Dienstag, 29. Dezember 2015

Unser Stier (1. Teil)

Die grundlegende Situation
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von Dr. Andreas Krumbein


„Ist das jetzt unser Stier?“ - Die Frage irritierte mich und mir lag schon eine so banale Antwort wie „Das wird schon einer der sechs von gestern gewesen sein.“ auf den Lippen, als sich meine Tochter ein enormes Stück Fleisch in den Mund steckte und kauend mit sehr vollem Munde sprach: „Das schmeckt wirklich sehr gut, wirklich sehr, sehr gut!“ In der Tat, das Fleisch war hervorragend, zart und sehr saftig, die geschmackliche Note „Rind“ deutlich, doch unaufdringlich, ein ganz wenig Fett am Rand, innen rosig, einige Stücke konnte man mit der Zunge am Gaumen zerdrücken; als Zutaten Olivenöl, Pfeffer, Salz, Knoblauch. Ich hatte alles richtig gemacht, vor allem hatte ich das korrekte Grundmaterial eingekauft: solomillo, nachdem man mir eingeschärft hatte: „Und kaufe auf keinen Fall wieder Suppenfleisch!“ Ja, Frau, ja! Auch ich kann noch lernen, eingedenk der tagelang schmerzenden Kieferknochen, nachdem ich beim letzten Mal mit der Sparsamkeit der Schwäbischen Hausfrau carne de tercera gekauft und es sich in der Pfanne in ein Brett verwandelt hatte. Damals dachte ich beim kauen unentwegt an den Stier, verachtete die Schwächlichkeit meiner Kiefer, und so schmeckte es mir dennoch. Doch diesmal war es noch besser.

Der gute Stierkampf ist alter Wein, lautet ein Ausspruch, doch kann man weder immer alten Wein trinken, noch will man manchmal darauf warten, dass der Wein gut wird und lange genug gereift ist. Manchmal will man Einfaches in vollen Zügen geniessen, den Mund vollnehmen, dass es einem die Backen bläht, laut schmatzen und sich das Hemd bekleckern, ohne dass man sich selbst oder ein anderer daran stört. So etwas kann man nicht an vielen Orten tun. Aber in Huelva, da kann man es.

Huelva, Provinz der faustgrossen Erdbeeren ohne Geschmack, die man nach Mittel-Europa exportiert, und Heimat der Leperos, die, was das Witzemachen in Spanien anbelangt, das Schicksal der Ostfriesen teilen. Huelva, Stadt ohne Gesicht zwischen Río Tinto und Río Odiel, inmitten von marismas und chemischer Industrie.

Einer der sommerlichen Höhepunkte in Huelva sind die Fiestas Colombinas, die zu Ehren von Cristóbal Colón (Christoph Kolumbus) und seinem Aufbruch nach Indien so benannten, grossen Feierlichkeiten der Stadt: die feria.


Das recinto ferial, direkt am Río Tinto in Sichtweite des von Gustave Eiffel konstruierten, nieten-eisernen Verladepiers, der weit in den Fluss hineinragt, beherbergt eine mittelgrosse, familiäre Kirmes mit vielen, offenen casetas für jedermann, von denen manche für geringes Geld ausgehungerten, deutschen Touristen, die fast alles falsch gemacht hatten, Speis und Trank mit so grosser Freundlichkeit, Schnelligkeit und Unkompliziertheit servierten, dass schnell alle Fehler vergessen waren. Zumindest vorerst.


Während der Colombinas gibt es auch Stiere, diesmal an fünf Tagen im August 2011. Unser Zugpferd war der matador de toros José Tomás, der in seiner zweiten corrida nach der schweren cornada in Aguascalientes (Mexico) im Frühling des Jahres 2010 hier in Huelva antreten sollte.

Die Plaza de Toros de la Merced ist in rot und ocker-gelb gehalten, später an das alte Mauerwerk angesetzte Anbauten wurden in Beton ausgeführt und farblich angeglichen. In das Gebäude integriert und von aussen zugänglich sind eine Hähnchenbraterei und ein kleiner Lebensmittelladen. In 100 Meter Entfernung mündet die Avenida Costa de la Luz, die einen Grossteil des Autoverkehrs der Autovía Huelva - Punta Umbría über den Río Tinto ins Stadtinnere führt, in die Avenida de Cristobal Colón, die wiederum direkt vor der plaza in den Paseo de la Independencia (Promenade der Unabhängigkeit) übergeht. 


Die Geschehen um die plaza ist auch an normalen Tagen von hoher Lebendigkeit und viel Autoverkehr mit Staus an roten Ampeln, viel Huperei und allerlei Abgasen geprägt.


Die entradas waren online bestellt, die Abholung so unkompliziert und ich selbst so glücklich (José Tomás!), dass alles glatt gelaufen war, dass mir erst sehr viel später Zweifel kamen, was denn wohl geschehen wäre, wenn ich nicht ich, sondern ein anderer gewesen wäre, der die Karten abgeholt hätte, denn meine Identität hatte niemand überprüfen wollen. Nun denn, es war ja alles gut gegangen, und ich hatte heute meine Karten und morgen meinen Star (José Tomás!). Also: drauf gepfiffen!

Fehleinschätzung Nr. 1: „Wir finden schon was!“

Will man eine corrida de toros bewusst geniessen, empfiehlt es sich ausgeschlafen zu sein. Dafür ist eine angemessene Schlafstatt hilfreich. Für den Touristen könnte das ein Zelt auf einem Campingplatz sein, als junge Familie (Vater, Mutter, Kind) ziehen wir gemietete Betten vor. Man benötigt nun noch jemanden, der einem freie Betten für drei Personen vermietet. Und das war gar nicht so einfach. Jedenfalls nicht, wenn man in Huelva zur feria ist, morgen José Tomás (José Tomás!) kämpft, man sich um nichts gekümmert hat (ausser um José Tomás) und sich in der Stadt nicht auskennt. Ausfindig machen konnten wir sieben Hotels und eine Pension innerhalb des Stadtgebietes. Die Pension zwei Nächte) und eines der Hotel (eine Nacht) konnten uns unterbringen, für die restlichen zwei Nächte waren ausgedehnte Fahrten in die weitere Umgebung von Huelva nötig. Natürlich: es ist alles eine Frage des Preises. Wir hätten sofort in einem der Sieben ein Zimmer für 300,00 EURO pro Nacht bekommen. Doch so weit bin ich noch nicht.

Die bisher gut geprüfte Formel für Spanien „Wir finden schon was!“, die uns nie im Stich gelassen hatte, gilt zwar noch heute, doch sieht sie mittlerweile ein wenig abgegriffen und schmuddelig aus. Und teuer werden kann sie auch. Den Krankenhaus-Charme unserer Pensionsbetten hätte ich allerdings um keinen Preis missen wollen.


Nur gut ausgeruht zu José Tomás: am besten in ehrlichen, einfachen Betten

F o r t s e t z u n g    f o l g t !

Montag, 28. Dezember 2015

Wenn Antitaurinos ....







Wenn französische antitaurinos zum Angriff blasen ... und es dann als friedliche Demonstration bezeichnen:
Wenn antitaurinos Vandalismus betreiben, scheint der torero machtlos ...

Sonntag, 27. Dezember 2015

17 Millionen Besucher bei Stierfesten in Spanien




von Philip de Málaga


Statistisch gesehen besucht jeder dritte Spanier die Stierkämpfe
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Natürlich hat die mundo taurino einen Blick auf das Wahlergebnis in Spanien geworfen. Und keine Frage, die links orientierten Parteien und antitaurinisch orientierten sind stärker geworden. 

Und auch die aficionados de toros sind ein nicht zu unterschätzendes Wählerpotential
(Foto: mundotoro)
Trotzdem sollte man keinen Hehl daraus machen, das der sector taurino ein gut funktionierender Wirtschaftsbereich ist. Wie die Fundation del Toro de Lidia bekannt gab, besuchten in diesem Jahr 17 Millionen Spanier espectáculos taurinos, sei es in einer plaza de toros oder im Freien bei einem festejo popular. Dabei werden an die 200.000 direkte wie indirekte Arbeitsplätze geschaffen. Mit anderen Worten, wer auch immer in Spanien regieren wird, müssen diesem Bereich den nötigen Respekt gegenüber erweisen. Immerhin seien dies statistisch betrachtet mehr als 35 Prozent der Spanier. Und es wird betont, die tauromaquia ist in Spanien zu einhundert Prozent legal und sei Teil des spanischen Kulturerbes, und dieser Tatbestand sei durch die Politiker zu akzeptieren und zu gewährleisten. 

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Frohe Weihnachten 2015


Und diese Wünsche richten sich nicht nur an die vielen SfA-Leser, aficionados, taurinos, Neugierige und  auch die antitaurinos aus den deutschsprachigen Ländern und Spanien, sondern auch an die Vereinigten Staaten, Schweiz, Österreich, Andorra, Frankreich, Niederlande, Türkei, Ukraine, Russland, Serbien, England, Kolumbien, Costa Rica und an viele andere Länder wie sogar in die Vereinigten Arabischen Emirate. 

Auch an die vielen Helfer von SfA, und diejenigen welche dem Team geholfen haben an zahlreiche Informationen zu kommen, wie die plaza de toros der La Malagueta, das museo taurino Antonio Ordoñez, das Museum der Künste für Tauromaquia, den novilleros der escuela taurina von Málaga, den maestros Fernándo Cámara und Pedro Sánchez, den deutschen Internetportalen Stierkampf - Corrida de toros und torodoro, den spanischen mundotoro und la economía del toro, Christa Nebenführ vom ORF 1,  sowie den zahlreichen deutschen aficionados und besonders auch an Ursula Herzog.

F  e  l  i  c  e  s       f  i  e  s  t  a  s

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Die älteste Plaza de toros

Für viele, auch Spanier, zählt die Maestranza de Ronda
als die älteste plaza de toros von Spanien
- ein Irrglaube
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von Philip de Málaga


Wenn die meisten, darunter auch zahlreiche Spanier, von der ältesten aus Stein konstruierten plaza de toros sprechen, fällt in der Regel immer ein Wort: Ronda. Genau gesagt, die Real Maestranza de Caballería de Ronda. Zwar wirbt die empresa dieser plaza de toros nicht mit diesem Slogan mehr, sondern bezeichnet es als das am meisten repräsentative und besuchte Monument der tauromaquia. Zwar stellt sie ohne  Frage eine der ältesten plaza de toros dar, welche noch in Betrieb sei und nimmt als Marketingtrick gerne das Gerücht hin, dass sie eben die älteste sei. Doch ihre Einweihung erfolgte, wie man auch auf deren Webseite nachlesen kann im Jahr 1785.

Die Geschichte des Baus der erste plaza de toros aus Stein beginnt in einem Dorf bei Salamanca. Im Jahr konstruierte der zweite Herzog von Bejár der Gemeinde Bejár aus Holz ihre erste plaza de toros  und noch im selben Jahr fanden dort erfolgreiche festejos taurinos statt. So beschloss man Jahre später mit dem Bau eines echten cosos aus Stein zu beginnen. Sie entstand dermassen zügig, dass die Einwohner von einem Wunder der Jungfrau sprachen. Und so fand hier am 12. September 1711 die erste corrida de toros in einer aus Stein konstruierten plaza de toros auf der Iberischen Halbinsel statt.

Die älteste plaza de toros in Spanien.
In dieser plaza gab es dann die toros bis 1970 zu sehen. Dann stellte man die festejos taurinos ein und gab die älteste plaza de toros Spaniens dem Verfall frei.

Die plaza de toros von Bejár von 1970 bis 1996
Es sollte 26 Jahre dauern, bis sich die afición wieder bemerkbar machte, die Wurzeln ihrer Geschichte wieder ausgrub, und begann diese alte Tradition der toros wieder einzuführen. Und so fand die reinaurugación der ältesten plaza de toros von Spanien am 9. August 1996 mit einem cartel de lujo statt. Es traten an die matadores de toros Emilio Muñoz, "Joselito" und José Ignacio Sánchez.
Seit 1996 gibt es wieder toros in Bejár: Emilio Muñoz, "Joselito" und José Ignacio Sánchez
Seitdem feiert nun Bejar jährlich weiterhin seine tradición taurino.

Nach 304 Jahren, 2015 immer noch corridas de toros in Bejár.

Die älteste plaza de toros als Gebäude von Europa findet sich in Frankreich. In Nîmes entstand das römische Colosseum schon 27 Jahre v. Chr. Die erste corrida wurde in der französischen Arènes de Nîmes jedoch erst am 10. Mai 1863 eingeführt.
Arènes de Nîmes (Foto: Dr. Andreas Krumbein)

Dienstag, 22. Dezember 2015

Erfolg der Gegner?



von Ursula Herzog
und Philip de Málaga


Veranstaltung die den Stieren gewidmet ist wird abgesagt
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Es ist ernüchternd feststellen zu müssen, dass eine gewaltbereite Minderheit sich manches Mal durchsetzt. So ist es in Rieumes in Frankreich geschehen.

Der Club taurino von der 3.500 Seelengemeinde Rieumes hat am 11. Dezember verlautbart, dass die feria campestre, die bereits 17 Jahre hindurch veranstaltet worden war, 2016 nicht mehr stattfinden wird. Die Kosten sind einfach zu sehr gestiegen. So sind die Forderungen des Grundeigentümers und auch die Abgaben gestiegen. Dazu sieht sich der kleine Ort nicht mehr in der Lage, all die Sicherheitsauflagen, die auf Grund der Ausschreitungen der Antis, auferlegt worden sind, zu erfüllen. „Anticorrida“ wird sich freuen, da Rieumes ein besonderer Programmpunkt von ihnen war.


Ein Kommentar von Philip de Málaga

Da rühmen sich die antitaurinos, wenn sie mit ihren Vorgehensweisen es erreichen, dass Veranstaltungen, welche den toros gewidmet sind, nicht stattfinden. Aus welchen Gründen auch immer, und sie schreiben es sich gerne auf die eigene Flagge. Und das die Gegner, besonders beim französischen Nachbarn nicht gerade zimperlich vorgehen, häufig ausserhalb der Gesetzgebung, ist weitgehend bekannt. Kostenintensive Polizeieingriffe müssen koordiniert, bzw. spezielle Sicherheitskräfte bei den Veranstaltungsorten mobilisiert werden, oftmals Anwälte, Ärzte oder sonstige Beamten bis hin zum Gericht. Das alles kostet viel Geld, für welches die antitaurinos nicht aufkommen, sondern der Steuerzahler.

Da werden die Subventionen für die ganaderías an den Pranger gestellt, aber jeder investierte Euro in die tauromaquia erwirtschaftet mindestens 2,5 Euro. Dagegen produzieren antitaurinos lediglich Kosten oder den Ausfall von Einnahmen. Das ist eine Tatsache!
Wenn teure Polizeieinsätze zum Wirtschaftsfaktor werden
Man kann sogar noch weiter denken. Antitaurinos schaffen Arbeitsplätze. Denn durch ihre Aktivitäten werden Polizisten, Sicherheitspersonal, Kanzleien, Gerichte und andere Sektoren beschäftigt. Genau genommen bilden sie im Bereich der tauromaquia einen eigenen kleinen Wirtschaftsfaktor, denn durch deren Engagement wird Kapital bewegt. Und zwar nicht zu knapp. Summen die nicht selten, auch im Ganzen, vom Staat getragen werden müssen und letztendlich vom Bürger. Im Gegensatz zu den taurinos jedoch, zahlen sie keine Steuern und erbringen keine Gewinne. Auch das ist eine nicht zu leugnende Erkenntnis.

Montag, 21. Dezember 2015

Agenda taurina 2016




von Ursula Herzog


Aus Frankreich aber in spanischer Sprache
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Der Jahresalmanach der tauromaquia für das kommende Jahr, die „Agenda Taurina 2016“ ist erschienen. Herausgegeben wird sie von der Fédération des Sociétés Taurines de France. Auf mehr als 300 Seiten wird die afición über die Neuigkeiten aus der mundo de los toros informiert. 62 Personen haben sich bei der Erstellung dieser einzigartigen Agenda beteiligt. Als Sprache wurde spanisch gewählt. Ich nehme an, um einen grösseren Leserkreis ansprechen zu können.

Der Preis von diesem Jahrbuch taurino 2016 liegt bei 32,50 Euro. Mehr Infos in spanischer Sprache findet man auf der Webpage Agenda Taurina 2016, wo der Leser auch die Möglichkeit hat sich eine kurze virtuelle Tour zu betrachten.


Sonntag, 20. Dezember 2015

Die besten Faenas 2015 in Spanien










von mundotoro


Die Redaktion des Internet-Portales mundotoro hat sich zusammengesetzt und die zehn besten faenas aus dem Jahr 2015 ausgesucht. Sozusagen eine Zusammenstellung der taurinischen Highlights der temporada taurina in Spanien des laufenden Jahres. Zwar ist die Betrachtungsweise im ruedo stets eine subjektive Angelegenheit, aber da dürften sich die taurinos einig sein, was man hier zu sehen bekommt gehört zum Feinsten was die tauromaquia 2015 zu bieten hatte. 

Mit der muleta im ruedo gehörten sie in diesem Jahr zu den besten.
Die Gewinner sind:
Wie man erkennen kann, es benötigt nicht immer orejas um in Erinnerung zu bleiben. Das Ausbleiben der trofeos liegt meistens an einer verpatzten estocada. Wenn der momento de verdad für den torero zum Alptraum wird. Das es öfters mal kein zweites oreja gibt, obwohl vom Publikum gefordert liegt nicht selten an der Sturheit des presidente.

Hier der Link zu der Seite mit (spanischen) Beschreibungen und Videos: 

Samstag, 19. Dezember 2015

Ein Torero zu sein ist legal!





mit "El Juli"


Der aktuell populärste matador de toros von Spanien Julián López "El Juli", der auch als ganadero tätig ist, stellt sich im Fernsehsender Antena 3 den provozierenden Fragen des Journalisten Risto Mejide. Das Programm "El Rincón" wurde von gut 466.000 Zuschauern verfolgt. Der TV-Moderator, als bekennender antitaurino, versucht den torero am letzten Dienstag mit provokanten Fragen und Feststellungen in die Ecke zu drängen. Doch dieser reagierte gelassen, diplomatisch, liess sich nicht aus der Fassung bringen und wirkte mit seinen logischen Reaktionen korrekt wie erzogen. Das konnte man auch in der Sitzposition gut beobachten. Der torero mit ruhigen wie überzeugenden Gesten in bequemer Haltung, der Moderator nach vorne gebeugt den Angriff suchend, konnte aber die geeignete Wortwahl nicht finden um El Juli ins Leere laufen zu lassen.

Hier ein paar Auszüge aus dem Interview:

Julián López "El Juli und Risto Mejide
Recht provokativ eröffnet Risto Mejide: "Alle toreros sind Serienmörder!"

El Juli: "Ich bedrohe keinen, und wäre auch nicht in der Lage kaltblütig einen toro zu töten. Ich könnte kein Pferd und keinen Hund töten. Ich habe eine Berufung, eine künstlerische Schöpfung zu schaffen, bei der ich mein Leben aufs Spiel setze, denn der toro könnte mich jederzeit töten. Es ist ein Kampf, bei dem man sich gegenübersteht."

"Der toro ist ein Tier in welches viel Geld investiert wird. er wächst auf 500 bis 600 Quadratmeter Weideland auf, er hat eine rundum gesunde Natur und lebt in der Regel dort während vier Jahre. Im Gegensatz dazu die Kälber welche wir täglich verspeisen. Sie leben kein halbes Jahr, oft zusammengepfercht, werden nahrungstechnisch aufgepäppelt, um dann von einem Mann einfach so  getötet zu werden. Und viele Menschen leben davon."


"Der toro lebt dank der ganaderos. Der toro lebt dank der toreros. Der toro lebt dank der corrida de toros. Und ich denke, die einzigen, die diese Tiere verteidigen, sind diejenigen die mit ihnen aufwachsen."

Risto Mejide: "Hast Du eine Idee davon, wie viele toreros getötet worden sind seit dem es dokumentiert ist? Also durch einen toro getötet. Weisst du wie viele?
El Juli: "Das weiss ich nicht genau."

Risto Mejide: "55! Weisst Du wie viele toros getötet worden sind?"

El Juli unterbricht: "Aber weisst du wie viele toros geboren ..."

Risto Mejide: "Weisst du wie viele toros im Jahr sterben?"

El Juli: "Es gibt zahlreiche corridas, so an die 2.000."

Risto Mejide: "2.000?"

El Juli: "2.000 corridas, 2.000 festejos."


Risto Mejide: "Ah, wir reden hier nämlich von zwischen 50.000 und 60.000 im Jahr auf der ganzen Welt."

El Juli: "Und weisst du wie viele vacas leben welche sich um ihre becerros und toros kümmern? Nur weil es die corrida de toros gibt? Hättest du eine Idee wenn es die corrida nicht gäbe?

Risto Mejide: "Du verdrehst hier die Worte. Es werden hier Tiere gezüchtet um sie zu töten."

El Juli: "Nein, es ist ein Tier, würde es die fiesta taurina nicht geben, es würde aussterben."

Risto Mejide: "Gut".

El Juli: "Ich habe eine ganadería. 350 vacas und an die 1.000 Köpfe ganado. Und sie leben unter anderem davon was ich am toreo verdiene. So investiere ich in den toro um ihn zu schaffen, und ich tue dies nicht nur weil er mir gefällt, denn es gefällt mir den toro zu züchten, und ich glaube an die fiesta brava, und mir gefällt die arte de torear, weil ich auch an das Risiko glaube."


"Was machst du zu Beispiel, wenn ich dir lasse, wenn ich dir meine 1.000 Tiere schenke?"

Risto Mejide: "Ich bin kein ganadero, ich wüsste nicht Wams ich mit 1.000 Tieren machen würde."

El Juli: "Du müsstest sie töten lassen."

Risto Mejide: "Ich weiss es nicht."

El Juli: "Aber du bevorzugst sie in einem matadero, einem Schlachthaus zu töten ..."

Risto Mejide unterbricht: "Nein, nein, das habe ich nicht gesagt. .... man muss sie ernähren, aber dass ist nicht das eigentliche Thema. Aber eine andere Sache ist es sie für ein espectáculo zu züchten.

El Juli: "Wir reden hier von einem Kunstwerk. Du redest von einem espectáculo. Das verstehe ich nicht. Du, wo nun der toro getötet wird, bist du den artistischen Werten gegenüber vollkommen verschlossen. Für dich hat das nichts mit Kunst zu tun. Einfach deswegen, weil du mit dieser Angelegenheit nicht einverstanden bist. Total verschlossen."

"Die tauromaquia hat eine Evolution durchgemacht. und das artistische Werk dass sie geschaffen hat ist hart. Dass das toreo bei dir keine Emotionen auslöst ist eine andere Geschichte."

Risto Mejide: "Ja"

El Juli: "Jedes Jahr besuchen in Spanien sechs Millionen Besucher die toros. Und das sind keine Barbaren. Und ich sehe mich auch nicht als einer."


"Bei der Verteidigung der Tiere klingt es geradezu zynisch über Tierrechte zu reden, aber dafür kein Geld zu investieren, so wie es die Leute tun, die im campo bravo leben. Es ist purer Zynismus das Aussterben einer Tierart mit anzusehen."

Risto Mejide: "Ich bin absolut antitaurino aber, solange es legal ist, müssen wir nach anderen rechtlich legalen Wegen suchen um die tauromaquia zu verbieten."

Freitag, 18. Dezember 2015

Mallorca: Stierkampf: Nein - Kampftierzucht: Ja

Kein Beispiel demonstriert so überzeugend, 
dass es bei dem mallorquinischen Verbot nicht um Tierschutz ging
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von Philip de Málaga



So richtig überraschend kam für viele taurinos das Verbot der toros auf der Baleareninsel Mallorca nicht. Und es ist auch grundlegend bekannt, dass es mehr eine politische als ökologische bzw. eine Entscheidung des Tierschutzes war. Aber was sich hier abspielt scheint nicht nur paradox, sondern dahinter spiegelt sich purer Zynismus. Die Denkweise über das Leben der toros deckt sich bei weitem nicht mit ihrer Handlungsweise. Da verbieten sie etwas um es vor der "Qual des Todes" zu schützen und züchten es gleichzeitig um es anderswo töten zu lassen. Man verbietet zu töten, züchtet aber um zu töten. Und genau dieses geschieht in Mallorca. Und nicht nur dort.

Sergio Galdón
Sein Name ist Sergio Galdón und er ist einer der letzten ganaderos auf der Baleareninsel. Mit 25 Jahren auffallend jung. Die abolición de los toros auf Mallorca stört ihn und seine Familie eher wenig. Zum einen haben sie ihre toros sowieso nie auf der Insel verkauft, sondern zu den plaza de toros auf dem Festland, vor allem in Jaén und Albacete. Den Sprung in die plazas der ersten categoría wie Las Ventas, La Real Maestranza von Sevilla oder in die La Malagueta haben sie nie geschafft. Dafür sind ihre toros auch eine Idee günstiger. Im Durchschnitt verdient der mallorquinische ganadero am Verkauf eines toros für eine corrida de toros zwischen 4.000 und 5.000 Euro. Für die novillos bei den ländlichen capeas oder novilladas zwischen 2.500 und 3.000 Euro. Auch vacas haben sie im Angebot für die dörflichen encierros. Mit bis zu 700 Euro ein günstiges Vergnügen für die jeweilige Gemeinde.

Die Zucht und im Hintergrund der Flughafen
Rein theoretisch wird fast jeder Mallorcatourist beim Landeanflug mit der mundo de los toros konfrontiert. Denn die ganadería befindet sich direkt am Internationalen Flughafen von Mallorca.

Aber wie schon eingehend gesagt, von der Zucht der Stiere allein könnte die Familie Galdón nicht leben. Auf fünf weiteren Fincas verteilt verfügen sie neben Rindern für die Fleischproduktion auch über 1.800 Schafe und eine Pferdezucht. So kann dass Überleben der ganadería garantiert werden. Die Leidenschaft aber der ganaderos und ihrer Mitarbeiter gehört den toros. Wenn sie Zeit haben verbringen sie gerne die Zeit damit die capa oder muleta selbst zu schwingen. Aber selbstredend nicht mit den toros für die corridas sondern bei so genannten tentaderos wo die weiblichen Tiere auf ihren Mut getestet werden, ob sie als Zuchttier für einen möglichen toro bravo geeignet sind. Aber auch ohne reses wird geübt, man will ja ein Gefühl der Arbeit der toreros bekommen. Auch geben sie öfters dem jungen torero-Nachwuchs eine Chance, sich dem toreo zu nähern. Vielleicht schafft ja mal einer den Sprung zum Festland auf dem Weg eine der grossen figuras zu werden.
Trotz Verbot, auch auf Mallorca lernt und übt man den toreo.
Kommen wir zurück zu Thema. Die Frage bleibt weiterhin offen. Da wird der Tod des toro bravos bei einer corrida verboten, obwohl dieser kostenaufwendig mit all seinen Charakteren dafür extra gezüchtet worden ist. Nun gibt es zwar keine corridas mehr, aber der toro bravo wird weiterhin gezüchtet. Getötet soll er woanders werden. Ein Verbot dafür gibt es nicht und ist auch nicht geplant. Nicht anders ist es in Katalonien zu sehen, wo es sich noch ganz anders verhält, sind dort noch die festejos populares zugelassen. Oder, wie SfA kürzlich berichtete in Panama. Offiziell verboten, aber auf den privaten ganaderías lebt die mundo taurino weiter.

Kurz zusammengefasst, zwar hat der antitaurinismo die Politik mit ins Boot geholt, oder versucht es, und wenn es ihnen gelingt, fahren sie deshalb noch lange nicht in die gleiche Richtung. Denn eins dürften mittlerweile auch die Gegner der toros erkannt haben, wie man sich in den Rathäusern oder Landesregierungen auch immer entscheiden wird, um den toro selbst geht es eigentlich nicht.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Der Torero ein Damokles?

Wenn der Degen zum Damoklesschwert wird
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von Philip de Málaga



Der französische Schriftsteller und Ethnologe, den wir schon im gestrigen TAUROZITAT gehört haben, Michel Leiris, sagte mal, "Der matador: ein Damokles, der sein Schicksal an den Hörnern gepackt hat, seinen Degen mit voller Hand."

Ein interessanter Vergleich. Einer der berühmtesten römischen Philosophen, Politiker, Redner und Schriftsteller, Marcus Tullius Cicero (106 v Chr. bis 43 v. Chr.). In der zweiten Jahreshälfte von 45 v. Chr. schrieb er seine Tusculanae disputationes (Gespräche in Tusculum). Dabei handelt es sich um fünf Bücher, in welchem fiktive Schüler irgendwelche Leitthesen aufstellen, welche von einem fiktivem Lehrer, Cicero selbst widerlegt werden. Dabei geht es ihm darum, anhand von welchen Kriterien und Massstäben die jeweilige Richtigkeit einer Handlung abgewogen werden sollte.

Dabei rückt auch der Tod, gewollt, provoziert oder ungewollt in den Mittelpunkt. Und schon eines seiner ersten Kapitel behandelt den Tod als ein grundsätzliches Übel. So findet sich in seinem fünften Buch die Geschichte des Damoklesschwert, welche die meisten wahrscheinlich kennen.

Damokles mit dem Schwert über sich
Damokles, aller Voraussicht nach eine erfundene Person, war ein Höfling am Hofe Dionysos und mit seinem Leben unzufrieden, denn er beneideten den regierenden Tyrannen um seine Macht. Dieser wollte ihm darauf hin eine Leere erteilen, um ihm seine Vergänglichkeit zu demonstrieren. Er lud ihn zu einem Festmahl ein, aber oberhalb seines Platzes befestigte er an einem Pferdehaar ein Schwert. Als Damokles Platz nahm und das grosse Schwert entdeckte, war es ihm unmöglich das luxuriöse Mahl zu geniessen und er bat darauf auf die Annehmlichkeiten verzichten zu können um das Mahl zu verlassen. Er hatte seine Lektion gelernt. Erfolg, Reichtum und Macht bieten keinen Schutz vor Gefahren, sondern verursachen diese geradezu.

Wie ist das nun beim toreo. Die menschliche Intelligenz begegnet dem animalischen Instinkt. Der torero, mit capa, pica, banderillas, muleta und espada bewaffnet sollte in jeder Hinsicht dem Tier überlegen sein. Es beherrschen, dominieren, dem Ziel, also dem Tod des toros näher und ausführen. Und da stehen sie nun im ruedo, figuras wie Manolete oder Joselito, geprägt von Triumphen, Reichtum  und Erfahrung. Und trotzdem wendet sich das Schicksal gegen sie. Nicht der eigentliche estoque tötet sie, sondern der espada des toros, das cuerno, das Horn, nicht weniger spitz als ein Schwert wird der menschlichen Überlegenheit zum Verhängnis. Und nicht nur das, diesbezüglich ist ein jeder toro gleich doppelt bewaffnet.

Wenn der toro zum Angreifer wird
Auch hier genauso wie vor über zweitausend Jahren, der Mensch wird gezwungen, seine Macht durch einen gewissen Grad an Unterdrückung von Gefühlen der Überlegenheit zu kontrollieren, selbst wenn sich der matador in der komfortablen Situation einer bestimmten Sicherheit erwähnt, und der toro reichlich verwundet erscheint. Doch der momento de la verdad ist noch nicht zu Ende.

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Tragisch in doppelter Hinsicht





von Michel Leiris



"Man kommt einfach nicht darum herum, dass die tauromaquia gewisse sportliche Elemente beinhaltet, aber dass sie ebenfalls viel mehr als nur ein Sport ist und Teile davon beinhaltet. Und zwar lässt sich dieses auf den tragischen Charakter zurückführen, der ihr zu eigen ist. Tragisch gleich in doppelter Hinsicht: Zum einen weil es um eine Exekution geht und zum anderen weil dieser Akt der Hinrichtung auch für das Leben des ausführenden matadores ein unmittelbares Risiko darstellt."

Michel Leiris (1980)

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Quellennachweis:

Miror, de la tauromachie, Michel Leiris, édicions fata morgana, Montpellier, 1980