Montag, 10. Oktober 2016

Courir avec Sarah




von Ursula Herzog


Wohltätigkeitsveranstaltungen sind keine Seltenheit 
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ueber Valencia spricht alle Welt. Aber corridas zu Gunsten kranker Kinder finden natürlich auch anderswo statt. Am 1. Oktober 2016 fand in Vauvert eine corrida zu Gunsten von Sarah Carreau statt. Sarah ist 16 Jahre alt und sitzt im Rollstuhl. Es gibt eine Organisation „Courir avec Sarah“ und der torero Camille  engagiert sich dafür (torofiesta.com).
Camille Juan konnte verkünden, dass bei dieser corrida de beneficencia zwischen 4.000 und 5.000 Euro eingenommen wurden. Der Club Taurin El Campo von Vauvert hatte mit seinen Mitteln die Veranstaltung unterstützt und zum Gelingen beigetragen.
So eine Veranstaltung musste die Alliance Anti-corrida aktivieren. Es wurde ein Cartoon auf die Webseite gestellt, das zeigen sollte, wie die Tauromachie sich sozial gibt, um daraus Vorteile zu ziehen (Le handicap au service de la tauromachie).
Es wird hervorgehoben, der torero habe seit zwei Jahren nicht mehr toriert und hoffe nun dank dieser Veranstaltung wieder Kontrakte zu bekommen.

Claire Starozinski, die Präsidentin der Alliance Anti-corrida berichtet, sie habe an die Mutter von SarahValérie Carreau, geschrieben und sie gebeten, diese corrida abzulehnen so wie angeblich die Mutter der kleinen kranken Sophie eine corrida abgelehnt habe. Bisher seien dutzende von höflichen Briefen leider nicht beantwortet worden. In dem Musterbrief, der zur Verfügung gestellt wird, kann man lesen, dass bei so einer Wohltätigkeitsveranstaltung Stiere verwendet werden, denen lebend die Hörner gekürzt wurden.

Sonntag, 9. Oktober 2016

Stiertreiben mit einem fast 800 Kilo-Stier!

Geballte Kraft eines Stieres auf der Strasse
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von Philip de Málaga



Die fiestas populares sind weiterhin sehr populär. Nirgends in der mundo taurino gab es einen derartigen Anstieg der Zuschauer wie bei diesen festejos populares

Das gibt es in der Region von Valencia eine 32.000 Seelengemeinde mit dem Namen Vall D`Uixó. Jedes Jahr im Juli finden dort die encierros wie der toro de la calle statt. Auch in diesem Jahr am 26. Juli. Normalerweise kauft sich so eine kleine Gemeinde, ihrem Budget angepasst eher auch günstigere novillos für solche festejos. Solche Tiere, welche für die plaza nichts taugen. Nicht aber hier. Dort besorgte man sich toros. Und was für welche. Dem Namen toro de la calle machte man alle Ehre und besorgte richtige toros. Da war unter anderem der toro mit der Nummer 35 von der ganadería Celestino Cuadri mit einem Gewicht von 770 Kilo. Was für ein Koloss, fast 800 Kilo schwer. 

Samstag, 8. Oktober 2016

Die Tauromachie im Visier von künstlerischem Schaffen (4)

Ein Überblick mit der Frage, kann die Tauromaquia als gestaltende Kulturleistung gesehen werden?  
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von Philip de Málaga

Eine Medaille der Schönen Künste

Seit nun zwanzig Jahren wird auch die tauromaquia mit der medalla de Oro de las Bellas Artes ausgezeichnet. Die seit 1969 bestehende Auszeichnung für künstlerisches wie kulturelles Schaffen repräsentiert die Identifizierung des spanischen Staates mit dem landeseigenen Kulturgut. Und es ist geradezu repräsentativ wie seit 1996 auch die Leistung von Persönlichkeiten aus der mundo de los toros mit diesem Preis geehrt worden ist. 

Sie alle wurde in den letzten zwanzig Jahren in Spanien
mit der Medaille der Schönen Künste ausgezeichnet.
1996 - Antonio Ordóñez (matador de toros)
1997 - Curro Romero (matador de toros)
           und Santiago Martín Sánchez "El Viti(matador de toros)
1998 - Pepe Luis Vázquez 
           und Miguel Báez «El Litri» (matador de toros)
1999 - Álvaro Domecq y Díez (ganadero und rejoneador)
2000 - Antoñete (matador de toros)
2001 - Rafael de Paula (matador de toros)
2002 - Manolo Vázquez (matador de toros)
2003 - Ángel Luis Bienvenida (matador de toros)
           und Juan Antonio Ruiz Espartaco (matador de toros)
2004 - Paco Camino (matador de toros)
2005 - José María Manzanares (matador de toros)
2006 - Enrique Ponce (matador de toros)
2007 - José Tomás (matador de toros)
2008 - Francisco Rivera Ordóñez "Paquirri(matador de toros)
2009 - Luis Francisco Espla (matador de toros)
2010 - Pepe Martín Vázquez (matador de toros)
           und José Miguel Arroyo Delgado "Joselito(matador de toros)
2012 - Ángel Peralta Piñada (rejoneador)
2013 - Victorino Andrés Martin (ganadero)
2014 - Manuel Benítez Perez "El Cordobés(matador de toros)
2015 - Pablo Hermosa de Mendoza (rejoneador)

Ist Stierkampf als Kunst Teil einer Kultur?

Der Historiker Rolf Neuhaus (geb. 1951) gab seinem 2007 erschienen Buch „Der Stierkampf“ den Untertitel: „Eine Kulturgeschichte“. Karl Braun, Kulturwissenschaftler aus Berlin (geb. 1952) sieht in der corrida ein Kulturereignis, welches ein grosses Menschheitsdrama vorführt. Auch beim ehemalige Internetportal Taurosidona ist man sich einig: “Stierkampf ist eine Kunst. Kunst ist etwas das alle Jahrzehnte und Jahrhunderte, Krisen, Kriege und Regierungsformen nicht nur überdauert, sondern sich auch entsprechend ändert. Kunst ist immer ein Spiegel einer jeweiligen Epoche. Das sieht man auch an der corrida”. Es herrscht wohl Übereinstimmung: Kultur, Geschichte und Tradition scheinen sich zu decken. Auch beim Stierkampf. Da wird kaum diskutiert. 

Aber die afición will mehr und geht weiter: Schon seit 2004 ist man bestrebt die tauromaquia von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe deklarieren zu lassen. Dem Kind gab man sogar einen Namen: El Proyecto Tauromaquia - UNESCO. Ob es jemals dazu kommen wird, das bezweifeln selbst zahlreiche aficionados de toros. Und um der Ehrlichkeit nahe zu kommen, den meisten ist dieses eigentlich auch egal. Und die Befürworter wollen damit lediglich nur erreichen, dass die tauromaquia von den Regierungen geschützt und gefördert wird. Auch als Schutzwall gegen den teilweise auch aggressiv agierenden antitaurinismo.

Und die Tauromachie, Kunst als Gegenstand der Kunst?

Die tauromaquia nicht für die Kunst, sondern als Kunst? Für den bekannten spanischen Schriftsteller Antonio Gala (geb. 1932, Autor von „Die Handschrift von Granada“) ist es klar: „Der Stierkampf ist eine Kunst die vor allem Kopfarbeit und Bewusstsein verlangt! Und “er ist vor allem eine geistige Aufgabe!“. Der Wiener Professor Rainer Bischof (geb. 1947) muss es ähnlich sehen, nennt er sein Hauptkapitel über die einzelnen Phasen des Stierkampfs: „Arte de torear“ (Die Kunst mit den Stieren zu kämpfen). An anderer Stelle bezeichnet er es als “die umfassendste Darstellung des Lebens im Sinne des Theaters”. Also als eine Art künstlerischer Kommunikation zwischen Akteuren und den Zuschauern, zwischen dem torero und dem toro im ruedo und dem Publikum in den tendidos. Und bei Lorenz Rollhäuser (geb. 1953) lesen wir in einem Zitat, dass der berühmte matador de toros Juan Belmonte „besser als jeder andere Künstler gewesen sei“. Keine Frage, viele vertreten den Standpunkt, dass wir hier über Kunst reden. 
Der torero Juan Belmonte (1892 - 1962), "besser als jeder Künstler"
Gewiss, solche Auffassungen sind recht subjektiv. Und es versteht sich von selbst, dass es da auch Andersdenkende gibt: Die schottische Schriftstellerin A. L. Kennedy (geb. 1965) schrieb, „dass man die Schönheiten einer corrida nur entdecken kann, wenn man bereit ist, über eine Menge Ungeschicklichkeit, Widerwärtigkeit und Durcheinander, über Fehler, Versagen und mangelndes Können, hinwegzusehen.“ Und schließlich stellt sie nach einer schlechten corrida de toros fest, dass “ein solches Gemetzel kaum mit den Begriffen der Kunst zu rechtfertigen sei”. Auch das ist eine Meinung dazu. 

Immer wieder in grösseren Abständen gibt es in der spanischen Hauptstadt Madrid Demonstrationen gegen die tauromaquia: „Stierkampf sei weder Kunst, noch Kultur.” Auch diese Botschaft ist eindeutig. Und selbst der sector antitaurino versucht sich in künstlerischen Elementen um ihre Botschaft der abolición de los toros zu vermitteln.
Wenn antitaurinos kreativ werden
Man kann zu diesem Thema stehen wie man möchte, die tauromaquia liefert als Objekt viel künstlerischen Raum für kulturelle Ansprüche. Die Kunst selbst versteht sich als ein menschliches Kulturprodukt. Der französische Philosoph Francis Wolff sieht in der corrida de toros einen Grundstein für künstlerisches wie kulturelles Schaffen. Wie könne etwas die grössten Künstler der Zeit wie Goya, Picasso, García Lorca und viele andere dazu bringen, Kunstwerke von höchstem Anspruch zu schaffen, wenn das Objekt selbst nicht diese kulturelle Ausstrahlung hätte? Und nicht nur in der Malerei, Musik, Literatur, Theater, Musical oder beim Film auch in der modernen Welt wie zum Beispiel bei der Inspiration der Modewelt durch grosse Namen wie Armani, Christian Lacroix oder Jean-Paul Gautier.
Christian Lacroix, Jean-Paul Gautier, Armani
Die fiesta de los toros bietet wie kaum ein anderes spanisches Kulturelement derart vielseitigen Raum für künstlerisches Schaffen. So Pablo Nadal Moxó, Kritiker taurino der Tageszeitung EL PAÍS, und fügt hinzu, dies alles, trotz Gegenwind aus dem Lager der antitaurinos.

So kann man beobachten, dass ein Grossteil der antitaurinos dieses nicht mal in Frage stellt. Der künstlerische Anspruch von festejos taurinos wird auch fast nie diskutiert. antitaurinos interessieren sich in erster Linie nur für den Rechtsanspruch. Denn sie wissen sehr wohl, würden sie darüber diskutieren, ob Stierkampf Kunst sei oder nicht, würden sie automatisch die tauromaquia in den Stand menschlicher Kulturgüter adeln.

Würde man dem Stierkampf den Kulturstempel entziehen, würde er nicht mehr unter die Kunstfreiheit einer modernen Demokratie fallen. Und ohne dieses Fundament wäre er in der Tat rechtlich wie moralisch angreifbar. Aber der Lauf der Geschichte zeigt die mundo de los toros in einem anderen Licht. Sie kommt aus der Vergangenheit, gehört in die Gegenwart, ist ein Teil von etwas, mit dem sich weit mehr 65 Millionen Menschen identifizieren. Die Evolution taurina ist noch lange nicht am Ende.
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Quellennachweise der 4-teiligen Serie

Cossío, Los toros , Band 10 und 11, Espasa S.L., Calpe 2007 

Wiesbadener Tagblatt vom 11.10.2008 
Theophile Gautier, Reise in Andalusien, Deutscher Taschenbuchverlag, München 1977 
Ernest Hemingway, Fiesta, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 1950 
Ernest Hemingway, Tod am Nachmittag, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 1957 
Larry Collins & Dominique Lapierre, … oder du wirst Trauer tragen, Goldmann Verlag, München 1988 
Rolf Neuhaus, Der Stierkampf – Eine Kulturgeschichte, Insel Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2007 
Karl Braun, Der Tod des Stieres,Verlag C.H. Beck, München 1997 
Enrique Calvo, Plataforma Taurina Perú, Lima 2011
Antonio GalaPaisaje andaluz con figuras, Editoriales Andaluzas Unidas, Granada 1984 
Rainer Bischof, Heilige Hochzeit, Böhlau Verlag, Wien 2006 
Taurosidona, Deutsches Internetportal über Stierkampf, Medina Sidona 2007
Lorenz Rollhäuser, Toros, Toreros, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 1990 
Alison Louise Kennedy, Stierkampf, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1999
Francis Wolff, 50 razones para defender la corrida de toros, Editorial Almuzara, Córdoba 2011
mundotoro, Internetportal, Madrid 2013
The Metropolitano, Modemagazin für Männer, Februar 2014
Pablo Nadal Moxó, Torero, Torero!, Larousse Editorial S.A., Barcelona 1997

Freitag, 7. Oktober 2016

Der Stierkampf als eine Erneuerung im Licht der europäischen Aufklärung




von Dr. Katarzyna  Stoklosa


"Das 18. Jahrhundert markiert in Spanien den Versuch, das Land im Zusammenhang mit der europäischen Aufklärung zu modernisieren. Auch die bis dahin traditionellen Stierkämpfe wurden von diesem Modernisierungsprozess erfasst und so dem neuen Zeitgeist des Jahrhunderts angepasst. Mit neuen Regeln und Rechten erhielten die Kämpfe eine veränderte Gestalt, die man als "prokapitalistisches Geschäft" bezeichnen kann. Obwohl die corrida de toros sich auf sehr alte Ursprüngen zurückführen lässt, hat sich ihre gegenwärtige Form demnach erst im 18. Jahrhundert herausgebildet - und zwar nicht als etwas Barbarisches oder Archaischen, wie heute gelegentlich vermutet wird, sondern als eine Erneuerung im Licht der europäischen Aufklärung."
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Quellennachweis:

Um nichts als Blut, von Dr. Katarzyna Stoklosa, DAMALS Das Magazin für Kulturgeschichte

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Man muss mehr wagen, um Grosses zu erreichen




von Pablo Picasso


Der 1881 in Málaga geborene Pablo Ruiz Picasso was nicht nur ein begnadeter Künstler sondern auch einleidenschaftlicher aficionado de toros. Sei es in Spanien oder in Frankreich, die toros repräsentieren einen wichtigen Teil seines Lebenswerk. Unter zahlreichen seiner ihm an die 50.000 zugesprochenen Werke findet sich die tauromaquia wieder. Picasso liebte und lebte die Kunst. Er sah sie als eine Herausforderung, auch Neues zu schaffen, wie zusammen mit dem Franzosen Georges Braque den Weg des Kubismus. So gibt es von ihm ein Zitat, welches er auf die Entstehung von Kunst entsteht, dessen Ursprung ihm aber während einer corrida de toros gekommen sein soll. Dabei geht es um den Mut, den einer aufbringen muss, wenn  man etwas Anderes, etwas Besonderes schaffen möchte. Hier fällt wieder mal die Parallele, die Verschlungenheit zwischen der tauromaquia und der Kultur auf.
Der französischer Schriftsteller Jean Cocteau, Pablo Picasso und der maestro Miguel Dominguín
an der barrera der plaza de toros von Arles. 
"Man muss sich immer etwas mehr getrauen,
auch wenn man sich dabei das Genick brechen kann!"

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Die Tauromachie im Visier von künstlerischem Schaffen (3)

Ein Überblick mit der Frage, kann die Tauromaquia als gestaltende Kulturleistung gesehen werden?  
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von Philip de Málaga



In der Photographie:

Ähnlich wie sich Fotografen zum Beispiel auf gewisse Sportbereiche spezialisiert haben, verhält es sich auch hier in der mundo de los toros. Aktuelle Fotos, nahe am Geschehen mit gesellschaftlichen Blickwinkel und privater Sphäre, das ist in erster Linie gefragt. Momentaufnahmen journalistischer Darstellung des Lebens durch den Tod in der 
Plaza de toros. Der erste bekannte Vertreter dieser Gruppe dürfte wohl der Franzose Juan Laurent y Minier (1816 – 1886) sein. 

Juan Laurent y Minier: LINKS: 1874 RECHTS: 1863
Es folgte eine Menge an Stierkampffotografen, doch nur einer schaffte es mit seiner seiner weißen Kappe und der schon legendären Unterschrift an die wirkliche Spitze. Wer seinen Namen hört, bringt automatisch gleich den tragischen Tod von Manolete mit ihm in Verbindung: Francisco Cano Lorenzo (1912 - 2016). Siehe auch SfA-Reportage Adiós Canito.
Francisco Cano und das Foto von Manolete, welches um die Welt ging
Gegenwärtig gibt es sogar eine deutsche Photographin, welche sich auch in der tauromaquia einen Namen gemacht hat. Anya Barrels-Suermondt versteht es auf wunderbare Art und Weise die ganze Dramatik, die Tragödie des Seins, die beinahe nicht wahrzunehmenden Details bei einer corrida festzuhalten in Schwarz-Weiss-Photographie festzuhalten. Drei Bildbände sind von hier schon erschienen, ein allgemeiner, corrida und über die figuras José Tomás und Cayetano.
Auf dem linken Photo die deutsche Photographin mit dem maestro José Tomás
In der Literatur:

Kinder, vor allem in den nich-spanischen Ländern werden in ihren jungen Jahren mit einem Klassiker beschenkt. Ferdinand der Stier. Wir hatten schon im 2. Teil dieser Serie darüber gesprochen, weil seine Popularität auch Walt Disney beeindruckte und ihm dieser Streifen einen Oscar einbrachte. Der amerikanische Schriftsteller Wilbur Monroe "Munro" Leaf (1905 - 1976) brachte diese Geschichte innerhalb von nur vierzig Minuten auf das Papier, um seinem Freund, dem Kinderbuch-Illustrator Robert Lawsen (1892 - 1957) eine Verdienstmöglichkeit zu verschaffen. Das illustrierte Büchlein wurde ein Welterfolg.
1935: Munro Leaf, Ferdinand der Stier und Robert Lawsen
Doch zu Weltruhm kam die mundo de los toros drei Jahre vorher. Nach den Romanciers wie Lord Byron (1788 - 1824) oder Thèophile Gautier (1811 - 1872) war es 1932 der Amerikaner Ernest Hemingway (1899 -1961) welcher die spanischen fiesta nacional zu auf der ganzen Welt zu Popularität verhalf. Man begann sich plötzlich dafür zu interessieren. 
Schon 1926 erweckte er mit seinem Buch "Fiesta" viel Aufmerksamkeit für die toros. Von diesem Jahr an begann man die mundo taurino mit anderen Augen zu sehen. Man fing an, in dem Leben der toreros die menschlichen Schicksale und in den toros die geballte animalische Kraft zu erkennen. Der nach seinem Tod erst 1985 veröffentlichter Roman "Gefährlicher Sommer" gilt als das beste Werk, welches der amerikanische Schriftsteller über Stierkampf geschrieben haben soll. 
Ernest Hemingway und seine erfolgreichsten Werke über die mundo de los toros (Originalausgaben)
Viele folgten seinem Beispiel, James. A. Michener (1907 - 1997), Norman Mailor (1923 - 2007), John Steinbeck (1902 - 1968), Sidney Franklin (1893 - 1972) und so weiter, es wäre müssig sie jetzt alle aufzuzählen. Ein Buch soll aber nicht unerwähnt bleiben: „… oder du wirst Trauer tragen“ von Larry Collins (1929 - 2005) und Dominique Lapierre (1931). Hier wird auf brillante Weise der Werdegang von "El Cordobés" vor der Kulisse des spanischen Bürgerkrieges in die Diktatur hinein beschreiben. Der Ausspruch des jungen toreros El Cordobés zu seiner Schwester vor der wichtigsten corrida seines Lebens wurde zum bedeutendsten Zitat der tauromaquia  "Heute Abend kaufe ich dir ein Haus ... oder du wirst Trauer tragen".
Larry Collins und Dominique Lapierre
Und im spanischen Sprachraum? Der "Stierkampfbrockhaus" Cossío widmet dem Thema "Literatur und Journalismaus" ganze 700 Seiten. Das lässt erahnen, dass die mundo de los toros auf der Iberischen Halbinsel zum literarischen Tagesgeschäft gehört. Dabei fallen große Namen wie Rafael Alberti (1902 - 1999), Juan Ramón Jiménez (1881 - 1858), Salvador Rueda (1857 - 1933), José Zorilla y Moral (1817 - 1893), Octavio Paz (1914 - 1998), Pablo Neruda (1904 - 1973), Vicente Alexandre (1998 - 1994), Camilo José Cela (1916 - 2002), José Ortega y Gasset (1883 - 1955), Federico García Lorca (1998 - 1936), um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

In den Tageszeitungen:

Nicht zu vergessen die jährlich über 25.000 Artikel im Kulturteil der spanischen Tageszeitungen, dabei federführend sicherlich EL PAÍS und ABC. Dabei ist auffallend zu beobachten, mit welcher Selbstverständlichkeit die Redaktionen ihre Beiträge über die tauromaquia in der Sektion Kultur platzieren.
Man achte auf "CULTURA" rechts oben!

Fortsetzung folgt

Dienstag, 4. Oktober 2016

Sol y Sombra




von Julián López (mundotoro)

Die Sonne und der Schatten, Licht und Dunkelheit, sol y sombra sind bei einem tarde de toros nicht nur ein optisches Element sondern auch von tragender Bedeutung und Wirkung. Egal ob in den tendidos oder im ruedo selbst. Ob die blendenden wie heissen Strahlen die Gemüter erhitzen, die Weitsicht einschränkt, die glitzernde traje de luces zur glühenden Qual degradiert, die Sonne, verwandelt, nein verleiht einem festejo taurino erst richtig ihre Farbenpracht, die sie auf dem roten Sand im ruedo entfachen kann. Aber auch ohne Farben wird es einem bewusst. Die Gegenwart der sol. Der untergehenden Sonne während des Tod am Nachmittag welche den sombra überhaupt erst in Szene setzt. Hier eine Photoserie von der letzten corrida de toros in Las Ventas am vergangenen 2. Oktober 2016 in einer fast vollen plaza de toros der spanischen Hauptstadt.

Montag, 3. Oktober 2016

Montag ... Ruhetag





von Peter G. aus Ulm


Von seiner Südamerikareise hat Herr Peter G. aus Ulm SfA Post geschickt. Auf seiner Reise suchte er um diese Jahreszeit die toros vergeblich und fand schliesslich auch eine Erklärung dafür. Vielen Dank dafür. Das haben wir gerne aufgenommen und wollen uns auch heute daran halten.
Die Ruhepause des Stieres. In diesem Sinne ...

Sonntag, 2. Oktober 2016

Warum Aficionados wegschauen

Warum sich die Anhänger der klassischen Stierkämpfe
in die Diskussionen über populäre Stierfeste nicht einmischen
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von Philip de Málaga


Pedro drehte sich um und sagte mit betonender Stimme "Soy un aficionado de toros, de todo corazón!" (Ich bin ein aficionado de toros, von ganzem Herzen!)" das wirkte überzeugend, noch mehr, wenn man seine offen gezeigte Hände sah und ihm dann in die Augen blickte. Er liebte die toros, der Besuch einer corrida de toros in der Malagueta oder in den beiden Maestranzas von Andalusien war für ihn als überzeugter Katholik wichtiger als die Kirche zu besuchen. Wie oft sass er an der barrera, sah die maestros Morante de la Puebla, José Tomás oder einen Enrique Ponce, und sein Herz schlug Kapriolen vor Freude. "Wenn du den duende spürst, vergisst man die ganze Welt!" Aber was wäre die mundo de los toros ohne den toro. Er liebt ihn geradezu. Vor etwa vier Jahren, er war in Granada, sass im sol y sombra an der barrera, da zertrümmerte direkt vor seinen Augen ein toro bravo einen grossen Teil der hölzernen barrera am ruedo. So etwas hatte er noch nie erlebt. Und so nah. Die geballte animalische Kraft, die Begegnung mit etwas was Gott geschaffen hatte, keine zwei Meter von ihm entfernt, es war beängstigend, faszinierend, berauschend, einfach jede Sekunde Wert dabei gewesen zu sein. Ja, Pedro war mit seiner ganzen pureza ein Vollblutaficionado de toros.

Und doch, etwas sah er ganz anders. Da schaute er erst gar nicht mehr hin. Als das Gespräch auf capeas, encierros, festejos populares und den Toro de la Vega kam, verzog sich seine Mine. "Hombre, willst du mich beleidigen?" Pedro zeigte sich betroffen, "wir reden hier von den echten und wahrhaftigen toros. Ein von Gott geschaffenes unbändiges Wesen. Geboren und gezüchtet für die corrida!" Mit der rechten Hand gestikulierte er, als ob an dieser Tatsache überhaupt keine Zweifel bestehe. "Diese fiestas populares, wie der Toro de la Dingsbumsda, dass seien doch nur festejos wo sich der primitive Mob an Tieren vergreife. Das könnten die auch mit Kühen oder anderen Tieren veranstalten. Dazu brauche man keinen toro, im Gegenteil, eine solche fiesta sei eine Beleidigung für einen jeden toro bravo." Und noch etwas stellte er enttäuscht fest, "die meisten die an solchen fiestas populares teilnehmen, haben nicht einmal die geringste Ahnung von einer corrida de toros". Damit hatte er auch alles gesagt, mehr wollte er sich zu diesem Thema nicht äussern.

So wie Pedro empfinden zahlreiche aficionados de toros. Sie besuchen corridas, verfolgen die Zucht auf den ganaderías, beobachten wie sich die toreros entwickeln, aber zu diesen vor allem dörflichen fiestas wo die Tiere nicht selten der Willkür der Bevölkerung ausgesetzt sind, stehen sie auf Distanz. Verurteilen diese sogar, aber sie äussern sich nicht öffentlich dagegen. Da stellen sie sich lieber wie die drei japanischen Affen, als Vorbild im Umgang mit dem Schlechten, nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.
Wie kommt es dazu, dass so viele Personen etwas verurteilen, oder zumindest ablehnen, aber doch nichts dagegen unternehmen? Enrique aus Fuengirola sieht es ziemlich klar: "Ich bin Katholik, gehe in die Kirche und zu den toros. Mit diesen öffentlichen fiestas in den Strassen sehe ich das so: Genauso wie viele Priester die Semana Santa meiden, meiden viele aficionados die populären fiestas. Genauso wie viele Nichtgläubige an den Osterprozessionen teilnehmen und ihre Freude haben, so erfreuen sich an diesen fiestas populares auch fast nur diejenigen, die von den toros wenig oder gar nichts verstehen. Nichts verstehen wollen. Dann bevorzugen sie nämlich den Fussball".

Es scheint auf der Hand zu liegen, dass Publikum bei den festejos populares ist ein ganz anderes als in den Plaza de toros bei den klassischen corridas. So sind es auch keine professionellen toreros, welchen man bei den meist ländlichen Stierfesten findet, sondern das Volk hat die Möglichkeit sich an den Tieren zu üben. Zwar befindet sie meistens immer ein torero in der Nähe, nicht als Akteur, sondern um einzugreifen, wenn Unvorhergesehenes geschieht.

Aber warum, die Frage stellt sich natürlich, warum melden sich die taurinos nicht zu Wort, um gegen solche festejos populares zu protestieren? Sich dagegen aufzulehnen dass hier die Würde des toro bravos mit Füssen getreten wird?

Die Antwort ist einfach. Nicht nur, dass ganaderías damit auch ihr Geld verdienen, und das nicht zu wenig, sondern die Hauptschuldigen finden sich im sector antitaurino. Denn die Gegner der toros benutzen eine jegliche Niederlage eines festejos taurinos, wie zum Beispiel die abolición de los toros in Katalonien oder das aktuelle Verbot des Toro de la Vega, um zum Rundumschlag gegen die gesamte mundo de los toros auszuholen. Schnell werden Argumente in die Medien geschleudert wie, weitere Niederlage für die tauromaquia, oder, immer mehr Spanier seien gegen die toros. Im schlimmsten Fall, sogar falsche Behauptungen aufstellen, wie eingefleischte aficionados de toros wenden sich von den toros ab, oder das Ende der tauromaquia stehe bevor.

Um eben solchen Kampagnen entgegen zu wirken, bevorzugen es viele taurinos eher zu schweigen und sich nicht darüber zu äussern. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass viele keine Lust haben, sich von den antitaurinos dermassen beleidigen und beschimpfen zu lassen, nur weil man etwas in Anspruch nimmt, was einem im spanischen Staat als Kulturgut und Grundrecht zusteht, wenn man es möchte. Schliesslich wird dazu je keiner gezwungen.

Dann kommt noch die Gruppe derjenigen hinzu, welche solche fiestas populares zwar nicht gut heissen, aber als Teil der spanischen, oft lokalen Tradition respektieren und anerkennen.

Samstag, 1. Oktober 2016

Neue Suchmaschine bei SfA







in eigener Sache


Seit letztem Donnerstag den 29. September 2016 verfügt STIERKAMPF für ALLE über eine neue Suchmaschine. Bis jetzt war es so, wenn man dort einen Begriff eingegeben hatte, wurde im ganzen Netz gesucht. Das ist jetzt anders. Wenn man nun in dem entsprechenden Feld einen Begriff eingibt, wird nur das Portal von SfA danach durchsucht und die entsprechenden Ergebnisse angezeigt.