Donnerstag, 10. September 2015

Wenn Toreros zum Ersatz des eigenen Rituals werden

Eine Anmerkung zu "Die Stiertreiben nehmen zu ... die Toten auch"
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von Dr. Andreas Krumbein


Wie in anderen Teilen Spaniens ist auch in Andalusien neben den encierros eine weitere Art der Stierspiele anzutreffen, so zum Beispiel den toro de cuerda (auch toro ensogado, enmaromado oder engalanado), wie zum Beispiel in Gaucín oder Grazalema vorkommt.



(Fotos: Federación Española Toro de cuerda, Paco R.M.)
Oder der toro del Aleluva in Arcos de la Frontera, der einfach in den Strassen losgelassen und frei gelaufen wird, so wie es in vielen Gegenden taurinos in Süd-Frankreich üblich ist (wie in der Camargue und Arles mit toros der Camargue oder auch in Aquitanien).



Selbst bei Regen stellt man sich der Gefahr

Zu den Unfällen und den damit einhergehenden körperlichen Schäden, hier ein weiteres Video, dessen Aufnahmen wahrscheinlich in Portugal entstanden sind, deren Aussagekraft aufgrund der Tatsache, dass es eine Dorfveranstaltung ist, allerdings auf die Verhältnisse in Spanien übertragbar ist.


Häufig sind Missgeschicke, Fehlleistungen und Fehleinschätzungen verantwortlich für das Eintreten eines Unfalles.

Man kann aber auch deutlich sehen, dass das Eingehen eines Risikos, das Zulassen eines möglichen Unfalles mit all seinen Konsequenzen, die Möglichkeit vom Stier erwischt zu werden elementare Bestandteile des Stierspiels sind. Man riskiert etwas, man setzt etwas ein; man kann auch verlieren, doch man hat es versucht. Manchmal scheint es, als sei das Erwischtwerden sogar erwünscht, zumindest das geringfügige Erwischtwerden: man ist dem Tod von der Schippe gesprungen, man hat ihn besiegt. Das geht allerdings nur, wenn man sich dem möglichen Tod stellt, und wenn man ihn vorher herausgefordert hat.

Was die toreros, allen voran der matador, während einer corrida de toros tun, das dortige Eingehen von Risiken, hat seinen Ursprung in der ländlichen Bevölkerung und ihren althergebrachten Riten, die in den Stierspielen roh und direkt umgesetzt werden. Die corridade toros bietet den Feinschliff und die Möglichkeit für die Unmutigen jemanden aus ihrer Mitte, nämlich den matador mit seiner cuadrilla dafür zu bezahlen, dass er das Risiko für den Zuschauer übernimmt.

Einmarsch der toreros vor dem Publikum ins ruedo um sich der Gefahr zu stellen
(Foto: mundotoro)
Dafür dass man sich der Gefahr nicht mehr selbst stellt, das Risiko nicht selbst übernimmt, bezahlt man einen Experten, der für einen selbst als Teil einer Gemeinschaft, zu welcher der matador selber gehört, das Risiko übernimmt und die Herausforderung des Todes meistert und diesen (den Tod) abwehrt.

Toreros riskieren verletzt oder gar getötet zu werden. (Foto: mundotoro)
Nicht umsonst sind Unfälle oder Todesfälle während einer corrida so etwas besonders „Schlimmes“, etwas so enttäuschendes: nicht der direkt Geschädigte, Verletzte oder Getötete, also der torero, ist erster Adressat der Betroffenheit und des Mitgefühls, man ist es selbst. Das Ritual ist fehlgegangen, der Ritus hat nicht zum Ziel geführt, der Einsatz ist verloren, das Fest konnte nicht gefeiert werden. Man kann nicht erleichtert und befreit heimgehen. Man muss weiterhin beschwert sein.

Man gehe so nahe wie möglich an eine Grenze. Überschreiten will man sie nicht.

Mittwoch, 9. September 2015

Noch ein paar Worte zu Hemingway




von Pierre Imhasly

Der mit mehreren Preisen ausgezeichnete Schriftsteller aus der Schweiz wendete sich schon relativ frühzeitig der mundo de los toros zu. In seinem 1982 erschienen Werk Corrida stellt er die Protagonisten der tauromaquia dar, die toros, die toreros, die taurinos wie die aficionados. Aber er erzählt auch von der Geschichte, der Technik der toreros, der Dramaturgie bei einer corrida, über die Essenz der tauromaquia, über Schicksale, das Geschäft und über die toros in der Kunst. Die Werke bekannter Namen wie Rainer Maria Rilke, Camilo José Cela, Federico Gracía Lorca, Pablo Neruda, John Steinbeck und andere kommen zu Wort. Und es wäre unvollständig, würde er nicht auch ein paar Worte über Ernest Hemingway bringen:

„Dem illustren americano gebührt der Verdienst, 
den Stierkampf Nichtspaniern beigebracht zu haben.“


„Mit seiner Erzählung „Der Unbesiegbare“, 
mit anderen short stories 
schaffte er dem toreo Denkmäler in jener Sprache, 
die das Spanische als Weltsprache abgelöst hatte.“

„Seine Ausfälle gegen Manolete trugen ihm viel böses Blut ein, 
den er, rechnen die Spanier nach, nicht hatte sehen können.“
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Quellennachweise:

Corrida, Der spanische Stier und sein Fest, Pierre Imhasly, Edition Erpf, München 1982
Tod am Nachmittag, Ernest Hemingway, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1957
Fiesta, Roman, Ernest Hemingway, Rowohlt, , Reinbek bei Hamburg, 1950
Der Unbesiegbare, Ernest Hemingway, Serie Piper, München, 1988

Dienstag, 8. September 2015

Ronda: Zwei Denkmäler, zwei Amerikaner und die Stiere




von Philip de Málaga


Ronda gedenkt den amerikanischen Aficionados Orson Welles und Hemingway
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Noch vor dem Beginn der 59. Corrida Goyesca in Ronda gab es ein anderes Ereignis welches die Aufmerksamkeit erregte. Eingeweiht wurden auf dem Paseo Blas Infante, gleich neben der historischen plaza de toros zwei Denkmäler von zwei berühmten amerikanischen aficionados de toros. Dem Regisseur Orson Welles und dem Schriftsteller Ernest Hemingway.

Zu diesem Akt kamen Vertreter der andalusischen Landesregierung, der Stadt und der Präsident des Kreistages von Málaga, und der Präsident von Unicaja, welche die Objekte mit 18.000 Euro finanzierte.

Beide Künstler pflegten eine intensive Beziehung zum Hause Ordoñez, besonders zu dem matador de toros Antonio Ordoñez.

Orson Welles und Antonio Ordoñez
So war der amerikanische Regisseur häufig in Ronda zu sehen. Auch bei der corrida goyesca. Trotz seiner bekennenden afición zur tauromaquia ist es schon erstaunlich, dass Wells nie mal vorhatte sich auch filmlich an das Thema der toros zu wagen. Immerhin war seine Leidenschaft zu der mundo de los toros so gross, dass er seine Asche nach Andalusien fliegen liess um auf der Finca der Ordoñez "San Cayetano" bestattet zu werden. Obwohl mit der Kamera hat man ihn sehr wohl in den tendidos an der barrera sitzend gesehen. Aber der Beginn zu "Der dritte Matador" wurde es wohl nicht.

Ernest Hemingway und Antonio Ordoñez
Zu Hemingway muss man hier wohl wenig schreiben. Gerade bei SfA konnte man über den amerikanischen Schriftsteller einiges lesen (SfA-Reportage: Der altem Mann und die Stiere). Vor allem in seinem letzten Roman "Gefährlicher Sommer" beschreibt er seine Freundschaft zu diesem torero.

Die Büsten aus Bronze auf den zwei Meter hohen Denkmälern wurden von dem Bildhauer Paco Parra aus Sevilla gestaltet.

Montag, 7. September 2015

In Ronda öffnet sich gleich zweimal die Puerta Grande




von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)

Grosser Stierkampf in Ronda, die 59. Corrida Goyesca
Kein tarde de toros für Morante de la Puebla
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Eigentlich passte alles zusammen. Ein corrida goyesca in Ronda, gutes Wetter, ausverkauft hasta la bandera, sieben orejas, petición de rabo und zwei puertas grandes. 


   
Jeder kennt dieses Bild, der schon einmal eine Corrida Goyesca in Ronda besucht hat.
Das grosse Gedrängel vor der plaza de toros.
Durch nur wenige Türen müssen 6.000 Menschen ihre Plätze pünktlich erreichen.
Was will man mehr um den Höhepunkt der temporada taurina in Spanien zu erreichen? Selbst nach diesem tarde de toros, die Reaktionen, welche SfA erreichten waren eher bescheidener Natur. So hiess es unter anderem „Leider“ oder ähnliche Begriffe. Aus deren Mündern sprach kein Neid, eher die Traurigkeit, dass gerade „der“ torero, ihr Morante de la Puebla am Erfolg nicht beteiligt war. Und das betraf nicht nur die morantistas in den tendidos, seien wir ehrlich, die meisten kamen unter anderem auch und vor allem wegen ihm. Aber das lote für ihn war nicht hilfreich. Ein paar verónicas, bei der quite wunderbare chicuelinas, bei den faenas zeigte er den Wunsch des Wollens, aber das reichte bei langem nicht. Kein tarde de toros für Morante.

Morante de la Puebla: Es sollte nicht sein Tag werden.
Doch die Zuschauer in den tendidos der Real Maestranza de Ronda sollten trotzdem belohnt werden und einen unvergessliche corrida goyesca präsentiert bekommen.

Manzanares mit einer verónica
Da war zum einen der matador de toros José María Manzanares. Seine faena , welche er Francisco Rivera Ordoñez „Paquirri“ mit einem brindis widmete, geradezu perfekt mit klassischen derechazos. Und mit seinen wunderschön ausgeführten naturales übertrug er zum Publikum, dass er vom toreo wirklich etwas verstehe. So liess er sich selbst bei allem viel Zeit und, damit der toro sich erholen konnte. Besonders beeindruckend seine letzte natural. Seine estocada brachte ihm die dos orejas, es gab sogar einige pañuelos die den rabo forderten.

Manzanares mit der beendet eine Serie von derechazos
Auch bei seinem zweiten toro beherrschte der matador seine Arbeit. Galant mit wenigen Unregelmäßigkeiten beherrschte er auch hier die beiden cuernos des toros und beendete seine faena mit einem espadazo.

Cayetano mit einer natural
Dann kam die Stunde der Gastgeber. Des Enkels von dem legendären Antonio Ordoñez, es kamen die unvergesslichen Auftritte des matadores de toros Cayetano. Obwohl sein erster toro eher schwach war zeigte dieser ein wenig nobleza. Und wurde von Cayetano auf den Knien vor dem toril mit einer larga cambiada empfangen. Gut auch das erste tercio und bei der faena führte der torero die muleta auffallend tief und beendete diese mit ayudados.

Cayetano führt die muleta hoch mit der rechten Hand 
Den sechsten toro, durchweg noble, widmete er seinem Bruder, der den brindis mit Tränen in den Augen entgegen nahm. Das Publikum bekam zum Abschluss ein durchaus komplette lidia zu sehen, viel eleganten pases, konfrontiert mit der ganzen Schönheit eines gelungenen toreos. Leider beendete er seine Arbeit mit einer estocada tendida im Zentrum des ruedos, aber der toro liess sich leider ein wenig Zeit bis er einknickte, was dem torero den trofeo des rabos kostete, welchen das Publikum trotzdem vehement gefordert hatte und dem toro eine vuelta al ruedo einbrachte.


Samstag den 5. September 2015
No hay billetes - Ausverkauft

Morante de la Puebla: Silencio und ovación tras aviso
José María Manzanares: Dos orejas und oreja

Toros von den ganderías Nuñez el Cuvillo und Juan Pedro Domecq

Und so endet die 59. corrida goyesca in der. Mit einer puerta grande für die beiden erfolgreichen matadores de toros José María Manzanares und Cayetano.
Puerta grande für Manzanares und Cayetano

Antitaurino muss vor Gericht





von Philip  de Málaga


Der Antitaurino von Mallorca und Marbella wurde gerichtlich vorgeladen
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Der niederländische Petrus Johannes Martinus, bekannt als antitaurino Peter Janssen und der matador de toros Morante de la Puebla wurden, wie die Ausgabe der Tageszeitung ABC aus Sevilla berichtet,  zu einem Schlichtungsverfahren vorgeladen. Dieses wurde für den 28. September 2015 um 13:30 Uhr angesetzt. Die Klage wegen verbrecherischer Tätigkeit und Verleumdung gegen den Holländer wurde am 21. August eingereicht. Für spanische Verhältnisse eine durchaus zügige Umsetzung.

Es begann am 7. August in der plaza de toros von Palma de Mallorca, als Peter Janssen nach der lidia und dem Tod des ersten toros in das ruedo stürmte und den matador de toros Morante de la Puebla anschliessend im callejón attackierte. Dabei soll der aaaa handgreiflich vorgegangen sein und den torero als "Mörder", "Tierquäler", "Hurensohn", "Bastard" und weiteren Schimpfwörtern angeschrien haben. Nur das schnelle Eingreifen der Polizei verhinderte schlimmeres.

Peter Janssen in Mallorca, könnte ein teurer Spass für ihn werden
Nur zwei Tage später wurde in Marbella (Andalusien) der matador de toros Morante de la Puebla und seine cuadrilla erneut beim nach dem Tod des ersten toros von einer Gruppe antitaurinos attackiert. Unter ihnen erneut Peter Janssen. Auch hier griff die Polizei relativ zügig ein.

Joaquín Moeckel
Nun war für den matador de toros Morante de la Puebla das Limit überschritten und er schaltete die bekannte Kanzlei Moeckel aus Sevilla ein. SfA hat davon berichtet: Es liegt an der Zeit juristische Schritte in die Wege zu leiten. Der Rechtsanwalt Joaquín Moeckel bezichtigte den Niederländer in seiner Klageschrift wegen Hausfriedensbruch mit Gewaltbereitschaft und Verleumdung und klagt auf eine Entschädigungssumme in Höhe von 100.000 Euro.

Peter Janssen ist übrigens in der Szene kein Unbekannter und in Insiderkreisen wird darüber gesprochen, dass er für seine Einsätze bei den corridas von der antitaurinischen Lobby bezahlt worden sei. So sei er mittlerweile neben den oben genannten plaza de toros auch in Pamplona, Burgos, Mérida, Valladolid, Badajoz und sogar in Sevilla und Madrid. Bei allen Aktionen ist auffallend, die Störung durch den antitaurinismo erfolgte stets nach dem Tod des toros. Nie traute sich einer während der lidia in das ruedo.
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"Ich bin ein Torero, kein Mörder"

Morante de la Puebla, gestern in Ronda (EL PAÍS)
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Auch am Wochenende ist Morante de la Puebla von antitaurinos auf der Strasse verbal angegangen worden. doch seine Antwort war eindeutig. Und er fuhr fort: "Die toros sind ein Glück, das wir hier sie haben. In seiner Gesamtheit ist es eine Heldentat seitens des toreos. Sie entstammen nicht aus der Zeit von Franco, nein, viel früher gab es sie schon. Toros sind der Ausdruck an Poesie in Spanien."

Antitaurinos manifestierten auch in Ronda, aber gewaltlos.
Wie auch immer, ob torero oder Mörder, das Gericht wird am 28. September darüber entscheiden. Auf das Urteil kann man gespannt sein, setzt es doch auch ein Zeichen für die Zukunft.

Sonntag, 6. September 2015

Ronda beginnt eher bescheiden





von Philip de Málaga


Der Höhepunkt der Stierkampfsaison in Spanien beginnt vor leeren Rängen
Die novillada am Freitag lockte kaum Zuschauer
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Lange ist es her, dass sich der Real Maestranza de Ronda schon zu Beginn der Feria Pedro Romero füllte. Selbst bei der zuerst statt findenden novillada gab es normalerweise genug afición. Doch diesmal kam es recht bescheiden. Eine novillada sin picadores, mit entradas zwischen 25 und 35 Euro, das wollten die aficionados nicht in ein solches espectáculo taurino investieren, welches an anderen Orten gratis angeboten wird. Nicht einmal ein cuarto de entrada, also weniger als 1.500 Zuschauer, dass ist in keinster Weise zu akzeptieren.


Reines Missmanagement der empresa. Statt sich an anderen plaza de toros zu orientieren, wie zum Beispiel in Málaga (siehe SfA TAURONEWS: Grosser Andrang in Málaga), wo die erste novillada sin picadores an die 9.000 Zuschauer in die tendidos lockte, konzentriert man sich hier lediglich auf den Highlight, der corrida goyesca.

Und das sollte so nicht sein. So wie zu der corrida goyesca wo die mit am vielversprechendsten matadores de toros der temporada taurina antreten, so sollte man auch bei der novillada den führenden novilleros des escalafones und zumindest den besten alumnos der escuelas taurinas eine Chance geben. Aber nein, das Haus Ordoñez, Eigentümer der plaza de toros konzentrieren sich lediglich auf ein No hay billetes der corrida goyesca. Und das leider schon seit Jahren. Ein ziemlich bedauernswerter Zustand bis hin zur Peinlichkeit. Klare pitos von der afición.

Der novillero Toñete mit einem derechazo
Hier die Ergebnisse der novillada in Ronda:

Juan Márquez: Palmas und ovación
Toñete: Ovación tras aviso und oreja

Die novillos kamen von der ganadería Aguadulce.

Der novillero Carlos Llandrés mit einer natural

Samstag, 5. September 2015

Inspiration zu Ronda





mit Curro González


Heute an diesem Samstag reden alle von Ronda. Der legendären mittlerweile 59. corrida goyesca. Das cartel zur feria taurina dazu gestaltete der Künstler aus Sevilla Curro González.


SfA: Was wollten Sie mit diesem cartel taurino zum Ausdruck bringen?

Curro González: Es ist eigentlich wenig überraschend, dass es hierbei um die Ankündigung einer einzigartigen fiesta geht, in welchem sich der Geist der corrida goyesca reflektiert, mit seinen lebendigen Farben, Rot und Zinnoberrot,produzieren sie ein Bild angenehmer Wärme und voller Kraft. Eben genau das, so wie ich es verstehe, sich in der fiesta taurina widerspiegelt. Schon seit meiner Kindheit verband ich mit dieser fiesta immer besonders das Licht und die Farben.

SfA: Wen erkennt man auf diesem cartel?

Curro González: Undiskutierbare Persönlichkeiten aus der Geschichte der mundo de los toros, vor allem jene welche wir mit Real Maestranza de Ronda in Bezug bringen. Oberhalb habe das führende Trio der tauromaquia skizziert, Don Alvaro Domecq-Diez, Rafael "El Gallo" und Belmonte. Dabei nahm ich Bezug auf das berühmte Photo, wo die drei in den tendidos der plaza sassen und den Eindruck vermittelten einfache aficionados zu sein. Irgendwie erinnert das alles an einen Olymp taurino. Mit dünnen Linien gezeichnet erscheinen die Figuren transparent, wie göttlich über dem Geschehen. Und gekrönt werden sie mit den Buchstaben um die es geht, den TOROS.


SfA: Und wer ist der Protagonist in der Mitte?

Curro González: Ich habe mich für den grossen maestro Antonio Ordoñez entschieden. Nicht nur weil er eine sehr wichtige figura war, nicht nur als torero, sondern er war einer der prägenden Entscheidungsträger für die corrida goyesca in Ronda. Dabei interessierte es mich seine Gegenwart und in Eleganz im ruedo darzustellen. Um dieses zu erreichen beschäftigte ich mich mit alten Photos, im Konkreten einer corrida goyesca aus dem Jahr 1964. Die bildliche Darstellung im Gegensatz zum Photo erlauben dir den besten Moment zu wählen, wo der interessanteste Augenblick reflektiert.

Ich hatte mich für diesen Moment entschieden, wo der toro nach dem Manöver den engaño, also die capa aus den Augen verloren hat.

SfA: Und natürlich darf der toro nicht fehlen, und diesmal gleich in einer doppelten Variante.

Curro González: Keine Frage, ohne den toro gäbe es keine fiesta. Der schwarze toro, welchen man in der Mitte erkennen kann, ist ein kritischer Moment voller Spannung vor seinem Tod. Den anderen toro habe ich nur umrissen dargestellt, weil er zum einen der Täuschung des Antonio Ordoñez unterlegen ist und zum anderen, weil die Augen des Betrachters auf den torero gerichtet sein sollen.

SfA: Ist es das erste cartel de toros?

Curro González: Ja, es ist das erste Mal. Und überhaupt habe ich früher nie etwas gezeichnet oder gemalt, was in Bezug zu den toros stand. Und wenn man etwas gestaltet was ein Poster werden soll, verhält sich die Sache sowieso anders. Vor allem deswegen, weil es sich gezielt an die Massen richtet. So entstehen nicht unbedingt gute Bilder.

SfA: Welches Material wurde verwendet?

Curro González: Öl auf Leinwand,  jene Technik, die ich in den letzten Jahren am häufigsten anwandte. Die Technik gibt mit viel Freiheit in der farblichen Gestaltung, besonders bei figurativen Bildern, die andere Bilder nicht zulassen, und somit viel Atmosphäre der Arbeit übertragen wird. Mit der Ölfarbe erhält es eine besondere Qualität, vor allem in den Farben, welches sich gut in dem Werk reflektiert.

SfA: Was hier noch besonders auffällt, es fehlen die Namen der toreros.

Curro González: Tatsächlich habe ich diesen Raum absichtlich leer gelassen, damit noch nachträglich Texte einsetzen kann. Das ist für unten gedacht, unterhalb der Zeichnung von Ronda. Mit dem inneren Design wollte ich mich auch ein wenig von den primitiven carteles absetzen. 

SfA: Was halten Sie von dem diesjährigen cartel de toros mit den matadores Cayetano, Manzanares und Morante?

Curro González: Ich bin kein Experte, aber es sieht aus wie ein leistungsfähiges cartel, dass dem Publikum gefällt und es im ruedo sehen möchte. Ich hoffe es wird eine corrida mit wichtigen faenas die in Erinnerung bleiben werden.

SfA: Werden Sie irgendein festejo taurino besuchen?

Curro Gonzalez: Selbstverständlich. Ich hoffe bei der corrida goyesca dabei sein zu können um mich an einem guten tarde de toros zu erfreuen.

SfA: Vielen Dank für das Interview

Freitag, 4. September 2015

Warum die katholische Kirche den Stierkampf nicht verbietet

Kommt ein neuer Papst, versuchen es die Gegner erneut
die Kirche gegen den Stierkampf zu beeinflussen
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von Philip de Málaga

Immer wieder  erreichen SfA Anfragen nach dem Verhalten der vor allem römisch katholischen Kirche. Wie steht diese zur mundo taurino und warum ist das so? Hier mal ein paar klärende Worte zum historischen Ablauf:

In der Tat hat die römisch-katholische Kirche vor knapp 450 Jahren Stierfeste jeder Art auf der Iberischen Halbinsel mal verboten!
Papst Pius V

Gerne berufen sich Tierschützer auf Papst Pius V (1504 -1572) und seine berühmte päpstliche Bulle aus dem Jahr 1567, die die Teilnahme an Stierfesten unter Androhung der Exkommunizierung verboten hatte.

Was kaum einer weiß, Pius V war vor seinem päpstlichen Wirken 28 Jahre lang Inquisitor für die Provinzen Como und Bergamo und 3 Jahre lang Großinquisitor der römisch katholischen Kirche. Da fällt es einem wirklich schwer zu glauben, der Papst hätte damals sein Herz für die Stiere entdeckt. Ganz gewiss nicht. Es ging ihm dabei um kirchliche wie politische Angelegenheiten:
Philipp II von Spanien

ERSTENS: Was ihn schon damals als Großinquisitor mächtig störte war, dass Philipp II von Spanien (1527 – 1598) die spanische Inquisition als staatliche Organisation in festen Händen hielt, und nicht daran dachte diese Rom zu unterstellen.

ZWEITENS: An solchen Stierfesten kamen nicht selten zahlreiche caballeros ums Leben. Die Kirche konnte nicht akzeptieren, dass die edlen Ritter ihr von Gott geschenktes Leben so einfach dahin warfen. Außerdem fehlten sie dann für die Kriegseinsätze unter christlicher Flagge.

DRITTENS: Stierfeste fanden oft an Sonn- und Feiertagen statt. Sie begannen schon gegen zehn Uhr am Vormittag und endeten in regelrechten Orgien bis spät in der Nacht hinein. Für den besuch von Gottesdienste gab es da keine Zeit und dadurch blieben viele Gotteshäuser leer.
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"Genauso wie das Verbot in Katalonien, 
war die päpstliche Bulle ein reines Politikum, 
welche mit dem Schutz der Stiere wenig gemein hatte."
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Spanien spielte aber für Pius V eine wichtige Rolle, gerade im Kampf gegen das osmanische Reich. Um ein wenig mehr Kontrolle über die Iberische Halbinsel zu bekommen, liess er jene päpstliche Bulle aufsetzen. Doch er machte die Rechnung ohne Philipp II. Dieser nämlich befürchtete Unruhen des Volkes, gar den Unmut des Adels, dem die Organisation jener Stierfeste unterlag, und ließ diese päpstliche Bulle erst gar nicht veröffentlichen. Als Erklärung schrieb er an den Vatikan :
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„Die Bräuche der Stierkämpfe 
liegen den Spaniern einfach einfach im Blut.“

Philipp II (1527 bis 1598)
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Der historische Ablauf:


Die Päpste und die toros: Pius V, Gregor XIII, Sixto V und Clemens VIII
1567 wird die päpstliche Bulle De salutis gregis dominici von Papst Pius V veröffentlicht, in der die Stierkämpfe unter Androhung der Exkommunizierung verboten worden sind.


1575 lockerte Papst Gregor XIII diese Bulle in seinem Schreiben Exponis nobis super wieder auf, indem er das Verbot von Stierkämpfen nur auf Sonntage und geistliche Würdenträger bezog. Papst Gregor hatte sich nur deshalb darauf eingelassen habe, damit Spanien gleichzeitig mit Portugal, Italien und den katholischen Zonen in Polen 1582 den Gregorianischen Kalender einführt.

1583 setzte Papst Sixto V die päpstliche Bulle vom Stierkampfverbot wieder in Kraft. Vorher als Inquisitor von Venedig hatte ihn das Zugeständnis seines Vorgängers verärgert. Die eigentlichen Gründe für diesen Missmut decken sich wohl mit denen von Pius V. Aber es liegt auf der Hand, dass das Verbot von Stierkämpfen wieder mal eher eine Angelegenheit der Inquisition war und nicht unbedingt als Schutzfunktion für die Stiere anzusehen ist.

Obwohl Spanien den Vatikan des Machtmissbrauches und Interpretationsfalschheit beschuldigte wurde das vatikanische Verbot erst wieder nach dreizehn Jahren aufgehoben.

Am 13. Januar 1596 hebt Papst Clemens VIII nach langen diplomatischen Verhandlungen mit dem spanischen Botschafter in Rom, Don Antonio de Sosa mit seiner Bulle Suscepti numeris alle Verbote bezüglich der juegos taurinos auf. Seit diesem Zeitpunkt hat es kein weiteres Verbot mehr gegeben. Und ist vor allem in der römisch katholischen Kirche auch keine Thema mehr.

Und wie steht es in der Gegenwart mit der Wirkkraft der päpstlichen Bulle?

Die Fondation Franz Weber aus der Schweiz veranstaltete diesbezüglich im Juni 2008 einen Schauprozess in Genf. Um diesem einseitigen Prozess einen professionellen Anstrich zu geben sprechen sie von einem Urteil des Internationalen Gerichtshofes für Tierrechte hinter dem die United Animal Nations steht. Das “Vereinte Nationen” wirkt dabei ein wenig irritierend, denn mit den Vereinten Nationen hat diese frei-gemeinnützige Organisation nichts gemein. Im deren nicht rechtskräftigem Urteil ist nachzulesen:

“Bis zur Umsetzung dieser Abschaffung fordert der Gerichtshof vom Papst Benedikt XVI, die die Stierkampfspiele unwiderruflich verurteilende Bulle DE SALUTE GREGI DOMINICI des Papstes Pius V, die immer noch gültig ist, zu erneuern und klare Richtlinien zu erlassen, nach denen die blutigen und abscheulichen Veranstaltungen, die Stierkämpfe darstellen, verurteilt werden müssen.”

Die Theologische Fakultät in Trier sieht es anders:

"Zur Frage der Gültigkeit: Wenn eine päpstliche Bulle nicht widerrufen wird, bleibt sie natürlich gültig. Viele päpstlichen Bullen haben aber keine tatsächliche Wirkkraft erlangt und sind im staatlichen oder kirchlichen Leben bedeutungslos geblieben. So haben mehrere Päpste im Mittelalter in Bullen die Ritualmordbezichtigungen gegen die Juden ausdrücklich verurteilt und Unwissenheit und Habgier auf Seiten der Christen als die eigentlichen Motive für diese falschen Anschuldigungen der Juden bezeichnet. Gefruchtet hat das nicht.

Bei Pastor steht übrigens auch, dass König Philipp II. und die spanischen Granden sich sofort gegen das Verbot der Stierkämpfe gewandt haben. Es haben zwar einige spanische Bischöfe im sog. Reformlibell der spanischen Bischöfe auf dem Konzil von Trient (1561-1563) unter vielen Reformforderungen auch das Verbot von Stierkämpfen und sonstigen Tierhetzen (besonders an Sonn- und Feiertagen) verlangt. Die Namen dieser Bischöfe werden jedoch nicht genannt. Auf der anderen Seite fand Philipp II. auch willfährige Theologen, die ihm in ihren Gutachten die Unbedenklichkeit der Stierkämpfe bescheinigten.

Ich vermute, dass das auch für den heutigen niederen und höheren Klerus in Spanien gilt."

Mit anderen Worten, es liegt kein Verbot der römisch katholischen Kirche vor.
Und ist auch kein Thema mehr!

Da die päpstliche Bulle von 1567 von Papst Pius V und deren Wiederaktivierung von 1583 im Jahr 1596 von Papst Clemens VIII eindeutig widerrufen worden ist, hat diese entsprechend auch keine Gültigkeit mehr. Jede weitere Diskussion darüber ist überflüssig.

Siehe auch: Der katholische Stier