Sonntag, 16. Februar 2014

Wieder Stierkämpfe im mexikanischen Free-TV




von Philip de Málaga


Nach 14 Jahren Abstinenz wieder Stierkampf für alle in México
Auch in Europa via Internet oder Satellit zu sehen
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Die letzte corrida im freien mexikanischen Fernsehen gab es am 15. Januar 2000. Dort verabschiedete sich der mexikanische matador de toros David Silveti für eine Zeit lang von den corridas. Von da an war es nur noch einem zahlendem Publikum vorenthalten die festejos taurinos im Pay-Tv zu verfolgen.


Es sollte weit über 5.000 Tage dauern, bis nun endlich wieder heute an diesem Sonntag eine corrida im mittlerweile privaten Fernsehsender Azteca TV um 14:30 Uhr Ortszeit zeitversetzt zu sehen sein wird. In Europa hat man die Möglichkeit diese corrida ebenfalls um 21:30 Uhr via Proyecto 40 (http://www.proyecto40.com) oder über Satellit anzuschauen.


Antreten werden die matadores de toros El Juli, Joselito Adame und der rejoneador Alejandro Zendejas. Die toros kommen von der ganadería Fernando de la Mora. Kommentiert wird diese Übertragung von den beiden Starmoderatoren Juan Antonio Hernández und Luis Niño de Rivera, welche auch durch das populäre Magazin México Bravo führen.

Samstag, 15. Februar 2014

Picasso in Zaragoza




von Philip de Málaga


In Zaragoza gibt es 79 Werke von Pablo Picasso zum Thema toros zu sehen
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Die überdachte plaza de toros von Zaragoza bietet Platz für 11.200 Zuschauer.
Im Oktober eines jeden Jahres findet dort eine der letzten grossen ferias taurinas statt.
Zum Anlass des 250-jährigen Bestehens der plaza de toros der nordspanischen Stadt Zaragoza (Aragon), La Misercordia, werden verschiedene Kunstwerke von Pablo Picasso  gezeigt. Zu sehen sind neben einigen Keramikgefässen und illustrierten Büchern vor allem seine Stiche der Serien "La Tauromaquia o Arte de Torear de Pepe Hillo" sowie "La Tauromaquia".


Pablo Picasso begegnete schon in seinen jungen Jahren der mundo de los toros. Sein Vater nahm ihn zeitig mit in die Malagueta um sich corridas anzuschauen. Fasziniert von der Begegnung mit den toros, von dem was er dort geboten bekam zeichnete er schon mit nur acht Jahren sein erstes taurinisches Kunstwerk: El zurdo.

Vom Kreistag in Zaragoza organisiert, ist die Ausstellung Arte y Arena mit ihren 79 Werken des Künstlers aus Málaga bis zum 4. Mai 2014 im Palacio de Sástago zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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Siehe auch:
Der kleine Picasso und die Stiere, SfA-Reportage vom 17. April 2013
Die Stier in Picassos Lebenswerk, SfA-Reportage vom 18. April 2013
Der Stier im Mittelpunkt der internationalen Kunstszene, SfA-TAURONEWS vom 8. Juni 2013
Der Inbegriff der Tauromachie, SfA-TAURONEWS vom 11. November 2013

Freitag, 14. Februar 2014

La Montera

Über die Kopfbedeckung der toreros
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von Colin Ernst
(Fotos: La Tauromaquia, mundotoro)


Vor einiger Zeit las ich in einem Interview mit Jose Maria Manzanares, das er das toreo revolutionieren will. Dies brachte mich dazu, einmal nachzuforschen, welche grossen Veränderungen es überhaupt in der Geschichte der tauromaquia gab. 

Zunächst ist natürlich die Verlagerung vom „Sport für die Herrschaften“ zur offiziellen Veranstaltung zu verzeichnen. Vom toreo zu Pferde, ging es zum toreo “a pie“, zu Fuß. Dann erfolgte die Reglementierung, Man gab der corrida eine klare Gliederung und Regeln, der peto für die Pferde war einer der neusten Fortschritte. Schaut man sich alte Gemälde an, kommt man nicht umhin, sich auch mit der Bekleidung der Akteure zu befassen. Im Wandel der Zeit, der finanziellen Möglichkeiten, der technischen Neuerungen, die in den Jahrhunderten stattfand, lässt sich ein gewisser modischer Einfluss, gemäß der Zeiten nicht verleugnen. Zwischenzeitlich wurden der modischen Entfaltung von den plazas sogar Riegel vorgeschoben, in Sevilla durfte man zeitweise nur mit einem strohfarbenen Kostüm auftreten. Die trajes de luces, sind auch heute noch Handarbeit, aber im Laufe der Jahre haben sich die Stoffe, die Steinchen, Perlen, Plättchen und Kordeln im Material gewandelt. Waren die Jacken früher, ähnlich wie man es heute von den corridas goyescas kennt, geschnitten, lang tailliert, sind die späteren jaquetillas kurz, bis zur untersten Rippe.

Auch die Tradition, eine montera zu tragen entwickelte sich später. Früher wurden Haarnetze getragen, die auch den traditionellen Zopf (coleta) der toreros, optisch ersetzten. Fransisco Montes, „Paquiro“ ( Chiclana de Frontera, 1805 -1850) führte als erster die montera ein und fügte der trajes de luces auch einige neue Details zu. Sie hatte zu Anfang, wie auf Bildern zu sehen, eine etwas andere Form, als die heutigen. Auch ihr Gebrauch ist seit dieser Zeit vorgeschrieben. Im paseillo nimmt ein Debütant der plaza die montera ab, der schon mal dort aufgetretene torero behält sie auf. Die montera behält man im tercio de varas und beim Setzen der banderillas auf.

Vor dem dritten tercio grüßt der torero, die montera zum Präsidenten zeigend und somit um Erlaubnis für den Beginn des letzten tercios. Er kann dann auch jemanden im Publikum grüssen und ihm den Stier widmen kann (brindis). Dann wirft der torero diesem die Kopfbedeckung zu.

Morante de la Puebla widmet den toro dem matador Fran Rivera Ordoñez

Grüßt er das Publikum, so geschieht dieses von der Mitte des ruedos aus und er wirft die montera über die Schulter in den Sand. Es heisst, das es Glück bringt, wenn sie mit der offenen Seite, im Sand landet. Publikum wie torero sind da oft etwas abergläubisch. Landet der Hut mit „boca arriba“, also zum Himmel hin offen, kann man hören wie ein erschreckter Laut von den tendidos kommt. Viele toreros haben Bilder von Heiligen im Inneren ihrer montera am Rand angebracht, fast alle sind sehr gläubig.

Früher, wie auch heute fertigte man die Kopfbedeckung per Hand an. Sie ist, von vorne gesehen 30 Zentimeter lang, 20 Zentimeter breit, 12 Zentimeter hoch und wiegt 500 Gramm. Der torero lässt sie in einer speziellen Hutschachtel transportierten. Die montera ist weich, nicht wie ein Helm, als Schutz gedacht, sondern eher als ein sombrero, also ein Hut, der zu dieser trajes de luces gehört. Ich hoffe einmal eine sastrería, eine Schneiderei besuchen zu können, um noch mehr über die Kultur der trajes zu erfahren. Aber eines weiss ich, diese Tracht wiegt einiges und in den Sommermonaten, bei 40 Grad, ist es wie eine Sauna. Aber auch dies nehmen die toreros in Kauf, im Gedenken an ihre Traditionen, Respekt vor den aficionados, denen sie den Tribut zollen.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Ein grosses Privileg





mit Morante de la Puebla


Ohne Frage gehört Morante zu den gegenwärtigen ganz grossen figuras. Am Sonntag den 15. Juni diesen Jahres tritt er zusammen mit einer der grossen figuras der vergangenen Jahre an. Mit dem maestro aus Madrid, José Miguel Arroyo "Joselito" welcher nach zehn Jahren Abwesenheit wieder die Bühne der tauromaquia im französischem ruedo von Istres betritt. Für den matador de toros Morante de la Puebla ist es ein besonderes Ereignis an dieser reaparición ebenfalls teilnehmen zu können. So erzählte er gestern dem Portal mundotoro:

Morante de la Puebla
"Für mich ist es ein Privileg zusammen mit dieser grossen figura das cartel seiner reaparición zu teilen. Für das toreo ist diese reaparición ein grosses Glück, zwar scheint es eher nur flüchtig, aber wir wissen noch nicht wo es hinführen kann. Aber den maestro wieder von neuem im traje de luces zu sehen bereitet vielen auch eine gewisse Unruhe, vor allem in finanziellen Aspekten. Und so glaube ich aufrichtig, dass gerade in jener Zeit in der wir leben, ist es für alle welche die toros ein Vergnügen bereiten, eine sehr positive Nachricht, denn nicht immer betritt eine klassische Figur wie er erneut die Bühne, mit einem Ruf den er schon immer hatte."

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Siehe auch:
Joselito in Istres, SfA-TAURONEWS von Colin Ernst vom 1. Februar 2014
Joselito betritt wieder die Bühne, SfA-Reportage von Philip de Málaga vom 1. Februar 2014

Dienstag, 11. Februar 2014

Was aber ist die Wahrheit des Stierkampfs?




von Paul Ingendaay

Geboren 1961 in Köln lebt der Schriftsteller seit 1998 als Kulturkorrespondent in der spanischen Hauptstadt Madrid. Auffallend sein Einfühlungsvermögen für die spanische Lebens- und Sichtweise, wobei er sich auch dem Thema der toros stellt. In kaum einem deutschsprachigen Medium wird dermassen neutral und auch sachkundig über die mundo de los toros berichtet, die Informationen kommen meisten von erster Hand, wie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Dank Paul Ingendaay.

"Als ich zum ersten Mal in der Arena sass, 
fragte ich mich keine Sekunde, ob es wohl gruselig werde; 
das also schien die Wahrheit nicht zu sein. 
Eher freute ich mich an der Atmosphäre, 
der Farbe des Sandes, den Details, 
die man viel genauer sieht als am Fernsehbildschirm, 
dem körperlich spürbaren Risiko, 
das die Matadore eingehen 
und das sie mit ihren Fähigkeiten 
und ihrer Reaktionsschnelligkeit 
berechenbar zu machen suchen.

Ich empfinde instinktive Achtung 
vor dem Schachspiel und dem Stierkampf."

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Quellennachweis:


Paul Ingendaay, Gebrauchsanweisung für Spanien
Piper Verlag GmbH, München, 2002

Montag, 10. Februar 2014

La suerte de Tancredo


von Philip de Málaga

Colin Ernst hat über diese suerte in ihrer Reportage "Mestelrich und die Route des Todes berichtet". Was sich mit diesem Manöver verbindet, welches gelegentlich mal verboten worden ist, SfA hat ein wenig recherchiert.
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Don Tancredo
Tancredo López Martín wurde am 29. Juni 1862 im Vorort Grao von Valencia geboren. Sein erstes Handwerk welches er erlernte war der eines Schusters. Doch die Arbeit füllte ihn  nicht aus und er beschloss Mauerer zu werden. Auch hier erfüllte das Übereinanderlegen von Backsteinen nicht unbedingt seine tiefsten Sehnsüchte. Und so wendete er sich einer völlig neuen Welt zu, der arte del toreo. Dort versuchte er sich vorerst als banderillero ohne sich gerade mit Ruhm zu bekleckern. Auf kleinsten improvisierten plazas in unbedeutenden Gegenden übte er sich mit vaquillas. Und mit der zeit gelang es ihm seinen Mut unter beweis zu stellen und seine Gelassenheit deutete an, dass er sehr wohl einiges erreichen könnte.

Doch mit den toros wollte es in Spanien nicht so richtig gelingen. So ging er nach Amerika, wo er unter anderem in Kuba antrat. Dort lernte er den mexikanischen torero José María Vázquez "Orizabeño" kennen, dem eigentlichen Erfinder der suerte de Tancredo. Zu jener Zeit hiess dieses Manöver noch suerte de cajón. Der torero aus Valencia war begeistert und gab nicht auf diese zu kopieren, obwohl Orizabeño bei einem toro mit gleich drei cornadas holte ums Leben kam.

Tancredo arbeitete hart an sich. An Disziplin, Mut und Ausdauer. Und so kleidete er sich in einem hellen Anzug und postierte sich in der Mitte des ruedos auf einen halben Meter hohen weissen Kasten und verschloss seine Arme um den matador de toros Pepe Hillo (1754 - 1801) zu imitieren. Die banderilleros wurden angewiesen das ruedo zu verlassen und sich bewegungslos im callejón aufzuhalten. Auch das Publikum wurde gebeten sich in silencio zu hüllen. Man konnte eine Stecknadel fallen hören.

Das toril ging auf, der toro preschte heraus, galoppierte diagonal durchs ruedo, knapp vorbei an Tancredo der auf seinem Sockel wie ein Denkmal verweilte. Immer wieder umrundete das res die menschliche Säule, ohne sie anzugreifen, doch stets ziemlich nah an ihm vorbei, was ein leichtes Raunen dem Publikum entlockte. Obwohl der toro gelegentlich andeutete, den lebenden wie unbeweglichen Sockel anzugreifen liess er in letzter Sekunde davon ab. Atemlos folgten die Zuschauer dem Spektakel. Nach einer gewissen Zeit zog sich Tancredo zurück und das Tier wurde der Arbeit der cuadrilla mit ihrem matador überlassen.

Die suerte de Tancredo
Ein neues Manöver wurde geschaffen und der maestro erhielt seinen Namen: Rey del Valor, der König des Mutes. Am 19. November 1899 trat er wieder in Spanien an, in Valencia. Mit den toros der ganadería Flores gelang es ihm auch hier zu triumphieren. Einen Monat später, am 30. Dezember 1899 überzeugt er das Publikum in Madrid. Von da hielt ihn nichts mehr aufhalten und alle grossen plaza de toros wie Zaragoza, Barcelona, Sevilla oder Málaga nahmen ihn unter Vertrag.

Bewegungslos auf dem Podest, das Geheimnis einer suerte de Tancredo
Seine erste cogida hatte Tancredo kurioserweise nicht einmal im ruedo, sondern in den corrales, wo er sich den toros mit einer weissen muleta blanca stellte. Aber ausser durch die Luft gewirbelt blieb er unverletzt.

Auch wenn er den toro nicht sieht, muss er bewegungslos verharren.
Weil Tancredo so erfolgreich war, versuchten ihn zahlreiche toreros zu imitieren, mit dem Ergebnis, dass sie fast alle in der enfermería landeten. Es fehlte einfach an dem Mut der Unbeweglichkeit. So wurde die suerte de Tancredo von der Regierung unter Juan de la Cierva 1908 verboten. Zwar wurde dieses Verbot nach einer gewissen Zeit wieder aufgehoben, doch jene suerte erlangte nie wieder die Popularität wie jenes eines Tancredos.

Obwohl auch spanische Philosophen wie José Ortega y Gasset ihm gedachten, Tancredo López Martín starb einsam und vergessen 1923 in einem Hospital in Valencia. Nach seinem Tod versuchten sich noch andere an seiner suerte, vor allem jene erfolglosen toreros welche auf der Suche des Triumphes waren, wie El Cojo Bonifa, Manuel Álvarez, El Arrongatito, El Fideísta und andere. Aber auch Frauen führten die suerte de Tancredo vor, unter anderem seine Ehefrau María Alcaraz welche unter dem Namen Doña Tancreda als Königen des Mutes antrat. 

LINKS: Don Tancredo mit Doña Tancreda, RECHTS: Doña Tancreda

Sonntag, 9. Februar 2014

Mestelrich und die Route des Todes

Ein Fahrrad, ein Seil . . . und ein Stier
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von Colin Ernst 


Eine der verrücktesten Geschichten, die ich je im Zusammenhang mit der Welt der Stiere zu hören bekam, nahm ihren Anfang in Mallorca. Ein junger Mann, Träumer, Abenteurer, Sportler und Perfektionist, hatte Jahre an seiner Idee gearbeitet, die ihn in aller Welt berühmt machen sollte. Miguel Estelrich Perelló, geboren in Santa Margarita, auf Mallorca, war Akrobat, Artist mit dem Fahrrad. In den schwierigen Nachkriegsjahren, suchten viele Menschen ihr Glück im Wagemut. Die einen stellten sich den Stieren gegenüber, Estelrich arbeitete an einem Hochseilakt, ohne Sicherung. Vier lange Jahre tüftelte er an der Möglichkeit, eine plaza de toros, von Turm zu Turm, auf einem Seil, mit dem Fahrrad zu überqueren. Die Idee kam wohl nicht von Ungefähr, denn sein Freund Eduardo Pages war Manager der plaza de toros von Palma de Mallorca. Miguels lebensgefährlicher Akt, "Ruta de la muerte" (Todesweg), den er unter dem Künstlernamen "Mestelrich", war zu damaligen Zeiten, im Jahr 1947 etwas Sensationelles, nie da gewesenes. 

Über das ruedo einer plaza de toros
Einmal liess er ein kleines Trapez in der plaza aufbauen. Dort verharrte er, auf seinem Fahrrad sitzend, während der Stier in der Arena war. Der toro griff ihn nicht an, denn ein toro reagiert nicht auf unbewegliche Gegenstände. Natürlich gab es Schwierigkeiten, von den Verantwortlichen die Genehmigungen zu solch gewagten Schauspielen zu bekommen, aber er bekam sie. Diese Nummer nannte man "Suerte del Don Tancredo", etwas ganz Neues. Der Artist auf dem Trapez, während der Stier um ihn herum sauste. Miguel bekam daraufhin viele Angebote, unter anderem zu einem Musical taurino, in allen plazas Spaniens. Allerdings lernte er auch, das einige Stiere die Unbeweglichkeit nicht respektierten und wurde, ohne Konsequenzen auch schon mal auf die Hörner genommen. Aber schnell entwickelte "Mestelrich" neue Ideen, was man mit Stier und Fahrrad alles anfangen kann. Rejoneo zu Rade, war eine davon, welche allerdings mit einem Desaster endete. Statt den rejón zu setzen, musste er auf dem Rad flüchten, was er allerdings sehr geschickt machte, bis die cuadrilla den quite ausführte. 

La Suerte de Don Tancredo
Der empresario Pages, der sah mit welch wagemutigem Jungen er es zu tun hatte, gab ihm die Chance, den Hochseilakt in der plaza von Palma de Mallorca durch zu führen. Das Debüt, eine plaza in der Luft zu überqueren, während unten ein toro auf ihn wartete, fand am 16.August 1947 in der überfüllten plaza de toros von Palma statt. Nun ging es steil bergauf. Es wurde gefilmt, Mestelrich hatte Verträge mit führenden plazas in Spanien und Portugal. Später führte ihn sein Traum, etwas Unvergleichliches zu tun, um die ganze Welt: Frankreich, Deutschland, Schweiz, England, Venezuela, Colombia, Peru, Panama, USA, Ägypten, Syrien. Insgesamt 54 Länder hat der Hochseilkünstler und beinahe torero mit seinem Schauspiel bereist, zu damaligen Zeiten mehr als ein Rekord!

Hier ein Video, welches in der ersten Minute Mestelrichs Auftritt in Palma de Mallorca zeigt:


Samstag, 8. Februar 2014

Über den Osborne der kein Stier sein darf

Er ist wohl der bekannteste toro in Spanien
und gehört trotzdem nicht zur mundo de los toros

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von Philip de Málaga

Von weitem kann man ihn schon erkennen. Da steht er oben auf den Hügeln der hispanischen Halbinsel, bewegungslos schaut einen an, und jeder der ihn sieht denkt sich, ja, das ist Spanien, dass ist sein Markenzeichen. Der toro bravo. Jener toro der speziell für die corridas, für die festejos taurinos, im englischen Sprachgebrauch nennen sie es bullfight, wir Deutschen haben daraus den Stierkampf abgeleitet, aufwendig auf den über 1.100 ganderías gezüchtet wird. 

Egal zu welcher Jahreszeit, er ist immer zu sehen. (Foto: mundotoro)
Eine besseres Werbeemblem kann es kaum geben. Es sich mittlerweile auch auf spanischen Flaggen und anderen touristischen Artikel wieder. Einen Schönheitsfehler hat die Angelegenheit doch.

Damals im Jahr 1956 gelang es der Werbeagentur Sahuquillo für den bekannten Getränkehersteller aus El Puerto de Santamaría (Andalusien) ein Werbesymbol zu entwerfen, welches man heute weltweit mit dem Namen Osborne verbindet. Den Toro de Osborne. Und so trat der toro bravo aus Andalusien eine marketingtechnische Weltreise an. Denn fast alle Produkte von Osborne wurden mit diesem neuen Logo des spanischen Stieres versehen.

Bei so einer genialen Marketingidee ist es doch naheliegend, mit diesem so einprägsamen Symbol auch für andere Produkte zu werben. Und sie gingen weiter, denn mit einem solchen erfolgreichen Logo könnte man doch auch für andere Produkte werben. Gesagt getan, der erste eigene Shop mit Souvenirs, Getränken, sogar Kleidungen und Schmuck öffnete in El Puerto de Santa María. Es folgten Madrid, Salamanca, Burgos, Málaga, Valencia und Toledo. Mittlerweile wird es als Franchise angeboten. Und den Touristen scheint es zu gefallen, denn was verbindet schon Spanien mehr als der toro. 

Obwohl die Grupo Osborne mit dem toro bravo als Emblem eine Menge Geld verdient und den toro so auch in die Welt hinausträgt, ist der Sektor ganadero eher unzufrieden mit dem südandalusischen Unternehmen. Denn dieser erfolgreichen Marke scheint es offenbar am notwendigen Interesse für die mundo de los toros zu fehlen. Immerhin stammt ihr Emblem aus dieser Welt taurino. Die ganaderos sind enttäuscht. Osborne setzte sich so gar nicht für die toros ein. Immerhin verbirgt sich hinter dem spanischen toro die pure Identifikation mit Spanien, den spanischen dehesas, der spanischen Mentalität und eines einzigartigen Schauspiels, welches jüngst zum Kulturgut erklärt worden ist. Im Hause Osborne sieht man dieses ein wenig anders. Zwar fühle man sich als authentische Spanier mit spanischem sangre, aber man habe die Welt im Auge. Die meisten ihrer Kunden wissen nichts über die toros und viele Gegner gehören auch zum Kundenkreis. Somit will man einem Disput aus dem Wege gehen, meint, den antitaurinos keine Angriffsfläche zu geben. Eigentlich einleuchtend.

Viele kleine toros die keine toros sein sollen oder dürfen.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Espontáneos (4. Teil)

Über Menschen die den Ablauf einer corrida störten
um selbst ins Rampenlicht zu gelangen
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von Colin Ernst 



Das nicht nur El Cordobés seine Erlebnisse als und mit espontáneos hatte, zeigt diese Geschichte, mit glücklichem Ausgang. Wie die traurige Geschichte von Fernando (siehe 3. Teil dieser Serie) , spielt auch diese in Albacete. 1978, bei einer corrida mit Damaso González und toros von Samuel Flores. Dort stahl der novillero Manuel Garijo „El Tarta“ dem maestro González die Show. Der toro sollte eigentlich zurück in den corral gebracht werden, aber Manuel sprang ins ruedo, und es gelang ihm, mit seiner eingeschmuggelten muleta, dem toro so gute muletazos zu entlocken, das es ihm sogar erlaubt wurde, dieses Exemplar zu töten. Eine tief angesetzte media estocada, tötete den Stier schnell, was ihm den Beifall vom Publikum und anschließenden Aufenthalt im Gefängnis bescherte.

Die ganaderos Samuel Flores und Daniel Ruiz
Später machte er, nach seiner alternativa 1980 letztlich negative Schlagzeilen. Die Züchter Samuel Flores, und Daniel Ruiz beschuldigten ihn, sie mit Repressalien der der Terrororganisation ETA bedroht zu haben, wenn sie ihn nicht mit deren Stieren kämpfen ließen. El Tarta hatte, als novillero, verbotener Weise, als espontáneo bei ihren corridas agiert, was die Züchter später veranlasste ihn für die zukünftigen corridas abzulehnen.

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Anmerkung von SfA:
Manuel Garijo Alcantuz "El Tarta" und seine Ehefrau Ángela Martínez Orea wurden im Juli 1983 vom Gericht der ersten Instanz in Albacete, Morddrohung durch die ETA und einer Erpressung mit einer Forderung von zwanzig Millionen Peseten an die ganaderos Samuel Flores und Daniel Ruiz zu jeweils lediglich drei Monaten Haftstrafe verurteilt.

Was auffallend ist, weder im Cossío noch in den bekannten Internetportalen über die mundo de los toros wird der torero aus Albacete aufgeführt. Die taurinische Szene hat sich von ihm distanziert.

Espontáneos (3. Teil)

Über Menschen die den Ablauf einer corrida störten
um selbst ins Rampenlicht zu gelangen
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von Colin Ernst 


Ein espontáneo hat auch zum Rücktritt von Manuel Benitez geführt. Eine corrida in Albacete (Kastilien - La Mancha), im September 1981, mit den matadores de toros Rafael de Paula, El Cordobés und Palomo Linares. Der Nachmittag fing nicht gut an. Es hagelte Pfiffe und Sitzkissen, zuerst für de Paula, dann für El Cordobés. Der fünfte Stier, von der ganadería Guartales, mit Namen Sospechoso (Verdächtiger), mit ausladenden Hörnern verliess den toril. Vom tendido 7 sprang Fernando Eles Villarroel Sanchez ins ruedo. Mit nacktem Oberkörper, das rote Hemd in der Hand, lief er auf das Tier zu und zitierte den toro. Dieser nahm den espontáneo sogleich mit kurzem Anlauf auf die Hörner. Und setzte ihm, der am Boden lag, heftig nach. Mehrfach. 


Neben anderen Verletzungen, waren zwei der cornadas tödlich. Fernando verblutete in Sekunden schnelle im Sand der plaza von Albacete. 

Später wird El Cordobés vorgeworfen, zu spät eingegriffen zu haben. Laut Gesetz (Artikel 34, Absatz 5 des reglamento taurino) ist es die Pflicht der cuadrilla, welche in diesem Moment im ruedo ist, den espontáneo abzuhalten, einzufangen, den Stier abzulenken und den Delinquenten im burlardero der Polizei zu übergeben. Fernando, so hieß es, hätte getrunken und wollte dem maestro demonstrieren "Wer er ist". El Cordobés verließ Albacete, sichtlich geschockt, fluchtartig. Am Folgetag gab er seinen endgültigen Rücktritt bekannt.

Fortsetzung folgt.


Mittwoch, 5. Februar 2014

Espontáneos (2. Teil)

Über Menschen die den Ablauf einer corrida störten
um selbst ins Rampenlicht zu gelangen
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von Colin Ernst 


Am 19. Mai 1968 sprang der torero Miguel Mateo "Miguelin" als espontaneo in das ruedo von Las Ventas. Warum? Der toro wurde gerade von El Cordobés bearbeitet, und Miguelin wollte demonstrieren, das der Stier des Cordobés kein bisschen gefährlich war. Das Video zeigt unter anderem Miguelin wie er den toro am Kopf streichelt und sich lässig auf dem Rücken des toros sich anlehnt. Was aber sollte diese Demonstration bedeuten? 


In diesen Zeiten waren die figuras alle auf höchstem Niveau, Ordoñez, El Viti, Curro Romero, Diego Puerta, Paco Camino... und anführend: El Cordobés, schwer diese Riege zu durchbrechen, ähnlich wie heute. Gleichzeitig gab es Gerüchte, das die toros des Superstars des toreo, an den Hörnern manipuliert seien, das so genannte afeitado und die Manager des Cordobés nur die ungefährlichsten Stiere für den maestro reservierten. Nun, all dies war das Motiv des Miguelin, der trotz seiner Legitimation als professioneller torero, erst mal abgeführt wurde. Eine Geldstrafe ersparte ihm längeren Aufenthalt in der Arrestzelle bei der Polizei. 

Damit war die Geschichte mit dem espontáneo noch nicht zu Ende. Ich kann mir vorstellen, das El Cordobés an diesem Tag in Las Ventas, eine Wut auf seinen „Kollegen“ hatte, die es in sich hatte. Später, hatte Miguelin ein Problem mit espontáneos, die sich vermehrt bei seinen corridas in die Arena wagten. Miguelin behauptete, das dies von Manuel Benitez "El Cordobés", bezahlte espontáneos wären. Viele Jahre später, El Cordobés war schon zurück getreten, gab es eine Benefizcorrida in Las Ventas. Mit Antoñete,  Manuel Benitez "El Cordobés", Joselito und anderen. Als die Reihe an El Cordobés war, sprang ein junger Mann, als espontáneo in den Sand... Manuel Diaz, heute bekannt als "El Cordobés". Ihm blühte nicht nur das gleiche Schicksal, wie allen – eine Verhaftung, er wurde auch so berühmt wie sein Vater.

Fortsetzung folgt.

Dienstag, 4. Februar 2014

Espontáneos (1. Teil)

Über Menschen die den Ablauf einer corrida störten
um selbst ins Rampenlicht zu gelangen
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von Colin Ernst 


Ein espontáneo, was ist das? Schon beim Lesen dämmert es einem, etwas Spontanes. In der Welt der toreros ist es Mythos und gefürchtet zugleich. Die sogenannten espontáneos, waren junge Männer, die unbedingt Stierkämpfer werden wollten. Sie sprangen während einer corrida ins ruedo und lenkten so Aufmerksamkeit auf sich. Den Glücklichen gelangen ein paar pases mit ihrer mitgebrachten muleta oder ihrer Jacke und dann wurden sie verhaftet und abgeführt. Den weniger Glücklichen nahm dieser spontane Sprung in die Arena das Leben. Ich möchte über drei espontáneos berichten, die Geschichte machten. 

El Cordobés wird verhaftet.
(Foto: Toros y Toreros)
Der uns wohl bekannteste Glückssucher, um eine oportunidad zu bekommen, um eine Chance zu erkämpfen war damals der junge Mann mit dem Namen Manuel Benitez. aus dem andalusischen Dorf Palma del Río. Ihm gelang es, mit seinen lebensgefährlichen Aktionen, die Aufmerksamkeit zu erringen, um die ihn bis heute wohl jeder, hinter vorgehaltener Hand, beneidet. Mehrmals hatte sich der Junge aus Palma del Rio, unerlaubt in die, damals größtenteils aus zusammengestellten Heuwagen bestehenden plazas portátiles, geschlichen. Weniger das er dort mit seiner Kunst brillierte, mehr mit seinen teilweise akrobatischen volteretas. Oft befand er sich mehr in der Luft, dorthin befördert mittels der Hörner des Tieres, als vor dem Stier oder der Kuh. Aber er fiel auf. Einige Gefängnisstrafen bescherte ihm seine Passion. Aber am Ende wurde er entdeckt, gefördert und vom Publikum gehasst und geliebt, wie es sich für den bekanntesten torero des Landes gehört. 

Vom espontaneo zum Superstar unter den toreros: Manuel Benitez "El Cordobés
(Foto: mundotoro)
Manuel Benitez „El Cordobés“ wurde international bekannt, und damit auch sein Land. Neben Anfeindungen aus Reihen der toreros, hatte er auch selbst unter den espontáneos zu leiden. So bekam der maestro aus Córdoba seine eigene Medizin zu schlucken.

Fortsetzung folgt.
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Literaturhinweis:
... oder du wirst Trauer tragen, Larry Collins und Dominique Lapierre
Über das phantastische Leben des El Cordobés
C, Bertelsmannverlag, München, 1986

Montag, 3. Februar 2014

Amerika lädt zu Begnadigungen ein





von Philip de Málaga


Gleich zwei indultos bei einer corrida in Kolumbien
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Die indultos, also jene Begnadigungen von toros gehörten in der Vergangenheit, besonders im letzten Jahrhundert, eher der Seltenheit an. Doch in diesem Jahr geht es in Amerika auffallend munter los. In der 25.000 Seelengemeinde im kolumbianischen Lenguazaque errungen gleich zwei toros an einem tarde den Weg zurück in die Freiheit.

Matías Tejela, Manuel Libardo und Leandro de Andalucía (Fotos: mundotoro

Der Züchter
Vor vollen tendidos gelang es der ganadería Juan Bernado Caicedo mit ihren toros durch und durch zu überzeugen. Mit viel nobleza, raza und bravura ausgestattet, beförderte diese corrida die bisher eher als mittelmässig bekannte ganadería in den Himmel der Apotheose. Und schliesslich waren es die beiden matadores de toros Matías Tejela und Manuel Libardo denen es gelang mit ihren künstlerisch anspruchvollen Manövern mit temple die nobleza der toros vorzuführen und die Emotionen in die tendidos zu übertragen. Zwei indultos an einem Tage.

Aber auch der dritte matador im Bunde, Leandro de Andalucía verstand es zu überzeugen, denn sein letzter toro erreichte eine vuelta al ruedo. Was für ein Tag für eine ganadería. Der ganadero Don Juan Bernardo Caicedo verliess mit den drei matadores ebenfalls die plaza auf den Schultern durch die puerta grande.