Mittwoch, 21. Mai 2014

Corrida nach dem zweiten Stier beendet



von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)


Madrid: Alle drei matadores in der Krankenstation
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Wirklich erstaunlich was bei dem zwölften festejo taurino in Las Ventas in Madrid geschah. Bei der corrida fanden sich schon nach dem zweiten toro alle drei matadores de toros, David Mora, Antonio Nazaré und Jiménez Fortes in der enfermería. Alle drei toreros wurden von den toros mit volteretas regelrecht durch die Luft gewirbelt. David Mora erwischte es gleich bei der porta gayola, weil der toro dem capote nicht folgte. Nazaré erfuhr eine voltereta beim quite. Und Jiménez Fortes hatte beim zweiten toro gleich drei volteretas.




Das letzte Mal wurde in Las Ventas eine corrida 1979 annulliert, auch deswegen weil alle drei matadores Ortega Cano, El Niño de Aranjuez und Paco Alcalde in der Krankenstation landeten. Nach dem vierten toro war die corrida beendet.


Und nur zwei Tage vorher wurde ebenfalls ein festejo taurino nach dem vierten toro beendet. Diesmal landeten die matadores Rafael de Paula, Ruiz Miguel und Manolo Cortés in der enfermería.

Auch 1975 wurde bei einem mano a mano zwischen Ruiz Miguel und Antonio José Galán sogar der sobresaliente Julián de Mata schwer verletzt. Alle kamen in die enfermería.

Dienstag, 20. Mai 2014

Über das Umgehen mit den Stieren



von Rainer Bischof


Die fiesta de toros ist das letzte mystische Schauspiel des Todes in der europäischen Kultur. Das versteht sich als eindeutiges Bekenntnis des Wissenschaftlers und Künstlers aus Wien.


"Das Umgehen mit den Stieren muss immer von Liebe zu den Stieren, also das was wir als afición bezeichnet haben, von Respekt, von Ehre, Kenntnis, Kunstfertigkeit gekennzeichnet sein. Das Töten des Stieres ist nicht als Auslöschen, Vernichten zu erklären, weil es eben immer im Gedankenmoment und in der geistigen Verpflichtung der Opferung steht. Die Opferung steht in gänzlich anderer Tradition als ein leeres Töten. In diesem Zusammenhang darf man aber einen Aspekt nie vergessen:  Dass die corrida in ihrem Ablauf ein Abbild des Lebens darstellt."

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Quellennachweis:
Heilige Hochzeit, Rainer Bischof
Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar, 2006

Sonntag, 18. Mai 2014

In den tendidos von Madrid

Auffallend wie sich junge Damen für die mundo de los toros interessieren. In den den tendidos der spanischen Hauptstadt Madrid, in Las Ventas, der grössten plaza de toros von Europa, finden sich zahlreiche junge Ladys welche interessiert das festejos taurino verfolgen. Hier eine Fotoserie von mundotoro:











Donnerstag, 8. Mai 2014

Der Torero, ein Gentleman





mit El Juli


Der matador de toros Julián López El Juli stellt sich der mexikanischen Ausgabe von Gentleman. Mehr noch, er befindet sich auf der Titelseite.

Auf die Frage, was eigentlich ein torero sei bezieht er klar Stellung: Noch nie ist es so wichtig gewesen dieses zu erklären. Ich denke es herrscht viel Unwissenheit über die fiesta. Wir erleben derzeit einen sehr delikaten Moment. Während vieler Zeit, wo alles eigentlich gut gelaufen ist, ist jeder seiner eigenen Weg gegangen und jetzt müssen wir die Konsequenz daraus ziehen. Alle sind dafür verantwortlich, mich eingeschlossen.

Bezüglich des reglamento taurino sagte er folgendes: Da finden sich absolut absurde Regelungen. Warum erlaubt es die quites nur ab dem zweiten puyazo und nicht schon beim ersten? Warum ist die faena mit der muleta zeitlich limitiert? Ich bin ein Befürworter, dass der torero selbst verantwortlich sein sollte für seine Vorstellung und dementsprechend auch vom Publikum bestraft oder mit einer Prämie für seine Leistung belohnt wird.

Wir wollen das toreo als Kulturgut schützen doch irgendwie ist es beim Ministerium für Kultur noch nicht richtig angekommen. Und auch die Gesellschaft weiss nicht richtig genau was geschieht. Ein wenig absurd.

Es störte mich sehr, dass ich wie ein Kind behandelt wurde, dass mein toreo nur dass als eines Kindes angesehen wurde, und man in mir keinen torero sah. Es fällt mir schwer zu erzählen, was in meiner Jugendzeit geschehen ist, damit sich die Welt erinnern kann. Aber ich denke, ich habe derzeit mehr kindlichen Geist als zuvor.

Über seine schwere Verletzung in Sevilla: Das erste Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl zu sterben. Und es ist wahr, diese Verletzung hat mein Leben verändert. Es hat mich viel gekostet zurückzufinden, ich hatte Anämie und einfach das Gefühl zu sterben.

Dienstag, 6. Mai 2014

Wenn der Stier angreift




von Georg Hensel


"Kein Stier greift einfach ein rotes Tuch an - 
er greift erst an, 
wenn sich das rote Tuch so bewegt, 
dass er es für einen Feind hält, 
präzise: 
er greift an, wenn er Angst hat vorm roten Tuch."

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Quellennachweis:
Stierkampf in Wort und Bild, Georg Hensel
Verlag S. Toeche-Mittler, Darmstadt, 1987

Sonntag, 4. Mai 2014

Ostersonntag in Málaga (3. Teil)

Málaga - Domingo de Resurrección - 20 de Abril de 2014
El Tarde de Morante y El Juli
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von Torodora Gorges
(Fotos: HJD)


14 Minuten Verspätung! Die alguaciles reiten auf ihren Pferden ein. Beifall brandet auf. Dann endlich die toreros mit ihren cuadrillas, Morante links, El Juli rechts, der sobresaliente, dessen Namen ich nirgends erwähnt fand, dahinter. Beide Protagonisten tragen besondere Paradecapas, es sind Repliken der Paradecapas von Joselito und Belmonte. Nach dem Gruss zur Präsidentenloge, heute besetzt von einer jungen blonden Präsidentin, der Schwester von dem populärem Moderator von TPT Enrique Romero, nehmen die maestros ihren Platz im callejón ein, von wo sie zunehmender Willkommensbeifall des Publikums erst noch einmal ins ruedo ruft.


Nun aber geht es los, der erste Stier für Morante ist angekündigt. Sehr schnell zeigt sich, dass dieser toro aus der Domecq-Zucht nichts taugt, er ist schwächlich!  - "Una vaca!" - schimpft das Publikum. Die cabestros mit den schweren Glocken um den Hals holen ihn aus der Arena.


Er wird gegen einen toro von Victoriano del Río ausgewechselt, mit dem sich Morante "anfreunden" kann, ein Morante, der an diesem Nachmittag überaus motiviert und gut gestimmt wirkt. Dass immer noch ein bisschen Regen fällt, scheint ihm wie den Zuschauern nichts auszumachen. 


Wir erfreuen uns an seinen grandiosen (limitierten) veronicas  und an der, nach den picadores folgenden, quite von El Juli mit chicuelinas und cordobinas. Völlig fasziniert  verfolge ich dann, wie Morante den Stier mit der muleta behandelt: 


liebevoll, mit großer Sanftheit und unendlicher Langsamkeit, er geht zärtlich auf ihn ein. Suave! Das Tuch schwebt über dem Rücken des Tieres wie ein großer Schmetterling, bleibt fast stehen.  Zeitlupe! Das habe ich mich in letzter Zeit, wenn ich ein aktuelleres Video von Morante sah, öfter gefragt: Ist das Normalzeit oder "a cámara lenta" aufgenommen? - Die banda de música setzte ein, von mir wie schon oft bei ähnlichen Gelegenheiten fast als störend empfunden. Sie brach nach einer Weile grundlos ab, was das Publikum und wohl auch Morante irritierte! Weshalb die Musiker zu spielen aufhörten, blieb mir verborgen. 

Die Energie des Stieres liess nach einer Reihe von mitreissenden muletazos und mit empfindsamer Langsamkeit ausgeführten naturales nach. Es gefiel mir sehr, dass José Antonio dennoch bis zuletzt seinen liebevollen Umgang mit diesem Stier nicht aufgab. Nach dem Intermezzo des hässlichen pinchazo, das von einem rauen Seufzer des Publikums begleitet wurde, gab es eine estocada, die den Stier wanken ließ. Morante wendete sich dem sterbenden toro (Botellero hieß er) zu, lenkte seine rechte Hand an das linke Horn des Tieres, begleitete ihn mit seinen Blicken, bis er einknickte. Das spielte sich direkt an der barrera zum tendido 6 ab, in dem ich mit meinem fotografierenden Freund sass. 


Das glückliche Kinderlächeln, das Morantes Gesicht in dem Moment erhellte, als er den Stier verabschiedet hatte, konnte der Fotograf nicht aufnehmen. Die Zuschauer waren aufgesprungen, die Spannung hatte sich gelöst, dankbarer Applaus folgte.  Einige weiße Tücher wurden geschwenkt, aber es gab kein lautstarkes Einfordern einer Trophäe. Man war einverstanden mit dem Reglement: ein pinchazo, kein Ohr! Jeder schien damit zufrieden. Das kenne ich aus anderen plazas kaum noch. Ausnahmen sind da oft die Regel.

El Juli gefiel mir mit seinem ersten Stier, Gladiador (aus der ganadería Garcigrande),  sehr gut. Ich hatte den  Eindruck, als ginge auch er sanfter um mit diesem Tier, mehr "artista" als Gladiator-Torero. Das kann er auch!! Und ein wirklicher Genuss war zu erleben, wie er, die Füsse parallel gesetzt, ohne Bewegung, den Stier, fest an die muleta geheftet um sich herumführte. Auch diese "faena pletórica"  (so nachzulesen bei mundotoro) blieb ohne Trophäen wegen der fehlgegangenen estocada. Schade!


Weder der zweite Stier Morantes (Domecq) noch der zweite von El Juli (V. del Río) liessen ihren toreros die Chance zu glänzen. Morantes toro habe "ni raza ni fondo" gezeigt. El Juli ärgerte sich darüber, dass sein toro die tablas suchte, also immer wieder davonlief. Auch diese estocada misslang.

Man machte sich nun schon Gedanken, weshalb die Stiere, die doch mit Umsicht und Sorgfalt von den maestros selbst und ihren Beratern ausgewählt worden waren (kein sorteo, kein Pech beim Auslosen!), bisher so ein schwaches Bild boten. Niemandem sonst konnte die Verantwortung oder die Schuld dafür gegeben werden. Das Problem, dass die Stiere immer mehr in die Richtung der Bedürfnisse der figuras gezüchtet würden, wird ja allgemein immer dringlicher diskutiert. So stellte es sich auch hier wieder ein.

Noch konnten wir auf die beiden letzten toros des mano amano setzen. Morantes dritter, ein Jandilla, liess allerdings auch leider richtige Angriffslust vermissen. "Schöne" veronicas waren nicht möglich, aber, wie es in mundotoro hiess: "Lo templa mucho, toreando con las muñecas."  - Doch Morante - wer ihn kennt, weiss, dass das sehr selten vorkommt - widmete diesen Stier dem Publikum, das ihm applaudierend dankte. Für mich signalisierte diese Geste Hoffnung! Er würde mit diesem toro keinen kurzen Prozess machen, auch wenn es der kein "Angreifer" war, es an embiste mangelte. Was wir zu sehen bekamen, war Wollen und Können, künstlerische Meisterschaft gepaart mit  Mut, bewundernswerter Geduld und erneut diese unglaubliche Langsamkeit in der Ausführung der  lances und pases, zuletzt noch begleitet von der Musik eines Pasodoble! - Keine Trophäe, verhindert durch das descabello! (Am Rande sei erwähnt, dass Morante schon beim ersten Stier seine Schuhe abgestreift hatte, was auch wieder beim letzten Stier der Fall war und vom Publikum jeweils mit Raunen kommentiert wurde.) 


Der letzte Stier des Nachmittags (Zucht Domingo Hernández) wurde von El Juli mit einer spektakulären porta gayola empfangen. Er schien alles daran zu setzen zu triumphieren.  Jetzt war er ganz der "Gladiator", wie man ihn kennt: autoritärer Herrscher, dominierende Autorität, den Boden stampfend (ich will ihm nicht Unrecht tun, empfinde diese Gesten aber immer wieder als unsensibel vulgär), technische Perfektion! Die puerta grande schien nahe. Aber es sollte nicht sein. Der Degen traf nicht.


Ein Nachmittag ohne Trophäen, ohne Triumphe!  Einige weisse Taschentücher waren geschwenkt worden, liessen aber die Präsidentin unbeeindruckt. Die Zuschauer waren zufrieden. Niemand eilte vorzeitig davon, wie es ärgerlicherweise so oft vorkommt.  Beide matadores und ihre cuadrillas wurden mit respektvollem Beifall dankbar aus der plaza verabschiedet. Eine wohlerzogene und sehr einfühlsame afición, die von Málaga!! Kein Zeichen von Enttäuschung oder gar Verärgerung darüber, dass die puerta grande am Domingo de Resurrección nicht geöffnet wurde.

Als Morante zur estocada mit seinem ersten Stier angesetzt hatte, war aus dem tendido eine Stimme erschallt: "El Arte no tiene miedo!"  (Die Kunst hat keine Angst!). Dieser Zuruf gab einer gewissen Skepsis Ausdruck, wirkte kritisch provozierend. Aber der Slogan Morantes als  Anspruch und Versprechen wurde an diesem Nachmittag von beiden toreros eingelöst und vom Publikum  honoriert.


Mittwoch, 30. April 2014

Ostersonntag in Málaga (2. Teil)

Málaga - Domingo de Resurrección - 20 de Abril de 2014
Mitternacht in der Malagueta und vor Beginn der corrida
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von Torodora Gorges
(Fotos: HJD)


Nur recht wenige Menschen hatten sich schon vor Mitternacht in der plaza eingefunden. Fasziniert schauten wir auf den Oldtimer, der sich vor uns im Dunkel des ruedo abzeichnete und uns mit  ehrwürdiger Eleganz beeindruckte. Das also war der alte Ford, in dem Morante und El Juli morgen  zur plaza fahren würden so wie vor 100 Jahren Belmonte und Joselito. - Zwei junge Männer setzten sich in den Wagen, andere kamen und nutzten die Chance, in das nicht abgeschlossene Auto zu klettern. Für Liebhaber alter Autos sicher ein aufregendes Gefühl;  wir versuchten, daran teilzuhaben.


Fast ebenso aufregend war es dann, um Punkt Mitternacht beim Durchqueren des dunklen Rondells tiefes sonores Muhen und mehrstimmiges Läuten von Kuhglocken zu hören. Irritiert fragte mein Begleiter, ob wir auf der Alm seien. Die cabestros waren selbstverständlich auch schon vor Ort wie die Stiere und machten sich bemerkbar. - Wir schweiften dann noch durch die Gänge der plaza und bewunderten die Kinderbilder.


Inzwischen waren auch noch mehr Besucher zur Fiesta Nocturna eingetroffen. Die Bar war eröffnet. Aber, die Jugend schien woanders zu feiern. Aus der Stierkampfszene waren zwar etliche junge Männer erschienen, ansonsten aber trafen wir auf unsere Altersklasse: engagierte aficionados und aficionadas aus England, Frankreich, Amerika - die gestandene "Internationale der Stierkampfanhänger und -verteidiger", wie ich uns gerne tituliere.


Ein Flamenco-Duo - Gitarre und Cajón - spielte und sang mit großer Ausdruckskraft und ansteckender Begeisterung. Wie lange die beiden Musiker noch durchhielten, ihr Publikum zu faszinieren, weiß ich nicht. Gegen halb Drei verabschiedeten wir uns; da gerade Pause war, wurden wir von den freundlichen Sängern per Handschlag verabschiedet.

Wir registrierten, dass es begonnen hatte zu nieseln.

Ostersonntag - vor Beginn der corrida

Am Morgen regnete es ziemlich stark, es war unfreundlich und kalt. Wir überquerten die Strasse zur plaza. Sofort wurden uns die ersten entradas angeboten. Hatten die Verkäufer sich mit ihren Eintrittskarten verkalkuliert? An den taquillas stand man Schlange unterm Regenschirm. Wir hatten unsere entradas per Internet gekauft. Ich staunte über den Optimismus derer, die angesichts der Wetterlage ihre Zuversicht nicht verloren und jetzt noch Karten kauften.


Der Wetterbericht machte Hoffnung: zwischen 17 und 21 Uhr sollte es eine Regenpause geben. Und tatsächlich liess gegen 16 Uhr der Regen nach, die Sonne schimmerte zeitweise durch die graue Wolkendecke. Es gab zwar immer wieder leichte Schauer, aber die Menschen strömten zur plaza. Die Betriebsamkeit mit den üblichen Vorbereitungen nahm ihren Lauf: Verkauf von Sitzkissen und  auch Regencapes, Getränken, Knabberzeug.

Die Ankunft von Morante und El Juli im Oldtimer beobachteten wir nicht. Die Besucher der inzwischen nahezu ausverkaufte plaza drängten sich. Es schien ratsam, die Plätze in den tendidos rechtzeitig aufzusuchen. Als wir unsere Plätze erreichten, regnete es noch, die Steine waren nass. Regenschirme und dicke Kleidung behinderten uns, eine bequemere Sitzhaltung einzunehmen. Ich dachte voller Sehnsucht an den Sitzkomfort, den uns die Plaza Monumental in Barcelona einst geboten hatte! Hier auf den steinernen Treppen quetschte man sich aneinander in unzuträglichen Sitzpositionen. Wir kamen uns in dieser Situation vor wie arme Büsser, die schon durch die erzwungene unbequeme Körperhaltung ihre Strafe für potentielle Sünden im Umgang mit den Tieren  absassen.


Die areneros waren fleißig damit beschäftigt, den durchnässten Sand im ruedo zu glätten. Die Zeit des offiziellen Beginns, 18 Uhr, war bereits überschritten. Schließlich mussten auch noch die weißen Kreise gezogen werden, was die beiden kräftigen Männer mit großer Präzision unter dem  Beifall des Publikums ausführten.


Die Stimmung war gut, Spannung und Vorfreude breiteten sich aus. Hinter mir versicherte eine Spanierin ihrem Mann: "Wenn Morante kommt, beginnt die Sonne zu scheinen!"   


Fortsetzung folgt

Montag, 28. April 2014

Ostersonntag in Málaga (1. Teil)

Málaga - Domingo de Resurrección - 20 de Abril de 2014
Das große Vorspiel
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von Torodora Gorges
(Fotos: HJD)


Ostern in Málaga! Als ich meinen Flug dorthin buchte, stand das cartel für den Domingo de Resurrección (Ostersonntag) noch nicht fest. Vermutlich war ich nicht die einzige aficionada, die sich - vergebens - einen Auftritt  von José Tomás in der Malagueta erhoffte. 

Da Sevilla von den figuras boykottiert wurde, konnten El Juli und Morante de la Puebla für Málaga gewonnen werden. Für ein "gran mano a mano", "un duelo en la cumbre, cien años después"  wurde seitens der empresa als besondere Attraktion geworben. Erinnerungen wurden geweckt  an die beiden großen toreros des Goldenen Zeitalters der Tauromachie, die vor hundert Jahren in freundschaftlicher Rivalität die Modernisierung des toreo einleiteten: Belmonte und Joselito. 

Die Werbung in der Presse und im Internet war perfekt: Videospots, Fotos/Filmausschnitte, historische Aufnahmen mit Belmonte und Joselito in Parallele zu und aktuelle Interviews mit den zu Kombattanten, Rivalen oder Konkurrenten proklamierten Akteuren. Die Zeitung "Málaga Hoy" machte in ihrer Ausgabe vom 20. April Málaga Resurrección 2014 zum  Epizentrum der Tauromachie. -


Die afición Málagas nahm es mit Gelassenheit. Im Cafe Flor an der plaza wurde über die Qualitäten Morantes und El Julis diskutiert. Ob es ein "No hay billetes" - Ausverkauft! - geben würde, interessierte weniger. Bei den alten Herren an der Theke, unter ihnen ein médico de la enfermería, hatte mein Favorit Morante keine guten Karten. In Málaga, so ihre Meinung, hätte er bisher nie, übermäßig beeindruckenden Leistungen gezeigt. Dennoch war die Atmosphäre freundlich und erwartungsfroh. 
                              
Ab Karfreitag stand Morantes Bus vor der plaza: EL ARTE NO TIENE MIEDO!  


Drinnen gab es eine thematische Ausstellung mit diversen "Devotionalien" zu den beiden historischen toreros Belmonte und Joselito: Paradecapas, alte carteles aus den 10er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts,  und ein Bildschirm, auf dem ein etwa 10 Minuten dauernder alter Film aus Belmontes Glanzzeit gezeigt wurde. Die Exponate stammen zum Teil aus dem Besitz der Familie Sánchez Mejías, Nachkommen des großen Ignacio Sánchez Mejías. -

Man konnte auch Armbänder und T-Shirts kaufen mit dem Slogan des Busses - schließlich war es eine Werbekampagne. Und die sollte sich vor allem an die Jugend richten, um ihr Interesse zum Erhalt der fiesta de toros als Kulturgut zu gewinnen. Auch Kinder im Grundschulalter wurden einbezogen. Die von ihnen gemalten Bilder zum Thema "El arte de torear en la Historia del Arte: de Joselito y Belmonte a El Juli y Morante de la Puebla" wurden in den Gängen der Plaza de Malagueta ausgehängt und konnten schon einen Tag vorher von Schaulustigen besichtigt werden. Angekündigt war auch ein Fotowettbewerb für interessierte Jugendliche am Tag der corrida

Am Ostersamstag, bei blauem Himmel und Sonnenschein, konnte man schon vormittags viel Bewegung vor der plaza beobachten. Entradas wurden gekauft, die Schlangen waren nicht allzu lang, die tendidos aber waren bereits ausverkauft. Am Nachmittag kippte das Wetter um, es gab Sturm und Regenschauer. Aber noch hielt es sich! Trotzdem bangte ich um den folgenden Nachmittag. Würde das große Ereignis ins Wasser fallen, so wie es vergangenes Jahr in Nimes passierte, als Morante auftreten sollte?


Erst einmal aber kam die Nacht vor dem mano a mano der beiden toreros. Angekündigt war eine "fiesta joven" in der plaza de toros, wo man mit neugierigen, an den toros interessierten Jugendlichen rechnete, denen man mit einer nächtlichen Festivität el arte del toreo näher bringen wollte.



Fortsetzung folgt

Sonntag, 20. April 2014

El Juli und Morante in Málaga

Über die Wiederauflage eines Duells zweier maestros
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von Dominik Sachsenheimer 



Das mano-a-mano zwischen El Juli und Morante de la Puebla heute am Ostersonntag in Málaga wird als Wiederauflage des ersten Duells Joselito-Belmonte vor 100 Jahren vermarktet. Hierzu einige Anmerkungen. Die Rivalität zwischen José und Juan, die ausserhalb des Sandes eine Freundschaft war, lässt sich so beschreiben: Joselito war ein begnadeter Athlet, der die damals herrschenden Vorgaben des toreo in Perfektion darbot und Stiere wie kein zweiter beherrschte, während Belmonte als kränkliches Genie die Technik des toreo durch seine Bewegungslosigkeit für immer revolutionierte und dadurch eine vollkommen neue ästhetische Dimension schuf.

Auf den ersten Blick ist die Parallelle 100 Jahre später, Juli als den Beherrscher aller Stiere im Lager Joselitos zu sehen und Morante als genialen Ästheten als Erbe Belmontes, wie auf dem beigefügten cartel als Collage angedeutet. Beide Aussagen sind fraglos richtig, greifen allerdings zu kurz, weil die heutigen Heroen auch sehr viel mit ihrem vermeintlichen historischen Gegenpol verbindet.

Belmonte
 Belmonte ist der Übervater der Dominanz des Stieres mit dem Tuch, weil er sich anders als seine Zeitgenossen nur langsam und mühsam bewegen konnte, also auf perfekte Arbeit mit der muleta angewiesen war. Seither haben unter anderem Manolete, El Cordobés, Paco Ojeda oder El Juli (mit unterschiedlichen Schwerpunkten…) diese Technik des bewegungslosen Mannes mit perfekt getimten Handgelenk verfeinert und jeweils wie Belmonte in Massenmedien für Aufruhr gesorgt (man erinnere sich an das Wortspiel “juligans” für den Zulauf an Teenager-Publikum vor 15 Jahren). Juli ist also in vielerlei Hinsicht die extremste Weiterentwicklung der Belmonte-Prinzipien und seine faena vor einem Jahr in Sevilla ein Paradebeispiel: höchstes Risiko, der Mann ist dem Stier ausgeliefert und lenkt diesen allein mit den Fingerspitzen. Die spezifische Juli-Revolution ist dabei der beinahe im Sand schleifende Handrücken, aficionados schütteln ungläubig staunend den Kopf.

Joselito El Gallo
Ästhetisch ist das allerdings nicht jedermann’s Sache und Morante berührt die Zuschauer auf einer vollkommen anderen Ebene. Dabei bewegt er sich zwischen den pases deutlich mehr als viele seiner heutigen Zeitgenossen, erinnert also eher an den barocken Ansatz des grossen Joselito El Gallo und besitzt wie dieser in seinem Tanz mit dem Tier eine schwer beschreibbare natürliche Eleganz, was sich vom eher hölzernen Belmonte kaum sagen liess. Wie einst Joselito gilt auch Morante als Vertreter der Tradition gegen die neuen Moden dank technischer Revolutionäre. Die ernsthafteren solcher Kritiker wendeten und wenden sich dabei nicht gegen Ausnahmetoreros wie Belmonte oder Juli, sondern streichen lediglich die Bedeutung des Bewährten gegenüber dem reinen Thrill eines bewegungslosen Mannes im Angesicht der Bestie heraus.

El Juli und Morante de la Puebla
 Trotz dieser Bemerkungen wird das “Duell” in Málaga vor allem von den anfangs angesprochenen Gegensätzen geprägt sein: Die machtvolle Dominanz des Juli vs. die romantische Ästhetik Morante’s, lidia vs. Hingabe, Rasse vs. Poesie usw, alles auf Basis eine enger Freundschaft ausserhalb der Arena.

Vor allem aber sind beide Akteure “komplette” matadores: Beide haben schon zu novillero-Tagen in den 90ern alte capa-Figuren in ihr Programm eingebaut und so das erste und zweite tercio an Bedeutung gewinnen lassen. Juli’s Repertoire ist bis heute unerreicht und Morante’s verónicas gelten als die besten seit Antonio Ordoñez. Juli war bis in die Nuller-Jahre ein sehr spektakulärer banderillero und auch Morante hat über die Jahre hinweg immer wieder zu den Stöcken gegriffen. All dies Indizien für die breitere Sicht der lidia beider toreros im Gegensatz zum verbreiteten Fokus auf möglichst aufregende Einzelmomente, obgleich gerade die populärsten Manöver dem Stier oft schaden und für die lidia kontraproduktiv sind. Mithin stellen Morante und Juli trotz unterschiedlicher Schwerpunkte nicht nur als “máximas figuras” sondern gerade wegen ihrer Interpretation der corrida als Gesamtwerk eine tatsächliche Verbindung zu ihren Vorvätern von vor 100 Jahren dar.


Hoffen wir auf einen interessanten Nachmittag, gutes Wetter und vor allem tolle Stiere!

Mittwoch, 9. April 2014

José Tomás trainiert wieder




von Philip de Málaga


Der maestro aus Galapagar befindet sich wohl wieder in guter Form
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Wie verschiedene Medien aus der Welt der tauromaquia berichten trainiert der matador de toros José Tomás wieder in verschiedenen ganaderías und in seiner finca, wie am letzten Dienstag. Seinem neuen Auftritt in Juriquilla (México) scheint wohl nichts mehr im Wege zu stehen, wo er seinen Freund Fernando Ochoa begleiten wird, welcher dort im ruedo sein adios als matador de toros geben wird. Insider wie Freunde berichten, der maestro Tomás befände sich in einer extrem guten Kondition. Nach einem Jahr Pause kann sich afición wieder freuen.

José Tomás, bald wieder in den ruedos (Foto: mundotoro)

Dienstag, 8. April 2014

15 Prozent mehr Besucher in Madrid




von Philip de Málaga


Auch bei der Jugend werden die toros wieder populär
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Wie die empresa der plaza de toros in der spanischen Hauptstadt bekannt gibt sind die Besucherzahlen bei den ersten novilladas im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent gestiegen. Auffallend dabei die Anzahl der Jugendlichen, wo ein steigendes Interesse bemerkbar ist. Mehr als 700 jugendliche Zuschauer konnte man in den tendidos sehen. Grund für den Mehrbesuch mit Sicherheit auch die neue Preispolitik der empresa. Für Personen unter fünfzehn Jahren war der Eintritt frei. Die meisten der jungen Leute haben so das erste Mal ein festejo taurino life erlebt. Wegen diesem Erfolg hat die empresa Taurodelta entschieden auch weiterhin jungen Menschen zu ermöglichen die mundo de los toros kennen zu lernen. Aber auch für das zahlenden Publikum halten sich die Preise der entradas von 7 bis zu 45,50 Euro für die novilladas in einem zahlbaren Bereich.

Wenn sich tendidos füllen (Foto: Boris Kahl)