Sonntag, 4. Oktober 2015

Viele Manöver ist nicht gleich torear




von Domingo Ortega


Der matador de toros Domingo López Ortega (1906 bis 1988) war in seiner Zeit einer der führenden figuras, vor allem weil es ihm gelang schwierige toros zu dominieren. Er gehörte ohne Frage zu den maestros die gleich alle drei tercios beherrschten. Wunderbar konnte er mit der capa umgehen, mit der muleta geradezu exzellent und ein grosser Meister mit dem espada.

Domingo López Ortega, rechts mit einem pase de pecho 

„Sie, aficionados, wenn Sie sich nur kurz erinnern, werden bei den corridas de toros viele Male faenas mit zwanzig, dreissig, vierzig pases gesehen haben und den Stier ein jedes Mal in stärkerem Masse intakt und ungeschwächt. Wie ist es möglich, dass bei einer solchen Anzahl von pases, augenscheinlich schönen pases für den grossen Teil des Publikums, der Stier sich nicht bezwungen fühlt? Die Antwort ist sehr einfach: was geschehen ist, ist, dass der torero fortwährend pases verteilt hat, doch pases verteilen ist nicht dasselbe wie torear.“
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Quellennachweis:

Dr. Andreas Krumbein

Samstag, 3. Oktober 2015

Die Geschichte von Ferdinand

Was kaum einer weiss, der Kinderbuchlassiker "Ferdinand
ist fast genauso alt wie Hemingways "Tod am Nachmittag"
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von Philip de Málaga



Im Jahr 1932 erschien das bekannte Werk von Ernest Hemingway „Tod am Nachmittag“. Jenes Buch, welches die mundo de los toros einem internationalem Publikum näher brachte. Nur drei Jahre später schrieb in nur vierzig Minuten der Englischlehrer Munro Leaf (1892 - 1957) in Massachusetts (USA) „The Story von Ferdinand“. Damit wollte er seinem arbeitslosen Freund dem Kinderbuch-Illustrator Robert Lawsen einen Job verschaffen.

Munro Leaf und Robert Lawsen
Die Handlung ist kurz und einfach. „Es war einmal in Spanien ...“ Ferdinand ist ein junger toro der den Frieden wie die Blumen liebt und gerade in dem Moment wo die empresarios aus der plaza de toros von Madrid kamen um toros für die corridas zu kaufen, stach ihn eine Biene. Da wurde er ganz wild und die Herrschaften aus der spanischen Hauptstadt sahen in ihm den richtigen wilden und schnellen toro, kauften ihn ein und brachten ihn nach Madrid. Doch bei der corrida dachte Ferdinand gar nicht daran zu kämpfen und blieb einfach in der Mitte des ruedos sitzen. Da er so gar nicht auf die Provokationen der toreros einging, schickte man ihn wieder zurück auf die Weide.

1936 als amerikanische Erstausgabe
Bei diesem Werk fallen einem zwei Dinge auf. Zum einen ist es technisch falsch wiedergegeben. Zum Beispiel treten beim paseillo die toreros in der falschen Reihenfolge ein: „Zuerst kamen die banderilleros .... Darauf kamen die picadores .... dann erschien der matador“. Es war schon immer so, dass die matadores nach den alguaciles als erste das ruedo betraten. Aber warum findet Ferdinand den Weg zu Weide wieder? Auch das entspricht nicht dem reglamento taurino. Ein toro kann nur dann begnadigt werden, also ein indulto erfahren, wenn er sich als besonders bravo, also mutig und angriffsfreudig gezeigt hat. Dies war hier aber nicht der Fall. Normalerweise wäre Ferdinand ausgetauscht worden und im Schlachthof gelandet.

Der falsche Aufmarsch der toreros, die banderilleros zuerst.
Zum anderen war das Werk recht umstritten denn es kam genau zur Zeit des spanischen Bürgerkrieges 1936 auf den Markt und wurde als "subversives Kinderbuch" abgestempelt. Denn man warf dem Autoren Propagandazwecke vor, gerichtet an die Kommunisten, Faschisten wie auch Pazifisten. Munro Leaf winkte diese Vorwürfe einfach ab, sein toro Ferdinand sei einfach nur ein Philosoph mit einem höheren Geist, der guten Geschmack und Charakter bewiesen habe.

Der toro Ferdinand auf dem Weg zu seinem Baum ... bevor ihn die Biene sticht.
Wie dem auch sei, dieses Kinderbuch wurde ein Weltbestseller, ist in mehr als fünfzehn Sprachen erschienen und ist nun seit beinahe 80 Jahren auf dem internationalen Markt erhältlich. Auch gibt es mittlerweile dieses Werk von verschiedenen Illustratoren:



Zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung wurde es sogar von Walt Disney verfilmt.


Auf der Insel Helgö in Schweden, setzte man Ferdinand im Jahr 2008 eine Skulptur:

Der toro Ferdinand in Schweden
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Literaturhinweis:

FERDINAND, Munro Leaf, Diogenes Verlag Zürich, 1993

Freitag, 2. Oktober 2015

Die Tauromachie in der Photographie

Über die optische Anziehungskraft der toreros
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von Dominik Sachsenheimer 

Einmal mehr zeigt sich die Anziehungskraft der tauromaquia auf Anverwandte aus anderen Kunstformen, in diesem Falle durch den Fotografen Jose Ramon Lozano

Der Künstler und aficionado der seine Leidenschaft auf das Papier bringt. (Foto: Vocento)

Für die traditionell letzte große feria taurina der spanischen Saison, El Pilar in Zaragoza, entstanden diese Bilder von matadores de toros die sich als pure Kunst verstehen:

Julian Lopez "El Juli", der tauromaquia und Respekt verkörpert:




Diego Urdiales, der für Reinheit und Aufrichtigkeit steht: 


Der Newcomer López Simón, der mit Wahrhaftigkeit gleichgesetzt wird.


Alejandro Talavante, der zusehends zum poetischen Improvisator reifte und deshalb den Begriff der Freiheit vertritt, im Bild mit Miguel de Cervantes mit einer Prise Lope de Vega erinnernd. 




Zu guter letzt Morante de la Puebla, er darf natürlich in dieser Sammlung nicht fehlen, dem Universalgenie in Anspielung auf Salvador Dali.



Donnerstag, 1. Oktober 2015

Wenn ein Torero auf eine politische Antitaurina trifft




mit Enrique Ponce (torero)
und Silvia Barquero (PACMA)


Der matador de toros und ganadero aus Valencia Enrique Ponce stellt sich bei der Tageszeitung EL MUNDO (230.000 Ausgaben) einem Rededuell mit der Politikerin und antitaurina Silvia Barquera von der politischen Partei PACMA, bei welcher der Tierschutz in Vordergrund steht. Und das ist neu. Früher meideten die toreros den Umgang mit den antitaurinos. Doch heute gehen sie dem nicht aus dem Weg. Erst mischt sich der matador de toros Morante de la Puebla in Ronda unter die Gegner und nun trifft der matador Enrique Ponce, der schon über 5.000 toros getötet hat auf die Aktivistin Silvia Barquera, welche allein schon jedes Insekt am Leben erhält.


Die Tageszeitung EL MUNDO vom 27.9.2015 mit dem Titel:
"Wenn sich ein torero im ruedo einer antitaurina nähert"
Im Vorfeld verfolgten die Redakteure von EL MUNDO einen interessanten Dialog am Rand:

"Glaubst du, dass Enrique Ponce sich trauen wird?"


"Sich trauen wird? Du sprichst hier von einem Mann, der traut sich gegen Viecher anzutreten, die schwerer als 600 Kilo sind!"


Wie bei einer richtigen corrida beginnt das Rededuell, die verbale faena sin sangrea las cinco de la tarde. Hier einige Auszüge:




Silvia Barquero: Ich will ein Land, in dem es keine Tierquälerei gibt. Ich denke, wir müssen auf Empathie hinarbeiten, in Bezug auf die anderen Lebewesen auf unserem Planeten. Die tauromaquia ist rückläufig und wird in 20 Jahren verschwunden sein ...

Enrique Ponce: Ich denken nicht, dass die tauromaquia zurückgehen wird. Es gab eine grösser Zuschauerbeteiligung in den ruedos, mehr festejos ... Und noch eine ganz wichtige Sache, welche ich hervorheben möchte: Ich bin mehr Ökologo als manch einer von euch!


Silvia Barquero: Das sind doch die Argumente von immer, dass ihr mehr ökologisch veranlagt seid, dass ihr mehr die Tier mögt ...


Enrique Ponce: Aber ich bin es. Wenn nicht, ist es mir egal, denn ich züchte den toro.


Silvia Barquero: Aber um ihn zu töten.


Enrique Ponce: Um ihn zu töten, natürlich. Wie andere Schweine oder Schafe züchten um sie zu töten. Es ist ein Aufeinandertreffen, wir ihr sagt, aber wenn ihr wollt, dass die fiesta nicht mehr existiert, würde es den toro de lidia gar nicht mehr geben. Denn die gegenwärtigen toros existieren dank Jahrhunderte der Genetik. Er existiert, lebt und wird nur dort gezüchtet, wo es die corrida de toros gibt. Wir können kein Tier retten, die Zucht fördern, wenn sie eigentlich wollen, dass es gar nicht existiert. ... Mal sehen, züchtest du den toro bravo? Ich frage dich (und schaut sie ernst an) Du wärst dann eine ganadera von toros bravos?


Silvia Barquero: Ich will nicht, dass Tiere leiden. Das ist der Unterschied. Lass es mich sagen: Glaub nicht, dass wir gegen die corrida de toros sind, weil wir sie nicht mögen oder sie nicht verstehen. Sondern wir sind dagegen weil wir darin eine Misshandlung von Tieren sehen, während andere es als Kunst bezeichnen, wir sehen Leiden, andere Kultur, wir sehen, was ihr nicht seht. Das ist eine Frage der Ethik, keine Geschmacksache.


Enrique Ponce: Was du verstehen musst, obwohl es für dich keine Kultur ist, es ist eine. Du kannst sagen wie es dir scheint es ist aber so (er lacht). Ich würde gerne rekapitulieren von was wir hier sprechen: Der toro bravo ist kein Hund, kein Haustier. Es ist ein Tier welches leidet, aber bis zu welchem Punkt? Wenn eine banderilla im Schmerzen zufügt, würde er weglaufen. Ein toro bravo reagiert, macht Druck, weil das seine genetischen Vorraussetzungen sind.


Silvia Barquero: Es ist doch offensichtlich, dass die toros keine Tiere von einem anderen Planeten sind. Sie verfügen wie jedes andere Säugetier auch über ein Nervensystem ...


Enrique Ponce: Ja, aber er ist darauf vorbereitet.


Silvia Barquero: Es gibt eine Aura der Mystik in der mundo taurino die versucht, das Hauptproblem der tauromaquia zu verweigern. Und das ist die Tatsache, dass die Tiere leiden. Ihr misshandelt sie bis zum Tod...




Moderator: Was ist die tauromaquia?

Enrique Ponce: Das ist Schönheit, es ist Kultur, es ist Tradition. Für mich ist tauromaquia Kunst. Für mich persönlich ist es die Kunst der Künste.


Silvia Barquero: Für mich ist tauromaquia Leiden.


Enrique Ponce: Hast du dich jemals darüber gefreut, wenn es einen torero erwischt hat, Silvia?


Silvia Barquero: Nein. Nie habe ich mich darüber gefreut, wenn ein torero verletzt worden ist. Ich weiss, du hattest vor kurzem eine cornada und sie mussten dein Schlüsselbein operieren. Mir ist überhaupt nicht damit geholfen, wenn ein torero stirbt.

Enrique Ponce: Das ist in Ordnung. 

Silvia Barquero: Auch wenn wir etwas verteidigen, sollten wir dieses mit Respekt tun, und genauso sollten wir vorgehen. 

Enrique Ponce: Wenn ihr euch da nicht mal irrt. Ihr verteidigt nicht den toro, eh. Ihr wollt eine Rasse auslöschen.... Wer züchtet denn den toro bravo?, für was? Ich denke es würde nur eine sehr kleine Gruppe übrig bleiben, um diese Rasse zu erhalten. Und nach 70 oder 100 Jahren würde man sagen "Schaut mal, das ist ein toro bravo". Und man könnte ihn in einem Zoo bestaunen. Aber die Rasse, so wie wir sie jetzt kennen, würde verschwinden.... 



Enrique Ponce: Der toro ist sich nicht bewusst was geschieht. 

Silvia Barquero: Die Tiere wissen sind sich bewusst. 

Enrique Ponce: Der toro weiss nicht, dass er sterben wird. 

Silvia Barquero: Wir haben da eine sehr solide und rationale Basis an Argumenten. 

Enrique Ponce: Du hast eine solide und rationale Basis. Der toro nicht. Der toro weiss nicht, dass er sterben wird. 

Moderator: Silvia, glauben sie an eine anständige Behandlung bei der Zucht? 

Enrique Ponce: Aber du kennst dich daran doch gar nicht aus! (Ponce stichelt dazwischen) 

Silvia Barquero: Aber lass mich doch erst einmal sprechen. 

Enrique Ponce: (lacht) Sie hat noch keinen toro gezüchtet. 

Silvia Barquero: Während der gesamten Zucht sind sie nicht vom Leiden befreit. Von dem Moment der tienta an, wo man testet ob sie für den Stierkampf geeignet sind. Auch beim Brandeisen ... 

Enrique Ponce: Wie bei den Pferden. Wie bei den Schafen. 

Silvia Barquero: Lass mich reden ... Die Tiere leiden von Geburt an ... ich empfehle den ganaderos über die Möglichkeit einer Zukunft zu denken, indem  die toros auf dem freien Land leben, um ein Unternehmen für Ökotourismus zu gründen, wo wir die Tiere in Frieden und Freiheit leben sehen. Das ist weitaus schöner als das Leiden und der Tod. 

Enrique Ponce: Das wovon du sprichst ist ein Safaripark. 

Silvia Barquero: Ein Wirtschaftsfaktor. 

Enrique Ponce: Aber dass dieses geschieht ist unmöglich. Denk mal darüber nach was du da gesagt hast. Die Freiheit eines toros um 10, 15 oder 17 Jahre zu erhöhen. Für was ? Hast du eine Idee was die Zucht eines toros bravos kostet? Hast du natürlich nicht. 

Silvia Barquero: (wirkt genervt) Du musst mir nicht immer sagen, wie unwissend ich bin. Ich lebe im selben Land wie du, ich habe dasselbe Alter wie du ... 

Enrique Ponce: Ich bezog die Unwissenheit auf die ganadería (besonders betont

Silvia Barquero: Du beziehst dich nicht auf mich, als ob ich nicht wüsste was ich sage. 

Enrique Ponce: Weisst du was die Zucht eines Tieres kostet? (Ponce besteht weiterhin darauf

Silvia Barquero: Ich weiss was es kostet. Aber ihr züchtet sie auf für einen grauenhaften Tod. Ich suche nach einer würdigen Lösung für die Zukunft und erwarte ein Land ohne Tierquälerei. 

Enrique Ponce: Ich respektiere die Tiere. Ich selbst habe Hunde, Pferde, Schafe, toros bravos ... Aber das hier ist nicht Disney. Mit allem Respekt, jedes Tier ist für eine bestimmte Sache geschaffen. 



Moderator: Kann es corridas de toros ohne Tod geben? 

Silvia Barquero: Ich glaube nein. Die Zukunft wird das Ende der tauromaquia sein. Wir sind verantwortungsvolle Menschen. Es gibt nicht die Möglichkeit der toros ohne den Tod. Portugal hat es gezeigt. Selbst die aficionados wollen es nicht. In Portugal wird mit dem Tier gekämpft, man lässt es leiden, und am Ende landet es im Schlachthaus. 

Enrique Ponce: Besser ist es gleich in der plaza zu töten. 

Silvia Barquero: Besser ist es, gar nicht zu töten. 

Enrique Ponce: Besser es nicht zu töten, nein. Das kann nicht sein. Du musst verstehen, du redest hier von Tiermisshandlung, und im Fall des toro bravo liegt keine Tiermisshandlung vor. Mit Sicherheit gibt es Tiermisshandlung in anderen Fällen, und da gibt es weitaus schlimmere. Wie zum Beispiel die Gänse des Foie, den ich übrigens liebe. Und ich werde diesen weiterhin zu mir nehmen. 

Silvia Barquero: Ich möchte nicht Teil einer Gesellschaft sein, wo ein grosser Haufen an Menschen einem toro folgt und ihm den Tod bereitet wie den von Tordesillas. Ich will nicht in einem Land leben, wo Tiere bei encierros getötet werden. 

Enrique Ponce: Nun, da hast du es schwierig, und musst eigentlich in ein anderes Land gehen. Es ist sehr schwer, dass in PamplonaMadrid, in Valencia, in Sevilla, in allen spanischen Dörfern die toros ein Ende haben werden ... 

ModeratorEnrique, was hältst du von der Tradition des Toro de la Vega

Enrique Ponce: Das hat überhaupt nichts mit den corridas zu tun. Ich respektiere es, weil es Leute gibt, die daran Gefallen haben. Mir selbst, weder gefällt es mir, noch gefällt es mir nicht.... Aber es hat wirklich so gar nichts gemein mit den corridas. Sie tun es halt und ich bin nicht derjenige, der dazu bestimmt ist, mich da einzumischen. 

Silvia Barquero: Schau mal dir die Traditionen an: Die corridas, der Toro de la Vega, die toros embolados, jene die aufgehängt sterben ... 

Enrique Ponce: Das kann man nicht alles vergleichen. 

Silvia Barquero: Alles ist tauromaquia. Beinhaltet Leiden und Tod. Ist es eine Tatsache, das eine Tradition gut ist? Früher haben sie aus Traditionen heraus Menschen auf Scheiterhaufen verbrannt. Und dieses geschieht jetzt nicht mehr. 

Enrique Ponce: Um Gottes Willen, Frau! Vergleiche mich nicht mit den Männern die Personen auf den Scheiterhaufen verrannten. 

Silvia Barquero: Es war Teil der Tradition. 

Enrique Ponce: Nein, das war keine Tradition. Das war eine Hinrichtung, mit einem Würgehebel oder Guillotine. Sieh mal, ich verlange von dir nicht, dass du gehst. Aber ihr solltet die Menschen lassen, denen es gefällt und die es geniessen. Für dich ist die Abschaffung eine Evolution, für mich ein Schritt zurück. Wenn du die toros abschaffst, vernichtest du ein Teil von Spaniens Geschichte. 
Die drei Protagonisten: Der torero, die antitaurina und der toro bravo
Enrique Ponce: Wenn du den toro bravo retten willst, dann hältst du ihn in einem corral und verpflegst ihn bis er stirbt? Ohne dass er für irgendetwas sinnvoll ist? 

Silvia Barquero: Ich bin nicht die Ursache für das Leiden dieser Tiere. Es sind diejenigen die sie für dieses schreckliche Ende züchten, und das sollten sie lösen ... 

Enrique Ponce: Nein, nein. 

Silvia Barquero: Ich will dich mal etwas fragen (du hast während deiner professionellen Karriere 5.000 Tiere getötet, 5.000 Tiere), hast du nicht einmal gesehen wie sie leiden? Hast du nicht einmal Empathie empfunden? 

Enrique Ponce: (Der torero wirkt sehr ernst, und er schaut so aus, als ob er etwas erklären wird, was die andere nie verstehen wird) Weisst du was ich gesehen habe? (es folgt ein langes Schweigen) Weisst du was ich gesehen habe? Wenn er mich erwischt, wird er mich vernichten. Das habe ich in seinen Augen gesehen.

Mittwoch, 30. September 2015

Parar, templar y mandar





von Dr. Andreas Krumbein


Die corrida de toros und der toreo, also die Art und Weise wie der matador und alle anderen toreros mit den Stieren umgehen, ist eingebettet und durchsetzt von einer Fülle von Regeln, Erwartungen und Hoffnungen, die teilweise als mehr oder weniger gut definierte Anweisungen in Form von Staatsgesetzen in den unterschiedlichen reglamentos taurinos nachlesbar und zu befolgen sind, wobei eine Reihe dieser Anweisungen unscharf formuliert ist, so dass ihre Auslegung Gegenstand langwieriger Diskussionen sein kann.

Viele dieser Regeln, die sich nicht in einem reglamento taurino befinden, sind gut formuliert und auch aufgeschrieben worden, haben jedoch keinen Gesetzescharakter. Dennoch wird ihre Befolgung unbedingt erwartet. Sie stellen gewissermaßen die grundlegenden Fertigkeiten dar, die ein torero beherrschen und anwenden muss, damit sein Tun vom kundigen Publikum als handwerklich akzeptabel erachtet werden kann. Erst wenn das Handwerk stimmt, kann der Ausführung des Handwerks eine individuelle, künstlerische Note hinzugefügt werden, die in besonderer Weise vom Einzelnen goutiert und belohnt werden kann. Vorher muss, in besonderem Maße, der matador zeigen, dass er in der Lage ist, auf eine ganz bestimmte Art und Weise mit dem Stier umzugehen. Erst dann ist ein maestro.

Für den matador hat sich eine ganze Reihe solch handwerklicher Regeln herausgebildet. Die genaue Bedeutung der Begriffe, die diese Regeln fassen und prägnant bezeichnen sollen, ist wiederum eine Frage der Auslegung und ebenso Gegenstand noch langwierigerer Diskussionen, teilweise bis zum heutigen Tage. Teilweise hat sich die Bedeutung der Begriffe im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte verändert, und aficionados disputieren über die Korrektheit der unterschiedlichen Interpretationen ohne müde zu werden, wobei sie häufig ihre eigene als die allein richtige gegenüber allen anderen durchzusetzen versuchen.

Als Oberbegriff für die grundlegenden, handwerklichen Regeln für den matador hat sich der Ausdruck der cánones del toreo durchgesetzt: die Richtschnur oder der Leitfaden für das Verhalten des matador gegenüber dem Stier, die Gesamtheit der geltenden Regeln und Vereinbarungen für den toreo.

So haben beispielsweise José Delgado Guerra «Pepe Hillo» und Francisco Montes Reina «Paquiro» in ihren tauromaquias Regeln formuliert, deren Befolgung gleichzeitig die „maximale Begünstigung des toro und die maximale Sicherheit des torero“, so Joaquín Vidal, vereinen sollen.

"La Tauromaquia o el Arte de Torear", José Delgado Guerra "Pepe Hillo" (1954 - 1801)
und Francisco Montes Reina "Paquiro" (1805 - 1851)
(In diesem Zusammenhang stellt Joaquín Vidal in El toreo es grandeza fest: „Eine von der herrschenden Lehre abweichende Art des toreo, die einige Stierkämpfer Epochen später teilweise mit großer Akzeptanz des Publikums praktiziert haben, ist von den aficionados nicht wegen ihrer Abweichungen abgelehnt worden, sondern weil sie in irgendeiner Weise die Konstanten der maximalen Begünstigung des toro, der maximalen Sicherheit des torero und der letztendlichen Beherrschung des wilden Tieres, die das wesentliche Fundament des torero bilden, kaputtmachte.“)

"El toreo es grandeza" und Joaquín Vidal (1935 - 2002)
Viele matadores haben zu den cánones beigetragen und dadurch spezifische, individuelle Akzente gesetzt, die bis heute wirksam sind und die die Bewertung eines einzelnen matador und die Bewertung einer einzelnen suerte, der Ausführung von Serien von suertes und der Ausführung einer gesamten faena vom handwerklichen Standpunkt aus grundlegend beeinflussen:

„Alle Manöver haben ihre festen Regeln, durch die die toreros sie mit größerer Sicherheit ausführen können, unabhängig von ihrem ästhetischen Ergebnis. Kundige Beobachter sollten diese Regeln auch kennen, damit sie die Leistungen oder Mängel der lidiadores einschätzen können und damit sie nicht alleine sind mit ihren Sichtweisen des toreo.“

So schreibt José Antonio del Moral in "Como ver una corrida de toros" (Wie schaut man eine corrida de toros).

"Como ver una corrida de toros" von José Antonio del Moral (De Toros en Libertad)
Drei fundamentale cánones, zumindest deren praktische Umsetzung als Erster, werden dem matador de toros  Juan Belmonte zugeschrieben. Wich man bis dahin im wesentlichen den Angriffen des Stieres mit den Beinen aus, sah man bei ihm eine neue, langsame Ausführung des toreo mit geringer Entfernung zum Stier.

Rafael Molina Sánchez
"Lagartijo"
(1841 - 1900
Im Gegensatz zu einem Ausspruch von Rafael Molina Sánchez «Lagartijo»: „ …, und entweder gehst Du aus dem Weg oder der Stier räumt Dich aus dem Weg.“ soll Belmonte gesagt haben: „ …, und weder gehst Du aus dem Weg, noch räumt Dich der Stier aus dem Weg, wenn Du wirklich weisst, was torear bedeutet.“

Diese drei fundamentalen cánones sind: parar, templar y mandar.

Die Erläuterungen bei José Luis Acquaroni (Der Stierkampf, Editorial Noguer, S.A., Barcelona, 1959) lesen sich fast musisch:

"Der Stierkampf" von José Luis Acquaroni
„Die drei Grundlagen, auf denen die Arbeit mit der muleta - und jegliches Stierkämpfen - beruht sind: parar (ruhig stehen), templar (ausgleichen) und mandar (beherrschen).

Ruhig stehen (parar) heißt nicht einfach nur still dastehen, wenn man den Stier zum Angriff reizt. Ruhig stehen heisst, den eigenen Boden in keinem der drei Momente, die zu einer vollständigen Figur gehören, zu verbessern, also weder beim Reizen, noch beim Zusammentreffen und auch nicht dann, wenn man die Figur beendet. Ruhig stehen bedeutet, vom eigenen Boden keine Zugeständnisse zu machen, auch wenn der Stier mehrere Male vorbeiläuft, und selbst, wenn es sich um eine abgeschlossene Figur handelt.

Diesen statischen Begriff des Stierkämpfens verdankt man dem Juan Belmonte. Da es ihm an den notwendigen Kräften in den Beinen fehlte, blieb ihm nichts anderes übrig, als die ihm auferlegte Unbeweglichkeit, durch einen starken, geistesgegenwärtigen und beherrschenden Kampf mit den Armen auszugleichen. Von diesem Umstand lässt sich das ganze moderne Stierkämpfen ableiten.

Ausgleichen (templar) heißt hier, den heftigen Angriff eines Stieres auf den Rhythmus abzustimmen, in dem der torero mit der muleta oder der capa arbeiten will. Es geht darum, eine vollkommene Entsprechung zwischen der Bewegung der muleta und der Bewegung des Stieres zu erreichen und während einer ganzen Figur beizubehalten. Dazu muss man den Lauf des Tieres, sobald es zum Angriff losstürzt, anfachen oder bremsen. Man muss den Stier mit der muleta geschmeidig lenken und ihn immer in der gleichen Entfernung halten, bis zum Ende der Figur.

Beherrschen (mandar) schließlich heisst, den Stier zum Verfolgen eines bestimmten Weges zu zwingen. In jedem Augenblick muss das Tier vom Willen des Kämpfers abhängig sein.

Diese drei Grundlagen finden ihre Ergänzung in der Fähigkeit, die einzelnen Figuren richtig zu beenden und miteinander zu verbinden. Bei der Arbeit mit der muleta dürfen die verschiedenen Figuren nicht voneinander getrennt sein. Sie müssen vielmehr miteinander verbunden und verflochten werden. Um diese Verkettung zu erreichen, muss man den Stier nach jeder Figur so lenken, dass er sich in der entsprechenden Lage, also wieder an einer bestimmten Stelle befindet, um eine neue Figur zu ermöglichen, ohne den jeweiligen Standort verbessern oder verändern zu müssen.“

Diese Erläuterungen seinen ein erster Anfang, wenn man sich mit den cánones del toreo eingehender befassen will. Ein erster Anfang deswegen, weil (wichtige) Details, die in diesen Erläuterungen auftauchen, ganz anders aufgefasst und erklärt werden, wenn man die Interpretationen und Bedeutungen der Begriffe bei anderen nachliest. Desweiteren werden im Text weitere elementare Aspekte der Ausführung von suertes, die man ebenfalls als cánones ansieht, angesprochen – das „Reizen“, das „Zusammentreffen“, die richtige Beendigung der Figur, das Verbinden von Figuren, seinen Standort nicht verbessern müssen – ohne dass es deutlich kenntlich gemacht wird oder weiter ausgeführt würde.

"How to Watch a Bullfight" von Tristan Wood
Bei Tristan Wood in How to Watch a Bullfight liest man:

Parar – Heutzutage wird jegliche Bewegung der Füsse des matadores weg vom Stier, wenn sie während eines der grundlegenden pases mit der muleta getan wird, als Mangel angesehen und als Rückzugsbewegung vom Tier. Eine Herausbildung neueren Datums von parar (ruhig stehen) bedeutet, am Ende eines pase seine Stellung zu behaupten und den vorbeigelaufenen Stier an exakt derselben Stelle wie beim pase zuvor erneut in Empfang zu nehmen.

Dies ist in verkürzter Form der Inhalt der Erläuterungen von Acquaroni. An manch anderer Stelle liest man hingegen: Parar (in der Bedeutung wie sie bis 1796 zurückreichend bei «Pepe Hillo» in seiner ‘La Tauromaquia o Arte de Torear‘ vorkommt) bedeutet: still dastehen, die Füsse nicht bewegen, sobald man eine bestimmte Stellung eingenommen hat und der Stier in den „Einzugsbereich“ (jurisdicción) des lockenden Tuches eingetreten ist.

Hier wird vom matador weit weniger verlangt, als wenn man das neuere Verständnis von parar zugrundelegt, das parar auch dann erfordert, wenn der Stier vorbeigelaufen ist und die jurisdicción des Tuches verlassen hat, umdreht und sich erneut auf den matador zubewegt.

Templar – Der zweite Kanon, templar (mässigen, zügeln, abbremsen), beinhaltet, dass sich der torero auf den Rhythmus des Stieres einstellt. Ohne die Fähigkeit das Tuch im selben Tempo zu bewegen wie der Stier angreift, wird es schwierig sein einen einzelnen pase zustande zu bringen, wobei das Verwirklichen einer Serie unmöglich ist. pases, bei denen die Hörner des Stieres das Tuch erreichen, sowie solche, die das Tier verleiten sich im Tuch zu verhaken, sind als unästhetisch verpönt. Ein pase templado kann langsam oder schnell sein, abhängig vom natürlichen Rhythmus des Stieres, aber in besonderer Weise werden solche Momente wertgeschätzt, in denen das Tier vom Tuch so hypnotisiert zu sein scheint, dass der Mensch seinen Angriff durch die Handhabung des Tuches zu verlangsamen scheint.

Acquaroni beschreibt eine Anpassung des Verhaltens des Tieres, nämlich die Geschwindigkeit seines Vorwärtsdranges, an die Geschwindigkeit, mit der der matador meint, das Tuch führen zu wollen. In der Beschreibung bei Wood ist es umgekehrt: der matador muss sich der Geschwindigkeit des Stieres in korrekter Weise anpassen.

Dazu findet man auch: Üblicherweise wird templar verstanden als das Anpassen des Tempos der muleta an die Geschwindigkeit des Stieres. Es gibt Gelehrte, die argumentieren, templar bedeute auch das Mässigen der Schnelligkeit des Stieres, denn man könne sie dadurch verringern, dass man das Tuch absenkt und dadurch den Kopf des Tieres senkt und es somit langsamer werden lässt. Obwohl diese Behauptung manchen Vorzug hat, wird sie allgemein als etwas esoterisch-akademisch angesehen.

Muleta templada von Domingo Ortega und Iván Fandiño
Ob die muleta tatsächlich templada war, lässt sich natürlich nur beurteilen, 
wenn man den Bewegungsablauf direkt verfolgen würde.
(Fotos: Tauromaquias.comIván Fandiño)
Mandar – Der dritte Kanon, mandar (beherrschen, gebieten, kommandieren), bezieht sich auf die Wichtigkeit, den Stier mit dem Tuch als Köder zu kontrollieren, idealerweise von dem Moment an, in dem der Stier zum Angriff bewegt wird. Viele aficionados sehen folglich einen pase, der mit einer Vorwärtsbewegung der muleta in Richtung des Stieres begonnen wurde, als verdienstvoller an, als einen, bei dem das Tuch neben oder hinter dem Körper des Mannes gehalten wird, wegen der Länge der Zeitspanne, während der der Stier durch den matador kontrolliert wird, und das obwohl man argumentieren kann, dass diese anderen Methoden riskanter und gefährlicher sind, da bis zu demjenigen Moment, in dem der Stier seinen Kopf vollständig in das Tuch versenkt hat, immer das Risiko besteht, dass sich das Tier entscheidet den Mann statt den Köder anzugreifen.
Damit mandar tatsächlich möglich wird, muss der matador seinen Gegner verstehen und beherrschen. Obwohl man gute faenas sehen kann ausgeführt von toreros, die nicht in der Lage sind ihren Gegner zu beherrschen, sondern die lediglich das Glück haben, einem eifrigen und folgsamen Stier gegenüberzustehen, werden solche faenas, in denen der matador seinen Verstand und das Meistern des toro bravo unter Beweis stellen muss, um erfolgreich zu sein, als rühmlicher und lobenswerter angesehen.      

In sehr kompakter Form und ebenfalls in Übereinstimmung mit Acquaroni liest man auch: Mandar bedeutet, den Stier von Beginn bis Abschluss eines pase zu kontrollieren, ihn dazu zu bringen, dem Weg, der ihm vom torero mit dem Köder vorgegeben wird, zu folgen. 

Kurz vor Schluss sei noch einmal ein Schritt zurück an den Anfang getan, zum ersten Kanon: parar. Man findet auch eine deutlich andere, zusätzliche Erklärung und Interpretation des Begriffes parar:

Parar bedeutet, dem unkontrollierten Angreifen des Stieres Einhalt zu gebieten und damit zu beginnen ihn unter Kontrolle zu bringen, was eines der wesentlichen Merkmale der lidia darstellt. Hierbei ist das Wirksamwerden von parar vom Mann auf den Stier gerichtet, während es im üblichen Verständnis auf den Mann selbst gerichtet ist, der sein eigenes Verhalten zu steuern hat.
Diesem anderen Verständnis von parar entspricht im Deutschen das Wort parieren, nämlich das Abwehren eines Angriffes oder ein Gegenangriff in den Kampf- oder Fechtkünsten oder in Ballsportarten (z.B. Parade des Torwarts) oder beim Reiten das zum Stehen oder in eine andere Gangart bringen eines Pferdes.    

Es ist schon angeklungen, dass die drei fundamentalen cánones parartemplar y mandar nur der Anfang sind und es noch weitere cánones gibt, einige sehr wichtige, andere die – mir zumindest – weniger wichtig erscheinen. Ein weiterer wesentlicher Kanon, der zu überbordenden Diskussionen an vielen Stellen geführt hat und aktuell immer noch führt, sei hier nur namentlich genannt: cargar la suerte. Doch davon mehr in einem kommenden Beitrag.


Für mich ist klar, dass man die Güte der Beachtung und Ausführung der cánones nur in Filmaufnahmen, nie aber in stehenden Bildern beurteilen kann. Als Beispiel für die hohe Güte ihrer Ausführung sei der folgende Link angegeben: Signes du Toro - Spéciale José Tomás