Aber es gibt in Germanien sehr wohl eine
afición a los toros, mit absolut steigender Tendenz. Es bekennen sich immer mehr als
aficionados. Sogar lassen sich auch einige
toreros de salón und
aficionados prácticos entdecken, wie zum Beispiel
SfA-Mitarbeiter
Dominik Sachsenheimer. So liegt es doch so langsam an der Zeit, dass sich irgendwann mal ein germanischer
Siegfried ins
ruedo traut. Aber um einen zu finden müssen wird erst einmal in die Vergangenheit schauen. Genau vierzig Jahre zurück. Da gab es jemanden aus Deutschland der auszog, um Stierkämpfer, um ein richtiger
matador de toros zu werden.

Gross, blond und deutsch, so entsprach er gar nicht dem Vorbild eines
toreros. welche sich meistens aus tiefster Armut und mit grössten Durchhaltevermögen hocharbeiten müssen. Viel mehr noch. Er stammt von edler Herkunft, ist Baron, hat in Oxford studiert und sogar als Doktor der politischen Wissenschaften abgeschlossen. Sein Name:
Michael Rüdiger von der Goltz. Doch wie kommt nun ausgerechnet jemand so gebildeten Ranges aus einem märkischen Adelsgeschlecht, wo eigentlich schon seit dem 13. Jahrhundert Generäle und Offiziere das Sagen haben, zur
mundo de los toros? Gar ins
ruedo einer
plaza de toros um gegen gefährliche
toros anzutreten?
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| Michael-Rüdiger von der Goltz |
Die Begegnung mit dem Tod
Eigentlich ist
Miguel von der Goltz in der
Schweiz geboren, hatte aber einen deutschen Pass. Danach lebte er in
Uruguay und
Guatemala und nach seinem Studium in
Oxford zog es ihn nach
México. Dort hat er sich 1968 einer Studentenbewegung angeschlossen, welche sich für neue Landreformen einsetzte. Allerdings gingen sie dabei relativ mit rebellischen Mittel vor. So kam es, das er wegen seiner Beteiligung an jener Studentengruppe eines Tages in der Ortschaft
Cuernavaca von einem speziellen Suchkommando geholt und auf einen Platz vor ein Erschiessungskommando gestellt. Der Baron sah seinem tödlichen Ende entgegen, und war davon überzeugt jetzt sterben zu müssen. Dabei ärgerte er sich auch ein wenig, dass er bis zu diesem Zeitpunkt keinen einzigen Lebenstraum hatte erfüllen können. Doch lange musste er nicht mehr hadern, denn das Todesurteil stellte sich noch rechtzeitig als ein Irrtum heraus.
Nun ein mögliches Sterben vor den Augen gehabt zu haben, veränderte seine innere Einstellung zum Tod. Zum einen zeigte es die Besonderheit zum Überleben auf und auf der anderen Seite trieb es ihn an viele Dinge nicht mehr zu versäumen. So begegnete der Oxfordstudent langsam der
mundo taurino. Sehr langsam.
Seine Zeit als torero
Obwohl aus nicht gerade armen Hause beschloss er den Weg der einfachen
novilleros einzuschlagen. Unter dem Künstlernamen
Miguel Rodrigo zog er von Fest zu Fest und hoffte für irgendeine
capea,
novillada sin caballos, oder sonstiges
festejo taurino einen Vertrag zu bekommen. Seine Mission schien klar, dem Tod zu begegnen um ihm dann wieder entfliehen zu können.
Um nicht ganz die Form zu verlieren, übte er auch heimlich nachts auf den
dehesas der
ganaderías. Dort schnitt er dann am Ende den Tieren den Schwanz ab, um den
ganaderos ein Zeichen zu geben, das mit diesem Tier schon mit
muleta oder
capa gearbeitet wurde und er für eine
corrida somit unbrauchbar geworden ist.
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| Mit seinem Freund und ebenfalls novillero Rafael übt Miguel heimlich bei Nacht. |
In den folgenden fünf Jahren gelang es dem deutschen
torero an vierzig
novilladas teilzunehmen. Teilweise unter erbärmlichen und gefährlichen Umständen. Denn zum einen gab es öfters nicht mal eine richtige
plaza de toros, und die Marktplätze wurden einfach mit Balken, Barrikaden, Tischen oder ähnlichem verschlossen um eine
plaza, gar ein rundes
ruedo für die
novillada zu kreieren, zum anderen waren die Tiere, die
novillos, gegen die sie antraten nicht ganz ungefährlich, denn es waren jene übriggebliebenen der
ganaderos, wo sich die professionellen
toreros weigerten diesen gefährlichen Tieren entgegen zu treten.
Miguel Rodrigo entwickelte sich zu einem besonders mutigen und waghalsigen
torero welcher die Begegnung mit dem Tier nicht scheute. Im Gegenteil er suchte die Nähe. Er hatte keine
escuela taurina besucht, sondern lernte alles auf der Reise von anderen
taurinos. Sein Stil war spektakulär. Da war er schon eher ein
tremendista, Also seine Arbeit mit den
novillos konnte nicht unbedingt den klassischen
crítico taurino überzeugen, aber die Massen. Wenn er zum Beispiel vor dem
novillo stand, die
muleta beiseite hielt und das Tier auf die Hörner küsste. Auch den
estoque, mit welchem er den entscheidenen Todesstoss im
momento de la verdad ausführte schien der Stierkämpfer aus Deutschland zu beherrschen.
Jene fünf Jahre waren für
Miguel keine Jahre um reich zu werden. Obwohl er in
Sevilla im Viertel
Santa Cruz, am
Plaza Doña Elvira eine Acht-Zimmer-Wohnung plus Dachtrasse unterhielt, welche er an Touristen vermietete.
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| Sevilla: Der Platz Elvira, wo der deutsche torero sein nobles Domizil hatte |
Miguel war der Meinung, wenn einer
matador de toros werden will und vor der
alternativa steht, der sollte schon Grosszügiges vorweisen haben. Auch wenn er dafür hungern muss. Denn bei seinen Auftritten hatte er damals gerade mal 39.000 Peseten bekommen. Wenn überhaupt. Das sind umgerechnet 500 Euro. Nach Abzug aller Kosten, seiner
cuadrilla und
Emilio, sein persönlicher
mozo de espada blieben ihm selbst keine 50 Euro mehr übrig. Ohne die Hilfe seiner Freunde reichte das kaum zum überleben.
Aber dann kam sein grosser Tag. In
Pozuelo de Alarcón, einem Vorort der spanischen Hauptstadt
Madrid, hatte er nicht nur seinen grossen Auftritt, sondern auch eine wichtige Begegnung. Der
presidente der
novillada war der Polizeichef und als
empresario trat der Schlachter der Gemeinde auf. Letzter hatte nichts zu verlieren, denn zum Ende hatte er ja immer noch das Fleisch der
novillos zum Verkauf. Auch hier gab es keine richtige
plaza de toros und am
Mirador wurde für dieses
festejo taurino eine eigene
plaza improvisiert.
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| Wo es in Pozuelo de Alarcón die Stiere gab. |
Das besondere an diesem Tage war ein prominenter Gast aus der
mundo de los toros. Aus
Córdoba kam
Don Rafael Sánchez Ortiz angereist, in der
mundo taurino als "
Pipo" bekannt. Denn er war es, der dem legendären und berühmten
matador de toros Manuel Benítez "El Cordobés" als sein
apoderado und persönlicher Begleiter zu Weltruhm verhalf. Nach Rücktritt seines Schützlings zog sich auch der
apoderado aus dem Geschäft mit den
toreros zurück und verprasste geradezu sein ganzes Vermögen an den Spieltischen der Casinos auf der ganzen Welt. In der Zwischenzeit kehrte
El Cordobés wieder zurück in die
plaza de toros und nach einer gewissen Zeit war
Don Pipo pleite. Nun war es für ihn an der Zeit, einen neuen
torero zu suchen, um ihn an die Spitze des
escalafóns zu bringen. Und da hörte er von dem mutigen jungen blonden Mann aus Deutschland, der mit seinen Tieren genauso furchtlos arbeitete wie
El Cordobés.
Also reiste der Manager aus der Welt der
toreros nach
Madrid um
Miguel Rodrigo zu sehen. Und was er zu sehen bekam liess ihn wohl begeistert aufschreien, "
Dieser Deutsche ist ja viel besser als El Cordobés!". Er war so angetan vom
toreo des adligen
novilleros aus
Alemania dass er sofort begann, in der Mitte der
novillada Pläne zu schmieden. Diesen Mann würde er ganz gross rausbringen. Er soll seine
alternativa, den Ritterschlag zum richtigen
matador de toros, in der grössten und wichtigsten
plaza de toros in Europa bekommen, in
Las Ventas, und als
padrino wird natürlich sein "Freund" der berühmte
maestro Manuel Benítez El Cordobés Pate stehen. Und einen neuen Künstlernamen hätte er auch schon für ihn:
Miguel de Alemania.
Da stand er nun, der neu gekrönte
Miguel de Alemania und betrat für seinen zweiten
novillo die improvisierte
plaza bei
Madrid. Noch mutiger, noch näher, noch mehr angespornt, und wieder mit
suertes, wo das Publikum einfach nur die Luft anhalten musste. Purer
tremendismo für die Karriere. So nah dran war er noch nie. Wieder einmal küsst er die Hörner und dann geschieht es. Der
novillo wirbelt herum und schleudert den
torero in den
arena. Lautes Raunen von den Rängen. Schleunigst eilen die
banderilleros herbei, lenken den
novillo mit den
capas von
Miguel weg und tragen ihn in die
enfermería, besser gesagt zum Esstisch des anliegenden Altenheims wo er von einem
veterinario behandelt wurde. Eine Prellung an der Brust und eine kleine
cornada am Unterleib sorgten für Entwarnung.
Wenige Tage später fahren dann der zukünftige
matador de toros Miguel de Alemania und sein
apoderado Don Rafael Sánchez Ortiz zu einer richtigen
corrida de toros, wo
El Cordobés antrat. Dort besuchten sie den
maestro vorher in seinem Hotelzimmer, wo dieser sich gerade für seinen Auftritt vorbereitete. Dem Anliegen, für
Miguel der
padrino zu sein hatte er nichts entgegen zu setzen. So schien der Karriere des ersten deutschen
matador de toros nichts mehr im Wege zu stehen.
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Miguel de Alemania und Pipo bei El Cordobés, wo der deutschen torero von ihm
die Zusage der Patenschaft für seinen Ritterschlag zum matador de toros erhielt. |
Aber es kam anders
Denn von nun an verlor die
mundo de los toros die deutsche Hoffnung aus den Augen. Es hiess er sei nach Mexiko geflogen um dort sich vorzubereiten. Aber man weiss eigentlich gar nichts. Auch im spanischen
COSSÍO ist er nicht genannt. Es gibt Quellen die zu berichten wissen, dass
Michael von der Goltz wohl in einem amerikanischen Film mitgespielt habe. Alles nur Vermutungen bis hin zur letzten Annahme. Da heisst es, er sei auf einer Insel im Mittelmeer gewesen und morgens schwimmen gegangen. Aber nie wieder zurückgekehrt.
Und so wartet die deutsche
afición noch heute auf den
torero aus ihren Reihen.