Dienstag, 22. September 2015

Der Torero auf dem Eis





von Philip de Málaga


Der Lichteranzug der Toreros wird auch im Sport verwendet
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Das die traje de luces, also der bekannte Lichteranzug der toreros schon seit langem die Modebranche beeinflusst, ist nichts neues. Der Weltmeister und dreimalige Europameister der letzten drei Jahre im Eiskunstlauf Javier Fernández López, 1991 in der spanischen Hauptstadt Madrid geboren,  sorgte mit seinem jüngsten Programm "Torero" schon optisch für Aufmerksamkeit. Seiner Vorführung entsprechend trug er eine flaschengrüne traje de luces mit goldener Verzierung. 

Mit seiner sehr spanischen Präsentation zeigte er auf, wie kulturelle und national deklarierte Traditionen wie eben die mundo de los toros, dargestellt als ein torero, nach wie vor zum Bild gehören, welches das Leben auf der iberischen Halbinsel prägt. Als eine Selbstverständlichkeit jenes Teiles welches ebenfalls die spanische Gesellschaft prägt. Der Sportler hatte hier die Möglichkeit die Kultur seines Landes und seine afición zur tauromaquia in seinen Sport mit einzubeziehen, was ihm ausgezeichnet gelungen ist: Dos orejas y rabo simbólico


Das Portal mundotoro sprach von einem anderen Genie im Lichteranzug. Und weltweit war es zu sehen, so auch in Asien:

Montag, 21. September 2015

Torero oder Stier?




von César Luis Menotti


Der argentinische Fussballtrainer und Weltmeister mit Argentinien im eigenen Land 1978 hielt sich wenig in den Ländern der toros auf. Lediglich drei Mal: 1983/84 trainierte er den FC Barcelona, 1987/88 Atlético Madrid und 1991/92 die mexikanische Nationalmannschaft. Trotz der kurzen Zeit in der Nähe zur mundo de los toros erkannte er deren Bedeutung in der Kultur und Gesellschaft des jeweiligen Landes. Zahlreiche Fussballspieler bekannten sich als aficionados und einige bevorzugten sogar die Karriere als torero, wie der bekannte matador de toros David Fandila "El Fandi". Aber die meisten der Fussballprofis, welche sich für die toros begeistern können, wie zum Beispiel der Verteidiger von Real Madrid, Sergio Ramos, bevorzugen die sicheren Plätze in  den tendidos. Verständlich, dass dann der Trainer entsprechende Vergleiche zieht:


"Sie können sich in Spanien nicht entscheiden,
ob sie sich am toro
oder am torero orientieren sollen."

César Luis Menotti
im Dezember 2005


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Quellennachweis:
Fussballmagazin Kicker, 5.12.2005

Sonntag, 20. September 2015

Wenn der Präsident sich selbst ein Oreja gibt

Kurioses aus der Region Extremadura
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von Philip de Málaga


Im September 1927 ereignete sich in der Ortschaft Oliva de Jerez in der Provinz Badajoz etwas höchst Ungewöhnliches. Anlässlich des städtischen Festes wurde eine Mini-novillada organisiert mit lediglich zwei novillos der ganadería Conde de la Corte. Als matador engagierte man den novillero Morenito de Huelva aus dem Süden Andalusiens.


Das festejo taurino begann. Die Dorfgemeinschaft hatte in den improvisierten tendidos Platz genommen, das Trompetensignal ertönte und der erste novillo betrat das ruedo. Doch dann geschah es. Der novillero sah den novillo herein preschen und hatte dermassen viel Angst bekommen, dass er nicht daran dachte den burladero zu verlassen um dem res gegenüber zu treten. Man redete auf ihn ein, aber er weigerte sich beharrlich ins ruedo zu gehen. Lieber gehe er ins Gefängnis als sein Leben als torero bei diesem gefährlichen Tier zu riskieren.

Dann geschah etwas höchst Ungewöhnliches. Denn der presidente war nun gezwungen eine Entscheidung zu treffen, denn einen sobresaliente, also einen Ersatz torero hatten sie nicht parat. So stand der presidente auf, ging in den callejón, nahm dem torero sein Arbeitszeug ab und zum Erstaunen des Publikums betrat er selbst das ruedo um dem novillo gegenüberzutreten. Die Leute in den tendidos waren erst überrascht und schliesslich erstaunt über den Fortgang der novillada. Mit so viel Improvisation hatte keiner gerechnet. Und schnell schlug die Stimmung in Begeisterung um und der neue selbsternannte espada erhielt lauten Applaus von den Rängen. Die lidia gefiel dem Publikum und es forderte als trofeo ein oreja, welchem der torero als presidente selbst zustimmte.

Samstag, 19. September 2015

Die Goyesca in Ronda ein finanzieller Erfolg, aber ..





von Philip de Málaga


Voll war es in Ronda, aber die Prominenz blieb aus
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Die corrida goyesca in der Real Maestranza de Ronda ist nicht nur ein Highlight in der temporada taurina, sondern auch ein gesellschaftliches Stell-Dich-Ein von Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Adel und anderen Bereichen. In der Tat füllten sich die Hotels in Ronda bis zu 100 Prozent, hasta la bandera, aber dieses Jahr fiel die Präsens an bekannten Gesichtern eher bescheiden aus.
Ronda brach aus allen Nähten, nur die Prominenz blieb aus (Foto: Vocento)
Zu sehen waren unter anderem der bekannte Journalist Jesús Quintero, der Sohn der Herzogin von Alba, Don Fernando Martínez de Irujo, der Schauspieler Máximo Valverde (der übrigens in Estepona auch eine zweifelhafte alternativa zum matador de toros hatte), der Sänger Manuel Lombo, der Ex-torero Jaime Ostos in Begleitung seiner Frau, der Präsident des Kreistages, Don Elías Bendodo sowie ein Vertreter der andalusischen Landesregierung, Don Antonio Sanz und der Präsident des Sparkassenverbundes Unicaja Don Braulio Medel. Nicht gerade viel Prominenz die sich blicken liess. Keine zwei Hände sind nötig um diese zu zählen. Von einem gesellschaftlichen Highlight, welche mehrere Seiten des Magazins Hola füllt war diesmal nichts zu sehen.

1910: Das Hotel Reina Victoria, wo sich die toreros und die Prominenz begegneten
Auch der deutsche Schriftsteller Rainer María Rilke gastierte dort gerne.
Die Zeiten, wo sich die Hotels in Ronda mit prominenten Gesichtern aus allen spanischen Gesellschaftsschichten füllten scheinen der Vergangenheit anzugehören. Eigentlich bedauerlich. Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit. 2012, wo die corrida goyesca das erste Mal nicht ausverkauft war und die afición wie die Prominenz relativ enttäuscht waren. Diese Farce konnten auch Morante de la Pueblas letzten Auftritte in den folgenden Jahren nicht mehr so richtig auffangen (SfA: Von Ronda zum Omega?). 

Ob nun mit oder ohne Prominenz. Das Rathaus kann sich freuen. Die feria sei durch und durch ein finanzieller Erfolg gewesen. Die Gastronomie, das recinto ferial, die ausverkaufte corrida goyesca und nicht zuletzt die gute Hotelbelegung (Freitag: 95 %, Samstag: 100 % und am Sonntag mit 80 %) hätten hervorragende Gewinne erwirtschaften können. 

Ronda 2015: Extrem viele Besucher in der Hauptfussgängerzone
Auch vom Sicherheitsstandpunkt sei alles sehr friedlich verlaufen. Drei Verhaftungen, 36 Vorladungen wegen Drogenkonsum, Beschlagnahmung von 569 Artikeln, wegen illegalen Verkaufes und 60 Personen mussten zur ambulanten Behandlung. Auch das gehört zu einer feria.

Kritik kam von der Opposition. Die feria müsse wieder attraktiver gestaltet und der alte Ruf wieder hergestellt werden. Der kulturelle Anspruch müsse höher geschraubt werden und man solle sich nicht in Zukunft darauf konzentrieren die Massen zu Trinkgelagen zu locken. Toros, Flamenco und andere kulturelle Veranstaltungen sollten mehr im Mittelpunkt stehen. 

Freitag, 18. September 2015

Gefährlicher Sommer

Schon lange nicht mehr wurden dermassen viele Toreros verletzt
Allein in den ersten beiden Septemberwochen
kamen 27 Toreros unter die Hörner
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von Philip de Málaga

Das es bei den encierros recht gefährlich, und dass es in diesem Jahr auch mit vielen Toten zuging, darüber hat SfA berichtet. Aber auch in den ruedos der plaza de toros ist es gerade in diesen sommerlichen Monaten nicht gerade ungefährlich für die toreros. Allein nun schon im Monat September wurden mehr als 25 toreros von den toros erwischt. Wer einen Blick auf die gestrige Ausgabe des Internetportals mundotoro geworfen hat, sah mehr toreros im arena des ruedos oder auf dem Weg in die enfermería als bei einem eleganten Manöver mit capa oder muleta:





Besonders in diesem Sommer auch bekannte matadores de toros wie unter anderem die figuras wie Jiménez Fortes, Paquirri, Miguel Ángel Perrera oder José María Manzanares. Bilder, welche die Zuschauer in den tendidos eigentlich nicht sehen wollen.

Hier spiegelt sich genau jenes Risiko wieder, welches die aficionados in den plaza de toros, statt selbst bei den festejos populares zu erfahren wie die wahre Begegnung mit den toros spürbar und gefährlich ist, von den Rängen aus bevorzugen und auf die toreros im ruedo übertragen. Dr. Andreas Krumbein hat dieses ja sehr treffend in seiner SfA-Reportage Wenn Toreros zum Ersatz des eigenen Rituals werden beschrieben.

Keine Frage, wer den Beruf eines toreros wählt, hat sich damit auch auf ein bestimmtes Risiko eingelassen. Wie sagte dazu im letzten Monat beim SfA-Taurotalk Über die Konsequenzen ein echter Torero zu sein der matador de toros Jiménez Fortes aus Málaga:
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"Eines Tages hatte ich beschlossen torero zu werden,
und habe dieses mit all seinen Konsequenzen getan!"
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Dessen sollten sich alle taurinos, alle aficionados und die anderen Zuschauer in den tendidos, sowie diejenigen die sich dem Thema der tauromaquia nähern, jene welche sich mit der mundo de los toros auseinander setzen, bewusst sein. Weil der toro von Natur aus angreift um sich zu verteidigen. Und ist es ein toro bravo, handelt es sich um ein Tier dass dem Angriff nicht einmal aus dem Weg geht. Und je mehr er sich bedroht fühlt um so gefährlicher ist er. So hat es schon der andalusische Poet und Dramatiker der Generation 27 García Lorca (1898 bis 1936) aus Granada Anfang des letzten Jahrhunderts erkannt:
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"Nein, nie will ich ein torero sein,
denn ich bin der Meinung,
der toro ist wie ein Mond,
je weiter weg er ist, umso besser."
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Donnerstag, 17. September 2015

Über den peinlichen Stier der Sozialisten

Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine Zeitung
zum Artikel "Der peinliche Stier der Sozialisten" von Leo Wieland
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von Dr. Andreas Krumbein


Sehr geehrte Damen und Herren,

diesen Leserbrief übersende ich Ihnen mit der Bitte um Veröffentlichung.

Zu „Der peinliche Stier der Sozialisten“ (F.A.Z. vom 15. September 2015): Dass die F.A.Z. immer wieder den Spanischen Stierkampf und weitere damit im Zusammenhang stehende Aspekte zum Thema ihrer Berichterstattung macht, ist ihr in höchstem Maße anzurechnen. Die Einordnung dieser und anderer mit Stieren ausgeführter Rituale in den kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Rahmen eines Spanien, das sich seit geraumer Zeit in einem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel befindet und dem möglicherweise ein noch viel tiefergreifender politischer Wandel bevorsteht, ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Beurteilung der Gesellschaft und ihrer Strukturen und Eigenarten in diesem Land. Für mich als Leser, der den spanischen Stieren als Anhänger des Stierkampfes in besonderer Weise zugeneigt ist, ist dieser Umstand erfreulich und die vermittelten Informationen von besonderem Interesse.

Allerdings fallen mir in den Artikeln immer wieder Details auf, die, so wie sie dort dargestellt werden, nicht der tatsächlichen Situation entsprechen oder zumindest stark missverständlich sind, was mich veranlasst, an dieser Stelle eine Richtigstellung beizusteuern.

Der umstrittene Teil in dem Artikel von Leo Wieland
Was die „Toros“ anbelangt, muss man zwischen der corrida de toros, die im Deutschen im allgemeinen als Stierkampf bezeichnet wird, und anderen mit Stieren ausgeführten Ritualen, die sehr häufig in ländlichen Bereichen vorkommen, unterscheiden. Die corrida de toros hat sich aus solchen dörflichen Ritualen entwickelt und im Laufe der Jahrhunderte vor allem weiterentwickelt. Betrachtet man die Teilnehmer und Zuschauer solcher Veranstaltungen, stellt man fest, dass sich bei einer corrida de toros in sehr hohem Masse Zuschauer befinden, bei den dörflichen Stierritualen in sehr hohem Masse Teilnehmer. Hierbei sind die Teilnehmer zum größten Teil Bewohner der Ortschaft oder Region, in der die Veranstaltung stattfindet. Die Anzahl von Touristen, vor allem ausländischer Touristen, ist extrem gering. Der Einzugsbereich einer corrida de toros ist meist weit grösser und weniger gut überschaubar. Ausländische Touristen können hierbei zu einem merklichen Prozentsatz zum Publikum gehören.  An dieser Stelle muss man unterscheiden, wo man sich befindet. In MadridSevilla, Pamplona oder Málaga können zu 15% bis 20% der Zuschauer ausländische Touristen sein. In Städten wie Almería, Huelva, Salamanca, Santander, Burgos und auch Bilbao ist das mitnichten der Fall: die Anzahl ausländischer Touristen ist vernachlässigbar klein.

Mit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Zuschauerzahlen bei der corrida de toros bis zum Jahre 2013 stetig gesunken, im Jahr 2014 gab es einem leichten Anstieg gegenüber 2013. Doch sind die Ursachen für diese Entwicklung nicht sinkendes Interesse, das die Menschen davon abhält Geld für eine Eintrittskarte auszugeben. Sinkende Einkommen, wirtschaftliche Not, steigende Preise für die entradas, steigende Preise für den Einkauf der Stiere, finanzielle Verluste auf Seiten der Stierzüchter halten den Einzelnen davon ab zu den Stieren zu gehen. Ist der Besuch einer corrida umsonst möglich, dann sind die Arenen teilweise voll bis auf den letzten Platz. Beim diesjährigen Internationalen Wettbewerb der Stierkampfschulen während der Augustferia in Málaga, bei dem Stierkampfschüler auftraten, war der Eintritt frei und es gab an vier aufeinanderfolgenden Tagen mit 32.000 Zuschauern eine Auslastung von 80%. Vor wenigen Jahren war ich selbst Zuschauer bei einer ähnlichen Veranstaltung in Huelva. Dort sassen die Menschen, davon schätzungsweise ein Drittel Jugendliche und Kinder, auf den Überdachungen der Treppenaufgänge oder standen in überfüllten Gängen und auf freien Flächen, denn alle regulären Sitze waren belegt.

Bei den dörflichen Stierritualen legen die Einwohner zusammen, um für das Dorf einen oder mehrere Stiere zu kaufen und das Fest für die Durchführung auszurichten. Trotz wirtschaftlicher Probleme wird das eben gemacht, und man spart dafür an anderer Stelle, und in Dörfern wie Gaucín, Grazalema, Arcos de la Frontera, in der Gegend um Valencia bei den dortigen Stierläufen und auch in Katalonien, wo trotz der Verbotes der corrida de toros, die dörflichen Stierrituale nach wie vor erlaubt sind und durchgeführt werden, zum Beispiel encierros ähnlich wie in Pamplona zur Fiesta de San Fermín, wird dies Jahr für Jahr getan, einmal im Jahr.

Es ist also nicht richtig, zu sagen: „Noch immer sind die „Toros“ ein Geschäft, das vor allem in Touristengegenden von Ausländern mit am Leben gehalten wird. Aber insgesamt sind Veranstaltungen und Zuschauerzahlen in den vergangenen Jahren doch merklich zurückgegangen.“ Das wird dem Sachverhalt nicht nur nicht gerecht, es ist in seiner Undifferenziertheit auch fehlerhaft. 

Dr. Andreas Krumbein, Göttingen

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Krumbein

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Quellennachweis:

Der peinliche Stier der Sozialisten, von Leo Wieland, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15.9.2015

Siehe auch:

Mittwoch, 16. September 2015

Wie finanzieren sich eigentlich die Antitaurinos in Spanien?

Fast alle Gelder fliessen aus dem Ausland
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von Philip de Málaga


Normalerweise ist es das Anliegen von antitaurinos parallel zu einer feria taurina verschiedene antitaurinische Aktivitäten zu starten. Internet-Kampagnen, Plakate, Flyer, Demonstrationen bis hin zu Aktionen in der plaza de toros während einer corrida. Nicht zu vergessen die hinzukommenden juristischen Ausgaben wie für Anwälte oder finanzielle Verurteilungen. Zwar halten sich die Kosten dafür in Grenzen, müssen aber trotzdem finanziert werden.

Obwohl die toros in erster Linie sich als eine spanische Kultur und Tradition verstehen, werden die Aktivitäten gegen die tauromaquia weitgehend vom Ausland unterstützt und auch finanziert. Das man eine solche internationale Einmischung zum Thema nationaler Kulturgüter in Frage stellen kann versteht sich von selbst.

André Viard
Der Präsident des Observatorium für taurinische Kultur André Viard stellte fest, dass die animalistische Lobby auf globalen Level mehrere hundert Millionen Euro bewegt. Oft auf nicht transparenten Wegen. Wenn man sich die Organisatoren der Aktionen oder gar deren Teilnehmer betrachtet, sehen sie nicht gerade aus, als ob sie selber über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügen. Und in der Tat können sie es nicht selber finanzieren. Also stellt sich die Frage, woher kommen die Gelder?

Die Antwort ist einfach: Vorwiegend aus dem Ausland. Auch der antitaurinismo funktioniert wie eine Lobby. Eine internationale Lobby welche die Gelder nach Spanien fliessen lässt um alles bezüglich der toros zu boykottieren. In welcher Form auch immer. Und da gibt es einige Organisationen:

Da wäre die in Utrecht angesiedelte niederländische CAS International mit immerhin 14.000 Mitgliedern. Nicht nur in Spanien sind sie aktiv, unter ihrer Präsidentin Patricia Gómez vor allem auch in Kolumbien mit 23 Unter-Organisationen welche gegen die toros operieren. In den letzten fünf Jahren sind 1,4 Millionen Euro geflossen, um Aktivitäten gegen die tauromaquia zu organisieren. Laut der La Economía del Toro investiert CAS jedes Jahr in Spanien 25.000 Euro in Veranstaltungen antitaurinos, 4.000 Euro in Demonstrationen und 60.000 Euro in Kampagnen der Kommunikation antitaurina. Allein im Jahr 2013 flossen 228.000 Euro in Aktivitäten um ein Verbot der tauromaquia zu erreichen bzw. Kampagnen gegen die mundo de los toros in Bewegung zu setzen. Die Transaktionen wurde bisher über drei Bankinstitute abgewickelt: Von den niederländischen Kreditinstituten Tiriodes Bank und ING Direct sowie der belgischen KBC Bank.
Hier fliessen die Gelder nach Spanien
Ebenfalls auffallend stark involviert in der Arbeit gegen die arte und cultura taurina ist die Fondation Franz Weber (kurz FFW). Im Gegensatz zur CAS hat sich dieses Fondation im Allgemeinen auf den Schutz von mehreren Bereichen konzentriert. Im Sektor Tierschutz ist die Forderung nach der abolición de los toros einer unter zehn Kampagnen. Bekannt wurde im Sektor antitaurino diese Organisation vor allem durch ihren Schauprozess unter dem angeblichen Hintergrund der Vereinten Tiernationen (United Animal Nations, um einen fälschlichen Vergleich zu den Vereinten Nationen zu transmittieren), und ihrem Schreiben an die katholische Kirche, mit dem Hinweis, dass die päpstliche Bulle aus dem Jahr 1567 angeblich immer noch Gültigkeit habe (Warum die katholische Kirche den Stierkampf nicht verbietet), ein Tatbestand, welcher definitiv nicht der katholisch-juristischen Wahrheit entspricht. Welcher Geldfluss allerdings die FFW für den Kampf gegen die tauromaquia einsetzt ist weitgehend unbekannt.

Auch in Katalonien gibt es eine antitaurinische Plattform mit dem Namen PROU. Sie setzte sie sich vor allem für ein Verbot des corridas in Barcelona ein und ist der Initiator der Unterschriftenliste mit immerhin 180.000 Unterschriften. Und der Einsatz schien erfolgreich, denn auf politischer Ebene konnte in der Tat ein Verbot der gerade mal sieben corridas in Barcelona erwirkt werden. Denn die festejos populares gibt es weiterhin. Nur auch hier, obwohl sie mit anderen Organisationen wie Galicia Mellor Sen Touradas, Bullfighting Free Europe und anderen kooperiert, laut La Economía del Toro ist bei den Finanzen nicht ein Minimum an Transparenz zu erkennen.

Spontan ist auf dem Logo nicht zu erkennen, ob es hier Pro oder Contra ist. Auf europäischer Ebene versucht es die von Caroline Waggershauser gegründete Torolobby. Ihr Ziel ist klar definiert: Sie wollen die Europäische Union dazu bringen sich für ein europaweites Verbot für Stierkämpfe einzusetzen. Nach dem völlig gescheiterten Versuch 2007 mit einer Schriftlichen Erklärung, welche bei 73 Prozent der Abgeordneten keine Zustimmung fand, geht man es jetzt eine Idee professioneller an. Ganz nach dem Motto, haben die taurinos eine Lobby bilden wir eben auch eine Lobby mit prominenten Gesichtern unter den Unterstützern. Man beauftragten sie Experten im EU-Recht, die Kanzlei Alber & Geiger,  um die Angelegenheiten der Torolobby vor allem bei der EU zu vertreten. Für diesen Einsatz erhält die Kanzlei jährlich 300.000 Euro.

PETA ist wohl mit an die drei Millionen Unterstützern die grösste Tierrechtsorganisation. Aber in Sachen abolición de los toros auffallend untätig. Ausser ihrer jährlichen Demonstration der Halbnackten beim San Fermín, und das natürlich nur aus werbemässigen Motiven, schaut ja schliesslich in diesen Tagen die ganze Welt nach Pamplona, ist sie wenig aktiv. Ein wenig Halbwahrheiten auf ihren Webseiten und das war es schon. Obwohl man versucht, zum Beispiel die Berichterstattung in den anderen Ländern zu boykottieren, was SfA ja im Falle PETA Deutschland schon zu spüren bekam (SfA: Mehr Rechtssicherheit für die mundo de los toros).  Aber Gelder in Richtung Spanien um sie gegen die tauromaquia einzusetzen, fliessen hier nicht viel.

Fazit: Um die mundo de los toros in Verruf zu bringen, die taurinos zu kriminalisieren, kurz, um eine abolición de los toros zu erreichen fliesst reichlich Kapital. Hauptsächlich aus dem Ausland. Dass dabei auch letztendlich der spanische Steuerzahler, auch europaweit, teilweise dafür aufkommen muss, nimmt man gerne in Kauf und verschweigt es selbstredend. Und wir sprechen hier von den Kosten der Gegenwart! Bleibt die Frage und was geschieht danach?
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"Ein europaweites Verbot der tauromaquia
würde für Europa ein teurer Spass werden!"
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Was ist wenn es zur Verwirklichung der Vision eines Verbotes der toros in Europa kommen sollte? Da entsteht erst einmal bei den Finanzämtern der Regionen taurinos ein grosses Loch. Wer übernimmt Verantwortung für diese und andere Kosten, wie die vielen neuen Arbeitslosen (weit über 100.000), die ganaderías, die ökologischen Landschaften usw.? Auffallend ist hierbei, dass weder die spanischen noch europäischen Politiker und schon gar nicht die antitaurinos nur annähernd eine Idee haben, wie man mit einer solchen Situation umzugehen habe.

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Quellennachweis:

Mediengruppe VOCENTO, September 2015

Dienstag, 15. September 2015

"Mörder" - antitaurinische Logik





von Philip de Málaga


Kein neuer Trend: Toreros als Mörder zu bezeichnen
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Wir hatten das Thema schon. Und am 28. September muss der antitaurino Peter Janssen sich vor dem Gericht rechtfertigen (SfA: Antitaurino muss vor Gericht), weil er in aller Öffentlichkeit den matador de toros Morante de la Puebla als "Asesino", also "Mörder" lautstark beschimpft hat. Das man laut wird, und sich verbal daneben benimmt, wenn man stehst unterlegen ist, ist ja noch irgendwie nachvollziehbar. Doch bei der Wortwahl sollte es Grenzen geben. Diese Kriminalisierungswelle der antitaurinos lässt sich in keinster Weise rechtfertigen.

In Las Ventas von Madrid (Foto: Vocento)
Gebäude der toros mit solchen Bezeichnungen zu verzieren beeindruckt wohl nur die antitaurinos selbst. Ansonsten nimmt man dieses Gekritzel eher als schmutziges Detail wahr, welches es gilt zu beseitigen.

Überhaupt werden die toreros in verschiedenen Kampagnen der Gegner als Mörder dargestellt. Eine ganze Berufsgesellschaft wird gerne als Verbrecher dargestellt, als ein Gruppe von Menschen, welche in "unserer" Gesellschaft nichts zu suchen hat.

Torero, du bist ein Mörder aus Berufung
Aber folgende Verunstaltung entbehrt einer jeden Logik:
Dr. Fleming ein Mörder?
Es handelt sich hierbei um das Denkmal von Sir Alexander Fleming (1881 bis 1955),  dem Entdecker des Antibiotikums Penicillin, welcher dafür 1945 den Nobelpreis erhielt. Die mundo de los toros dankte es ihm mit diesem Denkmal, denn der Einsatz dieses Medikamentes rettete zahlreichen toreros das Leben, weil sie auf dem Weg ins Hospital ihre meist schwere cornada überleben konnten. Und weil Dr. Fleming mit seinem Penicillin menschliches Leben rettet, unter anderem den von toreros wird sein Denkmal mit der Aufschrift "Mörder" beschmutzt. Mit anderen Worten, man bevorzugt hiermit den Tod von Menschen. Moralisch wie ethisch in keinster Weise vertretbar. Das ist lediglich eine Logik des antitaurinismo.

Montag, 14. September 2015

Peter Janssen auf der Flucht?




von Philip de Málaga


Der Antitaurino, der verschiedene corridas störte ist nicht auffindbar
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Derzeit gehört er zu den bekanntesten antitaurinos. Zum einen weil er erfolgreich einige corridas störte in dem er das ruedo sowie den callejón erstürmte und vor allem den matador de toros Morante de la Puebla laut als Mörder beschimpfte und tätlich wurde. Dafür muss er sich nun vor Gericht verantworten (SfA: Antitaurino muss vor Gericht). Doch als die Nationalpolizei heute die Vorladung beim Niederländer, mit wahrem Namen Petrus Johannes Martinus vorbeibringen wollte, stellte sich heraus, dass die Angaben seiner Adresse, welche er bei seiner knapp einstündigen Festnahme in Palma de Mallorca machte, falsch waren. 

Peter Janssen auf der Flucht?
Seitdem die Anwaltskanzlei Moeckel aus Sevilla gegen den antitaurino Anzeige erhoben hatte und der zuständige Richter recht zügig das Verfahren in die Wege leitete, ist der Vorgeladene von der Bildfläche verschwunden. 

Man kann es bewerten wie man möchte, Tatsache ist, er hat die Policía Nacional bewusst belogen. Also sich als jemand dargestellt, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Wieder einmal antitaurinische Logik? 

Jemanden in aller Öffentlichkeit als "Mörder" zu betiteln ist in Spanien keine Beleidigung sondern ein Strafbestand. Diesem sollte er sich stellen. Wie sagte Anwalt Moeckel? "Sich sein Hemd ausziehen, wie ein Indianer bemalen, ins ruedo springen wenn der toro schon tot ist und sich im Sand wälzen, dass habe nichts mit Mut zu tun." - seine jetzige Reaktion noch weniger.

La Muerte - Der Valenciakrimi

Buchrezension über La muerte - Der Valenciakrimi von Jason Webster
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von Torodora Gorges

Ich weiß nicht mehr, in welcher Buchhandlung ich dieses Taschenbuch vor etwa zwei Monaten liegen sah. Schwarz der Umschlag mit weißer Beschriftung und einem unheimlich anmutenden Foto von einem undefinierbaren haarigen Objekt, in einem roten Quadrat das Logo des Verlags. Lange hatte ich keinen Krimi mehr gelesen. - Mit dem Titel "La Muerte" und dem Hinweis auf Valencia, wo ich gerade im März diesen Jahres wieder während der Feria de las Fallas war, assoziierte ich einen Zusammenhang mit der fiesta de los toros. Ich kaufte das Buch quasi unbesehen und legte es erst einmal zur Seite. Ich wollte es in meinen Spanienurlaub im September mitnehmen. 

José Tomás (Foto: mundotoro)
Nach kurzem Blättern wurde ich jedoch neugierig. Der Inhalt dreht sich tatsächlich um toros und toreros.  - Ein torero wird ermordet, der gerade nach jahrelanger Abwesenheit aus den ruedos zum ersten Mal wieder aufgetreten ist, in seiner Lieblingsarena in Valencia. Der beschriebene Protagonist, "Blanco" genannt, erinnert an die Vita des matadores de toros José Tomás. Nur er hat es geschafft, die plaza wieder zu füllen mit einem "lleno". Er wird gefeiert und verehrt. Natürlich bedient sich der Autor verschiedener torero-Biographien, um von seinem  Akteur "Blanco" ein lebendiges Bild zu vermitteln. Ich stellte beim Lesen fest, dass mich die Story an sich gar nicht so sehr interessierte. Obwohl, der Krimi ist spannend aufgebaut, Spuren werden ausgelegt: Der torero sei schwul gewesen - hat ihn ein lover getötet? Mord aus Leidenschaft versus Tötung aus Geldgier oder Machthunger. Ist ein ganadero oder dessen Sohn verwickelt in die Mordaffaire? Oder hat ein Kollegen-Rivale ihn beseitigen wollen?

Ein volle plaza de toros in Valencia
Ich muss bekennen, dass ich bisher noch nicht einmal Zeit hatte, ein Drittel des Buches zu lesen. Aber ich bin dermassen angetan von der Tatsache, dass hier ein Journalist und Schriftsteller, gebürtiger Amerikaner, aufgewachsen in Deutschlang und England, jetzt in Spanien lebend, das Kunststück vollbringt, den mundo taurino als Hintergrund einer Kriminalgeschichte zu präsentieren, ohne Oberflächlichkeit, ohne sich vereinfachender Klischees zu bedienen. - Der Autor hat sich kundig gemacht. Objektiv schildert er die Szene taurina, frei von Vorurteilen und Arroganz der "politisch Korrekten".  Er lässt taurinos und antitaurinos zu Wort kommen, sie spielen ihre Rolle und die Positionen werden deutlich. Respektiert werden beide Seiten. Ich nehme an, vielleicht wünsche ich mir das aber auch einfach nur, dass der Autor selber kein antitaurino ist. Denn er scheint nicht zu den Journalisten zu gehören, die aus "political correctness" auf Distanz zum Gegenstand ihres Schreibens gehen.

Der presidente
Da gibt es einen Polizeikommissar, der zunächst keine Ahnung vom und eher eine ablehnende Haltung zum Stierkampf hat. Zufällig muss er aber am Nachmittag des großen Auftritts von "Blanco" den Vorsitz als presidente bei der corrida einnehmen, und anschliessend auch die Untersuchung des Mordes durchführen. Er kommt notgedrungen in Kontakt mit dem mundo de los toros und toreros. Wie er mit Anhängern des toten toreros, Verehrern, Kollegen  und der  afición generell  umgeht,  daneben sich auch mit den Gegnern intensiv beschäftigen muss, ist  interessant zu lesen. Ich bin gespannt, wie der  Hauptkommissar Max Cámara seine kriminalistischen Ermittlungen weiter fortführt. Whodunit?

Jason Webster
Ebenso neugierig aber bin ich darauf, ob der Autor Jason Webster seine neutrale Haltung zur Welt des  Stierkampfs  bis zur Auflösung des Kriminalfalls beibehält. Wie gesagt - ich habe das Buch noch nicht bis zur Hälfte gelesen, aber ich bin sehr beeindruckt. Endlich einmal jemand, der sich richtig Mühe gibt, sachliche Informationen zu verarbeiten. Für dieses Buch hat sich der Autor in die tradición taurina versenkt, er hat die Las Fallas studiert (und  auch den unerträglichen Lärm dort angemessen humorvoll beschrieben). - Er hat jedes seiner 24 Kapitel mit einem klugen Zitat aus Literatur und Sprichwörtern überschrieben. Die Dreiteilung in tercio de varas, tercio de banderillas und tercio de la muerte spricht für eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Stierkampf.

Könnte sich in der Objektivität neben dem Kenntnisreichtum des Schreibenden  möglicherweise eine verborgene Leidenschaft für den Gegenstand ausdrücken? ¿Quien sabe? Wer weiss es schon?