SfA)


Der matador de toros, Vicente Ruiz "El Soro" will es noch einmal wissen.
Nach 20 Jahren und 34 Operationen will er wieder zurück ins ruedo
Und das mit 52 Jahren!
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Am 8. April 1994, in der plaza von Benidorm (Costa Blanca, Alicante), hatte ihm ein Stier eine cornada im Knie beigebracht. Seither hat der maestro vierunddreissig Operationen ausgestanden, denn die Wunde heilte nie richtig. Die Ärzte zogen sogar eine Amputation in Erwägung, die der torero rundweg ablehnte. Dank Dr. Pedro Cavadas, trainiert El Soro seit zwei Jahren wieder. Der Arzt hat die Methode, beschädigte Gliedmaße an anderen Körperstellen zu implantieren, bis die infizierte Stelle soweit verheilt ist, das man das Körperteil wieder an seinen ursprünglichen verpflanzen kann, mit Erfolg praktiziert. Das Bein ist zwar nun rund sieben Zentimeter kürzer, was man aber mit einer Erhöhung ausgeglichen hat, so das Vincente Ruiz wieder in der Lage ist zu laufen und zu trainieren. 

Überhaupt hat es El Soro schwer im ruedo gehabt. Seine erste lesión erfuhr er in der heiligen Maestranza von Sevilla. Insgesamt wurde er vierundzwanzig Mal von einem toro erwischt. Nicht selten waren qualvolle Schmerzen damit verbunden. Un campo de batalla, ein Kriegsfeld, so seine Worte. Mehr als fünfzig Mal wurde er in seinem Leben operiert.


El Soro ist der einzige "Überlebende" des Unglückscartels von Pozoblanco (Córdoba, Andalusien), wo er, 1984, zusammen mit dem legendären Paquirri und El Yiyo die corrida bestritt. Avisparo tötete Paquirri, ein Jahr später ereilte dieses Schicksal El Yiyo en Colmenar (Málaga, Andalusien) und auch der Züchter des toros, der Francisco Rivera tötete, Juan Luis Bandres, starb unter ungewöhnlichen Umständen in diesem Zeitraum. 

Der matador de toros aus Foyos (Valencia) hat in den letzten zwei Jahren hart trainiert und 26 Kilo abgenommen. Schon letztes Jahr kehrte er, zusammen mit dem bekannten torero Espla, ins ruedo zurück. Dieses Jahr im September trat El Soro am 21. September im mexikanischen Tijuana wieder an. Anlass war die Wiedereröffnung eines recinto taurino. El Soro arbeitete auffallend ruhig und zeigte viel temple bei seiner Arbeit, welche am Ende der Veranstaltung mit dos orejas y rabo belohnt worden ist. Mit 52 Jahren! "Es war so wichtig für mich seit so langer Zeit wieder einen paseillo zu bestreiten." So der matador aus Valencia.

Wiedermal zeigt sich, aus welchem Holz toreros geschnitzt sind, auch wenn sie noch so schwer verletzt wurden, zum Teil lebensgefährlich, geben sie alles um wieder zu kämpfen, um das zu sein, wozu sie geboren und berufen sind: Toreros de verdad! Vollbluttoreros

Keine Frage, es war die schwerste Zeit seines Lebens. Nicht nur zu verzichten was man am liebsten tut, Freunde haben ihn verlassen und sein gesundheitlicher Zustand, verbunden mit den Daueraufenthalten in den Krankenhäusern, das alles ist nicht gerade motivierend. Aber jetzt sieht er es ein wenig optimistischer: "Jetzt beginnt eine neue Etappe meines professionellen Lebens. Dieses festival taurino hat mit viel Moral zurückgebracht, mir viel Kraft gegeben, weiter zu trainieren, weiterhin an Gewicht zu verlieren damit ich endlich wieder die traje de luces tragen kann. Es war mein Ziel den Menschen zu zeigen, dass man mit Einsatz und Willen wieder erfolgreich nach vorne schauen kann." Und El Soro fügt hinzu: "Aber leider erkenne ich auch meine Grenzen."



Mittwoch, 9. Oktober 2013

Weiterhin Stierkampfübertragungen zu allen Zeiten im spanischen Fernsehen


von Colin Ernst
und Philip de Málaga
(Fotos: J. L. Cuevas, SfA)


Das staatliche Fernsehen überträgt weiterhin die toros
Auch am Nachmittag, zur Kinderstunde
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Der Kontrollausschuss des Parlaments für das staatliche Fernsehen RTVE hat gestern einen Antrag, bei dem keine corridas mehr am Nachmittag gezeigt werden sollen mehrheitlich abgelehnt. Obwohl fast alle Parteien (IU, PSOE, CiU und die katalanische Entesa) diesen Antrag unterstützen, reichte die Mehrheit der Partido Popular aus, um der afición auch in Zukunft die toros auf dem Bildschirm zu ermöglichen. Das der Antrag abgelehnt wurde, dafür sprechen zwei Gründe. Zum einen übertragen die meisten Regionalsender ja sowieso weiterhin festejos taurinos, und zwar zu allen Zeiten, zum anderen, warum soll man sich ein zukünftiges Kulturerbe nur noch Nachts anschauen dürfen.


Allerdings hielten sich die Übertragungen im öffentlichen Fernsehen (TVE 1 und 2) bis jetzt eher bescheiden. In zwei Jahren wurden gerade mal zwei corridas gezeigt. Eigentlich sollten es drei im Jahr sein. Und dass ist eher erstaunlich, verlangen doch weder empresarios noch toreros dafür ein Extragehalt. RTVE musste lediglich für die Übertragungskosten aufkommen und zog bei beiden corridas bis jetzt weit mehr als eine Million Zuschauer vor den Bildschirm.

Was passiert, wenn Kinder Stierkampf im TV sehen?

Die Kinder und Jugendlichen von heute, viele vertreiben sich die Freizeit mit Videospielen, Besäufnissen, und Drogen. Pöbeln Leute an und zeigen nicht das geringste Quentchen Eigenverantwortung. Heranwachsende toreros werden anders erzogen. Sie haben so ein umfangreiches Trainingsprogramm, dass sie für derartige Aktivitäten gar keine Zeit haben. Auch wird ihr Benehmen geschult, Respekt, Mensch und Tier gegenüber wird groß geschrieben. Diese jungen Menschen findet man nicht morgens um drei Uhr betrunken in der Disco, sie begrüßen einen nicht mit "Hey Alter". Und statt Playstation zu spielen, widmen sie sich ernsthaft einer Profession. Was passiert, wenn Kinder Stierkampf im TV sehen? - Ganz einfach, sie werden toreros. Hier einige Auszüge von Interviews, die ich (Colin Ernst) im letzten Jahr mit einigen von ihnen geführt habe:

Jose Antonio Alcalde

Wie und wann bist Du auf die Idee gekommen, torero zu werden?

Meine afición kommt durch meine Großmutter, welche sehr vom Stierkampf begeistert war. Und so sah ich Stierkampf im Fernsehen seit ich laufen konnte und machte das nach, was der matador tat, mit einer muleta und einer capote, welche meine Oma mir gemacht hatte.

Juan Romero Campos

Wie und wann bist Du auf die Idee gekommen, torero zu werden?

Schon als kleiner Junge, gerade mal zwei Jahre alt, schaltete meine Mutter nach der Mittagsruhe den Fernseher an. Programm waren die Stiere. Und so sah ich in diesen Stunden die torero und die Stiere an, live oder Wiederholungen. Die erste corrida  an die ich mich erinnere war zu San Isidro mit dem maestro Vicente Barrera.

Dienstag, 8. Oktober 2013

Und sie sagen keiner gehe mehr zu Stierkämpfen



von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)


Sevilla: Grosser Andrang für den Kartenvorverkauf der letzten corrida
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Gestern ab 17:30 Uhr in der andalusischen Hauptstadt herrschte allergrösster Andrang um sich entradas für die letzte corrida in der Real Maestranza von Sevilla zu besorgen. Von einem No hay billetes kann man wohl ausgehen. Ausverkauft bis oben hin. Hasta la bandera.


Kein Wunder, ist das cartel doch vom Allerfeinstem. Eine corrida de beneficencia verbunden mit einem concurso de ganaderías. Zu sehen gibt es novillos der ganaderías Juan Pedro Domecq, El Vellosino, Garcigrande, Victoriano del Río, El Pilar und Nuñez del Cuvillo für die maestros Morante de la Puebla, El Juli, El Cid, José María Manzanares, Alejandro Talavante und den novillero Lama de Góngora.

Das die meisten kommen um nur einen torero zu sehen ist mehr als verständlich. Jeder möchte noch einmal in diesem Jahr diese media verónica sehen, die alle tendidos vibrieren lässt. Der matador de toros Morante de la Puebla, jeder will ihn sehen, jeder will ihn spüren, jeder möchte, dass ihn, den Zuschauer in den Rängen der duende erreicht. Jenes Gefühl der Ekstase, dass man kaum beschreiben kann. Ein Rausch der Emotionen, ein Ablauf der Bewegungen, welche dermassen viele Emotionen verursachen können. 

Die Tauromachie kommt in Mode



von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)


Auch Modeschöpfer werden durch die mundo de los toros animiert
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Das spanische Unternehmen Tocados Mibúh hat sich in einer neuen Kollektion von der mundo taurino inspirieren lassen. Deren Designerin María Jesús Losáter entwarf eine neue Linie mit dem Namen "Mujer torea". "Es ist Wert sich mit der tauromaquia auseinanderzusetzen, denn aus dieser Welt voller Kunst, Respekt und Disziplin können wir viel lernen." So die Modeschöpferin. "Diese Welt helfe unheimlich der eigenen Inspirationsquelle, denn sie bietet viel und es gibt viel darüber zu erzählen." So wurde die neue Kollektion im Gran Casino Aljarafe von Sevilla präsentiert.  María Jesús Losáter ist nicht die einzige Designerin, welche sich von der tauromaquia inspirieren lassen. Auch Modestars wir Armani werfen gerne mal einen Blick in die mundo de los toros.









Montag, 7. Oktober 2013

Doblette de Fandiño en Las Ventas – Feria de otoño (2. Teil)



von Colin Ernst
(Fotos: mundotoro)


Zwanzig muletazos von Ferrera beeindrucken das Publikum
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Von den Aldolfo`s hatten sich die toreros, sowie das Publikum am Sonntag gewiss mehr versprochen. Schon der Blick in den corral, verunsicherte einige aficionados. Ausladende Hörner, viel Masse, wenig Klasse, war der Kommentar eines Bekannten vor Ort. Im tercio de varas präsentierten sie sich gewohnt kräftig, auch im tercio de banderillas ließen sie sich gut an, aber mit der muleta.

Iván Fandiño hatte sich auf toros mit trapio eingestellt. Aber die toros von Adolfo Martín hatten anderes im Sinn. Stets auf halben Wege, schienen sie es sich anders zu überlegen und ließen den matador aus Orduña gewissermaßen im Regen stehen, sie überlegten es sich anders. Fandiño musste sich quasi nach jedem kleinen muletazo etwas anderes einfallen lassen, um den Stier auf den Weg zu bringen. Man sah ihm die Verärgerung an. Schließlich hatte er die puerta grande im Auge und wenn nicht jetzt mit den Adolfo’s, wann dann? Immerhin war ein toro dieser ganadería bei der Feria de San Isidro als bester Stier der feria ausgezeichnet worden … und nun ließen ihn die Albaserradas im Stich. Keine flüssige Arbeit war möglich mit diesen parados. Bei dem ersten Stier missglückte obendrein der Abschluss, was Fandiño das erste silencio bescherte. Auch das zweite Exemplar, der letzte toro der Feria de Otoño, lud den torero nicht zum Tanz ein. Regular und ohne Optionen, konnte Fandiño grade mal ein paar schöne naturales zeigen, mehr bot der Stier nicht an. Hätte er mehr aus diesem toro herausholen können? Experten und der Züchter selbst, dürften dies Verneinen. Don Adolfo war seinerseits enttäuscht, hatte er doch ganz etwas anderes erwartet. 


Einzig der vierte toro, manso aber entegre, erlaubte einem matador eine faena der Extraklasse. Antonio Ferrera verstand es, das bisschen, was in diesem manso steckte, hervorzulocken und zu verfeinern. Geduld war gefordert und Ferrera brachte sie auf. 



Er arbeitete sich zwanzig pases mit der muleta  wo andere (…) nicht mal drei geschafft hätten. 


Sein Konzept ging auf und seine erfolgreichen Bemühungen wurden vom fachkundigen Publikum mit einem oreja belohnt. Angesichts dieser Leistung, müssen sich Iván Fandiño (silenciosilencio  und Javier Castaño (silencio y silencio), doch fragen, ob sie es, mit etwas mehr Überlegung während ihrer faena nicht besser hätten machen können. Aber solche Überlegungen sind relativ, im Nachhinein, denn jeder Stier ist anders und erfordert eine andere Art des toreo. Für eine corridatorista“ in Las Ventas war es jedenfalls zu wenig, was die Adolfo’s und Fandiño leisteten. Ob der Veranstalter sie für nächstes Jahr bucht…?

Und sie sagen, keiner gehe mehr zu den Stierkämpfen




von Philip de Málaga


Mehr als 100.000 verkaufte Eintrittskarten an nur fünf Tagen
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Madrid gestern:

(Foto: mundotoro)
Auch an diesem Sonntag in Las Ventas füllten gut 23.000 Zuschauer die tendidos. Man achte darauf, selbst in den obersten Rängen, kaum ein Platz noch zu haben. Zur Feria de Otoño in der spanischen Hauptstadt konnten zu den fünf corridas weit mehr als 100.000 entradas verkauft werden. Ein olé an die spanische afición. Das Interesse an den toros kann wohl doch nicht so bescheiden sein, wie es zahlreiche ausländische Medien und die Welt der antitauristas immer so gerne darstellen.