Sonntag, 20. April 2014

El Juli und Morante in Málaga

Über die Wiederauflage eines Duells zweier maestros
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von Dominik Sachsenheimer 



Das mano-a-mano zwischen El Juli und Morante de la Puebla heute am Ostersonntag in Málaga wird als Wiederauflage des ersten Duells Joselito-Belmonte vor 100 Jahren vermarktet. Hierzu einige Anmerkungen. Die Rivalität zwischen José und Juan, die ausserhalb des Sandes eine Freundschaft war, lässt sich so beschreiben: Joselito war ein begnadeter Athlet, der die damals herrschenden Vorgaben des toreo in Perfektion darbot und Stiere wie kein zweiter beherrschte, während Belmonte als kränkliches Genie die Technik des toreo durch seine Bewegungslosigkeit für immer revolutionierte und dadurch eine vollkommen neue ästhetische Dimension schuf.

Auf den ersten Blick ist die Parallelle 100 Jahre später, Juli als den Beherrscher aller Stiere im Lager Joselitos zu sehen und Morante als genialen Ästheten als Erbe Belmontes, wie auf dem beigefügten cartel als Collage angedeutet. Beide Aussagen sind fraglos richtig, greifen allerdings zu kurz, weil die heutigen Heroen auch sehr viel mit ihrem vermeintlichen historischen Gegenpol verbindet.

Belmonte
 Belmonte ist der Übervater der Dominanz des Stieres mit dem Tuch, weil er sich anders als seine Zeitgenossen nur langsam und mühsam bewegen konnte, also auf perfekte Arbeit mit der muleta angewiesen war. Seither haben unter anderem Manolete, El Cordobés, Paco Ojeda oder El Juli (mit unterschiedlichen Schwerpunkten…) diese Technik des bewegungslosen Mannes mit perfekt getimten Handgelenk verfeinert und jeweils wie Belmonte in Massenmedien für Aufruhr gesorgt (man erinnere sich an das Wortspiel “juligans” für den Zulauf an Teenager-Publikum vor 15 Jahren). Juli ist also in vielerlei Hinsicht die extremste Weiterentwicklung der Belmonte-Prinzipien und seine faena vor einem Jahr in Sevilla ein Paradebeispiel: höchstes Risiko, der Mann ist dem Stier ausgeliefert und lenkt diesen allein mit den Fingerspitzen. Die spezifische Juli-Revolution ist dabei der beinahe im Sand schleifende Handrücken, aficionados schütteln ungläubig staunend den Kopf.

Joselito El Gallo
Ästhetisch ist das allerdings nicht jedermann’s Sache und Morante berührt die Zuschauer auf einer vollkommen anderen Ebene. Dabei bewegt er sich zwischen den pases deutlich mehr als viele seiner heutigen Zeitgenossen, erinnert also eher an den barocken Ansatz des grossen Joselito El Gallo und besitzt wie dieser in seinem Tanz mit dem Tier eine schwer beschreibbare natürliche Eleganz, was sich vom eher hölzernen Belmonte kaum sagen liess. Wie einst Joselito gilt auch Morante als Vertreter der Tradition gegen die neuen Moden dank technischer Revolutionäre. Die ernsthafteren solcher Kritiker wendeten und wenden sich dabei nicht gegen Ausnahmetoreros wie Belmonte oder Juli, sondern streichen lediglich die Bedeutung des Bewährten gegenüber dem reinen Thrill eines bewegungslosen Mannes im Angesicht der Bestie heraus.

El Juli und Morante de la Puebla
 Trotz dieser Bemerkungen wird das “Duell” in Málaga vor allem von den anfangs angesprochenen Gegensätzen geprägt sein: Die machtvolle Dominanz des Juli vs. die romantische Ästhetik Morante’s, lidia vs. Hingabe, Rasse vs. Poesie usw, alles auf Basis eine enger Freundschaft ausserhalb der Arena.

Vor allem aber sind beide Akteure “komplette” matadores: Beide haben schon zu novillero-Tagen in den 90ern alte capa-Figuren in ihr Programm eingebaut und so das erste und zweite tercio an Bedeutung gewinnen lassen. Juli’s Repertoire ist bis heute unerreicht und Morante’s verónicas gelten als die besten seit Antonio Ordoñez. Juli war bis in die Nuller-Jahre ein sehr spektakulärer banderillero und auch Morante hat über die Jahre hinweg immer wieder zu den Stöcken gegriffen. All dies Indizien für die breitere Sicht der lidia beider toreros im Gegensatz zum verbreiteten Fokus auf möglichst aufregende Einzelmomente, obgleich gerade die populärsten Manöver dem Stier oft schaden und für die lidia kontraproduktiv sind. Mithin stellen Morante und Juli trotz unterschiedlicher Schwerpunkte nicht nur als “máximas figuras” sondern gerade wegen ihrer Interpretation der corrida als Gesamtwerk eine tatsächliche Verbindung zu ihren Vorvätern von vor 100 Jahren dar.


Hoffen wir auf einen interessanten Nachmittag, gutes Wetter und vor allem tolle Stiere!

Mittwoch, 9. April 2014

José Tomás trainiert wieder




von Philip de Málaga


Der maestro aus Galapagar befindet sich wohl wieder in guter Form
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Wie verschiedene Medien aus der Welt der tauromaquia berichten trainiert der matador de toros José Tomás wieder in verschiedenen ganaderías und in seiner finca, wie am letzten Dienstag. Seinem neuen Auftritt in Juriquilla (México) scheint wohl nichts mehr im Wege zu stehen, wo er seinen Freund Fernando Ochoa begleiten wird, welcher dort im ruedo sein adios als matador de toros geben wird. Insider wie Freunde berichten, der maestro Tomás befände sich in einer extrem guten Kondition. Nach einem Jahr Pause kann sich afición wieder freuen.

José Tomás, bald wieder in den ruedos (Foto: mundotoro)

Dienstag, 8. April 2014

15 Prozent mehr Besucher in Madrid




von Philip de Málaga


Auch bei der Jugend werden die toros wieder populär
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Wie die empresa der plaza de toros in der spanischen Hauptstadt bekannt gibt sind die Besucherzahlen bei den ersten novilladas im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent gestiegen. Auffallend dabei die Anzahl der Jugendlichen, wo ein steigendes Interesse bemerkbar ist. Mehr als 700 jugendliche Zuschauer konnte man in den tendidos sehen. Grund für den Mehrbesuch mit Sicherheit auch die neue Preispolitik der empresa. Für Personen unter fünfzehn Jahren war der Eintritt frei. Die meisten der jungen Leute haben so das erste Mal ein festejo taurino life erlebt. Wegen diesem Erfolg hat die empresa Taurodelta entschieden auch weiterhin jungen Menschen zu ermöglichen die mundo de los toros kennen zu lernen. Aber auch für das zahlenden Publikum halten sich die Preise der entradas von 7 bis zu 45,50 Euro für die novilladas in einem zahlbaren Bereich.

Wenn sich tendidos füllen (Foto: Boris Kahl)


Sonntag, 6. April 2014

Wenn Alter keine Rolle spielt



von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)


Der matador de toros El Cordobés mit 77 Jahren in Córdoba
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Die deutschen aficionados kennen ihn sowieso. Wer der taurinischen Literatur vertraut ist kennt ihn erst recht. "Heute kaufe ich Dir ein Haus ... oder du wirst Trauer tragen". Kaum ein Satz bewegte so viele Emotionen wie dieser von dem matador de toros El Cordobés. Die Welt schaute zu, die Welt war dabei, die Welt hat es gelesen, als die mundo de los toros sich mit einem neuen Gesicht zeigte.


Und nach so vielen Jahren war er wieder dabei. 77 Jahre jung, ein torero der das Blut des toreo in den Adern führt und noch heute trägt. Und ihm ist es gelungen, was bisher kaum toreros in seinem Alter geschafft haben, den coso von Córdoba wieder mit knapp 13.000 Zuschauern in den tendidos zu füllen.


Und dann betrat er das ruedo um dem novillo von der ganadería Domingo Hernández entgegen zu treten. Mit verónicas templadas empfing er ihn. Dabei operierte er nah am novillo und die Vibration erreichte die tendidos. Gänsehaut und Respekt ging durch die Reihen, trotz schwachem Abschluss. 


Er verstand es während der gesamten lidia zu überzeugen und das temple mit der muleta lies das Publikum verstehen, warum er einer der grossen figuras des letzten Jahrhunderts war. Seine naturales eine pure Form des Ausdrucks vom toreo.


77 Jahre torero! Und so hallte es durch die tendidos: "Torero!". Dos orejas und puerta grande.


Chinesen wollen auch Torero sein




von Philip de Málaga


Das Reich der Mitte beginnt sich für die mundo de los toros zu interessieren
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Zwar spielen die toros im Reich der Mitte keine so wichtige Rolle, aber immerhin sind es an die fünfzehn Millionen Chinesen, welche sich für die tauromaquia interessieren. Zeitversetzt werden dort regelmässig corridas aus Spanien im Fernsehen übertragen. 

Und nun liegt es wohl an der Zeit, sich selbst im ruedo zu üben. Der matador de toros und Co-Moderator bei Toros para Todos Francisco Ruiz Miguel führt die Asiaten in Südandalusien, in Los Barrios (bei Algeciras) in die Kunst des toreo ein. Chinesen bald im Rund einer plaza de toros? Nun, so ganz neu ist der Gedanke nicht, Japaner gab es schon. Erstaunlich eigentlich nur die Tatsache, dass sich in den tendidos so wenige Besucher aus dem Reich der Mitte befinden. Wenn überhaupt.

Auch das deutsche Fernsehen besuchte die escuela taurina für Chinesen. RTL berichtete darüber in Chinesen können auch Torero. 

Er ist ein Held . . .





von Andrés Amorós Guardiola

"Er ist ein Held, weil er genau das tut was ein normalerMensch nicht tun würde. Er tritt 
einem gefährlichem Tier entgegen, welches ohne Frage  zu den gefährlichsten der Welt gehört, nur mit ein paar Stoffen bewaffnet. 

Was für ein Wahnsinn."
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Quellennachweis:
Aphorismen zur Tauromachie, Augenblicke der Wahrheit.
www.torodora.de

Samstag, 5. April 2014

"El Juli" im spanischen Frühstücksfernsehen





mit Julián López "El Juli"



Der matador de toros El Juli stellte sich am Freitag Morgen den Fragen des spanischen Frühstück-Fernsehens.


"Der torero muss seine Klasse aufzeigen und sich für die Verbreitung des toreos einsetzen, dabei muss der toro im Mittelpunkt stehen und nicht als sein Gegner angesehen werden.


In der plaza neige ich mehr zum Alten, zum Klassischen. Aber ausserhalb muss man sich an das moderne Leben anpassen. Wir müssen den Stierkampf in die moderne Gesellschaft wieder einführen. Wir verbeissen uns noch zu viel in den alten Wurzeln. Das toreo benötigt ein neues Gesicht. Das die jungen Leute corridas sehen können und erkennen, dass es hier um die toros geht. Und dann können sie entscheiden ob es ihnen gefällt oder nicht, aber dann können sie wenigstens mitreden.

Wir toreros leben in einem schmalen Grad zwischen Triumph und Schmerz. Aber genau diese Berufung fordert dich auf mehr zu riskieren. Die Jahre vergehen und es scheint eher normal sich zu pflegen, aber genau das Gegenteil trifft hier zu. Ich trainiere mehr als früher und auch meine Illusion ist grösser als vorher. Wenn ich sage, wann ich mich am besten fühle, mir selbst gegenüber, dann ist es im Angesicht des toros. Ich weiss, es ist ein harter Beruf mit vielen Hindernissen wie cornadas, Misserfolgen bis hin zur Gleichgültigkeit. Ich weiss auch, ich möchte meine Kinder nicht in diesem Beruf sehen, aber wenn sie sich dafür entscheiden, helfe ich ihnen.

Katalonien hat den Stierkampf politisiert. Die Welt der toros war für viele Jahre fern ab von jeder Realität. Keiner mischte sich ein, bis Katalonien es zu einem politischen Thema machte. Und dabei war noch nicht einmal der toro das Problem. Sie verteidigen nach wie vor die Stiertreiben in den Strassen und das zeigen damit auf, dass der toro eigentlich keine Rolle spielt. In Katalonien gibt es keine Stiere, weil es kein erlaubtes Vergnügen ist, wo ich dagegen bin, dieses Aktivität zu verbieten. Das toreo kommt vom Volk, es ist demokratisch und das Volk sollte entscheiden können ob sie es wollen. Dieses Recht kann und sollte man keinem nehmen können. Es gibt zahlreiche negative Einflüsse, welche vor allem das Ausland betrifft, wie Lateinamerika. Aber zum Glück konnte zahlreiche Attacken auf das toreo gestoppt werden. 

Wahrscheinlich ist es ein grosses Problem, dass sich das toreo über Jahre hinweg selbst verwaltet hat. Ohne Einfluss von aussen. Und so hat uns die Gegenwart ein wenig überrannt ohne darauf vorbereitet zu sein. Aber jetzt befinden wir uns im Prozess der Modernisierung. Eine der grossen Leistungen war, dass toreo zum Kulturgut zu erklären. Man kann reden so viel man will, dass toreo bildet einfach einen Teil der spanischen Kultur. Die Politiker, wenn wir uns mit ihnen getroffen haben, torerieren sehr gut, führten gute capotazos durch, aber letztendlich waren es positiven Zusammentreffen.

Andere Bereiche hätten gerne den Erfolg des toreo. Die Sichtweise hängt stets davon ab, wie man etwas betrachtet. Tatsache ist, San Isidro füllt über einen Monat sein 25.000 Sitzplätze. San Fermín lleno ... Das toreo ist derzeit an zweiter Stelle, was die Besucherzahlen angeht, mehr als in den 80ger und 90ger Jahren, weniger als 2007.

Diese Gerüchte über die angeblichen Subventionen sind doch eine abgedroschene Lüge. Es gibt keine Zuschüsse für das toreo, im Gegenteil, die empresarios müssen für die Benutzung der plazas gewisse Abgaben leisten. Geld was direkt an das Land geht. Ein anderes Beispiel, ich habe in meinem unmittelbaren Umfeld an die dreissig Familien, welche vom toreo leben. Direkte und indirekte Arbeitsplätze.

Zu Sevilla. Da gibt es ein Problem des gegenseitigen Umgangs. Wir haben es lange ausgehalten, aber nun ist der Moment gekommen, wo es genug an Respekt fehlt und dem Namen Sevilla nicht mehr gerecht wird. Für mich ist es die plaza, wo für mich die meisten Emotionen herrschen. Es gelang mir dort vier mal die Puerta del Príncipe zu öffnen und im letzten Jahr holte ich mir dort die schwerste cornada in meiner Laufbahn. Die Abwesenheit in Sevilla gestaltet sich schwierig, obwohl es das mano a mano in Málaga gibt, die afición in Sevilla und Spanien ist enttäuscht."

Freitag, 4. April 2014

Im Klassiker zur Malagueta




von Philip de Málaga


Am Ostersonntag fahren die beiden matadores im Ford zur plaza
wie Joselito und Belmonte vor fast 100 Jahren
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Bevor die corrida in Málaga beginnt wiederholen die beiden matadores de toros Morante de la Puebla und El Juli den Gang der Geschichte. Wie damals vor knapp einhundert Jahren werden die beiden maestros, genauso wie Joselito und Belmonte in einem Ford Modell A Cabrio sich zur Malagueta begeben. Geplant ist dieselbe Route wie damals, durch den Paseo de Parque begleitet von den cuadrillas und alguaciles. So kommt die südspanische Metropole Málaga in den Genuss der puren tauromaquia, bevor es überhaupt begonnen hat. Der wahre duende vor der corrida.

(Foto: mundotoro)

Donnerstag, 3. April 2014

Los Simpsons .... und die Stiere




von Philip de Málaga


Die populäre Serie nimmt zum zweiten Mal die Stiere ins Visier
... oder die Stiere die Simpsons?
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Ohne Frage ist San Fermin das populärste Stierfest der Welt. Ob die nationale wie internationale Presse, alle sind dabei. Auch die Simpsons. Nach 2006, wo sich die Simpsons schon einmal im traje de luces gezeigt haben, schon das zweite Mal. Dabei wird die Familie Simpsons von toros durch die Strassen von Pamplona gejagt und endet am Ende auf ihrem Sofa. "Viva San Fermín".

(Foto: mundotoro)

Mittwoch, 2. April 2014

Auferstehung in Málaga

In Málaga treten nicht nur zwei der besten matadores an ... 
sondern Kultur wird zum Kult deklariert
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von Philip de Málaga


Der Ostersonntag in der südspanischen Metropole Málaga wird sicherlich zum taurinischen Highlight. Auch wenn es Kritikerstimmen gibt, welche die Auswahl der ganaderiás als eher unattraktiv oder gar langweilig bezeichnen, darum geht es doch eigentlich gar nicht mehr. Dem empresario José Cutiño und allen anderen Beteiligten geht es um viel mehr. Man möchte in Málaga wieder mal taurinische Geschichte schreiben. Geht das überhaupt? Werfen wir einen Blick zurück in die Vergangenheit, beinahe einhundert Jahre zurück:

28. Februar 1915: In der Malagueta wird ein erstes mano a mano zwischen den beiden grössten matadores de toros Joselito "El Gallo" und Juan Belmonte bestritten. Ein Zusammentreffen der wohl grössten figuras die das letzte Jahrhundert geprägt hatten. Und gerade deswegen hat Cutiño angekündigt an diese beiden grossartigen toreros zu erinnern und die Wichtigkeit der Malagueta in der tauromaquia, gestern wie heute, zu unterstreichen. Die entradas für den sombra kosteten damals sieben Peseten, drei Peseten für die Sonnenplätze, und schon Stunden vorher waren die 13.000 Sitzplätze in den tendidos gefüllt. Hasta la bandera! Auch Joselito und Belmonte traten damals gegen ihre bevorzugte ganadería an. Den Stieren von Murube. Richtige toros? Die Zeitung ABC bezeichnete jene Tiere in den corrales als novillejos impropios, als alte ungeeignete novillos für diese zwei grossen figuras der torería. Und dementsprechend verlief die corrida. Joselito bekam für seinen ersten toro ein oreja, Belmonte gelang es bei seinem zweiten ein oreja zu ergattern. Der Rest der Veranstaltung so die Chronik von ABC eine grosse desilusión, vor allem wegen der Stiere.

Joselito und Belmonte (Foto: mundotoro)
Und nun, fast hundert Jahre später sollen und wollen es zwei maestros besser machen.

20. April 2014: Erneut treten zwei grosse figuras zu einem mano a mano an. Die maestros Julián López "El Juli" und José Antonio "Morante de la Puebla". Der erste ein Garant für erfolgreiche lidias, der zweite die Hoffnung auf grösste Momente in der tauromaquia miterleben zu können. Schon jetzt reissen sich die morantistas um entradas. Sicherlich begründet, denn von einem No hay billetes kann man wohl ausgehen.

El Juli und Morante de la Puebla
Was an diesem cartel auffallend ist, es gibt kein sorteo. Die matadores konnten sich ihre toros aussuchen. Die spanische Tageszeitung El Mundo beschrieb es so: Die toreros bringen ihre toros unter den Armen mit. Treffender kann man es nicht bezeichnen. So entschied sich Morante de la Puebla für reses der ganaderías Jandilla, Juan Pedro Domecq und Zalduendo. El Juli wählte für dieses festejo taurino die toros von Domingo Hernández, Victoriano del Río und Garcigrande.

Die Eintrittspreise der entradas für diese Auferstehung eines espectáculo taurino bewegen sich zwischen 7 und 125 Euro.

Aber nicht nur jenes festejo taurino prägt die Erinnerung an Joselito und Belmonte. Begleitet und geplant für das laufende Jahr sind zahlreiche kulturelle Veranstaltungen um an diese beiden grossen maestros des vergangenen Jahrhunderts zu erinnern. So wird unter anderem am selben Tag der corrida ein Kurs angeboten, bei dem Hobbyfotografen von professionellen Fotografen in die Kunst der taurinischen Photographie eingeführt werden. Das beginnt bei den maestros im Hotel, und führt über den patio de caballos in den callejón. Die besten Photos werden im Anschluss in der plaza ausgestellt.

José Cutiño
Auch Ausstellungen und Vorträge sind geplant. Der Kreistag von Málaga und die empresa der plaza de toros haben beschlossen, die tauromaquia in Málaga wieder zu dem werden zu lassen was sie war.  Cutiño sagte dazu bei der Präsentation des cartels: "Allein die Tatsache, dass zwei so bedeutende figuras wie Joselito und Belmonte Málaga für ihr erstes mano a mano auswählten, zeigt doch auf, wie wichtig die Malagueta in der mundo de los toros ist". Es scheint offensichtlich, die toros sollen in der südspanischen Metropole zum Kult hingeführt werden. Mit Feingefühl und Verständnis für eine Kultur, welche schon immer zu Spanien gehörte. Vivan los toros!

Dienstag, 1. April 2014

Der Blick zu Gott

Wenn toreros in den Himmel schauen ...
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von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)


Von der zweiten novillada in Las Ventas der spanischen Hauptstadt Madrid wurde von dem Portal mundotoro eine Fotoserie ins Internet gestellt. Beim genaueren Betrachten fallen einem vor allem zwei Photos auf, bei denen die novilleros ihren Blick Richtung Himmel wenden. Sekunden des Innehalten, Bruchteile eines Dialoges mit Gott, ein kurzer Moment der die Gläubigkeit der toreros in Szene setzt.



Aber genauso wie das Gespräch nach oben findet sich der Blick nach unten. Der Eigendialog. Die Selbstfindung, Momente der Konzentration oder auch der Verzweiflung.


Montag, 31. März 2014

In Kastilien und León wird der Stierkampf zum Kulturerbe erklärt




von Philip de Málaga


Eine der grössten Regionen erklärt die toros zum Kulturgut
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Die Stiere expandieren weiter. Die nordspanische Region Kastilien-León (grösser als Portugal) wird in den kommenden Tagen die mundo de los toros zum regionalen BIC, zu einem Kulturerbe erklären lassen. Dieses verkündete der dazu speziell gegründete Mesa de la Tauromaquia, welcher sich aus politischen, wirtschaftlichen und natürlich taurinischen Fachleuten zusammensetzt. Auffallend dabei der Einsatz des Ministeriums für Kultur und Tourismus. Um den entsprechenden Schutz zu gewährleisten, sind ebenfalls die Guardia Civil und die Agentur für Zivilschutz in das Projekt mit eingebunden. Auch das lokale Fernsehen RTVCyL beteiligt sich daran.

Um die taurinos zu fördern und zu motivieren wird vom Mesa de la Tauromaquia parallel zum BIC ein neuer Preis vergeben, der Premio Tauromaquia Castilla y León, mit dem Ziel taurinische Werte zu erkennen und sie so einem breiten Publikum zugänglicher zu machen.

Mesa de la Tauromaquia (Foto: mundotoro)
Auch wenn ein wenig unbekannt, die toros haben schon länger auch in Kastillien-León eine gewisse Tradition. Seit 1834 wurden in der Hauptstadt Valladolid corridas veranstaltet. In dem damaligen quadratischen Bau befand sich ein rundes ruedo von 42 Metern und acht burladeros traten am 29. September die matadores Paquiro und Salamanquino an. Fünfzig Jahre später wurde eine barrera eingefügt und das ruedo verkleinerte sich auf 39 Meter. Schon damals boten die tendidos Platz für knapp 10.000 Zuschauer. Heute misst das redondel 50 Meter und bietet Platz für 11.542 Zuschauer.

Valladolid heute (Foto: mundotoro)
Zahlreiche spanische Poeten waren von den toros in Kastillien angetan. Unter anderem Luis López Álvarez, Rafael de la Serna, Joaquín Fernández, Victoriano Crémer, Jorge Guillén, León Felipe, Ramón de Garcisol, Santos Amestoy oder Eladio Cabañero, um nur einige zu nennen. 

Sonntag, 30. März 2014

Sanlúcar (7. Teil)

Wieder auf den Spuren der toros . . .
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von Colin Ernst


Letzter Teil der Reise nach Andalusien


Nun sind die schönen Tage vorbei, wir verlassen unsere zweite Heimat, Sanlúcar de Barrameda, schweren Herzens. Wir hatten diesmal nicht nur das schöne Wetter an unserer Seite, sondern auch die Menschen in dieser Stadt, die eigentlich ein Dorf ist. Wir hatten Einblicke in das Leben von Menschen, die sich einer Profession verschrieben haben, die einem, im 21. Jahrhundert etwas seltsam, beinahe zeitverloren vorkommen mag. Tatsächlich ist vieles im Leben der toreros, irgendwie zeitlos. 

Uns hat es die Zeit vergessen lassen. Stundenlang haben wir die Schwünge der capas auf uns wirken lassen, die Pinselstriche der muletas im Sand, mit den Augen nachgezogen. Es war faszinierend. Das Auge, bald geschult, erkennt Unterschiede in den Pinselstrichen… Unterschiede, in den zeitlupenartig ausgeführten Schwüngen der capa. Wer bewegt die Handgelenke eleganter? Welche Konsequenzen hat das Bewegen eines Stofffetzens, vor den Augen und Hörnern eines Stieres? Das Beobachten des Trainings, besonders wenn man es Wochenlang verfolgen kann, lässt einen viel über die Menschen kennen lernen, die sich den Stieren stellen. Man lernt einzuschätzen, wer sich eifrig dem Training hingibt, wer sich nur in Form hält, für einen Anruf der nicht kommt, wer eine corrida zu bestreiten hat. 

Man bekommt einen tiefen Einblick in das tägliche Leben dieser besonderen Menschen, in deren Freunde und Familien. Für mich sind diese Menschen mit nichts zu vergleichen, es ist eine andere Welt. 
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Wenn ein junger Torerolehrling, einen maestro grüsst, 
das gleicht einem lässigen Staatsakt. 
Respekt liegt in der Luft. 
Ordentlich gekleidete junge Menschen, 
zollen Respekt, bis zu den Haarspitzen. 
So etwas sieht man in der heutigen Zeit selten. 
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Die Freude, auf den Gesichtern aller aficionados und auch anderen Menschen, wenn sie merkten, dass wir wirkliches Interesse an ihnen und ihrem Leben zeigten, ist etwas ganz besonderes. Dort im Süden Andalusiens ist man sehr gläubig, und bei den Menschen, die Flamenco und Stierkampf verbindet, um so mehr. Auch dort hat man uns Einblicke gewährt. Der Glauben an Gott und seine Heiligen wird zelebriert, das Pilgern zum Rocío (Wallfahrtsort in der Provinz Huelva), die Semana Santa, die Osterwoche, wird gelebt, mit Herz und Seele ist man dabei. Später wird die Freude über diese Erlebnisse fröhlich gefeiert. Flamencotanz und Gesang, wird mit dem gleichem Enthusiasmus zelebriert. Auch uns hat es ergriffen, mit Haut und Haaren. Und der Familienzusammenhalt. Wie liebevoll Söhne mit ihrer Mutter, Väter mit ihren Söhnen umgehen, alles ein sehr positives Beispiel. 

Ein anderes Kapitel ist für viele toreros in der plaza, der ständige Balanceakt, zwischen Freundschaft und Rivalität. Man trainiert täglich, oft seit Jahren zusammen. Man hilft sich gegenseitig. Beim toreo de salón simuliert einer den Stier und greift den anderen an, dann wird sich abgewechselt.  Es bilden sich gewisse Duos, während andere ständig wechseln. Aber dies tut dem Eifer keinen Abbruch. 


Dann gibt es die Truppe der „Lehrer“, die jedem mit Rat und Tat zur Seite stehen, überhaupt, hört fast jeder jedem zu, wenn es um Verbesserungsvorschläge geht. Ist ein erfolgreicher torero anwesend und trainiert, hört einer nach dem anderen auf, um den maestro zu zusehen. Um zu lernen und zu bewundern, neidlos. Dies ist auch etwas, was uns auffiel. Auch wenn einer den anderen manchmal beneidet, weil er eine sich eine schönere traje leisten kann, wird den maestros nichts geneidet, es ist überhaupt nicht relevant, ob dieser ein neues Auto, oder ein tolles Haus hat. Hier zählt allein das, was dieser Mensch in der plaza geleistet hat. Verónicas werden bewundert, das Dominieren eines schwierigen Stieres förmlich in sich aufgesogen. Tagelang spricht man von nichts anderem. 

Torero zu werden, zu sein, erfordert die Geduld eines Engels. Für viele heisst es lange Durststrecken zu überwinden. Wenn ein kleiner Junge mit zehn Jahren anfängt, ist er oft mit 25 Jahren immer noch novillero, Torerolehrling. Wer sich das Trainingsprogramm ansieht und die Fitness all dieser Menschen dort, der beginnt sich zu schämen. Wir sitzen zu gern auf dem Sofa. Wenn sie von einem toro verletzt wurden, sprechen sie darüber, als hätten sie eine Medaille bekommen. Wir würden höchstens verschämt darüber sprechen. Aber es ist keine Angabe, oder ein nach Mitleid heischen, es ist ein Stolz, so wie es vielleicht, zu antiken Zeiten üblich war, seine Kriegsverletzungen mit Stolz zu zeigen. Bedenkt man, das die Tradition des Stierkampfes, die Verehrung des Stieres, wenn auch in ganz anderer Form, schon in der Antike bestand. Bedenkt man die Lebensumstände und alles was drum herum geschieht, beginnt man zu verstehen. 

Ich habe das Gefühl erst am Anfang des wirklichen Verstehens der tauromaquia und dieser Kultur zu stehen. Gracias, Dank Sanlúcar und den Menschen dort kann ich nun noch tiefer in dieses Mysterium eintauchen. Und vieles Gesehene, Gelernte und Empfundene, wird mich ein Leben lang begleiten, mir helfen und mich anspornen. Wir werden Eloy Hilario unterstützen. Er hat uns gezeigt, dass er es wert ist. Er unterscheidet sich in Vielem, von seinen Kollegen, was nicht heissen soll, dass er viel besser ist. Aber sein ganzes Benehmen, uns gegenüber, im Miteinander mit den anderen im Training, seine Einstellung zum Leben und zum Stierkampf, machen den Unterschied aus. In seinem Leben spielen I-Pad und Facebook kaum eine Rolle. Alles was er macht und tut, hat irgend etwas mit seinem Wunschziel zu tun, ein „Torero de verdad“, ein wirklicher torero, zu werden. Ein torero, der nicht nur aus künstlerisch schönen Schwüngen mit der muleta besteht, sondern einem, der kämpfen kann. Eleganz bewundert er, aber er sieht die Kunst als schöne Beigabe, ein „Extra“ für das Publikum. Eine schöne faena, welcher selbst geniessen kann, wenn er den Stier dominiert und der Stier es ihm erlaubt. Eloy hat noch dieses alte Kämpferblut in den Adern, was ich mitunter bei den modernen, gefeierten figuras vermisse.

Adiós Sanlúcar . . . bis zum nächsten Mal.


Samstag, 29. März 2014

Eloy Hilario: Der schönste Moment war ...





mit Eloy Hilario


Der novillero aus Sanlúcar stellt sich den Fragen von Colin Ernst
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Eloy kennen wir nun seit drei Jahren und er war keiner von denen, die einem gleich ins Auge fallen. Allerdings fiel er uns im Training auf, durch seine Art die banderillas zu setzen. Im Vorjahr konnte man erkennen, dass er eine positive Entwicklung im Gebrauch mit der capa und der muleta gemacht hatte und in dem Benefitzfestejo zeige er sich von seiner besten Seite, besonders im tercio de banderillas, gefiel er dem Publikum. Damals bekam er zwei Trophäen zugesprochen und ich beschloss diesen sympathischen Jungen im Auge zu behalten. So kam es, dass wir ihn bei der Vorbereitung für die novillada in Utrera begleiteten. Danach nahm er sich Zeit, mir Fragen, zu seinem Leben als angehender torero, zu beantworten. Wir treffen uns am Nachmittag nach der novillada auf den tendidos des Cosos del Pino, der plaza von Sanlúcar.                           


SfA: Eloy, in deiner Familie hat es gewissermaßen Tradition, etwas mit Stierkampf zu tun zu haben, wie bist du dazu gekommen?   

Eloy Hilario: Mein Großvater war ein großartiger aficionado, der meinen Vater schon unterstützt hat, als dieser novillero war. Später wurde mein Vater  banderillero und mozo de espada. Ich habe schon als Kind „ torero“ gespielt, das Küchentuch war meine capa, meine muleta, mit Stöckchen habe ich den „ banderillero“ nach gemacht. So bin ich quasi dort hinein gewachsen. Mit zehn Jahren habe ich meine Eltern gebeten, mich in einer escuela taurina ein zu schreiben. So kam ich in die escuela taurina de Jerez.  

SfA: Wann wurde dir bewusst das du torero, nicht banderillero sein wolltest? 

Eloy Hilario: Ich hatte immer Spass am tercio de banderillas, aber ein matador de toros zu sein ist etwas Grossartiges, etwas, was mich schon immer faszinierte und anzog. 


SfA: Du bist ein Schüler der escuela taurina de Jerez, warum bist du nicht in die näher liegende Schule in El Puerto eingetreten.?  

Eloy Hilario: Als ich anfing, gab es die Schule von maestro Galloso noch nicht, später gab es die Altersbegrenzung dort. In Jerez könnte ich drei Mal in der Woche zum Unterricht gehen, aber da es zu weit entfernt ist, komme ich nur einmal in der Woche dorthin.  

SfA: Wie hast Du dich später gefühlt, bei deiner ersten novillada? 

Eloy Hilario: Natürlich war ich aufgeregt, es kam sehr überraschend, das ich auftreten durfte. Aber ich freute mich auch sehr, das ich diese Chance bekam. Der schönste Moment war, als ich mich dann zum ersten Mal in der traje de luces sah. Ich wusste gar nicht, das ich in der traje der toreros auftreten sollte und war verblüfft, als ich mich dann im Spiegel sah. Das war ein großer Moment für mich. Auf einmal wird aus dem Jungen in Trainingshosen ein richtiger torero. Das war sehr bewegend, ein Moment, den ich nie vergessen werde. Obendrein hatte ich das Glück, dos orejas zu bekommen, ich konnte alles kaum fassen. Auch für meine Familie war dies ein großer Augenblick.   

SfA: Wie hast du dich gefühlt, als es dann, später, zum ersten Mal nicht so gut lief? 

Eloy Hilario: Das hat mir eigentlich nicht so viel ausgemacht, denn aus Fehlern lernt man. Und ich wusste schon immer, das es im Leben eines toreros Momente gibt, wo einem nichts gut genug gelingt, das muss man akzeptieren und nach vorne schauen, weiter an sich arbeiten. Natürlich ärgert man sich, über seine Fehler. Aber wir sind auch abhängig vom toro, wenn dieser nicht mitarbeitet, oder wir ihn nicht verstehen, können wir mitunter nichts besehen. Das Ganze ist sehr komplex und man muss zuerst seine eigenen Fehler sehen.   


SfA: Letztes Jahr, in El Puerto de Santa Maria, hat dich ein Stier erwischt, wie fühlt man sich nach einer cornada und wie ist der Moment, wenn man danach wieder vor den Hörnern eines toros steht? 

Eloy Hilario: Natürlich ist da zunächst ein großer Schreck, all das Blut und so…, aber als ich dann im Krankenhaus aufwachte, war ich stolz, denn ich hatte die Bluttaufe erhalten, die jeden torero erwartet. Das ist mein Leben, dafür lebe ich. Das „Bautizo de sangre“ ist für uns alle ein spezieller Moment, eine Prüfung, der man sich bei jeder corrida stellt. Das erste Mal ist die große Prüfung, die man besteht, etwas, wofür wir leben. Wir gehen gestärkt aus dieser Prüfung hervor, denn wenn wir unser Blut geben, wird uns etwas gegeben, eine Stärke kommt daraus hervor, die uns auf dem Weg hilft, diesen weiter und weiter zu gehen. Als ich dann die nächste novillada bestritt, hat dies mir eben diese Stärke, die Kraft gegeben, es wieder zu tun. Angst hatte ich keine, sondern eine innere Sicherheit, das ich es kann. 

SfA: Was sind die Schwierigkeiten, die sich einem novillero in den Weg stellen, wenn er voran kommen will? 

Eloy Hilario: Da sind zum einen die stark reduzierte Anzahl der novilladas, besonders die ohne picador. Wir sind zu viele novilleros für die wenigen freien Plätze in den carteles. Hat man aber wenige Auftritte, wird man kaum bekannt, so beisst sich der Fisch quasi in den Schwanz. Ist man nicht bekannt, erregt man weder das Interesse bei einem möglichen apoderado, noch beim Publikum. Dann ist vieles auch eine Frage des Geldes. Ein apoderado finanziert die Karriere, so kann man öfters mit den Tieren trainieren, für die man bezahlen muss. Für unsere Auftritte bekommen wir kein Geld, oft muss man welches mitbringen. Irgendwie dreht sich alles im Kreis. Ist man erst einmal bekannt, wird man zu tentaderos eingeladen, oder darf an der Seite eines maestros trainieren. Die Mehrzahl von uns hat all diese Gelegenheiten nicht und so ist es sehr schwer, aus der Masse hervor zu stechen. Dadurch sind wir, bei aller Freundschaft zu Rivalen geworden, jeder kämpft um die wenigen Chancen, die sich bieten. 

SfA: Die novillada am vergangenen Wochenende war der erste Auftritt in diesem Jahr, warst du nervös? 

Eloy Hilario: Nein eigentlich nicht, ich habe in den letzten Jahren gut 30 novilladas bestritten, da hat man schon etwas Routine. 


SfA: Ich konnte sehen, das dem Publikum dein toreo gefallen hat. Mit der capa, mit den banderillas und der muleta, hast du die tendidos erreicht. Warum hast du dich entschlossen alle tercios selbst zu bestreiten?  

Eloy Hilario:  Zum einen hat mir das Setzen der banderillas schon immer Spass gemacht, zum Anderen für das Publikum. Ich möchte ihnen etwas Besonderes bieten, damit sie Freude an der corrida haben, denn sie sind es, die dafür bezahlen. Und wenn es ihnen gefallen hat, kommen sie wieder. Und das ist es, was zählt, das Publikum, welches den Stierkampf besucht und uns die Trophäen schenkt. Ist es gelangweilt, kommen sie vielleicht nie wieder zu einem Auftritt. Und das ist für mich sehr wichtig. Es ist doch wunderbar, wenn ich selbst genauso viel Spass an der Darbietung habe, wie sie, wenn wir alle Freude daran haben. Wenn ich mich umschaue, die weißen Tücher sehe, den Applaus höre, sie auf den tendidos lachen und klatschen, das ist unbeschreiblich schön und ich gebe alles, damit ein Auftritt so endet.  

SfA: Was war denn bisher dein bewegendster Auftritt? 

Eloy Hilario: Das war die novillada in Sevilla. Ortega Cano hat mich damals unterstützt, ihm verdanke ich viel. Und er hat dies möglich gemacht. Es ist nämlich nicht so einfach, an eine novillada sin picadores in der Real Maestranza zu kommen. Es war beeindruckend, in dieser plaza der ersten Kategorie zu stehen. In dieser Kapelle zu beten, durch das Tor zu schreiten, die Puerta de Principe zu sehen, das ist unbeschreiblich. Das Publikum hat am Ende sogar ein oreja gefordert. Leider hat der Präsident es nicht gewährt. Aber diesen Moment werde ich nie vergessen.  


SfA: Hast du für diese Saison schon novilladas in Aussicht? 

Eloy Hilario: Unterschrieben ist noch nichts, aber eine Zusage habe ich aus Marbella und eine novillada in Frankreich wurde mir in Aussicht gestellt. Ich hoffe, Ende der Saison mit picador debütieren zu können. Aber solange nichts unterschrieben ist, bereite ich mich im täglichen Training vor, denn wenn der entscheidende Anruf kommt, muss man auf den Punkt fit und präpariert sein, das ist sehr wichtig. 

SfA: Zum Abschluss habe ich noch eine Frage… Wer ist dein Idol und wie wünschst du dir das cartel deiner alternativa? 

Eloy Hilario: Natürlich klingt es sehr vermessen, heute schon von so etwas zu sprechen, aber Träume hat unsereins natürlich. Mein Idol ist maestro Morante de la Puebla und so natürlich die erste Wahl für meine Traum alternativa. Als testigo wäre José Mari Manzanares gewünscht. Und mit toros der ganadería Juan Pedro Domecq.  

SfA: Ich danke Eloy Hilario, dem novillero aus Sanlúcar de Barrameda für seine Zusammenarbeit, wir hatten viel Spass zusammen und ich wünsche ihm alles Glück der Welt, das er beständig ist und weiter kommt, auf seinem Weg, ein matador de toros zu werden.

Seine Statistik liest sich im Übrigen nicht schlecht: 30 novillada sin picadores, also ohne den Mann mit Pferd. Gesamtergebnis: 46 orejas, 4 rabos, 3 vueltas al ruedo. Ovación in Sevilla und eine cornada in El Puerto de Santa María. Für einen Jungen, der so gut wie keine Unterstützung hat, ein sehr gutes Resultat.