Mittwoch, 14. September 2016

Un Agosto muy taurino (1)

1. Teil: Màlaga
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von Adrian Neville aus Nürnberg

Diesen Sommer habe ich mir einen langgehegten Traum erfüllt: die Ferias von Málaga und Bilbao (die aneinander anschliessen) zu besuchen. Sechs Tage lang am Mittelmeer, dann gleich weiter an den Atlantik. Als Student beneidete ich immer die englischen aficionados in Málaga, wenn sie am letzten Abend der Feria davon erzählten, das es am nächsten Morgen gleich weiter nach Bilbao geht. Málaga ist eine meiner Lieblingsplazas, die schöne „Malagueta“ ist nur circa dreihundert Meter vom Meer entfernt, die Luft schmeckt salzig und über dem ruedo kreisen und kreischen die Möwen  Hier habe ich die meisten corridas gesehen.
Die Malagueta liegt nur wenige Meter vom Meer und dem Hafen entfernt.
Mittags kann man zum apartado gehen und sich die Stiere des Abends aus der Nähe anschauen.

Es ist eine typisch andalusische „Plaza torerista“, daß heisst, die Zuschauer kommen hauptsächlich, um ihre toreros zu sehen. Die Präsentation der Stiere ist dabei oft eher zweitrangig und leider wurde die Arena vor ein paar Jahren – gegen jegliche Vernunft – zu einer Plaza erster Kategorie ernannt. Die toros entsprechen leider oft nicht dieser Kategorie. Die meisten eingefleischten aficionados beklagen diesen Umstand. 

Ausgerechnet die erste corrida, mit Stieren von „Partido de Resina“ ehemals Pablo Romero, eine der legendärsten ganaderías überhaupt, war eine riesige Enttäuschung. Selten sah ich so schöne und gut präsentierte toros. Alle auf den ersten Blick „Pabloromeros“, wie aus dem Bilderbuch. Das war es dann aber auch schon. Ausnahmslos alle waren komplett „mansos“.  bekam dann auch noch die drei avisos, wegen seiner absoluten Unkenntnis, wie man den „descabello“ anwendet.

Javier Jimenez konnte seinen ersten toro nicht töten
und Tausende haben es live am TV mitverfolgt.
Ein matador de toros darf nicht dermassen stümperhaft damit umgehen. Als würde er es zum ersten Mal machen. Was dann folgte, war irgendwie typisch Málaga: das Publikum applaudierte für die Gesamtdarbietung, so dass er für „saludos“ in den Ring kam. Eigentlich unmöglich und schlechte Kinderstube. (Anmerkung von SfA: Diese corrida de toros wurde live im andalusischen Fernsehsender Canal SUR und international auf Andalucía TV übertragen).

Insgesamt gab es in allen sechs corridas denen ich beiwohnte keine einzige echte „suerte de varas“. Der Stier wurde irgendwie Richtung picador manövriert, der stach dann ebenfalls irgendwie zu und das Publikum applaudierte, wenn der zweite „puyazo“ (der in Plazas der ersten Kategorie vorgeschrieben ist) möglichst schwach war. Ausführung hiervon ebenfalls weitgehend egal.

Das Publikum in der Malagueta ist eben ein Festives, welches ein Spektakel erleben möchte und besonders der matador soll hierbei glänzen.

Es gab keine Puerta Grande (in Málaga schreibt das neue reglamento taurino vor, dass ein matador dos orejas von einem Stier bekommen muss. Eins und eins reicht nicht aus. Auch dies ein ziemlicher Unsinn, mit den man den aficionados keinen Gefallen tut). Joselito Adame, der mir immer besser gefällt, bekam bei der endlosen, da „8stierigen“ Corrida Picassiana nämlich eins und eins, doch musste die Plaza leider zu Fuss verlassen. Er wird immer feiner in seinen Manövern, technisch immer perfekter, ohne dass es kalt wirkt. Vor ein paar Jahren sagte mir sein toreo noch gar nichts, doch die letzten Male hat er mich absolut positiv überrascht.
Joselito Adame konnte überzeugen: Dos orejas.
An jenem Nachmittag wuchs auch „Fortes“ über sich hinaus. Keine „Kamikaze Aktionen“, sondern ein phantastisches und sehr inspiriertes toreo a natural. Ganz besonders in der Ausführung. Hoffentlich bleibt er auf dieser Linie. Er hätte die dos orejas verdient und hätte sie vor einigen Jahren, als Málaga noch zweite Kategorie war, auch sicherlich bekommen.
Der Lokalmatador Fortes konnte mit seinen ruhigen pases naturales überzeugen.
Cayetano“, der ebenfalls nicht zu meinen Favoriten zählt, hatte einen phantastischen Auftritt. Die „Malagueta“ beflügelt ihn scheinbar immer wieder. Immerhin war es eine der Lieblingsplazas seines legendären Großvaters.

Ponce einfach ein Meister, un verdadero maestro... Jedes Manöver stimmt, er „kann“ mit beinahe jedem Stier. Seltsam hier aber die Tatsache, dass einer der zweifellos grössten matadore aller Zeiten, seit 26 Jahren ganz oben, der alles doppelt und dreifach erreicht hat, es nicht schafft Plazas auszuverkaufen. Woran liegt´s? Ist es inflationär? 
Stets eine der ganz grossen figuras: Der maestro Enrique Ponce
Nach den toros in die Cafetería Bar Flor
mit Blick auf die Plaza de toros La Malagueta
Denkwürdig „Morante de la Puebla“, der es schaffte, an zwei Nachmittagen insgesamt vier „broncas“ zu kassieren. Inklusive drei avisos. Er versuchte den descabello nicht einmal. Mit dem typischen, angewiederten „Morante“ Gesichtsausdruck, die Arme verschränkt, liess er einen aviso nach dem anderen verklingen.

Insgesamt war es wieder sehr schön in Málaga. Auch die tägliche Runde nach der corrida in der „Bar Flor“ ist fast noch die selbe, wie vor fast 20 Jahren, als ich erstmals in Málaga war.

Am nächsten Morgen ging es dann in das Baskenland.

Fortsetzung folgt am nächsten Sonntag.

Freitag, 5. August 2016

Welche Toreros lohnt es sich zu sehen?

Immer wieder erreichen SfA Anfragen welche Stierkämpfe
es sich lohnt anzuschauen?
Auch die Frage nach den derzeit besten Toreros taucht häufig auf.
SfA verschafft einen kleinen aktuellen Überblick
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von Philip de Málaga
Natürlich hat ein jeder aficionado seine eigenen Vorlieben, warum er eine corrida de toros besucht. Während sich die toristas vorwiegend für das Verhalten wie die bravura der toros von den verschiedenen ganaderías interessieren, sind andere Zuschauer mehr auf die toreros fixiert. Und auch da gibt es Unterschiede. Einige schwören auf gewissen figuras, andere sehen gerne bestimmte Manöver, wie mit capa oder muleta, wiederum andere sehen es gerne, wenn der matador die banderillas selber setzt, eine weitere Gruppe ist fasziniert von dem allgemeinen Ambiente ... es gibt vielerlei Gründe ein festejo taurino zu besuchen. Und je mehr man in die mundo de los toros eintaucht, um so mehr gibt es zu entdecken. Immer wieder Neues zieht den aficionado de toros in den Bann der tauromaquia

Wer das erste Mal so ein festejo taurino besucht hat nicht selten die Qual der Wahl. Vor allem die Frage, welche toreros gehören derzeit zu den Besten? Wen lohnt es sich an zu schauen? In der Regel möchten diejenigen, welche das erste mal so eine Veranstaltung mit den toros besuchen auch eine gute Leistung geboten bekommen. SfA möchte da ein wenig behilflich sein und eine Übersicht präsentieren, wer derzeit zu den besten toreros gehört. 

Gewiss hängt der Erfolg eines tarde de toros von vielen Umständen ab. In welchen Konditionen befinden sich toros wie toreros, das Wetter, und auch das Publikum. Da gibt es Online-Rankkings, wie zum Beispiel beim Portal mundotoro, wo man in der Rubrik escalafón nachschauen kann, welche toreros derzeit häufig zu sehen sind und wie viele trofeos sie erhalten haben: Escalafón de mundotoro
Escalafón von mundotoro vom 4. August 2016
Man bedenke dabei, dass ein lidiador pro toro maximal drei trofeos also dos orejas y rabo erhalten kann. In der obersten Leiste kann der Betrachter das Ranking variieren, jeweils nach festejostrofeos  in den einzelnen categorías der plaza de toros usw.

SfA hat diesbezüglich nachgerechnet und den Auszeichnungen der lidiadores eine Wertigkeit zugeordnet. Wenn ein matador in einem festejo taurino ein oreja als trofeo erhält, hat er 100 Prozent seiner Leistung erbracht. Mit anderen Worten, jeder maestro mit 100 Prozent oder mehr, hat bei jedem festejo, wo er angetreten ist, mindestens ein oreja erhalten.

Bei der Kalkulation war es eine Bedingung, dass ein torero mindestens fünf Mal in der jeweiligen Kategorie angetreten ist. Dies wurde deswegen angegangen, um Eintagsfliegen auszusortieren. 

Allgemein betrachtet, für alle plaza de toros aller categorías kommt man auf folgendes Ranking:
Mit anderen Worten: David Galván, hat bei jedem festejo durchschnittlich 3,6 trofeos erhalten.
In der Königsklasse der spanischen tauromaquia, also der erfolgreichen Auftritten von lidiadores  in plaza de toros der 1. categoría finden sich lediglich fünf maestros:
Mit anderen Worten: Juan José Padilla, hat bei jedem festejo durchschnittlich 2 trofeos erhalten.
In den restlichen spanischen Grossstädten findet sich das Ranking wie folgt:
Mit anderen Worten: Cayetano, hat bei jedem festejo durchschnittlich 2,4 trofeos erhalten.
Aber wie schon genannt, besagtes Ranking ist keine Garantie für eine gute corrida de toros. Aber eine gute Voraussetzung, denn die hier genannten matadores de toros haben bis jetzt durchschnittlich eine sehr gute Leistung abgegeben. Da alle oben genannten toreros mit mindestens einem oreja die entsprechende Anzahl der corridas absolvierten, bedeutet dieses statistisch bewertet, dass man bei einer corrida de toros mit sechs toros auch durchaus mit mindestens sechs orejas rechnen könnte. Aber nur statistisch gesehen. Denn viele Faktoren können diesem einen Strich durch die Rechnung machen. Angefangen bei schlechten wie gefährlichen toros  über die cornadas, den Verletzungen der toreros bis hin zum Tod am Nachmittag. 

Donnerstag, 4. August 2016

Sich vorher schon mal die Stiere anschauen

Jetzt geht sie bald los, die Feria von Málaga.
Hier gibt es nicht nur Stierkämpfe zu sehen, 
sondern auch kulturellen Veranstaltungen, alles rund um den Stier
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von Philip de Málaga
(Fotos: FIT, Artetur, mundotoro)

Und wenn es schon um den toro geht, sollte man ihn sich auch in seinem natürlichen Umfeld, wo er geboren, gezüchtet und aufgewachsen ist anschauen. So dachten es sich verschiedene peñas und asociaciónes taurinas aus der Provinz Málaga. Und organisierten mit der Fusion International por la Tauromaquia eine Tagesreise in die wahre mundo de los toros, zu einer ganadería, wo toros für die diesjährige feria taurino in Málaga gezüchtet worden sind.

Wo es um den toro ging, war man auch darum bestrebt authentische toros zu besuchen. Da entschied man sich für die toros der corrida torista am Montag den 15. August in der La Malagueta. Vor den Augen der toristas stellen sich die matadores de toros Fernando Robleño, Domingo López Chaves und Javier Jiménez den Stieren der ganadería Partido de Resina, ehemals mit dem Namen Pablo Romero, in Sevilla.
Diese drei toreros stellen sich in Málaga der Rinderzucht, der encaste aus dem Paradies, wie der mayoral  Joaquín Morera Garrido, den Slogan der ganadería verbreitet.
Und jenes Paradies war am letzten Samstag das Ziel von siebzig aficionados de toros aus der Provinz Málaga. Unter Leitung des Repräsentanten der Finca für toros, José Luis Agora Cabello, konnten die aficionados und der grellen Sonne Andalusiens Impressionen vom Paradies entdecken, die toros beobachten und beim galoppieren studieren. 
"Es ist schon ein überwältigendes Gefühl, die toros in freier Bahn zu sehen, ihre Gefährlichkeit auch nur erahnen zu können. Mit diesem Eindruck geht man zur corrida mit einem ganz anderen Gefühl in die plaza. Denn jetzt kennt man beide Seiten, die toreros wie die toros", so Pedro L. aus Velez Málaga.
Victor S. Aus Antequera fragte sich: "Ich kenne gut Enrique Ponce. Kaum einer kennt die toros so gut wie er. Ich glaube viel mehr toreros, vor allem der junge Nachwuchs, wären viel besser, würden sie sich auch mehr mit den toros auseinandersetzen."
Das Fernsehmagazin Toros para Todos des andalusischen Regionalsenders RTVA beschäftigt sich jeden Sonntag mit der mundo de los toros auf dem Lande. Auch in Deutschland hat man die Möglichkeit TPT via Satellitenfernsehen, Sonntags ab 13:10 Uhr mit zu verfolgen.
Überhaupt gibt es einige ganaderías, welche der geneigte aficionado oder Interessierte besuchen kann. Unter anderem auch die hier beschriebene Zucht Partido de Resina. Link: Artetur, welche vier verschiedene ganaderías im Programm hat.

Mittwoch, 3. August 2016

Lange Menschenschlangen bei den Vorverkäufen zu den Stierkämpfen




von Philip de Màlaga


Die afición weiss um ihre Tradition der los toros
und der Andrang ist entsprechend gross
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Die meisten empresarios der plaza de toros mit ihren ferias taurinas im August können zufrieden sein. Der Andrang allein schon nur zum Vorverkauf der abonos ist auffallend gross.

Pontevedra
Huelva
Málaga

Dienstag, 2. August 2016

Die geballte Kraft eines Toros Bravos im heimischen Garten





von Philip de Málaga



Wie viel afición oder Tradition ein aficionado de toros bei sich zu Hause im germanischen Gefilde unterbringen möchte, bleibt einem jedem selbst überlassen. Während die einen sich mit einem kleinen Stier von Osborne, einer Miniaturausgabe jener 88 schwarzen Silhouetten welche mit einer Höhe von 14 Metern seit 1957 spanische Landstrassen dekorieren, die meisten davon stehen in Andalusien. Ein beliebtes Souvenir ist der toros von Osborne allemal. Ob als Kleine Silhouette, auf Kugelschreibern, Krawatten, Taschen oder als das Originalgetränk.

Wer aber nach einem grossen toro bravo für seinen Garten sucht, auch dem kann geholfen werden. Eine halbe Tonne schwer, gleicht er der Kraft eines Miura-Stiers. 2,85 Meter lang und 1,70 Meter hoch. Doch eins unterscheidet die beiden, nur einer versteht es schnell zu beschleunigen als ein Rennpferd, und mit seinen Hörnern für gefährliche Momente der cornadas zu sorgen.

Diese Feinguss-Bronze-Skulptur kommt nicht aus Spanien sondern wird von Avant Garden in England angeboten. Die "Zucht" geht schnell, in zwei Wochen kann innerhalb von Großbritannien angeliefert werden. Der stolze Preis für diese Stier-Skulptur beträgt 16.627 britische Pfund. Das entspricht 19.628 Euro.
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Danke an Ursula Herzog


Samstag, 30. Juli 2016

Über Francisco Cano




von José und Wella de Alemania


Wir kannten Francisco Cano schon sehr lange, so wie jeder ihn kannte, der in der tauromaquia zu Hause ist. Er war immer sehr verbindlich und freundlich, pflegte aber eine gewisse Distanz, wenn er nicht sicher war, ob man ein echter aficionado ist.

Wenn man sich des Öfteren gesehen hat, dann entwickelte er sich zum begnadeten "Geschichtenerzähler". Bei jeder Feria sah man ihn mit seiner weissen Mütze beim paseillo. In Valencia wohnen wir immer im Hotel Vincci Lys. Dort ist auch das Foto entstanden.

Deutsche aficionados mit dem bekannten Fotografen "Canito" in Valencia.
Einmal hat er uns in der plaza fotografiert, ohne dass wir es merkten und dann hat er das Foto im Hotel abgegeben. Natürlich in Schwarz/Weiss und mit seiner Unterschrift. 

Viele seiner Fotos sind in Pamplona entstanden.  Wir waren in den 80er Jahren dort und er fand es immer schade, dass sich San Fermín so touristisch entwickelt hat. In den letzten Jahren war er nicht mehr dort zu sehen, und man konnte ahnen, dass sein Alter ihm zugesetzt hat. 

Alle, die in der mundo de los toros bedeutend waren, pflegen einen respektvollen Umgang mit ihm.

Es gibt ein sehr schönes Buch über Cano, dass er uns mit einer tollen Widmung geschenkt hat. Das war in Valencia 2011. Und wir sind uns immer wieder über den Weg gelaufen und haben uns jedesmal gefreut ihn wieder zu sehen. 

Freitag, 29. Juli 2016

Meine Liebe zu den Stieren brachte mich dazu sie zu malen





von Philip de Málaga


Der kolumbianische Künstler Fernando Botero 
gestaltet das cartel er feria taurina von Albacete 2016
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Der Maler und Bildhauer Fernando Botero ist am 12. April 1932 in Medellín, in den kolumbianischen Anden geboren. Schon mit zwölf Jahren begann er sich der Malerei zuzuwenden. In den 50-ger Jahren gelang es ihm einen eigenen Stil zu finden, der die Welt der Kunst auf ihn aufmerksam machte und ihm zu Berühmtheit verhalf. Im Mittelpunkt seines Schaffen stand der Mensch. Jedoch zeigte er seine Figuren in voluminösen Proportionen. Menschen werden zu dicken Wesen befördert, teilweise sehr dicken Individuen, welche jedoch nach Verständnis des Künstlers eine gewisse Ästhetik vorzuweisen haben. 
Fernando Botero als Teil seines Kunstwerkes
Der Künstler erklärt das so: "Mit Volumen kann man Sinnlichkeit und Bewegung zum Ausdruck bringen. Das hat zu der grössten Revolution in der Kunst geführt: Dem Einbringen von Volumen. Es ist die Illusion, auf einer flachen Oberfläche etwas zu schaffen. Die Dinge existieren Dank ihres Volumens.Was ich gemacht habe ist eine aussergewöhnliche Revolution. Aber ich bin noch darüber hinaus gegangen. Mit Hilfe von verführerischen Formen und Volumen wollte ich Aufregung zum Ausdruck bringen. Jene Gemütsbewegung, welche Sie beim Anblick eines Kunstwerkes spüren. Denn wenn man sich ein Kunstwerk betrachtet, dann muss man darüber in die Meditation eintauchen können. Ich bin fest davon überzeugt, dass Volumen und Bewegung in der Kunst durchaus sinnliche Elemente in der Malerei sind."
Und so befinden sich im Zentrum seiner Kunstwerke Menschen, welche doch recht dick anmuten. Voluminös. Und vor niemandem macht Botero halt. Nicht vor Königen, Diktatoren, Tänzerinnen, Soldaten, Flüchtlinge oder eben toreros. Womit wir beim Thema wären. Der tauromaquia. "Meine tiefe Liebe zu den toros brachte mich dazu sie zu malen." Aber üppige toreros, das soll gehen? Ästhetik und Eleganz wird hier in neuem Licht gezeigt. Und nicht zu wenig. Über 140 Ölwerke und 38 Zeichnungen entstanden in den letzten 60 Jahren. Viel gab es für den Künstler zu entdecken. "Die toros machen dem Maler das Leben einfach, denn es ist eine farbenfrohe Angelegenheit. Die traje de luces des matadores, der Sand im ruedo, die barrera, das Publikum ... Ein wunderbares Thema, etwas was die Poesie in die Malerei bringt."
Dieses Werk mit dem Titel "Tercio de varas" soll das nächste cartel in Albacete schmücken.
Botero ist ein leidenschaftlicher aficionado. Seine afición begann beim Eintritt in eine escuela taurina. Dort hat er begonnen erste Zeichnungen über verschiedenen suertes anzufertigen. Und "über die toros bin ich zur afición der Malerei gekommen".

Donnerstag, 28. Juli 2016

Adiós Canito

Francisco Cano war nicht nur ein leidenschaftlicher Photograph 
in der mundo de los toros,
auch weltweit erfreute er sich gösster Popularität
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von Philip de Málaga
Wer es schafft so viel Leidenschaft, so viel Passion in seine Bilder zu transportieren, wenn es jemandem gelingt die ohne Frage viel diskutierte pasión a los toros für die Ewigkeit festzuhalten, der nimmt gewiss in der mundo de los toros eine ganz besondere Stelle ein. Legendär wurde er durch den Tod, hat er doch als einziger Photograph den Tod des matadores de toros Manolete in der plaza de toros von Linares (Andalusien) im Jahr 1947 bildlich festhalten können. Und nun hat der Tod ihn geholt. Francisco Cano Lorenza, liebevoll Canito genannt, der Mann mit der schon legendären Mütze und der einzigartigen Unterschrift eines cano.

Als Sohn des novilleros Vicente Cano "Rejillas" ist er am 18. Dezember 1912 in einem Vorort von Alicante geboren. Obwohl sein Vater schon ein Teil der mundo de los toros war, zog Paco Cano zunächst eine andere Leidenschaft in den Bann. Das Boxen. Mit siebzehn Jahren übte er sich im Fliegengewicht und fand damals schon in dieser Klasse einen Gegner, der dieselbe berufliche Laufbahn wie er einschlagen sollte. Der Kameramann Pepita Aguayo, der später auch für Luis Buñuel arbeitete.

Um der Armut zu entfliehen suchte Paco Cano nach neuen Wege. So wendete er sich der mundo taurino zu. Bei einer novillada in seiner Heimatstadt Alicante sprang er als espontáneo ins ruedo und landete erst einmal im calabozo der Polizei. Schliesslich kam es zu einem Auftritt als sobresaliente bei einer novillada mit toreras, den novilleras Palmeño.
Diese beiden novilleras gaben Paco Cano als sobresaliente eine erste Chance
Bei einer novillada in Orihuela (bei Alicante) machte Francisco Cano seine erste Erfahrung mit einer cornada, was ihm diesmal den Weg in das Hospital bescherte. Nein, er liebte die Welt der Stiere, war ergriffen von der pasión, aber den toros entgegen zu treten entsprach nicht unbedingt seinem Streben nach Erfolg. In Linares war er mit Manolete im Hotelzimmer und dieser fragte ihn:

Manolete: "Wie warst Du als torero?"

Paco Cano: "Ich war der ungeschickteste torero der Welt .... Die toros haben mich immer erwischt."

Manolete: "Wenn sie dich immer erwischt haben, wohl deswegen, weil Du immer ruhig stehen geblieben bist."
Paco Cano und der maestro Manolete im Hotel, vor dem tragischen tarde de toros.
Dann kam der spanische Bürgerkrieg. Paco Cano tauchte unter und versteckte sich in der Wohnung seines Freundes Gonzalo Guerra Banderas in Madrid, welcher ihn in die Kunst der Photographie einführte, von der er von Beginn an begeistert war. Zwar hatte er innerlich immer noch den Hang zum torero sein, während er als Aushilfskraft in einer Kosmetikfabrik gearbeitet hatte, aber er entschied sich letztendlich die traje de luces gegen einen Photoapparat einzutauschen. Der Krieg war vorbei, und Cano war entschlossen im Alter von 26 Jahren ein Photograph taurino zu werden. Schnell arbeitete er sich zum begehrtesten Photographen der tauromaquia hoch. Er arbeite für grosse Medien wie ABC oder EL PAIS, aber stets als Freiberufler, denn binden wollte er sich nie: "Mir gefällt die Unabhängigkeit, die Freiheit...". Und so begann er Photoreportagen von bekannten maestros zusammenzustellen; unter ihnen die diestros Pepe Luis Vázques, Domingo Ortega oder Luis Miguel Dominguín, mit dem er ein besonders freundschaftliches Verhältnis pflegte.
Paco Cano und der torero und Freund Luis Miguel Dominguín
Und dann kam der 29. August 1947. Der matador Luis Miguel schuldete dem Photographen ein wenig Geld und forderte ihn auf ihn nach Linares zu begleiten, dort könne er dann alles begleichen.  Ohne zu wissen, dass dies der wichtigste Tag im Leben seiner photographischen Karriere sein wird, begab sich Paco Cano in das andalusische Linares. Und an jenem Nachmittag war er in der Plaza de Toros der einzige Photograph der die dramatischen Momente festhielt, wo der toro von der gefürchteten ganadería Miura mit dem Namen Islero den damals auch international berühmten matador de toros Manuel Rodriguez Manolete tötete. Es entstanden Bilder, welche die Welt eroberten. Nach dem niedergeschriebenen Meisterwerk von Ernest Hemingway Tod am Nachmittag kam nun fünfzehn Jahre später die passenden Photos dazu. Muerte en la tarde.



"So konnte ich Bilder machen, die um die Welt gingen. Einige waren böse auf mich, dass ich dieses so ausnützte, aber es brachte mir viel Ruhm und Geld ein. Die Leute standen Schlange bei mir zu Hause um Photos von der cogida mortal von Manolete zu erwerben. Armer Manolo. Ich habe in meinem ganzen Leben viel um dich geweint, viel mehr als um meinen Vater."

Es folgten noch weitere 69 Jahre, in denen der Ruhm des Mannes mit der Leica in der Hand aus Alicante noch anhalten sollte. Bis in diese Tage. Aber er war nicht nur ein Meister im Festhalten der toros, der lidia, sondern es gelang ihm eine Epoche zu erfassen mit ihrem ganze Tiefe an Ambiente und Emotionen. Er lebte diese einzigartige Atmosphäre in und um einer Plaza de Toros und mit seiner ehrlichen aufrichtigen gefühlsintensiven Arbeit erfreut er sich zahlreicher Freundschaften mit  vielen Berühmtheiten aus der ganzen Welt.
Ave Gardner bei einer corrida de toros
Ave Gardner gibt den Rhythmus vor und der torero Chamaco tanzt Flamenco
Immer gestand er seine Schwäche für die amerikanische Schauspielerin Ave Gardner. Für ihn sei sie die schönste Frau der Welt. Einmal ging er zu seiner Frau und sagte: "Es ist alles geregelt. Für dich die Jungfrau. Für mich, Ave Gardner."
Paco Cano mit Ernest Hemingway in Pamplona
Hemingway war vor allem ein Freund seiner Freunde. Aber er war der freundlichste. "Der sympathischste Freund von allen war Hemingway, Don Ernesto. Und nicht nur deswegen, weil ich mich mit ihm betrunken habe. Aber noch viel mehr von einem Genie hatte Orson Welles. Er war unglaublich liebevoll."
1961 in PamplonaAntonio Ordoñez, Orson Wells und Paco Cano
1953: Paco Cano mir Gary Cooper
Auch Cano hatte seinen High Noon. Der amerikanische Schauspieler Gary Cooper versuchte sich mit einer becerra.  "Aber weil er so gross war, wirkte das Tier so fürchterlich klein." Cooper lud ihn ein nach Hollywood zu kommen, er würde ihn gerne in einem seiner Filme mitspielen lassen. Cano fand diese Idee toll, jedoch stellte er sich vor, dass Cooper sicherlich nur an die Rolle eines Bösewichts für ihn dachte.
1953 Cano mit Bing Crosby in Sevilla
1962 in Pamplona. Cano trifft Charlton Heston im callejón.
Viele gehören zu seinem Freundeskreis. Zu nennen wären da noch Ortega y Gasset, Soraya, Fürst Rainer und Grace Kelly, Deborah Kerr, Alexander Fleming und viele andere. Aber im Zentrum seines Lebens standen die toros. Die tauromaquia mit ihren eindrucksvollen Momenten, wo er stets den richtigen Zeitpunkt gefunden hat, den Auslöser zu drücken. Und er liebte sein Zigeunerleben, von ruedo zu ruedo trieb es ihn, sein ganzes Leben lang. In seiner Arbeit blühte er auf, er war bei allen beliebt und das trieb ihn an noch besser zu werden.
Ein Leben für die Photographie der toros. Francisco Cano (1912 bis 2016)
"Mein grösster Stolz ist es, wo auch immer ich hingehe, die Leute mögen und umarmen mich." Und jetzt in den plaza de toros, wenn die toreros zum paseillo aufmarschieren, da fehlt er im callejón, der Mann mit der hellen Mütze, dem freundlichen Lachen und seinen herzlichen Umarmungen. 

Mittwoch, 27. Juli 2016

Der legendäre Photograph Francisco Cano ist mit 103 Jahren verstorben

Heute am Mittwoch den 27. Juli 2016 ist der wohl berühmteste Photograph der tauromaquia Francisco Nano Lorenza, bekannt unter den Namen Paco Cano oder Canito in Valencia im Alter von 103 Jahren verstorben. Ein Photograph der sich nicht nur bei den toros auskannte, sondern viele internationale Gesichter auch aus Hollywood zählten zu seinem Freundeskreis. Er kannte die Stiere und die Welt kannte ihn.
Paco Cano (1912 bis 2016)