Sonntag, 17. März 2013

Wer Morante nicht gesehen hat, hat Sevilla nicht gesehen




von Philip de Málaga


Mit einem Torero wird weltweit führ Sevilla und den Stierkampf geworben
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Der matador de toros Morante de la Puebla
(Foto: mundotoro)
Das britische Unternehmen City Sightseeing Worldwide wirbt in ihrer nächsten Kampagne für Sevilla mit dem matador de toros Morante de la Puebla. Mit dem Slogan "Si no has visto Morante, no has visto Sevilla" soll vor allem in London, Moskau, Dubai, Singapur und andere großen Städten die tauromaquia und vor allem die feria taurina im April in der andalusischen Hauptstadt beworben werden. Auf diese Weise möchte man einem nichtspanischen Publikum das toreo und die La Maestranza näher bringen.

Samstag, 16. März 2013

Und sie sagen keiner geht mehr zu den Stierkämpfen . . .




von Philip de Málaga


Heute in Valencia, Samstag den 16. März 2013 - AUSVERKAUFT!
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16.851 Zuschauer!

Auf dem Internetportal RTV Toros kann man die corridas in Valencia live mit verfolgen.

Stierkampf in Málaga

 

Sechs toros und ein torero! Ab heute beginnt der Kartenvorverkauf in der Malagueta. Zwei weitere Verkaufsstellen befinden sich auf der Plaza Marina und auf der Plaza de la Constitución. Der neue empresario Cutiño überraschte die afición mit günstigen Eintrittspreisen für die mittlerweile fünfte corrida de picassiana in der Geburtsstadt von Pablo Picasso welche sich zwischen 7 und 70 Euro bewegen. Die Erlöse von diesem Benefizstierkampf werden der Fundación Corinto gespendet.

Donnerstag, 14. März 2013

Begegnung mit den toros (6. Teil)

Sanlúcar, der Toreronachwuchs zeigt sein können
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von Colin Ernst 

Am frühen Morgen verabschieden wir uns von der Stadt Manoletes, die Fahrt zum Bahnhof führt an der Villa des "Califen von Córdoba", Manolete, vorbei. Immernoch hängen die Wolken tief über der Sierra Morena und während der Zugfahrt schüttet es wie aus Kübeln...

Ob Carmelo, der empresario der plaza de toros von Sanlúcar es geschafft hat, das ruedo trocken zu bekommen? Angekommen am Busbahnhof, frage ich einen Sanluqueño, ob es geregnet hat... Ja, aber nicht viel, antwortet dieser. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Es sind noch drei Stunden Zeit, bis zur corrida, also noch Zeit für Manzanilla und Tapas im Balbino. Wir sind nicht die Einzigen, die sich dort in der Bar die Wartezeit verkürzen. Mich "plagt" ein Ohrwurm, der pase doble von Manolete hängt mir nach. Ich liebe diese Musik und jeder namhafte torero hat seinen eigenen pase doble. Ein Bekannter hat mir den, eigens, für meinen Freund Román (novillero valenciano), komponierten pase doble geschickt. Román hatte gestern einen großen Auftritt bei den Fallas in Valencia, wo er eine sehr gute Vorstellung mit seinem ersten Stier bot. Leider hat er sich bei dem zweiten den Arm ausgekugelt und konnte nicht weiterkämpfen. Diese Nachricht erreichte uns gestern, während der corrida in Córdoba. So kann es gehen, grade noch auf dem Olymp, dann in der enfemería und aus der Traum von Glanz und Gloria. Ich hoffe das die Türe der enfermeria in Sanlúcar heute geschlossen bleibt.

Gegen halb fünf erreichen wir den Coso del Pinar, ein munteres Völkchen hat sich eingefunden, um den Stierkampflehrlingen, fast alle aus Sanlúcar, beizustehen. Ich erstehe ein Sitzkissen, das alte liegt noch im Coso de Califas, in Córdoba... Die plaza ist fast zu drei Viertel voll, die Stimmung ist super, man kennt sich. In der Mitte des ruedos hat ein Künstler den Sand eingefärbt, "GRACIAS", "DANKE" steht dort, denn der Erlöß geht an Behinderte. Überhaupt, steht dieses Motto im Vordergrund. Eine Gruppe von Menschen mit Downsyndrom und anderen Behinderungen kommt in die Mitte der Arena, eine Sprecherin dankt denen, die dieses Event möglich machten. Es ist rührend zu sehen, wie sich diese Menschen freuen, dort zu sein. Die novilleros werden angekündigt : 

José Ruben Franco
aus Sanlúcar
Eloy Hilario "El Algaideno"
aus Sanlúcar
Fernando González
aus Utrera
Juan de Castilla 
aus Kolumbien
Sergio Salas "El Pijorro" 
aus Sanlúcar
Alejandro Jurado 
aus Sanlúcar


Es ist eine novillada sin picadores, also ohne Pferde, wie sie alle novilleros in ihrer Anfangsphase bestreiten. Auch heute tragen die Protagonisten die schlichte traje corto.

Der erste Stier kommt flott aus dem toril und galoppiert auf die capa schwingenden banderilleros zu. Wir kennen fast alle Beteidigten und sind gespannt, wie sie ihre Aufgaben meistern. Franco überrascht mich. Nach einem kleinen Schnitzer mit der capa, bietet er eine gute, komplete Vorstellung und tötet den novillo mit einer guten estocada entera. Das sah im Training nicht so aus, er ist besser, als erwartet. Der Präsident lässt sich nicht bitten, zwei orejas für den ersten Aspiranten. Begleitet vom Applaus, nimmt er die Trophäehen aus der Hand der Behinderten entgegen und dreht strahlend mit ihnen seine Ehrenrunde.

Eloy
Nun ist es an Eloy "El Algaideno", dies zu toppen. Auf den Knien empfängt er seinen novillo, ein besonders gutes Exemplar, welches nichts zu wünschen übrig lässt. Seine faena sieht recht gut aus und er kommt super an, beim Publikum. Irgendwie erinnert mich seine Art an Juan Padilla... Auch er setzt seine banderillas selbst, und das sehr gut - Die Zuschauer holt es von den Sitzen, meine Kamera leider auch. Bei der muletaarbeit merkt man, das ihm der Stier liegt, er scheint gar nicht aufhören zu wollen, mit seinem Tanz mit diesem novillo. Sein erster Versuch mit der estocada geht allerdings daneben, der zweite Versuch sitzt. Das Publikum fordert energisch das zweite oreja, welches der Präsident ihm zögernt gewährt. Sein Lächeln erreicht die oberen Ränge, als er mit seinen behinderten Freunden die Ehrenrunde dreht. Sogar ein Huhn wird ihm zugeworfen! 

Der drittjüngste novillero Fernando González hat zwar auch einen guten novillo bekommen, kann aber das Gelernte nicht so umsetzen und man sieht deutlich, das er noch mehr Praxis braucht. Aber auch er bekommt ein oreja zugesprochen, was seiner Arbeit entspricht. Ich bin überrascht, wie gut die Stiere sind. Bei novilladas sieht man oft wesendlich schlechtere. Diese hier, aus der ganadería "El Torero", bei Cádiz, haben zwar einige Gebäudefehler, fallen aber nicht auf die Vorderbeine und sind ehrlich und angriffslustig. Der von Eloy bekam sogar eine vuelta al ruedo.

Es ist "Halbzeit" und eine Gruppe der heutigen Ehrengäste kommt in die Mitte der plaza, begleitet, unter frenetischem Aplaus, vom maestro Juan Padilla. Wiedermal nimmt er sich Zeit, um eine gute Sache zu unterstützen. Der matador de toros aus Sanlúcar ist schlicht gekleidet und verschwindet unauffällig auf einen balcón, er will niemandem die Show stehlen.

Juan de Castilla
Nun kommt der kolumbianische novillero Juan de Castilla zum Zug, der mir im Trainig auch schon aufgefallen ist. Selten sieht man einen Nachwuchstorero so perfekt arbeiten. Ohne Schnörkel, aber sauber in seinen muletazos, eng am Stier, ein ganzes Reportoire abarbeitend. Die Olé-Rufe werden lauter und lauter, seine naturales sind sehenswert. Und sein Stier ist besonders gut, folgt dem kleinsten Zucken des Handgelenks mit der muleta. Ich bin beeindruckt von beiden, so klasse waren die Exemplare in Córdoba nicht. Auch die estocada ist wie gemalt. Der junge Mann hat die Arena erobert, Zwei orejas werden ohne Zögern gewährt, und die Rabo-Rabo-Rufe hallen durch die plaza. Nach kurzem Zögern zückt der Präsident das blaue Tuch!!! Und noch ein Tuch wird über die Balkonbrüstung geschwungen, ein kleineres weißes, vuelta al ruedo für diesen sehr guten toro bravo. Bei seiner Ehrenrunde bleibt er vor einem burladero stehen, fordert jemanden auf, in die Arena zu kommen... es ist Ivan Fandiño! Anscheinend ist de Castilla sein Schützling, welch Glück für ihn. Fandiño unterstützt übrigends auch, zusammen mit David Mora, eine Initiative von Juan Padilla, die eine corrida in Madrid austragen werden, zu Gunsten von "El Chano", einem der nach einem unglücklichen Stierkampf im Rollstuhl sitzt. Mit den Erlösen sollen auch andere, die ähnliches Unglück erlitten haben, unterstützt werden. 

Sergio Salas
Als nächstes ist Sergio Salas an der Reihe. Ihm wurde der Stier zugelost, den ich als gefährlich eingestuft hatte, als die ganadería sie im Lokalfernsehn vorstellte. Ein novillo, der unruhig hin und her schaut und dessen Hörner in verschiedene Richtungen zeigen. Sergio wirft seinen Cordobeshut Padilla zu - "Va por usted" (Ich widme diesen Stier Ihnen). Alle Aufmerksamkeit ist beim maestro, keiner schaut auf den Stier, der sich grade sein Opfer sucht. Auch die banderilleros, die eigendlich den torero schützen sollen, sind abgelenkt und schon ist es passiert! Der novillo erwischt Sergio frontal! Endlose Sekunden liegt er am Boden, aber dann steht der Junge aus Sanlúcar wieder auf. Es ist keine cornada, Gott sei Dank, aber die Wucht des Aufpralls könnten Rippenbrüche zur Folge haben. Nun zeigt sich, aus welchem Holz der novillero geschnitzt ist... "El Pijorro" ist hart im Nehmen. Nachdem er wieder Luft bekommt, bearbeitet er den launigen Stier recht gut. Dieser, einmal an den Mann gekommen, macht es ihm nicht einfach. Besonders bei dem Platzieren für die estocada, steht er nicht still, sondern greift immer wieder an. Mit diesem Tier hätte auch ein gestandener matador so seine liebe Mühe gehabt. Aber am Ende fällt auch dieses Exemplar der ganadería "El torero" und das einheimische Publikum fordert orejas. Eines, für die respektable faena, das zweite für den Mut. Sie werden ihm gewährt.

Der Letzte im Bunde ist der jüngste und kleinste novillero, Alejandro Jurado. Auch dieser Stier ist angriffslustig und erlaubt dem jungen Sanluqueño eine gute faena. Besonders mit der muleta sieht er sehr gut aus. Leider sieht ihn die Mehrzahl des Publikums nicht, denn es fallen dicke Regentropfen. Die Andalusier sind nicht an Regen gewöhnt, so scheint es, denn alles stürmt auf die überdachten Ränge. Mich freut es, denn so habe ich endlich einen Platz in der ersten Reihe. Jurado ist sehr gut, den Regen bemerkt er gar nicht und er zeigt einige sehr gute pases, die mir im Gedächnis bleiben werden. Auch ohne die Unterstützung des wasserscheuen Publikums, bekommt er zwei orejas, was seiner Arbeit entsprechen. Mich hat er überzeugt und ich wünsche ihm, das er noch mehr Kämpfe bekommt um sein Können zu zeigen.

Die Besucher suchen schnell das Weite, Regen ist nicht so ihr Ding. Wir sind mit die Letzten, die den coso verlassen. Draussen steht der Transporter für die Mulis, die die Stiere aus der Arena ziehen und wir sehen die Autos, in denen die Helden dieses Spektakels sitzen. Uns machen die Regentropfen nichts aus, nicht mehr, nachdem wir eine Woche lang jede Wolke argwöhnisch beobachtet haben. Meine Freunde, die extra aus Deutschland angereist sind, um diese beiden corridas zu sehen, sind hoch zufrieden. Wir haben die besten Stierkämpfer des Landes live gesehen, eine wirklich tolle novillada, richtig gute Stiere - was will ein aficionado mehr?

Mittwoch, 13. März 2013

Toros in Katalonien




von Philip de Málaga


Minister Wert überlässt die Entscheidung dem obersten Verfassungsgericht
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Ignacio Wert (Foto: mundotoro)
In einem Interview äusserte sich der Minister für Erziehung, Kultur und Sport Ignacio Wert, dass er letztendlich die Endscheidung, ob es wieder Stierkämpfe in Katalonien geben soll, dem obersten spanischen Verfassungsgericht überlassen werde. Zwar würde das Vorrangehen der ILP, also die toros zum nationalen Kulturgut deklarieren zu lassen, die Sache positiv beeinflussen, aber grundsätzlich müsse geklärt werden, ob das katalanische Parlament sich selbstständig über eine nationale Entscheidung einfach hinwegsetzen kann. 

Dienstag, 12. März 2013

Begegnung mit den toros (5. Teil)

Córdoba, die Stadt der Califen
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von Colin Ernst 


Plaza de Corredora in Córdoba
Der große Tag ist gekommen. Die Nacht über hat es geregnet, aber an diesem Morgen scheint es aufzuklaren, Sonne und schwere Regenwolken bestimmen das Panorama. Wir haben in einer kleinen Pension an der historischen Plaza de Corredora übernachtet. Dort wurden früher die Stierkämpfe ausgetragen, bevor die erste plaza de toros gebaut wurde. Heute finden die corridas in dem relativ neuen coso de "Los Califas" statt.

Wir sitzen bei café con leche und churros zusammen mit Mari Paz, die mit uns zusammen dorthin fahren wird. Ihre ganze Familie ist stierkampfverrückt und so begleiten uns Oma, Enkel, und zahlreiche Neffen und Onkel. Für die festejos taurinos, welche übers Jahr eine ganze Woche dauern haben sie so genannte abonos, Dauerkarten, die für alle Stierkämpfe gelten und günstiger sind als Einzelkarten. Diesmal aber mussten auch sie Einzeltickets kaufen, da das festejo contra el cancer (zu Gunsten der Krebshilfe), ausser der Reihe stattfindet. Maris Mutter hat uns ein Foto übers I-Phone geschickt. Es ist 11:30 Uhr und Diego Venturas Pferdetransporter ist angekommen und parkt vor dem patio de caballos. Ein riesiger Luxuspferdetransporter, welcher die Pferde für das rejoneo und deren Ausrüstung transportiert. Ein großer Schriftzug "Diego Ventura" ziert den Wagen und an den Seiten, über jedem Anbindering, stehen die Namen der Pferde, welche er beim rejoneo reitet. 

Um 16 Uhr brechen wir auf, immer noch die Daumen drückend, denn die Wolken sehen bedenklich aus. Kaum haben wir den coso de los califas erreicht, fallen die ersten Tropfen, gottlob sind es nur ein paar. Wir treffen uns alle im patio de caballos, wo wir die schön herrausgebrachten Pferde von Ventura begutachten. Die Pfleger legen Hand an, in die Hufeisen werden Stollen eingeschraubt, damit die Pferde nicht auf dem feuchten Sandboden ausrutschen. Besonders auffallend, ist ein hell cremefarbenes Pferd, sowas sieht man nicht alle Tage.

Nachdem alle eingetroffen sind gehen wir zu den tendidos, um unsere Sitzplätze einzunehmen. Die plaza erscheint riesig und ist zu gut zwei Drittel gefüllt. Bevor es losgeht wird Akteuren und Zuschauern gedankt, die mit ihrem Auftritt, b.z.w. Besuch, Geld für diese gute Sache spenden. Man wird die matadores heute nicht in traje de luces zusehen bekommen, sondern in schlichter traje corto

Wir beobachten wie die mozos de espadas der cuadrillas, capas, muletas und Degentaschen durch den callejón schleppen und die capas über die Barriere hängen. Der Präsident hängt ein weißes Tuch über seinen Balkon, das Fest kann beginnen.

Die matadores, die banderilleros und die picadores mit ihren schweren Kaltblutpferden marschieren bei pasedoble Musik ein, grüßen Publikum und Präsident - die Spannung steigt.

Der rejoneador Diego Ventura
Als Erster ist Diego Ventura dran. Mit seinem schicken , cremfarbenen Albino, wartet er ganz ruhig am Rand, als der erste Stier in die Arena kommt. Unbeschreiblich, wie er die Aufmerksamkeit des Stieres auf sich lenkt, um dann in Zentimeter Entfernung, vor dem toro herzugaloppieren. Der Schweif des Pferdes dient wie eine muleta und der Stier versucht diesen zu attakieren. In gewagten Galopptraversalen, waghalsigen Galoppiroetten reitet der maestro vor dem wütenden Stier her, mehrmals stockt uns der Atem. Zuerst werden die langen banderillas gesetzt, dann die kurzen - alles in vollem Galopp! Je nach tercio, wechselt er die Pferde. Mal lässt er das Pferd auf den toro zu piaffieren, mal präsentiert er den spanischen Schritt. Wer reiten kann, weiß, das diese Übungen zur hohen Schule gehören und nicht einfach zu reiten oder zu lernen sind. Beim maestro Ventura sieht alles spielerisch aus und immer wieder präsentiert er sich dem Publikum herausfordernd - als wäre das alles gar nichts. Zum Schluß muss der rejón de muerte gesetzt werden, dieser ersetzt den Degenstoß, der schwierigste Part. Aber auch dies gelingt dem Profi an diesem Tag. Das Publikum tobt, die Arena gleicht einem Meer aus weißen Tüchern, welche die aficionados schwenken, um orejas für den waghalsigen maestro zu fordern. Auch dem Präsidenten hat es gefallen, dos orejas für Ventura und seine Klassepferde!

Enrique Ponce
Nun ist einer meiner Idole am Start, Enrique Ponce. Auf die Entfernung sieht man die Gesichter der toreros nicht, aber er hat, zumindest für mich, einen unverkennbaren Stil. Der orden, die Reihenfolge, ist gleich, wie auf dem cartel, der älteste matador zuerst, der jüngste zuletzt. Ponce agiert wie immer sehr ruhig, sehr sicher, auch wenn der heftige Wind die muleta flattern lässt. Ich genieße das Schauspiel, er führt die muleta, als halte er ein Brilliantcollier in den Händen. Er holt das Beste aus dem Stier heraus, kämpft ohne Schnörkel, klassisch. Die estocada sitzt, was will man mehr? Der Präsident ziert sich bei der Vergabe der Ohren, - nur eines für den maestro , das Publikum fordert, zu Recht, wie ich finde, ein zweites. Wir schwenken unsere weißen Tücher und rufen "otra, otra, otra" - noch eines, noch eins. Der Mann bleibt stur, was böse Komentare seitens der Fans nach sich zieht.

Finito de Córdoba
Der nächste ist "Finito de Cordoba", ein Lokalmatador, beliebt beim Publikum cordobés. Ich bin gespannt, denn ich habe ihn schon sehr schlecht gesehen.... Vor 2 Wochen hat er allerdings hervorragend gekämpft, er ist besser geworden. Auch diesmal leistet er eine gute faena, mit einem schwierigen Stier, was seine Fans mit einem Meer von weißen Tüchern, belohnen. Aber auch hier gibt es nur ein oreja und erneut Pfiffe für den Präsidenten.

El Cordobés
Nun kommt ein alter Bekannter ins ruedo, Manuel Diaz, "El Cordobés". Sein Stier lässt sich sehr bitten, ein toro manso , der ein wenig feige erscheint und nicht besonders angriffslustig ist. Aber El Cordobés, dessen Ausstrahlung die obersten Ränge erreicht, meistert dieses Problem und lässt den toro gut aussehen. Sein torero ist spektakulär und für einige von uns ist die ähnlichkeit mit Manuel Benítez "El Cordobés" unverkennbar. Die Art, das Publikum von den Sitzen zu reißen, sein strahlendes Lächeln und auch seine Stil.... Er lässt nichts aus, zeigt sein ganzes Reportroire, auch den berühmten "salto de la rana", den Froschsprung, den als erster, Manuel Benitez "El Cordobés", der fünfte Calif von Córdoba, gezeigt hat. Auch wenn mir persönlich dieser "salto de la rana" nicht sooo gefällt, führt er ihn elegant aus und am Ende fordert das Publikum sehr energisch, das zweite Ohr. Aber auch diesmal hat der Präsident kein Einsehen. Oreja y basta!

Juan José Padilla
Nun kommt mein persönlicher Höhepunkt des festejos: Juan Jose Padilla, "El ciclon de Jerez", der Mann, der nun mit einer Augenklappe in der Arena steht. Der ein Beispiel für alle toreros ist , der von seinen Fans verehrt wird und den ich über eine Woche beim Training beobachten durfte. Seinen banderillero "Mambru", wie er, aus Sanlúcar , kenne ich persönlich. Somit ist es für mich etwas ganz Besonderes, die beiden live zu sehen. Ich will filmen, fotgrafieren und sehen, jeden Moment festhalten. El Pirata - sein neuer Spitzname, wegen der schwarzen Augenklappe, zeigt eine exelente Arbeit, mit der capa und der muleta. Den Stier empfängt er auf den Knien, die capa wirbelt in elegantem Schwung über ihm her, ich habe Gänsehaut. Mambru lenkt, mit der capa, den toro sanft in die Richtungen, die der maestro vorgibt. Als einziger matador setzt er sie banderillas selbst - das ist eine seiner Spezialitäten. Der Stier ist der Beste des "lotes de Zaldueno", einer ohne Fehl und Tadel, galoppiert gut, greift ordenlich an, folgt der muleta, für mich einer, der die vuelta al rueda verdient hätte. Leider hat Padilla wenig Glück mit der estocada, was ihn bestimmt ein Ohr gekostet hat. Am Ende bekommt er ein oreja - aber die Menschenmenge steht auf den Stühlen.

David Mora
Als Letzter, der matadores de toros, bekommen wir David Mora zu sehen. Einen torero, der in den letzten Jahren eine beständige Verbesserung zeigt. Elegant und templado ist seine faena, aber der Wind nimmt zu und er hat einen toro erwischt, der nicht ehrlich ist. Ich beobachte, wie der Stier, auch wenn er dem roten Tuch folgt, immerwieder den torero sucht und ansieht.... Und dann ist es passiert, nach einigen muletazos, bien redondo, geht der Stier dirkt auf Mora los und nimmt ihn auf die Hörner! Mit meiner Filmkamera halte ich drauf, auch wenn mir die Luft weg bleibt. Der maestro wirbelt durch die Luft, landet quasi auf dem Stier und dann bald unter ihm! Einer der Ersten, die den Stier von ihm weglocken ist Padilla. Aber es ist nichts passiert, Mora steht auf und macht weiter. Die Menge brüllt - "TORERO, TORERO"! Am Ende tötet er den Stier mit einer guten estocada und bekommt auch sein oreja

Nun ist es an dem jungen novillero von Córdoba - "Largatijo", sein Können unter Beweiss zu stellen. Er kämpft, ohne das der novillo von den picadores geprüft wurde, demendsprechend munter ist sein Exemplar. Auch hier wirbelt der Wind die capa und die muleta ordenlich auf, so das es für den "Lehrling" nicht einfach ist, den Stier in den Griff zu bekommen. Aber, mit wenigen Ausnahmen, wo seine muleta an den Hörnern des novillos hängen bleibt, meistert er seine Sache gut. Natürlich sieht man nun den Unterschied, maestros, die schon jahrelang im Geschäft sind und ein Newcomer... Trotzdem, er hat gezeigt, das er auf einem guten Weg ist - was fehlt sind mehr corridas, um Erfahrung zu sammeln. Seine estocada ist nicht so gut, er braucht 3 Anläufe, aber am Ende fällt auch dieser Stier. Das Publikum fordert auch hier wenigstens ein oreja - welches der dickköpfige Präsident verweigert.

Unsere Gruppe bewegt sich zum Ausgang, und prompt geraten wir in den Abmarsch der toreros. Padilla ist eingekeilt von Fans - es erinnert an Boxkämpfe, wo die Boxer von ihren Bodyguards abgeschirmt werden müssen... Ich finde mich vor dem Wagen von David Mora wieder, aus dem Fahrerfenster werden Autogrammkarten gereicht - ich bekomme auch eins, ohne es verlangt zu haben, klasse! Venturas Pferde sind schon lange auf dem Weg nach Hause, die Kleinbusse der toreros ziehen ab und als letztes folgt der Transporter mit den Pferden der picadores.

Por la suerte, der Hut liegt richtig rum
Wir treffen uns in einer Bar, direkt gegenüber, wo auch mein Freund Jose Luis, ein bekannter Fotograf taurino auf mich wartet. Bis zwei Uhr morgens, wird das Geschehen besprochen und dank meiner Filmerei, können wir nun eindeutig sehen, wie es passieren konnte, das David Mora auf die Hörner genommen wurde. Tatsächlich hat der Stier gar nicht mehr auf die muleta geschaut, sondern gezielt den matador gesucht. So bekommt das Wort SUERTE eine Bedeutung, welches in der spanischen Sprache auch für Glück und Schicksal steht.

Morgen geht es sehr früh zurück nach Sanlúcar, wo die verschobene novillada auf uns wartet - "si el tiempo lo permite" Wenn es das Wetter zulässt!

Montag, 11. März 2013

Maestro Bohemio



von Torodora Gorges 
und Philip de Málaga


Über die Extravaganz eines toreros
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Auch durch einen Beitrag "Morante de la Puebla - La bohemia" in der Frauenzeitschrift ELLE (September 2008) erregt er Aufsehen wegen der Modefotos, auf denen er in Kleidung von Gucci, Dolce de Gabbana, Burberry und anderen posiert, und das unübersehbar mit großem Spaß an der modischen Vielfalt und Eleganz. Ihm gefällt die Mischung aus klassischen und ultramodernen Elementen, das Extravagante. "Soy fan de Etro", sagt er den Journalisten. Die Fotos lassen durchaus auch die femininen, weichen Züge des torero - die bereits erwähnten Metro-Tendenzen - anklingen, an denen er sich erfreut: Morante bis zur Taille in den Fluten des schlammig-sandigen Guadalquivir, rotgemustertes Oberhemd, über sich einen kleinen japanischen Sonnenschirm haltend, ein Vergnügen! - Es passt hervorragend zum Bild dieses eigenartigen Menschen mit seiner ungewöhnlichen Vorstellungswelt, wenn man erfährt, dass es noch einen Beruf als Alternative für ihn hätte geben können: den des Gärtners! (*)

Der matador de toros Morante de la Puebla
(Foto: mundotoro)
Neben dem Gärtner gibt es eventuell noch eine weitere Variante. Denn am vergangenen Wochenende zeigte sich der matador de toros Morante de la Puebla als elegant gekleideter Fahrer einer Limousine.  Zur Hochzeit seines guten Freundes Ricardo mit Elisabeth schlüpfte er in die Rolle eines Chauffeurs. Eine herzliche Geste die gerne angenommen wurde. 




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Quellennachweis:
(*) Morante de la Puebla - Torero, Portrait eines spanischen Künstlers, Torodora Gorges, Frankfurt 2010
Books on Demand GmbH, Norderstedt, ISBN: 978-3-8391-5692-2

Sonntag, 10. März 2013

Es lebe Europa und der Stier!





SfA mit Torodora Gorges


Torodora Gorges ist die erste deutsche Schriftstellerin die eine Biografie über einen spanischen matador de toros geschrieben hat. Ihre afición spiegelt sich auch auf ihrer Internetseite wieder wo es ihr wunderbar gelingt die Literatur mit den toros zu verbinden.  Als Kenner der Szene berichtet sie als Expertin bei SfA von den toros. So hatte sie das Glück José Tomás in Nimes im September letzten Jahres zu sehen und hat hier exklusiv ihre Eindrücke und Emotionen geschildert. Und heute stellt sie sich den Fragen von SfA.

SfA: Was ist das Besondere an der afición a los toros? Was begeistert den Zuschauer an den toros?

Torodora Gorges: Mich fasziniert besonders die  ritualisierte Begegnung von Leben und Tod, von Eros und Tanatos. Die Ästhetik dieses archaischen Schauspiels hinterlässt einen überwältigenden Eindruck. Im Idealfall verschmelzen die Protagonisten, der  Stier und der torero,  zu einer liebevoll anmutenden tänzerischen Einheit, die,  wie im heidnischen Opferritual mit der Tötung des Stiers ihr Ende findet.

Die kathartische Wirkung einer leidenschaftlich und ernsthaft ausgeführten corrida de toros gleicht der einer griechischen Tragödie ebenso wie der einer dramatischen  Oper von Giuseppe Verdi oder Richard Wagner.

Der sterbende Stier geht den anwesenden Menschen zu Herzen: dem torero ebenso wie dem Zuschauer, der das Sterben der Kreatur mit Ahnungen im Hinblick auf seinen eigenen Tod begleitet.

Das Erleben einer gelungenen corrida de toros ermöglicht synästhetische Erfahrungen, die im Zuschauenden Musik zum Erklingen bringen  mit  ähnlich  todessehnsüchtiger Wucht, die zum Beispiel eine späte Sonate von Schubert im Zuhörer auszulösen vermag. José Bergamín sprach von "la música callada del toreo", der stummen,  im Inneren des Menschen aufsteigenden "Musik für die Augen der Seele und das Gehör des Herzens". - Eine gute faena wird traditionell von einem Pasodoble begleitet. In Las Ventas wird diese Tradition prinzipiell nicht befolgt. Gelegentlich empfinde ich die Musikbegleitung als störend. Bei Auftritten von José Tomás habe ich es zum Beispiel in Barcelona öfter erlebt, dass das Publikum die banda de musica aufforderte, auf die Musik zu verzichten.

SfA: Ab wann hast du dich als aficionada de toros gefühlt und ab wann hast du es gespürt?

Torodora Gorges: In meiner Stundentenzeit konnte ich einige gute Stierkämpfe in Spanien besuchen. Trotz meiner Tierliebe und meines Widerstands gegen das Töten - Albert Schweitzers Aufsatz  "Ehrfurcht vor dem Leben"  hatte ich von Kindheit an verinnerlicht - faszinierte mich die fiesta de toros von Anfang an. Meine ambivalenten Gefühle, die ich auch heute immer wieder erlebe,  hielten mich in diesen Jahren  nicht von wiederholten Besuchen der corrida ab. 

Über lange Zeit spielten dann die toros keine wichtige Rolle mehr in meinem Leben, meine Faszination ruhte. Ich reiste viele Jahre später erst wieder nach Spanien. Dann aber nutzte ich sofort die Gelegenheit, eine corrida de toros am Ostersonntag in Las Ventas zu besuchen. Es war keineswegs eine außerordentlich beeindruckende corrida an diesem Nachmittag. Aber in mir wurde der Wunsch ausgelöst, mich aufs Neue mit dem Phänomen der tauromaquia auseinanderzusetzen, mehr zu verstehen von ihren historischen Wurzeln, den kulturellen Zusammenhängen und dem technischen Ablauf der corrida de toros

Ich war mir bewusst, dass mich die afición erfasst hatte.

In einem Madrider Antiquariat mit Bildern und Büchern zur Tauromachie traf ich auf zwei ältere Herren, die mich lobten wie eine fleißige Schülerin: "Sie sind eine gute afionada de toros". Sie hatten als Kinder auf den Knien von Manolete sitzen dürfen, da ihre Eltern damals um die Ecke ein Restaurant führten, in dem die toreros gerne zum Mittagessen kamen. Seither ist mir klar: Ich bin eine aficionada.
Torodora Gorges und der matador de toros Morante de la Puebla
SfA: Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben? Nicht nur ein allgemeines Werk über die toros, sondern gleich die erste deutschsprachig geschriebene Biografie über einen spanischen matador detoros?

Torodora Gorges: Ich hatte angefangen, mir eine Bibliothek zuzulegen aus  Klassikern, die ins Deutsche übersetzt waren, wie Hemingway, Henry de Montherland, Blasco Ibánez. Es erschienen in den 90 er Jahren einige interessante neue Bücher zum Stierkampf auch in Deutschland. Ich nahm Spanisch-Unterricht, um auch Original-Literatur zu lesen. Ich wälzte den Cossío und andere Standardwerke, las Biografien  berühmter toreros. Viele spanische Dichter, die die Kunst der Tauromachie besangen, entdeckte ich.

Ich beschäftigte mich intensiv mit dem großen torero, Literaten und Mäzen Ignacio Sánchez Mejías, der 1934 an den Folgen einer Stierverletzung gestorben war. Federico García Lorca hat 1935 dessen Tod in der berühmten Elegie "Llanto por Ignacio Sánchez Mejías" beweint.
Ein eigenes Buch zu schreiben, daran dachte ich zunächst einmal nicht. Allerdings machte es mir Spaß, Eindrücke schriftlich festzuhalten, wie in einem Tagebuch. Die veröffentlichte ich auf meiner Homepage www.torodoro.de

Die toros, die fiesta de toros, sollte jenseits der spanischen  fiesta nacional  als eine Bereicherung Gesamteuropas verstanden werden können. Das sah ich als generelle Aussage meines Buches.

Natürlich verbrachte ich kürzere und längere Urlaube überwiegend in den Gegenden Spaniens, wo die Stiere ihre Feste hatten. So "entdeckte" ich im Jahr 1998 José Antonio Morante Camacho -
Morante de la Puebla! Sein Auftritt während einer Nachtcorrida in El Puerto de Santa María kam einer "Epiphanie" gleich. Das Auftreten des blutjungen knapp 19- jährigen Morante löste - wie ein Wunder - bisher nicht wahrgenommene Affekte und Emotionen im Publikum und auch bei mir aus. Er zeigte künstlerische Vollendung in  Leichtigkeit, Natürlichkeit, Aufgehobensein in der Symbiose mit dem Stier.  Der Körper in seiner "Erdenschwere" war vergessen! Es schien mir ein einmaliges Erlebnis zu sein. - Ich war dem "duende" begegnet, der in dieser Augustnacht Morante geleitet hatte. Die Gelegenheiten, in der Gestalt Morantes dem duende zu begegnen, sind selten und umso beglückender.

Es  motivierte mich, ihn als Protagonisten meines Buches zu wählen. Er verkörpert die Kunst der Tauromachie und deren kulturelle Botschaft auf ganz besondere Weise.

SfA: Was ist für Morantistas das Beeindruckende an Morante de la Puebla? Immerhin ist er eine recht launische Erscheinung und seine gelegentliche Lustlosigkeit ist doch eher eine Unverschämtheit dem zahlenden Publikum gegenüber?

Torodora Gorges: Es gibt keine Garantie dafür, Morante mit Regelmäßigkeit auf der Höhe seiner Kunst  anzutreffen. Er lässt sich gewiss von Stimmungen beeinflussen, ist sehr sensibel, lässt sich von seinen Launen vielleicht mehr beeinflussen als andere Personen. Er war eine Zeitlang  an der Ausübung seines Berufs, der für ihn Berufung ist, gehindert. Depressionen schränkten ihn ein.

Nicht alles lässt sich für Geld kaufen. Die Morantistas nehmen Morantes Antagonismen "in Kauf". Ich zahle den Preis für ein Kunstwerk, das flüchtig und unvollkommen sein kann, lediglich einige Momente des erhofften großen Genusses vermittelt. Eine faena ist "a work in process", dieses Kunstwerk ist nicht allein vom Künstler abhängig. Morante scheut das Laue, die Mittelmäßigkeit. Das mutet er dem toro nicht zu. Er verkürzt die faena auf das Notwendige.  Morante nimmt die bronca  des Publikums in der Regel gelassen und respektvoll in Kauf.

Andere toreros zeigen andere Strategien. Sie haben das Ziel, beinahe jeden Stier zu "erziehen", sie setzen ihr Können und ihre Energie ein, um einen "schlechten", ungeeigneten Stier zu "erziehen", sie wollen das Publikum mit ihrer Leistung zufriedenstellen, das ihnen mit Respekt und Anerkennung dankt.  Auch ich respektiere sie und danke ihnen mit Beifall.  Aber sie  begeistern und faszinieren mich nicht annähernd so wie Morante de la Puebla, auch wenn mit seinem duende  nicht regelmäßig gerechnet werden kann.

Dos verónicas  y una media  von Morante mit der capa  ausgeführt, bleiben unauslöschlich in der Erinnerung.
Torodora Gorges präsentiert in Sevilla ihr Buch
SfA: José Tomás oder Morante? Für wen würdest Du Dich entscheiden?

Torodora Gorges: Ich konnte José Tomás an vielen Nachmittagen sehen, solche mit höchster Dramatik und großer Angst um ihn, die meisten triumphal. Ich sah ihn im vergangenen September in Nimes, an einem Sonntag-Vormittag. Allen bleibt dieses große Ereignis, das überirdische, mystische  Dimensionen hatte,  unvergessen. Die Kunst der Tauromachie in ihrer höchsten, sublimsten Vollendung!
 
Eindeutig aber ist meine Entscheidung für José Antonio Morante de la Puebla mit seinen irdischen Schwächen und dem Geheimnis seines DUENDE

SfA: Was denkst Du von antitaurinos?

Torodora Gorges: Ich will niemanden von meiner afición überzeugen. Ich suche keine Konfrontation mit antitaurinos. Die politisch korrekte Verbohrtheit gefällt mir nicht. Ich erlebe die Gegner der corrida de toros als sehr unzugänglich und sehr aggressiv in ihrem "Gutmenschentum". Ich fürchte, sie sähen am Ende lieber den torero als den Stier zu Tode kommen.

SfA: Wie siehst Du die Zukunft der tauromaquia?

Torodora Gorges: Die Spanier bzw. die aficionados der Stiere schienen die Bedrohung ihrer fiesta de toros, ihrer fiesta nacional zunächst nicht so richtig ernst genommen zu haben. Als Deutsche, also als fremde aficionada, wunderte ich mich darüber. Ich hättte gerne mehr "Kampfbereitschaft" bei den spanischen aficionados gesehen. Ihr wunderbares Kulturgut war in Gefahr geraten. Beinahe in letzter Minute sind politische Maßnahmen getroffen worden, die toros vor dem Untergehen zu retten. Die fiesta de toros wird zum Patrimonio Cultural Inmaterial. Damit ist ihrem Verbot ein Riegel vorgeschoben. In Frankreich hat man bezüglich der Rettung sogar schneller reagiert.

Für mich ist Europa ohne den Stier nicht denkbar. Que viva Europa y el toro!

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Apotheose von Torodora Gorges
Ihre Internetseite: torodoro
Ihr Buch: Morante de la Puebla, Portrait eines spanischen Künstlers