Mittwoch, 20. November 2013

Joselito, alle würden ihn gerne wieder sehen

Über kaum ein Comeback würde sich die afición mehr freuen 
wie über die des maestros Joselito aus Madrid
____________________________________________________________________







von Philip de Málaga

Seit vier Jahren ist der matador de toros José Miguel Arroyo Delgado, bekannt unter dem Namen Joselito bei einem tentadero in der überdachten plaza de toros von Moralzarzal (Madrid) wieder öffentlich angetreten. Am letzten Sonntag wurde der Ex-matador schon beim paseillo mit einem frenetischen wie emotionalen Applaus von den mehr als 1.500 Zuschauern begrüsst. Das Publikum in den tendidos war begeistert was es zu sehen bekam. Der maestro hatte nichts an seiner Klasse verloren. Schon gleich bei seiner becerra zeigte er zu Beginn was er vollkommen beherrscht, den Umgang mit der capa. Allein schon seine erste verónica beförderte den duende in die tendidos. Auch mit der muleta verstand er es zu überzeugen. Joselito zu sehen, das ist einfach arte de torear und mit Sicherheit war und ist er einer der besten estoqueadores.


Der maestro ist bescheiden. Den Weg in die Öffentlichkeit hat er fast meistens gemieden. Eine vuelta al ruedo hat er grundsätzlich abgelehnt, wenn ihm die orejas verweigert worden sind, obwohl das Publikum ihn mit einer starken ovación dazu aufforderte. Das war Joselito. Bescheiden, ehrlich, einfach nur die pure wie klassische arte de torear.

Für mich war er der Beginn meines taurinischen Interesse. Als ich ihn in August 1987 in der Malagueta von Málaga das erste Mal sah, berauschte er 14.000 Zuschauer. Damals hatte ich eigentlich gar nicht verstanden, was dort im ruedo geschah, aber es faszinierte mich zu sehen, wie ein torero mit seinem Mut nach einer voltereta und den bedrohlichen Angriffen durch die Hörner, als er auf dem Boden lag, sich wieder dem toro gegenüberstellte. Mehr noch, er wirkte ruhig, konzentriert und trotz dieses für mich damals sehr Aufsehen erregenden Unfalls dominierte er, beherrschte er die Situation und kontrollierte den toro. Und so begann ich mich dem Thema der tauromaquia zu nähern. 

Und wir alle erinnern uns an den historischen tarde in Las Ventas am 2. Mai 1996. Als unico espada ist er dort bei einer corrida goyesca vor über 24.000 Zuschauern angetreten und das spanische stattliche Fernsehen hat es live übertragen. Millionen haben es zuhause oder in den Bars mitverfolgt. Die beste estocada des Jahrhunderts gab es zu sehen. Trotz erstem pinchazo sass der zweite Ansatz perfekt, nach drei Sekunden fiel der toro um und war auf der Stelle tot. Einige der wenigen Male, dass ein torero in Madrid eine Auszeichnung erhält, wenn er nicht mit der ersten estocada tötet. Und was er mit der capa vorführte, da könnte sogar Morante de la Puebla neidisch werden. Sechs orejas und die puerta grande. In den Medien war es selbstverständlich ein Thema.

Joselito, jeder aficionado würde ihn gerne wieder im ruedo sehen. Besonders und gerade in Kombination mit dem derzeit populärem matador de toros Morante de la Puebla. Und dem maestro gefiel es, wieder so begehrt zu werden. So verkündete er auf der Internetplattform Burladero: "Es freut mich, dass man so über mich denkt und sich wünscht dass ich zurückkehre. Aber ich möchte auch dass alle wissen, dass ich mich in meinem jetzigen Zustand sehr wohl fühle. Trotzdem hat es mir in Moralzarzal sehr gut gefallen und erinnerte mich an die Zeit vor dreissig Jahren als ich als junger Spund in der escuela taurina war und uns die grossen maestros lehrten mit den toros umzugehen.

Die afición muss also noch warten, und ob Joselito überhaupt wiederkehren wird, kann man wohl eher bezweifeln. Schliesslich ist er ja auch als ganadero tätig. Aber doch toll zu sehen, wie der maestro immer noch in so guter Form ist. Na ja, hoffen können wir ja noch immer.

Dienstag, 19. November 2013

Brandstiftung, die neue Methode der Gegner von Stierkämpfen




von Philip de Málaga


Nach Peru nun auch in Frankreich
Über die kriminelle Vorgehensweise der antitaurinos
____________________________________________________________

Die hölzerne plaza de toros dem Jahr 1930
Antitaurinos greifen zu immer mehr kriminelleren Methoden, weil sie ihre eigenen Interessen kaum durchsetzen können. Nachdem radikale antitauristas Ende letzten Oktobers in der peruanischen Hauptstadt Lima versuchten die plaza de toros in Brand zu setzen, folgten nun europäische Gleichgesinnte diesem Beispiel und versuchten in der Nacht zu Montag die plaza de toros von Rion-des-Landes im Département Landes geradezu abzufackeln. Man entdeckte als Brandursache Benzinkanister, Strohballen und Gasflaschen, zu dessen Explosion es nicht kommen konnte, weil die Feuerwehr gegen 2:30 Uhr noch rechtzeitig eingreifen konnte. Beschädigt durch den Brand wurden zwei Türen der obere Bereich einiger tendidos. Die plaza de toros ist aus Holz konstruiert und Gott sei Dank hat es in den letzten Tagen geregnet und das Holz war noch ein wenig feucht. Sonst wäre es zu einer wahren Katastrophe gekommen.
Die Schäden in den oberen tendidos. (Foto: Sudouest)
Die Polizei spricht hier von einem kriminellen Delikt welches antitaurinischen Aktivisten zugeordnet wird und hat dementsprechend die Ermittlung in die Wege geleitet. Diese Vorgehensweise der antitauristas bestätigt einmal mehr, warum das Gesetz, das sich Gegner der toros den plaza de toros nicht mehr als auf 400 Meter Distanz nähern dürfen gerechtfertigt scheint. Man kann gespannt sein, zu welchen weiteren kriminellen wie illegalen Methoden der antitaurismo greifen wird.

Joël Goyheneix
Trotz und gerade wegen des Brandanschlages, so verkündete der empörte Bürgermeister Joël Goyheneix findet am nächsten Wochenende auf jeden Fall in der plaza de toros ein festival taurino statt mit den matadores de toros Juan Bautista, César Jiménez, Juan Leal und den novilleros Francisco José Espada und Clemente. "Solche Attentate gegen die plaza de toros und gegen die afición können man in keinem Falle akzeptieren oder hinnehmen", so der Bürgermeister.

Schon am 24. August diesen Jahres gab es in dieser Arena eine illegale Demonstration von antitaurinos, bei dem es zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen ist. Die tauromaquia ist zu einem Kulturgut deklariert worden, so wird es in Frankreich langsam Zeit, auch darüber nachdenken zu müssen, wie man dieses Gut schützen kann. Spanien wird sicherlich vor einer ähnlichen Herausforderung stehen.

Montag, 18. November 2013

Ein Schauspiel, welches sich mit keinem anderen vergleichen lässt



von José Ortega y Gasset



" Ich bin nicht unbedingt ein aficionado
Nach meiner Jugend 
habe ich sehr selten corridas besucht, 
gerade so viele, um zu verstehen was dort geschieht. 
Hingegen habe ich mit den toros das gemacht 
was kaum einer tat. 
Meine Aufmerksamkeit mit intellektuellem Grossmut 
diesem erstaunlichen Phänomen 
der corridas de los toros zu schenken, 
ein Schauspiel, 
welches sich mit keinem anderen vergleichen lässt, 
und welches in der ganzen Welt 
auf eine gewisse Resonanz stösst."

(1950)

Trotzdem hat der spanische Schriftsteller José Ortega y Gasset (1883 - 1955) letztendlich doch zahlreiche corridas besucht und auch einiges darüber geschrieben. Wahrscheinlich gehört er mit zu den ersten Intellektuellen der neuen Welt, welche der mundo de los toros begegneten und sich auch schliesslich dafür begeistern konnten. Ein grosses Dorn im Auge der antitauristas, dass sich gebildete wie intelligente Menschen sich so für die toros interessieren, gar einsetzen wie zum Beispiel auch in der Gegenwart der peruanische Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa.

Sonntag, 17. November 2013

Die spanische Nationalpolizei spezialisiert sich auf die Untersuchung der Hörner von Kampfstieren




von Philip de Málaga



Damit bei einer corrida alles seinen rechten Weg geht, bildet die Policía Nacional Agenten aus um eine Analyse der Hörner der toros bravos zu erstellen.
_______________________________________________________________________

Das Cuerpo Nacional de Policía (kurz Policía Nacional, das nationale Polizeikorps) verfügt derzeit über das einzige Laboratorium, welches gesetzlich anerkannt ist, um die cuernos der toros zu untersuchen, bzw. Analysen über deren Zustand zu erstellen. Mit dem neuen Gesetz wird seit diesem Monat ein besonderer Kurs angeboten, um veterinarios als Sachverständige in der Analyse der Hörner auszubilden. Im ersten Kurs nehmen vierzehn Beamte der Policía Nacional teil. Das Ziel ist klar vorgegeben. Man will der Manipulation der cuernos einen klares Ende setzen.

Innerhalb von zwei Wochen werden die Agenten in die Kunst der Analyse eingeführt. Obwohl die Polizeibeamten dem Innenministerium unterstehen geschieht dieses auf Anweisung des Staatssekretärs des Kultusministeriums, Don Fernando Benzo. Gehalten werden diese Seminare von Experten der Policía Nacionalveterinarios, Professoren der Universität Complutense in Madrid und Spezialisten in Gerichtsmedizin und Toxikologie.
(Foto: mundotoro)
Man erkennt an dieser Aktivität, dass der spanische Staat alles dran setzt die mundo de los toros zu beschützen, aber auch darauf drängt die Integrität, die pureza der toros und die Einhaltung des reglamento taurino zu wahren.

Muhammad Ali und die Stiere

Vor 36 Jahren konnte sich der Boxweltmeister für die toros begeistern
____________________________________________________________________






von Philip de Málaga


Am 12. November 1977 reiste der Boxweltmeister Muhammad Ali in die kolumbianische Hauptstadt Bogotá um zu einem Schaukampf mit dem Schwergewicht Bernardo Mercado anzutreten. Doch zuvor besuchte er eine novillada. Zwischen dem Boxsport und dem Stierkampf gäbe es einiges an Gemeinsamkeit, so schreibt das Portal mundotoro. Vor allem Einsatzbereitschaft, Ehrlichkeit, bereit sein um ein gewisses Risiko zu tragen und die ständige Gegenwart des auf der Lauer liegenden möglichen Todes.

Deswegen begab er sich zur finca Vista Hermosa um den novillero Jorge Herrera zu begutachten. Der novillero widmete den Tod eines novillos Muhammad Ali. Und diesem gefiel was er sah. Besonders die faena sprach den Boxweltmeister an, der die muletazos mit lauten Bravo-Rufen begleitete. Allerdings wollte er nicht, das der maestro den novillo tötete. Doch der novillo griff den Jorge Herrera hart an und beförderte ihn mit einer gewaltigen voltereta zu Boden. Also akzeptierte der Weltmeister das Ende der lidia und der novillero wurde mit dos orejas y rabo ausgezeichnet, welche er Muhammad Ali überreichte. Dieser näherte sich darauf hin dem maestro und stellte fest "Ich bin mutig, aber sie sind es mehr, wenn sie sich mit einem Tier einlassen, welches gefährlicher ist als Joe Frazier."

Muhammad Ali nimmt die Auszeichnungen des toreros entgegen.
Hinter Jorge Herrera, geboren 1948 in Bogotá, versteckte sich eine grosse Hoffnung der kolumbianischen afición. Im Januar 1986 hatte er seine alternativa. Und padrino wie testigo waren die grossen maestros Niño de la Capea und Juan Antonio Ruiz Espartaco. Gleich einen Monat später trat er mit dem kolumbianischen Superstar unter den toreros César Rincón auf. Doch im selben Jahr, im Oktober in Florencia (Kolumbien) wurde so schwer verwundet, dass er sich kaum davon erholen konnte. In den folgenden Jahren konnte er nie als bei mehr als zehn festejos taurinos teilnehmen. Meistens waren es weniger als fünf. Seit 1996 findet man seinen Namen auf keinem cartel mehr.

Samstag, 16. November 2013

Stierkampf in China

Wenn der Name Stierkampf seine Berechtigung hat, dann im Süden von China
nämlich wenn Stiere gegeneinander kämpfen
____________________________________________________________________






von Philip de Málaga
(Fotos: Chinanews.com und mundotoro)

In den bewaldeten Berggebieten der Volksrepublik China leben knapp zehn Millionen Miao (苗族). Eine Kultur die es seit etwa viertausend Jahren gibt und die schriftlichen Aufzeichnungen über sie immerhin schon zweitausend Jahre. Und sie feiern schon genauso lange den Stierkampf. Ein richtiger Stierkampf, wo die Stiere, ich benutze bewusst nicht den Begriff toro, gegen einander treten. Ein wichtiger Bestandteil der Miao-Kultur. Wieder einmal beweisen sich die Stiere als Teil einer Kultur. Allerdings wird hier kein Stier getötet. Die Stiere rennen auf einander zu, prallen mit ihren Köpfen zusammen, stossen gegeneinander, bis einer die Flucht ergreift.


Bei einem solchen Stierkampf ist man auch bemüht auf die Gleichheit der Stiere zu achten. Meint, das Gewicht und der Brustumfang sollten in einem fairen Verhältnis stehen. 


Bei einer solchen Veranstaltung gibt es an einem Tag fünfzehn Kämpfe. Jeweils immer nur zwei Bullen werden aufeinander losgelassen, der Gewinner kann stets weiter kämpfen. Am Ende erhält der Besitzer vom Gewinner 30.000 Yuan (3.600 Euro). Man werfe einen Blick in die tendidos, obwohl es regnet, sie sind voll besucht. 

Übrigens auch in den spanischen dehesas der ganaderías, gehen die toros bravos diesem Stierkampf nicht aus dem Weg. Meistens um Autorität zu erlangen, und nicht selten finden die ganaderos am nächsten Morgen verletze toros.


Freitag, 15. November 2013

In der Arena

Über die Begegnung mit den Stieren
____________________________________________________________________





Poesie von Dominik Sachsenheimer 
(Sommer 2003)


(Foto: mundotoro)

Du schaust mich an
Ich  schwitze

Du rast auf mich zu
Ich friere

Du senkst den Kopf
Ich auch

Du schnaubst
An meinen Beinen entlang
Und weiter
davon
durch den Staub.

Ich drehe mich ab
In die Sonne
Die von nun an
ewig 
mir scheint.

Donnerstag, 14. November 2013

Die Kunst zu Pferde

Eine Reportage über das so genannte rejoneo
Der Kampf der Titanen: Pablo Hermoso de Mendoza und Diego Ventura
___________________________________________________________________




von Colin Ernst
(Fotos: mundotoro)


Eine etwas andere Art der corrida, bietet das oft weniger bekannte rejoneo. Dabei handelt es sich um matadores de toros zu Pferde. Das tercio de varas wird ersetzt durch das Setzen des rejón de castigo, und der Reiter, der rejoneador, setzt seine banderillas selbst. Lange und kurze banderillas setzt er in waghalsigen Manövern vom Pferd aus. Als capa oder muleta, dient oftmals der Schweif des Pferdes, dem der gereizte Stier nachjagt. Der rejón de muerte, ersetzt die estocada. Wobei oftmals der Reiter den toro letztendlich doch auf gewöhnliche Art und Weise, nämlich zu Fuß, töten muss. 

Die Kunst bei diesem fesselnden, gefährlichen Schauspiel, ist die Reiterei. Je besser das Pferd ausgebildet, desto waghalsiger kann man sich dem Stier nähern. Und um banderillas oder den rejón de muerte gut zu setzen, muss man sehr nah ran... 

Pablo Hermoso de Mendoza sehr nah am toro
In dieser temporada, sowie auch in den letzten, streiten sich zwei maestros des rejoneo um den Thron, um die Krone des escalafón. Pablo Hermoso de Mendoza und Diego Ventura. Beide verfügen über das beste Pferdematerial und beste Reitkenntnisse. Dazu kennen sie die toros aus dem EfEf. Zur Zeit haben sie ihre Differenzen, denn Pablo will nicht ins TV, gemeinsam mit Diego..., oder wie auch immer. Beide sind eine Sensation im Sattel, kaum einen Zuschauer hält es auf den Bänken, wenn sie auftreten. 
Pablo Hermoso de Mendoza
Doch wie sieht die Saison in Fakten aus? Ventura hat sieben orejas mehr bekommen, wenn sie gemeinsam auftraten, in Málaga ging Ventura leer aus, Mendoza in Algeciras. In ihren enfrentamientos hat Ventura zwei rabos errungen, Mendoza nicht einen. Auch die puertas grandes öffneten sich für Diego Ventura zwei Mal mehr, als für seinen Konkurrenten, bei gemeinsamen corridas. Letztendlich hat Ventura auch mehr corridas bestritten. Im direkten Vergleich schneidet also Diego Ventura besser ab. 
Diego Ventura

Ich habe ihn gesehen, ein Verrückter! Er riskiert unwahrscheinlich viel, reisst mit seinem Charme, seiner Ausstrahlung, die Leute von den Sitzen. Ähnlich wie früher der matador de toros El Cordobés, der in seinen Anfängen weniger gut, als spektakulär war. Aber ich bin kein Freund von Pferdeverschleiss. Junge, vierjährige Pferde, seien sie noch so gut ausgebildet, gehören meines Erachtens nicht in eine plaza. Das ist meine Meinung. Pablo Hermoso de Mendoza muss sich mir nicht mehr beweisen, ein großartiger Reiter, mit bestens geschulten Pferden. Wer mit geschultem Reiterauge die Aktionen der beiden Reiter im Sattel verfolgt, sieht, das die Hilfen Mendozas viel sensibler eingesetzt werden, weniger Sporen und Zügeleinsatz. Beide Reiter sind auf höchstem Niveau, mit "mucho genio" (viel Genie) gesegnet. Wenn der jüngere Ventura einmal das Alter Hermosos erreicht hat, wird er ihn vielleicht überflügeln, in der Reitkunst, denn dies ist ein ewiger Lernprozess.
Pablo Hermoso de Mendoza und Diego Ventura; diesmal haben beide triumphieren können

Mittwoch, 13. November 2013

Jetzt ist es offiziell, der Stierkampf ist nun auch in Spanien ein Kulturgut




von Philip de Málaga



Der Stierkampf in Spanien ist nun offiziell bestätigt und geschützt
_____________________________________________________________

Heute wurde nun mit einem öffentlichen Gesetzblatt des spanischen Staates (BOE) bestätigt, dass die tauromaquia, nach der Entscheidung des spanischen Senats vom 6. November 2013, definitiv als immaterielles spanisches Kulturgut den vollen Schutz des spanischen Staates geniesse, und das alle Teilnehmer wie Besucher dementsprechend ihre Rechte und den entsprechenden Schutz durch die verantwortlichen Behörden und staatlichen Organen in Anspruch nehmen können. Das neue Gesetz tritt ab morgen in Kraft.
___________________________________________________________________
Quellennachweis:
BOLETÍN OFICIAL DEL ESTADO

Was soll man davon halten?

Über die taurinische Finanzwelt während der Krise
___________________________________________________________________




von Colin Ernst
(Fotos: mundotoro)


Was soll man davon halten? Der Director del Plan Nacional de Fomento y Protección de la Tauromaquia, Juan Antonio Gómez-Angulo, hat geäußert, das man die Kosten für die corridas senken muss. Damit kann man als aficionado gut leben. Aber wie sieht dann die andere Seite aus? 

Das Herumgereite auf dem Gaul namens crisis (Krise), ist einmal mehr ein Grund, die Daumenschrauben da anzusetzen, wo es allen weh tut, die mit ihrem Leben für die fiesta brava stehen. Die Erhöhung der IVA, der Mehrwertsteuer von 10 auf 21% für festejos taurinas, wird schon unter den Tisch gekehrt. Nun fordert man von den toreros, ihre Löhne zu senken, zu Gunsten geringerer Eintrittspreise, auch die ganaderos sollen ihre Preise senken, damit über die entradas baratas - Schiene, mehr Menschen die corridas besuchen. 

Was aber tut der empresario? Ein Beispiel, die figuras bekommen ungefähr 17.500 Euro pro corrida in einer plaza der ersten categoría. Davon müssen sie neben Steuern auch ihre Angestellten, die cuadrilla, bezahlen, von Versicherungen will ich nicht reden... Dies ist das Mindestendgeld, dafür, das man sein Leben und das seiner Mitarbeiter in einer plaza wie Las Ventas, mit zwei Stieren aufs Spiel setzt. Und dieser "Mindestlohn", so im Tarif geregelt, betrifft die toreros, welche den escalafón anführen, mehr als 43 corridas im Jahr bestreiten. In diesem Jahr sind es grade mal vier: Padilla, El Fandi, Fandiño und Perera

Die Stars unter den toreros: Juan José Padilla, El Fandi, Fandiño und Perera
Morante de la Puebla
Alle anderen matadores bekommen tariflich gleich mal 4.500 Euro weniger! Natürlich werden Morante, José Tomás und Co mehr bekommen, Dank ihrer Bekanntheit und ihrer apoderados

Aber mal ehrlich, ist ein Enrique Ponce mehr oder weniger wert??? Wir reden immerhin über das Leben eines Menschen. Und über das des toros. Wenn ein ganadero die Kosten für seine Tiere noch weiter senken muss, wird auch dies Konsequenzen haben. Billigeres Futter zum Beispiel, weniger Vitamine, Kündigungen der Menschen die diese Tiere betreuen. Wenn ein toro schlecht gehalten wird, ist seine Leistung in der plaza auch fraglich. Man hat schon ganze Rinderherden beinahe verhungern sehen. Die "Herstellung" eines Stieres hat seinen Preis. Und was bekommt der aficionado mitunter zu sehen, wenn ein empresario nicht sehr pflichtbewusst ist? Die plaza ist in einem schlimmen Zustand, bedarf dringend Renovierungen. Das umfangreiche cartel führt neben vielen unbekannten Namen ein mano a mano von zwei toreros der zweiten Kategorie (was bedeutet zwei Mal 4500 Euro weniger zu zahlen und einen torero gespart!) Eine novillada oder eine corrida mixta rundet das Bild ab. Der ein oder andere empresario hat sich eine goldene Nase verdient, während er seinen Service auf ein Minimum herunter geschraubt hat. Und da ist auch schon der  Fehler im System, denn er hat seine Kunden, die aficionados vernachlässigt. 

Und nun versuchen die Herren in Nadelstreifen, wieder einmal mehr, die Preise zu drücken, unter dem Mantel der Bedürftigkeit. Bei sinkenden Zahlen der corridas gleicht der die plaza de toros manchmal einem Haifischbecken. Die toreros müssen sich regelrecht um die Plätze prügeln, also Zugeständnisse machen, und den Züchtern geht es nicht anders. Der Gewinner in diesem Spiel sind Canal Plus toros, dort kann man für gut 16 Euro im Monat so viel toreo sehen wie man vertragen kann, die pipas knackt man dann eben auf dem Sofa...

Dienstag, 12. November 2013

Ein edles Gefäss aus Silber

Es ist ein Ritual in der Tauromachie
____________________________________________________________________






von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)


Vor und nach der faena, und beim Beobachten des tercio de banderillas ist es üblich, dass die matadores ein wenig Wasser zu sich nehmen. Aber nicht etwa aus so einem Plastikbecher oder aus der Flasche. Ein edles Gefäss aus Silber muss her. 
Gleich einem Akt des göttlichen Schutzes, gleich dem heiligen Abendmahl, wird dieser Silberbecher von den toreros aufs Höchste verehrt. Das ist nicht nur Selbstschutz oder Rechtfertigung, sondern dieses Ritual ist Teil ihrer Kultur und bestätigt immer wieder ihren Glauben. Ihren Glauben an Gott und die mundo de los toros.

Montag, 11. November 2013

Der Inbegriff der Tauromachie




von Philip de Málaga


Wie man in Málaga die toros sieht
_______________________________________________________________

In der Hauptstrasse von Málaga, der bekannten Calle Larios, wird mit einem Plakat dargestellt, dass das Wesen, die Identität, die Essenz für das Leben, für zahlreiche Menschen in der tauromaquia liegt. Ein weiterer Beweis dafür, wie sich viele Spanier sich mit der mundo de los toros identifizieren. Obwohl es zahlreiche ausländische Medien anders beurteilen. Aber meistens aus Unwissenheit.
Selbst das Picasso Museum in der südspanischen Metropole Málaga 
bezieht eindeutig Stellung. Selbstverständlich für die toros!

Wenn die Flut von oben kommt



von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)


Starker Regen beendet eine corrida im mexikanischen Tlaxcala
Aber trotzdem gelang es dem torero El Zapata zu triumphieren
_________________________________________________________________

Am letzten Wochenende wurde im mexikanischen Tlaxcala eine corrida nach dem vierten toro abgebrochen. Eine wahre Flutwelle von oben setzte den ruedo komplett unter Wasser. Nichts desto trotz gelang es dem matador de toros Uriel Moreno El Zapata unter strömendem Regen dem Publikum eine beindruckende faena zu liefern, für welche er mit einem oreja prämiert worden ist. Die Leute in den tendidos waren begeistert und laute "torerotorero" Rufe halten durch das Rund der plaza de toros in Mexiko begleitet von lautem Regenfall.



Sonntag, 10. November 2013

Samueles - eine Stierzucht

Warum eine Stierzucht bei den toreros populär ist oder auch nicht
___________________________________________________________________







von Colin Ernst


Auf diese ganadería bin ich aufmerksam geworden, durch einen Beitrag des Taurokritikers Paco Mora in dem Magazin Aplausos. Seine Worte über die Zucht der Samueles waren für mich mehr als hart. Toros wie die von Samuel Flores wolle heute keiner mehr haben, der ganadero könne sie zum Metzger bringen. Ich hatte immer noch die 500 Coquilla Rinder vor Augen, welche dieses Jahr den Gang zum matadero angetreten sind. Wie kann man als aficionado und Fachmann so etwas sagen? Also begab ich mich auf Spurensuche.

1882 kaufte der ganadero Eduardo Ybarra einen Teil der bekannten Murube Zucht, aus der Linie Vistahermosa. Diese toros waren nicht besonders groß oder schwergewichtig, aber sehr beständig im tercio de varas. Gut zwanzig Jahre später verkaufte er die Hälfte der „Ybarras“ an die ganadería Parladé. 1926 teilte man diese, so gezogenen Rinder in vier Teile auf, Don Ernesto Blanco, sein Sohn Manuel, Rafael Claiak de Salamanca und die Hermanos Samuel, jeder bekam sein Lote. Augustine Flores konservierte die Linie der Ybarreños. Wert legte man auf einen toro, mit viel Gesicht, langen, weißen Hörnern und viel trapio. Das äußere Erscheinungsbild zeigt einen mittelschweren Stier mit kurzen Beinen, langem Hals, wie geschaffen für das toreo. Sein Charakter wird als noble beschrieben, mit genügend Format, um sich von Anfang an bei der lidia zu steigern, de menos a más, wie man sagt. 1968 übernahm Samuel Flores die ganadería  mit 22 Jahren einer der jüngsten Züchter in diesem Geschäft. In den 40ger bis 60ger Jahren triumphierte die ganadería mit Nachkommen des toros No.34, bzw. seinem Sohn Naviero. Viele toreros suchten sich diese Zucht für ihre alternativas, oder confirmación aus. 1944 Dominguín, 1963 El Cordobés, 1966 El Viti in Sevilla…, die Liste lässt sich erweitern. 1990 bestückten die „Samueles“ die beste corrida in Las Ventas, César Rincón verliess ein Jahr später die Monumental de Madrid durch die puerta grande, Dank dieser toros
Der matador der toros Enrique Ponce mit einem toro der ganadería Samueles (Foto: mundotoro)
1996 kam es zu einem spannenden Duell zwischen Joselito und Ponce, die corrida der sechs quites, mit toros der ganadería Samuel Flores. 1999 bei der feria in Dax, Frankreich bescherten die Samueles den toreros elf orejas und einen rabo. In Madrid sind diese Stiere gern gesehen, Madrid verlangt pitones, Hörner, auf das sich die toreros nicht verstecken können. Maestros wie Enrique Ponce verdanken dieser Zucht viele ihrer Erfolge, ebenso wie Antonio Ordoñez, Damasco Gonzales oder Paco Camino. Dieser Züchter war auch einer der ersten, die den Samen eines ihrer Deckstiere, Alucena, tiefgefrieren ließ, um nach seinem Tod, 2007, die Kühe künstlich zu besamen. 

Bei der neuen Generation der toreros ist diese ganadería nicht mehr so beliebt. Allein die ausladenden Hörner… Es gibt immer weniger toreros die bereit sind, ihre Kunst dem trapio eines Stieres zu opfern. Trapio und Hörner wie Fahrradlenker sind noch unbeliebter. Der Nachwuchs schaut auf die Künstlertoreros und vergisst, das sich genau diese, Beispiel maestro Ponce, jeder encaste, jedem Stier gestellt haben, mit Erfolg. Ich denke, das die Kunst in die falsche Richtung weist. Zuviel Schönheit, zu wenig Wahrheit, vor allem zu wenig Kenntnis der Stierzuchten im Allgemeinen. Die großen maestros haben alle viel im campo trainiert, viel Zeit dort verbracht, um den Stier zu verstehen, ihn zu lesen. Heute haben nur wenige Schüler der tauromaquia die Gelegenheit und die Weitsicht, diesen Weg zu gehen. Dies wird langfristig zum Absterben vieler Äste des fragilen Stammbaums der toros führen. Grade die ganaderías welche eine Reinzucht führen, haben oft gesundheitliche Probleme und Flauten, die mehrere Jahre dauern, bis sich die Blutlinie wieder erholt hat und neue, frische, gute Stiere hervor bringt. Somit mein Appell an die ganaderos  nicht auf zu geben, Blutlinien zu erhalten, auch wenn sie grade nicht „Mode“ sind. Und an die toreros: Ein guter Stier hat keine Farbe und kein Brandzeichen, er ist einfach nur ein toro bravo.

Samstag, 9. November 2013

Los norteños

Über die Begegnung mit den Stieren
____________________________________________________________________





Poesie von Dominik Sachsenheimer 
(Juni 2000, Toledo)


Der Deutsche forderte vom Torero mehr Mut
Genauso wie das der Franzose stets tut -
Beide wären gerne Basken
Nur nicht so brachial.

Der Madrilene mit adliger Postleitzahl,
Verschwand hinter Masken
aus Zigarrendunst.

Der Norweger forderte mehr Präzision,
Der Brite referierte über Emotion,
Der Katalone pries
Die Freiheit der Kunst.

Der Ami bestellte ein weiteres Bier
Und forderte, lautstark, einen grösseren Stier.
Der Schweizer hingegen rechnete vor
Wie viele Matadore er kannte.

Sie alle wussten viel mehr als ihr Nachbar
Weshalb bald ein Streit entbrannte
Und keiner so richtig zum Zuschauen kam
Als der Toro der Sonne nach rannte.
Nur drei Andalusier ertranken in Tränen
Da ein Blitzschlag den Kosmos umspannte:
Una media les hizo llorar como niños
Bautizados en la luz de Morante


(Oder: Eine media liess sie wie Kinderlein weinen. Getauft im Licht von Morante.)