von Philip de Málaga
Madrid: Roca Rey öffnet die puerta grande
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Noch etwas fällt einem zu diesem
cartel ein. Es zeigt auf, wie international die
tauromaquia ist. Bei der
confirmación war der
padrino ein Franzose, der
testigo ein Spanier und der Neuling kam aus Peru. Das
festejo taurino konnte beginnen und viele waren von dem Ergebnis, dem Erlebten begeistert. Sei es die spanische Fachpresse, zahlreiche Medien und auch den deutschen
aficionados schien es zu gefallen. War es wirklich so? Haben alle es so gesehen? Werfen wir einen Blick auf das Geschehene.
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| Königlicher Besuch in Las Ventas: Don Juan Carlos und Doña Elena |
Und was bekam das Publikum zu sehen. Zunächst einmal eine
ovación für die
confirmación und dann folgten drei
silencios. Ein Grund zur emotionalen Welle? Wohl kaum. Gut, kann passieren, wenn die anderen noch verbliebenen zwei
toros mehr zulassen und die
toreros dementsprechend agieren. Nun die
toros waren schwierig, machten die
lidia nicht gerade einfach. Doch die Erfahrung des "
hombres"
Alejandro Talavante brachte die erste
emoción in die
tendidos und belohnt ihn mit einem
oreja. Der
tarde war gerettet, wenigstens etwas, aber es sollte noch besser werden.

Und wie bei einer jeden
corrida, stets hofft das Publikum auf den letzten
toro. Und es kam, was man erwartet, erhofft hatte. So beschrieb es die spanische Tageszeitung
EL MUNDO, es kam das peruanische Erdbeben. Und wieder machte es der
toro dem 19-jährigen "
Niño"
Roca Rey nicht einfach. Doch der junge
torero aus Peru stellte sich im furchtlos entgegen. Eine
quite und fünf
gaoneras liessen die Herzen der
aficionados erfreuen. Das könnte etwas werden. Die faena begann, der brindis gehörte dem Publikum, und alle fieberten mit ihm. Und gleich zu Beginn hielten alle die Luft an, passierte der
toro den
Rey dermassen knapp am Rücken, man sah ihn schon zu Boden geschleudert. Ein Aufschrei in den
tendidos. Der
toro visierte öfters den König an (
Rey heisst übersetzt König), fand ihn spannender als den
engaño. Aber "
El Niño" stand seinen Mann, liess sich dadurch nicht beeindrucken, nahm sein Herz in die Hand, führte die
muleta, die Emotionen brodelten, und alles ganz dicht am Stier. Gänsehaut in den Rängen, so etwas bekam man in Las Ventas schon seit längerem nicht mehr zu sehen. Da riskiert ein matador alles um beim Publikum anzukommen. Wie heisst es?
Jugarse la cornada, so nah am
toro zu stehen, um Gefahr zu laufen, von diesem erwischt zu werden um mit einer
cornada abgestraft zu werden.
Se juega la vida, er spielt mit dem Leben.
Puerta grande o enfermería, Triumph oder Niederlage, nur noch darum ging es. Und beim Publikum kam es an.
Estocada,
muerte del toro und dann stehende Ovationen auf vibrierenden Tribünen.
Las Ventas droht auseinander zu brechen und der junge Mann aus Peru wird mit
dos orejas und dem triumphalen Auszug durch die
puerta grande belohnt.
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| Die Prämie für einen mutigen torero. |
Beginnt so ein Traum langsam in Erfüllung zu gehen?
EL MUNDO sieht hier den Mut eines
Rocas und den Glauben einer
figura für die Zukunft. Andere sehen es genauso. Alle scheinen sich einig zu sein. Alle? Sind es wirklich alle? Da konnte man zum Beispiel in der grössten Tageszeitung Spaniens
EL PAÍS (und die kann man wirklich nicht mit der deutschen BILD vergleichen) folgendes lesen:
Weiter heisst es:
Die dos orejas mit denen der junge Roca Rey ausgezeichnet worden ist, sind absolut übertrieben, typisch für diese Epoche der unbegrenzten Grosszügigkeit, wenn ein torero einem schwierigen toro einige Manöver abverlangen kann. Der torero aus Peru ist übermutig, der in der Lage ist, sich harmlos einer cornada entgegenzustellen und dieses in die tendidos überträgt; aber torear, so wie man es sagt torear de verdad, ist ihm eigentlich bis jetzt noch nicht so richtig gelungen. Er weiss sehr wohl seine technischen und artistischen Mängel durch auffälligen Wagemut zu ersetzen, von dem Moment an wo der toro kommt bis hin zum arrastre. Und darin liegt sein Leistung. Natürlich, aber sicher. Jedoch von diesem Punkt an bis zur puerta grande, das ist noch ein langer Weg.
Der Autor kritisiert aber nicht nur
Roca Rey sondern die
corrida in ihrer Gesamtheit,
toros,
toreros wie die
empresa sich ein wenig lächerlich präsentierten. Dem Betrachter wurde einfach nur etwas vorgespielt, was es nicht sei. Wo
figuras antreten, da könne man auch etwas erwarten, bzw. müssen die Verantwortlichen auch etwas bieten. Und nicht nur Show.
Andere Medien hielten sich da etwas zurück. In
EL MUNDO deuten sie lediglich an, dass das zweite
oreja wohl ein wenig übertrieben gewesen sei. Auch die grösste Mediengruppe
Vocento mit ihren grossen Tageszeitungen
ABC oder
DiarioSur (Málaga) verhält sich ebenfalls neutral, fragt aber an, wo denn bei so vielem peruanischem Erfolg der ebenfalls aus Peru stammende Nobelpreisträger der Literatur und
aficionado de toros,
Mario Vargas Llosa denn gewesen sei? Denn schliesslich sei er nicht nur ein grosser Befürworter sondern auch ein aktiver Verteidiger der
fiesta nacional.
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| Er wurde vermisst: Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa |
Und mit der Verteidigung der
toros sind wir beim letzten Punkt. In einem Kommentar im Internetportal
Aplausos konnte man dazu folgendes lesen:
Solange es den toro bravo und Männer wie Talavante und Roca Rey gibt, weder alle antitaurinos der Welt, weder die Politiker antitaurinos, noch überhaupt jemand könnte diese fiesta verbieten, denn so gross und wahrhaftig wie sie, gibt es keine andere.
Wie man es auch immer sehen mag, es war ein grosser
tarde de toros, der zahlreichen
aficionados viel Freude bereitet hatte. Aber deswegen sollten wir uns hüten, voller Blindheit zu beginnen, die
fiesta de los toros zu einseitig zu sehen, sie mit falschen oder ungerechtfertigten Emotionen hoch zu jubeln, aber genauso sollte man sich an einer
corrida erfreuen können, wo einfach nur der bewundernswerte Mut eines jungen Mannes die Gemüter in den
tendidos erhitzen konnte. Die
fiesta hat eben viele Facetten, und auch an so vielen wie möglich sollten wir unsere Freude haben können.