Sonntag, 18. Oktober 2015

Preis der Künste für den Torero Enrique Ponce




von Philip de Málaga


Enrique Ponce wird für seinen Einsatz in der Tauromachie
in diesem Jahr mit dem Preis des Magazin Telva ausgezeichnet
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Im Oktober 1963 wurde das Monatsmagazin Telva gegründet, mit dem dem Ziel, vor allem die Damenwelt über Mode und Schönheit zu informieren. Nun, schon mehr als fünfzig Jahren auf dem Markt, gehört sie zur Grupo Unidad Editoral Revistas, zu welcher die auflagenstarken Tageszeitungen El Mundo (Aktuelle Nachrichten), MARCA (Sport) und Expansión (Wirtschaft) gehören. Zwar richtet sich diese Zeitschrift in erster Linie an die Damenwelt, aber ihr grundsätzliches Motto ist es über gesellschaftliche Tendenzen zu informieren. Seit 1991 verleiht die Gruppe den Premio Telva, der sich damals vorwiegend an die Modebranche richtete. Im Laufe der Jahre wurde die Premio Telva um weitere Preise ergänzt: Seit 2011 gibt es die Auszeichnungen für Kunst, Wissenschaft und Sport.

Die tauromaquia im Zentrum der Preisträger: Der torero Enrique Ponce
Ponce mit seiner Frau Paloma Cuevas
Und in diesem Jahr ging Prämie der Künste an den matador de toros Enrique Ponce, dem maestro aus der 15.000 Seelengemeinde Chiva (in der Provinz Valencia). Hiermit wurde sein 25 Jahre langer unentwegter Einsatz für die arte der tauromaquia in den ruedos auf der ganzen Welt belohnt. Aber nicht nur in den plaza de toros oder als ganadero, sondern auch als Mitglied der G 10 setzte er sich für die mundo de los toros auf der politischen Ebene ein. Und dabei scheute er nicht den Kontakt mit den Medien und ging selbst Dialogen mit den antitaurinos nicht aus dem Weg, wie man bei SfA nachlesen konnte (Wenn ein Torero auf eine politische Antitaurina trifft). 

Und es wird kaum einer in Frage stellen, der matador de toros Enrique Ponce gehört mit Sicherheit nicht nur zu den führenden figuras der toreros auf dieser Welt sondern wird auch als einer der wichtigsten Repräsentanten der tauromaquia geschätzt. Gleich einem Botschafter taurino wird er gewürdigt. Kaum ein gesellschaftliches Ereignis, wo er nicht gegenwärtig ist, begonnen bei öffentlichen Anlässen bis hin zu königlichen Hochzeiten.

Laut der Jury wurde er vor allem deswegen ausgezeichnet, weil er trotz aller Bescheidenheit konsequent  ständig an sich arbeitete, was das Besondere an seiner Kunst ausmache. Und genau jene Ruhe und Ausgeglichenheit bestätigte der diestro Enrique Ponce, als er in Begleitung seiner Frau Paloma Cuevas diese Auszeichnung entgegennahm.


Wieder ein Beweis, wie hier auf der Iberischen Halbinsel die Kunst mit der tauromaquia, der mundo de los toros eng verknüpft ist. Toros ist arte, die arte del toreo, die arte de lidiar, die Kunst mit den Stieren umzugehen, sie zu kennen, sie aufzuziehen, mit ihnen zu leben und sie zu lieben. Eine Liebe, welche für viele schwer zu verstehen oder nachvollziehbar ist. Aber sie ist da. Sie existiert, sie ist gegenwärtig und ist Teil des gesellschaftlichen Lebens der spanischen Kultur.

Samstag, 17. Oktober 2015

Auch in Portugal nimmt die Zahl der Zuschauer zu





von Philip de Málaga

In Lissabon steigt die Zahl der Besucher über 20 Prozent!
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Das Augenmerk bei den statistischen Erfassungen nur auf Spanien zu werfen, würde den tendenziellen Blick ein wenig verfälschen. Wie La economía del toro berichtet, ist auch die Zahl der Besucher in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon bei den festejos taurinos in diesem Jahr gestiegen.

Fast immer sehr gut besucht in der portugiesischen Hauptstadt (Foto: mundotoro)
Durchschnittlich sassen 2015 in den tendidos der plaza de toros aus dem Jahr 1892, im Campo Pequeño an die 81,3 Prozent. Das entspricht knapp 9.000 Zuschauern pro festejo. Im Vergleich zum Vorjahr eine stolze Steigerung von 20,6 Prozent!
Besucherandrang im Campo Pequeño (Foto: mundotoro)
Campo Pequeño in Lissabon wurde im letzten Jahrzehnt fünf Jahre lang umgebaut, wo es keine espectáculos taurinos zu sehen gab. Die plaza erhielt ein Dach, eine Tiefgarage und ein kleines Einkaufszentrum. Dabei achtete man darauf, die Fassade und inneren Eigenschaften einer plaza de toros zu bewahren. Am 18. Mai 2006 wurde sie wieder mit einem rejoneo eingeweiht, wo die rejoneadores Joāo Moura, Antonio Ribeiro und Rui Fernándes antraten. Die toros kamen von der ganadería Irmāos Vinhas.

Freitag, 16. Oktober 2015

2015: Stierkämpfe wieder gut besucht




von Philip von Schimpff


Der Besuch der Veranstaltungen mit Stieren liegt im Aufwärtstrend
Auffallend, junge Leute bei den toros
Die Stierkämpfe sind populärer als Zirkusbesuche
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Wie das Spanische Ministerium für Kultur in seiner Statistik für die kulturellen Gewohnheiten und Praktiken in Spanien mitteilte, liegt der Besuch der toros wieder im Trend. So wird die Zahl der Besucher von festejos taurinos mit 9,5 Prozent angegeben. Damit kommt die temporada taurina in diesem Jahr auffallend nah an das Ergebnis von 2007, welches mit 9,8 Prozent eines der erfolgreichsten Jahre vor der Krise war. Wohlgemerkt, hier wird nicht die Zahl der Besucher insgesamt festgehalten, sondern die Zahl der Personen die einmal oder öfters zu den toros gingen.

Wie man in dieser Grafik sehr schön erkennen kann,
ziehen sich die Besucher relativ gleichmässig verteilt durch alle Altersgruppen.
(Grafik: Ministerio de Educación, Cultura y Deporte)
Ebenfalls ist festzuhalten, dass es nicht mehr die Zigarren rauchenden aus der Francozeit stammenden alten Männer sind, welche die tendidos füllen, auch ein junges Publikum besuchte die festejos populares und die corridas. Mit an die 40 Prozent war das Alter bis zu 35 Jahren bei den toros vertreten. Besonders populär bei den ganz jungen Leuten unter zwanzig Jahren waren die festejos populares wie die morgendlichen encierros, wo der Anteil bei über 12 Prozent liegt.
Auch das gehört zu Realität: Junge Leute bei den corrida de toros.
Der Anteil bei den klassischen corridas (corridas de toros, novilladas und rejoneos) lag bei 6,5 Prozent.

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Es geht um den Torero ...




von Fernando Cámara

Der populäre Ex-matador de toros und derzeitige Direktor der escuela taurina in Málaga Fernando Cámara Castro (geboren im Dezember 1965 in Arjona in der Provinz Jaen), gilt als ein sehr ruhiger, konzentrierter maestro, der sich sehr auf die Arbeit mit dem toro fixiert. Ob er selbst mit dem res arbeitet, seinen Schülern hilft und es aus dem callejón beobachtet, die Begegnung zwischen dem Menschen und dem Tier, dem toro und dem torero steht bei ihm im Mittelpunkt.

Fernando Cámara
"Es geht nicht darum, 
dass das Publikum triumphiert, 
sondern sie sollen die Talente 
beobachten und bewerten 
in ihren epischen 
wie künstlerischen Ausdrucksformen 

... So sehe ich es!"



Mittwoch, 14. Oktober 2015

640.000 Besucher bei Stierkämpfen allein in den ersten zwei Wochen des Septembers




von Philip de Málaga


Während andere sich verbal die Köpfe einschlagen,
ob dafür oder dagegen, 
werden die Stierkämpfe weiterhin gut besucht
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Da streiten sich taurinos und antitaurinos über die Existenzberechtigung der tauromaquia, beide Seiten nicht oft unter der Gürtellinie, da versuchen politische Instanzen die toros für ihre ureigenen, weit vom Tierschutz entfernten, Interessen einzusetzen, irgendwelche Leute faseln etwas von Demokratie, Moral oder Respekt, wem auch immer gegenüber, aber in der Zwischenzeit vergessen sie mal einen Blick auf die Tatsachen zu werfen. Wie sieht eigentlich die Realität in den plaza de toros aus? Gehen da noch Menschen hin oder werden sie kaum besucht? 

Das beste Argument für die mundo de los toros und ihre tauromaquia,
eine volle plaza de toros (Foto: La economía del toro)
Wie La economía del toro mitteilte, gab es in den ersten zwei Septemberwochen, täglich gut 50.000 Besucher in den tendidos der spanischen plaza de toros. Insgesamt besuchten 640.000 an den toros interessierte Personen die festejos taurinos in den ersten 13 Tagen des Septembers. Der Spitzentag war der 13. September, wo 21 corridas 96.500 aficionados in ihren Bann zogen. Das sind Fakten, die man weder wegdiskutieren kann, noch sollte man sie ignorieren.

Das sind Zahlen, von denen können zahlreiche Museen und andere kulturelle Veranstaltungen nur träumen. Ziffern, wo die Zahl der entradas anfängt die Kosten zu decken, Arbeitsplätze geschaffen werden und überhaupt beginnt, ein wirtschaftlich rentabler Zweig zu werden. Denn mit dem erneut steigenden Interesse, was man besonders in diesem Jahr mit jungen Leuten in den tendidos beobachten konnte, wächst auch die Neugier für das Umfeld, wie museos taurinos, ganaderías, toreros - wie sie sind, wie sie leben, Besuch einer plaza de toros ... und nicht zu vergessen die Medien, Presse, Fernsehen oder Rundfunk, ein ohne Frage rentables Geschäft, denn sonst würden sie nicht so viel darüber berichten. 

Dienstag, 13. Oktober 2015

... und die Deutschen interessieren sich doch für die Stiere




von Philip de Málaga


Das deutsche Lexikon der Stiere 
mit über 100.000 nachgeschlagenen Begriffen!
SfA weiterhin auf Erfolgskurs!
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Der COSSÍO en alemán ist gerade drei Jahre und drei Monate online und es wurden schon über 100.000 Begriffe nachgeschlagen. Täglich werden an die 100 taurinische Fachbegriffe angeklickt. Für dieses doch sehr spanische, sensible und einzigartige Thema eine durchaus beeindruckende Zahl.


Ein eindeutiges Indiz dafür, dass Personen, welche Haltung sie auch immer zur mundo de los toros haben, sich auch intensiver mit dem Thema der tauromaquia beschäftigen, auseinandersetzen wollen. Man will einfach mehr wissen. Man will verstehen. Einen tieferen Einblick in die Szene der toros bekommen. Mitreden können. Und das geht in der Regel auch nur, wenn man versteht was gesprochen und geschrieben wird.

Das Logo im Juni 2012
Im Dezember 2011 ist die Idee entstanden, als SfA im Laufe des Jahres einige Mails mit Anfragen nach Begriffserklärungen erhielt. So begann man mit der Arbeit und ging ein halbes Jahr später, Ende Juni 2012 und etwas mehr als 1.000 Begriffen online, dessen Anzahl sich mittlerweile verdoppelt hat und weiterhin auch kontinuierlich ergänzt wird. Der COSSÍO en alemán hat sich somit nicht nur zum grössten Nachschlagewerk in Sachen tauromaquia in deutscher Sprache entwickelt, sondern wird auch, wie die Zahlen eindeutig zeigen, in Anspruch genommen. Und da sage einer, im deutschsprachigen Bereich interessiere man sich nicht für die toros . . .

Vor dem Stier





Fotoserie von mundotoro


Wenn man sich dem toro gegenüber aufstellt, vielleicht sogar in kniender Position, kann man von der wahren Begegnung toro und torero sprechen. Wenn sich beide in die Augen schauen können. Hier eine Fotoserie aus Las Ventas in Madrid vom 20. September 2015.









Montag, 12. Oktober 2015

Barcelona zensiert taurinische Kunst




von Philip den Málaga


Kaum zu glauben, aber wahr.
Die katalanische Hauptstadt verbietet Kunst in Bezug aufs Toreo
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Da fehlen einem die Worte. Die einen definieren es als eine Einschränkung der künstlerischen Freiheit, andere sehen darin ein weiteres politisches Intrigenspiel auf dem Weg zur Unabhängigkeit der Katalanen und schliesslich gibt es diejenigen die es einfach nur lächerlich, gar peinlich finden. Was ist geschehen?

Der matador de toros Morante de la Puebla, unter den toreros artistas wohl der Künstler unter allen, hat in der katalanischen Hauptstadt Barcelona an einem privaten Gebäude am Paseo de Colón eine leerstehende Wand gemietet, um auf einem riesigen Plakat für sich zu werben und somit selbstredend auch für die tauromaquia. Dabei werden von dem torero aus Sevilla Parallelen zum katalanischen Künstler Salvador Dali gezogen und die Message ist eindeutig: "Ich bin pure Kunst" - Und das gilt in diesem Fall für beide, für Morante de la Puebla wie für Salvador Dali - und genau das verärgerte gewisse Herrschaften im Rathaus.

Aber seien wir ehrlich. Dali gilt als einer der Hauptvertreter des Surrealismus. Der künstlerische Drang zum Absurden, Traumhaftem, Phantastischem gar Unwirklichem oft durch pure Provokation zum Ausdruck gebracht. Und gerade das faszinierte Morante, sich als Motiv mit dem Künstler Dali zu identifizieren. Auch er wollte mit dieser Aktion ein wenig Provokation in die katalanische Hauptstadt bringen. Eine Art taurinischer Surrealismus.


So reagierten die Behörden in Barcelona und antworteten dem maestro aus Sevilla: "Nach Begutachtung ihrer Abbildung, welche wir am vergangenen Freitag den 2. Oktober erhalten haben, für die Genehmigung der Installation einer grossformatigen Leinwandwerbung am Paseo de Colón, setzen wir Sie davon in Kenntnis, dass die städtische Verwaltung ihre vorgestellte Kreativität nicht genehmigt. Das Rathaus von Barcelona hat eine Erklärung gegen die corrida de toros und für die Tierrechte verabschiedet".

Die mundo taurino reagierte sofort und sehe in dieser Vorgehensweise "einen Affront gegen die Freiheit der Meinungsäussserung, wie überhaupt in einigen anderen Bereichen dieser Stadt, welche von Politikern regiert wird, wo es so scheint, dass die Tiere mehr Rechte haben als die Menschen."


Der Rechtsanwalt Moeckel teilte dem Internetportal mundotoro mit,  "er sei der Auffassung, dass die Ereignisse der Stadtverwaltung von Barcelona ein absoluten Angriff auf die Meinungsfreiheit darstelle. Da sei jemand durchgedreht. Es könne sich doch nicht durchsetzen, das Tierrechte durch Zensur und Verbote das Recht auf Meinungsfreiheit beschneiden."

Auch die deutsche afición und das Team von SfA sind sprachlos. Und die Frage scheint nicht ganz ungerechtfertigt: Was ist den der nächste Schritt? Werden jetzt Buchhandlungen geschlossen, weil sie Literatur aus der mundo de los toros verkaufen? Bekommt ein Gastronomiebetrieb keine Genehmigung mehr, weil es carteles de toros als Dekoration verwendet? Das beträfe wohlgemerkt lediglich den Alltag. Aber wo bleibt die Kunst. Was geschieht mit Picasso, Goya und Co? Bald alle verboten? 
Um ihn geht es auch, den aficionado de toros und Katalane Salvador Dali
Und hier schneidet sich die katalanische Hauptstadt ins eigene Fleisch. Denn die Verantwortlichen scheinen einen wichtigen Punkt übersehen zu haben. Der katalanische Künstler Salvador Dali ist nicht nur einer der Hauptwerbeträger für katalanische Kultur und Kunst, sondern auch ein leidenschaftlicher aficionado de toros gewesen, welcher durch die mundo de los toros, so teilte er sich selber mit, sich für zahlreiche künstlerische Objekte inspiriert fühlte.

Man kann es interpretieren wie man will, es ist ein weiteres Beispiel dafür, hier geht es weder um Tierschutz, Tauromachie oder Kunst, es ist wieder die Politik die sich aufbauscht und die toros für politische Interessen, eigene Zielsetzungen thematisiert. Weder ein Erfolg für die antitaurinos, noch eine Niederlage für die taurinos. Sie spielen bei diesen Entscheidungen nur die Statisten.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Stierkämpfe in Afrika: Angola

Die Portugiesen brachten die toros auch in ihre Kolonien
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von Philip de Málaga


Die  Hauptstadt der Republik Angola erhielt ihren Namen Luanda durch den ersten portugiesischen Seefahrer der an deren Küste schon im 16. Jahrhundert landete. Doch bevor die Portugiesen die toros einführten, musste man in diesem afrikanischen Staate an der Atlantikküste gut zweihundert Jahre warten.

Manuel dos Santos
Die erste und letzte plaza de toros wurde in der angolanischen Hauptstadt am 1. März 1964 eingeweiht. Eine corrida mixta mit den matadores de toros Manuel und Antonio dos Santos sowie dem rejoneador José Maldonado Cortés. Es folgten noch einige festejos taurinos. Doch die Zeit der tauromaquia in Angola war auf elf Jahre begrenzt. Denn nach der Unabhängigkeitserklärung von 1975 zogen sich nicht nur die Portugiesen aus Angola zurück sondern auch die toros und toreros.

Danach wurde das ruedo noch für einige Zeit für Rodeos und andere Veranstaltungen genutzt, bis es sich selbst dem Verfall überlassen wurde. Zwar gab es immer wieder Versuche die plaza de toros zu restaurieren, scheiterte aber an den finanziellen Mitteln. Nun soll der Bau taurino abgerissen werden.

Ein kolonionaler Zeitzeuge der portugiesischen toros in Luanda

Samstag, 10. Oktober 2015

Mallorca: Was spricht eigentlich dagegen, dass es dort keine Stierkämpfe gibt?

Warum erzürnen sich die taurinos dermassen darüber,
dass es dort keine toros mehr geben soll?
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von Philip de Málaga


Derzeit wird in vielen deutschen Medien erwähnt, in Mallorca soll es keine toros mehr geben. Und einige deutschsprachige aficionados sind aufgebracht. Fühlen sich in ihrer deutsch-spanischen Ehre gekränkt. Sind geradezu beleidigt.

Mal eine Frage: Woran denken Sie wenn Sie Spanien hören: Mittelmeer, Sonne, Flamenco, Paella, Stierkampf .... Und was fällt Ihnen zu Mallorca ein? Insel der Deutschen, Urlaub, Ballermann, Touristen, Chopin, schöne Insel ....
Bei Mallorca denkt man nicht unbedingt zuerst an die mundo de los toros
Erkennen Sie den Unterschied? Ein jeder der nach Mallorca fährt oder darüber nachdenkt, kommt nicht unbedingt auf jene typischen Eigenarten die eben das klassische Spanien prägen. Wer puren Flamenco sehen und hören will bereist bestimmt andere Ecken, wer die Sherry-Bodegas besuchen möchte, wer die toros vor typischer und traditioneller Kulisse erleben möchte, der sucht mit Sicherheit nicht die Baleareninsel aus.

Nicht einmal die afición. Kaum ein aficionado kommt auf die Idee extra nach Mallorca zu fliegen um irgendwelche toreros zu sehen. Einzige Ausnahme dürfte wohl der matador de toros José Tomás sein, der für ein No hay billetes sorgen würde. Und seien wir ehrlich. Bezüglich der tauromaquia ist der mallorquinische Anspruch eher bescheiden. Die wahren taurinos eine absolute Minderheit. Und man muss es sich einmal vorstellen. In der Inselhauptstadt fand pro Jahr gerade mal ein festejo taurino statt. Kann man da von einer aktiven cultura taurina sprechen? Gewiss hat Mallorca historisch betrachtet sogar eine gewisse Tradition der toros nachzuweisen, die erste plaza de toros gab es schon 1865 mit immerhin 9.500 localidades, aber gegenwärtig so viel Theater wegen einer einzigen corrida de toros in der Hauptstadt, welche es zu einem lleno kaum schaffte (von der letzten corrida mal abgesehen) und den wenigen festejos auf dem Lande? Eigentlich nicht nachvollziehbar.
Das Coliseo Balear in Palma de Mallorca wurde 1929 eingeweiht.
Auf den Kanaren gibt es auch keine toros. Und wen stört es? Keinen! Hat es irgendeine Bedeutung für Katalonien? Auch keine! Denn gerade mal sieben corridas wurden abgeschafft. Im Gegenteil, es wurde auf wunderbare Weise dargestellt, dass es gar nicht um die Tiere geht, sondern die Entscheidung ein reines Politikum geworden ist. Und die festejos populares gibt es dort weiterhin.
Eine corrida in Inca, eine plaza de toros aus dem Jahre 1910
Es gibt Menschen die sich gegen die tauromaquia aussprechen. Das sollten wir, die aficionados respektieren. Das ist deren gutes Recht. Und wenn die toros nach demokratischen Massnahmen (nicht so wie in San Sebastian) verboten werden, ist dieses zu akzeptieren.  Dieses gilt selbstredend auch umgekehrt, wenn die mundo de los toros zum Kulturerbe erklärt wird, und in der spanischen Verfassung verankert ist, verdient es nicht nur denselben Respekt sondern muss von den öffentlichen Behörden entsprechend geschützt werden.

Aber ich denke die tauromaquia kann ganz gut auch ohne Mallorca leben und im Grunde genommen hat sie es auch schon jetzt getan. Die toros gab es halt auf der Baleareninsel auch, aber eine tragende oder wichtige Rolle haben sie schon lange nicht mehr gespielt. Eine Tatsache, der sich die taurinos gerne verschliessen, es aber nicht sollten. Gerne erzählen sie, wie toreros im gesellschaftlichen Leben gesehen sind, wie sie in der Unterhaltungs- oder Werbebranche eingesetzt werden. Gewiss, das ist so, aber mit Sicherheit nicht wegen mallorquinischer Fundamente in Sachen der toros.

Diese Baleareninsel zählt nicht mal eine Million Einwohner, das sind gerade etwas mehr als zwei Prozent der spanischen Bevölkerung. Und da sollen wir uns aufregen, dass die corrida de toros verboten werden? Das tun wir ganz bestimmt nicht.

Mallorca ist ohne Frage ein schöne Insel die sich lohnt zu besuchen. Auch ohne toros. Es muss halt nicht alles in Spanien einem zu spanisch vorkommen. Die Weisswürste wie Schuhplattler gehören nach Bayern und auch die toros haben ihre Heimat, wo sie traditionell verankert sind und auch noch lange bleiben werden.

Freitag, 9. Oktober 2015

Stierkämpfe in Afrika: Mosambik

Über die südlichste Plaza de Toros auf der Welt
und den ersten Torero aus Afrika
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von Philip de Málaga

Ganz im Süden von Afrika am indischen Ozean findet sich die Küsten-Republik Moçambique. Mehr als 7.000 Kilometer Richtung Süden von der wahrhaftigen mundo de los toros entfernt. Und dort soll es toros geben? Warum nicht, scheint gar nicht mal so ungerechtfertigt. Immerhin ist die Amtssprache Portugiesisch (zugegeben, nur 15 Prozent der Bevölkerung beherrschen diese auch), denn immerhin war es ja auch mal eine portugiesische Kolonie. Und Portugal und die toros, das gehört doch irgendwie zusammen. 


Toros gab es dort wohl schon öfters. Vor allem in den zwanziger und dreissiger Jahren. Leider gibt es kaum Material über diese festejos taurinos. Mein weiss nur, dass auch grosse spanische matadores de toros wie der maestro Marcial Lalanda dort in improvisierten cosos aufgetreten sind. 

Die erste richtige plaza de toros in Mosambik wurde erst 1956 in der Hauptstadt Maputo eingeweiht. 

Die plaza de toros in der Hauptstadt von Mosambik im Jahr 1956
Dem Photo nach zu urteilen nicht mal so klein und so an die 3.000 Zuschauer werden in den tendidos wohl Platz gefunden haben. Trotzdem ist darüber ist relativ wenig bekannt. Weder im Cossío noch bei mundotoro wird sie erwähnt. Somit ist völlig unbekannt, wie viel corridas es dort gab, welche toreros dort antraten, woher kamen die toros oder über sonstige Ereignisse. Aber es gibt sie noch. Aber keine toros. Sonntags findet im Inneren jede Woche der Markt statt und im äusseren Bereich haben sich einige Geschäfte untergebracht, wie zum Beispiel auch eine Autowerkstatt.

Die plaza de toros in Maputo heute.
Aber Mosambik hat auch eine andere Geschichte zu erzählen. Denn von dort kam der erste afrikanische matador de toros, dem es auch in Spanien gelang, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu bekommen. Sein Name Ricardo Paulo Chibanga und wurde am 8. November 1947 in Lourenço Marques (dem heutigen Maputo) geboren.


Seinen ersten Auftritt in Europa hatte er am 9. Mai 1965 bei einer novillada in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon in der plaza de toros Campo Pequeño. Ein merkwürdiges festejo taurino, bei dem ein novillero, aus welchem Grund auch immer, vor der plaza streikte. Trofeos konnte der afrikanische novillero nicht erobern, aber es reichte für zwei vueltas al ruedo. Und so wurde man in Spanien auf ihn aufmerksam. Die konservative Tageszeitung ABC schrieb: "Ein schwarzer Triumph bei einer seltsamen novillada in Lissabon!". So bekam er 1967 seinen ersten Auftritt in Spanien, in San Sebastián. Drei Jahre später, am 15. August 1970 hatte er in der Real Maestranza de Sevilla seine alternativa, wo er als einziger matador ein oreja erhielt. Sein padrino war immerhin der bekannte maestro Antonio Bienvenida und als testigo fungierte Rafael Torres.

Viele Kollegen waren begeistert von ihm. Selbst der legendäre Curro Romero, der anfangs der schwarzen Gestalt nicht allzu viel zutraute.  Er galt vor allem als ein sehr kompletter torero, der fast alle Teile der lidia ziemlich überzeugend beherrschte. So setzte er selbst auch die banderillas. Es folgten verschiedene erfolgreiche corrida de toros, auch in Las Ventas in Madrid, auch in México, Kolumbien und Frankreich.


Aber 1973 zog es ihn wieder dorthin wo alles begonnen hatte. In seine Heimat Mosambik. Sein Elternhaus war nur wenige Schritte von der plaza de toros entfernt, einer der Gründe wie sein afición begann. Denn mit nur acht Jahren verteilte er Werbezettel für die festejos taurinos. Nun stand er selbst auf dem cartel, und immer wenn er antrat füllte sich die plaza zum lleno bis No hay billetes und lockte zahlreiche aficionados aus dem benachbarten Südafrika an. 


Doch diese Triumphe sollten nur noch ein Jahr dauern, denn das Augenlicht von Ricardo Paulo Chibanga begann sich extrem zu verschlechtern und er sah sich gezwungen seine Karriere als torero zu beenden. Dies tat er nicht in seinem Heimatland sondern im chinesischen Macao. Und da sage man, das Thema der toros sei nicht so international.