von Colin Ernst
Ronda in Ekstase - Morante de la Puebla überzeugt
_________________________________________________________________
 |
| (Foto: mundotoro) |
Wie soll man über eine
corrida berichten, von der selbst der anwesende Zuschauer nicht mehr weiß, was er gesehen hat …
Morante de la Puebla hat alle verzaubert! Ließ keine Wünsche offen – pure Kunst, gepaart mit der Perfektion die nur er zu zeigen weiss. Hinreißend mit der
capa, mitreißend mit der
muleta und überraschend mit den
banderillas –
el duende, der
maestro Morante eben.
Das Ambiente in
Ronda war schon spektakulär, es schien, als wäre die ganze Welt auf den Beinen um den Boheme aus
Sevilla zu sehen. Die historische
plaza voll bis unters Dach, auch ich hätte mein letztes Hemd gegeben, um dabei zu sein.
Der erste
toro aus der
ganadería Juan Pedro Domecq, war enttäuschend.
Flojo und kraftlos.
De la Puebla wollte sich mit ihm nicht den
tarde verderben und griff recht schnell zum Degen. Wie soll auch ein Künstler ein Konzert in der Royal Opera, mit dem Klimperkasten, der bei mir im Wohnzimmer steht triumphieren – gebührt ihm doch ein Steinway Flügel. So ist eben
Morante, wenn der
toro seinen Ansprüchen nicht genügt, lässt er es nicht zu, das das Publikum beleidigt wird, oder der Stier ein erbärmliches Bild abgibt.
 |
| (Foto: mundotoro) |
Der dritte der
Domecq`s war
noble was den
maestro animierte. Sanftes Führen der
muleta, beinahe lässig, elegant, mit lockerem Handgelenken das rote Tuch dirigierend vor den Augen und Hörnern des
toros. Ein
remate in drei
naturales,
impresionante. Wunderschön!
 |
| (Foto: mundotoro) |
Auch diesen, sehr würdigen Vertreter der
ganadería J. P. Domecq, tötete er mit einer
estocada corta. Es war mehr als ersichtlich, wie dem
torero aus
Sevilla dieser Stier zusagte.
Toreo al gusto, disfrutando, dem
torero gefiel seine Arbeit und er hat es genossen.
Dos orejas das ersehnte Resultat, welches dem
maestro endlich die
puerta grande in
Ronda öffnen sollte. (In seiner Laufbahn ist es
Morante noch nie gelungen die
puerta grande in
Ronda zu öffnen)
Toro Nummer Vier, Name “
Fabuloso“ war nichts für den intensiven Stil des
maestro. Etwas schwach und nie nach vorne gehend,
parado, ohne jegliche Intension, bereitete
Morante ihm ein schnelles Ende, mit einer guten
estocada.
 |
| (Foto: mundotoro) |
Aus der
ganadería Parladé, kam der vorletzte
toro, welcher sich nicht recht mit der
capa anfreunden konnte, der aufkommende Wind tat sein Übriges dazu. Insgesamt gaben die Beiden kein harmonisches Paar ab. Es gab zwei
avisos, denn es dauerte lange, bis
Morante den Stier richtig platziert hatte. Das Publikum hatte auch mehr erwartet, keine Trophäe für den
maestro.
Nun musste der sechste
de la tarde es richten und zum letzten Mal raffte sich
de la Puebla auf, sein Publikum in Trance zu versetzen. Empfing den Stier mit
larga de rodillas, gebeugtem Knie, wunderschöne
veronicas, die
capa wie Schmetterlingsflügel im Wind. Zu aller Überraschung griff der
maestro selbst zu den
banderillas.
 |
| (Foto: mundotoro) |
Puro y duro, pur und hart, sein Auftritt. Wann bekommt man das schon mal zu sehen,
Morante mit
banderillas noch dazu perfekt ausgeführt und gut platziert. Aber auch ein Künstler und Boheme kann zeigen, das ihm kein Risiko zu hoch ist und das er Humor hat. Dies bewies er mit dem dritten Paar
banderillas. Lies sich einen Stuhl über die
barrera reichen, und bleistiftlange
banderillas. Machte es sich auf dem Stühlchen bequem, übrigens schon seit dem ersten
toro ohne
zapatillas, mit lässig übergeschlagenen Beinen. So saß er da, in seinem schicken, taubenblau-schwarzen
Goyesca Anzug, und erwartete den
toro in aller Seelenruhe. Sein
banderillero lenkte diesen in seine Richtung und
Morante wartete bis zum vorletzten Moment. Als der
toro zum Angriff ansetzte erhob sich
Morante machte einen Schritt nach rechts, um die
toro am Stuhl vorbei zu führen. Doch dieser peilte weiterhin den Stuhl an,
Morante bewegte sich zurück, setzte die
banderillas und wich nach links aus. Der
toro galoppierte weite und zerstörte den Stuhl. Großes Kino! Schallender
Olés aus den Rängen. Pure Begeisterung. Leider schwächelte auch dieser
toro von
Domecq bei der Arbeit mit der
muleta und die
estocada des
maestro war schlecht. Also kein
oreja.
Eigentlich war die
corrida goyesca beendet, doch das Publikum dachte gar nicht daran die
plaza zu verlassen und erhofften einen weiteren Stier, ein
sobrero. Doch diesem Wunsch wurde nicht nachgegeben. Und so kam es, dass der maestro in das Privileg der
puerta grande kam.
 |
| (Foto: mundotoro) |
Aber eigentlich keine
puerta grande, denn das
reglamento taurino aus
Andalucía, verlangt vier Trophäen bei einer
corrida mit
6toros6 und
espada unico. Ich denke, das Publikum hätte sich zerrissen um
Morante de la Puebla nach dieser
corrida auf den Schultern durch die
puerta grande zu geleiten. Diese Geste dürfte ein symbolisches
oreja des Publikums gewesen sein, dankbar für diesen unvergesslichen Nachmittag.