Mittwoch, 13. April 2016

Und es gibt sie doch, die Stierkämpfe für Touristen!

Zwar finden die Stierkämpfe nicht für die Touristen statt,
aber trotzdem gibt es welche, 
mit denen man bei den Touristen Geld verdienen will
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von Philip de Málaga

Der Sommer kommt, und mit ihm die Sommerferien, die Hautreisezeit vieler Familien. Und da in diesem Jahr einige Länder ausfallen, hat die Iberische Halbinsel einen kleinen Boom zu verzeichnen. Spanien wird von zahlreichen Touristen anvisiert, und mit diesem wird auch ein gewisses Interesse an der landestypische Kultur offengelegt. Dazu gehören auch die toros. Bei einigen Reisenden steht der Besuch eines festejos taurinos auf dem Programm.

Um es gleich vorweg zu nehmen. Die Stierkämpfe finden nicht für den Tourismus statt sondern trotz der Touristen. Denn es ist eine Tatsache, dass die Besucher der festejos populares und der corridas zu über 90 Prozent in der Hand der Einheimischen liegt. Die Zahl der Besucher von den klassischen corridas de toros wird mit unter 3 Prozent angegeben. SfA hat darüber schon berichtet: Der grosse Irrglaube: Stierkampf sei für den Tourismus.

Trotzdem gibt es Regionen, welche neben ihrer temporada taurina für die richtigen aficionados auch festejos organisieren, welche sich in erster Linie an die ausländischen Touristen richten. Zu überteuren Preisen wird in der Regel eine festejo taurino mit Flamenco angeboten und lediglich zwei bis maximal vier kleinen novillos. In der  Reportage vom Mai letzten Jahres Der Sommer kommt ... die Touristen auch, informiert SfA die Leser über solche Veranstaltungen. Nun erreichte am Montag SfA von Carla S. aus Frankfurt am letzten Montag folgende Mail:

  • "... Im Juni fliegen wir nach Málaga und würden uns gerne einen richtigen Stierkampf ansehen. Auf Ihrer Seite haben wir lesen können, dass es Stierkämpfe gibt, die eher eine Touristenfalle sind. Nun habe ich gerade im Spanienforum gelesen, dass jeder Stierkampf auch ein richtiger Stierkampf ist. Also als Tourispass abgewertete Stierkämpfe gäbe es nicht, da jeder Torero sein Leben aufs Spiel setze. Was denn nun? Ich hatte das Gefühl, dass der Schreiber sich im Stierkampf auskennt. Und hat sich selbst auch als Aficionado betitelt, .so glaube ich, nennt man die Kenner von Stierkämpfen. ..." 

Da haben wir von SfA natürlich erst einmal im Spanienforum nachgeschaut, sind dementsprechend auch fündig geworden und haben zwei Einträge von einem und demselben Verfasser orten können:

  • ... was ist eine, auf Touristen "zugeschnittene" Corrida? Haben die Toros die Hörner gestutzt, keine Varas, keine Banderillas und am Ende wird der Stier auf den Schultern der Toreros aus der Plaza getragen? Eine Corrida ist eine Corrida.
  • ... Zum Thema Touri-Corridas, hast Du dich nicht erklärt - mir, als Aficionado stößt dieses Wort sauer auf, Stierkampf ist keine Tourianimation, sondern eine ernste Sache, so oder so. Da kämpfen Menschen und Tier um ihr Leben... Tourispass? Daher weht der Wind - Touricorridas - meinst Du die, in denen Padilla, El Cordober & Co., sich mit Vergnügen von Hörnern durchbohren lassen. Un poco max respeto, Sr.

Überrascht nehmen wir hier zur Kenntnis, dass der Verfasser der o.g. Zeilen wohl die Existenz solcher festejos taurinos für ausländische Touristen in Frage stellt. Um so erstaunlicher, da im damaligen Andalusienforum und später in besagtem Spanienforum schon seit Juli 2008 in dem Thema Vorsicht vor solchen Veranstaltungen darauf aufmerksam gemacht worden ist. Also, man kann erzählen was man will, es ist eine Tatsache, es gibt solche "Touricorridas":
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Die festejos taurinos für Touristen gibt es wirklich!
Sie sind keine Erfindung von SfA!
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Zum Beispiel an der Costa del Sol gibt es bestimmte plaza de toros, wie Mijas Pueblo und Benalmádena Pueblo, welche sich auf solche festejos vorzugsweise für Touristen konzentrieren. Manchmal auch grössere plaza de toros wie Torremolinos, Estepona oder Marbella, welche auch mal ähnlich festejos veranstalten.

Mijas Pueblo: Stierkampf für Touristen
Selbst in taurinischen Kreisen werden solche festejos taurinos relativ kritisch beurteilt. Für Miguel Sánchez, ex-torero und Direktor des museos taurinos in Málaga eine klare Angelegenheit: "Eine Peinlichkeit für die tauromaquia!". Auch Juan Carlos Estrada, Manager der Malagueta wünschte sich sehr, dass der verantwortliche Kreistag von Málaga diesbezüglich mehr durchgreife und es strenger kontrolliere. Aber letztendlich ginge es leider nur um Geld zu verdienen.

In einem hat der Verfasser der kritischen Zeilen aus dem Spanienforum jedoch recht. Auch bei solchen Veranstaltungen geht es um Begegnungen zwischen Mensch und Tier. Ein torero steht einem jedoch sehr, sehr kleinem Stier gegenüber um ihn dann letztendlich auch zu töten. Allerdings kämpfen die Menschen da nicht um ihr Leben.  Meistens sind es relativ junge novilleros, die das erste Mal in der Öffentlichkeit üben dürfen und hoffen dabei einen kleinen Erfolg vorweisen zu können, eventuell weil zufällig auch jemand im callejón sich befindet, der in der mundo taurino etwas zu sagen hat. Aber sie wissen, in den tendidos sitzen meistens nur zahlende Touristen, welche vom toreo kaum eine Ahnung haben.

Saúl Jiménez Fortes bei einer becerrada in Benalmádena
Wer Glück hat, erlebt vielleicht einen jungen torero der irgendwann mal in der Zukunft ein grosser matador de toros werden könnte. Aber das von den Sitzplätzen aus zu erkennen, wird jedem Neueinsteiger verwehrt bleiben. Zum Beispiel der seit zwei Jahren recht mutige matador de toros Saúl Jiménez Fortes war öfters bei jenen corridas für Touristen in Benalmádena zu sehen.  Der Grund hierfür war einfach, sein Vater war damals der empresario dieser plaza de toros und wollte seinem Sohn so viele Möglichkeiten geben sich als torero weiter zu entwickeln. Die Touristen haben es finanziert. Mit Erfolg. Denn aktuell steht er im escalafón der populärsten toreros auf Platz Sieben.

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Quellennachweis:

Das erste Mal bei einem Stierkampf, Spanienforum