Freitag, 6. Januar 2017

Ist der Stierkampf eine Kunst?





von Valle-Inclan



Was ein spielendes Kind mit den Stieren zu tun hat
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Der spanische Journalist und Schriftsteller Ramón Pérez de Ayala (1880 - 1962) traf sich im Atelier des Bildhauers Sebastián Miranda (1885 - 1975) in Madrid, um dort gemeinsam mit dem spanischen Dramatiker Ramón María Valle-Inclan (siehe SfA-Zitat: "Einfach nur lächerlich!") zu dinieren. Der noch junge Journalist, gerade mal zweiundzwanzig Jahre alt, war sehr angetan von dieser Atmosphäre und nachdem sie die Nachspeise beendet hatten richtet er sich respektvoll an seinen spanischen Freund und Schriftsteller Valle-Inclán: "Don Ramón, glauben sie, dass es Kunst ist, der Stierkampf?"
Ramón María Valle-Inclán, Sebastián Miranda und Ramón Pérez de Ayala
"Selbstverständlich, und eine ganze Menge! Schauen Sie: Die grösste Manifestation der Kunst findet sich in der Tragödie. Der Autor einer Tragödie schafft einen Held und sagt dem Publikum: "Ihr müsst diesen lieben!" Und was macht es aus, geliebt zu werden? Er umgibt sich mit Gefahren, mit Bedrohungen, mit schlechten Vorzeichen ... und das Publikum beginnt sich für diesen Held zu interessieren, und je grösser sein Leid ist, je mehr er sich dem Tod nähert,  umso mehr lieben sie ihn. Denn der Mensch liebt nicht unbedingt seinen Mitmenschen, sondern wenn er ihn in Gefahr sieht.

Angenommen ein kleines Kind spielt in diesem Raum und wir beachten es nicht. Im Gegenteil das Spielen empfinden wir als störend. Doch plötzlich nähert sich das Kind dem Balkongeländer, und es scheint so, als ob er darüber auf die Strasse fallen würde. Und da erheben wir uns besorgt und rufen aus: "Dieser Junge!". In genau jenem Moment mögen wir alle diesen Jungen, aber es hat sich als notwendig erwiesen, dass unsere Herzen ihre Liebe erst entfalten konnten, als wir im Begriff waren, dieses Wesen zu verlieren. 

Bei den toros ist die Tragödie pure Wirklichkeit. Dort ist der torero Autor und Schauspieler zugleich. Er kann nach seiner Laune eine Komödie, Tragödie oder Farce schaffen. Je grösser die Gefährlichkeit des toreros, umso  grösser ist die Androhung einer Tragödie und noch grösser die Manifestation als Kunst. 

Es gibt toreros, wie Belmonte (1892-1962), die rufen die Tragödie ins Leben, sie fühlen sie, und während sie die suertes des toreos vollführen, händigen sie sich im Rausch der Kunst dem toro aus. Dann streifen die cuernos der toros die Seide und das Gold ihrer trajes; die Tragödie nähert sich, und das Publikum, ohne zu wissen warum, erhebt sich, ist ergriffen, ist begeistert. Warum? Für die Kunst.

Sprechen wir mal den toros die Fähigkeit ab zu töten, und schon gebe es keine fiesta mehr, weil die Tragödie fehlt, und somit keine Kunst. Nehmen wir einmal an, in zehn Jahren stirbt nicht ein torero, das Interesse an den corridas de toros würde schwinden. Ein torero der sich nicht der Gefahr aussetzt von einem toro erwischt zu werden, beginnt das Publikum zu langweilen. Das geschah zum Beispiel mit Rafael Guerra (torero, 1862 -1941). 

Heute haben wir den Fall von Joselito (torero, 1895-1920). Joselito ist ein torero mit grösstem Wissen und verfügt über mehr körperliche Fähigkeiten als andere. Allerdings begann er das Publikum zu langweilen. Er war der erste wirkliche Schauspieler der tauromaquia. Aber wie eben in dieser Kunst, der innere Autor und der Schauspieler treten gemeinsam an. Und der Autor Joselito will keine Tragödie schaffen; er fühlt nicht die Kunst der Tragödie, und trotz seiner wunderbaren faenas, seiner Begabung, seinen Wunderwerken, merkte das Publikum, dass etwas fehlt, etwas was der Grund dafür sein könnte, dass der langweile Tag kommen wird, und man weiss nicht was es ist. 

Die Tragödie ... die Kunst ... Sein Bruder Rafael (El Gallo, torero  1882-1960) ist eine andere Angelegenheit. Er verfügt über weniger Fähigkeiten, weiss weniger als er; wenn er aber einem toro begegnet der ihn begeistert, dann schafft er arte, dann wird es göttlich; weil er, wie Belmonte, verwandelt, und diese Verwandlung ist Theologie.

Die toros, um so zu sein, wie sie sein sollten, benötigen ihren tragischen Teil, den Tod des toros, des caballos oder auch mal des toreros. Der torero, der sich während seines toreos am meisten dem Tod nähert, dieser ist der grösste artista, derjenige der am besten die taurinische Tragödie interpretiert, obwohl der andere, zwar über die besseren Fähigkeiten verfügt, steht er über ihm. Joselito oder die Quinteros (toreros, 1869-1932, 1895-1970) sind da gleich... Sie sind "gut". Nun, alles was ich jetzt gesagt habe, die Fachbegriffe taurinos, nicht einmal dieselben toreros, kennen kein Wort davon." 

Donnerstag, 5. Januar 2017

Der Torero "El Juli" erhält die Goldmedaille der Schönen Künste





von Philip de Málaga


Auch in diesem Jahr wird die Tauromachie

von dem Ministerium für Kultur ausgezeichnet
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Der spanische Ministerrat kurz vor Weihnachten, am Freitag den 23. Dezember bekannt, wer in Spanien für das laufende Jahr mit dem höchsten Kultur- und Kunstpreis ausgezeichnet wird. Und so geht zum fünfundzwanzigsten Mal die Goldmedaille für die Verdienste in den Schönen Künsten unter anderem auch wieder an die mundo de los toros. Und für 2016 er hält die Medalla al Mérito de las Bellas Artes der matador de toros Julian López  Escobar "El Juli".  

Der im Oktober 1982 in Madrid geborene Julian López "El Juli" hatte, anlässlich seiner Kommunion, seine erste Begegnung mit einer becerra Anfang Juni des Jahres 1991, mit nur acht Jahren, bei einer fiesta campera auf einer Finca in Toledo. Fasziniert, begeistert und vollkommen entschlossen bat er seine Eltern, ihn bei der escuela taurina von Madrid anzumelden. Voller Enthusiasmus stürzte er sich in und auf alles was mit der mundo taurino zu tun hatte, lernte mit viel Fleiss den Umgang mit capa, muleta und capa und kam so im Alter von elf Jahre, am 20.Juli 1995 zu seiner ersten becerrada wo er nach einer beeindruckenden faena mit einer glanzvollen estocada entera seinen "ersten Stier" tötete. Dos orejas y rabo! Und alle waren sich einig, mit ihm war ein grosser torero auf dem richtigen Weg. Eine neue Hoffnung im cielo de la tauromaquia.
Webseite: El Juli
Mit nur achtzehn Jahren trat er dann zu seiner alternativa im französischen Nîmes an, wo ihm als padrino José María Manzanares (padre) und als testigo Ortega Cano zur Seite standen. Jene corrida wurde live im spanischen Fernsehsender TVE übertragen, und mit den trofeos von tres orejas öffnete sich für den neuen Star der spanischen mundo de los toros die puerta grande. 
Mehr als 1.683 tardes de toros stand er nun im ruedo einer nicht selten sehr gut besuchten plaza de toros, erreichte elf Begnadigungen durch indultos und gehört ohne Frage zu den ganzen grossen figuras der aktuellen Gegenwart der spanischen mundo taurino. Mit seinem sympathischen Charakter gehörte und gehört er nicht nur zu einem der gern gesehenen Gäste in zahlreichen TV-Sendungen, sondern zählt auch zu den grossen Verteidigern der tauromaquia. Zum Beispiel durch seine "politische" Präsenz bei den G 10. Auch setzte er sich stark für die Weitergabe, Vermittlung und Erklärung der toros an ein junges Publikum ein. Für Julian López  Escobar "El Juli" ist die mundo de los toros nicht nur eine Herzensangelegenheit sondern auch eine Lebensaufgabe geworden, welcher er sich mit ganzer Leidenschaft stellt.
Somit war es  eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass dieser Ausnahmetorero, welcher sein Leben dem toreo und dem dazugehörigen Umfeld gewidmet hat, die Auszeichnung der Medalla al Mérito de las Bellas Artes zugesprochen bekam. Seine bewundernswerte Ausdauer, so hiess es, liess ihn zu einem fundamentalen torero der aktuellen tauromaquia werden. Dabei wurde nicht nur seine Leistung, seine Kunst und der Mut vor den toros im ruedo lobend erwähnt, sondern auch seine Förderung von Unterrichtung, der Entwicklung und Verbreitung dieser arte del toreo sowie sein Einsatz für die Erhaltung von diesem künstlerischen Erbe.

Mittwoch, 4. Januar 2017

México 2016: 11 Prozent mehr Stierkämpfe!

 von Philip de Málaga

In México gibt es das ganze Jahr über Stierkämpfe
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So im Allgemeinen neigt man dazu, auch als aficionado de toros, die temporada taurina für die Sommermonate in Europa zu platzieren und für die Wintermonate im süd- und mittelamerikanischen Raum. In der Tat ist es in den amerikanischen Ländern so, dass sie sich in der Regel nur ein paar wenige ferias taurinas leisten; leisten können und meistens in Verbindung mit ihren katholischen Festlichkeiten.

Nicht so in den Vereinigten Mexikanischen Staaten. Dort ist die Liebe zu den toros gross und die mexikanischen aficionados haben die Möglichkeiten jeden Monat im Jahr zu corridas zu gehen. 
Und so kommt es, dass die Anzahl der festejos taurinos in México im Jahr 2016  im Vergleich zum Vorjahr um 11,3 Prozent gestiegen ist. Den Grossanteil halten dabei die novilladas mit plus 23,3% und die corridas de toros mit plus 6,6%. Mehr als 500 Mal hatten die toreros in México im letzten Jahr die Möglichkeit ihr Können im ruedo einer plaza de toros unter Beweis zu stellen. Waren es 2015 gerade noch 456 festejos so kam man 2016 auf 507.
Dabei stellten sich 131 matadores de toros, 121 novilleros und 25 rejoneadores dem Publikum in den tendidos. Nur toreros waren mehr als dreissig Mal bei einer corrida zu sehen: Die mexikanischen matadores de toros Zotoluco (45x) und Arturo Salvídar (30x), sowie der spanische rejoneador Pablo Hermoso de Mendoza (45x).

Die meisten corridas gab es in der Monumental de México (mit 26 festejos taurinos), es folgen die Monumental de Aguascalientes (mit 15 festejos taurinos), Guadalajara mit 13 festejos taurinos, sowie Tlaxcala und Zacatecas mit jeweils 10 festejos taurinos. Alle anderen 219 plaza de toros veranstalteten 2016 weniger als zehn Veranstaltungen taurinos. 

Dienstag, 27. Dezember 2016

"Einfach nur lächerlich!"




von Valle-Inclán


Auch der spanische Dramatiker Ramon María Valle-Inclán (1866 bis 1936) aus Galizien zählte zu dem Kreis der passionierten aficionados de toros. Und wenn ein Dramaturg einer corrida de toros beiwohnt, weiss er sehr wohl das Gesehene zu reflektieren. Aber sein Blick war nicht nur auf das ruedo fixiert, sondern er schaute auch in die tendidos und beobachtete aufmerksam das Geschehen vor der plaza de toros und im gesellschaftlichen Umfeld. Schon damals versuchten sich verschiedene Personen auf dem sector antitaurino. Hier ein Textauszug aus dem Jahr 1915, wie Valle-Inclán darauf reagierte: 
Der Journalist Ramón Pérez de Ayala, der Schriftsteller Valle-Inclán und der torero Juan Belmonte 
"Die gesamte Kampagne dieser geradezu stillosen Schriftsteller ist einfach nur lächerlich! Die fiesta de toros ist das Wunderbarste was man sich vorstellen kann! Meines Erachtens sind die toros die einzige Erziehung die wir haben. Die Emotion, die Kunst, der Mut, das Licht. 

Ich bewundere Belmonte, seine Ausstrahlung. Jener Mann, wenn er weit weg vom toro sich befindet, er ist nur hässlich, klein, geschrumpft, lächerlich und ohne Schönheit versehen, aber wenn er dem toro begegnet, überträgt er etwas, wobei wir uns wunderbar fühlen, es reizt uns, es zieht uns in seinen Bann. Genau das ist die arte der corrida de toros. Gibt es etwas Schöneres als diese Übertragung, eine Verwandlung, eine Harmonie der Gegensätze zu sehen? 

Das griechischen Volk, welches zu den künstlerischsten gehörte, sah ihren Helden in der Tragödie sterben, und liebten ihn dafür mehr, weil er es verstand deren Gefühle in künstlerische Materie zu verwandeln; und das bevor wir ein starkes Land voller Künstler wurden. Nun werden wir alle plötzlich sentimental und weinen; und wohltemperierte Menschen welche es verstanden hatten aus Schmerzen, Perlen der Kunst zu kreieren, sollen nun zu Heulsusen und Nörglern konvertiert werden. Und dieses Werk wird von einer lächerlichen Presse getragen, die stets mit einfältigen Wehklagen präsent zu sein scheint."

"Spanien ist eine groteske Verformung der europäischen Zivilisation!" 
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Quellennachweis:

De Silencios y Espejos, Alberto Mira Nouselle, Seite 91, Edición de la Universidad de Valencia, Departamento de Filología y Filosofía Inglesa y Alemana, Valencia 1996 

Samstag, 24. Dezember 2016

Frohe Weihnachten 2016

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FROHE 
WEIHNACHTEN 
für 
ALLE! 
Auch in die Länder 
die bei SfA mitlesen:
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* Feliz Navidad * 
* Feliz Natal * 
* Joyeux Noël * 
* Merry Christmas * 
* Buon Natale *  
* Поздравляю с Новым годом и Рождеством * 
* Zelig Kerstfeest * God Jol * Glædelig Jul * 
* Hyvää Joulua * Nollaig Shona Dhuit * 
* Westlych Świaat Bozego Narodzenia *
Crāciun fericit * Noeliniz kutlu olsun *
*Kellemes karácsonyi ünnepeket kívánok nektek *
* Geuzt Krislinjden * Echo Bricho * Maligayan Pasko *



"In Bethlehem ist ein torero geboren,
den sie Jesus nannten.
Statt capa und muleta
trug er Wörter und Werke des Lichts,
statt banderillas, drei Nägel
und für den estoque ein Kreuz."



Selige Weihnachten für Alle

Freitag, 23. Dezember 2016

Eine geheimnisvolle Kunst




von Camilo José Cela

Der spanische Schriftsteller und Nobelpreisträger Camilo José Cela (1916 bis 2002) benutzte in seinen Werken den Begriff des "Tremendismus". Eine Bezeichnung welche sich in der mundo taurino wiederfindet: In der escuela tremendismo. 

Überhaupt konnte sich Camilo José Cela neben seiner Passion als aficionado für die toros auch vorstellen, selbst im ruedo anzutreten. In der Tat versuchte er es selbst Mitte der Vierziger Jahre, ein paar wenige Male, sich mit becerros zu üben, wo er die schmerzhafte Erfahrung machen konnte, wie schnell doch so ein kleines Kalb beschleunigen kann. 

Er selbst pflegte intensive Freundschaften zu der mundo de los toros, wie zu den matadores Manolo Vázquez und Luis Miguel Dominguín oder zum rejoneador und ganadero Álvaro Domecq.
Camilo José Cela mit der capa in Las Navas del Marques in Ávila (1948)
"Das toreo ist eine geheimnisvolle Kunst. Zur Hälfte ein Laster, zur anderen Hälfte ein Ballett. Es ist eine farbenreiche, sehr liebenswerte und lebendige Welt, und wir alle haben den Traum, an einem Tag mal ein torero zu sein."



Donnerstag, 22. Dezember 2016

Der Stierkampf, ein Schauspiel, welches sich mit keinem anderen auf der Welt vergleichen lässt



von José Ortega y Gasset


Der spanische Schriftsteller und Philosoph José Ortega y Gasset (1883 bis 1955) konnte in sich nicht unbedingt den passionierten aficionado de toros entdecken. Trotzdem haben ihn die toros sein Leben lang begleitet. Er hat nicht wenige festejos taurinos besucht, führte persönliche Beziehungen zu toreros wie die legendären figuras importante Juan Belmonte (1882 bis 1962), Rafael "El Gallo" (1882 bis 1960) oder Domingo Ortega (1906 bis 1988), und war letztendlich doch fasziniert davon, jenes Geschehen im ruedo vom geistigen Standpunkt her zu betrachten. Dies eröffnete ihm neue literarische Perspektiven. Den Blick in die seelischen Tiefen der Verbundenheit zwischen Mensch und Tier. Somit gehörte er in der Literaturszene mit Sicherheit zu den ersten Autoren, den es gelungen ist, die mundo de los toros intellektuell zu erfassen. Er begann sich für die Menschen zu interessieren, für die taurinos. Wie sie denken und warum sie es so tun.   
José Ortega  y Gasset und der torero Juan Belmonte gemeinsam bei einerm pase al limon.
" Ich bin nicht unbedingt jemand, der sich einen aficionado nennt. Nach meiner Jugend habe ich sehr selten corridas besucht,  gerade so viele, um zu verstehen was dort geschieht. 
José Ortega y Gasset und der torero Rafael "El Gallo"
Hingegen habe ich mit den toros das gemacht was kaum einer tat.  Meine Aufmerksamkeit mit intellektuellem Grossmut  diesem erstaunlichen Phänomen der corridas de los toros zu schenken,  ein Schauspiel, welches sich mit keinem anderen vergleichen lässt, und welches in der ganzen Welt auf eine gewisse Resonanz stösst."
José Ortega y Gasset (Mitte) mit den toreros Machaquito, Pascual Calderón Velis
und Rafael Martínez de Arizala in der Finca La Viñuela von Antonio Cañero
bei Córdoba im Frühjahr 1932 

"Die Geschichte des toreo ist verbunden mit der von Spanien. Und es scheint genauso unmöglich den Fortschritt zu erkennen, wenn man die Anfänge nicht versteht."

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Das Verfassungsgericht bestätigt das Verbot des Tötens beim Toro de la Vega




von Philip de Málaga


Der klassische  Toro de la Vega bleibt weiterhin verboten
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Eigentlich war eine solche Reaktion zu erwarten. Das spanische oberste Verfassungsgericht hat vor einer Woche einstimmig das Vorgehen der Landesregierung aus Kastilien León bestätigt, wo das Töten des toros bei den jährlich stattfindendem wie weltbekannten festejo popular Toro de la Vega in der Gemeinde Tordesillas (Valladolid) untersagt worden ist. 
Das Rathaus von Tordesillas reichte die Verfassungsklage ein, weil sie den Standpunkt vertreten, das mit dem verbot dieser Tradition die Autonomierechte der Gemeinde verletzt worden seien. Mehr noch. Das Urteil verbietet einen weiteren Dialog, bzw. weitere Diskussionen mit dem betroffenen Rathaus, welches wiederum einem endgültigen "Aus" des Toro de la Vega gleichzusetzen ist. Begriffe wie Libertad oder Tradition reichten nicht aus um diese Veranstaltung zu rechtfertigen. Das Töten eines toros bei einem torneo tradicional sei nicht zulässig, wenn es ein Entscheid der autonomen Landesregierung ist. Die Landesregierung habe absolut konform der spanischen Verfassung gegenüber gehandelt.

Eine grundsätzliche Frage die sich dabei stellt, in wie weit sind festejos populäres, wie zum Beispiel eben jener Toro de la Vega, Bestandteil der spanischen tauromaquia, welche ja es als spanisches Kulturerbe eigentlich zu schützen gilt. Viele aficionados de toros schweigen zu diesem Thema. Wollen kein heisses Öl ins Feuer der antitaurinos kippen (Warum Aficionados wegschauen), was wiederum verständlich scheint. Trotzdem ist diese Frage nicht ganz unberechtigt. Wie weit haben der Staat, die Landesregierungen, die Kreistage, bzw. die Rathäuser, die Rechte der mundo de los toros zu beschneiden?
Ein José Antonio, zwei Meinungen!
José Antonio de Santiago-Juarez (PP) und José Antonio González Poncela (PSOE)
Nun meldete sich am Montag dieser Woche auch Don José Antonio de Santiago-Juarez Lopez (PP), Vizepräsident der Landesregierung von Kastilien León zu Wort, der auch selbst für die Entscheidung des Verbotes verantwortlich ist: "Wir hatten zu keinem Zeitpunkt begründete Zweifel, dass wir hier gegen irgendwelche Regeln verstossen". Und an den Bürgermeister in Tordesillas, Don José Antonio González Poncela (PSOE) gerichtet: "Ich denke was sie jetzt tun müssen ist es, in die Zukunft zu schauen, das neue torneo für September 2017 vorzubereiten, und sie sollten wieder den Namen Toro de la Vega verwenden, statt Toro de la Peña. Alleine schon deswegen, um an den Ursprung dieser Tradition zu erinnern". Und er fügte hinzu: "Bei den festejos populäres sollte man die Sensibilität der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts anpassen". Der Bürgermeister erklärte lediglich ernüchternd, "Keiner habe das Recht von ausserhalb eine 500 Jahre alte Tradition zu beschneiden oder zu beeinflussen".

Erstaunlich wie hier geradezu in einem umgekehrten Verhältnis, die konservative PP gegen die sozialistische PSOE gegen die toros argumentiert.

Dienstag, 20. Dezember 2016

Taurinische Assoziationen zum Jahresende 2016

Morante de la Puebla - Libertad 
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von Torodora Gorges


"El quite de la cigarrera" - mit dieser neuen suerte hat Morante de la Puebla vor wenigen Tagen das Publikum  im coso von Insurgentes in México überrascht. Elegant, sehr ästhetisch-tänzerisch, schwung- und kraftvoll - mehrmals habe ich mir diese suerte in mundotoro.com angeschaut. Sie mutet  in dieser Komplexität eher wie eine  spontan ausgeführte Eingebung an. Lässt sie sich in ihrem choreographischen Ablauf wiederholen?  Morante hat den "quite de la cigarrera" aus der Taufe gehoben. Er stellt seine Neuschöpfung mit den Röcken der Bewohnerinnen von La Puebla del Rio in Zusammenhang. Nach dem alten Lexikon von Slabý/Grossmann bedeutet "cigarrera": Zigarren/Zigaretten-Arbeiterin, dann auch: Zigarrenkästchen; das Internet-Wörterbuch LEO bietet als Übersetzung nur "Zigarettenetui" an. Beim Begriff "cigarrera" fallen mir die rauchenden Fabrik- Arbeiterinnen in Bizets CARMEN ein. In Kuba konnte ich sehen, wie Zigarren gedreht werden, mit Tabakblättern umwickelt und umschlungen.
Der matador de toros Morante de la Puebla mit einer quite de la cigarrera
Also, José Antonio Morante hat uns aficionados (zumindest aber mir als einer aficionada, die in der spanischen Sprache nicht zuhause ist ) zum Jahresende wieder ein Rätsel aufgegeben, ein erfreuliches, das Spass macht.

Das jahrelange Warten der Mexikaner auf einen großen Erfolg Morantes in ihrer Plaza de Insurgentes  war  also endlich belohnt worden. José Antonio eroberte das Publikum in seiner faena mit dem toro "Peregrino". Dem grandios gelungenen Auftritt an diesem Nachmittag  des 12. Dezember vorausgegangen waren einige Interviews und Fotosessions, in denen sich der artista von seiner kapriziösen Seite zeigte. Stunden zuvor konnten wir ihn in einschlägigen Internetseiten sehen, posierend im morante-typischem modischen outfit. Die aufwändige, schillernde Performance  eines etwas "mafiös" anmutenden "Lebemanns",  mit  dicker Zigarre im Mund, sardonisch lächelnd. Das ist nicht unbedingt "mein" Morante-Bild. 

Einen desaströsen Ausgang der corrida in Insurgentes nach diesem spektakulären Vorlauf, der Erwartungen weckte, wollte ich mir nicht vorstellen. Einmal in dieser temporada war ich von Morantes Auftritt in der Plaza von El Puerto de Santa Maria während meines Urlaubs in Andalusien enttäuscht worden. (Über diesen blamablen Nachmittag im August kann ich nur den Mantel des Vergessens hängen.) Von anderen deutschen aficionados die Morante auf seiner Tour in diesem Sommer verschiedene  Male erlebt hatten,  hörte ich ähnlich frustrierende  Berichte.
Puerto de Santa María 2016, das war nicht sein tarde de toros.
Und das merkte der maestro Morante de la Puebla selbst.
Glücklich war ich darüber, dass ich in Lissabon das künstlerische Zusammentreffen von Morante de la Puebla und Diego El Cigala miterleben konnte (siehe Bericht in SfA: Die Nacht von Lissabon: 1. Teil, 2. Teil). Zu weiteren Besuchen von corridas de toros hatte ich in diesem Jahr leider keine Gelegenheit. 
Morante de la Puebla & Diego El Cigala

Antonio Caro Gil
Weder die jungen Stars noch die bewährten alten konnte ich life erleben. Gerne hätte ich  meinen Favoriten Antonio Caro Gil bei einem seiner höchst seltenen Auftritte gesehen. Ich hoffe immer noch, dass diesem talentierten Künstler in absehbarer Zeit die Möglichlichkeit zum Erfolg gegeben wird.

Dass sich die taurinische Szene politisch engagiert, profesión und afición gemeinsam aufgestanden sind, zigtausende Anhänger der toros im April in Valencia auf die Strasse gingen und für die Freiheit der tauromaquia nachdrücklich protestierten, hat mich erleichtert. Dass sich die Anhänger der corrida de toros und insbesondere auch die Haupt-Akteure nicht mehr dezent bedeckt halten, es sich nicht mehr gefallen lassen, als Mörder  beschimpft zu werden, dass sie mit juristischen Mitteln zu kämpfen begonnen haben gegen dreiste Verunglimpfungen und  bedrohliche Aggressionen, wurde höchste Zeit. 
"Die toros, Kultur, Wurzeln und Freiheit eines Volkes"
Demonstration für die tauromaquia in Valencia mit namenhaften toreros.
mit figuras wie Juan José Padilla (Augenklappe) oder El Juli (rechts, Mantel über dem Arm)
Ob die Proteste erfolgreich sein, und wie  die Veränderungen in der politischen Landschaft Europas die Zukunft der tauromaquia beeinflussen werden - von der zunehmenden Diktatur der political correctness einmal abgesehen - beschäftigt mich immer mehr. Die schamlos perversen Reaktionen auf den Tod des matador Víctor Barrio verstärkten den Widerstand der Befürworter der tauromaquia. (Zahlreiche SfA-Reportagen zu diesem Thema entnehmen Sie bitte dem Anhang).
Ein Photo, welches um die Welt ging. Der Tod des toreros Victor Barrio
Ich selbst fühle immer wieder Ärger und Wut in mir aufsteigen, wenn den Vertretern der grün, links oder liberal orientierten spanischen Parteien, die sich besonders der Jugend andienen wollen, nichts anderes einfällt als das Verbot der toros zu fordern!

Deshalb war ich froh, als ich im Sommer das Buch von Joselito, "Los Toros Explicados a mi Hija" (Die toros meiner Tochter erklärt) entdeckt und mit grossem Gewinn gelesen habe. Ich würde es als Lektüre für Schulen empfehlen, die es Ernst meinen mit der Nachhaltigkeit im Umgang mit der Natur, mit der Liebe zu Tieren und zu den Menschen (besonders den heranwachsenden). Aufklärung statt Verdummung! - Dieser Tendenz folgt auch das von Álvaro Acevedo editierte, dreimal im Jahr erscheinende Magazin Cuadernos de Tauromaquia (Hefte der Tauromachie), das sich durch ein hohes intellektuell anspruchsvolles Niveau auszeichnet.  Álvaro Acevedo ist ein hervorragender Journalist, der als junger Mensch eine Torero-Karriere anstrebte; dasselbe trifft auch auf Santi Ortiz zu, Autor des im Oktober neu erschienenen Buches: "El toreo frente al mundo" (Der toro vor der Welt), das ich mir sofort bestellt habe. In grosser Ausführlichkeit geht Ortiz auf die - in Spanien sehr viel exzessiver spürbaren - Kontroversen in Bezug auf die Einstellung zu Tieren ein. Er analysiert sehr profund die "bases de animalismo" (Fundamente des animalismo), den "nacionalismo antitaurino" und "el frente politico de la taurofobia" (Die politische Front der Taurophobie). Mit der Lektüre dieses klugen Buches, das mit dem dreimaligen Aufruf "Libertad! Libertad  Libertad" ("Freiheit", wer denkt da nicht an Barcelona 2011?!) endet,  werde ich weit über das Jahresende 2016 befasst sein. Die toros und die Wunder der Tauro-Magie werden mich auch im Jahr 2017 begleiten.
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Bezüglich des Todes des toreros Victor Barrio sind bei SfA folgende Reportagen erschienen:


Victor Barrio stirbt beim Stierkampf in Tereul TAURONEWS vom 9.7.2016 

Un toro Marta Victor Barrio, Reportage vom 11.7.2016
Über die moralische Erbärmlichkeit der Antitaurinos, Reportage vom 12.7.2016
Rechtliche Schritte werden in die Wege geleitet TAURONEWS vom 13.7.2016
Nestle trennt sich von Mitarbeiter wegen Verleumdung im Netz TAURONEWS vom 13.7.2016
Die Politik positioniert sich gegen den Shitstorm TAURONEWS vom 14.7.2016
Sollen diejenigen, die den Tod des Toreros verspotteten, rechtlich verfolgt werden? Spanien sagt "Ja"! Umfrageergebnis vom 15.7.2016
Über die Diffamierung des Toreros Victor Barrio im Internet TAUROZITAT vom 16.7.2016