Freitag, 22. März 2013

You Tube zensiert die toros




von Philip de Málaga


Seit dieser Woche erlaubt You Tube bestimmte Videos der toros nicht mehr
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Solche Videos sind weiterhin zugelassen.
Es kam völlig überraschend. Das Internet-Videoportal You Tube mit Sitz in Kalifornien hat diese Woche begonnen, gewalttätige Videos aus der mundo de los toros zu zensieren. Dazu gehören vor allem die suerte de varas und die suerte de matar. Dagegen dürfen Manöver mit der capa und der muleta also die quites und die faena selbst weiterhin gezeigt werden. So wurde diese Woche ohne Ankündigung der Videokanal mit taurinischem Inhalt von Pablo López Rioboo gelöscht. Das amerikanische Unternehmen teilte mit, sie hätten das Recht jedes unerwünschte Video zu entfernen. Dabei verglichen sie die toros mit Drogenkonsum und der Herstellung von Bomben. Ein höchst fragwürdiger Vergleich.

Da stellt sich natürlich die Frage, wem ist eigentlich damit geholfen? Die aficionados sind darüber nur erstaunt. Ein soziales Netzwerk extra für die toros entsteht gerade in Sevilla vielleicht haben wir ja bald die TAURO VIDEOS. Und können die antitaurinos dieses als einen Sieg für sich verbuchen? Als einen erfolgreichen Schlag gegen die tauromaquia? Wohl kaum, denn auch für sie gilt, sie können die fast immer zusammengeschnittenen und gewollt brutalen wie provozierenden Filme ebenfalls nicht mehr bei You Tube einstellen.

Und es gibt noch eine Frage! Ist das überhaupt verfassungskonform? Kann ein amerikanisches Unternehmen was auch in Spanien und Frankreich sein Geld verdient, etwas verbieten, was zum einen in der Verfassung verankert ist und zum anderen bei den französischen Nachbarn (und bald auf der iberischen Halbinsel) zum nationalen Kulturgut deklariert ist?

"Ich setzte mein Leben aufs Spiel um 500 Familien zu helfen!"

Donnerstag, 21. März 2013

Morante bester Torero bei den Fallas in Valencia




von Philip de Málaga


Die afición ist sich einig! 
Der Boheme aus Andalusien war der beste matador de toros in Valencia!
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(Foto: mundotoro)
Auf der Facebookseite des wohl wichtigsten Internetportals in Sachen tauromaquiamundotoro.com ist man sich einig. Morante de la Puebla wurde mit 55 Prozent zum  besten matador de toros bei der feria taurina, den Fallas von Valencia gewählt. Daniel Luque, der bei der selben corrida mit drei orejas triumphieren konnte kam auf 11 Prozent. An dritter Stelle findet sich der matador de toros Ivan Fandiño mit 10 Prozent. Auch das Teram von SfA ist sich einig. Morantes Auftritt in Valencia war gewiss etwas ganz Besonderes.

Und sie sagen keiner geht mehr zu den Stierkämpfen ...

Sevilla heute. Eine Menschenschlange um entradas zu erwerben.

(Foto: mundotoro)

Valencia - die letzte corrida



von Philip de Málaga
und Colin Ernst


Über die unterschiedliche Betrachtungsweise der letzten toros in Valencia
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Gestern hat mich ein Mail erreicht wo man feststellte, dass einige ausländische aficionados wohl auf einem anderen Level seien. Da lesen wir zum Beispiel im Spanienforum, dass am letzten großen Tag der corridas von Valencia der matador de toros Daniel Luque die matadores Enrique Ponce und Morante de la Puebla locker in die Tasche gesteckt hätte. War das wirklich so?

Morante de la Puebla
Was geschieht eigentlich im ruedo? In erster Linie das Zusammenspiel zwischen den toros und den toreros. Dabei sind es die magischen Momente die die afición in den Bann ziehen. So war es definitiv bei Morante de la Puebla. Bei seinem ersten toro lief er geradezu vor ihm weg um nicht erwischt zu werden. Und mal ehrlich, ein matador der toros, der vor seinem toro weglaufen könnte, da ist man doch geneigt dazu an Morante zu denken. Und schliesslich wurde er am Fuss verwundet, doch nicht durch den toro, sondern er selbst hat sich den Degen in den Körper gerammt. Das passt in das Bild des Boheme. Dann kam sein zweiter toro. Die capa wurde nicht geführt, nein wie aus Geisterhand schwebte sie durch die Luft. Sie glitt durch den Raum, hielt den Atem der afición an. Von Zauberei sprach man in einem spanischen Blog und Torodora Gorges nennt es ein Stelldichein mit dem duende. Auch die Arbeit mit der muleta, man konnte richtig erkennen, der matador war in seinem Element. Berauschende Momente, Harmonie, Eleganz und die größte spanische Tageszeitung EL PAIS sprach von Apotheose. Doch mit der estocada wollte es nicht gelingen, aber die tendidos feierten ihn mit einer frenetischen vuelta al ruedo.

Enrique Ponce hatte extremes Pech mit seinem lote und wenn nicht einmal er etwas aus den toros herausholen kann spricht das nicht gerade für die Zucht. Aber letztendlich scheiterte er auch beim zweiten toro an der estocada, wo er immerhin eine überzeugende faena darbringen konnte. 

Daniel Luque hatte ohne Frage das beste lote. Und er nutzte seine Chance. Nicht zu unrecht erhielt er die orejas. Doch was ihm fehlte war eben dieses duende, jenes bohemische Gefühl von Eleganz und Kunst, seine muleta schwebte eben nicht sondern wurde technisch geführt.

Aber wie schon oben erwähnt, die corrida lebt von dem Zusammenspielt zwischen den toros und den toreros. Wie nun die toros zu sehen sind, lesen Sie den Bericht von Colin Ernst:

Morante und Ponce sind meine Helden (y Padilla) und ich habe sie schon oft wesentlich besser erlebt, mit guten toros. Das was Domecq und Parladé da in Valencia gebracht haben war eine Beleidigung für die toreros und für das Publikum. Ponces Gesicht bei seinem ersten toro sprach Bände (aber im Interview hat er das mit einer Pfütze entschuldigt ... damit Don Juan Pedro  Domecq nicht beleidigt ist). Da ich mich auch mit den ganaderías beschäftige, bin ich kein allzu großer Fan von Domecq mehr, denn die schwächeln oft. Wenn der maestro Enrique Ponce mit all seinem Können, mit einem toro nix mehr anfangen kann und in sechs bis sieben Minuten mit ihm fertig ist - spricht das Bände. Der zweite toro (Morante) ging nach dem Pferd zurück (da sind die Domecqs gut) und dann war der Parladé auch schon unter zehn Minuten fertig, weil der keine Figuren erlaubte. Luque hatte einen etwas besseren Domecq bekommen, den er mit guter Führung, denn er liess ihm immer wieder Zeit zum verschnaufen, gut hinbekommen hat. Der zweite toro von Ponce... naja, da konnte er immerhin ein Drittel seines Repertoire zeigen, genauso wie Morantes zweiter toro der wenigstens etwas capa y muletaarbeit zuließ. Den sechsten toro haben sie gleich wieder entlassen, Hinterhandfehler (das doch eigentlich der veterinario schon vorher hätten sehen müssen ... der ganadero gehört gesteinigt, das arme Vieh dahin zu karren). 

Ich verzeihe eine schlechte estocada selten, aber einen überfütterten fetten toro, mit Gebäudemängeln und Aufzuchtfehlern - aus einer nahmhaften ganadería - das geht gar nicht.

Mittwoch, 20. März 2013

Dienstag, 19. März 2013

Junges Publikum in Valencia




von Philip de Málaga


Durchaus auffallend: Zahlreiche junge Leute in den Rängen der Plaza de toros
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Junges Publikum in den tendidos,
und sie sehen nicht uninteressiert aus.
Wer diese Tage einen Blick über die tendidos der plaza de toros von Valencia werfen konnte, dem werden sicherlich die große Zahl der jungen Zuschauer aufgefallen sein. Auch der matador de toros Juan José Padilla sah die vielen jungen Menschen in den tendidos und widmete vor allem gerade ihnen einen toro. Eine besondere Geste die beim jungen Publikum bestens ankam. Sie sassen nicht nur einfach da, sondern zeigten Begeisterung und Emotionen. Wie es den Anschein hat, beginnen wieder junge Menschen sich für die tauromaquia zu interessieren. 

Juan José Padilla (ovación und oreja)

Montag, 18. März 2013

Valencia: Vorbereitung auf höchstem Niveau!




von Philip de Málaga


Um dem grossen Andrang des Publikums gerecht zu werden bereiten sich die Toreros besonders intensiv vor
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Die Plaza de toros von Valencia füllt sich nun fast täglich bis zum Rande der obersten bandera. Besonders die corridas heute und am Mittwoch sind in das Visier der aficionados geraten. Ein Grund mehr für die matadores de toros sich dementsprechend vorzubereiten. 

Juan José Padilla (Foto: mundotoro)
Heute erwartet man gewiss vor einer vollen Kulisse den Piraten mit den toros von Jandilla. Juan José Padilla mit der Augenklappe. Im campo bestätigte der maestro dass er sich in einer sehr guten Kondition befindet. Obwohl er vor wenigen Tagen operiert worden ist bringt er ziemlich überzeugend von sich: "Ich konnte feststellen, dass ich physisch gesehen zu 100 Prozent in Form bin, und meine Technik wird mir von grossem Nutzen sein. Ich reise mit einem starken Glauben nach Valencia um den toreo zu spüren." Heute wird er mit El Cid und Miguel Ángel Perrera zu sehen sein.

Enrique Ponce (Foto: mundotoro)
Auch der lokale matador de toros Enrique Ponce bereitete sich ziemlich sorgfältig vor. Ebenfalls im campo stellte er sich zunächst einigen vacas und schliesslich einem toro. Die Anwesenden waren begeistert eine faena zu sehen mit dermassen vielem Einfühlungsvermögen. Im Vorfeld übte er sich mit einigen reses von verschiedenen ganaderías.  Unter anderem mit der Zucht von Garcigrande, die in Valencia für ein No hay billetes sorgte. Der maestro tritt am klassischen Tag in Valencia, am Mittwoch den 19. März um 17 Uhr mit Morante de la Puebla und Daniel Luque an.

Sonntag, 17. März 2013

Wer Morante nicht gesehen hat, hat Sevilla nicht gesehen




von Philip de Málaga


Mit einem Torero wird weltweit führ Sevilla und den Stierkampf geworben
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Der matador de toros Morante de la Puebla
(Foto: mundotoro)
Das britische Unternehmen City Sightseeing Worldwide wirbt in ihrer nächsten Kampagne für Sevilla mit dem matador de toros Morante de la Puebla. Mit dem Slogan "Si no has visto Morante, no has visto Sevilla" soll vor allem in London, Moskau, Dubai, Singapur und andere großen Städten die tauromaquia und vor allem die feria taurina im April in der andalusischen Hauptstadt beworben werden. Auf diese Weise möchte man einem nichtspanischen Publikum das toreo und die La Maestranza näher bringen.

Samstag, 16. März 2013

Und sie sagen keiner geht mehr zu den Stierkämpfen . . .




von Philip de Málaga


Heute in Valencia, Samstag den 16. März 2013 - AUSVERKAUFT!
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16.851 Zuschauer!

Auf dem Internetportal RTV Toros kann man die corridas in Valencia live mit verfolgen.

Stierkampf in Málaga

 

Sechs toros und ein torero! Ab heute beginnt der Kartenvorverkauf in der Malagueta. Zwei weitere Verkaufsstellen befinden sich auf der Plaza Marina und auf der Plaza de la Constitución. Der neue empresario Cutiño überraschte die afición mit günstigen Eintrittspreisen für die mittlerweile fünfte corrida de picassiana in der Geburtsstadt von Pablo Picasso welche sich zwischen 7 und 70 Euro bewegen. Die Erlöse von diesem Benefizstierkampf werden der Fundación Corinto gespendet.

Donnerstag, 14. März 2013

Begegnung mit den toros (6. Teil)

Sanlúcar, der Toreronachwuchs zeigt sein können
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von Colin Ernst 

Am frühen Morgen verabschieden wir uns von der Stadt Manoletes, die Fahrt zum Bahnhof führt an der Villa des "Califen von Córdoba", Manolete, vorbei. Immernoch hängen die Wolken tief über der Sierra Morena und während der Zugfahrt schüttet es wie aus Kübeln...

Ob Carmelo, der empresario der plaza de toros von Sanlúcar es geschafft hat, das ruedo trocken zu bekommen? Angekommen am Busbahnhof, frage ich einen Sanluqueño, ob es geregnet hat... Ja, aber nicht viel, antwortet dieser. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Es sind noch drei Stunden Zeit, bis zur corrida, also noch Zeit für Manzanilla und Tapas im Balbino. Wir sind nicht die Einzigen, die sich dort in der Bar die Wartezeit verkürzen. Mich "plagt" ein Ohrwurm, der pase doble von Manolete hängt mir nach. Ich liebe diese Musik und jeder namhafte torero hat seinen eigenen pase doble. Ein Bekannter hat mir den, eigens, für meinen Freund Román (novillero valenciano), komponierten pase doble geschickt. Román hatte gestern einen großen Auftritt bei den Fallas in Valencia, wo er eine sehr gute Vorstellung mit seinem ersten Stier bot. Leider hat er sich bei dem zweiten den Arm ausgekugelt und konnte nicht weiterkämpfen. Diese Nachricht erreichte uns gestern, während der corrida in Córdoba. So kann es gehen, grade noch auf dem Olymp, dann in der enfemería und aus der Traum von Glanz und Gloria. Ich hoffe das die Türe der enfermeria in Sanlúcar heute geschlossen bleibt.

Gegen halb fünf erreichen wir den Coso del Pinar, ein munteres Völkchen hat sich eingefunden, um den Stierkampflehrlingen, fast alle aus Sanlúcar, beizustehen. Ich erstehe ein Sitzkissen, das alte liegt noch im Coso de Califas, in Córdoba... Die plaza ist fast zu drei Viertel voll, die Stimmung ist super, man kennt sich. In der Mitte des ruedos hat ein Künstler den Sand eingefärbt, "GRACIAS", "DANKE" steht dort, denn der Erlöß geht an Behinderte. Überhaupt, steht dieses Motto im Vordergrund. Eine Gruppe von Menschen mit Downsyndrom und anderen Behinderungen kommt in die Mitte der Arena, eine Sprecherin dankt denen, die dieses Event möglich machten. Es ist rührend zu sehen, wie sich diese Menschen freuen, dort zu sein. Die novilleros werden angekündigt : 

José Ruben Franco
aus Sanlúcar
Eloy Hilario "El Algaideno"
aus Sanlúcar
Fernando González
aus Utrera
Juan de Castilla 
aus Kolumbien
Sergio Salas "El Pijorro" 
aus Sanlúcar
Alejandro Jurado 
aus Sanlúcar


Es ist eine novillada sin picadores, also ohne Pferde, wie sie alle novilleros in ihrer Anfangsphase bestreiten. Auch heute tragen die Protagonisten die schlichte traje corto.

Der erste Stier kommt flott aus dem toril und galoppiert auf die capa schwingenden banderilleros zu. Wir kennen fast alle Beteidigten und sind gespannt, wie sie ihre Aufgaben meistern. Franco überrascht mich. Nach einem kleinen Schnitzer mit der capa, bietet er eine gute, komplete Vorstellung und tötet den novillo mit einer guten estocada entera. Das sah im Training nicht so aus, er ist besser, als erwartet. Der Präsident lässt sich nicht bitten, zwei orejas für den ersten Aspiranten. Begleitet vom Applaus, nimmt er die Trophäehen aus der Hand der Behinderten entgegen und dreht strahlend mit ihnen seine Ehrenrunde.

Eloy
Nun ist es an Eloy "El Algaideno", dies zu toppen. Auf den Knien empfängt er seinen novillo, ein besonders gutes Exemplar, welches nichts zu wünschen übrig lässt. Seine faena sieht recht gut aus und er kommt super an, beim Publikum. Irgendwie erinnert mich seine Art an Juan Padilla... Auch er setzt seine banderillas selbst, und das sehr gut - Die Zuschauer holt es von den Sitzen, meine Kamera leider auch. Bei der muletaarbeit merkt man, das ihm der Stier liegt, er scheint gar nicht aufhören zu wollen, mit seinem Tanz mit diesem novillo. Sein erster Versuch mit der estocada geht allerdings daneben, der zweite Versuch sitzt. Das Publikum fordert energisch das zweite oreja, welches der Präsident ihm zögernt gewährt. Sein Lächeln erreicht die oberen Ränge, als er mit seinen behinderten Freunden die Ehrenrunde dreht. Sogar ein Huhn wird ihm zugeworfen! 

Der drittjüngste novillero Fernando González hat zwar auch einen guten novillo bekommen, kann aber das Gelernte nicht so umsetzen und man sieht deutlich, das er noch mehr Praxis braucht. Aber auch er bekommt ein oreja zugesprochen, was seiner Arbeit entspricht. Ich bin überrascht, wie gut die Stiere sind. Bei novilladas sieht man oft wesendlich schlechtere. Diese hier, aus der ganadería "El Torero", bei Cádiz, haben zwar einige Gebäudefehler, fallen aber nicht auf die Vorderbeine und sind ehrlich und angriffslustig. Der von Eloy bekam sogar eine vuelta al ruedo.

Es ist "Halbzeit" und eine Gruppe der heutigen Ehrengäste kommt in die Mitte der plaza, begleitet, unter frenetischem Aplaus, vom maestro Juan Padilla. Wiedermal nimmt er sich Zeit, um eine gute Sache zu unterstützen. Der matador de toros aus Sanlúcar ist schlicht gekleidet und verschwindet unauffällig auf einen balcón, er will niemandem die Show stehlen.

Juan de Castilla
Nun kommt der kolumbianische novillero Juan de Castilla zum Zug, der mir im Trainig auch schon aufgefallen ist. Selten sieht man einen Nachwuchstorero so perfekt arbeiten. Ohne Schnörkel, aber sauber in seinen muletazos, eng am Stier, ein ganzes Reportoire abarbeitend. Die Olé-Rufe werden lauter und lauter, seine naturales sind sehenswert. Und sein Stier ist besonders gut, folgt dem kleinsten Zucken des Handgelenks mit der muleta. Ich bin beeindruckt von beiden, so klasse waren die Exemplare in Córdoba nicht. Auch die estocada ist wie gemalt. Der junge Mann hat die Arena erobert, Zwei orejas werden ohne Zögern gewährt, und die Rabo-Rabo-Rufe hallen durch die plaza. Nach kurzem Zögern zückt der Präsident das blaue Tuch!!! Und noch ein Tuch wird über die Balkonbrüstung geschwungen, ein kleineres weißes, vuelta al ruedo für diesen sehr guten toro bravo. Bei seiner Ehrenrunde bleibt er vor einem burladero stehen, fordert jemanden auf, in die Arena zu kommen... es ist Ivan Fandiño! Anscheinend ist de Castilla sein Schützling, welch Glück für ihn. Fandiño unterstützt übrigends auch, zusammen mit David Mora, eine Initiative von Juan Padilla, die eine corrida in Madrid austragen werden, zu Gunsten von "El Chano", einem der nach einem unglücklichen Stierkampf im Rollstuhl sitzt. Mit den Erlösen sollen auch andere, die ähnliches Unglück erlitten haben, unterstützt werden. 

Sergio Salas
Als nächstes ist Sergio Salas an der Reihe. Ihm wurde der Stier zugelost, den ich als gefährlich eingestuft hatte, als die ganadería sie im Lokalfernsehn vorstellte. Ein novillo, der unruhig hin und her schaut und dessen Hörner in verschiedene Richtungen zeigen. Sergio wirft seinen Cordobeshut Padilla zu - "Va por usted" (Ich widme diesen Stier Ihnen). Alle Aufmerksamkeit ist beim maestro, keiner schaut auf den Stier, der sich grade sein Opfer sucht. Auch die banderilleros, die eigendlich den torero schützen sollen, sind abgelenkt und schon ist es passiert! Der novillo erwischt Sergio frontal! Endlose Sekunden liegt er am Boden, aber dann steht der Junge aus Sanlúcar wieder auf. Es ist keine cornada, Gott sei Dank, aber die Wucht des Aufpralls könnten Rippenbrüche zur Folge haben. Nun zeigt sich, aus welchem Holz der novillero geschnitzt ist... "El Pijorro" ist hart im Nehmen. Nachdem er wieder Luft bekommt, bearbeitet er den launigen Stier recht gut. Dieser, einmal an den Mann gekommen, macht es ihm nicht einfach. Besonders bei dem Platzieren für die estocada, steht er nicht still, sondern greift immer wieder an. Mit diesem Tier hätte auch ein gestandener matador so seine liebe Mühe gehabt. Aber am Ende fällt auch dieses Exemplar der ganadería "El torero" und das einheimische Publikum fordert orejas. Eines, für die respektable faena, das zweite für den Mut. Sie werden ihm gewährt.

Der Letzte im Bunde ist der jüngste und kleinste novillero, Alejandro Jurado. Auch dieser Stier ist angriffslustig und erlaubt dem jungen Sanluqueño eine gute faena. Besonders mit der muleta sieht er sehr gut aus. Leider sieht ihn die Mehrzahl des Publikums nicht, denn es fallen dicke Regentropfen. Die Andalusier sind nicht an Regen gewöhnt, so scheint es, denn alles stürmt auf die überdachten Ränge. Mich freut es, denn so habe ich endlich einen Platz in der ersten Reihe. Jurado ist sehr gut, den Regen bemerkt er gar nicht und er zeigt einige sehr gute pases, die mir im Gedächnis bleiben werden. Auch ohne die Unterstützung des wasserscheuen Publikums, bekommt er zwei orejas, was seiner Arbeit entsprechen. Mich hat er überzeugt und ich wünsche ihm, das er noch mehr Kämpfe bekommt um sein Können zu zeigen.

Die Besucher suchen schnell das Weite, Regen ist nicht so ihr Ding. Wir sind mit die Letzten, die den coso verlassen. Draussen steht der Transporter für die Mulis, die die Stiere aus der Arena ziehen und wir sehen die Autos, in denen die Helden dieses Spektakels sitzen. Uns machen die Regentropfen nichts aus, nicht mehr, nachdem wir eine Woche lang jede Wolke argwöhnisch beobachtet haben. Meine Freunde, die extra aus Deutschland angereist sind, um diese beiden corridas zu sehen, sind hoch zufrieden. Wir haben die besten Stierkämpfer des Landes live gesehen, eine wirklich tolle novillada, richtig gute Stiere - was will ein aficionado mehr?

Mittwoch, 13. März 2013

Toros in Katalonien




von Philip de Málaga


Minister Wert überlässt die Entscheidung dem obersten Verfassungsgericht
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Ignacio Wert (Foto: mundotoro)
In einem Interview äusserte sich der Minister für Erziehung, Kultur und Sport Ignacio Wert, dass er letztendlich die Endscheidung, ob es wieder Stierkämpfe in Katalonien geben soll, dem obersten spanischen Verfassungsgericht überlassen werde. Zwar würde das Vorrangehen der ILP, also die toros zum nationalen Kulturgut deklarieren zu lassen, die Sache positiv beeinflussen, aber grundsätzlich müsse geklärt werden, ob das katalanische Parlament sich selbstständig über eine nationale Entscheidung einfach hinwegsetzen kann. 

Dienstag, 12. März 2013

Begegnung mit den toros (5. Teil)

Córdoba, die Stadt der Califen
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von Colin Ernst 


Plaza de Corredora in Córdoba
Der große Tag ist gekommen. Die Nacht über hat es geregnet, aber an diesem Morgen scheint es aufzuklaren, Sonne und schwere Regenwolken bestimmen das Panorama. Wir haben in einer kleinen Pension an der historischen Plaza de Corredora übernachtet. Dort wurden früher die Stierkämpfe ausgetragen, bevor die erste plaza de toros gebaut wurde. Heute finden die corridas in dem relativ neuen coso de "Los Califas" statt.

Wir sitzen bei café con leche und churros zusammen mit Mari Paz, die mit uns zusammen dorthin fahren wird. Ihre ganze Familie ist stierkampfverrückt und so begleiten uns Oma, Enkel, und zahlreiche Neffen und Onkel. Für die festejos taurinos, welche übers Jahr eine ganze Woche dauern haben sie so genannte abonos, Dauerkarten, die für alle Stierkämpfe gelten und günstiger sind als Einzelkarten. Diesmal aber mussten auch sie Einzeltickets kaufen, da das festejo contra el cancer (zu Gunsten der Krebshilfe), ausser der Reihe stattfindet. Maris Mutter hat uns ein Foto übers I-Phone geschickt. Es ist 11:30 Uhr und Diego Venturas Pferdetransporter ist angekommen und parkt vor dem patio de caballos. Ein riesiger Luxuspferdetransporter, welcher die Pferde für das rejoneo und deren Ausrüstung transportiert. Ein großer Schriftzug "Diego Ventura" ziert den Wagen und an den Seiten, über jedem Anbindering, stehen die Namen der Pferde, welche er beim rejoneo reitet. 

Um 16 Uhr brechen wir auf, immer noch die Daumen drückend, denn die Wolken sehen bedenklich aus. Kaum haben wir den coso de los califas erreicht, fallen die ersten Tropfen, gottlob sind es nur ein paar. Wir treffen uns alle im patio de caballos, wo wir die schön herrausgebrachten Pferde von Ventura begutachten. Die Pfleger legen Hand an, in die Hufeisen werden Stollen eingeschraubt, damit die Pferde nicht auf dem feuchten Sandboden ausrutschen. Besonders auffallend, ist ein hell cremefarbenes Pferd, sowas sieht man nicht alle Tage.

Nachdem alle eingetroffen sind gehen wir zu den tendidos, um unsere Sitzplätze einzunehmen. Die plaza erscheint riesig und ist zu gut zwei Drittel gefüllt. Bevor es losgeht wird Akteuren und Zuschauern gedankt, die mit ihrem Auftritt, b.z.w. Besuch, Geld für diese gute Sache spenden. Man wird die matadores heute nicht in traje de luces zusehen bekommen, sondern in schlichter traje corto

Wir beobachten wie die mozos de espadas der cuadrillas, capas, muletas und Degentaschen durch den callejón schleppen und die capas über die Barriere hängen. Der Präsident hängt ein weißes Tuch über seinen Balkon, das Fest kann beginnen.

Die matadores, die banderilleros und die picadores mit ihren schweren Kaltblutpferden marschieren bei pasedoble Musik ein, grüßen Publikum und Präsident - die Spannung steigt.

Der rejoneador Diego Ventura
Als Erster ist Diego Ventura dran. Mit seinem schicken , cremfarbenen Albino, wartet er ganz ruhig am Rand, als der erste Stier in die Arena kommt. Unbeschreiblich, wie er die Aufmerksamkeit des Stieres auf sich lenkt, um dann in Zentimeter Entfernung, vor dem toro herzugaloppieren. Der Schweif des Pferdes dient wie eine muleta und der Stier versucht diesen zu attakieren. In gewagten Galopptraversalen, waghalsigen Galoppiroetten reitet der maestro vor dem wütenden Stier her, mehrmals stockt uns der Atem. Zuerst werden die langen banderillas gesetzt, dann die kurzen - alles in vollem Galopp! Je nach tercio, wechselt er die Pferde. Mal lässt er das Pferd auf den toro zu piaffieren, mal präsentiert er den spanischen Schritt. Wer reiten kann, weiß, das diese Übungen zur hohen Schule gehören und nicht einfach zu reiten oder zu lernen sind. Beim maestro Ventura sieht alles spielerisch aus und immer wieder präsentiert er sich dem Publikum herausfordernd - als wäre das alles gar nichts. Zum Schluß muss der rejón de muerte gesetzt werden, dieser ersetzt den Degenstoß, der schwierigste Part. Aber auch dies gelingt dem Profi an diesem Tag. Das Publikum tobt, die Arena gleicht einem Meer aus weißen Tüchern, welche die aficionados schwenken, um orejas für den waghalsigen maestro zu fordern. Auch dem Präsidenten hat es gefallen, dos orejas für Ventura und seine Klassepferde!

Enrique Ponce
Nun ist einer meiner Idole am Start, Enrique Ponce. Auf die Entfernung sieht man die Gesichter der toreros nicht, aber er hat, zumindest für mich, einen unverkennbaren Stil. Der orden, die Reihenfolge, ist gleich, wie auf dem cartel, der älteste matador zuerst, der jüngste zuletzt. Ponce agiert wie immer sehr ruhig, sehr sicher, auch wenn der heftige Wind die muleta flattern lässt. Ich genieße das Schauspiel, er führt die muleta, als halte er ein Brilliantcollier in den Händen. Er holt das Beste aus dem Stier heraus, kämpft ohne Schnörkel, klassisch. Die estocada sitzt, was will man mehr? Der Präsident ziert sich bei der Vergabe der Ohren, - nur eines für den maestro , das Publikum fordert, zu Recht, wie ich finde, ein zweites. Wir schwenken unsere weißen Tücher und rufen "otra, otra, otra" - noch eines, noch eins. Der Mann bleibt stur, was böse Komentare seitens der Fans nach sich zieht.

Finito de Córdoba
Der nächste ist "Finito de Cordoba", ein Lokalmatador, beliebt beim Publikum cordobés. Ich bin gespannt, denn ich habe ihn schon sehr schlecht gesehen.... Vor 2 Wochen hat er allerdings hervorragend gekämpft, er ist besser geworden. Auch diesmal leistet er eine gute faena, mit einem schwierigen Stier, was seine Fans mit einem Meer von weißen Tüchern, belohnen. Aber auch hier gibt es nur ein oreja und erneut Pfiffe für den Präsidenten.

El Cordobés
Nun kommt ein alter Bekannter ins ruedo, Manuel Diaz, "El Cordobés". Sein Stier lässt sich sehr bitten, ein toro manso , der ein wenig feige erscheint und nicht besonders angriffslustig ist. Aber El Cordobés, dessen Ausstrahlung die obersten Ränge erreicht, meistert dieses Problem und lässt den toro gut aussehen. Sein torero ist spektakulär und für einige von uns ist die ähnlichkeit mit Manuel Benítez "El Cordobés" unverkennbar. Die Art, das Publikum von den Sitzen zu reißen, sein strahlendes Lächeln und auch seine Stil.... Er lässt nichts aus, zeigt sein ganzes Reportroire, auch den berühmten "salto de la rana", den Froschsprung, den als erster, Manuel Benitez "El Cordobés", der fünfte Calif von Córdoba, gezeigt hat. Auch wenn mir persönlich dieser "salto de la rana" nicht sooo gefällt, führt er ihn elegant aus und am Ende fordert das Publikum sehr energisch, das zweite Ohr. Aber auch diesmal hat der Präsident kein Einsehen. Oreja y basta!

Juan José Padilla
Nun kommt mein persönlicher Höhepunkt des festejos: Juan Jose Padilla, "El ciclon de Jerez", der Mann, der nun mit einer Augenklappe in der Arena steht. Der ein Beispiel für alle toreros ist , der von seinen Fans verehrt wird und den ich über eine Woche beim Training beobachten durfte. Seinen banderillero "Mambru", wie er, aus Sanlúcar , kenne ich persönlich. Somit ist es für mich etwas ganz Besonderes, die beiden live zu sehen. Ich will filmen, fotgrafieren und sehen, jeden Moment festhalten. El Pirata - sein neuer Spitzname, wegen der schwarzen Augenklappe, zeigt eine exelente Arbeit, mit der capa und der muleta. Den Stier empfängt er auf den Knien, die capa wirbelt in elegantem Schwung über ihm her, ich habe Gänsehaut. Mambru lenkt, mit der capa, den toro sanft in die Richtungen, die der maestro vorgibt. Als einziger matador setzt er sie banderillas selbst - das ist eine seiner Spezialitäten. Der Stier ist der Beste des "lotes de Zaldueno", einer ohne Fehl und Tadel, galoppiert gut, greift ordenlich an, folgt der muleta, für mich einer, der die vuelta al rueda verdient hätte. Leider hat Padilla wenig Glück mit der estocada, was ihn bestimmt ein Ohr gekostet hat. Am Ende bekommt er ein oreja - aber die Menschenmenge steht auf den Stühlen.

David Mora
Als Letzter, der matadores de toros, bekommen wir David Mora zu sehen. Einen torero, der in den letzten Jahren eine beständige Verbesserung zeigt. Elegant und templado ist seine faena, aber der Wind nimmt zu und er hat einen toro erwischt, der nicht ehrlich ist. Ich beobachte, wie der Stier, auch wenn er dem roten Tuch folgt, immerwieder den torero sucht und ansieht.... Und dann ist es passiert, nach einigen muletazos, bien redondo, geht der Stier dirkt auf Mora los und nimmt ihn auf die Hörner! Mit meiner Filmkamera halte ich drauf, auch wenn mir die Luft weg bleibt. Der maestro wirbelt durch die Luft, landet quasi auf dem Stier und dann bald unter ihm! Einer der Ersten, die den Stier von ihm weglocken ist Padilla. Aber es ist nichts passiert, Mora steht auf und macht weiter. Die Menge brüllt - "TORERO, TORERO"! Am Ende tötet er den Stier mit einer guten estocada und bekommt auch sein oreja

Nun ist es an dem jungen novillero von Córdoba - "Largatijo", sein Können unter Beweiss zu stellen. Er kämpft, ohne das der novillo von den picadores geprüft wurde, demendsprechend munter ist sein Exemplar. Auch hier wirbelt der Wind die capa und die muleta ordenlich auf, so das es für den "Lehrling" nicht einfach ist, den Stier in den Griff zu bekommen. Aber, mit wenigen Ausnahmen, wo seine muleta an den Hörnern des novillos hängen bleibt, meistert er seine Sache gut. Natürlich sieht man nun den Unterschied, maestros, die schon jahrelang im Geschäft sind und ein Newcomer... Trotzdem, er hat gezeigt, das er auf einem guten Weg ist - was fehlt sind mehr corridas, um Erfahrung zu sammeln. Seine estocada ist nicht so gut, er braucht 3 Anläufe, aber am Ende fällt auch dieser Stier. Das Publikum fordert auch hier wenigstens ein oreja - welches der dickköpfige Präsident verweigert.

Unsere Gruppe bewegt sich zum Ausgang, und prompt geraten wir in den Abmarsch der toreros. Padilla ist eingekeilt von Fans - es erinnert an Boxkämpfe, wo die Boxer von ihren Bodyguards abgeschirmt werden müssen... Ich finde mich vor dem Wagen von David Mora wieder, aus dem Fahrerfenster werden Autogrammkarten gereicht - ich bekomme auch eins, ohne es verlangt zu haben, klasse! Venturas Pferde sind schon lange auf dem Weg nach Hause, die Kleinbusse der toreros ziehen ab und als letztes folgt der Transporter mit den Pferden der picadores.

Por la suerte, der Hut liegt richtig rum
Wir treffen uns in einer Bar, direkt gegenüber, wo auch mein Freund Jose Luis, ein bekannter Fotograf taurino auf mich wartet. Bis zwei Uhr morgens, wird das Geschehen besprochen und dank meiner Filmerei, können wir nun eindeutig sehen, wie es passieren konnte, das David Mora auf die Hörner genommen wurde. Tatsächlich hat der Stier gar nicht mehr auf die muleta geschaut, sondern gezielt den matador gesucht. So bekommt das Wort SUERTE eine Bedeutung, welches in der spanischen Sprache auch für Glück und Schicksal steht.

Morgen geht es sehr früh zurück nach Sanlúcar, wo die verschobene novillada auf uns wartet - "si el tiempo lo permite" Wenn es das Wetter zulässt!