Sonntag, 17. November 2013

Die spanische Nationalpolizei spezialisiert sich auf die Untersuchung der Hörner von Kampfstieren




von Philip de Málaga



Damit bei einer corrida alles seinen rechten Weg geht, bildet die Policía Nacional Agenten aus um eine Analyse der Hörner der toros bravos zu erstellen.
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Das Cuerpo Nacional de Policía (kurz Policía Nacional, das nationale Polizeikorps) verfügt derzeit über das einzige Laboratorium, welches gesetzlich anerkannt ist, um die cuernos der toros zu untersuchen, bzw. Analysen über deren Zustand zu erstellen. Mit dem neuen Gesetz wird seit diesem Monat ein besonderer Kurs angeboten, um veterinarios als Sachverständige in der Analyse der Hörner auszubilden. Im ersten Kurs nehmen vierzehn Beamte der Policía Nacional teil. Das Ziel ist klar vorgegeben. Man will der Manipulation der cuernos einen klares Ende setzen.

Innerhalb von zwei Wochen werden die Agenten in die Kunst der Analyse eingeführt. Obwohl die Polizeibeamten dem Innenministerium unterstehen geschieht dieses auf Anweisung des Staatssekretärs des Kultusministeriums, Don Fernando Benzo. Gehalten werden diese Seminare von Experten der Policía Nacionalveterinarios, Professoren der Universität Complutense in Madrid und Spezialisten in Gerichtsmedizin und Toxikologie.
(Foto: mundotoro)
Man erkennt an dieser Aktivität, dass der spanische Staat alles dran setzt die mundo de los toros zu beschützen, aber auch darauf drängt die Integrität, die pureza der toros und die Einhaltung des reglamento taurino zu wahren.

Muhammad Ali und die Stiere

Vor 36 Jahren konnte sich der Boxweltmeister für die toros begeistern
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von Philip de Málaga


Am 12. November 1977 reiste der Boxweltmeister Muhammad Ali in die kolumbianische Hauptstadt Bogotá um zu einem Schaukampf mit dem Schwergewicht Bernardo Mercado anzutreten. Doch zuvor besuchte er eine novillada. Zwischen dem Boxsport und dem Stierkampf gäbe es einiges an Gemeinsamkeit, so schreibt das Portal mundotoro. Vor allem Einsatzbereitschaft, Ehrlichkeit, bereit sein um ein gewisses Risiko zu tragen und die ständige Gegenwart des auf der Lauer liegenden möglichen Todes.

Deswegen begab er sich zur finca Vista Hermosa um den novillero Jorge Herrera zu begutachten. Der novillero widmete den Tod eines novillos Muhammad Ali. Und diesem gefiel was er sah. Besonders die faena sprach den Boxweltmeister an, der die muletazos mit lauten Bravo-Rufen begleitete. Allerdings wollte er nicht, das der maestro den novillo tötete. Doch der novillo griff den Jorge Herrera hart an und beförderte ihn mit einer gewaltigen voltereta zu Boden. Also akzeptierte der Weltmeister das Ende der lidia und der novillero wurde mit dos orejas y rabo ausgezeichnet, welche er Muhammad Ali überreichte. Dieser näherte sich darauf hin dem maestro und stellte fest "Ich bin mutig, aber sie sind es mehr, wenn sie sich mit einem Tier einlassen, welches gefährlicher ist als Joe Frazier."

Muhammad Ali nimmt die Auszeichnungen des toreros entgegen.
Hinter Jorge Herrera, geboren 1948 in Bogotá, versteckte sich eine grosse Hoffnung der kolumbianischen afición. Im Januar 1986 hatte er seine alternativa. Und padrino wie testigo waren die grossen maestros Niño de la Capea und Juan Antonio Ruiz Espartaco. Gleich einen Monat später trat er mit dem kolumbianischen Superstar unter den toreros César Rincón auf. Doch im selben Jahr, im Oktober in Florencia (Kolumbien) wurde so schwer verwundet, dass er sich kaum davon erholen konnte. In den folgenden Jahren konnte er nie als bei mehr als zehn festejos taurinos teilnehmen. Meistens waren es weniger als fünf. Seit 1996 findet man seinen Namen auf keinem cartel mehr.

Samstag, 16. November 2013

Stierkampf in China

Wenn der Name Stierkampf seine Berechtigung hat, dann im Süden von China
nämlich wenn Stiere gegeneinander kämpfen
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von Philip de Málaga
(Fotos: Chinanews.com und mundotoro)

In den bewaldeten Berggebieten der Volksrepublik China leben knapp zehn Millionen Miao (苗族). Eine Kultur die es seit etwa viertausend Jahren gibt und die schriftlichen Aufzeichnungen über sie immerhin schon zweitausend Jahre. Und sie feiern schon genauso lange den Stierkampf. Ein richtiger Stierkampf, wo die Stiere, ich benutze bewusst nicht den Begriff toro, gegen einander treten. Ein wichtiger Bestandteil der Miao-Kultur. Wieder einmal beweisen sich die Stiere als Teil einer Kultur. Allerdings wird hier kein Stier getötet. Die Stiere rennen auf einander zu, prallen mit ihren Köpfen zusammen, stossen gegeneinander, bis einer die Flucht ergreift.


Bei einem solchen Stierkampf ist man auch bemüht auf die Gleichheit der Stiere zu achten. Meint, das Gewicht und der Brustumfang sollten in einem fairen Verhältnis stehen. 


Bei einer solchen Veranstaltung gibt es an einem Tag fünfzehn Kämpfe. Jeweils immer nur zwei Bullen werden aufeinander losgelassen, der Gewinner kann stets weiter kämpfen. Am Ende erhält der Besitzer vom Gewinner 30.000 Yuan (3.600 Euro). Man werfe einen Blick in die tendidos, obwohl es regnet, sie sind voll besucht. 

Übrigens auch in den spanischen dehesas der ganaderías, gehen die toros bravos diesem Stierkampf nicht aus dem Weg. Meistens um Autorität zu erlangen, und nicht selten finden die ganaderos am nächsten Morgen verletze toros.


Freitag, 15. November 2013

In der Arena

Über die Begegnung mit den Stieren
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Poesie von Dominik Sachsenheimer 
(Sommer 2003)


(Foto: mundotoro)

Du schaust mich an
Ich  schwitze

Du rast auf mich zu
Ich friere

Du senkst den Kopf
Ich auch

Du schnaubst
An meinen Beinen entlang
Und weiter
davon
durch den Staub.

Ich drehe mich ab
In die Sonne
Die von nun an
ewig 
mir scheint.

Donnerstag, 14. November 2013

Die Kunst zu Pferde

Eine Reportage über das so genannte rejoneo
Der Kampf der Titanen: Pablo Hermoso de Mendoza und Diego Ventura
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von Colin Ernst
(Fotos: mundotoro)


Eine etwas andere Art der corrida, bietet das oft weniger bekannte rejoneo. Dabei handelt es sich um matadores de toros zu Pferde. Das tercio de varas wird ersetzt durch das Setzen des rejón de castigo, und der Reiter, der rejoneador, setzt seine banderillas selbst. Lange und kurze banderillas setzt er in waghalsigen Manövern vom Pferd aus. Als capa oder muleta, dient oftmals der Schweif des Pferdes, dem der gereizte Stier nachjagt. Der rejón de muerte, ersetzt die estocada. Wobei oftmals der Reiter den toro letztendlich doch auf gewöhnliche Art und Weise, nämlich zu Fuß, töten muss. 

Die Kunst bei diesem fesselnden, gefährlichen Schauspiel, ist die Reiterei. Je besser das Pferd ausgebildet, desto waghalsiger kann man sich dem Stier nähern. Und um banderillas oder den rejón de muerte gut zu setzen, muss man sehr nah ran... 

Pablo Hermoso de Mendoza sehr nah am toro
In dieser temporada, sowie auch in den letzten, streiten sich zwei maestros des rejoneo um den Thron, um die Krone des escalafón. Pablo Hermoso de Mendoza und Diego Ventura. Beide verfügen über das beste Pferdematerial und beste Reitkenntnisse. Dazu kennen sie die toros aus dem EfEf. Zur Zeit haben sie ihre Differenzen, denn Pablo will nicht ins TV, gemeinsam mit Diego..., oder wie auch immer. Beide sind eine Sensation im Sattel, kaum einen Zuschauer hält es auf den Bänken, wenn sie auftreten. 
Pablo Hermoso de Mendoza
Doch wie sieht die Saison in Fakten aus? Ventura hat sieben orejas mehr bekommen, wenn sie gemeinsam auftraten, in Málaga ging Ventura leer aus, Mendoza in Algeciras. In ihren enfrentamientos hat Ventura zwei rabos errungen, Mendoza nicht einen. Auch die puertas grandes öffneten sich für Diego Ventura zwei Mal mehr, als für seinen Konkurrenten, bei gemeinsamen corridas. Letztendlich hat Ventura auch mehr corridas bestritten. Im direkten Vergleich schneidet also Diego Ventura besser ab. 
Diego Ventura

Ich habe ihn gesehen, ein Verrückter! Er riskiert unwahrscheinlich viel, reisst mit seinem Charme, seiner Ausstrahlung, die Leute von den Sitzen. Ähnlich wie früher der matador de toros El Cordobés, der in seinen Anfängen weniger gut, als spektakulär war. Aber ich bin kein Freund von Pferdeverschleiss. Junge, vierjährige Pferde, seien sie noch so gut ausgebildet, gehören meines Erachtens nicht in eine plaza. Das ist meine Meinung. Pablo Hermoso de Mendoza muss sich mir nicht mehr beweisen, ein großartiger Reiter, mit bestens geschulten Pferden. Wer mit geschultem Reiterauge die Aktionen der beiden Reiter im Sattel verfolgt, sieht, das die Hilfen Mendozas viel sensibler eingesetzt werden, weniger Sporen und Zügeleinsatz. Beide Reiter sind auf höchstem Niveau, mit "mucho genio" (viel Genie) gesegnet. Wenn der jüngere Ventura einmal das Alter Hermosos erreicht hat, wird er ihn vielleicht überflügeln, in der Reitkunst, denn dies ist ein ewiger Lernprozess.
Pablo Hermoso de Mendoza und Diego Ventura; diesmal haben beide triumphieren können

Mittwoch, 13. November 2013

Jetzt ist es offiziell, der Stierkampf ist nun auch in Spanien ein Kulturgut




von Philip de Málaga



Der Stierkampf in Spanien ist nun offiziell bestätigt und geschützt
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Heute wurde nun mit einem öffentlichen Gesetzblatt des spanischen Staates (BOE) bestätigt, dass die tauromaquia, nach der Entscheidung des spanischen Senats vom 6. November 2013, definitiv als immaterielles spanisches Kulturgut den vollen Schutz des spanischen Staates geniesse, und das alle Teilnehmer wie Besucher dementsprechend ihre Rechte und den entsprechenden Schutz durch die verantwortlichen Behörden und staatlichen Organen in Anspruch nehmen können. Das neue Gesetz tritt ab morgen in Kraft.
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Quellennachweis:
BOLETÍN OFICIAL DEL ESTADO

Was soll man davon halten?

Über die taurinische Finanzwelt während der Krise
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von Colin Ernst
(Fotos: mundotoro)


Was soll man davon halten? Der Director del Plan Nacional de Fomento y Protección de la Tauromaquia, Juan Antonio Gómez-Angulo, hat geäußert, das man die Kosten für die corridas senken muss. Damit kann man als aficionado gut leben. Aber wie sieht dann die andere Seite aus? 

Das Herumgereite auf dem Gaul namens crisis (Krise), ist einmal mehr ein Grund, die Daumenschrauben da anzusetzen, wo es allen weh tut, die mit ihrem Leben für die fiesta brava stehen. Die Erhöhung der IVA, der Mehrwertsteuer von 10 auf 21% für festejos taurinas, wird schon unter den Tisch gekehrt. Nun fordert man von den toreros, ihre Löhne zu senken, zu Gunsten geringerer Eintrittspreise, auch die ganaderos sollen ihre Preise senken, damit über die entradas baratas - Schiene, mehr Menschen die corridas besuchen. 

Was aber tut der empresario? Ein Beispiel, die figuras bekommen ungefähr 17.500 Euro pro corrida in einer plaza der ersten categoría. Davon müssen sie neben Steuern auch ihre Angestellten, die cuadrilla, bezahlen, von Versicherungen will ich nicht reden... Dies ist das Mindestendgeld, dafür, das man sein Leben und das seiner Mitarbeiter in einer plaza wie Las Ventas, mit zwei Stieren aufs Spiel setzt. Und dieser "Mindestlohn", so im Tarif geregelt, betrifft die toreros, welche den escalafón anführen, mehr als 43 corridas im Jahr bestreiten. In diesem Jahr sind es grade mal vier: Padilla, El Fandi, Fandiño und Perera

Die Stars unter den toreros: Juan José Padilla, El Fandi, Fandiño und Perera
Morante de la Puebla
Alle anderen matadores bekommen tariflich gleich mal 4.500 Euro weniger! Natürlich werden Morante, José Tomás und Co mehr bekommen, Dank ihrer Bekanntheit und ihrer apoderados

Aber mal ehrlich, ist ein Enrique Ponce mehr oder weniger wert??? Wir reden immerhin über das Leben eines Menschen. Und über das des toros. Wenn ein ganadero die Kosten für seine Tiere noch weiter senken muss, wird auch dies Konsequenzen haben. Billigeres Futter zum Beispiel, weniger Vitamine, Kündigungen der Menschen die diese Tiere betreuen. Wenn ein toro schlecht gehalten wird, ist seine Leistung in der plaza auch fraglich. Man hat schon ganze Rinderherden beinahe verhungern sehen. Die "Herstellung" eines Stieres hat seinen Preis. Und was bekommt der aficionado mitunter zu sehen, wenn ein empresario nicht sehr pflichtbewusst ist? Die plaza ist in einem schlimmen Zustand, bedarf dringend Renovierungen. Das umfangreiche cartel führt neben vielen unbekannten Namen ein mano a mano von zwei toreros der zweiten Kategorie (was bedeutet zwei Mal 4500 Euro weniger zu zahlen und einen torero gespart!) Eine novillada oder eine corrida mixta rundet das Bild ab. Der ein oder andere empresario hat sich eine goldene Nase verdient, während er seinen Service auf ein Minimum herunter geschraubt hat. Und da ist auch schon der  Fehler im System, denn er hat seine Kunden, die aficionados vernachlässigt. 

Und nun versuchen die Herren in Nadelstreifen, wieder einmal mehr, die Preise zu drücken, unter dem Mantel der Bedürftigkeit. Bei sinkenden Zahlen der corridas gleicht der die plaza de toros manchmal einem Haifischbecken. Die toreros müssen sich regelrecht um die Plätze prügeln, also Zugeständnisse machen, und den Züchtern geht es nicht anders. Der Gewinner in diesem Spiel sind Canal Plus toros, dort kann man für gut 16 Euro im Monat so viel toreo sehen wie man vertragen kann, die pipas knackt man dann eben auf dem Sofa...

Dienstag, 12. November 2013

Ein edles Gefäss aus Silber

Es ist ein Ritual in der Tauromachie
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von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)


Vor und nach der faena, und beim Beobachten des tercio de banderillas ist es üblich, dass die matadores ein wenig Wasser zu sich nehmen. Aber nicht etwa aus so einem Plastikbecher oder aus der Flasche. Ein edles Gefäss aus Silber muss her. 
Gleich einem Akt des göttlichen Schutzes, gleich dem heiligen Abendmahl, wird dieser Silberbecher von den toreros aufs Höchste verehrt. Das ist nicht nur Selbstschutz oder Rechtfertigung, sondern dieses Ritual ist Teil ihrer Kultur und bestätigt immer wieder ihren Glauben. Ihren Glauben an Gott und die mundo de los toros.

Montag, 11. November 2013

Der Inbegriff der Tauromachie




von Philip de Málaga


Wie man in Málaga die toros sieht
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In der Hauptstrasse von Málaga, der bekannten Calle Larios, wird mit einem Plakat dargestellt, dass das Wesen, die Identität, die Essenz für das Leben, für zahlreiche Menschen in der tauromaquia liegt. Ein weiterer Beweis dafür, wie sich viele Spanier sich mit der mundo de los toros identifizieren. Obwohl es zahlreiche ausländische Medien anders beurteilen. Aber meistens aus Unwissenheit.
Selbst das Picasso Museum in der südspanischen Metropole Málaga 
bezieht eindeutig Stellung. Selbstverständlich für die toros!

Wenn die Flut von oben kommt



von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)


Starker Regen beendet eine corrida im mexikanischen Tlaxcala
Aber trotzdem gelang es dem torero El Zapata zu triumphieren
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Am letzten Wochenende wurde im mexikanischen Tlaxcala eine corrida nach dem vierten toro abgebrochen. Eine wahre Flutwelle von oben setzte den ruedo komplett unter Wasser. Nichts desto trotz gelang es dem matador de toros Uriel Moreno El Zapata unter strömendem Regen dem Publikum eine beindruckende faena zu liefern, für welche er mit einem oreja prämiert worden ist. Die Leute in den tendidos waren begeistert und laute "torerotorero" Rufe halten durch das Rund der plaza de toros in Mexiko begleitet von lautem Regenfall.



Sonntag, 10. November 2013

Samueles - eine Stierzucht

Warum eine Stierzucht bei den toreros populär ist oder auch nicht
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von Colin Ernst


Auf diese ganadería bin ich aufmerksam geworden, durch einen Beitrag des Taurokritikers Paco Mora in dem Magazin Aplausos. Seine Worte über die Zucht der Samueles waren für mich mehr als hart. Toros wie die von Samuel Flores wolle heute keiner mehr haben, der ganadero könne sie zum Metzger bringen. Ich hatte immer noch die 500 Coquilla Rinder vor Augen, welche dieses Jahr den Gang zum matadero angetreten sind. Wie kann man als aficionado und Fachmann so etwas sagen? Also begab ich mich auf Spurensuche.

1882 kaufte der ganadero Eduardo Ybarra einen Teil der bekannten Murube Zucht, aus der Linie Vistahermosa. Diese toros waren nicht besonders groß oder schwergewichtig, aber sehr beständig im tercio de varas. Gut zwanzig Jahre später verkaufte er die Hälfte der „Ybarras“ an die ganadería Parladé. 1926 teilte man diese, so gezogenen Rinder in vier Teile auf, Don Ernesto Blanco, sein Sohn Manuel, Rafael Claiak de Salamanca und die Hermanos Samuel, jeder bekam sein Lote. Augustine Flores konservierte die Linie der Ybarreños. Wert legte man auf einen toro, mit viel Gesicht, langen, weißen Hörnern und viel trapio. Das äußere Erscheinungsbild zeigt einen mittelschweren Stier mit kurzen Beinen, langem Hals, wie geschaffen für das toreo. Sein Charakter wird als noble beschrieben, mit genügend Format, um sich von Anfang an bei der lidia zu steigern, de menos a más, wie man sagt. 1968 übernahm Samuel Flores die ganadería  mit 22 Jahren einer der jüngsten Züchter in diesem Geschäft. In den 40ger bis 60ger Jahren triumphierte die ganadería mit Nachkommen des toros No.34, bzw. seinem Sohn Naviero. Viele toreros suchten sich diese Zucht für ihre alternativas, oder confirmación aus. 1944 Dominguín, 1963 El Cordobés, 1966 El Viti in Sevilla…, die Liste lässt sich erweitern. 1990 bestückten die „Samueles“ die beste corrida in Las Ventas, César Rincón verliess ein Jahr später die Monumental de Madrid durch die puerta grande, Dank dieser toros
Der matador der toros Enrique Ponce mit einem toro der ganadería Samueles (Foto: mundotoro)
1996 kam es zu einem spannenden Duell zwischen Joselito und Ponce, die corrida der sechs quites, mit toros der ganadería Samuel Flores. 1999 bei der feria in Dax, Frankreich bescherten die Samueles den toreros elf orejas und einen rabo. In Madrid sind diese Stiere gern gesehen, Madrid verlangt pitones, Hörner, auf das sich die toreros nicht verstecken können. Maestros wie Enrique Ponce verdanken dieser Zucht viele ihrer Erfolge, ebenso wie Antonio Ordoñez, Damasco Gonzales oder Paco Camino. Dieser Züchter war auch einer der ersten, die den Samen eines ihrer Deckstiere, Alucena, tiefgefrieren ließ, um nach seinem Tod, 2007, die Kühe künstlich zu besamen. 

Bei der neuen Generation der toreros ist diese ganadería nicht mehr so beliebt. Allein die ausladenden Hörner… Es gibt immer weniger toreros die bereit sind, ihre Kunst dem trapio eines Stieres zu opfern. Trapio und Hörner wie Fahrradlenker sind noch unbeliebter. Der Nachwuchs schaut auf die Künstlertoreros und vergisst, das sich genau diese, Beispiel maestro Ponce, jeder encaste, jedem Stier gestellt haben, mit Erfolg. Ich denke, das die Kunst in die falsche Richtung weist. Zuviel Schönheit, zu wenig Wahrheit, vor allem zu wenig Kenntnis der Stierzuchten im Allgemeinen. Die großen maestros haben alle viel im campo trainiert, viel Zeit dort verbracht, um den Stier zu verstehen, ihn zu lesen. Heute haben nur wenige Schüler der tauromaquia die Gelegenheit und die Weitsicht, diesen Weg zu gehen. Dies wird langfristig zum Absterben vieler Äste des fragilen Stammbaums der toros führen. Grade die ganaderías welche eine Reinzucht führen, haben oft gesundheitliche Probleme und Flauten, die mehrere Jahre dauern, bis sich die Blutlinie wieder erholt hat und neue, frische, gute Stiere hervor bringt. Somit mein Appell an die ganaderos  nicht auf zu geben, Blutlinien zu erhalten, auch wenn sie grade nicht „Mode“ sind. Und an die toreros: Ein guter Stier hat keine Farbe und kein Brandzeichen, er ist einfach nur ein toro bravo.

Samstag, 9. November 2013

Los norteños

Über die Begegnung mit den Stieren
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Poesie von Dominik Sachsenheimer 
(Juni 2000, Toledo)


Der Deutsche forderte vom Torero mehr Mut
Genauso wie das der Franzose stets tut -
Beide wären gerne Basken
Nur nicht so brachial.

Der Madrilene mit adliger Postleitzahl,
Verschwand hinter Masken
aus Zigarrendunst.

Der Norweger forderte mehr Präzision,
Der Brite referierte über Emotion,
Der Katalone pries
Die Freiheit der Kunst.

Der Ami bestellte ein weiteres Bier
Und forderte, lautstark, einen grösseren Stier.
Der Schweizer hingegen rechnete vor
Wie viele Matadore er kannte.

Sie alle wussten viel mehr als ihr Nachbar
Weshalb bald ein Streit entbrannte
Und keiner so richtig zum Zuschauen kam
Als der Toro der Sonne nach rannte.
Nur drei Andalusier ertranken in Tränen
Da ein Blitzschlag den Kosmos umspannte:
Una media les hizo llorar como niños
Bautizados en la luz de Morante


(Oder: Eine media liess sie wie Kinderlein weinen. Getauft im Licht von Morante.)

Freitag, 8. November 2013

Juan Belmonte über die Stiere



von Juan Belmonte


Juan Belmonte (Foto: mundotoro)
"Der toro bravo von heute 
ist ein Produkt der Zivilisation, 
ein genormter Industrieartikel
wie Parfüms von Cory
oder Autos von Ford.
Der toro wird entsprechend 
der Nachfrage des Publikums
gezüchtet.

Der toro ist immer noch
das gleiche wilde Tier 
wie früher. 
Aber man versucht 
ihn so zu züchten,
dass die corrida für den Betrachter
erfreulicher wird."

Juan Belmonte
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Quellennachweis:
Juan Belmonte, matador der toros, zu vida y zu hazañas
Manuel Chaves Nogales
Alianza Editorial, 2006

Donnerstag, 7. November 2013

Der Stierkampf in Spanien ist nun ein Kulturgut




von Philip de Málaga


Gestern gegen 22 Uhr wurde die tauromaquia in Spanien zum Kulturgut deklariert
Nur 11 Prozent stimmten dagegen!
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So schnell hat es eigentlich kein aficionado erwartet. Doch gestern Abend gegen 22 Uhr wurde die tauromaquia vom spanischen Senat zum Kulturgut erklärt. Die toros sind somit geschützt. Die mundo de los toros geniesst ab heute, in der spanischen Verfassung verankert, den vollen staatlichen Schutz. Es ist ein Grundrecht in Spanien an festejos taurinos teilzunehmen oder sie zu besuchen.


Zwar versuchten einige antitaurinisch eingestellte Organisationen die Ernennung zum Kulturerbe zu verhindern, aber letztendlich konnten die Argumente der taurinos den Senat überzeugen. Und das Ergebnis am Ende war eindeutig:


Die mundo de los toros ist somit ein öffentlicher wie offizieller Teil der spanischen Kultur. Spanien ist keine Diktatur mehr, sondern auf einem demokratischen Weg, gleich wie in Frankreich, wurde die tauromaquia zum patrimonio cultural erklärt. Das sollte man respektieren und die toros nicht weiterhin für politische Interessen missbrauchen.

Der Senat hat entschieden! (Foto: mundotoro)
Es liegt nun am spanischen Staat dieses Kulturgut entsprechend zu schützen.

Über das Schweigen in der Tauromachie

In kaum einem Sektor wird so wenig Kritik zugelassen wie in der tauromaquia
Aber das sollten sie lernen
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von Philip de Málaga


Es ist doch in heutigen Welt recht normal, eine schlechte Leistung zu kritisieren. Spielt der FC Bayern miserabel wird er am nächsten Tag von den Medien regelrecht auseinander genommen. Genauso in der Kunst und Literatur. Kunstwerke oder Bücher werden von den Kritikern scharf unter die Lupe genommen und man kann bald ihre ehrliche Meinung darüber lesen. Genauso im Theater. Doch bei den toros scheint es hier eine Ausnahme zu geben. Silencio, also ein Schweigen scheint hier mit so die höchste Strafe zu sein. Zwar gibt es broncas, in dessen Genuss aber nur wenige toreros kommen, meistens gelten diese nur dem presidente

Und gab es dann mal eine grottenschlechte corrida, die Medien berichten fast gar nicht davon. Auch die taurinische Fachpresse hält sich bedeckt, und versteckt sich hinter einem silencio. Ursache ist vor allem der Tatbestand, dass ganaderías, empresarios und toreros nach besagter Kritik den weiteren Kontakt wohl vollkommen verweigern. Es erinnert an herrschaftliches Verhalten der Grossgrundbesitzer aus den vergangenen Jahren. 

Muss das wirklich so sein? Keine Frage, sich einem toro gegenüber zu stellen bedarf eines grossen Mutes. Alle haben diesen Beruf frei gewählt. Aber deswegen ist es noch lange keine Freikarte für den Erfolg. Weder für den Züchter noch für den torero. Einige vergleichen die corridas mit dem römischen Zirkus. Aber auch dort musste sich der Gladiator seine Lorbeeren erst einmal verdienen. Und schliesslich ist es ja das Publikum in den tendidos welches alles finanziert. Sie haben ein Recht auf eine gute Vorstellung. Und werfen wir einen Blick auf den wirtschaftlichen Sektor, auch da muss man sich die Lorbeeren erst einmal mit einer guten Qualität verdienen.

Es kann der tauromaquia sicherlich nicht schaden, wenn sie beginnt Kritik wahrzunehmen und mit ihr auch entsprechend umzugehen. Ein silencio ist gewiss nicht der richtige Lösungsansatz.

Mittwoch, 6. November 2013

Die Zahl der Stierkämpfe in Spanien sinkt weiterhin



von Philip de Málaga
(Grafiken: mundotoro)


Auch die tauromaquia spürt die wirtschaftliche Krise in Spanien
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Ausser Real Madrid und dem FC Barcelona hat es in Spanien alle getroffen. Sport oder Kultur alle müssen rechnen. So auch in der mundo de los toros. Fast alle grossen ferias mussten ihre Anzahl an festejos taurinos herunterfahren, um die Kosten decken zu können. Im andalusischen Málaga zum Beispiel von fünfzehn auch zwölf. Zwar waren viele corridas ziemlich gut besucht,  sogar ausverkauft, und auch die Presse berichtet oft von den toreros, doch Tatsache ist, 2013 gab es 111 festejos taurinos weniger als 2012. Genau beziffert: 58 corridas de toros weniger, 35 novilladas weniger und 21 rejoneos. In den plaza de toros der ersten categoría gab es 28 festejos weniger. Insgesamt gab es in Spanien in diesem Jahr 901 festejos taurinos. Seit der temporada 2008 begann die Zahl der corridas kontinuierlich zu sinken.


Zwar ist das keine durchaus optimistische Tendenz, aber seien wir auch ehrlich. 2007 war es geradezu exzessiv. Beinahe 2.000 festejos taurinos, da kamen die ganaderos mit dem Züchten von qualitativ anspruchsvollen toros gar nicht mehr nach. Gerade in den Folgejahren konnte man beobachten wie die toros ewig einknickten, die Beine zu schwach, der Körper zu schwer. Auch die toreros zu dieser Zeit verstanden sich mehr als Showmans als pure matadores. Heute hat sich das geändert. Das klassische toreo hat wieder die Szene erobert. Matadores de toros wie José Tomás, Morante de la Puebla, El Juli, Alejandro TalavanteJosé María Manzanares oder der maestro Enrique Ponce ziehen die Massen an wie kaum andere.
Wenn diese maestros antreten sind die plaza de toros ausverkauft.
Noch etwas ist in Spanien neu geworden. Man beginnt sich plötzlich mehr für die toros zu interessieren. Die Zucht spielt eine immer wichtigere Rolle und man hat angefangen die Leistung der einzelnen toreros mit den entsprechenden toros der ganaderías zu vergleichen. Gerade in Andalusien hat im regionalen Fernsehen das Magazin TPT dazu beigetragen, die Erkenntnis über die toros zu erweitern.

Die mundo de los toros sollte sich nicht wie im Jahr 2007 zu einem Massenprodukt entwickeln. Man vergleiche sie eher mit hoher Kunst, gleich einer Oper und auch dort spielt die Qualität eine wichtige Rolle. Um sich an einer corrida erfreuen zu können, muss man verstehen was im ruedo eigentlich geschieht. Verstehen, warum der toro so reagiert, verstehen auf welche Weise der torero dem toro begegnet und warum. Kurz, verstehen das Zusammenspiel zwischen toro und torero. Das Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier. Da liegt eine der Faszinationen in der mundo de los toros.