Samstag, 11. Juni 2016

Stierkampf im Alpenvorland

von Philip de Málaga

Die Ausstellung "Rotes Tuch" von Dietmar Bramböck
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In der westlichsten gemeinde des Landkreises Rosenheim, in Feldkirchen-Westerham gibt es seit dem 3. Juni eine Ausstellung mit 13 Bildern zum Thema der mundo de los toros. Dort stellt der  1958 in  Penzberg geboren Dietmar Bramböck noch bis September seine Sichtweise zu den toros dar. Fasziniert ist der Künstler vor allem von dem Gegenspiel der toros und der toreros, dem Kontrast der Farben, dem toro negro und der roten muleta. Daher auch der Name für die Ausstellung, "Rotes Tuch". Das die muleta einmal weiss war ist dem Künstler wohl eher unbekannt, denn kurioserweise hat er noch nie eine festejo taurino besucht, und wie er selbst sagt, es auch nicht möchte. So ist es doch erstaunlich, wie Bramböck solch emotionsgeladenen Kunstwerke der toros schaffen konnte.
Die Ausstellung wurde speziell für die Gemeindebücherei Feldkirchen-Westerham konzipiert und ist noch bis Mitte September zu besichtigen.

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Ausstellung "Rotes Tuch"
von Dietmar Bramböck

Anschrift:
Gemeindebücherei Feldkirchen-Westerham
Münchner Strasse 4 (gleich neben der Pfarrkirche)
83620 Feldkirchen-Westerham
Tel.: +34 8063 - 9367

Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag und Freitag: 15:00 bis 18:00 Uhr
Mittwoch: 9:00 bis 12:00 und 19:00 bis 21:00 Uhr
Donnerstag: 16:00 bis 19:00 Uhr
Sonntag: 10:00 bis 12:30 Uhr 

Donnerstag, 9. Juni 2016

Kippt das neue Tierschutzgesetz auf Mallorca?




von Philip de Málaga


Das totale Verbot von Stierkämpfen auf den Balearen
stösst in den Reihen der Sozialisten auf unerwarteten Widerstand
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Damit hatte keiner mehr gerechnet. Mitte Februar diesen Jahres hat die Landesregierung der Balearen Inselgruppe die Schritte in die Wege geleitet, um auf der besagten Inselgruppe alle festejos taurinos, und somit die Tradition der tauromaquia endgültig zu verbieten. Um ihr Ziel zu erreichen musste die sozialistische Regierung mit Hilde der Parteien Podemos und Mas das Tierschutzgesetz entsprechend anpassen um dann ein Verbot durchzusetzen. Nichts schien diesen Prozess aufzuhalten? 


Nichts? Ausgerechnet aus den eigenen Reihen der PSIB (Sozialistische Partei der Inselgruppe der Balearen) wächst Widerstand. Das Motiv für diese Uneinigkeit findet sich im correbous der mallorquinischen Gemeinde Fornalutx. Obwohl unblutig, fällt es ebenfalls in das Verbot, denn es sollten ursprünglich ausnahmslos alle festejos taurinos nicht mehr erlaubt werden. Wie SfA berichtet hatte, ging man in der 700-Seelengemeinde Ende April diesen Jahres auf die Strasse um für den Erhalt ihrer Tradition zu demonstrieren. Denn immerhin gehe dieser Brauch des correbous auf das Jahr 1892 zurück. Obwohl das Dorf von der konservativen Partei PP regiert wird, stehen die Sozialisten für die Wahrung der Tradition der toros. Sie haben sogar der Zentralregierung gedroht, komplett aus der Partei der PSIB sich auszugliedern, falls man weiterhin auf ein Verbot des correbous bestehe. Zwar revidierte man diesen Standpunkt später, aber trotzdem brachte dieses ein wenig Unruhe in das sozialistische Lager. Denn mittlerweile steht die PSIB nicht mehr geschlossen hinter einem Verbot der tauromaquia. 

Das musste auch Guillermo Amengual, Sprecher der Kampagne "Mallorca ohne Blut", enttäuscht erkennen und zeigt sich alles andere als optimistisch. Trotz mehr als 350.000 Unterschriften gegen die encierros, trotz 33 Gemeinden, welche die toros mit einem Verbot belegt haben, sei bei dem neuen Tierschutzgesetz alles noch vollkommen offen. Er geht noch weiter und spricht von einem Verrat an der mallorquinischen Gesellschaft. Denn es könne nicht sein, das nur eine so kleine Gemeinde mit an die 200 wahlberechtigten Einwohnern, den anderen 33 anderen Gemeinden und 350.000 Gegnern Schach bietet. 
Es sind nicht wenige, die es auf Mallorca zur Tradition der toros zieht
Das es auch andere Gemeinden wie Muro oder Inca gibt, wo zahlreiche Leute aus vielen Gegenden von den Balearen hin pilgern um die toros zu sehen, oder es sogar eine ganadería gibt, scheint man in den Augen der antitaurinos vergessen zu haben. 

Mittwoch, 8. Juni 2016

Stierkampf auf deutschen Bildschirmen




von Philip de Málaga


Bekommt man die toros in Deutschland über Satellit zu sehen?
Vor allem das populäre Toros para Todos kann jeder sehen
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Im wieder erreichen SfA Anfragen, ob man die Möglichkeit hat in Deutschland Stierkampfmagazine oder Liveübertragungen im Fernsehen mit zu verfolgen. Grundsätzlich sind es nur wenige Sender, die aktuell und kontinuierlich die Stierkampfsaison in Spanien verfolgen:

Da ist zunächst der öffentliche Sender RTVE mit seinen beiden Kanälen TVE 1 und 2. Zwar wird hier auf TVE 2 jeden Samstag das Magazin Tendido Cero, und ein bis zwei Mal im Jahr eine corrida de toros auf TVE 1 übertragen, jedoch hält der Internationale Kanal von RTVE, TVE Internacional sich zurück, und überträgt nichts von den toros. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die encierros von Pamplona in der ersten Julihälfte via satellite zu sehen sind.

Leider haben sich alle spanischen Regionalsender aus dem freien Satellitenprogramm zurückgezogen. Somit gibt es für die toros bei Telemadrid und Castilla - La Mancha derzeit keine internationale Plattform. Lediglich die andalusische Gruppe RTVA bietet auf Andalucía TV (Astra 19,2 Grad Ost. Transponder 11 156 MHz vertikal (DVB-S, Symbolrate SR 22 000, Fehlerkorrekter FEC 5/6) seinem internationalen Publikum alle Übertragungen an, die sich mit der mundo de los toros auseinandersetzen. So haben die deutschen aficionados die Möglichkeit an, jeden Sonntag so ab 13:05 Uhr, das beliebte Sendung Toros para Todos zu sehen. Der charismatische Enrique Romero berichtet in gut fünfzig bis sechzig Minuten über das aktuelle Geschehen in den vorwiegend andalusischen cosos. Dabei wird aber auch ein besonderes Auge auf die Zucht des toros bravos geworfen. Mit imposanter musikalischer Begleitung wird hier ein besonderes Erlebnis den Zuschauern geboten.


Wer die Sendung verpasst, hat die Möglichkeit sie in der Wiederholung in der Nacht zum Mittwoch gegen 2:00 Uhr zu sehen. 


Der andalusische Sender denkt gar nicht daran, seine Traditionen zu verstecken. Warum auch. Die toros sind in Andalusien populär und auch eine Zone antitaurino gibt es hier nicht. Im Gegenteil, hier ist man dabei in zahlreichen escuelas taurinas sich um den Nachwuchs zu kümmern. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Andalucía TV die festejos taurinos des Certamen de escuelas taurinas jeden Sonntag ab 18 Uhr live überträgt. Kommentiert wird der Auftritt der jungen toreros von Enrique Romero und dem maestro Francisco Ruíz Miguel, selbst eine figura, welcher schon über hundert Mal gegen die gefährlichen toros der ganadería Miura angetreten ist.

Schliesslich gibt es da noch den spanischen Bezahlsender Canal+ Toros. Wer dafür nicht zahlen möchte, hat gelegentlich die Möglichkeit das Programm von diesem Pay-TV im Internet zu verfolgen. Man gebe hierzu lediglich canal+ toros gratis in die Suchmaschine und findet sogleich einige Hinweise. Der grösste Vorteil von Canal+ Toros dürfte wohl sein, dass fast alle wichtigen ferias taurinas in Spanien, sei es die Feria de Abril in Sevilla, San Isidro in Madrid, Sanfermines in Pamplona oder die feria von Bilbao dort komplett live übertragen werden.


Beim Thema Internet kommt man nicht an RTV Toros vorbei. Dem mexikanischen Network, wo 24 Stunden täglich die mundo de los toros weltweit abrufbar ist. Dabei konzentriert sich das Programm nicht nur auf México oder Amerika, auch aus Europa wird regelmäßig übertragen, und historische corridas de toros, wie zum Beispiel der legendäre Vormittag im September 2013 in Nímes mit dem diestro José Tomás, welche gerade in diesen Minuten, wo diese Zeilen entstehen, auf RTV Toros zu sehen ist.

Dienstag, 7. Juni 2016

Die Stiere im Fernsehen sind beliebt




von Philip de Málaga


Weiterhin erfreuen sich Stierkämpfe auf dem Bildschirm 
grosser Popularität 
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Gerne wird es immer wieder von den antitaurinos angebracht, alles um die mundo de los toros, vor allem die Live-Übertragungen von corridas nicht zu kinderfreundlichen Sendezeiten zu bringen. Aber die Einschaltquoten sprechen andere Zahlen.

Da gab es unter anderem die Live-Übertragung im staatlichen ersten Fernsehsender TVE 1, der corrida de beneficencia mit dem espada único Miguel Ángel Perera in Albacete. Durchschnittlich verfolgten 878.000 Zuschauer das festejo taurino. Die Einschaltquote von 9,1 Prozent lag 18 Prozent über der normalen Quote zur selben Zeit an anderen Samstagen mit durchschnittlich 7,7 Prozent.

Das jeden Samstag in TVE 2 ausgestrahlte Magazin Tendido Cero erreichte an diesem Wochenende 214.000 Zuschauer. Etwas mehr das am Sonntag nur in Andalusien oder über Satellit zu sehende populäre Magazin Toros para Todos mit Enrique Romero in Canal Sur. Zwischen 200.000 bis manchmal hin zu 374.000 Zuschauer zählt dieses Programm.

Toreros wie El Juli oder Enrique Ponce sind überhaupt gern gesehene Gäste bei den verschiedenen Fernsehanstalten. So am Montag den 30. Mai 2016 der matador de toros Cayetano Rivera Ordoñez, der zu Gast bei Pablo Moto im Programm El Hormiguero war. 2.769.000 Zuschauer verfolgten diese 48 Minuten. Im Ranking des Tages stand es an zweiter Stelle.

Über die Rekordeinschaltquote bei der Live-Übertragung von Telemadrid, Ende Mai diesen Jahres, hatte SfA schon berichtet. Nur in der Region der spanischen Hauptstadt zog es 178.000 Zuschauer zu den toros auf dem Bildschirm. 

Nicht zu vergessen die encierros in Pamplona, welche wieder im Juli in TVE 2 live übertragen werden, ein espectáculo taurino, welches von einem Millionenpublikum weltweit verfolgt wird.


Man kann feststellen, wenn es um die mundo de los toros im Fernsehen geht, pendeln die Einschaltquoten zwischen 8 und 12 Prozent. Gewiss keine Mehrheit, aber mit Sicherheit auch keine Minderheit. Ein Publikum, welches sich zu den toros hingezogen fühlt und stets deswegen auch immer wieder einschaltet ist ein Garant für einen jeden Sender. Vor allem, und das zeigen die Zahlen, da die corridas zu schwierigen Sendezeiten laufen, sind sie eben eine echte Alternative, da teilweise die Einschaltquote 20 Prozent höher liegen als gewöhnlich.

Montag, 6. Juni 2016

El Pana, die Stiere, die Zigarren und der Tod (2. Teil)

Über einen Torero, der hungrig begehrte erfolgreich zu sein,
aber dem Neid seiner Kollegen über Jahre zum Opfer fiel.
Über den Tod des mexikanischen toreros "El Pana".
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von Philip de Málaga
(Fotos von mundotoro, burladerodos, Tertulia "El Pana")


Das er, auch wegen der mangelnden Erfahrung kein Meister war, seine toros zu dominieren, wussten alle. Trotzdem beherrschte er das Zusammenspiel zwischen toro und torero. Er war ein Meister der Langsamkeit in seinen Bewegungen, verstand es mit tief gehaltener Hand die muleta so zu führen, dass aus Stier und Mensch pure Harmonie entstand. Zumindest konnte man dort etwas hinein interpretieren. Manchmal wirkte das Schauspiel zwischen den beiden Hauptakteuren wie in Trance aber immer wieder gelang es El Pana seine Leistung erfolgreich ins Publikum zu transportieren. Es ging schon gar nicht mehr um orejas, um Geld, um Triumphe, es ging um viel mehr. Um das "Seine", um das "Sein".
Ein langsam geführter derechazo
Zum "Sein" eines toreros gehört nicht nur die Begegnung mit dem toro  sondern die gesamte Philosophie des puren Lebens. Es zu geniessen, zu leiden, sich freuen, weinen, hadern, Momente der Einsamkeit, die traurigen Sequenzen bis hin hin zur Ekstase. Eine corrida ist ein Schauspiel des Lebens mit dem unausweichlichen Ende des Todes. Der torero ist ein Schauspieler, sollte es sein. Ein Darsteller der Realität, mit der Begegnung des Todes. Und kaum ein taurino verstand es sich dermassen in Szene zu setzen, wie El Pana. Und er zeigte es gerne, sprach auch darüber, wie über seine Gedanken und seine Handlungen vor einer tarde de toros. Der Dialog mit Gott, seine Zweifel wie die Sehnsucht zum Glauben gehörten dazu.
El Pana im Dialog
Ist es nicht so, dass wir aficionados dazu neigen, vor allem dann, wenn wir unserer afición viel zu intensiv wie leidenschaftlich nachgehen, und die Arbeit der toreros oftmals viel zu technisch, sogar von oben herab wirkend, analysieren? Und genau bei El Pana ist es anders. Nicht seine Technik kommt an, sondern das taurinische Herz wird angesprochen. Die Seele für die mundo de los toros gerät in Bewegung. Für viele aficionados neue Emotionen die begeistern.

Da kommt nun der Mann aus México. Im hohen Alter begreift die weltweite afición was an ihm verloren geht. Man stelle es sich vor, mit 64 Jahren trat er am 6. März diesen Jahres zum ersten Mal als espada único alleine gegen 6 toros 6 an. Eine corrida der Kontraste, wo alles geboten wurde. Von zwei toros devueltos bis zu den orejas, so kontrastreich wie sein Leben.

Und der Tag begann wieder gut, bis zum zweiten toro . . .

Schliesslich kommt der 1. Mai 2016. Eine corrida mixta in der mexikanischen plaza de toros von Ciudad Lerdo (Durango), wo er sich dem novillero Jesús Sotomayor in einem mano a mano stellte. Man setzt es ja geradezu voraus, diese corrida begann ebenfalls gut. Dos orejas. Und dann kam der Augenblick des französischen Brotes, ja, ausgerechnet ein toro (castaño claro und ojinegro) mit Namen Pan Francés begegnete El Pana, dem Panadero, dem Bäcker, und strafte ihn für seine mangelnde Erfahrung mit den toros. Im Galopp kam er daher, Pan Francés hatte seinen enemigo im Visier, El Pana wartet auf ihn an der barrera, der toro schnell, es dauerte nur den Buchteil einer Sekunde, das linke Horn des toros erwischte den matador, beförderte diesen mit einer voltereta in den Sand des ruedos, geradezu gnadenlos knallte er in den Sand hinunter. Da lag er nun, bewegungslos, 64 Jahre hinter sich, der letzte Schritt in seinem kontroversen Leben ist eingeleitet worden.



Die afición war schockiert. Die Medien auch. Sprachen von einer brutalen cogida, einem harten Sturz und Aufprall mit dem Genick im Sand der plaza. Man brauch auf die Dramaturgie der Verwundung, der cornada gar nicht erst eingehen, für El Pana kam genau das was zu erwarten war. Ein Auf und Ab der Gefühle, einen Bangen zwischen Hoffnung und Verlust, zwischen Leben und Sterben, ein Weg welcher den Tod zum Ziel hat. Schon die Ärzte prognostizierten nichts Gutes, gingen ein wenig auf Distanz, wollten den Hoffnungsschimmer nicht zerstören. Da halfen auch die Hilferufe einiger taurinos nichts mehr wie Suerte El Pana. Ihr Nichthinschauen über die Jahre hinweg, können sie damit nicht rechtfertigen. Und dann kam sie die Meldung, mit der mittlerweile doch viele schon gerechnet hatten.
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"Der matador Rudolfo Rodríguez "El Pana"
verstarb um 18:45 am Donnerstag den 2. Juni 2016"

Dr. Francisco Preciado
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Aber das Herz und die Seele von El Pana können sich freuen. Die letzten zehn Jahre, eine Zeit der Wiedergutmachung, der Menschlichkeitswerdung eines toreos, eines toreros, eine Lehrstunde für die Gemüter der afición.
Adiós maestro
Seien wir ehrlich, viele von uns haben von ihm wohl hier und dort etwas gehört, gelesen oder auf dem Bildschirm gesehen, ihn bestaunt und auch gelegentlich bewundert, aber die wahre Tiefe, die pure Dimension von diesem torero wurde nicht wenigen erst jetzt bewusst. Seine Ideen konnte er nur ansatzweise umsetzen, erst liess man ihn nicht und dann fehlte es ihm an Erfahrung und an Zeit. Nun brachte ihm sein letzter Auftritt den Ruhm für die Ewigkeit und die Tragödie des Endes zugleich.

Er möge in der Ewigkeit seinen Frieden finden, 
und genauso lang der afición im Gedächtnis bleiben.

Sonntag, 5. Juni 2016

El Pana, die Stiere, die Zigarren und der Tod (1. Teil)

Über einen Torero, der hungrig begehrte erfolgreich zu sein,
aber dem Neid seiner Kollegen über Jahre zum Opfer fiel.
Über den Tod des mexikanischen toreros "El Pana".
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von Philip de Málaga
(Fotos von mundotoro, burladerodos, Tertulia "El Pana")


Schon seit einem Monat verfolgt die Presse sowie die mundo taurino das Leiden des bei einer corrida de toros verwundeten mexikanischen matadores de toros Rudolfo Rodríguez González, als die Meldung durch den Ticker kam:
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"Der matador Rudolfo Rodríguez "El Pana"
verstarb um 18:45 am Donnerstag den 2. Juni 2016"

Dr. Francisco Preciado
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Am 22. Februar 1952 ist Rudolfo Rodríguez González in Apizaco geboren, einer kleinen Gemeinde in dem auch kleinsten mexikanischen Bundesstaat Tlaxcala. Früh bekam er den Spitznamen "Panadero" (Bäcker) weil er in Bäckerei-Betrieben anfing sein Lebensunterhalt zu verdienen. Daher lässt sich auch sein späterer Künstlername als torero ableiten: El Pana. Und so begann er auch schon in seinen jungen Jahren sich parallel zur Backstube mit seinen Altersgenossen im toreo zu üben und zu messen.

Ein guter Anfang ...

Als novillero begann er seinen eigenen Stil zu entwickeln, und war eifrig dabei den mexikanischen figuras wie Luis Procuna, der 1974 dos orejas y rabo in der Monumental de México erringen konnte, Manuel Capetillo Villaseñor, dem damals einer der besten maestros im Umgang mit der muleta und dem "Pharao von Texcoco", der letzten grossen figura importante des mexikanischen Goldenen Zeitalters des toreos, Silverio Pérez, über die Schulter zu schauen. Grosse Namen trieben sein Streben aufs Höchste an, selbst zur grossen Legende des Landes zu werden. Dabei machte er eine harte Schule durch, von vielen erfolglosen festejos geprägt, auch deswegen weil er jede Herausforderung, jede capea, jede chaotische becerrada, mag sie auch noch so gefährlich sein, annahm, bis es ihm gelang 1977 eine novillada in der mexikanischen Hauptstadt zu bestreiten. Und seine "Zurschaustellung" des toreos, seine Prahlerei im ruedo, seine provozierenden Gesten mit den novillos kamen an. Die Begeisterung  in den tendidos überzeugten die empresa dazu, diesem Ausnahmetorero noch mehrere Möglichkeiten zu geben. Und schon begann die "Magie des Hexers aus Apizaco" um sich zu greifen. El Pana füllte verschiedene plazas und hatte eine immer grösser werdende Anhängerschaft, bis er endlich am 18. März 1979 im Alter von 27 Jahren zu seiner alternativa antreten konnte.
El Pana in jungen Jahren, mutig und verwegen.
Vor den Augen seines padrinos Mariano Ramos, des testigos Curro Leal und den Tausenden im Publikum konnte er zwar keine trofeo ergattern, aber man erkannte, dass dort im ruedo eine neue Hoffnung der mexikanischen afición a los toros stehen könnte. Jemand, der wieder Leben in das toreo brachte.  

... aber es sollte anders kommen

Denn für die damaligen figuras importante, die matadores Manolo  Martínez und Eloy Cavazos war das zu viel des Guten. Sie wollten keinen dritten Stern am mexikanischen Torerohimmel, und erst recht keinen, der sie gar verdrängen könnte. In ihrer totalen Ignoranz und mit ihrem mittlerweile grossen Einfluss setzten sie zahlreiche empresarios dermassen unter Druck, dass diese den so viel versprechenden El Pana erst keine Verträge angeboten haben, und wenn, dann nur auf umbedeutsamen carteles. Und so begann für die neue Hoffnung aus México ein Durststrecke des toreos. In den 80-ger Jahren trat er in den ruedos pro temporada gerade mal um die zwanzig Mal an. In den 90-ger Jahren wurden es immer weniger, bis teilweise nur fünf corridas pro temporada. In dieser Zeit gelang es ihm nur wenig, seine persönliche arte del toreo an das breite Publikum der aficionados zu bringen.

El Pana in der Monumental de México
Da gab es diesen 30. November 1981 in der Monumental de México. El Pana begann seine paseillo mit weissen Handschuhen gekleidet und ein derartiges Spektakel nahm seinen Lauf, wo der "Hexer aus Apizaco" sein erstes indulto präsentierte. Danach ein Spiel der Gesten, gefüllt mit Extravaganzen, ein Boheme stellte sich vor, was beim Publikum für eine gewisse tiefe Kontroverse sorgte. Und so folgten noch viele Jahre in der Bedeutungslosigkeit. 

Erst mit dem Ende kam der Anfang ...

Man bot El Pana an, sich am 7. Januar 2007 bei einer corrida de toros in der La México ehrenvoll vom toreo zurückzuziehen. Gerne nahm er das Angebot an, jedoch im Inneren weit davon entfernt es auch zu tun. Denn immerhin, wurde diese corrida live im mexikanischen Fernsehen übertragen. Millionen von Zuschauern hatte er nun die Möglichkeit zu zeigen, was er kann, wie er die tauromaquia interpretiert. Sein persönlicher momento de verdad war gekommen. Und er nutzte diesen wichtigen Moment. Die faena mit dem toro Rey Mago ging in die Geschichte der am meist inspirierten Arbeiten im mexikanischen ruedos ein. Ein Millionenpublikum in der gesamten mundo de los toros, bekam etwas zu sehen, was noch für lange Zeit nicht vergessen sein sollte. Mehr noch, sie erfuhren, was sie bis jetzt alles verpasst hatten. Denn Rudolfo Rodríguez "El Pana" hatte immerhin schon das stolze Alter von 55 Jahren erreicht. Unglaublich!


Ein Jahr später, am 29. Februar 2008 präsentierte er sich auch in Spanien. Die mexikanische Antwort auf den Boheme von der Iberischen Halbinsel. Ein mano a mano zwischen El Pana und Morante de la Puebla. Eigentlich eher ein festejo zum Vergessen, wäre es nicht ein Treffen der Extravaganz gewesen. Zigarre rauchend fuhr El Pana in der Kutsche vor, den paseillo mit mexikanischem Umhang bestreitend zeigte er auf, es ist etwas anderes. Vor allem bei seinem letzten toro liess er das toreo, toreo sein, und zeigte Manöver aus seiner Epoche des Anfangs, die da doch schon unkonventionell daherkamen. Es war etwas Anderes. Etwas Neues.
Morante de la Puebla und El Pana in der Kutsche auf dem Weg zur corrida de toros.
Auch bei seinen anderen wenigen Auftritten in Europa ging es nicht um das Einsammeln von trofeos oder triunfos, sondern im Zentrum des ruedos standen nicht der torero und der toro, sondern die historische figura El Pana selbst, der man über Jahre hinweg seine Chance genommen hatte. Ein Boheme der Illusionen in der plaza in wahre Träume verwandelte, einen emotionalen Rausch in den tendidos auslöste, hätte man ihn gelassen. Er gehörte mit Sicherheit zu denjenigen, der die Romantik, vielleicht auch als Surrealist, in und um die plaza de toros verbreiten konnten. Unkonventionell, provokant und mit der nötigen Spritze an Humor. Das war El Pana. Jener El Pana, den man Zigarre rauchend an der barrera sehen wollte.


Fortsetzung folgt.

Samstag, 4. Juni 2016

Über die Leidenschaft für die Stiere bis über den Tod hinaus




von Ursula Herzog


Über die Tradition die afición mit ins Grab zu nehmen
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Südfrankreich hat viele clubs taurinos. Einer davon, „La Querencia“, in Saint Gilles im Languedoc-Roussillon in der Nähe von Arles, ist dreissig Jahre alt geworden und feiert den Geburtstag.

Die Stiere sind im Süden Frankreichs noch immer Teil des Lebens und auch des Todes. Sie sind sogar auf den Grabsteinen zu finden.


Die Familien bilden die toros an den Grabsteinen ab, etwas, was dem Toten viel bedeutet hat. Man ist im Land der Pferde und der Stiere. Der kleine Ort Saint-Étienne-du-Grès hat nicht einmal 2.500 Einwohner, aber eine eigene plaza de toros. Die tradición taurina wird hier erlebt, gelebt und gefühlt. Bis über den Tod hinaus.



Freitag, 3. Juni 2016

Die erste Alternativa gab es 1756

Auch das gab es mal, alternativas für picadores
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von Philip de Málaga


Wer einen picador sich genauer betrachtet, wird erkennen, dass er wie die matadores de toros mit einer goldenen chaquetilla bekleidet ist. Die Sitte kam daher, da ursprünglich die caballeros, die Ritter, zu Pferden die toros, mit Lanzen, mit so genannten picas bekämpften. Daher auch die Bezeichnung picador für jenen Berufsstand, der heutzutage das erste tercio bei einer corrida de toros dominieren sollte.
Caballero Rejoneador der versucht einen toro aufzuhalten.
(Zeichnung aus dem 18. Jh. von Emmanuel de Witz)
Und da die caballeros ursprünglich auch die matadores waren, so wie heute die rejoneadores, scheint es nur verständlich, dass sie über den Akt des Ritterschlages verfügten, einer alternativa. Und wer einen Blick zurück in die documentación histórica taurina wird die erste alternativa auf den 25. Mai 1756 in Chiclana der Provinz Cádiz datiert. Es tritt an der 22-jährige José Cándido Expósito. Fünfzehn Jahre später, am 23. Juni 1771 starb er in Puerto de Santa María. Er war der erste lideador de categoría muerte, also der erster matador de toros, welcher bei der Ausführung der arte del toreo starb.
1756: Der erste matador de toros der Geschichte: José Cándido Expósito
Und so kam es auch, dass picadores ihre alternativa erhielten, obwohl sie eigentlich als subalterno für den matador de toros in seiner cuadrilla tätig waren. Aber die goldene chaquetilla machte es möglich. Trotzdem war es nur eine Frage der Zeit, auf die Prozedur der alternativa für picadores ganz zu verzichten, vor allem auch deswegen, weil sie bei der lidia nicht im Mittelpunkt stehen sollten.
1914: Die letzte alternativa eines picadores
Und so kam es am 31. Mai 2014 in Madrid zur letzten alternativa für einen picador. Sein Name war Tomás Castillo "Relámpago", trat an zur achten corrida des abonos und bekam von seinem Kollegen Manuel Gil "Cachiporra" die vara, um den Angriff des ersten toros entgegen zu nehmen. Zwar tragen heute die picadores weiterhin die goldene chaquetilla aber eine alternativa steht ihnen nicht mehr zu.

Donnerstag, 2. Juni 2016

Katalonien verbietet nun auch Stierkämpfe in den Stierzuchten




von Philip de Málaga


In Katalonien sind nun auch die tientas auf privatem Grund verboten
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Das die corridas in Katalonien verboten sind ist weitgehend bekannt. Auch die Tatsache, dass die festejos populares, also jene fiestas wo die Stiere der Willkürlichkeit der Bevölkerung ausgesetzt sind, nur eine Woche nach dem Verbot der corridas, weiterhin vom katalanischen Parlament zugelassen worden sind. Auch die so genannten tientas auf den ganaderías unterlagen keinem Verbot, auch deswegen nicht, weil sich zum einen die plaza de toros auf privatem Grundstück befinden, und zum anderen, meistens unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden.

So hat die ganadería Mur in Alfara de Cares ihre tientas wo die toros auf Eignung getestet werden, ihre Veranstaltungen einem öffentlichen Publikum zugänglich gemacht, wo vor allem ein russisches Publikum angesprochen wurde. Einige ganaderías im Flussgebiet des Ebro haben diese Einnahmequelle für sich entdeckt.
Das soll es in ganz Katalonien nicht mehr geben.
Doch nun hat die Generalität, ohne Vorankündigung, obwohl sie die tientas vor zwei Jahren als ein legales espectáculo noch deklariert hatte, unter Berufung auf das Verwaltungsgericht in Barcelona diese festejos taurinos in ganz Katalonien mit einem Verbot belegt.

Wieder einmal drängt sich die Politik in den Vordergrund, und die Rechte der Bürger spielen dabei keine grosse Rolle. Zwei grosse Institutionen prallen hier zusammen, und eine dritte entscheidet. Während ein Verwaltungsgericht von Barcelona die faenas auf den ganaderías für illegal erklärt, erteilte das Ministerium für Landwirtschaft für jene festejos taurinos eine Genehmigung. Und nun meldete sich die katalanische Landesregierung zu Wort, bestätigte das Urteil des Verwaltungsgerichts, und verbietet ohne jegliche Ankündigung die tientas auf katalanischem Boden. Diese Nachricht traf vor allem die ganadería Mur völlig überraschend, denn die Zucht hatte nach der Zusage durch das Landwirtschaftsdepartment auf die Einleitung von juristischen Schritten verzichtet, um ihre Rechte zu wahren.

So fragt sich die grösste Mediengruppe in Spanien, Vocento, wie ist es eigentlich zu diesem Haudruckverfahren gekommen? Woher die Kehrtwende? Wer hat den Druck ausgelöst? Es scheint auf der Hand zu liegen, dass dahinter nicht irgendwelche Beamten stehen, die irgendwelche Ungerechtigkeiten beseitigen wollen. Denn tientas sind in Katalonien sowieso nicht mehr zulässig. Auch im Ebrotal nicht. Aber sie finden unter anderem in Alfara statt, wo man die festejos taurinos an die katalanische Legalität angepasst hat. Und die Bevölkerung generiert durch die Besuche ein gewisses Einkommen, welches durch diese Vorgehensweise drastische gekürzt wird. Der sozialistischen Bürgermeister Josep Mas zeigte sich empört.

Aber es zeigt das politisch einseitige wie unrationelle Vorgehen auf, wenn es um die toros geht. Wahrscheinlich reagiert die Generalitat nur deswegen so streng, weil sie den Widerstand auf den Balearen, vor allem Mallorca zur Kenntnis genommen haben, und ähnlichen Vorgehensweisen in Katalonien vorbeugen wollen.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Madrid: Steigende Tendenz bei den Besucherzahlen von San Isidro




von Philip de Málaga


Die plaza füllte sich in der dritten Woche San Isidro zu 89 Prozent
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Die toros werden in der spanischen Hauptstadt immer beliebter. In den ersten drei Wochen füllten 402.389 Zuschauer die tendidos für San Isidro. Das sind durchschnittlich 81 Prozent.

Besucher der einzelnen corridas
Durchschnittliche Besucherzahlen pro Woche
Durchschnittliche Besucherzahlen San Isidro

Dienstag, 31. Mai 2016

Talavante: Sich nicht bewegen





von Philip de Málaga


Alejandro Talavante trifft auf Enrique Romero
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Der 1987 in Badajoz geborene torero Alejandro Talavante Rodriguez traf bei einer corrida de toros auf den Journalisten Enrique Romero vom andalusischen Regionalsender Canal Sur, dessen Sendung Toros para Todos (kurz TPT) jeden Sonntag Mittag sich grosser Popularität erfreut. Auch über Satellit in Andalucía TV.

Alejandro Talavante und Enrique Romero
Der matador de toros und der Journalist standen im callejón und blickten über die barrera in das verregnete ruedo. Die plaza mit ihrem arena war mit grossen Pfützen versehen und Romero meinte:  "Madre mía, in dieser Schlammgrube könne man mit den toros wohl nicht arbeiten." Worauf der maestro aus Badajoz entgegnete, "Warum denn nicht? Denn schliesslich würde er still stehen bleiben und sich nicht bewegen." Somit kaum der Gefahr ausgesetzt, das Gleichgewicht zu verlieren. Die Selbstverständlichkeit, mit der die figura der Gegenwart diese Erkenntnis rüberbrachte beeindruckte den Journalisten.