Dienstag, 17. Dezember 2013

Das Tercio de Banderillas und sein Zweck (4. Teil)







von Domingo Delgado de la Cámara eingeleitet und übersetzt von Tristan Wood entnommen aus La DivisaClub Taurino of LondonNumber 168 - January/February 2006, S. 29-33: The Tercio de Banderillas and Its Purpose
___________________________________________________________




Übersetzung von Dr. Andreas Krumbein



Die Bedeutung der brega

Wie hat sich die suerte de banderillas in den zeitgenössischen toreo eingefügt? In anderen Worten, wie wurden die banderillas durch die von José und Juan vollendeten Änderungen betroffen, oder welche Auswirkung hatte die gesteigerte Betonung des letzten tercios auf das tercio de banderillas? Lasst uns jetzt diese Fragen beantworten...
Es ist schon klar, dass das tercio de banderillas ohne eine genaue Zielsetzung geboren wurde. Ich habe auch gezeigt, dass die Theorie, die von so vielen Autoren verteidigt wird, dass nämlich die banderillas dem Stier helfen sich zu erholen, so ist, als würde man versuchen seinen Durst durch den Genuss von Stockfisch zu löschen. Nichtsdestotrotz traf das tercio de banderillas, seitdem José und Juan zu experimentieren begannen und anfingen den modernen toreo zu schaffen, auf einen neuen Zweck. Denn durch das Beobachten, wie der Stier gegen die Subalternos anläuft, kann der matador sich ein Bild von der Verfassung des toros machen, mit dem Gedanken an die faena mit der muleta im Hinterkopf. Wenn der Stier gegen die subalternos anläuft, kann er beobachten, ob er schnell und gerade, mit dem einen oder dem anderen Horn angreift. Wenn der für die lidia verantwortliche subalterno den Stier mit seinem capote annimmt, kann der matador die Fähigkeit des Stiers, gerade auf den Köder zu gehen und den Kopf zu senken, beurteilen.
Mit anderen Worten, zu der Zeit, zu der der matador zum Töten hinausgeht, sollte er schon eine genaue Vorstellung vom Verhalten des Stieres haben, denn er hat ihn mehrere Male mit jedem seiner Hörner angreifen sehen. Da er den Stier beobachtet hat und weiß, wie er ist, kann er sich in der Tat mit der muleta vom ersten Pase der faena an auf einen vorzüglichen toreo einlassen.
Trotzdem sehen wir viele faenas, die mit unnötigen pases zum Testen beginnen, mit muletazos de tanteo, die demonstrieren, dass der matador seinen toro immer noch nicht verstanden hat. Wenn wir einen matador sehen, der den Stier ausprobiert, während er der faena, die er gerade ausführt, Gewicht verleihen will, beschleicht uns der Zweifel auf zweierlei Art - entweder ist dem Stier im zweiten tercio die lidia nicht in geeigneter Form zuteil geworden und seine Qualitäten sind dem matador deshalb unbekannt, oder die lidia war korrekt, aber der matador hat nicht gesehen, was er hätte sehen sollen, was uns zu der Schlussfolgerung führt, dass er ein Mann ist, der nicht versteht, wie er arbeiten muss.

Wenn wir zur zweiten Schlussfolgerung gelangen, dass dem toro die lidia in korrekter Form zuteil geworden ist, der matador aber nichts daraus gelernt hat, wird es für den torero zu einem großen Risiko im Ring zu sein, denn seine Unwissenheit könnte sich als fatal erweisen. Das mag überraschend erscheinen, aber es gibt viele Ignoranten, die den Lichteranzug tragen. Nachdem ich mit einigen von Ihnen gesprochen habe, bin ich nicht überrascht, dass sie sich als katastrophale toreros erweisen...
Zu anderen Gelegenheiten weiß der matador, was er mit seinem Material tun sollte, aber er ist umringt von Unfähigen, die das zweite tercio in eine lächerliche capea verwandeln und die unfähig sind, den Stier zu schulen. In den Händen bestimmter cuadrilla-Angehöriger können alle Stiere schlecht aussehen. Das kann bedeuten, dass, wenn der matador Schwert und muleta nimmt, er sich tief auf pases zum Testen beider Hornseiten einlassen muss, um herauszufinden, wie das Tier wirklich ist. Sehr oft jedoch wird er auch gezwungen sein, die faena mit einer Serie mittelmäßiger muletazos zu beginnen, derart dass sie den Stier von Unarten befreien, die er sich im zweiten tercio angeeignet hat.
Wie schlecht nur, lieber Leser, ist die heutige lidia! Ich glaube trotz des Gesagten nicht, dass es derzeit sehr viele schlechte matadores gibt. José Tomás, Enrique Ponce oder El Juli sind so gut wie irgendeiner der Besten früherer Epochen. Aber unter den subalternos besteht totale Dekadenz. Es gibt keine Nachfolger von Leuten wie Blanquet oder Alfredo David. Ich kehre jetzt zurück zu einem der Leitmotive dieses Buches - der toreo mit der muleta hat eine spektakuläre Weiterentwicklung und Verbesserung erfahren, doch unglücklicherweise sind wir im Falle der ersten zwei tercios Zeugen einer deutlichen Rückentwicklung und eines klaren Verfalls. Nicht nur im ersten tercio, sondern ebenso im zweiten. Wenn wir nur das terciode banderillas in Betracht ziehen, ist es verblüffend wie die cuadrillas der berühmten matadores von komplett mittelmäßigen subalternos bevölkert sind. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber das ist es, was sie sind - Ausnahmen.

José Tomás, Enrique Ponce, El Juli ... die grossen maestros
(Fotos: mundotoro & tauromaquia.de)
Deswegen bleibe ich ein Bewunderer der großen Würde, die von den heutigen toros an den Tag gelegt wird, und ihrer geringen Neigung zu lernen. Wären dieselben Tricks, die wir heute sehen, mit einem toro von vor 80 Jahren durchgeführt worden, wäre man nicht in der Lage gewesen, danach noch einen einzigen pase mit ihm auszuführen. Jene Hunderte von capotazos, die hin und her fegen, ein paar falsche, kleine Schritte hier, eine capea dort... und seht, ich spreche nicht über die cuadrillas eines becerista, vielmehr über die cuadrillas der großen matadores, die stoisch einen nutzlosen Pöbel unterstützen, nur um sich nicht mit den Führern der Unión de Picadores y Banderilleros konfrontiert zu sehen, die Stück für Stück durch Streikdrohungen die Bosse der fiesta werden.
Ich weiß nicht, wie ich die beginnen soll, das zweite tercio, so wie es heute ist, zu analysieren. Alles ist so zusammenhanglos; es ist schwierig, irgendeinen Sinn zu erkennen. Und in der Zwischenzeit steht der matador wie festgenagelt und betet zur Heiligen Rita, es möge nur so kurz dauern, dass es den Stier nicht ruiniert, oder er bittet den Präsidenten, das tercio früh zu beenden, damit der Stier die muleta erreichen kann, solange er noch etwas in sich hat.
Alle subalternos wiederholen aufs lästigste: "Die banderillas sind nicht wichtig. Was wesentlich ist, ist gut den capote zu führen." Dadurch dass sie das sagen, versuchen die meisten ihre armselige Arbeit mit den Stöcken zu rechtfertigen... Das Argument wäre vielleicht gerechtfertigt, wenn sie gut mit der capa kämpften, aber mit ihrer Capaarbeit wird es auch immer schlechter.

Montag, 16. Dezember 2013

Colin Ernst: 10 Fragen 10





mit Colin Ernst


Seit Januar diesen Jahres gehört Colin Ernst zum Team von SfA. Mir ihren Fachkenntnissen, vor allem aus der mundo de los toros, mit ihrer Erfahrung über die toros und den ganaderías konnte sie viele Leser überzeugen. Sie kann nicht nur mitreden, sie kennt sich aus, weiss Bescheid wie es den Tieren geht und noch mehr, wie man mit ihnen umzugehen hat. Heute stellt sie sich den 10 Fragen 10:


1.Wie würdest Du am besten die derzeitige Krise geradebiegen?

Sparen, nicht über seine Verhältnisse leben und neue Ideen entwickeln.

2. Dein Lieblingsrezept?

In der deutschen Küche ist Grünkohl und Sauerbraten mein Favorit in Winterzeiten. In der spanischen Küche mag ich cabrito al horno und im Sommer ein bocadillo mit lechuga cebolla y atun

3. Dein Traum-cartel?

Manolete, Morante und Enrique Ponce

4. Bist Du ein Freak von etwas?

Alles was mit toros und toreros zu tun hat, interessiert mich brennend.

5. Was stört Dich am meisten?

Wenn man mir frech ins Gesicht lügt und glaubt ich hätte es nicht gemerkt.


6. Welche Zeichentrickfilme gefallen Dir am besten?

Alte Walt Disneys, wie Aristocats, oder aktueller Ice Age

7. Ein Bekenntnis?

Wenn toreros, die ich persönlich kenne, eine corrida haben, bin ich wahrscheinlich nervöser als sie selbst.

8. Was scheint Dir lächerlich?

Wenn sich jemand größer macht als er ist.

9. Wie rufen sie Dich?

Ich habe keinen Spitznamen.

10. Was hat Dir selbst in dieser temporada gefehlt?

Mehr indultos und mehr Möglichkeiten corridas zu sehen, sei es live oder im TV.




Das Tercio de Banderillas und sein Zweck (3. Teil)







von Domingo Delgado de la Cámara eingeleitet und übersetzt von Tristan Wood entnommen aus La DivisaClub Taurino of LondonNumber 168 - January/February 2006, S. 29-33: The Tercio de Banderillas and Its Purpose
___________________________________________________________




Übersetzung von Dr. Andreas Krumbein


Costillares
Während der Regentschaft Karls des Dritten wurde Joaquín Rodríguez 'Costillares' zur wichtigsten Gestalt im Stierkampf und setzte die andalusische tauromaquia durch, wobei er die toreros des Baskenlandes und aus Aragón in den Schatten stellte. Die endgültige Niederlage jener toreros trat ein, als Pamplona und Zaragoza es vorzogen eher Costillares oder Pedro Romero unter Vertrag zu nehmen als sie. Von diesem Zeitpunkt an war die lidia Nordspaniens, die auf dem recorte a cuerpo limpio und auf Verwegenheit beruhte, verbannt auf das Stierlaufen in den Straßen und zu den fiestas populares, wo es bis heute überdauert. Und diese altertümliche Form des toreo wird zweifelsohne seine Fortsetzung in der Zukunft finden, vorausgesetzt dass die Europapolitiker und die Stierkampfgegner einwilligen es hinzunehmen.
Pedro Romero
Die Andalusier waren obenauf. Im Jahre 1789 wurde zur feierlichen Thronbesteigung Karls des Vierten ein cartel aus jenen Dreien aufgestellt, die die Pracht des 18. Jahrhunderts darstellten - Costillares, Hillo und Pedro Romero. Zu diesem Zeitpunkt waren die norteños nichts wert.
Nichtsdestotrotz nahmen die Andalusier, um dem Publikum zu gefallen, die spektakulärste und kühnste suerte der Nordspanier auf - die banderillas, die nun auch Teil ihres Repertoires wurden. Oder eher, des Repertoires ihrer cuadrillas, denn einer der Gründe, warum die Andalusier gegenüber den norteños die Oberhand gewannen, war, dass sie organisiert waren und die norteños nicht. Die Nordspanier hatten ein absolut anarchisches Konzept der lidia, bei dem sie zu jedem beliebigen Zeitpunkt einschreiten konnten um suertes auszuführen, in denen sie spezialisiert waren, jede Form von Hierarchie missachtend. Die Andalusier waren organisiert in Mannschaften, zu denen picadores gehörten, die die lidia mit der Herabsetzung der Stärke des Stiers begannen, und Assistenten zu Fuß, denen bald die Aufgabe übertragen wurde die banderillas zu setzen, während der Leiter der lidia durch seine Arbeit mit der capa und der muleta hervorstach, und durch das Töten des Tieres. Hier war sie, die moderne Gliederung der lidia, erdacht von Francisco Romero, im Überfluss praktiziert von Costillares, Hillo und Pedro Romero und 30 Jahre später in eine endgültige Abfolge gebracht von Paquiro.
Die suerte de banderillas ist wohl die suerte, die sich am wenigsten weiterentwickelt hat. Während die verónica von Costillares sehr wenig Ähnlichkeit mit derjenigen von Rafael de Paula hätte, so wäre ein Paar banderillas von El Licenciado de Falces wenig anders als eines ausgeführt von El Fandi. Die suertes, die sich am meisten verändert haben, sind diejenigen, bei denen man stillstehen muss. Bei suertes, bei denen Bewegung erforderlich ist, gibt es weniger Gelegenheit zu experimentieren und so haben sich solche suertes weniger entwickelt. Warum ist das der Fall? Vielleicht deswegen, weil, wenn man sich bewegt, es viel schwieriger ist den Angriff des Stiers zu kontrollieren und deshalb technische und ästhetische Fortschritte weniger wahrscheinlich vorkommen.
El Gordito
Victor Pérez López, ein aficionado wie er im Buche steht und intelligenter Gelehrter des toreo, sagt, die suerte de banderillas habe seit der Zeit von Antonio Cormona 'El Gordito' keine sichtbare Entwicklung durchgemacht, also seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. El Gordito ist hinsichtlich der banderillas das, was José und Juan [Joselito und Belmonte] für den toreo im allgemeinen waren. Er markiert den Zeitpunkt, zu dem das Paar al Quiebro eingeführt wurde, und er trat mit den banderillas in allen Formen auf, die man kennt. Es ist möglich, dass er nicht der Erfinder der banderillas al quiebro ist, - er könnte der suerte in seinen frühen Tagen als torero in Portugal begegnet sein - aber er war es, der die suerte in die gewöhnliche lidia eingebaut hat. Der quiebro ist die modernste Form die banderillas zu setzen - der Rest war bekannt seit den Anfängen des professionellen toreo und El Gordito wendete sie häufig an.

In Gorditos cuadrilla befand sich ein junger subalterno, Rafael Molina 'Lagartijo', der sehr bald seinen Lehrer übertraf. In allem war er besser als er, in absolut allem, einschließlich der banderillas, mit denen Lagartijo kolossal war und ein Vorbild an Eleganz.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Fast eine Million Besucher in Madrid




von Philip de Málaga


Madrid bleibt in der mundo de los toro weiterhin ziemlich populär
So wenig oder doch so viele?
________________________________________________________________

Die plaza de toros der spanischen Hauptstadt Las Ventas in Madrid ist weiterhin ein beliebtes Ziel der afición und auch der Touristen. 2013 wurden insgesamt mehr als 890.000 entradas verkauft. Eine beeindruckende Zahl bei 63 festejos taurinos. Zwar ist im Vergleich zu 2012 ein kleiner Rückgang von 4,3 Prozent zu verzeichnen, aber die toros bleiben weiterhin populär. Und immerhin, 61 Prozent wurden live im Fernsehen übertragen.

Madrid, stets gut besucht (Foto: mundotoro)
Die empresa hat nun die Bilanz offen gelegt: 54 matadores de toros, 50 novilleros, 8 rejoneadores sowie 3 novilleros ohne picador. Die toreros begegneten 372 reses von 73 ganaderías. Die einzigen puertas grandes in diesem Jahr gab es für den matador de toros Alejandro Talavante und den rejoneador Diego Ventura. Das Durchschnittsgewicht eines toros betrug 547,8 Kilo. Auch das Gewicht der novillos lag bei beindruckenden 489,2 Kilo.

Sevilla, was läuft da eigentlich ab




von Colin Ernst


Hier ein wenig weitere Gedanken zum Thema
_____________________________________________________________



Nach der Bekanntgabe der Startoreros Morante de la Puebla, El Juli, Manzanares, Perera und Talavante, dass sie nicht in Sevilla auftreten, solange der Betreiber Pages, die Real Maestranza managet, fragt man sich vielleicht, welche Bedeutung hat die An und Abwesenheit einer „figura“ für eine plaza? Und welche Bedeutung hat eine plaza für einen torero

Bei meinen Gesprächen mit novilleros konnte ich feststellen, das sich viele eine alternativa in der Real Maestranza de Sevilla wünschen. Und wenn ich mich nicht täusche, gab es 2013 keine alternativa dort und Pages hat auch keine für 2014 vorgesehen. 

Soweit so schlecht für den Toreronachwuchs. Eine alternativa in einer plaza der ersten Kategorie ist für eine Karriere wichtig, das liest sich anders als eine alternativa in Kleinkleckersdorf. Auch sind die ersten plazas für die novilleros generell wichtig, aber diese reduzieren ihre novilladas auf ein Minimum. Auch für die „ausgelernten toreros“ sind die führenden plazas der ersten und zweiten Kategorie ein wichtiger Faktor. Nicht nur finanziell, sondern allein die Präsens in einer großen Arena, einer großen Feria in einer großen Stadt, ist beinahe existenziell wichtig. Der Name auf dem cartel, mit anderen figuras, trägt zur Bekanntheit bei und somit kann man mehr Fans bekommen. Wäre ein Manzanares bisher nur in dritt und viertklassigen plazas aufgetreten, würde, bei aller Kunst, kaum ein Hahn nach ihm krähen (von seinem berühmten Namen mal abgesehen). Hat man es, auf Grund eines guten apoderados und genügend Geld im Rücken geschafft, regelmäßig auf den carteles der ferias wie Pamplona, Madrid, Sevilla etc. zu stehen, läuft alles wesentlich besser, man ist bekannt, die aficionados wollen einen sehen. Stellen sich nun, diese Startoreros quer, aus welchem Grunde auch immer, ist das eine großartige Chance für die nachrückenden Talente. Wie sieht es der empresario? Gibt er viel Geld aus, für drei bis vier corridas mit den Stars, kann er die Arena füllen. Ob dies gelingt, wenn er auf die weniger bekannten toreros zurückgreift, die nur auf eine oportunidad warten? Am Ende entscheidet der aficionado

Für ihn reist die afición sehr weit, der matador de toros José Tomás (Foto: mundotoro)
Und wie sieht der die Sache? Mit einigen habe ich gesprochen und auch hier ist es eine Frage des Preises und der Sichtweise. Eine „Dauerkarte“ ein abono für eine feria kostet oft mehr als einen Durchschnittslohn. Dafür erwartet der aficionado Qualität. Was die toros angeht und die toreros. Wenn eine feria drei corridas de toros, eine novillada picada und eine corrida de rejones anbietet, ist das recht schön. Wenn alle drei corridas de toros mit kleinen ganaderías und unbekannten toreros besetzt sind, ist das schlecht. Dafür kauft man keine Dauerkarte. Ist natürlich ein Morante angesagt, nimmt man alles andere lächelnd in Kauf. Mit einer figura tritt auch meist eine gehobene ganaderías auf den Plan, ein Grund mehr, hin zu gehen. Als torista gehe ich am liebsten zu corridas, wo ich Stiere finde wie die Santa Colomas, Miuras, Albaserradas und Saltillos. Da ist es mir sogar egal wer dann im ruedo steht. Als Morantista lockt mich keiner mit einem abono, wo nicht wenigstens eine figura mit einer namhaften ganadería zu finden ist. Viele aficionados können sich nur eine Eintrittskarte leisten, die für den Auftritt der Startoreros ist meist die teuerste. Also schaut man sich die novillada an, zum halben Preis. Die professionellen aficionados, gut situiert, die ihren toreros um den halben Erdball nachreisen, sind eine Seltenheit, aber für einen José Tomás fliegen viele mal eben nach Málaga, Nîmes oder Valencia. Selbst wenn man innerhalb Spaniens anreist, kostet der Spass noch genug Geld: Anreise, Hotel, Eintritt, Essen, da gehen mal schnell 300.-€ und mehr drauf, die keiner zahlt um einen Nobody zu sehen. In der Weigerung der Stars, in Sevilla aufzutreten, liegt ein klarer Vorteil, für andere plazas, die nicht in der ersten Reihe stehen… Bei gutem Management könnten sie ihre Arenen füllen und vielleicht zwei, anstatt nur ein festejo veranstalten. Die plazas wie Sevilla, bei einer 1/3 Besetzung der tendidos, hätte dann das Nachsehen. Einen Spruch, den ich derzeit oft höre ist: Die fiesta brava braucht keine antitaurinos, die Gegener sitzen in den eigenen Reihen, sie richten die fiesta ganz von alleine zu Grunde“ – da steckt ein großes Körnchen Wahrheit drin …

Samstag, 14. Dezember 2013

Wieder Stiere im kolumbianischen Cartagena de Indias




von Philip de Málaga


Nach drei Jahren Pause öffnet die plaza de toros wieder ihre Pforten
______________________________________________________________

Eine relativ junge plaza de toros in Cartagena de Indias. Im Januar 1974 wurde sie eingeweiht mit einem doch imposanten aforo für 18.000 Zuschauer. Immerhin, bei der ersten corrida wirkte der matador de toros Francisco Ruiz Miguel mit, den viele derzeit als Co-Kommentator bei TPT sehen können. 

Der empresario Don Hernán Ruiz "El Gino" verkündete nun, nach vielen Jahren des Kampfes haben sie ihr Ziel erreicht. Die plaza de toros wird am 4. Januar wieder ihre puertas öffnen um die matadores de toros Sebastían Castella, Juan Bolivar und den rejoneador Andrés Chica bei einer corrida goyesca zu empfangen. Vor allem dem Bürgermeister Don Dionisio Vélez Trujillo sei es zu verdanken, dass die toros wieder nach Cartagena de Indias kommen.

Sind die Stiere weitsichtig und doch nicht so ganz farbenblind?




von Colin Ernst


Neue Erkenntnisse über die toros von der Universität in Madrid
_________________________________________________________

Der bekannte Professor, Martín Roldán, (Catedrático de Anatomía de la Facultad de Veterinaria de la Universidad Complutense de Madrid), berichtet in seinen Studien, das Stiere sehr wohl Farben unterscheiden können. Sie sollen orange, rot, grün und blau unterscheiden können. Ich weiß nicht wie er zu diesen Ergebnissen gelangt ist, aber ich habe meine Zweifel. Das die Farbe der muleta keinen Einfluss auf die Angriffslust eines toros hat, ist bekannt. Mit einem weißen Tuch, toreriert es sich genauso, wie mit einem beigen sombrero. Die Farbskala im Weiß-Grau-Schwarz- Bereich ist eine feine Palette. Ähnlich wie ein farbenblinder, dürfte der Stier die feinen Unterschiede wahrnehmen, in jedem Farbbereich.


Eine andere Abhandlung von Martín Roldán beschäftigt sich mit dem Blickwinkel des Stieres. Er spricht von einer ungenügenden Nah und einer normalen Fernsicht. Die Augen, seitlich am Kopf gelegen, können das, was sich direkt vor ihnen, zwischen den Hörnern und Augen befindet, auf Grund dessen mitunter gar nicht sehen auch wenn sie einen größeren Drehradius haben. Die toreros, meist von schmaler Gestalt, passen perfekt zwischen die Hörner, die Augen befinden sich noch weiter seitlich. Kurzsichtig sind sie nicht, aber ihr Blickwinkel unterscheidet sich von vielen anderen Individuen. Tritt der torero aus dem „toten Winkel“, der sich zwischen den Hörnern befindet heraus, oder die muleta winkt außerhalb des Winkels, reagiert der Stier sofort. Er erfasst mit dem äußeren Auge die Bewegung des Zipfel der muleta, während sich das innere Auge mit einer verschwommenen Masse konfrontiert sieht.  Die Reaktion ist klar auf das sich bewegende Objekt gerichtet. Stiere sind nicht kurz.- oder weitsichtig im eigentlichen Sinne. Zwischen den Augen existiert eine Zone, wo sie nicht sehen können, aber wenn man sich weiter entfernt, verändert sich dieser Winkel. Nun können sie, mit einer leichten Kopfbewegung wahrnehmen, das da jemand ist. Vorteil für den banderillero, wenn er das weiß. Er wird über die Entfernung wahrgenommen. Was bedeutet dass Wissen über das Sehvermögen der toros für die toreros?  Es dürfte von enormer Wichtigkeit sein, ja lebenswichtig. „Verliere nie den Stier aus den Augen“, ist eine Formel des toreo. Viele reden von der „mirada“, dem Blick des toros… toreros wissen, in welchem Blickwinkel des Stieres sie sich zu bewegen haben. Darum sind Stiere mit einem Sehfehler so gefürchtet. Denn er hat einen anderen Blickwinkel, den ein matador mitunter nicht kalkulieren kann. Oft passieren die volteretas und cornadas mit toros, deren Augen dem Tuch auf anderem Weg folgen. Dies frühzeitig zu erkennen, liegt in der Hand des toreros. Schon bei den ersten Kontakten mit der capa, muss er erkennen, wo der Blickwinkel liegt. Es ist also nicht mit schönen Schwüngen der capa getan. Hat er erkannt, wie der Stier die Welt sieht, hat er, wenn er den toro intelligent handhabt, die halbe Schlacht gewonnen. Wenn nicht, sieht der Zuschauer eine schlechte corrida, an der der Stier keine Schuld hat.

Freitag, 13. Dezember 2013

Ein Stück Scheisse

Die Gegner von Stierkämpfen können sich nur noch mit verbalen Beleidigungen wehren
_________________________________________________________________________







von Philip de Málaga


Was soll man da noch sagen? Das Portal SfA hat von vornherein persönlich verbale Beleidigungen kritisiert und schliesslich untersagt. Egal in welche Richtung. Antitaurinische Portale wie SOS Galgos handhaben es ein wenig anders. Der Mensch spielt hier keine Rolle mehr. Menschliche, demokratische Rechte sind nichts wert. Wie kann eine Martina Szyszka solche Kommentare zulassen, wo Menschen als ein Stück Scheisse bezeichnet werden:

"Dieser Krieg nährt uns, weil er uns auch die Befriedigung schenkt, dass wir nicht ein Stück Scheisse wie ihr geworden sind, sondern moralische Handelnde Menschen"


Menschen als ein Stück Scheisse zu bezeichnen, ein niedrigeres Niveau kann man kaum noch erreichen. Es zeigt auf, dass die antitaurinos gesehen haben, dass sie eigentlich auf allen Ebenen nur noch verlieren. SfA hat schon im Vorfeld den Dialog gesucht, aber niemals versucht jemand von der mundo de los toros zu überzeugen, lediglich zu informieren. Ich bedaure sehr diesen aggressiven Einsatz von SOS Galgos. Tierschutz ist wichtig. Sehr wichtig sogar! Aber machen wir uns nichts vor, beim Thema der toros müssen wir uns wirklich nichts vorschreiben lassen, von Menschen die fern ab dieser mundo de los toros leben.

Das Tercio de Banderillas und sein Zweck (2. Teil)







von Domingo Delgado de la Cámara eingeleitet und übersetzt von Tristan Wood entnommen aus La DivisaClub Taurino of LondonNumber 168 - January/February 2006, S. 29-33: The Tercio de Banderillas and Its Purpose
___________________________________________________________




Übersetzung von Dr. Andreas Krumbein



Genug davon. Mir ist, als setzte ich banderillas, nachdem der Stier an mir vorbeigelaufen ist. Lassen Sie uns zurückkehren vor den Kopf des toros. Die Existenz des tercio de banderillas kann nicht durch die Teleologie erklärt werden; vielmehr existiert es aus historischen Gründen. Als die banderillas in die konventionelle lidia eingegliedert wurden, geschah dies, weil den Leuten die suerte gefiel und nicht weil sie benötigt wurde.
Die banderillas sind alles, was in der modernen lidia vom toreo, der im Baskenland praktiziert wurde, übergeblieben ist. Sie sind die letzten Überbleibsel des toreo der Pyrenäen.
Wie ich zuvor in Avatares Históricos del Toro de Lidia erklärt habe, war der erste Konflikt, der im professionellen Leben des toreo a pie auftauchte, der Kampf zwischen den toreros Nordspaniens und Andalusiens, ein Kampf, der vor demjenigen zwischen Rondeños und Sevillanos stattfand, zu dem Historiker und Gelehrte reichlich Stellung genommen haben. Im Gegensatz dazu ist der Streit zwischen den toreros Nordspaniens und Andalusiens nicht eingehend untersucht worden (viel Glück den Historikern, die es tun). Doch bildet er einen entscheidenden Teil der Entwicklung der fiesta.
Das war kein einfacher Zank zwischen zwei lokalen Splittergruppen. Es war eine Konfrontation zwischen zwei Konzepten des toreo, zwei völlig unterschiedliche tauromaquias. Der toreo der Andalusier basierte darauf den Stier mit Ködern zu täuschen, während der toreo der Norteños auf dem recorte aufgebaut war, darauf, den Stier mit dem menschlichen Körper zu locken. Das andalusische Konzept hat zweifellos den Sieg davongetragen. Aber, weil das Publikum dies verlangte, sollte die lidia der Andalusier für immer die spektakulärste suerte der Norteños in sich aufnehmen - die banderillas. Das war der Zweck der banderillas - das Publikum zufrieden zustellen.
Costillares
Jeder singt die Loblieder auf Costillares und das Lob ist verdient, denn er erfand die verónica (den wichtigsten pase der Arbeit mit der capa) und den volapié, die üblichste und effektivste Form des Tötens. Francisco Romero jedoch ist ungerecht behandelt worden; die Leute neigen dazu, einfach zu sagen, dass er der Großvater des großen Pedro Romero und Begründers einer Stierkampf-Dynastie gewesen sei. Es scheint, dass fast jeder vergessen hat, dass er es war, der das Instrument erfunden hat, von dem in späteren Jahren zunehmend Gebrauch gemacht wurde - der muleta -  und dass, damit bewaffnet, er damit anfing, Stiere von vorne zu töten, statt hinterhältig und unredlich aus einer anderen Richtung. Zusätzlich war er es, der mit der Struktur der lidia von heute aufwartete, eingeteilt in drei tercios und zum Schluss war er der erste, der versuchte die picadores dem matador zu unterstellen, obwohl die Person, die dies schließlich erreichte, Paquiro war.

Martincho
Aber zweifellos ist derjenige Pionier unter den toreros, mit denen die Geschichte am schlechtesten umgegangen ist, Bernardo Alcalde 'El Licenciado de Falces'. Fast niemand erwähnt ihn als den Vater der suerte de banderillas, obwohl vor ihm jeder der Stöcke nur einzeln gesetzt wurde, in einer Art rejoneo zu Fuss, einer Nachwirkung der ritterlichen corrida, die gerade dabei war zu Ende zu gehen. El Licenciado war der erste, der die banderillas paarweise setzte, in jeder Hand einen Stock haltend. Dennoch hat ihn Goya während der suerte de banderillas, die ihn berühmt gemacht hat, nicht abgebildet, sondern ihn stattdessen eingehüllt in einen Umhang gezeigt, womit er eine Parodie auf die chicuelina dargestellt hat. Ein anderer berühmter torero des Nordens war Juanito Apiñani, den Goya auf dem bekanntesten Bildnis seiner Tauromaquia portraitierte, wie er mit einem Stab hoch über einen Stier springt. Aber der berühmteste von allen war Martincho. Martín Barcaiztegui war des unbesonnensten Aktes fähig, der das Publikum in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Aufregung versetzte. Goya hat uns zwei Beispiele seines Wagemutes gezeigt und ihn einmal auf einem Stuhl vor dem toril sitzend abgebildet, bereit den Stier zu töten, und ein anderes mal oben auf einem Tisch, mit gefesselten Füßen, wie er sich bereit macht einem Stier über den Kopf zu springen.