Montag, 8. Februar 2016

Der deutsche Torero

In der Tat, es gab auch mal einen deutschen Stierkämpfer in Spanien
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von Philip de Málaga


Man hat ja schon von asiatischen, afrikanischen und slawischen toreros gehört, und in Europa ordnet man diese Beschäftigung vorläufig den Franzosen, Spaniern und Portugiesen zu. Und was ist mit Deutschland? Nun, die toros sind da erst mal laut Gesetz verboten. Und somit gibt dort verständlicherweise keine plaza de toros und eben auch keine festejos taurinos.

Aber es gibt in Germanien sehr wohl eine afición a los toros, mit absolut steigender Tendenz. Es bekennen sich immer mehr als aficionados. Sogar lassen sich auch einige toreros de salón und aficionados prácticos entdecken, wie zum Beispiel SfA-Mitarbeiter Dominik Sachsenheimer. So liegt es doch so langsam an der Zeit, dass sich irgendwann mal ein germanischer Siegfried ins ruedo traut. Aber um einen zu finden müssen wird erst einmal in die Vergangenheit schauen. Genau vierzig Jahre zurück. Da gab es jemanden aus Deutschland der auszog, um Stierkämpfer, um ein richtiger matador de toros zu werden.

Gross, blond und deutsch, so entsprach er gar nicht dem Vorbild eines toreros. welche sich meistens aus tiefster Armut und mit grössten Durchhaltevermögen hocharbeiten müssen.  Viel mehr noch. Er stammt von edler Herkunft, ist Baron, hat in Oxford studiert und sogar als Doktor der politischen Wissenschaften abgeschlossen. Sein Name: Michael Rüdiger von der Goltz. Doch wie kommt nun ausgerechnet jemand so gebildeten Ranges aus einem märkischen Adelsgeschlecht, wo eigentlich schon seit dem 13. Jahrhundert Generäle und Offiziere das Sagen haben, zur mundo de los toros? Gar ins ruedo einer plaza de toros um gegen gefährliche toros anzutreten?

Michael-Rüdiger von der Goltz
Die Begegnung mit dem Tod

Eigentlich ist Miguel von der Goltz in der Schweiz geboren, hatte aber einen deutschen Pass. Danach lebte er in Uruguay und Guatemala und nach seinem Studium in Oxford zog es ihn nach México. Dort hat er sich 1968 einer Studentenbewegung angeschlossen, welche sich für neue Landreformen einsetzte. Allerdings gingen sie dabei relativ mit rebellischen Mittel vor. So kam es, das er wegen seiner Beteiligung an jener Studentengruppe eines Tages in der Ortschaft Cuernavaca von einem speziellen Suchkommando geholt und auf einen Platz vor ein Erschiessungskommando gestellt. Der Baron sah seinem tödlichen Ende entgegen, und war davon überzeugt jetzt sterben zu müssen. Dabei ärgerte er sich auch ein wenig, dass er bis zu diesem Zeitpunkt keinen einzigen Lebenstraum hatte erfüllen können. Doch lange musste er nicht mehr hadern, denn das Todesurteil stellte sich noch rechtzeitig als ein Irrtum heraus.

Nun ein mögliches Sterben vor den Augen gehabt zu haben, veränderte seine innere Einstellung zum Tod. Zum einen zeigte es die Besonderheit zum Überleben auf und auf der anderen Seite trieb es ihn an viele Dinge nicht mehr zu versäumen. So begegnete der Oxfordstudent langsam der mundo taurino. Sehr langsam.

Seine Zeit als torero

Obwohl aus nicht gerade armen Hause beschloss er den Weg der einfachen novilleros einzuschlagen. Unter dem Künstlernamen Miguel Rodrigo zog er von Fest zu Fest und hoffte für irgendeine capea, novillada sin caballos, oder sonstiges festejo taurino einen Vertrag zu bekommen. Seine Mission schien klar, dem Tod zu begegnen um ihm dann wieder entfliehen zu können.

Um nicht ganz die Form zu verlieren, übte er auch heimlich nachts auf den dehesas der ganaderías. Dort schnitt er dann am Ende den Tieren den Schwanz ab, um den ganaderos ein Zeichen zu geben, das mit diesem Tier schon mit muleta oder capa gearbeitet wurde und er für eine corrida somit unbrauchbar geworden ist.

 Mit seinem Freund und ebenfalls novillero Rafael übt Miguel heimlich bei Nacht.
In den folgenden fünf Jahren gelang es dem deutschen torero an vierzig novilladas teilzunehmen. Teilweise unter erbärmlichen und gefährlichen Umständen. Denn zum einen gab es öfters nicht mal eine richtige plaza de toros, und die Marktplätze wurden einfach mit Balken, Barrikaden, Tischen oder ähnlichem verschlossen um eine plaza, gar ein rundes ruedo für die novillada zu kreieren, zum anderen waren die Tiere, die novillos, gegen die sie antraten nicht ganz ungefährlich, denn es waren jene übriggebliebenen der ganaderos, wo sich die professionellen toreros weigerten diesen gefährlichen Tieren entgegen zu treten.

Miguel Rodrigo entwickelte sich zu einem besonders mutigen und waghalsigen torero welcher die Begegnung mit dem Tier nicht scheute. Im Gegenteil er suchte die Nähe. Er hatte keine escuela taurina besucht, sondern lernte alles auf der Reise von anderen taurinos. Sein Stil war spektakulär. Da war er schon eher ein tremendista, Also seine Arbeit mit den novillos konnte nicht unbedingt den klassischen crítico taurino überzeugen, aber die Massen. Wenn er zum Beispiel vor dem novillo stand, die muleta beiseite hielt und das Tier auf die Hörner küsste. Auch den estoque, mit welchem er den entscheidenen Todesstoss im momento de la verdad ausführte schien der Stierkämpfer aus Deutschland zu beherrschen.
Miguel Rodrigo bei der estocada
Jene fünf Jahre waren für Miguel keine Jahre um reich zu werden. Obwohl er in Sevilla im Viertel Santa Cruz, am Plaza Doña Elvira eine Acht-Zimmer-Wohnung plus Dachtrasse unterhielt, welche er an Touristen vermietete.
Sevilla: Der Platz Elvira, wo der deutsche torero sein nobles Domizil hatte
Miguel war der Meinung, wenn einer matador de toros werden will und vor der alternativa steht, der sollte schon Grosszügiges vorweisen haben. Auch wenn er dafür hungern muss. Denn bei seinen Auftritten hatte er damals gerade mal 39.000 Peseten bekommen. Wenn überhaupt. Das sind umgerechnet 500 Euro. Nach Abzug aller Kosten, seiner cuadrilla und Emilio, sein persönlicher mozo de espada  blieben ihm selbst keine 50 Euro mehr übrig. Ohne die Hilfe seiner Freunde reichte das kaum zum überleben.

Der deutsche torero auf dem Weg zu einer novillada. Hinter ihm Emilio sein mozo de espada
Aber dann kam sein grosser Tag. In Pozuelo de Alarcón, einem Vorort der spanischen Hauptstadt Madrid, hatte er nicht nur seinen grossen Auftritt, sondern auch eine wichtige Begegnung. Der presidente der novillada war der Polizeichef und als empresario trat der Schlachter der Gemeinde auf. Letzter hatte nichts zu verlieren, denn zum Ende hatte er ja immer noch das Fleisch der novillos zum Verkauf. Auch hier gab es keine richtige plaza de toros und am Mirador wurde für dieses festejo taurino eine eigene plaza improvisiert.

Wo es in Pozuelo de Alarcón die Stiere gab.
Das besondere an diesem Tage war ein prominenter Gast aus der mundo de los toros. Aus Córdoba kam Don Rafael Sánchez Ortiz angereist, in der mundo taurino als "Pipo" bekannt. Denn er war es, der dem legendären und berühmten matador de toros Manuel Benítez "El Cordobés" als sein apoderado und persönlicher Begleiter zu Weltruhm verhalf. Nach Rücktritt seines Schützlings zog sich auch der apoderado aus dem Geschäft mit den toreros zurück und verprasste geradezu sein ganzes Vermögen an den Spieltischen der Casinos auf der ganzen Welt. In der Zwischenzeit kehrte El Cordobés wieder zurück in die plaza de toros und nach einer gewissen Zeit war Don Pipo pleite. Nun war es für ihn an der Zeit, einen neuen torero zu suchen, um ihn an die Spitze des escalafóns zu bringen. Und da hörte er von dem mutigen jungen blonden Mann aus Deutschland, der mit seinen Tieren genauso furchtlos arbeitete wie El Cordobés.

Also reiste der Manager aus der Welt der toreros nach Madrid um Miguel Rodrigo zu sehen. Und was er zu sehen bekam liess ihn wohl begeistert aufschreien, "Dieser Deutsche ist ja viel besser als El Cordobés!".  Er war so angetan vom toreo des adligen novilleros aus Alemania dass er sofort begann, in der Mitte der novillada Pläne zu schmieden. Diesen Mann würde er ganz gross rausbringen. Er soll seine alternativa, den Ritterschlag zum richtigen matador de toros, in der grössten und wichtigsten plaza de toros in Europa bekommen, in Las Ventas, und als padrino wird natürlich sein "Freund" der berühmte maestro  Manuel Benítez El Cordobés Pate stehen. Und einen neuen Künstlernamen hätte er auch schon für ihn: Miguel de Alemania.

Da stand er nun, der neu gekrönte Miguel de Alemania und betrat für seinen zweiten novillo die improvisierte plaza bei Madrid. Noch mutiger, noch näher, noch mehr angespornt, und wieder mit suertes, wo das Publikum einfach nur die Luft anhalten musste. Purer tremendismo für die Karriere. So nah dran war er noch nie. Wieder einmal küsst er die Hörner und dann geschieht es. Der novillo wirbelt herum und schleudert den torero in den arena.  Lautes Raunen von den Rängen. Schleunigst eilen die banderilleros herbei, lenken den novillo mit den capas von Miguel weg und tragen ihn in die enfermería, besser gesagt zum Esstisch des anliegenden Altenheims wo er von einem veterinario behandelt wurde. Eine Prellung an der Brust und eine kleine cornada am Unterleib sorgten für Entwarnung.

Wenige Tage später fahren dann der zukünftige matador de toros Miguel de Alemania und sein apoderado Don Rafael Sánchez Ortiz zu einer richtigen corrida de toros, wo El Cordobés antrat. Dort besuchten sie den maestro vorher in seinem Hotelzimmer, wo dieser sich gerade für seinen Auftritt vorbereitete. Dem Anliegen, für Miguel der padrino zu sein hatte er nichts entgegen zu setzen. So schien der Karriere des ersten deutschen matador de toros nichts mehr im Wege zu stehen.

Miguel de Alemania und Pipo bei El Cordobés, wo der deutschen torero von ihm
die Zusage der Patenschaft für seinen Ritterschlag zum matador de toros  erhielt.
Aber es kam anders

Denn von nun an verlor die mundo de los toros die deutsche Hoffnung aus den Augen. Es hiess er sei nach Mexiko geflogen um dort sich vorzubereiten. Aber man weiss eigentlich gar nichts. Auch im spanischen COSSÍO ist er nicht genannt. Es gibt Quellen die zu berichten wissen, dass Michael von der Goltz wohl in einem amerikanischen Film mitgespielt habe. Alles nur Vermutungen bis hin zur letzten Annahme. Da heisst es, er sei auf einer Insel im Mittelmeer gewesen und morgens schwimmen gegangen. Aber nie wieder zurückgekehrt.

Und so wartet die deutsche afición noch heute auf den torero aus ihren Reihen.

Sonntag, 7. Februar 2016

Österreich eröffnet morgen die Stierkampfsaison




Presstext vom ORF



Ab morgen zu hören: Spanien und der Stierkampf - eine umstrittene Tradition
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Die Leser von SfA haben es natürlich mitbekommen. Im letzten Jahr besuchte ein Team vom ORF die Stadt Málaga (siehe SfA und ORF). Ab morgen kommt es zur Ausstrahlung:


Wer nicht in der Nähe der Senders wohnt, hat die Möglichkeit dieses über Internet im Livestream zu verfolgen:  ORF Ö 1  (Dort bitte  Live  anklicken). Im Feld  7 Tage Ö 1  hat man die Möglichkeit sich die Aufzeichnung bis zu sieben Tage lang noch in der Mediathek anzuhören.


ORF PRESSETEXT: (Die Fotos wurden von SfA eingefügt)

Stierkampf in Spanien - eine umstrittene Tradition 

Stierkämpfe fanden in der frühen Neuzeit in vielen Teilen Europas statt, auch in London und Venedig. Die Umwandlung von der ritterlichen Wehrsportübung zu Pferd zur ritualisierten corrida, bei welcher der matador dem Kampfstier zu Fuss gegenübertritt, vollzog sich allerdings in Spanien. Die Torero-Dynastie Romero soll die Regeln des modernen Stierkampfs in der andalusischen Stadt Ronda entwickelt haben. Am 19. Mai 1785 wurde dort eine der ältesten Stierkampfarenen der Welt eröffnet und am 5. September 2015 unmittelbar davor zwei Bronzebüsten der beiden amerikanischen aficionados Ernest Hemingway und Orson Welles enthüllt.

Siehe: Rhonda, Zwei Denkmäler, wie Amerikaner und die Stiere
In den 1950er und 1960er Jahren lockte der spanisch-österreichische Adelige Alfonso von Hohenlohe mit dem Marbella-Club-Hotel das internationale Jetset an die Südküste Spaniens. Hatte Hemingway den Stierkampf in die Literatur gebracht, so brachte ihn Alfonso von Hohenlohe in den Boulevard. Hollywood-Diven hatten Affären mit Star-Matadores und ihre Kollegen begannen darüber die Nase zu rümpfen. Seit der Jahrtausendwende wird die Tradition der corrida kritisch gesehen. 2007 beantragte die deutsche Christdemokratin Elisabeth Jeggle im Europa-Parlament die Abstimmung über ein EU weites Verbot des Stierkampfs, die mit 178 Ja und 412 Gegenstimmen zu Gunsten der spanischen Selbstbestimmung ausfiel. 
Der spanische Stier und die österreichische Journalistin Christa Nebenführ
Christa Nebenführ hat in Andalusien die spanische „Afición a los toros“ einzufangen versucht. Sie hat in Málaga das Centro de Arte de la Tauromaquia besucht, in dem der Sammler Juan Barco künstlerische Darstellungen von Stierkulten, prähistorische Terracotta-Figuren, Bilder von Francisco de Goya und Pablo Picasso so wie Requisiten der corrida der Öffentlichkeit zugänglich macht. In der Stierkampfschule von Málaga hat sie toreros und aficionados interviewt und ist den Legenden berühmte matadores nachgegangen und in der ganadería Reservatauro dem Leben der Kampfbullen, bevor sie in der Arena geopfert werden. Schliesslich entschlüsselt sie die jährlich während der Feria Pedro Romero in Ronda stattfindende corrida goyesca mit Hilfe der Lektüre Hemingways.

Krönender Abschluss in Ronda: Die corrida goyesca

Samstag, 6. Februar 2016

Auch The New York Times hat über México berichtet




von Philip de Málaga


Während man in vielen Ländern 
über den Auftritt von José Tomás erst gar nicht berichtete,
in den Vereinigten Staaten fand es sehr wohl Interesse.
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Die Zielsetzung für Publikum und Akteure in der La Monumental de México am letzten Sonntag war klar vorgegeben. Man wollte wie in Nîmes auf die Titelseiten und international erwähnt werden. Das hat nun ja nicht unbedingt funktioniert. Aber in den Vereinigten Staaten zeigte man sehr wohl Interesse an diesem Ereignis. Denn mit einer Auflage von um die zwei Millionen widmete sie die einflussreiche und überregionale Tageszeitung, die New York Times der mundo de los toros in México zu. Insbesondere über den letzten Sonntag mit dem spanischen matador de toros José Tomás.

Zunächst auffallend die Titelähnlichkeit mit SfA:


Wer der englischen Sprache mächtig ist, ist gerne eingeladen die Reportage von Geoffrey Gray zu lesen: A God of de Nullring Made Human. Neben einem durchaus lesbaren wie interessanten Text versteht hierbei auch das Bildmaterial zu überzeugen.

Freitag, 5. Februar 2016

Bekenntnisse eines Zwei-Sterne-Kochs





von Mario Sandoval


In der spanischen Hauptstadt findet jährlich das Treffen der besten Köche Spaniens statt. Dort, bei der Madrid Fusión  präsentieren die Sterne Köche ihre jüngsten Ideen und Highlights. Besondere Beachtung fand dabei ein Video des Zwei-Sternekoch Mario Sandoval (aus dem berühmten Restaurant Coque in Madrid), welcher sich als bekennender aficionado und Koch mit der Natur der dehesas auseinandersetzt. Für ihn ist das carne de lidia ein grosser unbekannter Luxus in diesem Land. Denn es sei ei auffällig gesundes und schmackhaftes Fisch, weil der toro während vier Jahre auf dem freien campo lebt und nur mit natürlichen Produkten ernährt wird. So hatte er die Ehre und das Vergnügen auf dieser Gourmet-Messe vier Speisen von eben jenem Luxus vorzustellen. Passend dazu entstand folgende Videopräsentation:


"Der Wert von Nachhaltigem
Was hat mich bis hierher gebracht?
Der Respekt gegenüber der Natur!
Der toro bravo, eine einzigartige Rasse
Die Vielfalt einer aufregenden Welt
In Freiheit aufzuwachsen
Freiheit
Nachhaltigkeit
Mit Identität zu kochen
Identität
Kenntnisse und Respekt
Seele
Der Wert des Natürlichen
Wir alle haben einen Traum
Meiner ist mit Freiheit zu kochen
mit Identität und Seele."

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Quellennachweis:

Donnerstag, 4. Februar 2016

Wenn der Manager der Plaza de Toros über den letzten Sonntag spricht





von Rafael Herrerías


Der empresario der La Monumental de México Don Rafael Herrerías ist von dem spanischen Superstar unter den toreros, dem matador de toros José Tomás als Mensch nicht so richtig angetan. Dabei brüskiert ihn nicht unbedingt sein doch eher bescheidener Auftritt in der mexikanischen Hauptstadt vom letzten Sonntag (SfA: Der Tag, an dem José Tomás wieder zum Menschen wurde), er fand ihn auch nicht so schlecht, sondern vielmehr erregt den Geschäftsmann aus der mundo taurino das allgemeinen Verhalten des toreros aus Spanien. Er selbst sei von dem maestro so ziemlich enttäuscht.

Einer der sichten Personen in der mexikanischen mundo taurino.
Zur corrida:

"Was mich am Sonntag so emotional überwältig hatte, waren nicht die vielen Leute, sondern die Qualität, das Wissen der Besucher. Es waren regelrechte authentische taurinos."

Das Publikum war vor allem von den pinchazos enttäuscht. Gut irgendwann haben sie Bier getrunken und so ab der Mitte begann die Stimmung zu sinken."

"Da sassen im Publikum viele, welche ihre ganzen Ersparnisse ausgegeben haben, um an dieser corrida teil zu haben, für die Anreise, das Hotel, Restaurants und die fanden grösstenteils, das dies alles den Aufwand nicht Wert war."

Über José Tomás:

"Er begrüsst mich nicht einmal. Und als er novillero war, war ich es, der ihm die alternativa in México ermöglicht habe. Es gibt kaum einen undankbareren als ein undankbareren torero als diesen torero."

"Er hat 300 boletos verlangt und ich glaube, er hat nicht mal drei amigos. Für wen waren die? Vielleicht für Geld? Aber so teuer sind die ja nicht. Aber er fragt nach vielen Dingen die Geld kosten, Werbung, seinen eigenen Arzt, ... und wenn man das alles addiert, ja, er ist der Teuerste!"

"Aber trotzdem haben wir ihm wieder angeboten, am 28. Februar noch einmal anzutreten. um den zahlreichen aficionados doch noch einmal gerecht zu werden. Bei zwei toros war er ja gar nicht mal schlecht, aber sein Publikum erwartet gerade von ihm eben mehr. Man will ihn triumphieren sehen."

Mittwoch, 3. Februar 2016

Der Torero, das kleine Mädchen ... und doch ein Ende




vom Torero "Paquirri"

Viel wurde in den letzten Tagen darüber geschrieben, gechattet und gesprochen, darüber, dass der matador de toros Francisco Rivera Ordoñez "Paquirri" mit einer vaquilla Manöver durchführt und seine junge Tochter dabei auf dem linken Arm trägt. Bis zur Justiz kam der Fall und nun hat der torero selbst einen Schlussstrich gezogen. So viel Stress sei der ganze Aufwand nicht Wert gewesen, und würde letztendlich nur den antitaurinos hilfreich zuspielen, und den Unwissenden noch unwissender machen. Und so kann man es auch en den Tweeds beobachten, viele haben da mitgeredet, ihren Kommentar über Verantwortung und Erziehung gepostet, obwohl sie von der tauromaquia im Eigentlichen keine Ahnung haben.


"Ich würde es nicht mehr tun!"

Teilte der torero der Presse mit, nach so viel Polemik und Schmerzen, welche man seiner Familie zugefügt hätte, und das alles nur wegen einem Photo.
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Siehe auch:

Viel Polemik um ein Photo: Torero mit Tochter auf dem Arm, SfA TAURO-PHOTO vom 27.01.2016
Ein Torero, ein kleines Mädchen ... und kein EndeSfA Reportage vom 30.01.2016

Quellennachweis:

TV-Zeitschrift CORAZÓN
aktuelle Ausgabe





Dienstag, 2. Februar 2016

Der Tag, an dem José Tomás wieder zum Menschen wurde



von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)


Der mit Spannung erwartete Stierkampf in Mexico
wurde zu einem Tag der Stiere zum Vergessen
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Während in Deutschland die afición im Allgemeinen sich am letzten Wochenende erfreuen konnte, immerhin wurde Deutschland im Handball Europameiste und in Australian gewann mann das Tennis open. Doch die afición a los toros begegnete der Wirklichkeit. Einer Realität mit der kaum einer gerechnet hatte. Vor allem nicht erwarten wollte.

Oder waren die Erwartungen einfach zu hoch geschraubt?  Wollte man ein zweites Nîmes mit elf orejas noch einmal erleben? Träumte man von einer Wiederholung der Apotheose in Südfrankreich aus dem Jahre 2012? (Siehe SfA-Reportage: Apotheose). Und wenn viele ehrlich sind, ja, das haben wir erwartet. Einige sogar haben keine Kosten und Mühen gescheut, aus der ganzen Welt dorthin zu reisen, und viele spanische Printmedien hatten für ihre Montagsausgabe auch schon mal einen Platz auf der Titelseite reserviert. Doch es kam ganz anders.


Die Chronik einer traurigen Nacht, so betitelte das Portal mundotoro seine Berichterstattung, begann vor einer eindrucksvollen Kullisse. Agotado el boletajo, ausverkauft, wie man in México zu sagen pflegt. Und in der La Monumental de México der mexikanischen Hauptstadt sind das immerhin 41.262 Zuschauer in den tendidos.  Die grösste plaza de toros der Welt erwartet "den grössten" torero der Welt. Den Mythos José Tomás.

Vertikal und mit stolzer Brust betrat der matador de toros José Tomás das ruedo
Und da betrat der maestro José Tomás das ruedo, stolz, gerade und fast bewegungslos und von den Rängen wurde er mit stehenden Ovationen empfangen. Was kann ein torero von der afición mehr erwarten? Aber das war es auch schon. Denn der diestro aus Spanien hatte nur eines im Sinn. Sich selbst. Irgendwie schien er vergessen zu haben, dass bei einer corrida de toros, auch die toros im Mittelpunkt steht, und um nicht das aforo zu vergessen, welche teilweise nicht nur viel unternahmen um an die entsprechenden entradas zu kommen, sondern auch etwas erwarteten, wie die Übertragung von emotionalen Momenten und vielleicht gar dem duende. Spontan kommt dem Kenner und aficionado der maestro Enrique Ponce in den Sinn, welcher genau jene Kunst bestens und perfekt beherrscht. Jene Transmision, jene arte de torear welche José Tomás hat hier vermissen lassen.

Eine natural, doch irgendwie wirkt es alles distanziert, trotz der optischen Nähe.
Vor zwanzig Jahren feierte der heute vierzigjährige José Tomas hier in diesem Rund seine alternativa. Seinen Ritterschlag zum matador de toros. Von diesem Moment bescherte er vielen aficionados zu verschiedenen Momenten unvergessliche suertes, ob mit capa oder muleta, auch mit dem estoque verstand er es zu triumphieren.

Mit der capa eine Einheit bilden.
Doch an diesem tarde de toros war alles ganz anders.  Es sei, als ob zwischen Mensch und Stier sich ein Spiegel befände, so berichten spanische Kritiker, und der torero nur sich selbst im Sinne hatte.  Statt dem toro zu begegnen hätte er nur seinen eigenen Schatten im Visier gehabt. Was man zu sehen bekam war Technik, eine verónica, die auch ein Roboter hätte ausführen können. Das war kein toreo, schon gar kein arte del toreo sondern der torero für sich allein. Da kam der maestro vom taurinischen Olymp, hat seinen Mythos vergessen, oder nur diesen im Auge gehabt, und selbst die cogidas zeigten auf, zweimal hat ihn ein toro erwischt und zweimal ist er wieder aufgestanden, José Tomás ist nur ein Mensch, sterblich wie wir alle. Das kann auch die tragische und beinahe todbringende cogida von Aguascalientes vor wenigen Jahren nicht mehr gerade biegen.

José Tomás wird von einem toro erwischt.
Es gab tardes für die Ewigkeit. Dieser wurde für die Vergessenheit geschaffen. Oder der Sprung zurück in die Wirklichkeit? Der Millionen-Dollar-Torero, wie er in der Weltpresse beschrieben wird, nichts anderes als nur ein normaler Mensch? Wie auch immer, für ihn war es ein dunkler Tag, ein Tag zum Vergessen.

Joselito Adame mit einer verónica und einem toro der ganadería Los Encinas.
Aber es kam noch schlimmer. Wollte er hier in México gleich seiner alternativa erneut seinen Mythos bestätigen, welches als Spiegelbild eines leeren Ichs endete, so gelang es mit dem letzten toro dem mexikanischen Kontrahenten, der matador de toros Joselito Adame die fast 42.000 Seelen in den tendidos für diese enttäuschende Leistung zu entschädigen.

Dos orejas für den sich freuenden Sieger des Tages, für Joselito Adame
Und nicht gleich schlecht. Denn immerhin wurde der torero aus México mit dos orejas belohnt. Um nicht zu sagen, er beraubte ihm seines grossen tarde de toros. Und so war es auch in den mexikanischen Medien zu lesen: Joselito Adame triumphiert am Tag des José Tomás. Da schmerzt für einen torero um so mehr, seinen tarde mit pitos zu beenden, umso mehr, dass man in den spanischen Medien sich an die Namen seiner toros noch erinnert:  Bellotero, Platero und Romancero ... gezüchtet für das Vergessen.

Pitos von den Rängen können den maestro José Tomás nicht erfreuen.
Es war nicht sein Tag. In seinem Gesicht spiegelt das ganze Dilemma wieder.
Vom Olymp gekommen, verlässt er als Mensch die plaza de toros.
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Die corrida de toros im Überblick

La Monumental de México
No hay billetes, 41.292 Zuschauer
Toros der ganadería Los Encinas (1/4/6) und Fernando de la Mora, (2/3/5) ein sobrero (5) von Xajay
für die matadores de toros:
José Tomás: oreja (Proteste aus dem Publikum), ovación tras aviso,  pitos nach aviso.
Joselito Adame: ovación tras aviso, silencio, dos orejas

Montag, 1. Februar 2016

Der Präsident des spanischen Abgeordnetenhauses unterstützt die Tauromachie




von Philip de Málaga


Patxi López unterstützt der Tauromachie auf der Tourismusmesse
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Während die spanische Hauptstadt derzeit einiges daransetzt, für die toros nicht mehr zu werben (SfA: Ist der Stierkampf eine nationale Fiesta?), so ist die mundo de los toros auf der FITUR (Internationale Tourismus Messe) in Madrid trotzdem vertreten.

Zwar ist die tauromaquia nicht mit einem eigenen Stand anwesend, aber Personen sowie Organisationen aus der mundo taurino sind gern gesehene Gäste bei den Ständen der einzelnen Regionen, besonders denjenigen, wo die toros als Tradition und Kultur einen hohen Stellenwert haben, wie zum Beispiel in Andalusien, Valencia oder der Extremadura.

Präsentation der feria taurina in Olivenza (Foto: la economía del toro)
Letztere Region lud am letzten Freitag dazu den Präsidenten des spanischen Abgeordnetenhauses Don Patxi López ein, welcher mit vollem Herzen die tauromaquia unterstützt. In Zusammenarbeit mit der FIT (Internationale Vereinigung der Tauromachie) präsentierte der sozialistische wie populäre Politiker die neuen Projekte aus der mundo de los toros.

Der Präsident des Spanischen Abgeordnetenhauses Don Patxi López, zweiter von links
(Foto: la economía del toro)
So unter anderem die festejos taurinos in Olivenza, wo man auch Schülern die Möglichkeit gibt der tauromaquia näher zu kommen um sie kennen zu lernen. Schon in den letzten beiden Jahren hat es diesbezüglich Veranstaltungen mit dem matador de toros El Juli gegeben. Zu dieser Präsentation erschien noch weitere politische Prominenz. Neben dem Bürgermeister, dem Minister für Wirtschaft und Infrastruktur der Landesregierung und dem Abgeordnetes des Kreistages, verantwortlich für Tourismus und tauromaquia.  Aus dem sector taurino kam der erfahrene empresario José Cutiño. Alle waren sich einer Meinung. Die feria taurina von Olivenza sei  ohne Frage ein tragender Wirtschaftsmotor für die Extremadura und betonten, dass sie diese kulturellen Werte der Feierlichkeiten taurinos nicht nur rechtfertigen sondern auch weiterhin unterstützen werden.

Auf der FITUR sind mehr als 9.000 Unternehmen aus mehr als 165 Ländern und Regionen vertreten, und sie zählt jährlich ¼ Million Teilnehmer, wovon mehr als 120.000 aus den professionellen Bereichen des Tourismus kommen.  Und die FIT wird, als Vertreter der tauromaquia, bei vielen Regionen die Interessen der toros präsentieren. Dabei werden auch empresarios und toreros eingeladen sein.