Mittwoch, 22. Juli 2015

Wenn Nicht-Spanier über Stierkampf sprechen

Wenn man nicht aus einer taurinischen Zone kommt,
ist man dann in der Lage überhaupt über die Stiere zu schreiben?
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von Philip de Málaga



Anfang Juli erschienen bei SfA zwei Reportagen mit den Titeln Denken wie ein Stier und Denken wie ein Torero. Grundsätzlich erfuhren beide Darstellungen ein positives Feedback wie zum Beispiel im Gästebuch von SfA:


Auch zustimmende Mails erhielten wir. Aber er es gab auch kritischen Stimmen dazu, wie zum Beispiel diese:

"Deine Ansätze zu den letzten beiden Beiträgen sind gewiss in bestem „Wissen“ geschrieben, entbehren aber jeder wirklichen Grundlage. "

Klar zu erkennen, hier vertritt jemand eine andere Meinung. Und das ist gut so, das man über ein Thema diskutieren kann. Erst die geistige Auseinandersetzung damit macht es interessant. Ohne jetzt aber ins Detail zu gehen, stellt sich hier eine ganz andere Frage. Wann ist man eigentlich in der Lage, sachlich, fachgerecht über ein Thema zu berichten, mit dem man eigentlich selbst nicht einmal gross geworden ist?

Ernest Hemingway
Bleiben wir einmal bei den toros. Die erste ausländische Persönlichkeit die begann so sachlich wie möglich über das Thema der mundo de los toros zu berichten war Anfang bis Mitte des letzten Jahrhunderts der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway. Ohne Frage gehörte er unter den Ausländern zu denjenigen, der am meisten von den toros verstand. Und er hatte auch in der mundo taurino zahlreiche amigos. Aber auch zahlreiche Kritiker und aficionados, welche dieses fachliche Einmischung von aussen nicht besonders schätzten. Eine ähnliche Kritik, welche man auch den antitaurinos zukommen liess und lässt. Und trotzdem gilt er heute noch als der grosse Stierkampfkenner.

Überhaupt, wie sind die Texte in der Literatur zu bewerten? Es sind ja nicht gerade Unbekannte, die sich an das Thema der toros heranwagten: Unter anderem James A. Michener, John Steinbeck, Norman Mailer, Lord Byron, Margarete Stein, Barnaby-Conrad, D. H. LawrenceTheophile Gautier ... die Liste lässt sich endlos weiterführen. Alle schrieben über die toros, erlebten sie, in den plaza de toros oder auch auf den dehesas, bei capeas oder wo auch immer. Sie schwangen nicht die Tücher wie capa oder muleta, konnten aber trotzdem mitreden. Darüber schreiben. Und damit sogar beeindrucken. Selbst den toreros gefiel es häufig, wenn so über sie geschrieben wurde. 

Machen wir einen kurzen Abstecher in einen anderen Bereich. Zum Boxen. Man muss doch keine Boxhandschuhe getragen oder im Ring gestanden haben um mitreden zu können. Jedoch etwas gehört dazu. Erfahrung. Häufiges Beobachten und Analysieren, dem Zuhören, was Experten und Kenner dazu sagen oder geschrieben haben, kurz, das Gefühl eines Kennenlernen entwickeln, sich dem Ereignis geistig wie emotional nähern, verstehen was dort geschieht. Nicht anders verhält es sich bei den toros.

Uli Pürschel
Uli Pürschel vom Portal La Tauromaquia beschrieb es so: "Den Spaniern scheinen die Pyrenäen hoch genug zu sein um eine Einmischung von aussen nicht ernst zu nehmen". Zwar bezog er es in erster Linie auf die antitaurinos, aber auch jede andere Einmischung von ausserhalb wurde eher auf Distanz geschoben als sich damit auseinander zusetzen. Und er selbst zählte ohne Frage im deutschsprachigen Bereich von 2003 bis 2012 mit seinem Portal zu den führenden Experten in Sachen tauromaquia für Deutsche.

Was ist mit den aficionados in den tendidos, welche noch nie in ihrem Leben eine capa, muleta oder einen estoque in ihren Händen hielten? Haben die keine Ahnung, weil ihr Wissen nur aus der Literatur, aus dem Fernsehen, dem Internet oder des Betrachtens, was im ruedo geschieht, basiert? Dann wären es Sadisten, die sich an der Qual des toros erfreuen würden stand über die Erkenntnis der Ereignisse. Gehen wir aber mal einen Schritt weiter:

Da gibt es den toreo de salón. Der hat sehr wohl jene "Tücher" schon mal wenigstens in der Hand gehabt, sie geschwungen. Da bewegt man zwar die capa oder was auch immer, und vielleicht sogar recht elegant, aber die drohende Gefahr eines toros ist nicht vorhanden. Wie sind solche Aktivitäten zu bewerten?

Geht man einen Schritt weiter kommt man zum aficionado práctico. Da wird ein gewisser Mut abverlangt. Tritt dort der Mensch doch einem wirklich Stier entgegen. Zwar kleiner, eine becerra oder ähnliches, aber deswegen nicht ungefährlicher. SfA-Mitarbeiter Dominik Sachsenheimer hat diese Begegnung wunderbar in Viva México! (1. Teil und 2. Teil) beschrieben. Hier kann also jemand wirklich von der Begegnung der menschlichen Intelligenz und dem animalischen Instinkt erzählen. Von seinen Gefühlen berichten.


SfA torero Dominik Sachsenheimer
Kommen wir zu den Deutschen. Zugegeben, da wird eher bescheiden berichtet. Zwar gibt es hier bei SfA eine Seite mit Deutscher Literatur zum Thema Stierkampf, aber in der Aktualität hält es sich in Grenzen. Auch im Internet. Ob nun Stierkampf - corrida de torostorodoro, oder wer auch immer, wer an diesen Seiten arbeitet hat es mit Herz und Seele getan. Hat sich viele Jahre mit der mundo de los toros auseinandergesetzt, ist ihr begegnet, kennt taurinos wie toreros, hat viel darüber gelesen, beherrscht die spanische Sprache, und alle sind in der Lage zu informieren, zu berichten und Emotionen zu vermitteln. Die Erfahrung vieler Jahre, und wer bei SfA einen Blick in Das Team von SfA wirft kann erkennen, dass diese Begegnung mit der mundo taurino schon seit 1985 besteht, also ganze stolze dreissig Jahre! Da kann man ruhig davon ausgehen, das diese Leute sehr wohl mitreden können. 

Bei einem interessanten Gespräch über dieses Thema in der peña taurina in der Malagueta von Málaga sagte mir jemand mal folgenden Satz: "Um bei Politik mitreden zu können, muss man kein Politiker sein, genauso trifft das auch auf das toreo zu!

Wie man auch immer darüber denken mag, gerade die verschiedenen Betrachtungsweisen des toreos, der toros und toreros, überhaupt der gesamten mundo de los toros macht das Thema der toros zu einer spannenden wie vielseitigen Kultur Spaniens. Aber man benötigt Zeit um ihr zu begegnen und um sie verstehen zu lernen.

Und was uns angebliche Kenner der taurinischen Szene anbetrifft, so sollten wir uns hüten den Experten heraushängen zu lassen, sondern einfach nur den Dialog suchen, einfach nur berichten was wir gesehen, gehört und erlebt haben.

Dienstag, 21. Juli 2015

Roquetas: Ein Ferienziel und eine volle Plaza de toros!





mit Eloisa Cabrera


Das Portal mundotoro führte ein Videointerview mit der stellvertretenden Bürgermeisterin vonRoquetas del Mar mit seinen 90.000 Einwohnern, Doña Eloisa Cabrera. Das vorwiegend bei Spaniern, England und Deutschen beliebte Ferienziel zeigt auch ein grosses Interesse auch für die mundo de los toros. Neben dem Obst und Gemüseanbau spielt der Touristensektor die zweitgrösste Rolle. Und trotz Touristen spielen die toros eine tragende Rolle, was wohl auch mit dem hohen Anteil der spanischen Touristen zu tun hat. Aber es zeigt auf, Touristen und toros, dass scheint auch zu funktionieren. Das Interview wurde von der Prensa Roquetas durchgeführt:


Ein lleno in der plaza de toros.

"Man muss verteidigen, woran man glaubt. Wenn sich die plaza füllt kann man davon ausgehen, dass wir die Sache gut gemacht haben und uns auf dem richtigen Weg befinden.

7.900 Zuschauer in den vollen tendidos!
Es ist einfach eine Tatsache, dass die toros in Roquetas derzeit das espectáculo sind, welche die meisten Menschen zusammenbringt. Am letzten Wochenende verfolgten mehr als 20.000 Personen die festejos taurinos


Es gab eine corrida de toros sehr gut präsentiert, toros bravos, toreros die triumphierten, kurz, eine Balance die nicht besser ausfallen kann.



Es ist ein wunderbares Gefühl wenn sich die plaza fast bis zum No hay billetes füllt, ein hasta la bandera. Selbst bei der clase práctica gab es mehr als 6.000 Zuschauer (Fast 80 Prozent der plaza).

Ein Prost auf die toros.
Wir sind zufrieden und finden hier eine Bestätigung für den Einsatz des Rathauses. Die toros sind eine Kultur und somit eine Investion und keine Kosten!"

Vivan los toros im touristischen Roquetas del Mar.
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Zusätzliche Infos von SfA:

Die plaza de toros von Roquetas del Mar mit einem aforo für 7.900 Zuschauer wurde am 2. Juli 2002 eingeweiht. Die corrida de toros wurde live im öffentlichen TVE übertragen. Die matadores de toros El Juli und Jesús de Almería verliessen das ruedo durch die puerta grande.

Auch diesmal öffnete sich die puerta grande für zwei matadores de toros Enrique Ponce (oreja und oreja mit petición nach einem zweiten oreja) und Miguel Ángel Perrera (dos orejas und dos orejas mit petición nach rabo). Alejandro Talavante (silencio und oreja). Die toros kamen aus der Zucht von Alcurrucén.

Bei der zweiten corrida de toros gab es folgende Ergebnisse: Morante de la  Puebla (silencio und dos orejas), Sebastián Castella (ovación und dos orejas) und El Juli (oreja und oreja). Für alle drei maestros öffnete sich die puerta grande. Die toros kamen aus der Zucht von Zalduendo.

Sechs toreros, dreizehn orejas und fünf puertas grandes, eine wirklich erfolgreiche Bilanz! Und die tendidos in der plaza de toros zeigten ein lleno und ein No hay billetes.  Vivan los toros!

Und da behaupten doch einige Personen aus dem Kreise der antitaurinos, die toros seien nicht mehr populär.

Montag, 20. Juli 2015

Palma de Mallorca: Absage ausgeschlossen





von Philip de Málaga


Trotz des Drucks der antitaurinos, die toros finden planmässig statt
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Wegen der zahlreichen ausländischen Residenten und vielen Touristen erhoffen sich die antitaurinos die corrida de toros in der balearischen Hauptstadt (siehe SfA TAURONEWS: Stierkampf in Palma de Mallorca) zu verhindern. Da werden Kampagnen gestartet, die Presse angestachelt, Flugblätter verteilt ... aber es bringt den antitaurinismo nicht weiter.

Wie die empresa taurina Funciones Taurinas S. L. heute erneut bestätigte, die corrida de toros am 6. August in diesem Sommer im Coliseo Balear wird auf jeden Fall statt finden. Der Beginn der corrida de toros ist um 22:00 Uhr. Eine Absage, wegen möglicher Aktivitäten durch antitaurinos wird komplett ausgeschlossen.

Neu diesmal, die entradas können schon im Vorfeld online bei tauroentrada.com erworben werden. Der offizielle Verkauf an den taquillas beginnt am 23. Juli 2015 (Montag bis Freitags: 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr und am  Nachmittag von 17:00 Uhr bis 20:00 Uhr. Samstag nur vormittags.)

Stierkampf in Palma de Mallorca





von Philip de Málaga


Nun gibt es ihn auch in der "deutschen" Inselhauptstadt:
Ein Stierkampf der Spitzenklasse
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Schon seit ein Ewigkeit versucht man das ausländische Publikum von Seiten der antitaurinos gegen die mundo de los toros zu hetzen. Trotz höchst fragwürdiger Unterschriftenlisten, unterschrieben von Touristen die von den toros nun wirklich nichts wissen, gelingt es immer wieder auf Mallorca festejos taurinos zu organisieren. SfA hat darüber berichtet: Und es gibt ihn doch: Stierkampf auf Mallorca

Und nun kommen die toros in die Inselhauptstadt Palma de Mallorca. Und mit was für einem cartel de lujo. Grosse figuras aus der mundo de los toros haben sich angekündigt: Die diestros Morante de la Puebla, José María Manzanares und Alejandro Talavante.


Mit diesem cartel werden sich die 14.425 Sitzplätze in den tendidos der plaza de toros der Inselhauptstadt, welche am 21. Juli 1929 eingeweiht worden ist, mit Sicherheit gut füllen. Toros auf der Insel der Deutschen. Noch ist es Realität. Auch ein Möglichkeit, einem interessierten Publikum, welche noch keine Begegnung mit der mundo de los toros hatte, den toros näher zu kommen. Der matador de toros Morante de la Puebla wird sicherlich seinen Teil dazu beitragen. Er wird auch hier seine Flaggen hiessen: El Arte no tiene miedo ... auch nicht auf Mallorca.

Noch ist das aforo in Palma de Mallorca leer, aber im August wird es sich füllen.
Eine plaza de toros wurde eben nicht für "Wetten dass ..." und Co. geschaffen.
Noch ist sie leer, aber man kann davon ausgehen, dass sich die plaza gut füllen wird. Zumindest ein tres cuartos bis hin zu einem lleno. Hoffentlich nicht ein letztes Mal. Möge es antitaurinos und politischen Agitatoren nicht gelingen dies zu erreichen. Denn die tauromaquia ist Kultur, keine Politik! Auch eine kleine afición hat ihr Anrecht auf spanisches Kulturerbe.

Sonntag, 19. Juli 2015

Wenn Toreros am Strand werben





von Philip de Málaga


Toreros wie Morante gehen viele Wege um für sich zu werben
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In Zeiten der Krise ist es der Verdienst von einigen toreros, dass sie sich besonders für die tauromaquia einsetzen. Dazu gehören eben auch Marketingmassnahmen. Einer unter jenen ist der populäre matador de toros Morante de la Puebla, der immer neue Wege geht um für die toros zu werben. So steht zum Beispiel vor jeder plaza de toros, wo er eine corrida de toros bestreiten wird sein schwarzer Bus, dessen Inhalt über ihn und die mundo de los toros informiert.
(Foto: mundotoro)
Und nun haben wir Sommer. Heisse Monate mit vielen Touristen, die vor allem neben den Besichtigungen der örtlichen Sehenswürdigkeiten den Tag am Meer und in der Sonne verbringen. Ein Grund mehr für Morante de la Puebla auch dort mal die Werbeflagge für die toros zu hissen, wie jetzt in Roquetas de Mar, um für die heutige corrida de toros mit den maestros El Juli und den Franzosen Sebastián Castella zu werben.

(Foto: mundotoro)
Statt den europäischen Qualitätsflaggen für Strände verzieren nun blaue taurinische Flaggen die Strandpromenade von Roquetas. El Arte no tiene miedo - Die Kunst hat keine Angst. Der Werbeslogan eines toreros, der neue Wege geht, auch mal auf der Strandpromenade wo er schon zu sehen war.

Begleitet wird sein Auftritt an diesem Ort von einer Photoausstellung des Photographen Héctor Rey, welcher in seinen Photos Momente in andalusischen plaza de toros des matadores de toros Morante de la Puebla festhält.

Samstag, 18. Juli 2015

Stierkampf bietet eine mächtige Metapher für das Leben selbst




von Paul Ingendaay


Der Literaturredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung arbeitet seit 1998 als Kulturkorrespondent für die FAZ in der spanischen Hauptstadt Madrid. Fasziniert von Land und Leute hat er auch schon mehrere Bücher darüber verfasst: Gebrauchsanweisung für Spanien, Gebrauchsanweisung für Andalusien und die Nacht über Madrid. Es versteht sich von selbst, dass der Kulturkorrespondent sich auch mit dem spanischen Kulturgut der tauromaquia auseinandersetzt. Er selbst versteht sich nicht als ein Liebhaber oder aficionado von Stierkämpfen, verurteilt aber auch die toros nicht und findet es nicht grausam, barbarisch oder tierquälerisch. 


"Wer öfters zum Stierkampf geht, verliert die Fähigkeit, 
die Grausamkeit des Schauspiels moralisch zu bewerten.

Stierkampf bietet eine mächtige Metapher für das Leben selbst: 
Jeden kann es erwischen, doch Stil kann dabei nicht schaden."

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Quellennachweise:

Ein Kult aus Blut und Empfindsamkeit, Paul Ingendaay, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9.06.2004
Gebrauchsanweisung für Spanien, Paul Ingendaay, Piper Verlag, München 2002

Freitag, 17. Juli 2015

San Fermín befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Geschichte.




von Javier Solano

Mit Jahrgang 42 gehört er zu den Veteranen des spanischen Fernsehens. Und in Pamplona geboren moderiert er auch schon seit 25 Jahren für das RTVE das morgendliche encierro. "Ich erlebe die encierros ziemlich ruhig, weil ich in der Strasse nicht mitlaufe, aber ich bin nervös, weil ich meine Arbeit professionell rüberbringen möchte. Und somit muss ich die gefährlichen Momente kommentieren." So avancierte er zu einem der Experten der encierros von Pamplona, besonders in Spanien, Frankreich, Argentinien und in den Vereinigten Staaten. Besondere Aufmerksamkeit schenkte man ihm in diesem Jahr als er folgendes von sich gab:

"San Fermín befindet sich 
auf dem Höhepunkt seiner Geschichte! 

Aber es werden mehr Läufer 
und eines Tages 
wird es auf einmal gleich fünf Tote geben, 
und dann wird das Ganze 
schnell ein Ende haben."

Ist das wirklich so? Schauen nicht jeden Morgen Millionen von Menschen in den Fernseher, in der Hoffnung dass der Lauf nicht zu langweilig wird ohne das etwas geschieht? Warten nicht viele Zuschauer auf spektakuläre und aufregende Momente? Nun, der Tod ist sicherlich nicht erwünscht, aber wenn etwas im encierro geschieht erregt das doch ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Auch für die Gespräche des Tages und die Nachrichtensendungen. Und der toro, der während des encierros grossen Schaden angerichtet hat, dem wird man bei der corrida de toros selbst doch eine besondere Aufmerksamkeit schenken.

Ein paralleler Gedanke kommt auf. Als im Jahr 2007 die mundo de los toros geradezu explodierte, es gab über 2.000 corridas de toros, im Fernsehen wurden weit mehr als 120 festejos taurinos live übertragen, die plazas waren voll, und was war die Folge ... die mundo taurino startete eine beispiellose Talfahrt bis hin zum Jahr 2013. 

Wie auch immer es Solano meinte, zur Diskussion hat es angeregt.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Pamplona: Neue Rekorde





von Philip de Málaga


Das Fest der Stiere in Pamplona so populär wie noch nie
Auch im Ausland!
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Was unterscheidet die fiesta de los toros von Pamplona von anderen ferias taurinas? Die Antwort ist einfach. Während die anderen fiestas nacionales vorwiegend von spanischer afición besucht werden, findet das Fest taurino in Pamplona weltweites Interesse. Nicht nur dass man sich dafür interessiert, man reist sogar hin. Laut den Reiseveranstaltern kam gut die Hälfte aus dem Ausland. Für spanische Veranstaltungen mit den toros einzigartig, kommt sie normalerweise nicht mal an fünf Prozent ran. Selbst in Las Ventas (Madrid), in der Real Maestranza de Sevilla oder an der Touristenküste Costa del Sol in der grossen Malagueta von Málaga bilden die Ausländer eine ziemlich bescheidene Minderheit. Die ausländischen Besucher in Pamplona kamen in diesem Jahr hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten, Grossbritanien und aus Deutschland.

Wie lässt sich dieser ausländische Boom erklären? Er begann vor 87 Jahren, als der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway in seinem Roman Fiesta (The sun also rises) die zweite Hälfte seines Werkes dem Fest San Fermín widmete. Seitdem war der Ansturm der Ausländer nicht mehr zu bremsen und es avancierte zu einer Art Weltmeisterschaft der toros. Und sie gehörten plötzlich zur Literatur, eine Andeutung der toros als Teil der Kultur? Nur vier Jahre später erschien Hemingways zweiter Bestseller über die mundo de los toros: Tod am Nachmittag.

Zurück in die Gegenwart. Geradezu dementsprechend war auch das Interesse der ausländischen Presse gross. Weltweit wurde von 685 Journalisten aus über 20 Ländern berichtet. Auf nationaler Ebene waren natürlich alle Medien vertreten, bis hin zum Fernsehen, welches die encierros nicht nur live übertrug sondern auch mehrmals am Tag wiederholte. Morgens ab 7:15 Uhr schalteten in Spanien für die encierros 632.000 bis 821.000 Zuschauer ihre Fernseher ein m live dabei zu sein. Das entspricht einer Einschaltquote von stolzen über 40 Prozent. Mehrmals am Tag wurden die Läufe wiederholt ausgestrahlt und somit ein Millionenpublikum erreicht. Auch die Nachrichten berichteten stündlich vom aktuellen Geschehen taurino aus Pamplona, vor allem wenn es bei den morgendlichen Stiertreiben Verletzte oder sonstige Zwischenfälle gegeben hatte. Auch weltweit (unter anderem auch in den Vereinigten Staaten, Australien und Japan) wurden TV-Rechte veräussert. Unter anderem an den amerikanischen Sender NBC.

Spanisches wie internationales Fernsehen dabei
Und sie, die Besucher aus dem In-und Ausland haben Geld dort gelassen. Denn billig war Pamplona gewiss nicht. Nicht nur bei den corridas, welche stets sehr gut besucht waren, bis hin zum ausverkauften No hay billetes, oder bei den täglichen Trinkgelagen, sondern auch bei den Unterkünften, obwohl das Schlafen bei Nacht kaum angesagt war. Mehr als 200 Euro wurden teilweise dort pro Person und Nacht gelassen.

Die corridas in Pamplona: Fast immer ausverkauft! Fast 20.000 Zuschauer!
So war für den linken Bürgermeister der Stadt, Don Joseba Asirón (SfA-Leser kennen ihn schon: Kurioses aus Pamplona: Die linke BILDU leitet Stierkampf) die Sanfermines in diesem Jahr muy maravillosa, besonders fabelhaft. Ein wirtschaftlicher, populärer wie kultureller Erfolg.

Eine tolle  fiesta de los toros welche am letzten Tag mit einem gebührendem Rekord endete: Denn beim morgendlichen encierro legten die toros von Miura, einer der wohl berühmtesten ganaderías Spaniens, eine Rekordzeit hin. In nur zwei Minuten und fünf Sekunden rannten die Miuras die 825 Meter zur plaza de toros, ohne auch nur einen Läufer auf die Hörner zu nehmen. Das war das bis jetzt schnellste encierro seit Beginn der Zeitmessung vor 35 Jahren.

Der Highlight eines jeden Morgen in Pamplona: Der encierro
Seit 1924 kamen in der Geschichte der encierros von Pamplona fünfzehn Menschen ums Leben. Das letzte Mal im Jahr 2009. Ein Grund dafür, dass es weniger Todesfälle gibt ist wohl auch der, dass die Polizei sehr wohl darauf bedacht ist, angetrunkene Läufer von der Strecke fern zu halten. Was allerdings die Zahl der Verletzten nicht minderte. In diesem Jahr wurden 835 registriert (plus 3 Prozent zum Vorjahr).

Fazit: Die fiesta de los toros von Pamplona erfreut sich weiterhin allergrösster Beliebtheit. Und zwar nicht nur für ein paar Spanier. Das Interesse im Ausland wird stets grösser und auch in den Besucherzahlen von San Fermín reflektiert sich ebenfalls eine erneut steigende Tendenz in der mundo de los toros.

Als Hemingway am letzten Tag sein Hotel verliess verteilte er sehr grosszügig Trinkgelder, um noch mehr Freunde zu erwerben, wie er schrieb, und um beim nächsten Besuch in den Genuss eines noch besseren Service zu kommen. Er wollte wieder kommen. Das stand fest. Und er tat es auch. Ob er wohl erahnte, welche Boom er mit seinem Roman, der über diesen Aufenthalt erzählt, auslöste? Wohl kaum.

¡Viva San Fermín!

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Auch bei SfA bemerkte man das steigende Interesse an den toros während San Fermín in Pamplona. Das hat wohl auch damit zu tun, dass einige deutsche Medien von den encierros berichteten. Obwohl SfA eher bescheiden im Detail davon berichtete, gab es die komplette Berichterstattung bei Toros y Toreros von Colin Ernst.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Die Querencia: Wenn der Stier nicht angreift

Über die bevorzugten Zonen der toros in einer plaza
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von Philip de Málaga



Mit dem Begriff querencia wird der Neueinsteiger in die mundo de los toros relativ spät konfrontiert. Dabei handelt es sich um eine Zone, welche vom toro bevorzugt aufgesucht wird, vor allem auch deswegen, weil er sich dort in einer gewissen Geborgenheit fühlt, wo er meint sich auch gut verteidigen zu können.

Das klassische Lexikon des Stierkampfs, der Cossío beschriebt die querencia in einem Satz: "Der Ort in einer plaza, welchen der toro bevorzugt aufsucht, wo er sich nach einer jeden suerte hin begibt."

Der toro zieht sich nach einer suerte zu seiner bevorzugten querencia zurück
Ernest Hemingway beschreibt es als den Teil der Arena, in dem der Stier sich am liebsten aufhält; wo er sich zu Hause fühlt. 

Roland Rollhäuser geht einen Schritt weiter und behauptet, dass es eine Stelle sei, wo ein Stier sich gerne aufhält und wenn er sich erst einmal in seiner querencia verschanzt hat, den Kampf unmöglich macht.

Mit anderen Worten. Bei einer corrida in einer plaza de toros fixiert im ruedo das Gehirn eines toros sich auf bestimmte Stellen, in welchen er das Gefühl hat, sich in einer Zone zu befinden, welche ihm eine gewisse Sicherheit gibt, und von wo er meint, sich leichter gegen die drohenden Gefahren verteidigen zu können. 

Nicht selten befinden sich diese querencias in der Nähe des torils, also dem Tor wo er das ruedo betreten hat und vielleicht im Unterbewussten hofft, es auch dort wieder verlassen zu können. 

Aber auch Stellen, wo er erfolgreich gegen seine Feinde vorgegangen ist könnten zu querencia deklariert werden, wie etwa, wo er ein Pferd eines picadores erfolgreich umgeworfen hat, was besonders in den Jahren vor 1929 eine Rolle spielte, trugen die Pferde damals noch keinen peto, also keine schützende Matratze, und starben im ruedo. Das Blut, la sangre im arena ermutigte den toro weitere zu töten.

Bis 1929 töteten viele toros die ungeschützten Pferde der picadores
Ähnlich verhält es sich mit den Stellen, wo er einen torero auf die Hörner nehmen konnte und in seinem Inneren eine Art Siegesgefühl mit sich trägt. Und er somit solche Stellen erneut aufsuchte um weitere Erfolge zu erringen.

An heissen Sommertagen können es auch einfach nur frische Zonen im sombra sein, wo er sich von seinen Stress ein wenig erholen oder abkühlen kann. 

Mit dem Rücken zur barrera gibt dem toro Sicherheit
Aber meistens handelt es sich um Zonen wo er sich einfach nur zurückzieht, oft mit dem Rücken zur barrera, sich weigert diesen zu verlassen und für den matador sowie für die anderen toreros ist es nicht ungefährlich ihn aus diesen Zonen herauszubekommen. Allein schon deswegen, weil die toreros sich auffallend dem toro nähern müssen um ihn dazu zu bringen sich zu bewegen. Dies geschieht öfters so, dass die toreros die capa oder der matador die muleta in der Nähe des Mauls vom toro auf dem Boden halten und sie langsam wegziehen, damit dieser ihnen folgt. Eigentlich kein schön anzusehendes Manöver.

Die querencia findet der toro nicht gleich zu Beginn, sondern sie entwickelt sich im Laufe der corrida. Je nach den Gegebenheiten nistet sich im Gehirn des toros im ruedo eine Stelle fest, wo er ein Gefühl der bevorzugten Sicherheit entwickelt hat. Und hat er diese erst einmal für sich entdeckt und eingenommen beginnt für die toreros eine unangenehme und für das Publikum in den tendidos eine nicht so schön anzuschauende Darbietung.

Aber auch das gehört zu einer corrida de toros und zeigt auf, wie animalisch die Tiere reagieren und mit welchem Instinkt es die toreros zu tun haben. So bietet jedes res wieder eine Herausforderung für sich allein. Man erkennt die Begegnung zwischen dem animalischen Instinkt und der menschlichen Intelligenz.
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Quellennachweise:

COSSÍO, LOS TOROS, Band 1, Vocabulario, Espasa Calpe S.A., 2007
DEATH IN THE AFTERNOON, Ernest Hemingway,  Charles Scribner`s Sons, New York, 1932
TOROS, TOREROS, Roland Rollhäuser, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbeck bei Hamburg, 1990

Dienstag, 14. Juli 2015

Die Toreros in der Boulevardpresse und in der Werbung

Ob Männermagazine, Modedesigner, Klatschmagazine oder andere Medien,
Toreros sind begehrte Objekte
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von Philip de Málaga


Spätestens als der Modedesigner Giorgio Armani sich dem Design eines traje de luces für den matador de toros Cayetano bei einer corrida goyesca im andalusischen Ronda widmete, sind die toreros endgültig in der Welt der Mode angekommen. 

Traje de luces von Armani
SfA hat schon öfters Beispiele dafür gebracht. Der torero Cayetano ist nun in ganz Spanien schon seit Jahren an Bushaltestellen, Litfasssäulen oder anderen Werbeplakaten im Grossformat zu sehen; genau genommen nicht einmal zu übersehen:

Der torero Cayetano als Werbeikone in ganz Spanien zu sehen
Obwohl er sich zurückgezogen hatte, war er als torero und Werbeikone populär. Und nun hat er als matador de toros erneut die ruedos erobert.

Wie Ursula Herzog schon  gestern berichtete, es gibt auch andere Personen aus der mundo de los toros, welche sich für die Werbung hergeben. Wie eben den matador de toros José María Manzanares

Diesen hat man schon 2010 in Italien als den "Neuen Jungen in der alte Garde" in den Medien platziert. Verkörpern gut aussehende toreros doch den Mut und den Erfolg eines Mannes mit Eleganz bis hin zur subjektiven Schönheit. Das kommt an. So zum Beispiel in dem Modemagazin für Männer L`Uomo Vogue, welches 1967 von Flavio Lucchini gegründet worden ist. Und in einer Serie, überhäuft dieser die Leser gleich mit einer Bilderserie eines spanischen matador de toros: José María Manzanares.





Auch verbindet man die Leidenschaft des toreo mit irgendwelchen Produkten. Das wird zwar ein Bezug zur mundo de los toros geschaffen aber kein torero beim Namen genannt oder gezeigt, wie hier in der spanischen Werbung für eine bekannte Biermarke:


Die mundo de los toros spiegelt sich in allen Bereichen des spanischen Lebens wieder. Sie ist überall sichtbar, überall präsent. Nicht zu übersehen. Die toros gehören zu Spanien, wie die Gitarre, der Flamenco oder der Sherry.

Montag, 13. Juli 2015

Pamplona: Eine Fiesta und vier Worte




von Ernest Hemingway


Pamplona, die Hauptstadt der Region von Navarra, mit ihren gut 200.000 Einwohnern wird in jedem Juli zur Hauptstadt der mundo de los toros in der Welt. Der Grund dafür liegt wohl darin, das der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway im Jahre 1926 in seinem Roman Fiesta über dieses doch einzigartige festival taurino mit seinen morgendlichen encierros berichtete. Mit einem Schlag kannte man die toros von Spanien, ihre Stiertreiben und corridas. Man könnte es als Geburtsstunde der Popularität für die tauromaquia für ein internationales Publikum bezeichnen. Aus der ganzen Welt kam Prominenz angereist, um dieses Schauspiel zu verfolgen. Und noch heute berichtet man weltweit in zahlreichen Medien, besonders über die morgendlichen encierros

San Fermín ist ein besonderes Fest. Eine extreme fiesta, in der die toros und die fiesta im Mittelpunkt stehen, ein Fest bei dem auch der Alkohol eine besondere Rolle spielt und auch einigen Läufern mit den toros das Leben gefährdete gar kostete. Etwas Einzigartiges in seiner extremsten Form. Der amerikanische Schriftsteller fand für den Beginn nur vier Worte:

Hemingway an der barrera in Pamplona

"Sonntag mittag, den 6. Juli, brach die fiesta aus."

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Quellennachweis:

Fiesta, 8. Kapitel, Ernest Hemingway, Charles Scribbner`s Son, New York 1926


Wer Aktuell über die encierroscorridas und das Drumherum informiert sein möchte kann dieses auf der Seite von Colin Ernst tun:












Sonntag, 12. Juli 2015

Der Beckham unter den Toreros





von Ursula Herzog


Wenn toreros die Welt der Magazine erobern
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Die Zeitschrift L’Optimum hat in ihrer letzten Nummer ein Interview mit dem spanischen matador de toros José María Manzanares unter dem Titel "Der Beckham der toreros" publiziert, welches in Madrid von Thierry Mantoux geführt wurde.

Spanischer torero im französischen Männermagazin
L‘Optimum ist ein monatlich erscheinendes französisches Journal „der Oberklasse“ für Männer. Sein Slogan : „Alles für den Mann“. Das Ziel der Zeitschrift ist es, die Männer zu unterhalten.

Seite 094

Samstag, 11. Juli 2015

Auch in Portugal werden weiterhin Stierkämpfe im Fernsehen live übertragen




von Philip de Málaga



Beim spanischen Nachbarn Rekordeinschaltquote um Mitternacht!
Bis zu 21 Prozent!
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In Portugal erfreut sich vor allem das rejoneo grosser Beliebtheit. So werden nicht selten die abendlichen corridas de rejones vom Campo Pequeno in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon live vom staatlichen Fernsehsender RTP 1 übertragen. Und zwar mitten in der Nacht. Das festejo taurino begann um 0:30 Uhr und dauerte fast drei Stunden. Manchmal erreichte der Sender eine Einschaltquote von 21 Prozent! Durchschnittlich verfolgten zwischen 13 und 15 Prozent die toros. Also mehr als 700.000 Zuschauer und dieses, nach Mitternacht!

Rejoneo in Lissabon ist populär (Foto: mundotoro)
Im letzten Jahr wurden in Portugal sechs festejos taurinos live übertragen welche insgesamt von über drei Millionen Zuschauern verfolgt wurden. Weitere Übertragungen sind geplant. Der portugiesische Nachbar denkt gar nicht daran die Live-rejoneos einzustellen!