Dienstag, 8. März 2016

Eigentlich wollen sie nur den Tod - oder sie wissen es nicht

Was antitaurinos wollen, ist nicht den edlen Stier am Leben zu erhalten,
sondern was sie verlangen ist ein schnelles Todesurteil.
Wenn Politiker über die Tauromachie debattieren,
geht es um viel, nur nicht um die Stiere.
___________________________________________________________________






von Philip de Málaga



Schon seit Jahren wird darüber diskutiert, ob die toros verboten werden sollen oder nicht. Spätestens seit 2007 ist es auch hier in Spanien zu einem Politikum geworden. abolición de los toros hätte zur Folge, zum einen das etwas mehr als 230.000 reses getötet werden müssen, weil die ganaderías die Kosten nicht mehr tragen können und diese Tiere einfach nicht zur kostendeckenden Fleischzucht geeignet sind. Vor allem sind es die an die 120.000 toros bravos, welche direkt den Weg ins Schlachthaus antreten müssten. Schon im letzten Jahr mussten ganaderías ihren Betrieb vollkommen einstellen, oder einen grossen Teil ihrer Herde der Schlachtung freigeben, weil sie finanziell nicht mehr tragbar waren.

Mit gesenkten Köpfen ergeben sich die toros ihrem Schicksal.
Es ist nicht erwünscht dass sie das Leben eines toro bravo führen dürfen.

Zum anderen würde es das Ende des noblen toro bravo bedeuten. Der toro der es liebt seinem Instinkt des Angriffes zu folgen, der toro der mehrere Jahre in wunderbaren dehesas auf einem bis zwei Hektar grossen Land nur für ihn leben darf, von den Menschen unbelästigt, der toro der in der plaza de toros mit seiner bravura sogar ein indulto, eine Begnadigung erwirken kann und letztendlich der toro der relativ viel durch sein Umfeld zur spanischen Ökologie beiträgt.

Solche Bilder soll es laut den antitaurinos in Spanien nicht mehr geben.
(Foto: mundotoro)
Denn ein Punkt sollte mal klar festgehalten werden. Die antitaurinos setzten all ihre Kräfte, all ihre Beleidigungen, all ihre Hetzkampagnen, all ihren Lobbyismus ein, um ein Verbot der toros zu erwirken. Sie haben aber bis jetzt noch nichts, absolut gar nichts unternommen, um auch nur einem toro bravo das Leben zu retten, und noch viel weniger um das Überleben der Rasse des toro bravo durchzusetzen.

Der Wunschgedanke vieler Politiker und antitaurinos.
Nur kaum einer hat eine Vorstellung über die Umsetzung.
Nicht anders sieht es in den politischen Lagern aus. Vor allem jene Parteien, welche versuchen sich von allem typisch spanischen zu distanzieren. Besonders wenn es aus der spanischen Hauptstadt kommt und vorgeschrieben wird. Sich gegen den toro auszusprechen, gleicht der Feststellung, dass man diesen hier nicht benötigt. Und somit auch nicht seine Tradition. Und so sieht man ebenfalls in seiner Zucht keinen Sinn, und erst recht nicht in der Erhaltung der viel noch lebenden Tiere. Denn der Steuerzahler will dafür bestimmt nicht einkommen.

In der Kultur, in der gesamten Bannbreite der Wirtschaft, in der Politik, in der Kunst,
im sozialen Leben, ist die mundo de los toros voll integriert und von dem sector antitaurino kommen keine vernünftigen Ansätze über die Umsetzung eines möglichen Verbotes der toros.
Weder politische Gruppierungen noch Tierschutzorganisationen konnten bis jetzt dazu noch kein akzeptables, bzw. annehmbares Konzept vorschlagen. Noch irgendeinen Lösungsansatz für den entsprechenden Arbeitsmarkt, für die finanziellen Löcher die nicht nur bei der Branche zu finden sind, sondern auch bei den Gemeinden, Provinzen und dem Staat, durch die fehlenden Steuereinnahmen, und nicht zuletzt für den toro de lidia präsentieren. Auch die Antworten auf die Anfragen durch SfA, selbst beim Europäischen Parlament, fielen recht bescheiden bis nichts sagend aus. 

Mit anderen Worten, da gibt es nicht wenige, welche eine abolición de los toros fordern, aber selbst über den Bereich über doch eher bescheidene Informationen verfügen, und schon gar keine Idee über eine mögliche Umsetzung haben. 

Eine Demo von antitaurinos im letzten Sommer in Málaga: Und seien wir mal ehrlich,
die sehen nicht gerade so aus, als ob sie in der Lage wären, irgendetwas bewirken zu können,
ausser mit einem Megaphon zu hantieren.

Montag, 7. März 2016

Olivenza: Ausverkauft!




von Philip de Málaga



Das sind Bilder, welche die Antitaurinos nicht so gerne zeigen
________________________________________________________

Da beginnt die temporada taurina in Spanien und schon zeigen sich die ersten No hay billetes. Ausverkauft hasta la bandera, bis unter die obere Fahnenstange. Eine klare Ansage, an die, welche die Meinung vertreten, das Interesse an den toros würde es kaum noch geben.

"Es gibt keine entradas für die corrida an diesem Nachmittag"
Wir sind in Olivenza in der Extremadura. Eine Gemeinde, welche sich durch und durch für die tauromaquia einsetzt. Ein wahrer Botschafter für die mundo de los toros, die sich auch nicht scheut auf Messen dafür zu werben. Und so kam es, dass sich bei der corrida de toros am letzten Samstag alle tendidos füllten. Stolze 5.440 aficionados in einer plaza de toros mit historischer Vergangenheit, welche bis zurück in das Jahr 1854 reicht. Und viele mussten draussen bleiben und sind umsonst angereist, denn das festejo taurino war schon seit längerem ausverkauft.

Ausverkaufte plaza de toros in der Extremadura
______________________________________

Toros von der ganadería Garcigrande
Für die maestros
Diego Urdiales: oreja und ovación tras aviso
Miguel Ángel Perera: oreja tras aviso und ovación
und Alejandro Talavante: dos orejas und oreja, puerta grande

Sonntag, 6. März 2016

Stierkampf auf dem Vulkan

Eine Plaza de Toros auf der Inselgruppe der Azoren
erobert die Sozialen Netzwerke
___________________________________________________________________







von Philip de Málaga


Es war Anfang Februar, als in den Sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Instagram ein Photo veröffentlicht worden ist mit dem Titel "Volcán de Toros" (Vulkan der Stiere). Auf dieser Aufnahme ist eine plaza de toros zu sehen, welche sich im Krater eines Vulkans auf der Insel Graciosa der Azorengruppe befindet. Bei den Usern kam das Photo an. Allein bei Facebook gab es zwischen aficionados und solchen die zu den toros keine Beziehung haben gleich in der ersten Woche ein "Gefällt mir". 




Ohne Frage, eine in der Welt einzigartige Lage für einen coso taurino. Ebenso einzigartig wäre ein mögliches Hinweisschild, welches ankündigt: "Wegen Aktivitäten des Vulkans muss das festejo taurino abgesagt werden."


Ein ohne Frage religiöser Ort. Allein schon der Name: Nosa Senhora da ajuda, der Berg unserer helfenden Jungfrau. Und so schmücken den Weg auf den 405 Meter hohen Vulkan verschiedene Kapellen, wo die toreros vor ihrem Auftritt im ruedo einkehren können um für ihre lidias zu beten. Und am Ende des Weges befindet sich ein Heiligtum der tauromaquia, die plaza de toros  oder wie die Einwohner es nennen der cráter de toros von Santa Cruz da Graciosa. Gleich einem Olymp des toreos.

Der Grundgedanke zur Konstruktion war einfach. Das Rund eines ruedos war schon vorgegeben. Der Boden flach und die Basis für die nach oben gehenden tendidos war auch schon vorhanden. So entstand die Idee, in der Wildheit der Natur die Wildheit einer corrida de toros zu präsentieren.  Und auch das ist noch eine Seltenheit. Die Gemeinde zählt gerade mal um die einhundert Einwohner und deren einmalige plaza verfügt über ein um ein vielfaches grösseres aforo.

Samstag, 5. März 2016

2015: 25.000 Besucher im Stierkampf-Museum von Córdoba




von Philip de Málaga


Immer mehr Museen der toros öffnen erfolgreich ihre Tore
_____________________________________________________________

Ob Madrid, Valencia, Málaga oder wie jetzt im andalusischen Córdoba, die museos taurinos erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. Mittlerweile gehört in zahlreichen Orten der Besuch der mundo de los toros mit zum Programm der Reisenden. Ob eine plaza de toros, eine ganadería oder eben ein Museum, man will mehr über die toros erfahren. Für viele ein erster Schritt in die mundo taurino. Und die Museen haben einen Vorteil. Sie sind in der Regel das ganze Jahr über geöffnet und somit nicht an die temporada taurina gebunden. 


Das Museum für Stierkampf in Córdoba wurde im April 2014 eingeweiht und zählte im vergangenen Jahr 24.876 Besucher. Den grössten Andrang gab es im Mai mit 3.203 Interessierten. Im Vergleich zum Vorjahr zählte das museos taurino 5 Prozent mehr Besucher für den gleichen Zeitraum.


Begleitet wurde es durch die Ausstellung "Der erste Kalif des Toreo - Der matador de toros Largatijo und seine Epoche", welche vor allem einheimische Bevölkerung ins Museum zog.


Öffnungszeiten:

SOMMER: 
  • Dienstag bis Freitags 8:30 - 20:45
  • Samstags: 8:30 - 16:30
  • Sonn- und Feiertage: 8:30 - 14:30
WINTER:
  • Dienstag bis Samstags: 8:30 - 15:00
  • Sonn- und Feiertage: 8:30 - 14:30
Eintrittspreise:

  • Normal: 4,- €
  • Schüler und Studenten: 2,- €
Adresse:

MUSEO TAURINO DE CÓRDOBA

Plaza de Maimónides s/n
E 14004 Córdoba

Telefon: +34 957 201 056

Freitag, 4. März 2016

Mundotoro: Das führende Portal der Tauromachie




von Philip de Málaga


Das spanische Portal Mundotoro 
mit über 2,7 Millionen Hits im Februar!
________________________________________________________________

Es steht ausser Frage, das Medium Internet hilft auch der tauromaquia bei der Internationalisierung. So hat man man die Möglichkeiten von der ganzen Welt aus das Geschehen in der mundo de los toros zu verfolgen. In in den Ländern ohne tradición taurina gibt es die Möglichkeit auf Portale zu stossen, wo man in deren Sprache über die toros berichtet. Wie zum Beispiel hier in Deutschland die Seiten Stierkampf - Corrida de toros von Dr. Andreas Krumbein oder torodoro von Torodora Gorges. Selbstredend werde die nur von einem kleinen Kreis gelesen, eben der deutschsprachigen afición a los toros. Aber mit steigendem Interesse.

Kommen wir wieder zurück in die Heimat der toros, nach Spanien. Denn dort hat sich neben den zahlreichen Onlineangeboten, wie Aplausos, Portal Taurino, Cultoro, burladero TV, Avance Taurino und anderen vor allem ein Portal als der Spitzenreiter abgehoben: Das in Madrid ansässige Mundotoro.

Das führende Portal in Sachen "Stierkampf"
Im Februar diesen Jahres wurden bei diesem Onlineauftritt 2.757. 006 Seiten angeklickt. Dabei zählte man mehr als 630.000 Besucher.  Im Vergleich zum Vorjahr sind das 13 Prozent mehr. Überhaupt zeigt sich mundotoro schon im dritten Jahr mit steigender Tendenz. Ein klares Indiz, das Interesse sich über die mundo de los toros zu informieren steigt kontinuierlich. Ein Trend, den man auch bei SfA beobachten kann.
Das Interesse für die toros ist weiterhin am steigen.
Überhaupt konnte mundtot im letzten Jahr mit über 40 Millionen Hits ein gutes Ergebnisausweisen. 

Einen grossen Beitrag kommt dabei sicherlich von den beiden bekannten sozialen Netzwerken. Denn auch dort ist mundotoro recht aktiv. Auf facebook kam das Portal mit vielen Kommentaren und Beiträgen auf 88.800 "Gefällt mir". 

Und auch bei der Konkurrenz twitter können sich die Experten taurino nicht beklagen, verfolgen doch immerhin mehr als 56.300 Personen den Informationen aus der mundo taurino

Bei Twitter 3.03.2016
Nun kann man das taurinischen Geschehen bewerten wie man will, seine Urteile aus den Statistiken von den festejos taurinos selbst interpretieren, oder politische Aktivitäten, für wie gegen die tauromaquia beobachten, eines kann man auf jeden Fall feststellen, beim Interesse für die mundo de los toros ist eine steigende Tendenz zu beobachten, und dies zwar schon seit Jahren. Immer mehr Menschen wollen mehr über die toros erfahren. Erst ist es die Neugier, dann möchte man mehr Hintergrundwissen erfahren und schliesslich möchte man gerne auch eine Idee mitreden können. 

Danke dem Medium Internet beschränkt sich die mundo de los toros nicht nur auf die Länder, wo es festejos taurinos gibt, sondern kann weltweit verfolgt werden. Und das Portal mundotoro ist in Sachen Aktualität zum einen und statistischem Wissen, wie auch einem Nachschlagewerk und Informationen über toreros, ganaderías, plaza de toros, Chroniken und sonstigen Reportagen mit Sicherheit federführend.

SfA gratuliert mundotoro für seine hervorragende Leistungen und dankt für die Zusammenarbeit.

Donnerstag, 3. März 2016

Mallorca: Kampf der Kleinigkeiten




von Philip de Málaga


Auf den Balearen hat man die toros zwar verboten, 
aber es wird weiterhin darum gestritten
______________________________________________________________

Irgendwie scheint das Thema der Tauromachie auf der Insel der Deutschen kein Ende zu nehmen. Zwar hat man die toros mittlerweile auf den Balearen verboten,  aber nichts desto trotz melden sich immer wieder weitere taurinos zu Wort, um die fiesta nacional auch weiterhin zu fördern. So einfach will sich die afición a los toros, so klein sie auch sein mag, nicht abspeisen lassen. Aber auch die Gemüter der Gewinnerseite können sich noch nicht beruhigen.

Da gibt es den matador de toros José Barcélo Alomar "Camilla", der jetzt so ziemlich kurz entschlossen, sein eigenes festejo taurino organisiert, wo selbst bekannte figuras wie den Piraten Juán José Padilla, den Portugiesen Victor Mendez, das Idol der banderillas aus Valencia "El Soro" und der maestro Dámaso González, von Festland angereist kommen um ihn zu unterstützen (SfA hat darüber berichtet: Mallorca: Jetzt erst recht!). Der veranstaltende torero kommt aus der Gemeinde Muro, und dort findet auch seine corrida statt. Die entsprechenden Genehmigungen seien allesamt schon eingeholt worden, hiess es an offizieller Stelle.

Muro: Für eine Gemeinde, welche die toros abschaffen will gut besucht.
Doch das Rathaus reagierte prompt und hat die empresa einer corrida de toros aus dem letzten Jahr mit einer Geldstrafe belegt, weil dieser Jugendlichen unter 16 Jahren zu dem festejo taurino den Zutritt zu den tendidos nicht verwehrt hatte. Pro Minderjährigen waren das 60 Euro, bei zwanzig Kindern also die Gesamtsumme von 1.200 Euro. Nichts besonderes, aber schon die höchste Geldstrafe, welche die Stadtverwaltung jemals der lokalen tauromaquia auferlegt hatte. Mehr ein Zeichen, mehr spektakulär, mehr Fronten klärend. 

Erstaunlich bei Muro ist wohl, dass die Gemeinde zwar offiziell ihrer politischen Verpflichtung nachgeht, aber so richtig überzeugend tun sie es nicht gerade. So wirbt das Rathaus von Muro auf ihrer offiziellen Internetseite optisch weiterhin für die mundo de los toros:

Aktueller Screenshot vom 3.03.2016
In das politische Treiben mischt sich nun die Opposition ein. Eigentlich schon zwei Wochen nach dem balearischen Beschluss. Denn nun halten die Politiker der konservativen PP dagegen. Sie berufen sich auf die Werte der Tradition bei den toros, und stellten diesbezüglich einen Antrag, dass in der Gemeinde Fornalutx die bekannten encierros zum Kulturgut der Balearen deklariert werden sollen. Ob sie damit durchkommen bleibt offen, denn zumindest in Fornalutx hält die PP stets die Mehrheit.

Mittwoch, 2. März 2016

Grosser Andrang beim Vorverkauf




von Philip de Málaga


Zu Beginn der Saison richten sich alle Augen auf den Vorverkauf
_______________________________________________________________

Nun kommt sie so langsam ins Rollen. Die temporada taurina in Spanien. Und es ist natürlich naheliegend, dass man ein Blick auf den Vorverkauf wirft, um einen ersten Eindruck zu gewinnen, über einen möglichen Trend.  Wie ist denn das erste Interesse für die toros  Die Antwort fällt einfach. Das Interesse ist da mit steigender Tendenz.


Und da steht demnächst die Feria de Magdalena in Castellón in der Region Valencia. Und die 170.000 Einwohner-Gemeinde kann sich in ihrem Herzen sehr wohl taurino fühlen, denn sie kann auf eine lange tradición mit den toros zurückblicken. Denn schon am 3. Juni 1887 wurde dort die plaza de toros mit einem aforo für 13.000 Zuschauer eingeweiht. Damals stellten sich einem No hay billetes die beiden berühmten matadores de toros Largatijo und Frascuelo in dem 50 Meter grossen ruedo.
Eine plaza de toros mit Geschichte und Tradition.
Und nun füllt sich dieses historische coso nach 129 Jahren immer noch. Und wie es scheint sogar erneut recht gut. Denn im dritten Jahr in Folge, so berichtet das Portal La economía del toro, verbuchen die Veranstalter eine erneute starke Steigerung. 5 Prozent mehr Dauerkarten wurden verkauft, und an einzelnen entradas gar 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Eine durchaus positive Bilanz. Und dabei hat die empresa in diesem Jahr sogar ein festejo taurino mehr zu bieten: Zwei novilladas, ein rejoneo und vier corridas de toros.
Noch ist es leer hier. Aber mit den toros werden sich die tendidos schnell füllen.

Dienstag, 1. März 2016

Das macht den Stierkampf angreifbar




von Lorenz Rollhäuser

Wie einer der Erziehungswissenschaften studiert um dann als Kellner, Koch oder Kuchenbäcker in Hamburg sein Einkommen zu verdienen, schließlich die Brücke zu der spanischen mundo de los toros findet, ist für viele deutsche aficionados keine Sonderfall. Denn auch in Spanien zieht sich die afición a los toros durch alle gesellschaftlichen Schichten. Vom Schuhputzer bis zum Königshaus. Lorenz Rollhäuser, 1953 in Marburg/Lahn geboren, liess sich von dem Leben in der tauromaquia anstecken, infizieren, dass es ihn dazu brachte, ein Buch darüber zu schreiben, welches 1990 vom Rowohlt veröffentlicht worden ist. Und keine Frage, das ist einer der Bücher taurinos, welche in den Regalen der deutschsprechenden aficionados nicht fehlen sollte.

Der Verfasser stellt den Stierkampf als ein soziales Ereignis dar, zutiefst verwurzelt in der spanischen Geschichte. Er entführt seine Leser in die fremde Welt der toros mit ihren Mythen, strengen Gesetzen und wilden Westen. Dabei wir die Lebendigkeit dieser Tradition spürbar, welchen den EG-Normen unverträglich bleibt, auch wenn der muerte en la tarde nicht mehr das ist, was er zu zeigen Hemingways war. Doch selbst heute, wo die corrida zum espectáculo zwischen Folklore und Geschäftemacherei verkommen zu sein scheint, lebt die grosse Leidenschaft der toros und toreros fort: Die aficionados harren mit grosser Kennerschaft und Geduld auf den Moment, in dem der Kampf zu Kunst wird. ... So heisst es in den eingehenden Worten in diesem Buch.


" Der Stier wird aus kulturellen Motiven gehalten, 
um auf bestimmte Weise getötet zu werden, 
das heisst, er wird nicht getötet um verzehrt zu werden, 
sondern getötet und zudem verzehrt. 
Das macht den Stierkampf angreifbar."

Lorenz Rollhäuser

_________________________________________________________________________________________
Quellennachweis:
TOROS, TOREROS, Lorenz Rollhäuser, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg, 1990

Montag, 29. Februar 2016

Wenn Toreros ihr Leben für die Wohltätigkeit riskieren




von Philip de Málaga



Populärer Benefizstierkampf in Córdoba
______________________________________________________________

Im andalusischen Córdoba hat diese corrida de beneficencia schon Tradition, erfreut sich grosser Beliebtheit und füllt alljährlich die 16.900 Sitze der plaza de toros in der andalusischen Stadt. 

Antitaurinos sehen gerne in solchen Veranstaltungen einen Rechtfertigungsversuch der tauromaquia. Doch hier scheint durchaus die Frage gerechtfertigt, was sie denn unternehmen um anderen Menschen zu helfen? Gewiss, sie denken an das Wohl der toros, aber bis jetzt haben sie noch nicht geschafft nur einem Tier das Leben zu retten. Einfach nur eine Tatsache. Einziges Ziel was sie bezüglich der toros erreichten, das Geld der Steuerzahler für Polizeieinsätze und Gerichtsverfahren auszugeben.

Jedoch die afición stört das wenig. Mit einem traditionsverankerte Kulturerbe etwas Gutes zu tun, dass motiviert nicht nur die teilnehmenden Akteure wie torerosganaderosmozos de espadaempresarios etc. sondern vor allem die aficionados welche diese fiesta taurina aufzusuchen, vor allem auch deswegen weil preislich attraktive entradas warten.

Im Mittelpunkt der corrida steht der toro und die arte del toreo, die Kunst mit den toros regelkonform, kreativ, furchtlos wie künstlerisch umzugehen. Die verantwortlichen matadores de toros, welche für den muerte der toros verantwortlich sind, entnehmen die Leser dem rechten cartel. Und auch die ganadería Zalduende findet sie auf der Ankündigung, und obwohl es sich um ein festival handelt, werden keine novillos, wie normalerweise bei solchen Veranstaltungen, sondern richtige toros zur Verfügung gestellt.

Aber noch ein Künstler beteiligt sich an dieser fiesta nacional der besonderen Art. Er ist 14 Jahre alt, und liegt derzeit in der Station für Onkologie im Hospital Reina Sofía in Córdoba. Seine Leidenschaft im Zeichnen und Malen brachte ihn dazu, das cartel taurino für dieses Jahr zu entwerfen. Man erkennt einen toro  welcher sich mit Andalusien identifiziert. Das spanische Gitarrenspiel mit dem Flamenco, der Fächer gegen die sommerliche Hitze, die historische Vergangenheit der Mauren, der Stier im toro auf den saftigen Weiden der dehesas, was man auch als eigene Identifikation mit sich selbst, dem Stier, interpretieren kann, und schliesslich das alles überscheinende Licht der Sonne. Willkommen in Andalusien.

Wie hier in Murcia, solche Wohltätigkeitsauftritte finden stets einen grossen Andrang in den plazas
Toros für einen wohltätigen Zweck. Auch das gehört zu Andalusien. Im letzten Jahr gab es in dieser südlichen Region Spanien 31 festivales mit einem Besucheranstieg von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die bei dieser corrida eingenommen Gelder gehen fast vollständig an die Asociación Española contra el Cáncer, eine nationale spanischen Vereinigung gegen den Krebs. Die aecc kann sich derzeit auch weiterhin auf die Unterstützung der mundo de los toros verlassen. Da bleibt es nicht nur bei dieser einen Veranstaltung in Córdoba, sondern andere Städte wie Valencia, Murcia, Jaén usw. schliessen sich gerne an und veranstalten ebenfalls ihre eigenen corridas de beneficencia.  Die Beteiligten machen das gerne, den Zuschauern gefällt es, und so hat man sein Vergnügen und kann anderen Menschen damit auch noch helfen. Das sind doch gute Vorraussetzungen. Und in der Regel werden solche corridas von einem sehr angenehmen Ambiente

Sonntag, 28. Februar 2016

Ein Gebet für den Torero

Das Toreros beten ist bekannt, der Inhalt in der Regel geheim
Aber auch beim Stierkampf finden sich Standardtexte und Musik
___________________________________________________________________







von Philip de Málaga



Viele plaza de toros verfügen über eine kleine Kapelle, wo sich die toreros vor ihrem Auftritt im ruedo zurückziehen, um ein wenig innezukehren und um zu beten.


Was die maestros und ihre cuadrilla hinter den meist verschlossenen Türen beten ist unbekannt.  Sollte es auch sein. Man kann sich nur vorstellen, mit welchen Gedanken sich die Akteure gerade beschäftigen. Zum einen versuchen sie mit Sicherheit die aufkommende Angst zu beruhigen, beten für einen guten Ausgang des festejos taurinos, und vor allem dass ruedo ohne cornada verlassen zu können. Man betet für ein gut gestimmtes Publikum, für toros, welche für eine gute lidia taugen und schliesslich für einen gnädigen presidente. Ob sie auch für sich beten? Das sie eine gute Figur machen? Sich nah am Tier bewegen können? Die quite, die verónica oder eine neue suerte bestens gelingen werden? Das der momento de verdad sich nicht zum Alptraum von tres avisos entwickeln werde? Zu bitten gäbe es viel. 

Aber es wäre sicherlich ein besonderer Vorteil sich in diesen besinnlichen Minuten eine gewisse innere Ruhe anzueignen um gelassen beim paseillo ins ruedo zu treten, und schon ist der ganze Stress vergessen und man kann sich voll und ganz auf das toreo konzentrieren.

Aber wie auch in einer normalen Kirche, für den normalen Gläubigen gibt es auch hier Standardgebete. Wie das Vater Unser, welchen einige toreros als Halskette um sich tragen:

"Vater unser, der du bist in den ruedos.
geheiligt werde dein Name.
Deine quite komme zu uns.
Dein Wille geschehe mit mir, nicht der des toros,
wie im Triumph so auch in der Angst.
Gib uns unsere tägliche suerte heute.
Lass uns nicht fallen in die schlechten tarde 
und befreie uns von den Schmerzen.
Amén."

Wir sind in Spanien und hier gibt es noch jemand den man beim Anbeten nicht vergessen sollten. Die Jungfrau María. Diese findet sich aber in zahlreichen Varianten, meist gebunden an die Schutzpatronin der entsprechenden Gemeinden und findet sich oft auch als beschriftete Keramiktafel an der Wand der plaza de toros:


Der Ort des Betens ist oft aber auch nicht unbedingt auf die capilla in der plaza de toros beschränkt. Nicht selten benutzen die maestros die Ruhe in ihren Hotelzimmern, wo sie einen kleinen Altar errichtet haben, um das Gespräch mit Gott zu suchen.


Diese geistliche Vorbereitung inspirierte den 1882 in Sevilla geborenen spanischen Komponisten Joaquín Turina. Fasziniert von allem was mit dem andalusischen Temperament zu tun hat, von den Fischermädchen auf den Märkten, den Schuhputzern, die Flamencosänger und Tänzer, die Menschen im Allgemeinen wie eben auch die Helden in den ruedos. Und eines Tages erkannte er sofort, dass es hier etwas zu komponieren gäbe. Das war aber nicht in Andalusien sondern 1925 in der spanischen Hauptstadt Madrid. Joaquín Turina erklärte es wie folgt: 

"Eines tarde de toros in der plaza von Madrid, eine alte, harmonische anmutige plaza entdeckte ich mein Werk. Ich war gerade im patio de caballos.  Und dort, hinter einen kleinen Tür, war die capilla, gefüllt mit Salbung, wo die toreros hinkamen um zu beten, bevor sie draussen dem Tod entgegentraten. Und plötzlich erkannte ich in seiner ganze Fülle, diesen subjektiven, musikalischen so ausdrucksstarken Kontrast zwischen dem fernen Tumult in der plaza  dem Publikum welches dort auf die fiesta wartete im Gegensatz zu den Gesalbten vor jenem Altar, arm und voller liebenswerter Poesie, sie kamen um vor Gott für ihr Leben zu bitten, vielleicht auch für ihre Seelen und die Schmerzen, von der Hoffnung und der Illusion, und vielleicht werden sie jenes ruedo, voller Lachen, Musik und Sonne für immer verlassen."

So entstand 1926 das einsätzige Werk für einen Lautenquartett. Nachdem aber das Ensemble, dem Turina sein Werk geradezu auf den Leib geschnitten hatte, auflöste, erarbeitet er eine Version für Streicher. Das Stück selbst besteht aus einer kurzen dramatischen Einleitung, dem klassischen Paso Doble, es folgt ein sehr bewegendes lyrisches Andante, welches von einer geradezu brutalen Steigerung unterbrochen wird, was wohl auf ein dramatisches Geschehen im ruedo hinweisen soll. Dem folgt wieder ein Lento, welches der Ausdruckshöhepunkt  des gesamten Werkes darstellen soll, und was wohl auch das eigentliche Gebet widerspiegeln lässt. Noch ein wenig Paso Doble und schliesslich der Ausklang mit einem weiteren Lento.


Der Glaube und die Tauromachie haben beide etwas gemeinsam. Von beidem sollte man die Leute nicht versuchen davon zu überzeugen. Ein jeder muss und sollte diese Erfahrung selbst machen und es für sich alleine entscheiden.  Wenn toreros beten, beten sie für sich allein, stehen nicht im Herzen einer plaza de toros oder im Blickfeld der Zuschauer in den tendidos. Manchmal besuchen die maestros eine Kirche auf dem Weg zum festejo taurino, um sich für die bevorstehende corrida de toros zu sammeln, wie hier der diestro Morante de la Puebla.

Samstag, 27. Februar 2016

Ein neuer junger Spirit im Publikum





über José María de la Rosa


Die grösste plaza de toros von Europa, Las Ventas in Madrid, mit den meisten fiestas nacionales beginnt ihre grosse temporada taurina mit Kunst. Mit einem cartel taurino, von einem bekannten Künstler gestaltet. In diesem Jahr wird die arte taurino von dem jungen Talent José María de la Rosa, repräsentiert, welcher nicht nur ein torero aus Berufung ist und somit ein leidenschaftlicher aficionado práctico, sondern er gehört zu jener jungen Generation, welchen den Spirit des toreos in die tendidos bringen. Er ist bekannt für seine corrida-Besuche. Voller Enthusiasmus sieht er in einer jeden corrida immer wieder die Erneuerung des toreos. Er erkennt neue Visionen, welche er häufig auf sein Umfeld in den tendidos überträgt und letztendlich künstlerisch auf das Papier bringt. Die meisten Medien, wie der TV-Sender Antena 3 oder die populären Tageszeitungen wie El Mundo oder El País wurden vor allem im letzten Jahr auf ihn aufmerksam, als er den populären 9. Wettbewerb TAURODELTA 2015 für ein cartel taurino gewann. Es folgten Ausstellungen in Madrid und San Sebastian de los Reyes. Und in diesem Jahr eröffnet er die feria taurina in der spanischen Hauptstadt. In den Jahren 2011 bis 2012 war er für das Portal mundotoro tätig. Also grafisch schon immer mit der mundo de los toros konfrontiert.


Mit ihm sei die arte taurino wieder neu geboren und behauptet sich jung wie lebendig. Er bewege sich auf dem Niveau der Klassiker.  Er bringe wieder einen jungen, neuen und hoch motivierten Geist in die plaza de toros  Wenn José María de la Rosa, der von seinen Freunden liebevoll Tico genannt wird, von dem toreo und der Kunst spricht, hört man von Werten, Entscheidungen, Mut und Jugend.  Er erzählt von einer Jugend, welche ihr Leben riskieren um ihrer Berufung als torero zu folgen und von den Künstlern, welche mit einen Blick aus verschiedenen anderen und neuen Blickwinkeln, die arte taurino neu zu entdecken haben.