Freitag, 13. Dezember 2013

Das Tercio de Banderillas und sein Zweck (2. Teil)







von Domingo Delgado de la Cámara eingeleitet und übersetzt von Tristan Wood entnommen aus La DivisaClub Taurino of LondonNumber 168 - January/February 2006, S. 29-33: The Tercio de Banderillas and Its Purpose
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Übersetzung von Dr. Andreas Krumbein



Genug davon. Mir ist, als setzte ich banderillas, nachdem der Stier an mir vorbeigelaufen ist. Lassen Sie uns zurückkehren vor den Kopf des toros. Die Existenz des tercio de banderillas kann nicht durch die Teleologie erklärt werden; vielmehr existiert es aus historischen Gründen. Als die banderillas in die konventionelle lidia eingegliedert wurden, geschah dies, weil den Leuten die suerte gefiel und nicht weil sie benötigt wurde.
Die banderillas sind alles, was in der modernen lidia vom toreo, der im Baskenland praktiziert wurde, übergeblieben ist. Sie sind die letzten Überbleibsel des toreo der Pyrenäen.
Wie ich zuvor in Avatares Históricos del Toro de Lidia erklärt habe, war der erste Konflikt, der im professionellen Leben des toreo a pie auftauchte, der Kampf zwischen den toreros Nordspaniens und Andalusiens, ein Kampf, der vor demjenigen zwischen Rondeños und Sevillanos stattfand, zu dem Historiker und Gelehrte reichlich Stellung genommen haben. Im Gegensatz dazu ist der Streit zwischen den toreros Nordspaniens und Andalusiens nicht eingehend untersucht worden (viel Glück den Historikern, die es tun). Doch bildet er einen entscheidenden Teil der Entwicklung der fiesta.
Das war kein einfacher Zank zwischen zwei lokalen Splittergruppen. Es war eine Konfrontation zwischen zwei Konzepten des toreo, zwei völlig unterschiedliche tauromaquias. Der toreo der Andalusier basierte darauf den Stier mit Ködern zu täuschen, während der toreo der Norteños auf dem recorte aufgebaut war, darauf, den Stier mit dem menschlichen Körper zu locken. Das andalusische Konzept hat zweifellos den Sieg davongetragen. Aber, weil das Publikum dies verlangte, sollte die lidia der Andalusier für immer die spektakulärste suerte der Norteños in sich aufnehmen - die banderillas. Das war der Zweck der banderillas - das Publikum zufrieden zustellen.
Costillares
Jeder singt die Loblieder auf Costillares und das Lob ist verdient, denn er erfand die verónica (den wichtigsten pase der Arbeit mit der capa) und den volapié, die üblichste und effektivste Form des Tötens. Francisco Romero jedoch ist ungerecht behandelt worden; die Leute neigen dazu, einfach zu sagen, dass er der Großvater des großen Pedro Romero und Begründers einer Stierkampf-Dynastie gewesen sei. Es scheint, dass fast jeder vergessen hat, dass er es war, der das Instrument erfunden hat, von dem in späteren Jahren zunehmend Gebrauch gemacht wurde - der muleta -  und dass, damit bewaffnet, er damit anfing, Stiere von vorne zu töten, statt hinterhältig und unredlich aus einer anderen Richtung. Zusätzlich war er es, der mit der Struktur der lidia von heute aufwartete, eingeteilt in drei tercios und zum Schluss war er der erste, der versuchte die picadores dem matador zu unterstellen, obwohl die Person, die dies schließlich erreichte, Paquiro war.

Martincho
Aber zweifellos ist derjenige Pionier unter den toreros, mit denen die Geschichte am schlechtesten umgegangen ist, Bernardo Alcalde 'El Licenciado de Falces'. Fast niemand erwähnt ihn als den Vater der suerte de banderillas, obwohl vor ihm jeder der Stöcke nur einzeln gesetzt wurde, in einer Art rejoneo zu Fuss, einer Nachwirkung der ritterlichen corrida, die gerade dabei war zu Ende zu gehen. El Licenciado war der erste, der die banderillas paarweise setzte, in jeder Hand einen Stock haltend. Dennoch hat ihn Goya während der suerte de banderillas, die ihn berühmt gemacht hat, nicht abgebildet, sondern ihn stattdessen eingehüllt in einen Umhang gezeigt, womit er eine Parodie auf die chicuelina dargestellt hat. Ein anderer berühmter torero des Nordens war Juanito Apiñani, den Goya auf dem bekanntesten Bildnis seiner Tauromaquia portraitierte, wie er mit einem Stab hoch über einen Stier springt. Aber der berühmteste von allen war Martincho. Martín Barcaiztegui war des unbesonnensten Aktes fähig, der das Publikum in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Aufregung versetzte. Goya hat uns zwei Beispiele seines Wagemutes gezeigt und ihn einmal auf einem Stuhl vor dem toril sitzend abgebildet, bereit den Stier zu töten, und ein anderes mal oben auf einem Tisch, mit gefesselten Füßen, wie er sich bereit macht einem Stier über den Kopf zu springen.