Dienstag, 29. September 2015

Ein ungeheures Gefühl an Glückseligkeit (2. Teil)





mit Francisco Morales


Der novillero Francisco Morales aus dem Dorf Carratraca in der Provinz Málaga stellt sich  den Fragen von SfA. Hierbei handelt es sich um ein Gemeinschafts-Interview mit dem ORF:

SfA: Hat dich schon einmal ein toro auf die Hörner bekommen?

Francisco Morales: Nein.
Sieht gefährlich aus, ist aber nichts passiert.
Keine cornada für den torero.
SfA: Nicht ein einziger?

Francisco Morales: Nein. Sie haben mich zwar schon mal erwischt, aber mich nie verletzt, keine einzige cornada.

SfA: Hattest du schon Momente, wo die Idee aufkam mit dem toreo aufzuhören?

Francisco Morales: Es gab Tage, da habe ich oft darüber nachgedacht. Aber ich dachte mir, den ganzen Einsatz den ich vorher erbracht hatte wäre umsonst gewesen. Das wäre Schade. Eines Tages wird die Belohnung dafür sicherlich kommen. Zum Guten wie zum Schlechten. Aber Gott sei Dank, bis jetzt lief alles gut.

Vor dem Einzug ins Finale, das er gewinnen wird
SfA: Konntest du dir im Finale des Certamen vorstellen, es zu gewinnen?

Francisco Morales: Um ehrlich zu sein, nach meinem ersten Auftritt (am Tage zuvor). nein. Ich hatte da einfach nicht das Gefühl, das ich überhaupt ins Finale komme. Aber als ich es dann im Hotel erfuhr, kam mir in den Sinn, dass in diesem Jahr ich meine Chance nutzen werde.

SfA: Die antitaurina ist ja bei dir ins ruedo gesprungen?

Francisco Morales: Ja, bei meinem novillo.

Die antitaurina bei dem schon toten novillo von Francisco Morales
SfA: Aber nachdem der novillo Tod war?

Francisco Morales: Das sind wir gerade dabei herauszufinden. Die antitaurina war eine Erwachsene. Und wenn eine antitaurina ins ruedo springt bringt sie nicht nur ihr Leben in Gefahr sondern auch unseres. Denn wenn der novillo plötzlich wieder aufsteht, könnte er wieder angreifen, während wir vom Publikum abgelenkt werden. Und so versucht man jetzt anhand von Videos herauszufinden, in welchem Zustand der novillo sich befand, als sie ins ruedo sprang. Als sie ihn erreichte war er tot.

SfA: Wie siehst du die antitaurinos? Bringst du ihnen Verständnis entgegen, kannst du sie verstehen oder findest du sie nur ärgerlich?

Francisco Morales: Ich respektiere sie. Aber immer vorausgesetzt, dass sie auch mich respektieren. Gegenseitiger Respekt.

So zum Beispiel diese Situation mit der Señora, oder mit Morante in Marbella, oder diese vielen Attacken die es dieses Jahr gab, jener Peter Janssen, jetzt wissen wir sogar schon seinen Namen, ich möchte an ihn eigentlich nicht denken, aber jetzt kennen wir ihn beim Namen. ... Und jetzt werden diese Sachverhalte auch von Anwälten überprüft, denn eins ist klar, so kann es nicht weitergehen.

SfA: Sprechen wir jetzt ein wenig vom toreo. Was liegt dir mehr, die capa oder die muleta?

Francisco Morales: Mehr die muleta.

SfA: Warum?

Francisco Morales: Weil man zum einen sich am längsten mit dem toro und ihr, der muleta auseinandersetzt, und sich am besten mit ihr ausdrücken kann in einer Art Verbindung mit dem toro. 

Der Umgang mit dem capote ist weitaus komplizierter. Aber ich denke auch, der torero mit dem capote, wenn er gut mit der capa umgehen kann, wie Morante, glaube ich, dass man mehr Vergnügen dabei hat als mit der muleta. Und um zu sehen wie das noch wilde Tier angreift, wie es sich bewegt, man es dazu auffordert, um einen gewissen Eindruck zu vermitteln, das Gefühl einer Sensation dabei ist grösser. Aber für mich gegenwärtig ist es die muleta.

SfA: Ein Manöver, welches du mit der muleta bevorzugst?

Francisco Morales: Die natural. Das ist fundamental.

Francisco Morales mit der muleta.
SfA: Und der momento de la verdad? Wie stehst du zur estocada, bereitet sie die Angst?

Francisco Morales: (Atmet durch) Ich respektiere diesen Moment.  Ich respektiere ihn, weil das Tier, von dem die antitaurinos behaupten dass wir es nicht mögen, es nicht lieben, dieses Tier ist für uns gross und erzogen geworden. Darum ist dieser Moment ein Augenblick des Respekts. Darum ist es in der plaza bei der suerte suprema besonders still. Und der torero versucht die estocada best möglichst auszuführen, damit das Tier am wenigsten zu leiden hat, und einen schnellen wie schönen Tod findet.

SfA: Bereitet dir diese suerte suprema Probleme

Francisco Morales: (Er lacht) Die letzten Male ist es mir recht gut gelungen, aber in der Vergangenheit ist es mit der espada nicht immer so optimal für mich gelaufen.

Das erste was man lernen muss, ist dem Tier nicht ins Gesicht zu schon. Allein der Anblick der Hörner hindert einen mental daran, sich dazwischen zu wagen um den Todesstoss anzusetzen. Der Schlüssel dazu ist, den optimalen Platz zu finden, um den espada erfolgreich und tief zu platzieren. Und für mich, so langsam wie möglich, denn dieses langsame Eindringen verbindet sich mit dem Respekt. Denn wenn es einer schnell tut, vermittelt er den Eindruck, dass er es schnellstens hinter sich bringen will, um sich so wenig wie möglich der Gefahr zu stellen. Nein, nein, genauso langsam wie beim toreo.

SfA: Aber diese Langsamkeit birgt auch ein gewisses Risiko.

Francisco Morales: Ja. Denn das schnelle Eindringen vermittelt deinem Unterbewusstsein, zügig davor zu fliehen. Und so bekommt man keine gute estocada hin. Den mit der Langsamkeit bringt man auch eine Harmonie zum Ausdruck, denn auch dieser Moment muss einen gewissen  Ausdruck an Schönheit zeigen, der Tod des toros.

SfA: Welche Art des Tötens bevorzugst du? Volapie oder Recibiendo?

Francisco Morales: Ich habe noch nie recibiendo getötet. Immer gehe ich auf das Tier zu. Man darf nicht vergessen, den toro recibiendo zu töten dazu gehört viel Risiko.
Plaza de toros in Carratraca (Málaga) aus dem Jahr 1878 für 3.000 Zuschauer
SfA: Zum Schluss, du selbst kommst aus Carratraca, dort gibt es ja auch eine beeindruckende plaza de toros an einem Berghang, aber keine toros.

Francisco Morales: Vor zwei Jahren wurde sie wieder eingeweiht, man hat sie dafür extra ein wenig renoviert, und ich hatte das Glück das festejo zu organisieren, und ich war derjenige, der seit 1909 dort wieder das erste Mal als torero angetreten ist.

SfA: Wann hast Du Deine nächsten Auftritte

Francisco Morales: Zwei novilladas sin picadores, eine am 16. in einem Dorf bei Guadalajara und am 17. bei Madrid.

SfA: Wir danken dir für das Interview und wünschen dir weiterhin viel Glück und Erfolg.


Francisco Morales: Danke an euch.

Montag, 28. September 2015

Ein ungeheures Gefühl an Glückseligkeit (1. Teil)





mit Francisco Morales


Der novillero Francisco Morales aus dem Dorf Carratraca in der Provinz Málaga ist als Gewinner der CertamenInternacional de las Escuelas Taurinas in diesem Jahr in der Malagueta auch SfA-Lesern bestens bekannt (Málaga: Francisco Morales gewinnt das Finale). Er selbst ist Schüler in der escuela taurina von Málaga. Einige haben das Finale sogar weltweit (Finale in Málaga online) mitverfolgen können. Nun stellt sich dieser Nachwuchs-torero den Fragen von SfA. Hierbei handelt es sich um ein Gemeinschafts-Interview mit dem ORF:

ORF und SfA beim Interview mit dem novillero Francisco Morales
SfA: Du bist der grosse Gewinner des Certamen, wie fühlst du dich?

Francisco Morales: Nun, als der glücklichste Mensch der Welt.

In einer vollen Malagueta gewinnt er das Finale des Certamen Internacional 2015.
SfA: Und was sind jetzt deine nächsten Schritte?

Francisco Morales: Grundsätzlich gehe ich meinen jetzigen Weg weiter. Und im nächsten Jahr, so Gott will,  werde ich in Málaga 2016 zu meinem Debüt bei meiner ersten novillada con picadores antreten. (Anmerkung von SfA: Diese novillada wird zur feria taurina in Málaga das erste festejo taurino sein).

SfA: Wann hattest du die Idee torero zu werden und dich dementsprechend dazu entschlossen. Seit wann weisst du, dass dies dein Weg sein wird.

Francisco Morales: Meine Eltern haben mir gesagt, als ich klein war, war einfach nur traurig, vor allem zu Essenszeiten. Und dabei lief stets der Fernseher und die Kanäle wurden gewechselt und sobald es etwas von den toros zu sehen gab, veränderte sich mein Gesicht, ich blieb fasziniert von der Farbenpracht, den toros, überhaupt von der Schönheit der fiesta de los toros. Und so habe ich mich mit vierzehn Jahren dazu entschlossen in der escuela taurina zu beginnen.

SfA: Wie alt bist du jetzt.

Francisco Morales: Zweiundzwanzig.

SfA: Mit dieser jetzigen Arbeit kannst du ja kein Geld verdienen.

Francisco Morales: Nein.

SfA: Wovon lebst du dann jetzt?

Francisco Morales: Ich studiere derzeit Finanzen und Buchhaltung an der Universität von Málaga und fehlt zum europäischen Abschluss noch die praktische Erfahrung und der B1 Abschluss in Englisch, oder welcher Sprache auch immer.

Parallel dazu mache ich vormittags ein Praktikum in einer Firma.

Der novillero bei einem derechazo
SfA: Und deine Eltern, als sie erfahren haben, dass du torero werden willst, wie haben sie reagiert. Störte es sie, waren sie eher traurig, haben sie dich unterstützt ...

Francisco Morales: Nein, so richtig einverstanden waren sie damit nicht. Eigentlich will es kein Familienmitglied, dass man sich für etwas entscheidet, wobei man sein Leben aufs Spiel setzt. Nicht mal ich selber. Dabei fühlt man sich einfach schlecht. Aber als sie gesehen haben wie ich in dieser Arbeit aufblühte und erkannten welche Freude es mir bereitete, haben sie begonnen mich zu unterstützen. Sie haben sich gefühlsmässig für mich entschieden, obwohl sie noch keine aficionados waren.

SfA: Hast Du Geschwister?

Francisco Morales: Ja

Francisco Morales im dritten Semifinale wo er ein oreja als trofeo erhält.
 SfA: Auch aficionados?

Francisco Morales: Mein Bruder ist kein aficionado de toros, er interessiert sich mehr für den Fussball. 

SfA: Ist er jünger oder älter?

Francisco Morales: Jünger.

SfA: Na ja, den Platz des toreros hast ja nun du belegt.

Francisco Morales: (lacht)

SfA: Was gefällt dir beim toreo am meisten. Was fühlst du in der plaza?

Francisco Morales: Vor allem die Sensation an Freiheit. Vor allem das und die Möglichkeit stets besser zu werden. Es ist ein Kampf, ein historisch alter Kampf, zwischen dem toro und dem Menschen und was mich anbetrifft eben jene Sensation an Freiheit, und meine Reaktion wie ich damit umgehe um diese Freiheit zum Ausdruck zu bringen. Etwas sehr persönliches tief im Inneren. Das Schlüsselwort dazu ist eben die Freiheit. Und selbstredend das ungeheure Gefühl an Glückseligkeit.

SfA: Gibt es matadores die du besonders bewunderst, die deine Idole sind? Was wäre dein cartel de lujo?

Francisco Morales: Kompliziert, ziemlich kompliziert. Da gibt es einige.

 SfA: Nun wenn dir keine drei einfallen, ein mano a mano würde es auch tun.

Der Ex matador de toros Fernando Cámara
Und Direktor der escuela taurina von Málaga
Francisco Morales: Gut. Nicht weil er mein maestro ist, nein, das habe ich schon immer gesagt, das steht einfach über allem. Die Beziehung die wir alle hier zu unserem maestro haben, ist etwas ganz besonderes, und keine Frage, wäre es ein anderer matador wäre vielleicht es genauso. Aber wegen dem extrem guten Umgang welchen wir hier täglich mit Fernando erleben, darf Fernando Cámara für auf keinen Fall in meinem cartel fehlen.

Ich hatte das Glück ihn im campo und einige Male in der plaza zu erleben, und für mich ist es stets, auch wie er hier uns alles mit Leichtigkeit vermittelt, sein Wissen überträgt, dass ist einfach beeindruckend. Und mit welcher Überzeugung und Stärke er rüber kommt und wir haben das Glück dass er hier ist uns rum scheucht, „hierhin“, „dorthin“ und wieder zurück. Darum darf er nicht in meinem cartel fehlen.

SfA: Und der zweite?

Francisco Morales: An zweiter Stelle würde ich José Tomás platzieren.

SfA: Und fährst Du im nächsten Jahr nach México um ihn zu sehen?

Francisco Morales: Nein (lachend), und der Dritte im Bunde wäre für mich Julián López „El Juli“. Das wären in der Gegenwart mein drei matadores auf dem cartel.

Sein cartel de lujo: Fernando Cámara, José Tomás und El Juli
Fortsetzung folgt.

Sonntag, 27. September 2015

Das ein Präsident ins Geschehen eingreift ist kein Einzelfall

Auch in der Provinz Toledo übernahm der Präsident den Degen
___________________________________________________________________







von Philip de Málaga


Gerade vor ein paar Tagen hatte SfA davon berichtet: Wenn der Präsident sich selbst ein Oreja gibt. Das war 1927 in der Provinz Badajoz wo der presidente die Aufgabe des novilleros übernahm, weil er sich weigerte ins ruedo zu treten.

Wie SfA nun erfahren konnte handelte es sich dabei um keinen Einzelfall. Denn am 26. September 1879 wird ausserhalb der Gemeinde Quintanar de la Orden, in der Provinz Toledo, auf dem freien Land eine neue plaza de toros eingeweiht. Sie bot in den tendidos Platz für 4.500 Zuschauer. 

Die plaza de toros Quintanar de Orujo in der Provinz Toledo. 
Veranstaltet wurde dafür eine corrida de novillos und als matador wurde Francisco García "El Oruga" verpflichtet. Jedoch war dieser nicht in der Lage einen seiner novillos zu töten, und so beschloss der presidente Ángel Pastor das Zepter selbst in die Hand zu nehmen, verliess den palco presidencial, begab sich ins ruedo, nahm dem novillero den espada ab, und führte die estocada selber erfolgreich durch. Das Publikum war von diesem Auftritt dermassen begeistert und forderte den presidente auf die lidia der noch zwei verbleibenden novillos selbst durchzuführen, was er dann auch tat.

Samstag, 26. September 2015

Das Empire und die Stiere

Winston Churchill und der spanische Torero Manolete
Der Stier als ein Prophet?
___________________________________________________________________







von Philip de Málaga


Die Beziehung auf Distanz zwischen dem grossen britischen Politiker Winston Churchill (1874 bis 1965) und dem spanischen matador de toros Manuel Laureano Rodriguez Sánchez bekannt unter dem Namen Manolete (1917 bis 1947) findet seine Wurzeln bei einer corrida de toros am 23. Juli 1944 in Valencia. Dort trat der maestro unter anderem gegen den toro "Perdigón" der ganadería von Don José María Escobar an. Ein toro, welcher über ein markantes "V" auf seiner Stirn verfügte. 

Das besondere an jenem ganadero war, dass er recht stolz darauf war, Teil einer anglophilen Familie zu sein, also mit einem gewissen Hang für alles Britische. Denn sein Grossvater, der Direktor der spanischen Filiale der Norwich Insurance Company war, wurde nach dem Ende des ersten Weltkrieges mit der Medaille des Ordens des Britischen Empires ausgezeichnet. So trat Don José in die Fussstapfen seines Grossvaters und unterstützte im Zweiten Weltkrieg die Alliierten. Was besonders zu diesem Zeitpunkt nicht gerade unriskant war, stand der Generalissimus Francisco Franco eher hinter den Deutschen. 

Der matador de toros Manolete
Walter Strakie
Den geheimen Kontakt hielt er über die Britische Botschaft. Seine Ansprechpartner war der Intellektuelle Walter Starkie (1894 bis 1876), welcher über einen gewissen Einfluss auf den Leiter der Botschaft Tom Burns hatte. Beide waren aficionados de toros und besonders befreundet mit den matadores de toros Belmonte, Domingo Ortega und Belmonte. 

Winston Churchill
Am 12. Dezember 1945 schrieb Starkie an Churchill über den toro "Perdigón" mit dem V auf der Stirn, welcher von Manolete am selben Tag getötet worden wäre, als der D-Day war. Dabei bezog er sich auch auf das "V" als Siegeszeichen. Er bezeichnete diesen seltsamen Zufall als prophetisches Zeichen. Zwar stimmten die Daten nicht gerade überein, auch nicht mit der Kapitulation Deutschlands, aber Starkie war ein viel zu geschickter Propagandist und war nicht bereit, diese Chance nicht zu nutzen, von der die anglo-hispanischen Beziehungen nur profitieren könnten. Am Ende des Zweiten Weltkrieges suchte Don José María Escobar die britische Botschaft auf, um für Winston Churchill den präparierten Kopf des toros  Perdigón als Geschenk der Dankbarkeit zu überreichen.

Auch Winston Churchill hatte eine gewisse Vorliebe für die toros und schrieb nach dem Tod des matadores de toros Manolete einen Brief an seine Mutter : 

Señora, mit viel Gefühl habe ich vom tragischen Tod ihres Sohnes in Linares erfahren, und sende ihnen hiermit den Ausdruck tiefsten Mitgefühls sowie die Sympathie welche ich für ihn empfand. Es war für mich ein emotionaler Moment, als ich die kostbare Trophäe von ihrem Sohn erhalten habe, den Kopf eines toros anlässlich des Sieges in Europa. Ich möchte Ihnen meinen persönlichen Beileid den vielen Sympathieerklärungen und Ehrungen für ihren Sohn hinzufügen. 

Mit freundlichen Grüßen 


Freitag, 25. September 2015

Wir sind nicht alleine!






von Volkmar Bärendorf

Aus Bayern erhielt SfA  folgende Fotomontage, in welcher dargestellt wird, dass wir, zumindest mit unserem Namenszug SfA nicht alleine dastehen. Lediglich unterscheidet uns neben dem Interessengebiet die Grösse der Buchstaben und das eindeutige Symbol des toros bravos. 




Und sicherlich finden sich in diesen Unternehmen aficionados, antitaurinos, diejenigen denen es egal ist und vielleicht auch ein paar Neugierige. Aber wie wir ja schon immer feststellen, Überzeugungsarbeit ist nicht unser Auftrag, lediglich die wahrheitsgemässe Weiterleitung von Informationen. Danke nach Bayern.

Donnerstag, 24. September 2015

Der Stierkampf ist Kein Sport - Er ist eine Tragödie

Hemingways erstes Werk über die Stiere ist nicht "Fiesta"
___________________________________________________________________







von Philip de Málaga

Wer versucht Amerika mit der mundo de los toros zu verbinden denkt spontan an den Schriftsteller Ernest Hemingway. Mit seinen beiden Klassikern Fiesta und Tod am Nachmittag brachte er die toros in die weltweiten Wohnzimmer. Wie sagte der schweizer Schriftsteller Pierre Imhasly? "Dem illustren Americano gebührt der Verdienst, den Stierkampf Nichtspaniern beigebracht zu haben." So weit so gut.

Die meisten belesenen aficionados gehen oder gingen davon aus, dass der Roman Fiesta, seine erste Begegnung mit den toros schildert. Eine Erkenntnis, welche nicht der Wahrheit entspricht. Denn sein Roman Fiesta (The Sun Also Rises) erschien 1926. Aber seine Leser hat er schon viel früher mit der mundo taurino konfrontiert.  Seine erste Depesche schrieb er am 20. Oktober 1923 im The Toronto Star Weekly. mit dem Titel: Stierkampf ist Kein Sport - Es ist eine Tragödie.


Nur sieben Tage später am 27. Oktober 1923 erschien seine nächste Depesche: Pamplona im Juli.

Hemingway 1923
Seine erste 35 Seiten lange Kurzgeschichte zu den toros erschien 1925 in seinem Buch "Stories" unter dem Titel Der Unbesiegbare und handelt von dem arbeitslosen torero Manuel García der schliesslich wieder eine Chance bekommt im ruedo anzutreten. Seine erst zweite corrida in einem Jahr.

Wie wir also erkennen setzte sich der amerikanische Schriftsteller auf dem Papier schon mindestens drei Jahre mit der mundo taurino seit 1923 auseinander. Als er sein Werk Fiesta begann, war er längst kein Nobody oder Anfänger mehr auf diesem Sektor.

________________________________________________________

Quellennachweis:

Die Hemingway-Papiere wurden vom Toronto Star im Mai 2012 digitalisiert

Mittwoch, 23. September 2015

Die Idee von SfA

Ein paar klärende Worte und Grundgedanken zu diesem Portal
___________________________________________________________________







von Philip de Málaga


Selbstverständlich versteht sich Stierkampf für Alle (kurz SfA) als ein protaurinisches Portal, dessen Autoren über reichlich Wissen über die tauromaquia verfügen und zahlreiche Beziehungen zur mundo de los toros haben. Mit anderen Worten, wir wissen von was wir schreiben. Trotzdem ist uns bestens bekannt, dass der "Stierkampf" ein sehr diskutiertes, teilweise umstrittenes und vor allem recht sensibles Thema ist. Und deswegen gleich vorweg, wie schon an anderen Stellen erwähnt:
________________________________________________

"Wir von SfA wollen keinen von der Tauromachie überzeugen,
diese Entscheidung muss ein jeder für sich selbst treffen.
Unser einziges Ziel ist es zu informieren, darzustellen,
was wirklich in der mundo de los toros geschieht 
und versuchen zu erklären,
warum sich weltweit an die 70 Millionen Menschen
für die Welt der Stiere, 
und zwar aus allen Gesellschaftsschichten, interessieren!"
________________________________________________

Wahrhaftige Berichterstattung

SfA ist nicht daran interessiert Unwahrheiten zu verbreiten. Und jedes Medium kann selbstverständlich seine eigene Sichtweise den einzelnen Themen gegenüber bringen, aber Recherche sollte dabei ein unverzichtbares Instrument sein und journalistische Sorgfalt im Vordergrund stehen. So halten sich alle Mitarbeiter von SfA an den Pressekodex des Deutschen Presserats. Gerade bei einem so schwierigen wie umstrittenen Thema ist es von entscheidender Bedeutung korrekt zu informieren.
________________________________________________
Die Achtung der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
(Pressekodex des Deutschen Presserat, Ziffer 1)
________________________________________________

Der Begriff

Toros, capea, corrida de toros, rejoneo, encierro, novillada, festejo taurino, becerrada, tentadero, certamen nacional de escuelas taurinas, concurso de ganaderías, feria taurina, ... und die Liste nimmt keine Ende. Und für alle diese Begriffe kennt man in Deutschland nur ein Wort: Stierkampf. Im Englischen: Bullfight. Gelegentlich auch mal fällt der Begriff der Tauromachie, der dem ganzen schon etwas näher kommt, aber damit kann kaum einer etwas so richtig anfangen. Das Thema ist weitaus komplexer, als es mit einem Wort abzustempeln. Allein der Cossío, der spanische Brockhaus zum Thema Stierkampf benötigt 30 Bände mit mehr als 21.000 Seiten um über den Stierkampf aufzuklären. Dabei widmet er allein nur die ersten 7.000 Seiten den klassischen Formen an Veranstaltungen mit Stieren. In erster Linie den corridas. Das zweite Drittel den toreros und auf den letzten Seiten werden die historischen Chroniken bis 2007 erläutert.

Daran erkennt man, dass man dieses Thema nicht mal eben so mit ein paar Worten erklären kann, und dass die Bezeichnung Stierkampf diesem allein nicht gerecht wird. Die tauromaquia, also die Tauromachie, ist offiziell der spanische Oberbegriff zu allem, weil er alle Bereiche ergreift. Besonders treffend wäre el mundo de los toros - die Welt der Stiere. Denn in der Tat, mit seiner gesamten Vielfalt (die toros, die toreros sowie das Publikum) und seiner Integration im politischen, wirtschaftlichen, kulturellen wie gesellschaftlichen Leben spiegelt sich in der mundo taurino nicht nur eine Welt für sich wieder, sondern sie sieht sich als globaler Bestandteil der Gegenwart mit weltweiten Publikum, sogar im Reich der Mitte.

Ein paar Zahlen

Allein jeder dritte Spanier bekennt sich, jüngsten Umfragen (1) nach, als eindeutiger Anhänger der toros. Weit mehr als 15 Millionen aficionados. In Frankreich sind es sogar mehr als 20 Millionen. Weltweit bewegt sich die Zahl der afición zwischen 65 und 70 Millionen Menschen. Und zwar aus allen gesellschaftlichen Schichten und Ländern.

Wenn in Spanien nur 33 Prozent dafür sind, bedeutet dieses aber nicht gleichzeitig, dass der gesamte Rest dagegen ist. Tatsache ist, der grösste Teil der Spanier interessiert sich für die toros nicht. Die haben andere Prioritäten, was aber nicht bedeutet dass sie gegen die toros sind, sondern sie akzeptieren sie als Teil der iberischen Kultur oder es ist ihnen einfach egal. Die Zahl der aktiven antitaurinos wird auf unter drei Prozent geschätzt.

In der Tat hatten die festejos taurinos seit 2007 eine geradezu spektakuläre Talfahrt angetreten. Aber seit 2013 ist die Tendenz wieder steigend und was zu beobachten ist, viele junge Menschen beginnen sich für die toros zu interessieren. Das konnte man sehr gut an den Besuchern bei den corridas in den letzten Jahren beobachten.

Bleibt festzustellen, wenn es 70 Millionen aficionados auf der Welt gibt, statt diese zu  beschimpfen und zu beleidigen oder gar zu kriminalisieren, sollte man doch lieber der Frage nachgehen, welche Motive gibt es dafür, was macht die mundo de los toros für diese Menschen geradezu leidenschaftlich interessant? Dies ist eine der Fragen, der SfA versucht nachzugehen.

Der Tod

Der französische Schriftsteller und Dramatiker Pierre Corneille (1606 - 1684) schrieb: "Jeder Augenblick im Leben ist ein Schritt zum Tode hin." Nirgends wird es in der modernen Zeit so wirkungsvoll dargestellt wie bei einer corrida. So schrieb der Wiener Professor Rainer Bischof (2) zu diesem Thema: "Es geht nicht um eine Chance, welche jemand, - welches Wesen immer - hat, es geht um die Darstellung des Lebens durch den Tod und die Darstellung des Todes im Leben."

Wer einen Stierkampf besucht muss deswegen vor allem vier Dinge wissen:
  1. Der Stier ist dazu da um zu sterben.
  2. Es besteht auch die Möglichkeit, dass ein Mensch verletzt, schwer verletzt gar getötet werden kann.
  3. Es handelt sich hierbei um keinen sportlichen Wettkampf.
  4. Es gibt Blut zu sehen, mit Sicherheit beim Stier aber auch gelegentich beim torero.
Wer sich dessen nicht bewusst ist, sollte den Besuch eines Stierkampfes meiden. Der Stier wird getötet. Zwar hat ein besonders mutiger toro bravo die Möglichkeit auf ein indulto, also eine Begnadigung, dies ist aber eher die Seltenheit.

Lorenz Rollhäuser (3) hat es so beschrieben: "Der Stier wird aus kulturellen Zwecken gehalten, um auf bestimmte Weise getötet zu werden, dass heisst er wird nicht getötet um verzehrt zu werden, sondern getötet und zudem verzehrt. Das macht den Stierkampf angreifbar".

Kann man den Stierkampf rechtfertigen?

Nun gibt es viele Dinge die wir im Leben tun, die keinen Sinn machen oder logisch erscheinen, aber bedürfen keiner Rechtfertigung und auch keiner verlangt sie. Bezüglich der toros lassen wir doch den amerikanischen Schriftsteller Ernest Hemingway (4) sprechen: "Ich gehe davon aus, dass sich der gesamte Stierkampf vom modernen, wie moralischen Standpunkt, das heisst vom christlichen Standpunkt her, nicht verteidigen lässt; er ist bestimmt sehr gewaltsam, er ist voller gewollter oder unerwarteter Gefahr und der Tod ist stets präsent, und ich will jetzt auch nicht versuchen, den Stierkampf zu rechtfertigen, sondern die Dinge einfach nur so ehrlich erzählen, die ich als wahr empfunden habe." Dem kann sich SfA nur anschliessen.

Der Stierkampf - ein Politikum? Geht es da noch um Tierschutz?

Der antitaurinismo hat die tauromaquia seit dem Verbot in Barcelona zum politischen Thema erklärt. Was letztendlich zum Eigentor wurde. Zum einen hat man in Spanien wie in Frankreich die tauromaquia zum nationalen Kulturerbe deklariert und zum anderen auch auf Europaebene sieht man seit der schriftlichen Erklärung aus dem Jahr 2007, dass selbst unter Tierschützern die Prioritäten gewiss nicht beim Stierkampf liegen und diese teilweise aggressiven Vorgehensweisen der antitaurinos sich nicht rechtfertigen lassen.

Das Interesse der deutschsprachigen Personen steigt

Die Besucherzahlen von SfA - Stierkampf für Alle (mit jetzt schon mehr als 205.000 Besuchern) und die täglich über 80 nachgeschlagenen Begriffe im deutschsprachigen Lexikon des Stierkampfs, dem COSSÍO en alemán zeigen auf, dass im deutschsprachigen Bereich sehr wohl ein gewisses Interesse besteht. Auch die zahlreichen Anfragen per Mail zeigen auf, dass man mehr über die toros erfahren möchte. Ebenfalls vor Ort, hier in Málaga in der plaza de toros, im museo taurino oder im Museum der Künste für Tauromachie werde ich immer wieder von deutschsprachigen Gästen kontaktiert mit meistens doch recht vielen Fragen.

Auf jeden Fall kann man festhalten, dass ein gewisses Interesse besteht und wir von SfA informieren sehr gerne rund um zum Thema der toros und berichten weiterhin von der Welt der Stiere und ihrem gesellschaftlichen Umfeld. Aber wie gesagt, die Entscheidung ob man sich mit der mundo de los toros anfreunden, sie akzeptieren kann oder eher ablehnend ihr gegenüber steht liegt bei einem jeden selbst. Da mischt sich SfA auch nicht ein. Im Gegenteil, wie respektieren Ihre Meinung.
_______________________________________________

Quellennachweise:

(1) Gallup-Umfrage, Spanien, 2010 zählte man sogar 18.900.000 aficionados ( =  41%!)
(2) Blutige Hochzeit, Rainer Bischof, Böhlau Verlag, Wien Köln, Weimar, 2006
(3) Toros, Toreros, Lorenz Rollhäuser, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbeck bei Hamburg, 1990
(4) Death in the afternoon, Ernest Hemingway, Charles Scribner`s Sons, New York, 1932

Dienstag, 22. September 2015

Der Torero auf dem Eis





von Philip de Málaga


Der Lichteranzug der Toreros wird auch im Sport verwendet
______________________________________________________________

Das die traje de luces, also der bekannte Lichteranzug der toreros schon seit langem die Modebranche beeinflusst, ist nichts neues. Der Weltmeister und dreimalige Europameister der letzten drei Jahre im Eiskunstlauf Javier Fernández López, 1991 in der spanischen Hauptstadt Madrid geboren,  sorgte mit seinem jüngsten Programm "Torero" schon optisch für Aufmerksamkeit. Seiner Vorführung entsprechend trug er eine flaschengrüne traje de luces mit goldener Verzierung. 

Mit seiner sehr spanischen Präsentation zeigte er auf, wie kulturelle und national deklarierte Traditionen wie eben die mundo de los toros, dargestellt als ein torero, nach wie vor zum Bild gehören, welches das Leben auf der iberischen Halbinsel prägt. Als eine Selbstverständlichkeit jenes Teiles welches ebenfalls die spanische Gesellschaft prägt. Der Sportler hatte hier die Möglichkeit die Kultur seines Landes und seine afición zur tauromaquia in seinen Sport mit einzubeziehen, was ihm ausgezeichnet gelungen ist: Dos orejas y rabo simbólico. 


Das Portal mundotoro sprach von einem anderen Genie im Lichteranzug. Und weltweit war es zu sehen, so auch in Asien:

Montag, 21. September 2015

Torero oder Stier?




von César Luis Menotti


Der argentinische Fussballtrainer und Weltmeister mit Argentinien im eigenen Land 1978 hielt sich wenig in den Ländern der toros auf. Lediglich drei Mal: 1983/84 trainierte er den FC Barcelona, 1987/88 Atlético Madrid und 1991/92 die mexikanische Nationalmannschaft. Trotz der kurzen Zeit in der Nähe zur mundo de los toros erkannte er deren Bedeutung in der Kultur und Gesellschaft des jeweiligen Landes. Zahlreiche Fussballspieler bekannten sich als aficionados und einige bevorzugten sogar die Karriere als torero, wie der bekannte matador de toros David Fandila "El Fandi". Aber die meisten der Fussballprofis, welche sich für die toros begeistern können, wie zum Beispiel der Verteidiger von Real Madrid, Sergio Ramos, bevorzugen die sicheren Plätze in  den tendidos. Verständlich, dass dann der Trainer entsprechende Vergleiche zieht:


"Sie können sich in Spanien nicht entscheiden,
ob sie sich am toro
oder am torero orientieren sollen."

César Luis Menotti
im Dezember 2005


___________________________________________________

Quellennachweis:
Fussballmagazin Kicker, 5.12.2005

Sonntag, 20. September 2015

Wenn der Präsident sich selbst ein Oreja gibt

Kurioses aus der Region Extremadura
___________________________________________________________________







von Philip de Málaga


Im September 1927 ereignete sich in der Ortschaft Oliva de Jerez in der Provinz Badajoz etwas höchst Ungewöhnliches. Anlässlich des städtischen Festes wurde eine Mini-novillada organisiert mit lediglich zwei novillos der ganadería Conde de la Corte. Als matador engagierte man den novillero Morenito de Huelva aus dem Süden Andalusiens.


Das festejo taurino begann. Die Dorfgemeinschaft hatte in den improvisierten tendidos Platz genommen, das Trompetensignal ertönte und der erste novillo betrat das ruedo. Doch dann geschah es. Der novillero sah den novillo herein preschen und hatte dermassen viel Angst bekommen, dass er nicht daran dachte den burladero zu verlassen um dem res gegenüber zu treten. Man redete auf ihn ein, aber er weigerte sich beharrlich ins ruedo zu gehen. Lieber gehe er ins Gefängnis als sein Leben als torero bei diesem gefährlichen Tier zu riskieren.

Dann geschah etwas höchst Ungewöhnliches. Denn der presidente war nun gezwungen eine Entscheidung zu treffen, denn einen sobresaliente, also einen Ersatz torero hatten sie nicht parat. So stand der presidente auf, ging in den callejón, nahm dem torero sein Arbeitszeug ab und zum Erstaunen des Publikums betrat er selbst das ruedo um dem novillo gegenüberzutreten. Die Leute in den tendidos waren erst überrascht und schliesslich erstaunt über den Fortgang der novillada. Mit so viel Improvisation hatte keiner gerechnet. Und schnell schlug die Stimmung in Begeisterung um und der neue selbsternannte espada erhielt lauten Applaus von den Rängen. Die lidia gefiel dem Publikum und es forderte als trofeo ein oreja, welchem der torero als presidente selbst zustimmte.

Samstag, 19. September 2015

Die Goyesca in Ronda ein finanzieller Erfolg, aber ..





von Philip de Málaga


Voll war es in Ronda, aber die Prominenz blieb aus
_____________________________________________________________

Die corrida goyesca in der Real Maestranza de Ronda ist nicht nur ein Highlight in der temporada taurina, sondern auch ein gesellschaftliches Stell-Dich-Ein von Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Adel und anderen Bereichen. In der Tat füllten sich die Hotels in Ronda bis zu 100 Prozent, hasta la bandera, aber dieses Jahr fiel die Präsens an bekannten Gesichtern eher bescheiden aus.
Ronda brach aus allen Nähten, nur die Prominenz blieb aus (Foto: Vocento)
Zu sehen waren unter anderem der bekannte Journalist Jesús Quintero, der Sohn der Herzogin von Alba, Don Fernando Martínez de Irujo, der Schauspieler Máximo Valverde (der übrigens in Estepona auch eine zweifelhafte alternativa zum matador de toros hatte), der Sänger Manuel Lombo, der Ex-torero Jaime Ostos in Begleitung seiner Frau, der Präsident des Kreistages, Don Elías Bendodo sowie ein Vertreter der andalusischen Landesregierung, Don Antonio Sanz und der Präsident des Sparkassenverbundes Unicaja Don Braulio Medel. Nicht gerade viel Prominenz die sich blicken liess. Keine zwei Hände sind nötig um diese zu zählen. Von einem gesellschaftlichen Highlight, welche mehrere Seiten des Magazins Hola füllt war diesmal nichts zu sehen.

1910: Das Hotel Reina Victoria, wo sich die toreros und die Prominenz begegneten
Auch der deutsche Schriftsteller Rainer María Rilke gastierte dort gerne.
Die Zeiten, wo sich die Hotels in Ronda mit prominenten Gesichtern aus allen spanischen Gesellschaftsschichten füllten scheinen der Vergangenheit anzugehören. Eigentlich bedauerlich. Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit. 2012, wo die corrida goyesca das erste Mal nicht ausverkauft war und die afición wie die Prominenz relativ enttäuscht waren. Diese Farce konnten auch Morante de la Pueblas letzten Auftritte in den folgenden Jahren nicht mehr so richtig auffangen (SfA: Von Ronda zum Omega?). 

Ob nun mit oder ohne Prominenz. Das Rathaus kann sich freuen. Die feria sei durch und durch ein finanzieller Erfolg gewesen. Die Gastronomie, das recinto ferial, die ausverkaufte corrida goyesca und nicht zuletzt die gute Hotelbelegung (Freitag: 95 %, Samstag: 100 % und am Sonntag mit 80 %) hätten hervorragende Gewinne erwirtschaften können. 

Ronda 2015: Extrem viele Besucher in der Hauptfussgängerzone
Auch vom Sicherheitsstandpunkt sei alles sehr friedlich verlaufen. Drei Verhaftungen, 36 Vorladungen wegen Drogenkonsum, Beschlagnahmung von 569 Artikeln, wegen illegalen Verkaufes und 60 Personen mussten zur ambulanten Behandlung. Auch das gehört zu einer feria.

Kritik kam von der Opposition. Die feria müsse wieder attraktiver gestaltet und der alte Ruf wieder hergestellt werden. Der kulturelle Anspruch müsse höher geschraubt werden und man solle sich nicht in Zukunft darauf konzentrieren die Massen zu Trinkgelagen zu locken. Toros, Flamenco und andere kulturelle Veranstaltungen sollten mehr im Mittelpunkt stehen.