Freitag, 4. September 2015

Warum die katholische Kirche den Stierkampf nicht verbietet

Kommt ein neuer Papst, versuchen es die Gegner erneut
die Kirche gegen den Stierkampf zu beeinflussen
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von Philip de Málaga

Immer wieder  erreichen SfA Anfragen nach dem Verhalten der vor allem römisch katholischen Kirche. Wie steht diese zur mundo taurino und warum ist das so? Hier mal ein paar klärende Worte zum historischen Ablauf:

In der Tat hat die römisch-katholische Kirche vor knapp 450 Jahren Stierfeste jeder Art auf der Iberischen Halbinsel mal verboten!
Papst Pius V

Gerne berufen sich Tierschützer auf Papst Pius V (1504 -1572) und seine berühmte päpstliche Bulle aus dem Jahr 1567, die die Teilnahme an Stierfesten unter Androhung der Exkommunizierung verboten hatte.

Was kaum einer weiß, Pius V war vor seinem päpstlichen Wirken 28 Jahre lang Inquisitor für die Provinzen Como und Bergamo und 3 Jahre lang Großinquisitor der römisch katholischen Kirche. Da fällt es einem wirklich schwer zu glauben, der Papst hätte damals sein Herz für die Stiere entdeckt. Ganz gewiss nicht. Es ging ihm dabei um kirchliche wie politische Angelegenheiten:
Philipp II von Spanien

ERSTENS: Was ihn schon damals als Großinquisitor mächtig störte war, dass Philipp II von Spanien (1527 – 1598) die spanische Inquisition als staatliche Organisation in festen Händen hielt, und nicht daran dachte diese Rom zu unterstellen.

ZWEITENS: An solchen Stierfesten kamen nicht selten zahlreiche caballeros ums Leben. Die Kirche konnte nicht akzeptieren, dass die edlen Ritter ihr von Gott geschenktes Leben so einfach dahin warfen. Außerdem fehlten sie dann für die Kriegseinsätze unter christlicher Flagge.

DRITTENS: Stierfeste fanden oft an Sonn- und Feiertagen statt. Sie begannen schon gegen zehn Uhr am Vormittag und endeten in regelrechten Orgien bis spät in der Nacht hinein. Für den besuch von Gottesdienste gab es da keine Zeit und dadurch blieben viele Gotteshäuser leer.
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"Genauso wie das Verbot in Katalonien, 
war die päpstliche Bulle ein reines Politikum, 
welche mit dem Schutz der Stiere wenig gemein hatte."
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Spanien spielte aber für Pius V eine wichtige Rolle, gerade im Kampf gegen das osmanische Reich. Um ein wenig mehr Kontrolle über die Iberische Halbinsel zu bekommen, liess er jene päpstliche Bulle aufsetzen. Doch er machte die Rechnung ohne Philipp II. Dieser nämlich befürchtete Unruhen des Volkes, gar den Unmut des Adels, dem die Organisation jener Stierfeste unterlag, und ließ diese päpstliche Bulle erst gar nicht veröffentlichen. Als Erklärung schrieb er an den Vatikan :
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„Die Bräuche der Stierkämpfe 
liegen den Spaniern einfach einfach im Blut.“

Philipp II (1527 bis 1598)
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Der historische Ablauf:


Die Päpste und die toros: Pius V, Gregor XIII, Sixto V und Clemens VIII
1567 wird die päpstliche Bulle De salutis gregis dominici von Papst Pius V veröffentlicht, in der die Stierkämpfe unter Androhung der Exkommunizierung verboten worden sind.


1575 lockerte Papst Gregor XIII diese Bulle in seinem Schreiben Exponis nobis super wieder auf, indem er das Verbot von Stierkämpfen nur auf Sonntage und geistliche Würdenträger bezog. Papst Gregor hatte sich nur deshalb darauf eingelassen habe, damit Spanien gleichzeitig mit Portugal, Italien und den katholischen Zonen in Polen 1582 den Gregorianischen Kalender einführt.

1583 setzte Papst Sixto V die päpstliche Bulle vom Stierkampfverbot wieder in Kraft. Vorher als Inquisitor von Venedig hatte ihn das Zugeständnis seines Vorgängers verärgert. Die eigentlichen Gründe für diesen Missmut decken sich wohl mit denen von Pius V. Aber es liegt auf der Hand, dass das Verbot von Stierkämpfen wieder mal eher eine Angelegenheit der Inquisition war und nicht unbedingt als Schutzfunktion für die Stiere anzusehen ist.

Obwohl Spanien den Vatikan des Machtmissbrauches und Interpretationsfalschheit beschuldigte wurde das vatikanische Verbot erst wieder nach dreizehn Jahren aufgehoben.

Am 13. Januar 1596 hebt Papst Clemens VIII nach langen diplomatischen Verhandlungen mit dem spanischen Botschafter in Rom, Don Antonio de Sosa mit seiner Bulle Suscepti numeris alle Verbote bezüglich der juegos taurinos auf. Seit diesem Zeitpunkt hat es kein weiteres Verbot mehr gegeben. Und ist vor allem in der römisch katholischen Kirche auch keine Thema mehr.

Und wie steht es in der Gegenwart mit der Wirkkraft der päpstlichen Bulle?

Die Fondation Franz Weber aus der Schweiz veranstaltete diesbezüglich im Juni 2008 einen Schauprozess in Genf. Um diesem einseitigen Prozess einen professionellen Anstrich zu geben sprechen sie von einem Urteil des Internationalen Gerichtshofes für Tierrechte hinter dem die United Animal Nations steht. Das “Vereinte Nationen” wirkt dabei ein wenig irritierend, denn mit den Vereinten Nationen hat diese frei-gemeinnützige Organisation nichts gemein. Im deren nicht rechtskräftigem Urteil ist nachzulesen:

“Bis zur Umsetzung dieser Abschaffung fordert der Gerichtshof vom Papst Benedikt XVI, die die Stierkampfspiele unwiderruflich verurteilende Bulle DE SALUTE GREGI DOMINICI des Papstes Pius V, die immer noch gültig ist, zu erneuern und klare Richtlinien zu erlassen, nach denen die blutigen und abscheulichen Veranstaltungen, die Stierkämpfe darstellen, verurteilt werden müssen.”

Die Theologische Fakultät in Trier sieht es anders:

"Zur Frage der Gültigkeit: Wenn eine päpstliche Bulle nicht widerrufen wird, bleibt sie natürlich gültig. Viele päpstlichen Bullen haben aber keine tatsächliche Wirkkraft erlangt und sind im staatlichen oder kirchlichen Leben bedeutungslos geblieben. So haben mehrere Päpste im Mittelalter in Bullen die Ritualmordbezichtigungen gegen die Juden ausdrücklich verurteilt und Unwissenheit und Habgier auf Seiten der Christen als die eigentlichen Motive für diese falschen Anschuldigungen der Juden bezeichnet. Gefruchtet hat das nicht.

Bei Pastor steht übrigens auch, dass König Philipp II. und die spanischen Granden sich sofort gegen das Verbot der Stierkämpfe gewandt haben. Es haben zwar einige spanische Bischöfe im sog. Reformlibell der spanischen Bischöfe auf dem Konzil von Trient (1561-1563) unter vielen Reformforderungen auch das Verbot von Stierkämpfen und sonstigen Tierhetzen (besonders an Sonn- und Feiertagen) verlangt. Die Namen dieser Bischöfe werden jedoch nicht genannt. Auf der anderen Seite fand Philipp II. auch willfährige Theologen, die ihm in ihren Gutachten die Unbedenklichkeit der Stierkämpfe bescheinigten.

Ich vermute, dass das auch für den heutigen niederen und höheren Klerus in Spanien gilt."

Mit anderen Worten, es liegt kein Verbot der römisch katholischen Kirche vor.
Und ist auch kein Thema mehr!

Da die päpstliche Bulle von 1567 von Papst Pius V und deren Wiederaktivierung von 1583 im Jahr 1596 von Papst Clemens VIII eindeutig widerrufen worden ist, hat diese entsprechend auch keine Gültigkeit mehr. Jede weitere Diskussion darüber ist überflüssig.

Siehe auch: Der katholische Stier

Donnerstag, 3. September 2015

Málaga: Eventuell Anklage gegen die Antitaurina?





von Philip de Málaga


In Málaga erwägt man ein Anzeige wegen Gefährdung der Beteiligten
Von der Stiertrösterin auf die Anklagebank
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Beim letzten Halbfinale des Certamen Internacional de Escuelas Taurinas in der Malagueta sprang die antitaurina Virginia Ruiz ins ruedo um gegen die mundo taurino zu protestieren. Dabei setzte sie sich auf den schon toten novillo mit dem Hinweis, das sterbende Tier zu trösten.


Die Tierrechtsorganisation PETA ernannte die 36-jährige daraufhin zur Heldin, welche sich allein in die Gefahr des ruedos begab, was bei der internationalen Presse dementsprechend propagiert worden ist.
Gestern wurde SfA von der escuela taurina der plaza de toros darüber in Kenntnis gesetzt, dass man dabei sei, die zahlreichen Videoaufnahmen zu diesem Geschehen auszuwerten. Tatsache sei, als die antitaurina den novillo erreichte war dieser definitiv tot. Sollte der novillo jedoch noch gelebt haben, als die Aktivistin in das ruedo gesprungen ist, hätte sie damit das Leben aller Beteiligten in Gefahr bringen können, denn es hätte die Möglichkeit bestanden, dass sich das Tier noch einmal erhebt und einen oder mehrere toreros angreift. In diesem Falle würde die empresa Anzeige gegen Virginia Ruiz erstatten und juristische Schritte in die Wege leiten.
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Siehe auch:

PETA vergleicht Tiere mit geistig Behinderten




von Ursula Herzog


Wie weit dürfen Tierschützer mit ihren verbalen Äusserungen gehen?
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Die Tierrechtsorganisation PETA hat eine erstaunliche Anschauungsweise von Tierrechten. In einer Frage seiner FAQ’s  („Was verstehen Sie unter Tierrechten?“) antwortet die Vereinigung, dass jedes Tier Rechte besitzt ….“in derselben Art besitzt ein geistig Behinderter Rechte, selbst wenn er nicht gut aussieht oder wenn ihn niemand liebt“. 


Angesichts der aufgeregten Reaktionen der Leser im Internet gab die Vereinigung zu (ohne sich viel mit Entschuldigungen abzugeben) dass die Formulierung ungeschickt gewählt worden wäre. Isabelle Goetz, eine Pressesprecherin von PETA erklärte BuzzFeed France : „Es handelt sich um einen groben Interpretationsirrtum, es ist unbedeutend, wir sind alles in allem unglücklich darüber.“

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Anmerkung von SfA:


Überhaupt geht PETA bei provozierenden verbalen Vergleichen bis ans Limit und manchmal schiessen sie eben über das Ziel hinaus. Man erinnere sich nur an den Holocaustvergleich aus dem Jahr 2004:




Lesen Sie dazu die SfA-Reportage: Plaza Nostra: Die Mafia der Tauromaquia

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Siehe auch:

PETA tötet Tiere, und nicht zu wenigSfA TAURONEWS vom 8. April 2013
Mehr Rechtssicherheit für die mundo de los torosSfA TAURONEWS vom 12. April 2013
Eigentlich wollen sie den Tod, SfA-Reportage vom 30. Mai 2013
Mit der Verónica gegen die StiereSfA-Reportage vom 22. Februar 2014

Mittwoch, 2. September 2015

Wenn Stierkampfgegner demonstrieren





von Philip de Málaga


Keine 30 Aktivisten postierten sich in der Innenstadt von Málaga
Engagiert, peinlich oder einfach nur lächerlich?
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Die feria taurina von Málaga war seit einer Woche beendet. Und während der festejos taurinos gab es fast keine Aktionen der antitaurinos. Ausser der Sprung der Aktivistin Virginia Ruiz beim Certamen Internacional de las Escuelas Taurinas. (Siehe: Málaga: Kein guter Tag, und doch ...) Wie SfA erfahren konnte, hatte man die 36-jährige Tierarzthelferin von der Organisation PETA zur Heldin deklariert worden. Von der hiesigen und nationalen Presse wurde dieser Zwischenfall lediglich belächelt und als vollkommen überflüssig abgestempelt.  Und nicht so ganz zu unrecht kann man sich die Frage stellen, warum springen antitaurinos immer erst dann in das ruedo, wenn der toro schon tot ist. Noch nie traute sich ein antitaurista dieses bei einem noch lebendem toro. Was wiederum eigentlich verständlich ist, denn eine solche Unternehmung wäre zu gefährlich. Da ist es schon wesentlich sicherer auf der Strasse zu demonstrieren.

Nun, eine Woche später wurden einige antitaurinos aktiv und kündigten gleich zwei Konzentrationen an. Eine am Freitag die andere am Sonntag vor dem Museum der Künste für Tauromachie. Doch was man dort zu sehen bekam konnte man unter der Rubrik "eher bescheiden" abhacken. Gerade mal 20 bis 30 antitaurinos postierten sich vor dem museo, hauptsächlich in schwarz gekleidet, teilweise mit bunten Haaren.

Von den vorkommenden Touristen verstand keiner um was es ging
Die Texte lediglich in spanischer Sprache, keine Bilder, so bekam die Anzahl der Touristen, welche die Demonstration passierten nicht einmal mit um was es ging. Besucher aus Amerika stellten lediglich trocken fest, dass es bei diesen Hasstiraden wohl weder um Politik oder etwas Ernstes ginge.
Während bei den toros sich die Ränge füllten . . . 
. . . war bei der Demonstration gegen die toros fast keiner zu sehen
Den Sinn dieser Aktion kann man durchaus in Frage stellen? Es waren auffallend junge Leute, aber welches Motiv sie bewegte so aggressiv gegen die mundo de los toros vorzugehen blieb dem Zuschauer eigentlich vorenthalten. Keine Informationen, keine Hinweise, keine Blätter, lediglich lautstarke Hasstiraden gegen die mundo taurino. Dahinter stand die Freie Jugend von Málaga, welche in vielen Angelegenheiten sich einmischen, organisieren, aber ob hier das profunde Wissen gegen die tauromaquia und die entsprechende Überzeugung eine tragende Rolle spielte darf bezweifelt werden. Und vor allem die Frage, statt einmal ordentlich, warum diese zwei kleinen Miniauftritte, die wirklich rein gar nichts brachten. Erst wirkte mehr als eine Gaudi als eine antitaurinische Präsentation.


Man forderte die Schliessung aller Einrichtungen, welche mit den toros zu tun haben. wie zum Beispiel den Museen. Der Wachmann vor dem Museum meinte nur trocken, "die wollen, dass wir unsere Arbeitsplätze verlieren".


"Gibt es denn keine wichtigeren Ziele, für die es sich lohnt einzusetzen?" fragte eine Passantin. Und überhaupt sähen jene Demonstranten eher wie Punks aus als politisch oder kulturell engagierte Aktivisten. 

Montag, 31. August 2015

SfA: Tendenz steigend: Fast 16.000 Besucher im August





von Philip de Málaga


In den deutschsprachigen Ländern 
scheint man sich immer mehr für die Tauromachie zu interessieren 
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Der Monat August geht nun dem Ende zu, und SfA kann einen neuen Besucherrekord verzeichnen. Nachdem schon San Fermín in Pamplona für reichlichen Zuwachs sorgte, schien im heissesten Sommermonat das Interesse an den toros besonders gross zu sein. Nicht nur die Spanier begannen wieder die tendidos in den plaza de toros zu füllen, dabei viel junges Publikum, auch das Interesse an ausländischen Gästen begann zu steigen. Das merkte ebenfalls SfA. Zahlreiche Anfragen nach festejos taurinos, vor allem in Málaga und Umgebung erreichten uns. Wo finden welche statt und wie kommt man an die entradas, die meisten Fragen. Besonders auffallend die Anfragen nach der corrida goyesca in Ronda Anfang September.

Aber nicht nur Informationen von Besuchen an corridas war von Interesse. Auch spezielle Fragen erreichten uns. Mit anderen Worten, im deutschsprachigen Bereich will man mittlerweile mehr über die toros erfahren. Somit lässt sich die hohe Nachfrage von 2.500 Begriffen monatlich beim Deutschen Lexikon des Stierkampfs erklären und die hohe Leserzahl bei SfA, welche in den nächsten Wochen die 200.000 insgesamt anpeilt. SfA erreichte im Monat August diesen Jahres die stolze Zahl von 15.886 Hits:

Eine beindruckende Entwicklung von "Stierkampf für Alle"
Und natürlich sind wir nicht so vermessen zu behaupten, dass es sich dabei lediglich um deutsche aficionados handelt. Nein, das sehen auch wir ganz realistisch. So sagte Ursula Herzog (SfA-Lesern bestens bekannt) dazu: "Dass die Zahl der Leser von SfA steigt, das ist erfreulich, auch wenn eine beachtliche Menge der Leser sicher aus den Reihen der antitaurinos kommt. Die überwachen ganz genau diese Seite und suchen nach Möglichkeiten, der tauromaquia zu schaden." Selbstredend liest der antitaurinismo hier eifrig mit. Versuchte man ja schliesslich auch einigen von unseren Mitarbeitern privaten wie beruflichen Schaden zuzufügen. Und das solche Zahlen, eine solche positive Entwicklung von SfA den Organisationen wie Personen, die sich für ein Verbot von Stierkämpfen ein Dorn im Auge ist, versteht sich von selbst.

Was viele antitaurinos nicht wahr haben wollen, mit ihren aggressiven Methoden bewirken sie gleich zwei Dinge, welche gegen sie sprechen: Zum einen erwecken sie bei vielen das Interesse an den toros. Sie erfahren zwar erst einmal die Kritik der antitauristas, aber schliesslich wollen sie sich doch zunächst einmal ein wenig mehr zu informieren, was denn wirklich hinter all diesem steht, bevor sie sich entscheiden. Zum anderen erreichten sie damit, man siehe es am Beispiel Katalonien, dass die taurinos begonnen haben ihre Kultur der tauromaquia zu verteidigen. Und mit Erfolg, schliesslich ist es nun ein spanisches Kulturerbe.

Die am meisten gelesenen Artikel im Monat August waren:
  1. Deutsche Bücher zum Thema Stierkampf
  2. Málaga im Rausch
  3. Málaga: Francisco Morales gewinnt das Finale
  4. Über die Konsequenzen ein echter Torero zu sein
  5. Ohne den Stier in Bilbao wäre . . .
Bleibt nur noch sich bei allen zu bedanken. Bei den treuen Lesern und bei allen die geholfen haben, dass SfA zu einem der führenden Portale in deutscher Sprache in der mundo de los toros geworden ist.
M u c h a s    g r a c i a s

Sonntag, 30. August 2015

Alles Sadisten?




von Rafael Sánchez Ferlosio



Immer wieder kommt in den Kreisen der Tierschützer die Diskussion auf, ob die Zuschauer in den tendidos bei den festejos taurinos vorwiegend von sadistischen Anlagen geprägt sind. Überhaupt wird das Thema der tauromaquia in Sachen Tierschutz bei den meisten Organisationen eher an einer der letzten Stellen zu finden sein. Sei es politisch oder von engagierten Tierschützern. Nur eine kleine Gruppe von antitaurinos setzt dort ihre Prioritäten.

Aber dass sich die Zuschauer vorwiegend an dem Leiden des toros erfreuen, daran zweifeln auch die meisten Tierschützer. Im Gegenteil, viele vertreten den Standpunkt, dass man dieses während einer corrida kaum wahr nimmt, und wenn, dann erst, wenn der matador nicht in der Lage ist, den toro ordnungsgemäss mit einer anständigen estocada zu töten.

So befreit der Schriftsteller Rafael Sánchez Ferlosio die afición vom Vorwurf des Sadismus, wenn sie zu festejos taurinos gehen. Er selbst ist überzeugter antitaurino, gegen die klassischen corridas wie gegen die encierros und andere fiestas populares.


Der antitaurino und Schriftsteller Rafael Sánchez Ferlosio
"Wer sich einen cornada einfängt, 
hat diese sich auf jeden Fall verdient!

Jedoch sollte man festhalten, 
dass sich bei aller Grausamkeit der corrida im ruedo,
man sich auf keine Weise am Leiden der toros erfreue."

Rafael Sánchez Ferlosio


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Quellennachweis:
Rafael Sánchez Ferlosio in einem Leserbrief in der spanischen Tageszeitung EL PAÍS, 25.06.1985
1927 in Rom geboren, berühmt vor allem wegen seiner Romane Abenteuer und Wanderungen des Alfanhui und Am Jarama, ausgezeichnet mit der Literaturpreisen Cervantes (2004) und  Premio nacional de Letras Españolas (2009)

Samstag, 29. August 2015

Der alte Mann und die Stiere

War Hemingway ein wahrer Kenner der Tauromachie?
Oder einfach nur ein ziemlich guter Schriftsteller a la Karl May?
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von Philip de Málaga


Ein immer noch viel diskutiertes Thema. War nun der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway nur ein ein aficionado, ein taurino oder gar ein echter Kenner der mundo de los toros? Oder lediglich ein genialer Autor der es verstand nach ein paar Begegnungen mit den toros sich zum Spezialisten in Sachen tauromaquia zu avancieren?

Mit dieser Ausgabe von Fiesta begann die mundo de los toros 1926 die Welt zu erobern.
Man kann das Thema sehen wie man möchte, aber eine Tatsache lässt sich nun mal nicht wegleugnen. Obwohl schon zahlreiche Schriftsteller vor ihm über die toros erzählten, und es waren nicht wenige, er war es, der den toros mit seinen beiden Büchern Fiesta, erschienen 1926, und Tod am Nachmittag aus dem Jahr 1932 (siehe Deutsche Literatur) der fiesta de los toros zu Weltruhm verhalf.
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„Von diesem Zeitpunkt an, 
begann man die mundo taurino 
auf der ganzen Welt mit anderen Augen zu betrachten. 
Verband sie mit menschlichen Schicksalen, dem Leben der toreros
Diesen Verdienst kann ihm keiner nehmen.“

Als der Roman Fiesta 1926 erschien
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Doch kommen wir zurück zu eigentlichen Frage. War er denn auch wirklich ein Kenner der Szene? Konnte er, oder hatte er wirklich das Recht dort mitreden zu können? War er in der mundo de los toros eine Persönlichkeit? Gegenteiliges gibt es darüber zu hören.

So gibt es Stimmen, natürlich aus den Reihen der spanischen taurinos, welche den Standpunkt vertraten, dass er sich als „Ausländer“ zu viel in das Thema der toros einmische. Da gibt es zum Beispiel die Geschichte, dass er es angeblich pflegte, vor Beginn einer corrida in den patio de caballos zu gehen, um den Zustand der Pferde zu überprüfen. Weder sei er veterinario noch verfüge er über das Wissen dieses zu beurteilen, hiess es.

Auch gab es Stimmen von bekannten toreros, wie dem matador de toros Juan Miguel Dominguín, der meinte, dass Hemingway zwar viel über die toros geschrieben hat, aber in wirklich keinen Schimmer hätte. Er gab vor alles zu wissen. Angeblich hatte der amerikanische Schriftsteller vor seinem Buch Tod am Nachmittag bis dahin nur zwei corridas de toros gesehen. Dass dieses nicht ganz der Wahrheit entsprechen kann, davon kann man getrost ausgehen. Denn bei seinen Besuchen in Pamplona gab es zahlreiche Zeitzeugen.

Hemingway in Pamplona
Hemingway in Aranjuez
Hemingway in Logoño
Und das Hemingway zahlreiche corridas besucht hat, davon sprechen die zahlreichen Photographien in den verschiedensten plaza de toros: Unter anderem in Bilbao, Sevilla, Bayonne, LogroñoPamplona, Málaga, Cadiz, Aranjuez, Burgos, Córdoba und in Madrid. Und nicht nur in den plazas war er zu sehen, viele Aufnahmen zeigen ihn auch im Kontakt mit vielen matadores wie Antonio Ordoñez, Luis Miguel Dominguín, Pepe Luis Vázques, Pepe CáceresVarelito, Valencia II „El Chato“, Ignacio Sánchez Mejías, Pedro Romero ...

Hemingway und die matadores Antonio Ordoñez und Pepe Luis Vázques
Hemingway und der matador de toros Pepe Cácares
Hemingway mit dem banderillero Juan de la Palma 
Trotzdem standen beide in einer gewissen Beziehung. Schließlich besuchte Dominguín ihn auch in Kuba. Angeblich habe Hemingway das Gerücht verbreiten lassen, dass er den damals verletzten torero finanziell unterstütze, motivierte und ihm beim Training helfe. Dominguín konnte darüber nur lachen, Hemingway hätte nie in seinem Leben auch nur einen Fuss ins ruedo gesetzt. Aber mal ehrlich, dass der Autor auch mal ein wenig die Werbetrommel für sich in Bewegung setzten ist och nachvollziehbar. Hinzu kommt die Tatsache, das Hemingway eine besondere Freundschaft zum Erzrivalen der Dominguín pflegte, zum matador de toros Antonio Ordoñez.

Zwei Freunde: Hemingway und Ordoñez
Antonio Ordoñez und Ernest Hemingway in Madrid
Kommen wir zum Schluss zum literarischen Werk des Amerikaners, zum Thema der toros. Hatte er nun Ahnung oder nicht, was er auf das Papier brachte? Werfen wir einen Blick auf seine Wortwahl, seine Beschreibungen, seine Fachausdrücke aus der mundo taurino welche er verwendete.  Im Anhang von Tod am Nachmittag befindet sich auf 67 Seiten ein Erklärendes Spezialverzeichnis wo über 576 Begriffe aus der mundo de los toros von ihm  erklärt werden.  Das geht nur, wenn man darüber auch eine gewisse Ahnung hat.

Es ist bekannt, dass diese Bücher aus seiner Hand kamen. Kein anderer hat sie für ihn geschrieben. Und wer so in der Lage ist über die toros zu schreiben, der muss mit der mundo de los toros auch entsprechend konfrontiert worden sein. Ja, geradezu mit ihr gelebt haben.

Nehmen wir sein letztes Buch Gefährlicher Sommer, das er in der temporada taurina 1959 geschrieben hatte, wo er den Konkurrenzkampf der beiden matadores de toros Luis Miguel Dominguín und Antonio Ordoñez beschreibt. Nebenbei bemerkt, in Kennerkreisen sein bestes Werk zu diesem Thema. Er kam nach Spanien um das Leben zu finden aber entdeckte letztendlich den Tod. Ein Jahr später nahm er sich das Leben. Ein Buch sehr taurino

Man darf halt einen Punkt nicht aus den Augen verlieren. Hemingway war ein genialer Schriftsteller, mit persönlichen Ansichten, eigenen Ideen, auch Verrücktheiten, und da war und wird die Trennung zwischen Dichtung und Realität nicht immer eindeutig erkennbar. Aber er war und ist immer noch, der die toros in die Welt gebracht hatte und auf internationaler Ebene konnte ihm bis heute in Sachen tauromaquia noch keiner das Wasser reichen, nicht mal ein Spanier.

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Vielen herzlichen Dank an Ursula Herzogwelche die Anregung und auch Quellen zu diesem Beitrag gab. Auslöser waren die SfA-Reportagen Wenn Nicht-Spanier über Stierkampf sprechen und Mit den Augen Hemingways. Muchas gracias.

Quellennachweise:

The Sun Also Rise, Ernest Hemingway, Charles Scribner`s Sons, New York, 1926
Death in the Afternoon, Ernest Hemingway, Charles Scribner`s Sons, New York, 1932

The Dangerous Summer, Ernest Hemingway, Charles Scribner`s Sons, New York, 1985
Der alte Mann und die Mär, Peter Zingler, Focus-Reportage, 2011

Freitag, 28. August 2015

Die Stiertreiben nehmen zu ... die Toten auch




von Philip de Málaga


Die Zahl der Stiertreiben in Spanien nimmt deutlich zu
Auch an Verletzten und in 2015 gab es schon elf Tote
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Sie gehören zu den so genanten fiestas populares. Die encierros. Die Stiertreiben. Jene Veranstaltungen, wo die toros durch die Strassen getrieben werden, und jeder der Lust und Laune hat, darf sich ihnen entgegenstellen oder mit ihnen laufen. 

Sie gehören jedes Jahr einmal ins Strassenbild zahlreicher Gemeinden: Die Stiere
Ein gefährliches Unternehmen, ein geradezu blutiger taurinischer Cocktail. Denn zum einen sind die Beteiligten während der encierros gut angetrunken, irgendwo muss der Mut ja herkommen, nicht selten nach einer durchgefeierten Nacht, finden jene Treiben in der Regel in den frühen Morgenstunden  statt. Zum anderen fehlt es ihnen an Erfahrung im Umgang mit den Tieren. Sie sind einfach nicht in der Lage die Gefahren einzuschätzen. Und allein schon in diesem Jahr führten diese Veranstaltungen zu vier Todesfällen. 
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Im Jahr 2014 zählte man in Spanien 15.848 Stiertreiben.
Ein Plus von 15 Prozent!
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Populär sind sie geworden. Auch attraktiv für die Fernsehsender. TVE, Antena 3 oder die regionalen Lokalsender, die Übertragungen der morgendlichen encierros sorgen für hohe Einschaltquoten. Besonders aus Pamplona und San Sebastián de los Reyes.

Vor allem in der Hochburg, der Provinz Valencia mit einem Anstieg im Jahr 2014 von 28,2 Prozent. Kein Wunder, zählt diese Region immerhin 4.500 peñas taurinas welche sich dem Bous al correr widmen. Hier ein kleiner Überblick der fünf Regionen der meisten encierros aus dem Jahr 2014:

7.866 in Valencia (+28,2%)
1.862 in Kastillien - León (+1,3%)
1.493 in Navarra (+ 1,1%)
1.310 in Kastlien - La Mancha (+6,2%)
1.049 in Áragon (-0,3%)

Auffallend ist, dass es in der Hauptregion der mundo de los toros, in Andalusien, mit den meisten ganaderías und festejos taurinos wie corridas de toros relativ wenig encierros zu sehen gibt. Gerade mal 384 Stiertreiben, aber immerhin 10,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Sie werden zwar beliebter, aber die andalusische afición erfreut sich hier mehr an den wahren corridas, wo sich die toros professionellen toreros gegenüber stellen. Eben jenes espectáculo taurino wo sich die arte del toreo widerspiegelt.

Auch in Katalonien, wo es ja keine toros geben soll, wurden 66 encierros veranstaltet. Fast zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Also auch dort besteht weiterhin ein gewisses Interesse.
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"Ursprünglich dienten die encierros dazu,
die toros morgens von den corrales zur plaza de toros
für die corridas am Nachmittag zu treiben.
Das Spektakel dazu entwickelte sich erst mit der Zeit.
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Hinzu kommt die Tatsache, dass es für die ganaderías ein zusätzlich Geschäft geworden ist. Da die Zahl der corridas rückläufig geworden ist, konnten sie ihre Tiere für die encierros verkaufen. Und dies hat sogar den Vorteil, dass sich diese toros nicht einmal in jenem perfekten Zustand befinden müssen, wie sie von den meisten plaza de toros gefordert werden. Laut der UCTL wurden 1.269 Millionen Euros umgesetzt.

Durchschnittlich zählten jene fiestas populares 1.000 Teilnehmer und 4.000 bis 5.000 Zuschauer. Insgesamt verfolgten die encierros. Allein in Valencia verfolgten fast 40 Millionen Zuschauer diese Spektakel.

In einigen Gegenden werden die encierros nicht einmal von den öffentlichen Behörden veranstaltet und finanziert. Sondern dahinter stehen so genannte peñas taurinas, welche sich für ihren encierro einen eigenen toro oder novillo leisten. Die Kosten hierfür pro Tag und Grösse der Veranstaltung bewegen sich zwischen 30.000 und 90.000 Euro. Dabei wird fast die Hälfte (40%) in den Erwerb des toros investiert. Die Gemeinde stellt nur die Sicherheitsleistungen wie Polizei und ambulante Einrichtungen zur Verfügung.

Die Stiere in den Dörfern, ein gefährliches Unternehmen
Bleibt weiterhin die hohe Zahl der Verletzten, gar Toten.
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Ein encierro ist und bleibt gefährlich:
Im Jahr 2015 gab es bis jetzt schon elf Tote!
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2014 waren es 10, welche den encierro nicht überlebten. Ursachen dafür gibt es einige: Nicht entsprechend sportlich gekleidet, oft mit Schlappen, dann der Versuch dabei mit dem Handy zu filmen. der Konsum von Alkohol, Angeberei und schliesslich die Unerfahrenheit mit den toros sind mit die Hauptursachen für diese Zwischenfälle. In Städten wie Pamplona werden solche Teilnehmer von der Polizei so weit wie möglich schon im Vorfeld von der Fläche des Geschehens verwiesen. Trotzdem gab es auch dort seit 1911 insgesamt 16 Todesfälle. Aber in den kleinen Dörfern geschieht dieses Aussortieren nicht, fehlt es dazu einfach an den notwendigen Einsatzkräften.