Über die Rechtmässigkeit der indultos zweifeln mittlerweile auch aficionados
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von Colin Ernst
Am Wochenende, begnadigte der
matador de toros Rafaelillo OPERARIO in
Murcia, vom Züchter Fuente Ymbro. (Der Vater von
OPERARIO „ALMONTEÑO“ wurde 2006 von
Pepin Lira begnadigt.) Auch dieser Stier wurde nur einmal vom
picador geprüft. Ähnlich wie der
indulto von
Talavante mit dem
toro TACO.
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| Wird ein Stier begnadigt wir der Todesstoss nur noch symbolisch, also ohne Degen ausgeführt. |
In der letzten Woche hatte
NADADOR, aus der
ganadería Benjumea, das Glück, bei der Auslosung der
toros an
El Cid zu geraten, der mit seiner Erfahrung und seinem Können dem sehr guten Stier die Rückkehr auf heimische Weiden zu ermöglichte. Die
ganadería beherbergt Stiere der Zuchtlinie
Nuñez de Cuvillo, dem Vater des jetzigen Besitzers. Die
ganadería gehörte um 1919 dem
matador de toros Joselito „El Gallo“ (1895 - 1920), vorher war sie Eigentum der Familie
Benjumea und
Doña Isabel Benjumea, die Mutter des aktuellen Besitzers kaufte das
hierro im Jahr 2000. Seither residieren dort die
Cuvillos.
Einen weiteren
indulto gab es in
Arganda del Rey bei
Madrid. Der
novillero José Garrido errang diesen Triumph mit einem
novillo der
ganadería Juan Pedro Domecq.
Wiedermal fragt sich der
aficionado, ob diese Begnadigungen gerechtfertigt sind. Hier ein Auszug des
reglamento taurino, welches die Normen für eine Begnadigung festlegt. In Arenen der ersten u. zweiten Kategorie, kann ein
toro oder
novillo begnadigt werden, wenn er seine Angriffslust und seine Bereitschaft zur Mitarbeit in allen Phasen der
corrida ausnahmslos bewiesen hat. Der Präsident kann die Begnadigung gewähren, wenn die Mehrheit des Publikums und der
torero dies fordern und der Präsident sich diesbezüglich mit dem anwesenden Züchter oder dem
mayoral der
ganadería besprochen hat. Vorausgesetzt, der Züchter will den Stier zur Zucht verwenden.
Hier ein Auszug aus dem
reglamento taurino, in spanischer Sprache:
"El comportamiento de la res y la calidad en la ejecución de la suerte de varas serán determinantes para la concesión de premios a la res y, en su caso, para la concesión del indulto." Der letzte Satz, sagt aus, was das
reglamento taurino für das
tercio de varas, also die Präsentation des
toro am Pferd/
picador verlangt. Das Tier soll sich entschlossen dem
picador gestellt haben…, was ich bei einem halbherzigen, schonenden
pinchazo, wie grade bei den letzten
indultos sah, in Frage stelle.
Am Freitag in
Villacarrillo (Jaen, Andalusien), lehnte der Züchter
Victorino Martin den
indulto ab, nach dem das Publikum die Begnadigung, den
indulto forderte. Warum? Der
ganadero selektiert seine Deckstiere bereits früh im
campo, er bestimmt, welcher Stier durch seine Abstammung, Mut und Tapferkeit die Zucht verbessern kann. Selten entgeht dem geschulten Auge
Victorinos eine Perle seiner Zucht. Grade sogenannte „geschlossene“
ganaderías, wie
Miura,
Victorino oder
Prieto de Cal, können nicht jeden tapferen Stier für die Zucht gebrauchen, müssen sie doch zu starke Inzucht vermeiden. Anders sieht es bei der
ganadería Juan Pedro Domecq aus. Neben den „
Juan Pedros“ haben die zahlreichen Verwandten, Söhne und Neffen eigene
ganaderías die auf der gleichen Basis züchten. So kann man schon mal einen Deckstier untereinander tauschen. Oder verkaufen, denn weltweit werden
toros aus dieser Blutlinie gezüchtet, oder eingekreuzt.
Was ich in Frage stelle, ist das Begnadigen eines
toros der sich nicht wie üblich, zwei Mal dem
picador gestellt hat. Was ist denn mit der Ausdauer und Tapferkeit, wenn ein Stier das nicht durchhält? Schließlich sieht man oft genug, die unschönen Bilder eines
toros, der nach zweimaliger Konfrontation mit dem
picador und drei Paar
banderillas nach Luft schnappt und sich kaum noch zur Mitarbeit mit der
muleta aufrafft. Nun kann ihn zwar der künstlerisch veranlagte
torero schön langsam zitieren und herrliche Figuren vorführen, aber von einem Stierkampf ist im Grunde keine Rede mehr. Anders mit den
ganaderías die auf Härte geprüft werden, wie eben
Miuras oder
Victorinos, die bis zum letzten Moment, mit geschlossenem Maul angreifen und versuchen ihrem Widersacher den Garaus zu machen. Da hat dann so mancher „Künstler“ seine liebe Mühe und Not, um ohne Verletzungen aus diesem Schauspiel hervorzugehen und Trophäen einzuheimsen.
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| Ein Meister für die schwierigen Stiere, der matador de toros Enrique Ponce (Foto: mundotoro) |
Zum Leidwesen vieler
toristas und Züchter bevorzugen die sogenannten
figuras, die Startoreros, eher die leichte Variante, die sie oft noch im
tercio de varas schonen, um dann mit
capa und
muleta glänzen zu können. Nur wenige
toreros sind heutzutage so gut, das sie einen Stier erziehen können oder schnell entscheiden können, ob sie mit dem Stier lange arbeiten können, ohne das er sich am Ende verausgabt hat.
Maestros wie
Enrique Ponce oder
El Cid sind Profis, aber den jungen Nachwuchstoreros gelingen solche Meisterstücke selten. Das es vom Standpunkt der Züchter aus nicht grade zu empfehlen i schwächere Vatertiere zu verwenden, dürfte auf der Hand liegen. Sonst könnte man ja bald jedwede Milchrinderrasse in die Arena schicken, sofern sie denn Hörner hat. Oder man ändert die
corrida gleich so, das man sich den Part des
picadores und den der
banderilleros spart – wobei wir wieder beim gewöhnlichen Rind wären. Ein
toro bravo ist ein wildes Tier, ähnlich wie ein Tiger. Letzterer wird im Zirkus dressiert und von Privatbesitzern zahm gehalten (Krallen und Zähne gestutzt…). Aber er hat trotzdem nichts mit unserer Hauskatze zu tun… Um den
toro bravo und damit die
fiesta brava zu erhalten, sollten die Verantwortlichen, sowie auch die anwesenden Zuschauer sich bewusst sein, das sie mit ihrer Petition auch eine Verantwortung tragen. Sie entscheiden mit, über Leben und Sterben, im wahrsten Sinne des Wortes.