Zunächst ist natürlich die Verlagerung vom „Sport für die Herrschaften“ zur offiziellen Veranstaltung zu verzeichnen. Vom
toreo zu Pferde, ging es zum
toreo “
a pie“, zu Fuß. Dann erfolgte die Reglementierung, Man gab der
corrida eine klare Gliederung und Regeln, der
peto für die Pferde war einer der neusten Fortschritte. Schaut man sich alte Gemälde an, kommt man nicht umhin, sich auch mit der Bekleidung der Akteure zu befassen. Im Wandel der Zeit, der finanziellen Möglichkeiten, der technischen Neuerungen, die in den Jahrhunderten stattfand, lässt sich ein gewisser modischer Einfluss, gemäß der Zeiten nicht verleugnen. Zwischenzeitlich wurden der modischen Entfaltung von den
plazas sogar Riegel vorgeschoben, in
Sevilla durfte man zeitweise nur mit einem strohfarbenen Kostüm auftreten. Die
trajes de luces, sind auch heute noch Handarbeit, aber im Laufe der Jahre haben sich die Stoffe, die Steinchen, Perlen, Plättchen und Kordeln im Material gewandelt. Waren die Jacken früher, ähnlich wie man es heute von den
corridas goyescas kennt, geschnitten, lang tailliert, sind die späteren
jaquetillas kurz, bis zur untersten Rippe.
Auch die Tradition, eine
montera zu tragen entwickelte sich später. Früher wurden Haarnetze getragen, die auch den traditionellen Zopf (
coleta) der
toreros, optisch ersetzten.
Fransisco Montes, „
Paquiro“ (
Chiclana de Frontera, 1805 -1850) führte als erster die
montera ein und fügte der
trajes de luces auch einige neue Details zu. Sie hatte zu Anfang, wie auf Bildern zu sehen, eine etwas andere Form, als die heutigen. Auch ihr Gebrauch ist seit dieser Zeit vorgeschrieben. Im
paseillo nimmt ein Debütant der
plaza die
montera ab, der schon mal dort aufgetretene
torero behält sie auf. Die
montera behält man im
tercio de varas und beim Setzen der
banderillas auf.
Vor dem dritten
tercio grüßt der
torero, die
montera zum Präsidenten zeigend und somit um Erlaubnis für den Beginn des letzten
tercios. Er kann dann auch jemanden im Publikum grüssen und ihm den Stier widmen kann (
brindis). Dann wirft der
torero diesem die Kopfbedeckung zu.
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| Morante de la Puebla widmet den toro dem matador Fran Rivera Ordoñez |
Grüßt er das Publikum, so geschieht dieses von der Mitte des
ruedos aus und er wirft die
montera über die Schulter in den Sand. Es heisst, das es Glück bringt, wenn sie mit der offenen Seite, im Sand landet. Publikum wie
torero sind da oft etwas abergläubisch. Landet der Hut mit „
boca arriba“, also zum Himmel hin offen, kann man hören wie ein erschreckter Laut von den
tendidos kommt. Viele
toreros haben Bilder von Heiligen im Inneren ihrer
montera am Rand angebracht, fast alle sind sehr gläubig.
Früher, wie auch heute fertigte man die Kopfbedeckung per Hand an. Sie ist, von vorne gesehen 30 Zentimeter lang, 20 Zentimeter breit, 12 Zentimeter hoch und wiegt 500 Gramm. Der
torero lässt sie in einer speziellen Hutschachtel transportierten. Die
montera ist weich, nicht wie ein Helm, als Schutz gedacht, sondern eher als ein
sombrero, also ein Hut, der zu dieser
trajes de luces gehört. Ich hoffe einmal eine
sastrería, eine Schneiderei besuchen zu können, um noch mehr über die Kultur der
trajes zu erfahren. Aber eines weiss ich, diese Tracht wiegt einiges und in den Sommermonaten, bei 40 Grad, ist es wie eine Sauna. Aber auch dies nehmen die
toreros in Kauf, im Gedenken an ihre Traditionen, Respekt vor den
aficionados, denen sie den Tribut zollen.