Freitag, 13. November 2015

Valencia: Historischer Rekord bei den populären Stierfesten




von Philip de Málaga


In der Region Valencia sind die encierros so populär wie noch nie
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In der Region Valencia liebt man es die toros durch die Strassen zu treiben und sich ihnen gegebenenfalls zu stellen. So erreichten die Bous al carrer in diesem Jahr ein neues Rekordhoch. Nach jüngsten Zahlen der Stierzuchtvereinigung UCTL kamen die Correbous in der Region Valencia auf 8.500 Veranstaltungen. Das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2007 ist die Zahl um mehr als vierzig Prozent gestiegen!
Der Trend ist eindeutig (Grafik: La economía del toro)
Durchschnittlich beteiligen sich an diesen festejos populares um die tausend Personen, während sich etwa an die viertausend Zuschauer sich das Geschehen vom Rande aus betrachteten. Hochgerechnet zählte Valencia in diesem Jahr mehr als dreissig Millionen Zuschauer.



Wie die Landesregierung in Valencia verkündete werden durch diese Bous al carrer an die 6.000 direkte wie indirekte Arbeitsplätze geschaffen. Also wieder ein typisches Beispiel, wo Tradition, Vergnügen und Wirtschaft zusammenpassen.

Am Rande zu erwähnen, eine Gruppe von zehn antitaurinos, welche versuchten ein solches festejo popular in Pujol im Juli zu verhindern wurde zu einer Geldstrafe von je 600 Euro verurteilt, weil sie durch ihren Einsatz die Bevölkerung, die Zuschauer sowie die Beteiligten in Gefahr brachten. Jene Manifestation war auch von den Behörden nicht genehmigt worden.

Donnerstag, 12. November 2015

23.000 Jahre Tauromachie!

Den Kampf zwischen Mensch und Stier gibt es schon seit 23.000 Jahren
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von Ursula Herzog

Im französischen St. Sever  findet zur Zeit die 31. Woche statt, die den Stieren und deren Kultur gewidmet ist.



Im Vorland der Gascogne findet in der Zeit vom 4. – 11. November die Woche der tauromaquia statt. Ausstellungen, Konferenzen, Filme, die traditionelle novillada sin picadores am 11. November. Und in diesem Jahr in der alten Abtei von Saint Sever, welche seit 1998 Teil des Weltkulturerbes der UNESCO "Jacobusweg in Frankreich" ist, die Ausstellung „Tauromachies universelles“ von André Viard in Zusammenarbeit mit der „Fédération des Sociétés Taurines de France“. Dieser Ausstellungsort wurde bewusst gewählt. 


Die Ausstellung ist konzipiert als eine Art von Kaleidoskop. Sie zeigt Dutzende von Fotos oder Reproduktionen von prähistorischen oder antiken Fresken und mittelalterliche Ikonographen auf 83 großen schwarzen Tafeln, die so arrangiert sind, dass sie den Betrachter durch die Jahrhunderte hindurch zu einem Stier in Lebensgröße führen. Es ist ein sehr pädagogischer Weg, auf dem  Geschichte erzählt wird….. Es ist die Geschichte des Menschen, der seit der prähistorischen Zeit sich dem toro, einem Tier, welches in ganz Europa geheiligt war, entgegen stellt. 


André Viard ist tauristischer Schriftsteller, alter matador und Präsident des „Observatoire National des Cultures Taurines“. Er zeigt in St. Sever zum ersten Mal diese Ausstellung, die sich mit der Beziehung zwischen dem Menschen und dem wilden Stier beschäftigt.


Der Zweck der Ausstellung ist zu zeigen, dass  es den Kampf zwischen Mensch und Stier seit 23.000 Jahren in allen Kulturen rund um das Mittelmeer gibt:


Die Ausstellung ist als Wanderausstellung gedacht und soll auch weiterhin in Gebäuden von kultureller Bedeutung gezeigt werden.


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Siehe auch:

Mittwoch, 11. November 2015

Stierkämpfe sind auf den Kanaren nicht verboten!




von Philip de Málaga


Es wird viele erstaunen: 
Auf den kanarischen Inseln gibt es zwar keine Stierkämpfe mehr,
aber es gibt auch kein offizielles Stierkampfverbot!
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Schon seit langem ist es einer der Argumente der antitaurinos, dass die toros auf den Kanarischen Inseln schon lange verboten wären. Gerne wird es von dem sector antitaurino als die Geburtsstunde der abolición de los toros dargestellt. Ganz unter dem Motto, warum dann nicht auch in ganz Spanien? Das Portal La economía del toro informierte diese Woche, dass dieses nicht so ganz der Wahrheit entsprechen würde. Immer wieder hören wir, dass das Gesetz 8/1991 vom 30. April den Schutz der Tiere auf den Kanarischen Inseln regelt und auch ein Verbot der der corrida de toros beinhaltet. Die toros seien definitiv nicht durch rechtliche Vorschriften verboten, wie es gerne immer wieder von der antitaurinischen Lobby behauptet wird. 

Seit 1991 gibt es hier keine toros mehr.
Hier eine andere Stellungnahme des Portals mundotoro, welche diese Behauptung ebenfalls widerlegt:

Die toros sind auf den Kanarischen Inseln nicht verboten. Das Gesetz 8/1991 vom 30. April dient in erster Linie dem Schutz der Tiere dieser Region. Gerne wird vor allem von der antitaurinischen Plattform Prou, verschiedenen Medien und einigen Politikern gerne dargestellt, dass die toros inbegriffen wären, und die Kanaren diesbezüglich die erste  Region in Spanien gewesen wäre und Katalonien diesem Beispiel gefolgt wäre. Weit entfernt von der Realität.

Die Kanaren haben vor 19 Jahren die corridas de toros nicht verboten, so wie man versucht die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Die neue Gesetzgebung regulierte hiermit den Umgang mit den Haustieren, und der toro bravo ist bestimmt nicht zur Gattung der Haustiere zu zählen.

Der toro bravo, nicht gerade ein Haustier
In Artikel 1 des 1. Kapitel dieser Regelung wird eindeutig festgelegt: "Das Gesetzt setzt neue Standards für den Schutz der Haustiere insbesondere deren Umgang auf dem Gebiet der Kanarischen Inseln."

In Artikel 2 wird klar definiert, wobei es sich um jene Haustiere handelt: "Unter Bezugnahme auf dieses Gesetzt verstehen wir unter Haustieren, welche abhängig sind und ihr Lebensunterhalt durch Menschen bestritten wird, vor allem jene welche über ein Zuhause verfügen und nicht für einen finanziellen Gewinn gehalten werden."

Und genau in diesem Sinne wurde dieses Gesetzt am 30. April 1991 von dem Präsidenten der Kanarischen Inseln Don Lorenzo Orale Cullen in Kraft gesetzt: "In den taurinischen Medien dieses Landes wird schon seit einigen Jahren Relativ stark verbreitet, dass die corridas de toros auf den Kanarischen Inseln verboten werden sollen. Ein solches absolutes Verbot ist einfach nicht existent. Umso mehr fühlte ich mich persönlich stark angegriffen. Dieses Gesetzt hat den Schutz von Haustieren im Visier und die entsprechenden Aktivitäten mit ihnen. Das ist und sei keine Anspielung auf den toro bravo, der davon auch nicht betroffen sei." Eine durchaus eindeutige Ansage.

Es gibt zwar keine Tradition, verboten ist er aber nicht
Orale Cullen stellte jedoch klar dar, dass es auf den Kanarischen Inseln keine so genannte tradición taurina gegeben hätte und eigentlich auch kein Bedarf dafür bestehe.

Es ist also eine klare Angelegenheit: Die Stierkämpfe werden auf den Kanarischen Inseln zwar nicht veranstaltet sind aber eindeutig nicht verboten.

Der Widerspruch findet sich in Artikel 5: "Der Einsatz von Tieren in Kämpfen, Partys, Shows und anderen Tätigkeiten mit  Missbrauch, Grausamkeit und Leiden ist verboten". Und genau diesen beziehen die antitaurinos auf die toros. Hahnenkämpfe dagegen werden weiterhin veranstaltet, weil sie mit kanarischer Tradition verbunden werden.

Bis 1991 wurden übrigens auf den Kanarischen Inseln fünfzehn bis zwanzig festejos taurinos veranstaltet. Aber einem Argument kann man als aficionado nur zustimmen. Viel tradición taurina hat es auf den Kanaren wirklich nicht gegeben. 

Dienstag, 10. November 2015

Horst Stern über die Stiere





von Horst Stern

Eigentlich ist Horst Stern gelernter gelernter Bankkaufmann. Nach dem zweiten Weltkrieg, als Fallschirmspringer, wendete er sich dem Journalismus zu. Vor allem alles was mit Tieren in Verbindung stand hatte es ihm angetan. So begann er mit Manuskripten und Sendungen von Tiersendungen für den Schulfunk. Bundesweit bekannt wurde er durch die Sendung Sterns Stunde, wo er in 27 Folgen über den unsentimentalen Umgang mit Tieren berichtete. Dabei ging es ihm aber nicht, die Tiere zu vermenschlichen, sondern er wollte die Mensch-Tier-Beziehung nicht auf einer sentimentalen sondern von der rationalen Seite angehen. Dabei sollten aber die Gefühle nicht zu kurz kommen. Auch traute er sich an das Thema der Nutztierhaltung ran, wofür er 1974 die Ehrendoktorwürde der Universität Stilart erhielt. Seine damals spektakuläre Rede "Mut zur Emotion" gilt noch heute als ein journalistisches wissenschaftlich orientiertes Meisterwerk.

Schon 1972 war er der Mitbegründer der Gruppe Ökologie, welche sich als eine Art Protestbewegung für das mangelnde ökologisches Bewusstsein und Verständnis der Industriegesellschaft. Von 1972 bis 1979 war er als Naturschutzbeauftragte des Landkreises Lindau am Bodensee tätig.

Und Horst Stern begegnete der mundo de los toros und seine Reaktion irritierte die Welt des antitaurinos nicht nur, sondern versetzte sie geradezu in einen Schockzustand. Hier seine Stellungnahme zu den toros. Eine Botschaft welche der antitaurinismo mit einer gerade zu perfekten Art und Weise in die Vergessenheit verdammt hat:
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Die spanischen toros von Domecq und der deutsche Ökologe Horst Stern
Es kam mit der Post ein Papier ins Haus, das mich fragte: „Kann man, als zivilisierter Mensch, zum spanischen Stierkampf eine andere als negative Einstellung haben?

Die Frage war rein rethorisch, denn der übrige Inhalt des Papiers machte die Meinung der Absender, einer Tierschutzorganisation, überdeutlich: dass der als ein „grausames Touristenspektakel“ gebrandmarkt und verboten gehöre. Ich war aufgefordert, mich dieser Meinung per Unterschrift anzuschliessen.

Ich unterschrieb nicht. Nicht, weil ich ein aficionado de toros, ein beinahe kritikloser Freund des Stierkampfes wäre. Ich wüsste manches gegen ihn vorzubringen. Mir gingen nur Gedanken durch den Kopf, für deren Niederschrift die Papierabsender, sich im Besitz der absoluten Wahrheit wähnend, keinen Raum vorgesehen hatten ...

Sie kamen mir erstmals in den Kopf, als ich in Andalusien einmal Gelegenheit hatte, in Begleitung von berittenen Hirten, den vaqueros, auf den Weiden der stierzüchtenden Sherry - und Brandy - Dynastie Domecq zu den Stieren zu reiten.


Ein unter der Grossen bei den ganaderos: Álvaro Domecq
"Man muss wissen was man haben will“, sagte der alte Álvaro Domecq zu mir, als wir nach diesem Ritt beim Essen sassen (ich hatte ihm bei meiner Ankunft schon von dem Problem erzählt, das wir Mitteleuropäer mit dem spanischen Stierkampf, der corrida de toros, oft haben).

Wer die Urkraft und die wilde Schönheit dieser Stiere erhalten wissen will“, sagte er, „der muss auch ihren Tod im ruedo, der plaza de toros, akzeptieren. Gäbe es die 
corrida de toros nicht, gäbe es auch diese stolze Rinderrasse nicht. Sie verschwände von der Erde wie so viele urtümliche Tierarten vor ihr schon. Bestenfalls züchtete man aus ihr eine neue Fleischrasse heraus - für den Messertod im stinkenden Schlachthaus".

Danach führte mich Álvaro Domecq in eine kleine Privatarena, wo eine tienta vorbereitet war, eine Prüfung junger weiblicher Rinder, den vacas, auf Zuchttauglichkeit.



Die private plaza de toros von Domecq
Von ihren Reaktionen auf die Reizmanöver der ihnen zu Fuss und zu Pferd nahe kommenden vaqueros  ob sie diese mutig angriffen oder ihnen furchtsam auswichen, las der alte Domecq ihr Schicksal ab: Tod durch den Metzger oder Paarung mit einem Zuchtstier zur Erhaltung der Art.

Ich sass als Ehrengast an der Seite des Herrn über Leben und Tod, und mir war in der Sonne kalt.

Don Álvaro schien es zu bemerken, denn er sagte: „Auch das Leben dieser jungen, zur Zucht ausgewählten Kühe, mit einem Kalb bei Fuss zum Herumtollen auf der Weide, zum Säugen und Ruhen Leib an Leib, gäbe es nicht ohne den Tod in der 
plaza de toros ihrer männlichen Kinder.“

Nach diesem Besuch auf der finca des Kampfstierzüchters, des ganadero bravo, Don Álvaro Domecq, ging ich zu weiteren Dreharbeiten für einen Rinderfilm in ein Schlachthaus. Es war ein deutsches, und es gibt, im Süden Europas, schlimmere. Junge Mastbullen liessen hier unter Bolzenschuss und Schlachtermesser ihr Leben - ein Leben auf einem glitschigen Spaltenboden über der stinkenden Kotgrube im halbdunklen Stall. Nicht einmal als - mutterlos aufgewachsene - Kälber setzen sie je einen Huf auf grünes Weideland.

Man muss wissen was man will: den öffentlichen, ritualisierten Tod des agilen Kampfstiers, des toro bravo, im Sand der plaza de toros  oder eine weitere dumpfe Fleischrasse mit einem widerlichen, grausamen Tod aller ihrer Individuen.


So möchte man einem toro bravo von Domecq lieber nicht begegnen
Im Übrigen: wer sind wir, die wir Kälber um einer „Herodesprämie“ willen als wenige Tage alte Tierkinder schlachten lassen; wir, die wir um schnöder Subventionen aus Brüssel willen unsere Rinder entsetzlichen Transportqualen aussetzen; wir, die wir Hühner zu Tausenden käfigen - wer sind wir, dass wir eine Nation, in der der Stierkampf tiefe kulturelle, ja mythologische Wurzeln hat, Mores zu lehren versuchen im Umgang mit Tieren?

Es erfüllt der spanische Kampfstier, im Gegensatz zu unseren „Nutztieren“, auch die erste Grundforderung des Tierschutzes: der toro bravo hat, bevor er stirbt, wenigstens artgerecht gelebt.
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"Ein letzter Gedanke noch: 

man las nie, 
dass ein Metzger bei der Schlachtung eines Mastbullen 
durch dessen Gegenwehr zu Tode kam."

Horst Stern
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Quellennachweis:

"... und was meinst Du", Horst Stern, Kommentare, La Tauromaquia
aus Costa Blanca Nachrichten vom 6. November 1998

Montag, 9. November 2015

Der Morgen vor dem Stierkampf





mit Juan Belmonte


Der spanische matador der toros Juan Belmonte García  (1892 bis 1962) wurde und wird häufig als einer der einmaligsten toreros aller Zeiten betitelt. Wegen seiner kurzen Beine war er oft gezwungen, seine Manöver mit den toros ohne viel Bewegung durchzuführen. Weglaufen kam nicht in Frage. So gehörte er auch mit zu den ersten toreros, der über seine Gefühle sprach, über Ängste und sein innerstes Seelenleben in der mundo taurino sprach. Hier erzählt er nun nach Der Nacht vor dem Stierkampf von dem Morgen vor dem Kampf.

Nun ist der Moment gekommen. Da sitzt man am Rande seines Bettes, niedergeschlagen und voller Mutlosigkeit. Fast lautlos bewegt sich der mozo, kommt und geht ins Zimmer, bringt alles was notwendig ist um den torero zu kleiden.

Dann, wenn der torero gekleidet wird, hat der mozo das Sagen, schubst nach Gutdünken den maestro hin und her um ihm die Kleidung passend und gut aussehend anzubringen. Der torero nimmt dieses kaum wahr, denn in diesem Moment hat die Angst ihn wieder im Griff, das Patronat übernommen. Ein mühseeliger Moment, eine Schwerfälligkeit der Angst, welche der torero versucht zu überwinden. Gedanken jagen durch den Kopf:

„Ich verstehe, es stimmt! Du wirst es schon sehen ... Das mit dem toreo ist wirklich eine absurde Angelegenheit. Ich leugne es noch nicht einmal. Und wenn es denn sein muss, und das muss ich sogar zugeben, die Lust auf das toreo, so wie ich sie früher hatte, habe ich irgendwie verloren. Nein, es ist entschieden, ich werde nicht mehr antreten. Wenn diese temporada taurina vorbei ist, werde ich aufhören. Trete ich ab.

Und wie stellst Du Dir das vor? Wie kommst du aus all den corridas die dir da noch bevorstehen so ganz heraus?

Gut, diese zwei oder drei corridas werden ich antreten und nicht einfach absagen. Das könnte bedeuten, wenn ein toro will, kann er dich in diesen zwei oder drei corridas vernichten.

Nein oder gut, ich bestreite nur noch den heutigen tarde de toros.

Nun. Auch heute könnte ich ...

Genug! Fertig, habe ich gesagt, genug! Die corrida von heute werde ich machen und wenn der Heilige Geist herunterkommt und es mir sagt, werde ich das ruedo nicht mehr lebend verlassen.“

Würde man die toreros dazu bringen, die Verträge zu den corridas zwei Stunden vorher zu unterschreiben, es würde zu keinen corridas kommen. Denn die toreros treten letztendlich an, weil die Verträge schon unterschrieben worden sind. Wochen vorher, oft Monate, ehe sie erfüllt werden müssen. Da ist man mit dem Moment, wo man das ruedo betreten muss um toros zu töten noch  nicht so konfrontiert. Doch dieser Moment, diese unabwendbare Stunde kommt unweigerlich näher.

Der Moment ist gekommen, die corrida hat mit dem paseillo begonnen, Belmonte links 
Diese Augenblicke der Angst, welchen man im Vorfeld einer corrida begegnet sind grauenhaft. Wer das Gegenteil behauptet, sagt einfach nicht die Wahrheit. Alles verändert sich. Der Klang der Stimme wird zaghafter, dein Charakter verändert sich irgendwie und ziemlich verrückte Gedanken passieren deinen Kopf.

Später, wenn man dann dem toro gegenüber steht ist es etwas vollkommen anderes. Denn der toro lässt einem keine Zeit, darüber nachzudenken. Um mit dem Tier zu arbeiten, ihn auszuforschen, werden deine fünf Sinne abverlangt.

Juan Belmonte mit einer natural
Im ruedo gibt es nur eine kurze Zeit, wenn man noch einmal nachdenken kann. Wenn beim zweiten tercio die banderilleros die banderillas setzen und man am Rand steht und es beobachtet. Was denkt da so ein torero? Er meditiert, beobachtet den toro und bereitet sich im Geiste auf seinen auftritt mit muleta und estoque vor.

Dann tritt er an. Vor dem toro gibt es keine Momente mehr zum Denken oder gar zu zweifeln. Jetzt ist es an der zeit zu handeln. Denn die Manöver der faena nehmen einen so voll in Anspruch, es geht nur noch um das Leben, und es geht darum, und nach meinem Dafürhalten, wer sich nicht mit Entschiedenheit vor die Hörner des toros stellt, die Partie unweigerlich verlieren wird.

Sonntag, 8. November 2015

Grösste Kaufhauskette Spaniens veranstaltet Ausstellung über Stierkampf



von Ursula Herzog
und Philip de Málaga


El Corte Inglés identifiziert sich mit der spanischen Tradition der Stiere
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Die im Jahre 1940 in Madrid gegründete und mittlerweile grösste Kaufhauskette in Spanien, El Corte Inglés, identifiziert sich mit Spanien und ihren Traditionen. Und da gehören die toros einfach dazu. Hierzu veranstaltet das Einkaufszentrum in Valencia in der Avenida de Francia eine Ausstellung über das 25-jährige Jubiläum des matadores de toros Enrique Ponce. Unter den 25 Jahren versteht man die Zeit als matador vom Zeitpunkt der alternativa an. Noch bis zum 15. November hat der Besucher nun die Möglichkeit den maestro während seiner 25-jährigen Laufbahn als matador de toros zu begleiten. Zu sehen sind neben Photos, Zeichnungen, trajes de luces, Auszeichnungen und die Vorstellung der Biografie "Enrique Ponce, 25 Jahre, ein einzigartiger torero" des Autoren Francisco Villaverde.

Enrique Ponce bei der Einweihung zur Ausstellung zu seinem 25-jährigem Jubiläum
Der diestro Enrique Ponce wurde am 8. Dezember 1971 in der Gemeinde Chiva geboren. Da diese in der Provinz Valencia liegt, wurde auch dort eine entsprechende Ausstellung organisiert. Seine alternativa hatte er im März 1990 in der plaza de toros von Valencia. Sein padrino war kein geringerer als der maestro Joselito. Als testigo fungierte Miguel Báez "El Litri". Das besondere an der temporada von Enrique Ponce war vor allem die Tatsache, dass er die 25 Jahre durchgehend in den plazas zu sehen war, also keine Unterbrechung einlegte wie so viele seiner Kollegen.

Traje de luces von bekannten Auftritten des maestros
Enrique Ponce ist mehr als eine figura. Ein Ausnahmetorero der über ein enormes Wissen über die toros verfügt. Wenn andere toreros schon längst aufgegeben haben, ist er noch in der Lage jeden toro von der besten Seite zu  zeigen. Den toro zum Mittelpunkt des Geschehens bringen. Seine bravura zum Ausdruck bringen. Nicht umsonst führt der torero aus Valencia die Liste mit den meisten indultos an, jenen toros, die wieder das Licht der dehesas erblicken konnten.

Enrique Ponce
Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass ein Kaufhaus nicht aus opportunistischen Motiven darauf verzichtet, eine Ausstellung über einen torero zu zeigen. Antipropaganda und Drohungen wird es sicher geben. Wenn diese Ausstellung nicht stattfände, wäre El Corte Inglés auf der "sicheren Seite"!

Aber es ist nun einmal als Tatsache anzusehen, die tauromaquia versteht es immer besser sich in das gesellschaftliche Leben Spaniens mit seinem ganzen Umfeld einzubringen. Sie gehört dazu. Sie ist unumstritten ein wichtiger Bestandteil der spanischen Kultur und wie das Wirtschaftsmagazin Forbes bestätigte auch ein wichtiger wie stabiler Faktor in der Wirtschaft geworden.

Samstag, 7. November 2015

Das deutsche Lexikon des Stierkampfs ist wieder funktionsfähig

Nach einer grösseren technischen Panne funktioniert jetzt das deutschsprachige Lexikon zum Thema Stierkampf wieder. Ab sofort sind wieder alle blau markierten Begriffe aus der mundo de los toros mit dem COSSÍO en alemán verlinkt.

Natürlich hat im COSSÍO en alemán auch jeder die Möglichkeit nach eigenen Begriffen zu suchen.

Wir bitten alle Leser diesen Ausfall zu entschuldigen. Danke auch an das Team von Dreamlex.

Wenn ich ein Tier wäre ...



und noch einmal der toro
von Joaquin Sabina


Der bekannte andalusische Liedermacher und aficionado, 1949 in Úbeda geborene Joaquín Sabina ist relativ häufig in den tendidos der plaza de toros zu sehen. Meistens sitzt er in der ersten Reihe an der barrera oder hält sich im callejón auf. Verständlicherweise setzt er sich auch in seinen Gedanken und Werken mit der Tauromachie. mit den toros und toreros auseinander. Sein Ausspruch, "Entschuldigung, aber mir gefallen die toros" ging durch fast alle spanischen Medien. Ein echter Andalusier als bekennender aficionado de toros.


"Wenn ich ein Tier wäre, 
wäre ich sicherlich ein toro bravoein toro de lidia
weder eine Ziege noch ein Schaf, Lamm oder Huhn;
es ist das am besten behandelte Tier der Welt
es wird am meisten respektiert, am meisten verehrt;
es ist sehr schwierig dieses jenen billigen Umweltschützern zu erklären ..."

Freitag, 6. November 2015

Die vierte Dimension

mit Juanito Barranco Posada

Gerade in diesen Zeiten ist es mal wieder ziemlich offensichtlich geworden, wie die Szene der antitaurinos die mundo de los toros zu einem Politikum deklarieren. Immer wieder gibt es Menschen, die nie in ihrem Leben, ausser ein paar Fotos, eine corrida miterlebt haben. Trotzdem machen sie daraus ein politisches Thema. Dabei scheint der meiste Druck von der linken Seite zu kommen. Scheint das gerechtfertigt?

Juan Barranco Posada
"Ein ziemlicher Unsinn! Es gibt im toreo eine Rechte, die vor allem dazu benutzt wird zu töten.. Dann gibt es die Linke, mit der gestaltet man das schönste Manöver mit der roten muleta, welches es in einer corrida gibt, den natural.

Wenn ein matador mit der linken Hand die natural ausführt. (Foto: mundotoro)
Wenn der torero in der Lage ist, und dieses toreo spürt, fühlt er sich ein wenig wie der toro, und erreicht dadurch, dass der toro sich wie ein Mensch, etwas Gleichgesinntem fühlt. Dadurch wird eine Einheit geschaffen, bei der Intuitionen übertragen werden. Dadurch gelingt beiden etwas, was das Publikum in den tendidos sie in den magischen Kreis zieht, denn die plaza de toros ist rund, das ruedo auch und das Publikum wird eben, wenn es diese plaza betritt, auf dieses Rund, auf jenen konzentrischen Kreis, fixiert zu einer vierten Dimension, welche wir immer und überall suchen. Da gibt es kein Links und kein Rechts. 

Da gibt es etwas, was einen berührt, man wird an etwas herangeführt, nur flüchtig, aber ein sehr starker Moment, nicht links nicht rechts, aber es geht durch die Mitte, in die Mitte hinein, in einen Zustand der Seele, das ist toreo!"

Donnerstag, 5. November 2015

Der Tod erinnert uns daran, dass wir leben.




von Fernando Savater


Der spanische Schriftsteller und aficionado de toros, 1947 in San Sebastián geboren, ist Professor für Philosophie an der Universität Complutense von Madrid. Er sorgte ausserdem für sein politisches Eintreten gegen den baskischen Nationalismus auf sich aufmerksam. Besonders populär sein Werk "Ethik für Amador". Auffallend dabei der Untertitel "Tu was du willst, eine Ethik für die Erwachsenen von morgen". Wie weit man solche philosophischen Äusserungen auf die tauromaquia anwenden kann, bleibt jedem SfA-Leser selbst überlassen.


"Ja, beim Stierkampf ist der Tod gegenwärtig, 
aber als ein Verbündeter, als ein Komplize des Lebens;
der Tod wird zum Komparsen um das Leben zu bestätigen."


Mittwoch, 4. November 2015

42.000 Eintrittskarten in weniger als zwölf Stunden!




von Philip de Málaga


Es war allen klar:
Wenn José Tomás wieder in Mexico das ruedo betritt,
startet eine taurinische Walfahrt
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Und so geschah es. Kaum waren die taquillas zum Verkauf der entradas für das mano a mano der beiden matadores de toros José Tomás und Joselito Adame geöffnet dauerte es keine zwölf Stunden, da waren alle Eintrittskarten zur grössten plaza de toros der Welt vergriffen.

José Tomas, wenn er kommt füllt sich die plaza (Foto: mundotoro)
Ein No hay billetes in nur so kurzer Zeit, 42.000 Zuschauer in den tendidos, für nur eine corrida de toros, wer will da schon von einer Krise taurino sprechen? Oder gar von Unpopularität? Alle zwei Sekunden wurde eine entrada verkauft. Über dreissig Karten in der Minute!

Die grösste plaza de toros der Welt: Ausverkauft für die toros!
Nicht einmal Showstars wie Madonna oder Paul McCarty gelang es so schnell an selber Stelle. Bei Ihnen dauerte es zwei Tage! Der spanische matador de toros aus Galapager benötigte dafür gerade mal einen halben Tag!

Was für eine Tatsache, welch eine Realität. Ein torero füllt ein Colosseum mit genau 41.262 Sitzplätzen hasta la bandera, bis zur obersten Fahnenstange. Eins dürfte schon jetzt feststehen. Der Schwarzmarkt kann sich freuen und die Vorbereitungen zur Walfahrt nach México können beginnen.