Sonntag, 24. März 2013

Viva México! (1. Teil)


Wenn man den Stieren plötzlich gegenüber steht
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Eine Reportage von Dominik Sachsenheimer 

Warum fliegt ein Mann von 36 Jahren von Chicago nach León, Mexiko, um ein Wochenende lang Stierkampf zu üben? Eine Midlife-Crisis wäre die naheliegende Antwort, Abenteuerlust die romantische. Oder weil Stierkampf eine essentielle, menschliche Kunstform ist? Weil jeder Mensch im Augenblick der Angst offenlegt, wer und was er ist, ohne sich hinter Posen verstecken zu können? Weil man also sein echtes Wesen zum Ausdruck bringt, bringen muss und sich selbst, seinen Kern, eventuell erst auf diese Weise erkennt? Vielleicht. Dazu muss man wissen: ich sehe mich nicht als Künstler, ich bin nicht mal mutig, kein Draufgänger, im Gegenteil, als Kind bin ich am langsamsten Schlitten gefahren.
Dennoch fliegen Robert, Frank und Jorge Luis nach León, Hauptstadt der Provinz Guanajuato. Die drei, die ich aus meiner Zeit in New York kenne, lesen mich am Flughafen auf. Sie sind bereits in mehr als 10 Festivals aufgetreten, in denen sie Jungstiere mit etwa 300kg getötet haben. Bei mir hat es bislang nur zu einer “tienta” in Salamanca vor sechs Jahren gereicht, noch bevor ich in die USA auswanderte.

Wir wollen am Samstag und Sonntag zu einem “tentadero”, einem Test. Um die für Kampfstiere als ideal geltenden Eigenschaften zu züchten, testet man die Kühe in der plaza und hofft, dass die Mütter ihre Anlagen später an ihre Söhne weitergeben. Würde ein Stier der “capa” und “muleta” ausgesetzt, würde er sich zeitlebens daran erinnern, wäre also für einen späteren Auftritt unbrauchbar.

Um elf Uhr vormittags am Samstag kommen wir auf der Ranch “Campo Alegre” an und gehen durch roten Staub zur Arena aus Naturstein. Kakteen zieren die kleine Tribüne. Dort erwartet uns schon German, der “maestro de lidia”, kolumbianischer novillero mit Auftritten in Las Ventas in Madrid, keine Ohren, aber gute Kritiken mit schwierigen Stieren, allerdings Ende Oktober, so dass zu Beginn der kommenden Saison alles vergessen war. Neben German lernen wir Luis Miguel kennen, lokaler aficionado mit unzähligen Festivals auf dem Kerbholz, Sohn und Neffe einiger mexikanischer empresarios, aber am Tag Buchhalter. Frank kennt German und Luis Miguel von früheren Reisen, sie werden uns mit schwierigen Tieren helfen.

Im Stall stehen etwa 20 Kühe, davon drei kleine und ein Haufen sehr grosse, leider kaum etwas dazwischen, was besser gewesen wäre  – vor allem für mich. Ich mache mir angesichts der grossen Viecher fast in die Hosen und frage mich heimlich, warum ich so einen Unsinn riskiere. Als Anfänger werden mir die Mini-Kühe zugeteilt, Frank, Robert und Jorge Luis einigen sich mit Kennerblick auf grosse Tiere, so dass wir am Ende pro Mann drei “vacas”, also insgesamt zwölf Kühe haben – macht sechs am Tag.

Weil meine Kuh so winzig ist, kommt sie zuerst dran, zum Aufwärmen sozusagen. Statt das Tuch anzugreifen, rennt sie allerdings ängstlich davon. Ich laufe hinterher und werde jedes mal überrumpelt, wenn sie sich doch spontan zum Angriff umdreht. Ich gerate im Rückzug ins Stolpern und lande unsanft auf dem Hosenboden. Blöder Start, aber das Tier ist so harmlos, dass es eher peinlich als gefährlich wird. Es tut ein bisschen weh, aber verletzt ist in erster Linie mein Stolz.

Nach mir kommen Jorge und Frank mit schwierigen Tieren dran, und als vierter Robert mit der einzig mittelkleinen Kuh, mit der ich auf den Fotos zu sehen bin. Nachdem er sie toreiert hat, werde ich aufgefordert, auch mal was mit seinem Tier zu probieren. Mein Puls jagt auf 190 hoch, einerseits, weil das Tier eben wild ist. Andererseits weil ich als Anfänger kaum Erfahrung oder Technik und vor allem wenig Selbstvertauen habe. Es ist ein großer Sprung von der Theorie zur Praxis. Die einzige Form des Trainings ohne Tier ist das “toreo de salon”, frei übersetzt: das Tuchwedeln im Wohnzimmer.  Als ich noch in New York lebte, haben wir uns mangels Wohnzimmer zu viert im Central Park getroffen, einmal erhielten wir dort sogar eine Lehrstunde von maestro Espla, der einen Vortrag für den “New York City Club Taurino” hielt. Aber seit meinem Umzug nach Chicago ein Jahr zuvor war ich außer Form gerraten und schlich deswegen in den Wochen vor unserer Reise jeden Morgen um fünf Uhr in eisiger Kälte auf ein Basketballfeld, um dort zu üben.

Zum Glück scheine ich mich ordentlich anzustellen, zumindest behaupten meine Trainingspartner, es sei  Talent vorhanden. Vielen “aficionados practicos” fallen die pases schwer, die Figuren verrutschen zu ungelenken Verbiegungen des Körpers. Der Teufel liegt im Detail und vor allem im Handgelenk: Erstens, weil der Stadtmensch dort zu wenig Kraft hat; matadores besitzen trotz zierlicher Figur starke Muskeln im Unterarm und der Hand, ich hingegen bekomme schon nach 20 Minuten Krämpfe in den Fingern. Zweitens, weil das Dirigieren des Tuchs ein ganz unnatürlicher Vorgang ist, vor allem mit der schweren und sperrigen capa, wenn beide Hände voneinander unabhängig und in unterschiedlichem Tempo arbeiten.

Jetzt schaut mich die Kuh an und ich laufe langsam weiter in ihren gedachten Angriffsweg, “cruzar” oder kreuzen heißt das im Fachjargon. Mit forscherem Schritt und einem kurzen “He!”, begleitet von einem leichten Schütteln des Tuchs, versuche ich sie zum Angriff zu reizen. Keine Reaktion. Ich bin zu weit weg, ein Anfängerfehler. Ein weiterer häufiger Anfängerfehler wäre aber, nach ein paar Fehlversuchen zu forsch zu Werke zu gehen und die unsichtbare Linie zu übertreten, die das Gebiet des Tiers markiert. Dieses Überschreiten wird meist mit einem sofortigen Angriff bestraft, der oft ungemütlich endet, weil der Anfänger weder sein Tuch in Position gebracht hat noch geistig vorbereitet war und in Panik zur Seite oder nach hinten ausweicht, was alles noch viel schlimmer macht, weil das Tier nun genau in die taumelnde Masse aus Mensch und Tuch rennt. Die richtige Reaktion wäre ein Schritt in den Angriff hinein, das Tuch vor dem Körper, um das folgenden Tier mit dem Tuch um den Mann zu führen, statt in ihn hinein.

Also schaue ich der Kuh nun in die Augen und versuche bei langsamem Vorwärtstasten an ihrem Blick abzulesen, wann ich ihre Grenze erreiche. Sie blinzelt und bewegt ganz leicht den Kopf, viel undramatischer als die schnaubenden und mit dem Huf scharrenden Bullen in “Bugs Bunny”-Cartoons. Also noch mal, “He!” und das Tuch rausgehalten. Sie stürmt los und ist schon vorbei, offenbar habe ich etwas richtig gemacht, obwohl es zu schnell ging, als das ich mich daran erinnern könnte: Das Tempo des Tuches hat sich dem Tempo des Angriffs angepasst. Die matadores nennen diesen Effekt “templar”: das Tuch folgt dem Stier, auch wenn es anders ausieht. Der Angriff verlangsamt sich nicht auf das vom matador vorgegebene Tempo, selbst wenn manche Fans ihren Helden gerne solche Fertigkeiten zusprechen. So etwas gelingt eventuell später in der “faena”, wenn der Stier müder geworden ist und auch nur dann, wenn der torero zuvor als vertauensbildende Massnahme das Tempo des Stiers aufgenommen hatte. Wird das Tuch aber anfangs zu langsam bewegt, feuert der Stier es mit Kopfstössen durch die Gegend, frustriert vom Fehlen eines festen Wiederstandes. Dabei soll der Drang nach einem solchen Wiederstand ihn motivieren, konstant und stetig anzugreifen.

Was mir dagegen nicht gelingt, ist das unmittelbare Wenden des Stiers für den nächsten Angriff. Zum Glück, ich bin nämlich so verwirrt, dass ich dem Tier noch nachsehe und gar nicht parat stünde, wenn es schon wieder käme. Aus den burladeros höre ich aufmunternde Rufe, während ich die fehlenden drei oder vier Schritte auf die Kuh zugehe. “Muy bien, torero”, “despacito”, “bajo la mano”... (langsam, halte die Hand unten).

Ein derechazo von Dominik
Die nächsten drei derechazos führen zu lauten “Oles”, auch von den Rängen, wo inzwischen der ganadero mit ein paar Freunden über die Gringos lachen will. Trotz der Verbindung von drei “pases” in Folge misslingt das Umschalten auf den abschließenden “pase de pecho” und die Kuh erwischt mich mit ihrer Stirn am Schienbein, die kleinen Hörner gehen zwar links und rechts am Bein vorbei, aber ich gehe schon wieder zu Boden.

Danach gelingen zwei Serien “naturales” über das einfachere, linke Horn. Der “pase de pecho” gerät allerdings zu hektisch und die Kuh dreht auf kleinstem Raum um, weil sie auf einmal ohne Tuch und mithin ohne Ziel dasteht – und wieder lande ich im Staub. Der letzte “pase de pecho” gelingt allerdings hervorragend.
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Siehe auch:
Ein zeitloses Geschenk aus jener Stunde in México von Dominik Sachsenheimer
Viva México! (2. Teil)


Samstag, 23. März 2013

Zur corrida in Málaga ein Lichteranzug von Pablo Picasso




von Philip de Málaga


Jiménez Fortes trägt einen Anzug von Luis Miguel Dominguín
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(Foto: Hoy.es)
Am 30. März findet in der Malagueta die fünfte corrida picassiana statt. Diesmal mit nur einem maestro, dem matador de toros Jiménez Fortes. Als traje de luces hat er eine Kopie gewählt, die der matador de toros  Luis Miguel Dominguín (1925 - 1996) im Jahr 1971 zu seine reaparición trug. Dieser Anzug wurde von dem in Málaga geborenen Künstler Pablo Picasso speziell für diesen maestro entworfen. Picasso kreierte während seines Lebens drei traje de luces.

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Siehe auch: 
"Ich setze mein Leben aufs Spiel um 500 Familien zu helfen!"
Stierkampf in Málaga

Samstag 30. März 2013, 18:00 Uhr
in der plaza de toros von Málaga
mit dem matador de toros Jiménez Fortes
und den toros von Juan Pedro DomecqLola Domecq (El Torero)Nuñez del CuvilloGarcigrande, El Pilar und Jandilla
(Die entradas kosten zwischen 7 und 70 Euro)

Freitag, 22. März 2013

You Tube zensiert die toros




von Philip de Málaga


Seit dieser Woche erlaubt You Tube bestimmte Videos der toros nicht mehr
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Solche Videos sind weiterhin zugelassen.
Es kam völlig überraschend. Das Internet-Videoportal You Tube mit Sitz in Kalifornien hat diese Woche begonnen, gewalttätige Videos aus der mundo de los toros zu zensieren. Dazu gehören vor allem die suerte de varas und die suerte de matar. Dagegen dürfen Manöver mit der capa und der muleta also die quites und die faena selbst weiterhin gezeigt werden. So wurde diese Woche ohne Ankündigung der Videokanal mit taurinischem Inhalt von Pablo López Rioboo gelöscht. Das amerikanische Unternehmen teilte mit, sie hätten das Recht jedes unerwünschte Video zu entfernen. Dabei verglichen sie die toros mit Drogenkonsum und der Herstellung von Bomben. Ein höchst fragwürdiger Vergleich.

Da stellt sich natürlich die Frage, wem ist eigentlich damit geholfen? Die aficionados sind darüber nur erstaunt. Ein soziales Netzwerk extra für die toros entsteht gerade in Sevilla vielleicht haben wir ja bald die TAURO VIDEOS. Und können die antitaurinos dieses als einen Sieg für sich verbuchen? Als einen erfolgreichen Schlag gegen die tauromaquia? Wohl kaum, denn auch für sie gilt, sie können die fast immer zusammengeschnittenen und gewollt brutalen wie provozierenden Filme ebenfalls nicht mehr bei You Tube einstellen.

Und es gibt noch eine Frage! Ist das überhaupt verfassungskonform? Kann ein amerikanisches Unternehmen was auch in Spanien und Frankreich sein Geld verdient, etwas verbieten, was zum einen in der Verfassung verankert ist und zum anderen bei den französischen Nachbarn (und bald auf der iberischen Halbinsel) zum nationalen Kulturgut deklariert ist?

"Ich setzte mein Leben aufs Spiel um 500 Familien zu helfen!"

Donnerstag, 21. März 2013

Morante bester Torero bei den Fallas in Valencia




von Philip de Málaga


Die afición ist sich einig! 
Der Boheme aus Andalusien war der beste matador de toros in Valencia!
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(Foto: mundotoro)
Auf der Facebookseite des wohl wichtigsten Internetportals in Sachen tauromaquiamundotoro.com ist man sich einig. Morante de la Puebla wurde mit 55 Prozent zum  besten matador de toros bei der feria taurina, den Fallas von Valencia gewählt. Daniel Luque, der bei der selben corrida mit drei orejas triumphieren konnte kam auf 11 Prozent. An dritter Stelle findet sich der matador de toros Ivan Fandiño mit 10 Prozent. Auch das Teram von SfA ist sich einig. Morantes Auftritt in Valencia war gewiss etwas ganz Besonderes.

Und sie sagen keiner geht mehr zu den Stierkämpfen ...

Sevilla heute. Eine Menschenschlange um entradas zu erwerben.

(Foto: mundotoro)

Valencia - die letzte corrida



von Philip de Málaga
und Colin Ernst


Über die unterschiedliche Betrachtungsweise der letzten toros in Valencia
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Gestern hat mich ein Mail erreicht wo man feststellte, dass einige ausländische aficionados wohl auf einem anderen Level seien. Da lesen wir zum Beispiel im Spanienforum, dass am letzten großen Tag der corridas von Valencia der matador de toros Daniel Luque die matadores Enrique Ponce und Morante de la Puebla locker in die Tasche gesteckt hätte. War das wirklich so?

Morante de la Puebla
Was geschieht eigentlich im ruedo? In erster Linie das Zusammenspiel zwischen den toros und den toreros. Dabei sind es die magischen Momente die die afición in den Bann ziehen. So war es definitiv bei Morante de la Puebla. Bei seinem ersten toro lief er geradezu vor ihm weg um nicht erwischt zu werden. Und mal ehrlich, ein matador der toros, der vor seinem toro weglaufen könnte, da ist man doch geneigt dazu an Morante zu denken. Und schliesslich wurde er am Fuss verwundet, doch nicht durch den toro, sondern er selbst hat sich den Degen in den Körper gerammt. Das passt in das Bild des Boheme. Dann kam sein zweiter toro. Die capa wurde nicht geführt, nein wie aus Geisterhand schwebte sie durch die Luft. Sie glitt durch den Raum, hielt den Atem der afición an. Von Zauberei sprach man in einem spanischen Blog und Torodora Gorges nennt es ein Stelldichein mit dem duende. Auch die Arbeit mit der muleta, man konnte richtig erkennen, der matador war in seinem Element. Berauschende Momente, Harmonie, Eleganz und die größte spanische Tageszeitung EL PAIS sprach von Apotheose. Doch mit der estocada wollte es nicht gelingen, aber die tendidos feierten ihn mit einer frenetischen vuelta al ruedo.

Enrique Ponce hatte extremes Pech mit seinem lote und wenn nicht einmal er etwas aus den toros herausholen kann spricht das nicht gerade für die Zucht. Aber letztendlich scheiterte er auch beim zweiten toro an der estocada, wo er immerhin eine überzeugende faena darbringen konnte. 

Daniel Luque hatte ohne Frage das beste lote. Und er nutzte seine Chance. Nicht zu unrecht erhielt er die orejas. Doch was ihm fehlte war eben dieses duende, jenes bohemische Gefühl von Eleganz und Kunst, seine muleta schwebte eben nicht sondern wurde technisch geführt.

Aber wie schon oben erwähnt, die corrida lebt von dem Zusammenspielt zwischen den toros und den toreros. Wie nun die toros zu sehen sind, lesen Sie den Bericht von Colin Ernst:

Morante und Ponce sind meine Helden (y Padilla) und ich habe sie schon oft wesentlich besser erlebt, mit guten toros. Das was Domecq und Parladé da in Valencia gebracht haben war eine Beleidigung für die toreros und für das Publikum. Ponces Gesicht bei seinem ersten toro sprach Bände (aber im Interview hat er das mit einer Pfütze entschuldigt ... damit Don Juan Pedro  Domecq nicht beleidigt ist). Da ich mich auch mit den ganaderías beschäftige, bin ich kein allzu großer Fan von Domecq mehr, denn die schwächeln oft. Wenn der maestro Enrique Ponce mit all seinem Können, mit einem toro nix mehr anfangen kann und in sechs bis sieben Minuten mit ihm fertig ist - spricht das Bände. Der zweite toro (Morante) ging nach dem Pferd zurück (da sind die Domecqs gut) und dann war der Parladé auch schon unter zehn Minuten fertig, weil der keine Figuren erlaubte. Luque hatte einen etwas besseren Domecq bekommen, den er mit guter Führung, denn er liess ihm immer wieder Zeit zum verschnaufen, gut hinbekommen hat. Der zweite toro von Ponce... naja, da konnte er immerhin ein Drittel seines Repertoire zeigen, genauso wie Morantes zweiter toro der wenigstens etwas capa y muletaarbeit zuließ. Den sechsten toro haben sie gleich wieder entlassen, Hinterhandfehler (das doch eigentlich der veterinario schon vorher hätten sehen müssen ... der ganadero gehört gesteinigt, das arme Vieh dahin zu karren). 

Ich verzeihe eine schlechte estocada selten, aber einen überfütterten fetten toro, mit Gebäudemängeln und Aufzuchtfehlern - aus einer nahmhaften ganadería - das geht gar nicht.

Mittwoch, 20. März 2013

Dienstag, 19. März 2013

Junges Publikum in Valencia




von Philip de Málaga


Durchaus auffallend: Zahlreiche junge Leute in den Rängen der Plaza de toros
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Junges Publikum in den tendidos,
und sie sehen nicht uninteressiert aus.
Wer diese Tage einen Blick über die tendidos der plaza de toros von Valencia werfen konnte, dem werden sicherlich die große Zahl der jungen Zuschauer aufgefallen sein. Auch der matador de toros Juan José Padilla sah die vielen jungen Menschen in den tendidos und widmete vor allem gerade ihnen einen toro. Eine besondere Geste die beim jungen Publikum bestens ankam. Sie sassen nicht nur einfach da, sondern zeigten Begeisterung und Emotionen. Wie es den Anschein hat, beginnen wieder junge Menschen sich für die tauromaquia zu interessieren. 

Juan José Padilla (ovación und oreja)

Montag, 18. März 2013

Valencia: Vorbereitung auf höchstem Niveau!




von Philip de Málaga


Um dem grossen Andrang des Publikums gerecht zu werden bereiten sich die Toreros besonders intensiv vor
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Die Plaza de toros von Valencia füllt sich nun fast täglich bis zum Rande der obersten bandera. Besonders die corridas heute und am Mittwoch sind in das Visier der aficionados geraten. Ein Grund mehr für die matadores de toros sich dementsprechend vorzubereiten. 

Juan José Padilla (Foto: mundotoro)
Heute erwartet man gewiss vor einer vollen Kulisse den Piraten mit den toros von Jandilla. Juan José Padilla mit der Augenklappe. Im campo bestätigte der maestro dass er sich in einer sehr guten Kondition befindet. Obwohl er vor wenigen Tagen operiert worden ist bringt er ziemlich überzeugend von sich: "Ich konnte feststellen, dass ich physisch gesehen zu 100 Prozent in Form bin, und meine Technik wird mir von grossem Nutzen sein. Ich reise mit einem starken Glauben nach Valencia um den toreo zu spüren." Heute wird er mit El Cid und Miguel Ángel Perrera zu sehen sein.

Enrique Ponce (Foto: mundotoro)
Auch der lokale matador de toros Enrique Ponce bereitete sich ziemlich sorgfältig vor. Ebenfalls im campo stellte er sich zunächst einigen vacas und schliesslich einem toro. Die Anwesenden waren begeistert eine faena zu sehen mit dermassen vielem Einfühlungsvermögen. Im Vorfeld übte er sich mit einigen reses von verschiedenen ganaderías.  Unter anderem mit der Zucht von Garcigrande, die in Valencia für ein No hay billetes sorgte. Der maestro tritt am klassischen Tag in Valencia, am Mittwoch den 19. März um 17 Uhr mit Morante de la Puebla und Daniel Luque an.

Sonntag, 17. März 2013

Wer Morante nicht gesehen hat, hat Sevilla nicht gesehen




von Philip de Málaga


Mit einem Torero wird weltweit führ Sevilla und den Stierkampf geworben
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Der matador de toros Morante de la Puebla
(Foto: mundotoro)
Das britische Unternehmen City Sightseeing Worldwide wirbt in ihrer nächsten Kampagne für Sevilla mit dem matador de toros Morante de la Puebla. Mit dem Slogan "Si no has visto Morante, no has visto Sevilla" soll vor allem in London, Moskau, Dubai, Singapur und andere großen Städten die tauromaquia und vor allem die feria taurina im April in der andalusischen Hauptstadt beworben werden. Auf diese Weise möchte man einem nichtspanischen Publikum das toreo und die La Maestranza näher bringen.

Samstag, 16. März 2013

Und sie sagen keiner geht mehr zu den Stierkämpfen . . .




von Philip de Málaga


Heute in Valencia, Samstag den 16. März 2013 - AUSVERKAUFT!
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16.851 Zuschauer!

Auf dem Internetportal RTV Toros kann man die corridas in Valencia live mit verfolgen.

Stierkampf in Málaga

 

Sechs toros und ein torero! Ab heute beginnt der Kartenvorverkauf in der Malagueta. Zwei weitere Verkaufsstellen befinden sich auf der Plaza Marina und auf der Plaza de la Constitución. Der neue empresario Cutiño überraschte die afición mit günstigen Eintrittspreisen für die mittlerweile fünfte corrida de picassiana in der Geburtsstadt von Pablo Picasso welche sich zwischen 7 und 70 Euro bewegen. Die Erlöse von diesem Benefizstierkampf werden der Fundación Corinto gespendet.

Donnerstag, 14. März 2013

Begegnung mit den toros (6. Teil)

Sanlúcar, der Toreronachwuchs zeigt sein können
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von Colin Ernst 

Am frühen Morgen verabschieden wir uns von der Stadt Manoletes, die Fahrt zum Bahnhof führt an der Villa des "Califen von Córdoba", Manolete, vorbei. Immernoch hängen die Wolken tief über der Sierra Morena und während der Zugfahrt schüttet es wie aus Kübeln...

Ob Carmelo, der empresario der plaza de toros von Sanlúcar es geschafft hat, das ruedo trocken zu bekommen? Angekommen am Busbahnhof, frage ich einen Sanluqueño, ob es geregnet hat... Ja, aber nicht viel, antwortet dieser. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Es sind noch drei Stunden Zeit, bis zur corrida, also noch Zeit für Manzanilla und Tapas im Balbino. Wir sind nicht die Einzigen, die sich dort in der Bar die Wartezeit verkürzen. Mich "plagt" ein Ohrwurm, der pase doble von Manolete hängt mir nach. Ich liebe diese Musik und jeder namhafte torero hat seinen eigenen pase doble. Ein Bekannter hat mir den, eigens, für meinen Freund Román (novillero valenciano), komponierten pase doble geschickt. Román hatte gestern einen großen Auftritt bei den Fallas in Valencia, wo er eine sehr gute Vorstellung mit seinem ersten Stier bot. Leider hat er sich bei dem zweiten den Arm ausgekugelt und konnte nicht weiterkämpfen. Diese Nachricht erreichte uns gestern, während der corrida in Córdoba. So kann es gehen, grade noch auf dem Olymp, dann in der enfemería und aus der Traum von Glanz und Gloria. Ich hoffe das die Türe der enfermeria in Sanlúcar heute geschlossen bleibt.

Gegen halb fünf erreichen wir den Coso del Pinar, ein munteres Völkchen hat sich eingefunden, um den Stierkampflehrlingen, fast alle aus Sanlúcar, beizustehen. Ich erstehe ein Sitzkissen, das alte liegt noch im Coso de Califas, in Córdoba... Die plaza ist fast zu drei Viertel voll, die Stimmung ist super, man kennt sich. In der Mitte des ruedos hat ein Künstler den Sand eingefärbt, "GRACIAS", "DANKE" steht dort, denn der Erlöß geht an Behinderte. Überhaupt, steht dieses Motto im Vordergrund. Eine Gruppe von Menschen mit Downsyndrom und anderen Behinderungen kommt in die Mitte der Arena, eine Sprecherin dankt denen, die dieses Event möglich machten. Es ist rührend zu sehen, wie sich diese Menschen freuen, dort zu sein. Die novilleros werden angekündigt : 

José Ruben Franco
aus Sanlúcar
Eloy Hilario "El Algaideno"
aus Sanlúcar
Fernando González
aus Utrera
Juan de Castilla 
aus Kolumbien
Sergio Salas "El Pijorro" 
aus Sanlúcar
Alejandro Jurado 
aus Sanlúcar


Es ist eine novillada sin picadores, also ohne Pferde, wie sie alle novilleros in ihrer Anfangsphase bestreiten. Auch heute tragen die Protagonisten die schlichte traje corto.

Der erste Stier kommt flott aus dem toril und galoppiert auf die capa schwingenden banderilleros zu. Wir kennen fast alle Beteidigten und sind gespannt, wie sie ihre Aufgaben meistern. Franco überrascht mich. Nach einem kleinen Schnitzer mit der capa, bietet er eine gute, komplete Vorstellung und tötet den novillo mit einer guten estocada entera. Das sah im Training nicht so aus, er ist besser, als erwartet. Der Präsident lässt sich nicht bitten, zwei orejas für den ersten Aspiranten. Begleitet vom Applaus, nimmt er die Trophäehen aus der Hand der Behinderten entgegen und dreht strahlend mit ihnen seine Ehrenrunde.

Eloy
Nun ist es an Eloy "El Algaideno", dies zu toppen. Auf den Knien empfängt er seinen novillo, ein besonders gutes Exemplar, welches nichts zu wünschen übrig lässt. Seine faena sieht recht gut aus und er kommt super an, beim Publikum. Irgendwie erinnert mich seine Art an Juan Padilla... Auch er setzt seine banderillas selbst, und das sehr gut - Die Zuschauer holt es von den Sitzen, meine Kamera leider auch. Bei der muletaarbeit merkt man, das ihm der Stier liegt, er scheint gar nicht aufhören zu wollen, mit seinem Tanz mit diesem novillo. Sein erster Versuch mit der estocada geht allerdings daneben, der zweite Versuch sitzt. Das Publikum fordert energisch das zweite oreja, welches der Präsident ihm zögernt gewährt. Sein Lächeln erreicht die oberen Ränge, als er mit seinen behinderten Freunden die Ehrenrunde dreht. Sogar ein Huhn wird ihm zugeworfen! 

Der drittjüngste novillero Fernando González hat zwar auch einen guten novillo bekommen, kann aber das Gelernte nicht so umsetzen und man sieht deutlich, das er noch mehr Praxis braucht. Aber auch er bekommt ein oreja zugesprochen, was seiner Arbeit entspricht. Ich bin überrascht, wie gut die Stiere sind. Bei novilladas sieht man oft wesendlich schlechtere. Diese hier, aus der ganadería "El Torero", bei Cádiz, haben zwar einige Gebäudefehler, fallen aber nicht auf die Vorderbeine und sind ehrlich und angriffslustig. Der von Eloy bekam sogar eine vuelta al ruedo.

Es ist "Halbzeit" und eine Gruppe der heutigen Ehrengäste kommt in die Mitte der plaza, begleitet, unter frenetischem Aplaus, vom maestro Juan Padilla. Wiedermal nimmt er sich Zeit, um eine gute Sache zu unterstützen. Der matador de toros aus Sanlúcar ist schlicht gekleidet und verschwindet unauffällig auf einen balcón, er will niemandem die Show stehlen.

Juan de Castilla
Nun kommt der kolumbianische novillero Juan de Castilla zum Zug, der mir im Trainig auch schon aufgefallen ist. Selten sieht man einen Nachwuchstorero so perfekt arbeiten. Ohne Schnörkel, aber sauber in seinen muletazos, eng am Stier, ein ganzes Reportoire abarbeitend. Die Olé-Rufe werden lauter und lauter, seine naturales sind sehenswert. Und sein Stier ist besonders gut, folgt dem kleinsten Zucken des Handgelenks mit der muleta. Ich bin beeindruckt von beiden, so klasse waren die Exemplare in Córdoba nicht. Auch die estocada ist wie gemalt. Der junge Mann hat die Arena erobert, Zwei orejas werden ohne Zögern gewährt, und die Rabo-Rabo-Rufe hallen durch die plaza. Nach kurzem Zögern zückt der Präsident das blaue Tuch!!! Und noch ein Tuch wird über die Balkonbrüstung geschwungen, ein kleineres weißes, vuelta al ruedo für diesen sehr guten toro bravo. Bei seiner Ehrenrunde bleibt er vor einem burladero stehen, fordert jemanden auf, in die Arena zu kommen... es ist Ivan Fandiño! Anscheinend ist de Castilla sein Schützling, welch Glück für ihn. Fandiño unterstützt übrigends auch, zusammen mit David Mora, eine Initiative von Juan Padilla, die eine corrida in Madrid austragen werden, zu Gunsten von "El Chano", einem der nach einem unglücklichen Stierkampf im Rollstuhl sitzt. Mit den Erlösen sollen auch andere, die ähnliches Unglück erlitten haben, unterstützt werden. 

Sergio Salas
Als nächstes ist Sergio Salas an der Reihe. Ihm wurde der Stier zugelost, den ich als gefährlich eingestuft hatte, als die ganadería sie im Lokalfernsehn vorstellte. Ein novillo, der unruhig hin und her schaut und dessen Hörner in verschiedene Richtungen zeigen. Sergio wirft seinen Cordobeshut Padilla zu - "Va por usted" (Ich widme diesen Stier Ihnen). Alle Aufmerksamkeit ist beim maestro, keiner schaut auf den Stier, der sich grade sein Opfer sucht. Auch die banderilleros, die eigendlich den torero schützen sollen, sind abgelenkt und schon ist es passiert! Der novillo erwischt Sergio frontal! Endlose Sekunden liegt er am Boden, aber dann steht der Junge aus Sanlúcar wieder auf. Es ist keine cornada, Gott sei Dank, aber die Wucht des Aufpralls könnten Rippenbrüche zur Folge haben. Nun zeigt sich, aus welchem Holz der novillero geschnitzt ist... "El Pijorro" ist hart im Nehmen. Nachdem er wieder Luft bekommt, bearbeitet er den launigen Stier recht gut. Dieser, einmal an den Mann gekommen, macht es ihm nicht einfach. Besonders bei dem Platzieren für die estocada, steht er nicht still, sondern greift immer wieder an. Mit diesem Tier hätte auch ein gestandener matador so seine liebe Mühe gehabt. Aber am Ende fällt auch dieses Exemplar der ganadería "El torero" und das einheimische Publikum fordert orejas. Eines, für die respektable faena, das zweite für den Mut. Sie werden ihm gewährt.

Der Letzte im Bunde ist der jüngste und kleinste novillero, Alejandro Jurado. Auch dieser Stier ist angriffslustig und erlaubt dem jungen Sanluqueño eine gute faena. Besonders mit der muleta sieht er sehr gut aus. Leider sieht ihn die Mehrzahl des Publikums nicht, denn es fallen dicke Regentropfen. Die Andalusier sind nicht an Regen gewöhnt, so scheint es, denn alles stürmt auf die überdachten Ränge. Mich freut es, denn so habe ich endlich einen Platz in der ersten Reihe. Jurado ist sehr gut, den Regen bemerkt er gar nicht und er zeigt einige sehr gute pases, die mir im Gedächnis bleiben werden. Auch ohne die Unterstützung des wasserscheuen Publikums, bekommt er zwei orejas, was seiner Arbeit entsprechen. Mich hat er überzeugt und ich wünsche ihm, das er noch mehr Kämpfe bekommt um sein Können zu zeigen.

Die Besucher suchen schnell das Weite, Regen ist nicht so ihr Ding. Wir sind mit die Letzten, die den coso verlassen. Draussen steht der Transporter für die Mulis, die die Stiere aus der Arena ziehen und wir sehen die Autos, in denen die Helden dieses Spektakels sitzen. Uns machen die Regentropfen nichts aus, nicht mehr, nachdem wir eine Woche lang jede Wolke argwöhnisch beobachtet haben. Meine Freunde, die extra aus Deutschland angereist sind, um diese beiden corridas zu sehen, sind hoch zufrieden. Wir haben die besten Stierkämpfer des Landes live gesehen, eine wirklich tolle novillada, richtig gute Stiere - was will ein aficionado mehr?

Mittwoch, 13. März 2013

Toros in Katalonien




von Philip de Málaga


Minister Wert überlässt die Entscheidung dem obersten Verfassungsgericht
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Ignacio Wert (Foto: mundotoro)
In einem Interview äusserte sich der Minister für Erziehung, Kultur und Sport Ignacio Wert, dass er letztendlich die Endscheidung, ob es wieder Stierkämpfe in Katalonien geben soll, dem obersten spanischen Verfassungsgericht überlassen werde. Zwar würde das Vorrangehen der ILP, also die toros zum nationalen Kulturgut deklarieren zu lassen, die Sache positiv beeinflussen, aber grundsätzlich müsse geklärt werden, ob das katalanische Parlament sich selbstständig über eine nationale Entscheidung einfach hinwegsetzen kann.