Samstag, 8. März 2014

Das erste Mal (4. Teil)

HINWEIS: Die blau-kursiven spanischen Fach-Begriffe
sind mit dem deutschsprachigen Lexikon des Stierkampfs verlinkt.

Wer das erste Mal einen Stierkampf besucht sollte gewisse Punkte bedenken

4. Teil: Der Einmarsch der Toreros
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von Philip de Málaga

Pünktlich eröffnet der presidente die corrida, und wedelt das erste Mal mit dem weissen pañuelo. Die banda taurina lässt einen paso doble erklingen, die corrida kann beginnen. 

Relativ selten kommt es vor, dass eine Verspätung eintritt. Dann geht ein leichtes Raunen durch die tendidos und das Publikum fordert durch rhythmisches Klatschen den Präsidenten auf, die corrida doch bitte pünktlich zu eröffnen. Toreros übrigens sind per Vertrag und nach dem reglamento taurino (Artikel 68, Absatz 2) dazu verpflichtet, mindestens fünfzehn Minuten vor Beginn der Veranstaltung in der plaza de toros einzutreffen um die Pünktlichkeit zu gewährleisten.

Die puerta grande öffnet sich, auch die Pforte in der roten barrera und zwei schwarz bekleidete Reiter kommen in das ruedo. Die alguaciles, die so genannten Gerichtsdiener die dem Präsidenten unterstellt sind. Deren erste Aufgabe besteht darin, zu überprüfen, ob das ruedo frei ist für den paseillo, bzw. diesen frei zu machen. Danach durchqueren sie das ruedo zum Präsidenten und bitten ihn mit einem Handzeichen das Tor für den paseillo freizugeben. Das schwarze Kostüm findet seine Ursprünge in der Zeit von König Philipp II von Spanien (1527 - 1598).

Alguaciles (Foto: Boris Kahl)
Gefolgt werden die alguaciles von den matadores. Diese betreten das ruedo bis zur äusseren weissen Linie, bleiben stehen und grüssen das Publikum. Der rechte maestro ist der Dienstälteste matador, links steht der zweitälteste und in der Mitte der jüngste matador.

Die matadores grüssen das Publikum
Hinter den matadores folgen die banderilleros. In der ersten Reihe die drei banderilleros vom Dienstältesten matador, in der zweiten Reihe von zweitältesten und in der dritten Reihen vom jüngsten. 

Hinter den matadores folgen die banderilleros (Foto: A. Hervas)
Nach den banderilleros betreten die picadores auf ihren Rössern das Geschehen. In der selben Reihenfolge wie die banderilleros. In der ersten Reihe die zwei picadores vom Dienstältesten matador, in der zweiten Reihe von zweitältesten und in der dritten Reihen vom jüngsten. 
Die picadores
Hinter den picadores kommen die monosabios mit ihren roten Hemden. Dabei handelt es sich um die Helfer der picadores. Gefolgt werden sie von den areneros, jene Leute die zwischen den Kämpfen den Sand im ruedo wieder in Ordnung bringen.

In rot die monosabios und in weiss die areneros
Das Ende des Einzugs bilden die mulilleros mit ihren mulillas.


Alle begeben sich Richtung der Loge des Präsidenten und grüssen ihn. Danach verlassen alle, ausser den matadores und banderilleros das ruedo. Und die toreros machen sich ein wenig mit der capa warm.


Dabei achte man auf die schwarzen Reiter, die alguaciles. Diese begeben sich an die barrera, wo sich die Loge des presidentes befindet. Dort nehmen sie symbolisch den Schlüssel in Empfang, den llave de toril, mit welchem man das Tor zu den Stieren öffnet. Mit jenem durchqueren sie das ruedo und geben diesen am toril dem torilero.


Damit ist nun alles vorbereitet und die corrida mit den toros, der muerte en la tarde, der Tod am Nachmittag kann nun beginnen. 


Für den amerikanischen Schriftsteller Ernest Hemingway war der paseillo von geringer Bedeutung. In seinem erklärendem Spezialverzeichnis über taurinische Fachbegriffe findet der paseillo keine Erwähnung.

- Fortsetzung folgt

© Philip de Málaga

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Die Serie für Neueinsteiger bei SfA:

Freitag, 7. März 2014

Sanlúcar (2. Teil)

Wieder auf den Spuren der toros . . .
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von Colin Ernst


Während unseres Aufenthaltes in Sanlúcar de Barrameda kommen wir natürlich nicht an einem Besuch in El Puerto de Santa María vorbei. Wie immer geht es zuerst zur Arena, die, wie wir etwas verblüfft feststellen, für Besucher geöffnet ist. Die historische plaza ist zur Zeit gewissermaßen herrenlos. Der letzte empresario hat sie arg vernachlässigt und zu den neuen , horrenden Bedingungen fand sich bisher kein neuer Manager. Ein kurzer Blick in das so genannte museo taurino lässt mir die Haare zu Berge stehen. Einer von den Stierköpfen ist mittlerweile so verrottet, das ihm das Fell in Fetzen herunterhängt. Am liebsten würde ich den Verantwortlichen mit diesem erschlagen! 

"Es grünt so grün wenn Spaniens Blüten blühen ..."
Schnell suche ich das ruedo der Arena auf, ich muss mich beruhigen. Auch in diesem Jahr hätte eine Ziege ihre Freude, angesichts der begrünten Fläche. Wir machen Witze, das der toro wahrscheinlich anfängt zu grasen, während er auf die picadores warten muss. Aber eigentlich ist mir nicht zum Lachen zu Mute. Auf den tendidos schleifen zwei Arbeiter die Sitzplatznummern ab, während es bestimmt sinnvoller wäre, wenn sie die morschen Bretter der tablas, burladeros und estribos austauschen würden und Unkraut rupfen. 


Wir sind allein in der Arena und drehen unsere Runde. Meine Mutter quetscht sich in einen burladero. Man glaubt nicht, wie eng diese sind. Wir fragen uns augenzwinkernd, wie Morante da hinein passt. Die meisten toreros sind schlank, so schlüpfen sie, selbst in brenzlichen Situationen schnell dort hinein. Curro Romero würde es heute bestimmt nicht mehr schaffen. 

Die Autorin an der barrera.
Ich gehe in die Mitte der plaza, lasse ihre Grösse auf mich wirken. Wie mag sich ein Debütant hier fühlen? Geht es ihm wie mir, das er die Ränge vergisst. Ich hatte in diesem Moment große Lust, mit meiner capa ein paar Schwünge auszuführen und bin versucht, dies mit meiner Jacke zu tun. In der Mitte ist ein Sandstück, frei von Grünfutter, hier sieht man, das die Schüler der escuela taurina des maestros Galloso üben. Im Sand sind, wie Pinseleien, die Schleifspuren der capas und muletas zu sehen. 

Eine plaza de toros aus dem Jahr 1880
Ich drehe noch eine Runde, eine historische Runde, auf den Spuren der berühmten toreros, die über diesen Sand geschritten sind. JoselitoEl Gallo“, Morantes Blut ist hier im Sand versickert, José Tomás hat genau hinter diesem burladero gestanden und ist durch diese puerta grande auf den Schultern hinausgetragen worden. Für einen aficionado wie mich, haben all dies Dinge eine Bedeutung, für die Touristengruppe, welche vor uns kurz hereinschaute, nur eine Arena…

Donnerstag, 6. März 2014

Früh übt sich ...

... oder man hat das toreo schon im Blut.

Der matador der toros Saúl Jiménez Fortes in jungen Jahren:

(Foto: Verónica Jiménez Fortes)

Dienstag, 4. März 2014

Und sie sagen, keiner gehe mehr zu den Stierkämpfen ...




von Philip de Málaga


Grosser Andrang in Valencia ... 
Weit mehr als 60 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr
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Rund um die plaza de toros von Valencia ging gestern die Menschenschlange, die darauf wartete entradas sueltas für die Las Fallas zu ergattern. Der Andrang war überwältigend. Schon seit der Nacht zum Montag bezogen aficionados Stellung um entradas zu erwerben. 

(Foto: mundotoro)
Laut der Veranstalter hat sich das Interesse für den Erwerb von entradas sueltas in Valencia im Vergleich zum vergangenen Jahr verdreifacht. Dieses Jahr wird es im coso von Valencia sicherlich einige No hay billetes geben. Der Höhepunkt wird sicherlich der 19. März sein: 8toros8 für die maestros Enrique Ponce, Morante de la Puebla, El Juli und José María Manzanares. Ein cartel von dem Sevilla nur träumen kann.


Montag, 3. März 2014

Das erste Mal (3. Teil)

HINWEIS: Die blau-kursiven spanischen Fach-Begriffe
sind mit dem deutschsprachigen Lexikon des Stierkampfs verlinkt.

Wer das erste Mal einen Stierkampf besucht sollte gewisse Punkte bedenken

3. Teil: Der Präsident
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von Philip de Málaga



Neben den matadores ist er einer der wichtigsten Personen bei einer corrida. Allein schon deswegen weil er verantwortlich für den Ablauf dieser Veranstaltung ist und letztendlich die Leistung der toreros und toros bewertet. Er bestimmt wann was zu geschehen hat, er zeigt an, wann die tercios gewechselt werden und schliesslich ist es auch er, wer über den Erfolg der matadores entscheidet.

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"Der Präsident ist jene Autorität, 
welche das espectáculo leitet, 
für den normalen Ablauf verantwortlich ist 
und dementsprechend handeln muss."

Reglamento Taurino, Artikel 37

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Unterstützt wird der presidente von zwei Beratern, den asesores. Da ist zunächst einmal , auf der rechten Seite des presidente, der veterinario, also der Tierarzt, welcher ihn vor allem bei der Bewertung und Analyse der toros unterstützen soll. Auf der anderen Seite, links vom Präsidenten nimmt der asesor artístico Platz. In der Regel ein ehemaliger torero, dessen Aufgabe es ist, zum einen die Leistung der toreros zu bewerten und zum anderen das reglamento taurino zu interpretieren bzw. dem Präsidenten zu vermitteln. Die asesores haben keine Entscheidungsbefugnis, sondern lediglich eine beratende Funktion.

Der presidente und seine beiden asesores
Die Präsidentenloge befindet sich auf der Schattenseite unterhalb der spanischen Flagge, meisten gegenüber von der puerta grande. Von dort leitet er das Geschehen mit den so genannten pañuelos, den farbigen Taschentüchern. 

Die presidentes geben ein Zeichen
Jedes Tuch hat seine eigene Bedeutung, sobald es angezeigt wird:

WEISS:
GRÜN:
BLAU:
ORANGE:
ROT:
SCHWARZ:
  • Banderillas mit Feuer; Brauch aus der Vergangenheit. Kommt heute nicht mehr zum Einsatz.

- Fortsetzung folgt

© Philip de Málaga

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Die Serie für Neueinsteiger bei SfA:

Sonntag, 2. März 2014

Die Capa

HINWEIS: Die blau-kursiven spanischen Fach-Begriffe
sind mit dem deutschsprachigen Lexikon des Stierkampfs verlinkt.

Über den Umhang der toreros
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von Philip de Málaga



Bei einer capa handelt es sich in erster Linie, wirft man ein Blick in einen spanischen Duden, um ein Kleidungsstück ohne Ärmel, um einen Umhang. In der tauromaquia kommt dieser in zweierlei zum Einsatz. Zum einen tragen die toreros eine prunkvoll verzierte capa beim paseillo, also beim Einmarsch zu einer corrida. Jedoch hauptsächlich verwendet man sie als ein instrumento de torear, also ein Werkzeug um mit den toros zu arbeiten, sie zu animieren, zu provozieren, sie dazu bringen bestimmte Stellungen einzunehmen oder Manövern mit der capa Folge zu leisten.


Historisch betrachtet ist die capa wohl das instrumento de torear mit der meisten Tradition. Im Cossío (1) ist zu lesen, dass die capa schon ein Kleidungsstück der caballeros gewesen sei, welche den toros zu Ross begegneten. Erst im Laufe der Zeit wurde jenes Cape auch von den toreros a pie benutzt, wo man sich dann seinen entsprechenden Einsatz für die zahlreichen Manöver anerlernte.

Zahlreiche Namenergänzungen finden sich für die capa, wie unter anderem die capa de torear, oder capa de brega, aber im Grunde genommen meint es dasselbe instrumento. Im Gegensatz dazu der capote, welcher sich ein wenig kleiner gibt und gerade deswegen auch beim paseillo als so genannter capote de lujo getragen wird.

Ursprünglich hatten die capas die Farbe wie heute die muletas, nämlich rot und bestanden aus reiner Baumwolle. Als jedoch die toros diese capas laufend beschädigten, weil sich ihre Hörner stetig in der Wolle verhudelten, kamen andere Materialien wie Seide zum Einsatz. Auch die Zweifarbigkeit entwickelte sich in jener Phase.

Mit dem Umgang der capa beginnt ein jedes festejo taurino. Schon um 1838 schrieb der spanische Schriftsteller Santos López-Pelegrín y Zavala (1801 - 1846), bekannt unter dem Namen Abenamar, dass vor allem das capeo die prinzipielle suerte sei, mit der man am besten glänzen könne, auch deswegen weil sie so zahlreiche Optionen zuliesse (2)

Joselito, ein Meister mit der capa
Der Umgang mit der capa versteht sich als erstes Mittel, den toro kennen zu lernen. Zu erfahren ob und wie er angreift und welche seine bevorzugten Zonen im ruedo sind. Und es ist wohl jene Art, dem Stier etwas vorzumachen, zu versuchen ihn zu täuschen. Im Fachjargon nennt sich das burlar al toro. Und schon in den ältesten Texten über die tauromaquia finden sich Hinweise, dass man mit der capa die toros dazu brachte zu laufen, sich zu bewegen und anzugreifen (3). Dahinter verbirgt sich die List eines toreros die capa, oft auch als engaño bezeichnet Erfolg versprechend einzusetzen.
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Quellennachweise:
(1) COSSÍO, LOS TOROS, Band 4, Espasa Calpe S. A., 2007
(2) EL SEÑORIO DE MOLINA, Herrera Casado, Guadalajara, 1980
(3) EL COSSÍO, LOS TOROS, Band 1, Espasa Calpe S.A., 1996

Samstag, 1. März 2014

Sanlúcar (1. Teil)

Wieder auf den Spuren der toros . . .
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von Colin Ernst


Es ist immer wieder wunderbar, wieder im südandalusichen Sanlúcar de Barrameda (Cádiz) zu sein, der Wiege der toreros. Der maestro Paco Ojeda ist Sanluqueño, auch der matador de toros Juan Padilla lebt hier. Viele toreros, wie José Antonio Blanco, novilleros wie Eloy Hilario, Álvaro Sanlúcar oder El Pijorro, banderilleros wie El Mangui oder Mambru (aus der cuadrilla von Padilla) stammen von hier. Torero zu sein ist hier so normal, wie als Koch oder Lehrer zu arbeiten. 


Eine Atmosphäre in der man sich wohl fühlt, als aficionado. Es gibt ein paar richtige Stierkampfkneipen, mit leckeren tapas und jeder Menge Fotos, man kann in allen Kiosken die Stierkampfzeitschriften bekommen. Klasse! Keiner rümpft die Nase, wenn man diese bei einem Manzanilla auf der Plaza de Cabildo liest. 

An meinem ersten Morgen zieht es mich natürlich in die plaza, den Coso del Pino. Alle sind da und ich werde herzlich begrüßt. Zunächst werde ich über die Neuigkeiten informiert. Eloy Hilario hat einen Auftritt in Utrera, Álvaro Sanlúcar wird beim Wohltätigkeitsfestival zu Ehren von El Mangui einen Auftritt haben, an der Seite von führenden figuras. Stolz weist man mich darauf hin, das Padilla den ersten Rang im escalafón einnimmt. Auch stellt man mich auf die Probe. Wir kommen auf die Fellfarbe der Stiere zu sprechen und man denkt das ein aficionado alemán nicht viel darüber weis. Insgeheim freue ich mich, die Herrschaften verblüfft zu haben, indem ich ihnen den Unterschied zwischen einem cárdeno (schwarz-weis meliert = grau) und einem jabonero (cremefarben) und einem toro castaño con ojo de perdiz (braun mit hellem Augenrand = schlitzäugig) erläutern konnte. Man beginnt mich ernst zu nehmen, was mir ein paar Türen öffnet. 


Am nächsten Morgen werde ich erwartet, Eloy Hilario hat keine Mühe gescheut und überreicht mir die Eintrittskarten für das festejo in Utrera, am 16. März. Die novilleros, Álvaro und Eloy trainieren mit Ernsthaftigkeit, auch an diesem Feiertag, dem Día de Andalucía, dem nationalen andalusischem Feiertag. Da man weiss, dass ich mit Pferden zu tun habe, weist an mich auf die mittags stattfindende Feria de Caballo, der Ausstellung für die Pferde, hin. In Andalusien hängt die Welt der toros eng mit dem der Pferde und dem Flamenco zusammen. So bin ich später nicht überrascht, zahlreiche aficionados, die ich aus der plaza kenne, bei der feria wieder zu sehen. Anlässlich des Todes von dem maestro de Flamenco, Paco de Lucia, wird die Reiterei von seiner Musik begleitet. 


Es wimmelt von Pferden, Eseln, Mulis, geritten oder gefahren, einige in authentischer traje. Es herrscht die typisch ausgelassene Stimmung einer andalusischen fiesta. Gezeigt wird Dressur an der Hand, Doma Vaquera, Kutschen ein, zwei und vierspännig. Applaus im Flamencorythmus.

Freitag, 28. Februar 2014

Wenn die Kirche verbietet . . .

Über die päpstliche Bulle aus dem Jahr 1567
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von Philip de Málaga



Die römisch-katholische Kirche verbietet Stierfeste

Pius V
Immer wieder berufen sich Tierschützer auf Papst Pius V (1504 -1572) und seine bekannte päpstliche Bulle aus dem Jahr 1567, die die Teilnahme an Stierfesten unter Androhung der Exkommunizierung verboten hatte.

Was kaum einer weiß, Pius V war vor seinem päpstlichen Wirken 28 Jahre lang Inquisitor für die Provinzen Como und Bergamo und 3 Jahre lang Großinquisitor der römisch katholischen Kirche. Da fällt es einem wirklich schwer zu glauben, der Papst hätte damals sein Herz für die Stiere entdeckt. Ganz gewiss nicht.

Kirchliche wie politische Interessen prägten seine Entscheidung:

ERSTENS: Was ihn schon damals als Großinquisitor mächtig störte war, dass Philipp II von Spanien (1527 – 1598) die spanische Inquisition als staatliche Organisation in festen Händen hielt, und nicht daran dachte diese Rom zu unterstellen.

ZWEITENS: An solchen Stierfesten kamen nicht selten zahlreiche caballeros ums Leben. Die Kirche konnte nicht akzeptieren, dass die edlen Ritter ihr von Gott geschenktes Leben so einfach dahin warfen. Außerdem fehlten sie dann für die Kriegseinsätze unter christlicher Flagge.

DRITTENS: Stierfeste fanden oft an den Sonntagen statt. Sie begannen relativ früh, schon gegen zehn Uhr am Vormittag und endeten in regelrechten Orgien bis spät in der Nacht hinein. Für den Besuch von Gottesdienste gab es da keine Zeit und dadurch blieben viele Gotteshäuser leer.

Spanien spielte aber für Pius V eine wichtige Rolle, gerade im Kampf gegen das osmanische Reich. Und um ein wenig mehr Kontrolle über die Iberische Halbinsel zu bekommen, liess er jene päpstliche Bulle aufsetzen. Doch er machte die Rechnung ohne Philipp II. Dieser nämlich befürchtete Unruhen des Volkes, gar den Unmut des Adels, dem die Organisation jener Stierfeste unterlag, und weigerte sich einfach jene päpstliche Bulle zu veröffentlichen. Als Erklärung schrieb er an den Vatikan :

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Die Bräuche der Stierkämpfe 
liegen den Spaniern einfach einfach im Blut.“

Philip II von Spanien
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Der historische Ablauf:

1567 wird die päpstliche Bulle De salutis gregis dominici von Papst Pius V veröffentlicht, in der die Stierkämpfe unter Androhung der Exkommunizierung verboten worden sind.

1575 lockerte Papst Gregor XIII diese Bulle in seinem Schreiben Exponis nobis super wieder auf, indem er das Verbot von Stierkämpfen nur auf die Sonntage und geistliche Würdenträger bezog. Papst Gregor hatte sich nur deshalb darauf eingelassen habe, damit Spanien gleichzeitig mit Portugal, Italien und den katholischen Zonen in Polen 1582 den Gregorianischen Kalender einführt.

1583 setzte Papst Sixto V die päpstliche Bulle vom Stierkampfverbot wieder in Kraft. Vorher als Inquisitor von Venedig hatte ihn das Zugeständnis seines Vorgängers verärgert. Die eigentlichen Gründe für diesen Missmut decken sich wohl mit denen von Pius V. Aber es liegt auf der Hand, dass das Verbot von Stierkämpfen wieder mal eher eine Angelegenheit der Inquisition war und nicht unbedingt als Schutzfunktion für die Stiere anzusehen ist. Obwohl Spanien den Vatikan des Machtmissbrauches und Interpretationsfalschheit beschuldigte wurde das vatikanische Verbot erst wieder nach dreizehn Jahren aufgehoben.

1596 hebt Papst Clemens VIII mit seiner Bulle Suscepti numeris alle Verbote bezüglich der Stierkämpfe auf.

Und wie steht es mit der Wirkkraft der päpstlichen Bulle?

Die Foundation Franz Weber aus der Schweiz veranstaltete diesbezüglich im Juni 2008 einen Schauprozess in Genf. Um diesem einseitigen Prozess einen professionellen Anstrich zu geben sprechen sie von einem Urteil des Internationalen Gerichtshofes für Tierrechte hinter welchem die United Animal Nations steht. Die “Vereinte Nationen” wirken dabei ein wenig irritierend, denn mit den Vereinten Nationen hat diese frei-gemeinnützige Organisation nichts gemein. Im Urteil ist nachzulesen:

“Bis zur Umsetzung dieser Abschaffung fordert der Gerichtshof vom Papst Benedikt XVI, die die Stierkampfspiele unwiderruflich verurteilende Bulle DE SALUTE GREGI DOMINICI des Papstes Pius V, die immer noch gültig ist, zu erneuern und klare Richtlinien zu erlassen, nach denen die blutigen und abscheulichen Veranstaltungen, die Stierkämpfe darstellen, verurteilt werden müssen.”

Die Theologische Fakultät in Trier sieht es anders:

"Zur Frage der Gültigkeit: Wenn eine päpstliche Bulle nicht widerrufen wird, bleibt sie natürlich gültig. Viele päpstlichen Bullen haben aber keine tatsächliche Wirkkraft erlangt und sind im staatlichen oder kirchlichen Leben bedeutungslos geblieben. So haben mehrere Päpste im Mittelalter in Bullen die Ritualmordbezichtigungen gegen die Juden ausdrücklich verurteilt und Unwissenheit und Habgier auf Seiten der Christen als die eigentlichen Motive für diese falschen Anschuldigungen der Juden bezeichnet. Gefruchtet hat das nicht.

Bei Pastor steht übrigens auch, dass König Philipp II. und die spanischen Granden sich sofort gegen das Verbot der Stierkämpfe gewandt haben. Es haben zwar einige spanische Bischöfe im sog. Reformlibell der spanischen Bischöfe auf dem Konzil von Trient (1561-1563) unter vielen Reformforderungen auch das Verbot von Stierkämpfen und sonstigen Tierhetzen (besonders an Sonn- und Feiertagen) verlangt. Die Namen dieser Bischöfe werden jedoch nicht genannt. Auf der anderen Seite fand Philipp II. auch willfährige Theologen, die ihm in ihren Gutachten die Unbedenklichkeit der Stierkämpfe bescheinigten. 

Ich vermute, dass das auch für den heutigen niederen und höheren Klerus in Spanien gilt."

Da die päpstliche Bulle von 1567 und deren Wiederaktivierung von 1583 im Jahr 1596 von Papst Clemens VIII eindeutig widerrufen worden ist, hat diese entsprechend auch keine Gültigkeit mehr. Jede weitere Diskussion darüber scheint überflüssig.

Donnerstag, 27. Februar 2014

100.000 ... und es werden mehr


Nun hat dieses Portal seine 100.000 erreicht. Damit gehört SfA derzeit wohl zum führenden deutschsprachigen Portal in Sachen tauromaquia. Vor allem seit Januar 2013 hat Stierkampf für Alle einen Zuwachs von über 200 Prozent zu verzeichnen. Das Team von SfA bedankt sich bei seinen Lesern für das Interesse, das Feedback und die zahlreichen Hinweise die uns erreichen.

Stierkampf in Marbella




von Philip de Málaga


Am nächsten Samstag den 1. März 2013 um 16:30 Uhr gibt es in der plaza de toros von Marbella einen Wohltätigkeitsstierkampf mit Flamencogesang. Die Eintrittskarten können unter anderem in der Kaufhauskette El Corte Inglés oder in der offiziellen Verkaufsstelle an der plaza de toros erworben werden. Bleibt zu wünschen, dass sich die 9.800 Plätze in den tendidos füllen werden.


Mittwoch, 26. Februar 2014

Karneval und die Stiere




von Philip de Málaga


Auch im andalusischen Karneval geht es nicht ohne die toros. Ob Cádiz oder Málaga, der toro bravo ist stets optisch wie im Gesang präsent. Spanien und der Stier, das gehört einfach zusammen. Das toreo ist weitaus mehr als lediglich der Umgang mit den toros, dahinter verbirgt sich eine wahre Lebensphilosophie.

In der Hauptgeschäftsstrasse von Málaga

Montag, 24. Februar 2014

Der Tempel des Toreo




von Mariate Cobaleda

Die studierte Philosophie- und Erziehungswissenschaftlerin, 1962 in Salamanca geboren, wendet sich nicht nur der Politik zu sondern auch ihrer Leidenschaft, der tauromaquia. Allen voran ihre afición für das campo bravo. Und so versteht es sich, dass sie sehr wohl als Politikerin versucht Aufklärungsarbeit im Parlament zu leisten. Als Philosophin versteht sie es bestens im toreo die besondere Symbolik reflektieren zu lassen. Ihre Kernaussagen sind eindeutig: Der toro ist Spaniens Emblem. Es symbolisiert das Land, seinen geistlichen Hintergrund und die ethischen Werte.

"Die plaza de toros hat den Kosmos für ihre Errichtung erwählt.

Das Spiel zwischen sol und sombra reflektiert sich in einer offenen plaza, welche sich dem Himmel zuwendet, dem Licht begegnet, nun, und wie ein jeder Tempel orientiert sie sich gegen Osten.

Und trotz aller Krise bleibt die plaza de toros ein runder Spiegel der Menschlichkeit auf der Suche nach dem Ideal des Seins, mit Courage und Noblesse bis hin zu den Grenzen der Existenz um dann die puerta grande zu öffnen. Das grosse Tor zum Licht."

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Quellennachweis:
El simbolismo del toro: la lidia como cultura y espejo de humanidad, Mariate Cobaleda
Madrid Biblioteca Nueva, 2002


Sonntag, 23. Februar 2014

Encastes duras - Schwierige Stiere (3. Teil)

Los comerciales ... hier kommt die Kunst
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von Colin Ernst
(Fotos: mundotoroSfA)


Wenn sich ein torero auf die kommerziellen encastes festlegt hat es seine Gründe, genau wie der Züchter sich eines Tages für den einen oder anderen Weg entschieden hat. Was ist ein encastes comercial überhaupt? Auch hier ist der Name Programm, Kommerz-Verkauf. Viele Züchter halten sich die Stiere aus Tradition, Passion und weil es ihr Leben ist, toros bravos zu züchten. Was zu früheren Zeiten bestimmt einfacher war, als heute in der modernen Zeit. Zahlte man früher hohe Preise für Tiere aus den bekannten ganaderías, gibt es heute gravierende Unterschiede im Preisgefüge, die Kosten der Haltung sind gestiegen. Gab es zu alten Zeiten keine kommerzielle Fleischrinderzucht, es wurde gegessen was auf den Tisch kam. Heute gibt es Rinder für Milch, für das Fleisch und für die corridas. Nach dem die lidia de a pie ihren Einzug hielt, mussten andere Stiere her, die dem torero das lucimiento erlaubten – Stiere mit denen er leicht glänzen konnte. Die wilden Bestien der Vergangenheit, waren viel zu unberechenbar, um schöne suertes und quites zu zeigen.

Es mussten Stiere her, welche die Kunst erlaubten. Das Publikum wollte nun kein Gemetzel mehr sehen, sondern Kunst. So mancher Züchter begann die Stiere mit anderen Augen zu sehen und viele ganaderías eliminierten ihre alt eingesessenen Blutlinien und kauften toros und Zuchtkühe, von denen sie sich einen besseren Verkauf versprachen. Tiere die, anstatt wild drauflos zu stürmen, willig dem Tuch folgen. Dadurch sah der torero besser aus und bekam orejas. Empresarios orderten diese neuen toros und hörten die Kassen klingeln. Die toreros glänzten und bekamen hohe Gagen. Dies änderte viel in der Welt der tauromaquia. Hatte man vorher nicht wahrgenommen woher der Stier kam, begann dies an Bedeutung zu gewinnen. Galten die Miuras als gefährlich, erlaubten die neuen Züchtungen dem torero, seiner faena mehr Ausdruck zu verleihen. Der Marques de Domecq war einer der ersten, der erkannte, wonach dem Publikum der Sinn stand und selektierte entsprechend. Tiere die sich ohne große Probleme manövrieren liessen. Dem entsprechend verkaufte er mehr lotes an die plazas und auch Nachkommen seiner Zucht, an andere ganaderías. Während die duras unter sich blieben und keine Tiere zum Kreuzen mit anderen encastes verkauften, klingelte bei Domecq die Kasse. Neben seinen zahlreichen Verwandten wurden viele ganaderías mit Zuchttieren beliefert, die ihre Basis nun auf dem gleichen Sockel aufbauten. Der Mensch ist ein einfacher Geist und so suchten auch die toreros den bequemsten Weg. Warum sich mit den duras herumschlagen, wenn ein schöner Stier, aus diesen neuen Züchtungen, leichter handhaben zu ist? Der Erfolg gab ihnen Recht. Viele puertas grandes, öffneten diese, schön anzusehenden Exemplare. Die empresarios freute die Bandbreite, denn wenn der eine Züchter nicht mit dem Preis herunter ging, kam der andere, mit der gleichen Blutlinie ihm entgegen, das ist auch heute noch so. In den letzten Jahrzehnten sind diese toros, durch Selektion der einzelnen Züchter, aus meiner Sicht, schwächer geworden. Können die duras nach wie vor zweimal im tercio de varas bestehen, schwächeln manche von den kommerziellen schon nach dem ersten Mal. Dafür kann ein geübter torero diesen, ein paar schöne quites entlocken. Im tercio de banderillas sind sie leicht einzuschätzen, kaum ein maestro bemüht sich, diese selbst zu setzen. Sein Objektiv ist es, im letzten Drittel, mit der muleta sein Können zu zeigen. Das Problem der letzten Jahre zeigt sich, im Einknicken der Beine, einige haben den Drang, mit den Hörnern noch oben zu stoßen und mit den Vorderbeinen in die capa zu springen, weil sie, auf Grund ihres Körperbaus und ihrer Kondition nicht genügend Stärke haben. Mit offenem Maul, nach Luft hechelnd, ergeben sie sich viel schneller als die duras. Die tendidos haben schöne lances mit der capa gesehen, und wenn es gut war, zwanzig bis dreissig muletazos, künstlerisch wertvoll, eine estocada wie im Bilderbuch hat die faena beendet. Das Publikum hat orejas gefordert und alle sind zufrieden – sollte man denken.

Ein toro von Domecq

Enrique Ponce
Aber nun, nach Jahren, überladen mit Kunst und Künstlern, die eine Reihe großartiger toreros hervor brachte, beginnen die aficionados sich zu langweilen. Um einen Star torero zu sehen, sind sie bereit viel zu bezahlen. Nun haben sie aber seit gut zehn Jahren, alle Stars mit beinahe derselben ganadería gesehen. Sie sind gelangweilt. Nun wollen sie ihre Helden einmal mit „richtigen“ Stieren sehen, den alten, harten, schwierigen, unbequemen encastes. Mit den duras. Warum der Sinneswandel der aficionados? Man hat sein Idol in einer wunderbaren corrida gesehen, wie er beinahe ein Ballett mit dem Stier aufführte. Im Laufe des Jahres sieht er, das sich dieses Kunstwerk nicht beliebig wiederholen lässt. Wie ich, beginnt er sich für den eigentlichen Protagonisten zu interessieren – den Stier. Und stellt die Unterschiede fest. Sieht, das es anderen, teilweise vermeintlich drittklassigen toreros gelingt, mit den encastes duras zu triumphieren. Und er fragt sich, warum sein Lieblings torero, grade diese meidet wo er kann. Mir selbst ging es so mit Enrique Ponce, als ich seinen Auftritten ein Jahr folgte und feststellte, das alle Stiere mehr oder weniger das gleiche Blut und auch das ähnliche comportamiento hatten. Zunächst enttäuscht, forschte ich nach. Und war beruhigt, zu sehen, dass der maestro genug corridas duras gegenüber getreten ist, was ihn, in meinen Augen berechtigt, sich nun, zum Karriereende, die Rosinen heraus zu picken. Ponce hat 25 Jahre torerogeschichte geschrieben, von den „Jungspunten“, die nachrücken, wird nun gefordert, es ihm gleich zu tun. Toreros und empresarios täten gut daran, diese Nachricht zu hören. Es würde für ein gesundes Gleichgewicht in der Stierzucht sorgen. Zur Zeit sind gut siebzig Prozent der Stierzuchten „Los comerciales“, nur dreissig Prozent führen die encastes duras. Zu den Comerciales gehören die ganaderías wie Juan Pedro Domecq, Jandilla, Torrestrella, Danile Ruiz, Montealvo, Parlade, Victoriano del Rio und viele mehr.