Sonntag, 27. März 2016

Focus Joselito

Der maestro "Joselito"
Für viele aficionados war und ist der matador de toros José Miguel Arroyo Delgado "Joselito" einer  der pursten Vertreter der tauromaquia. Mit seinem Stil verkörpert er das toreo mit einer Reinheit, mit überzeugender pureza und mit elegant einfach anmutenden Manövern bringt er das duende in die tendidos, und selbst wenn die toros nicht mitspielten, das Publikum erlebt stets die verdad des toreos. Hinzu kommt seine arte mit dem estoque. Kaum ein anderer matador de toros beherrschte die Kunst des Tötens so wie er. Fast immer mit der ersten estocada gelang es ihm Herr über den momento de la verdad zu werden.  

Leider hat sich der maestro der capa und der estocada für die afición viel zu früh zurückgezogen. Doch am Sonntag den 15. Juni 2014 schaute die Afición nach Istres in Frankreich. SfA-Mitarbeiterin Torodora Gorges war im vorletzten Jahr dabei.  Die nun hier erscheinende Reportage von ihr ist eine Stück für Stück aus ihren Notizen zusammengefasste Reflexion jenes tarde der corrida de toros im südlichen Frankreich, wo viele aficionados mit einem gewissen Neid darauf blickten, nicht dabei sein zu können. Denn schon nach kurzer Zeit gab es keine entradas mehr. Das No hay billetes gesichert und glücklich jene, die dabei sein durften. Eine Erinnerung für die Ewigkeit. Und wir von SfA dürfen daran teilhaben:

Tarde de toros im französischen Istres mit Joselito
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von Torodora Gorges


Ich habe von dem Ort Istres zum ersten Mal vor jetzt gut einem Jahr gehört. Von der Pfingstferia in Nîmes 2013 war ich wegen des Wettertiefs, das die Feiertage dort beeinträchtigt hatte, enttäuscht nach Deutschland zurückgefahren. Vor allem ärgerte ich mich, dass ausgerechnet am Tag von Morantes Auftritt sintflutartige Regenfälle und schwere Orkanstürme die Stadt heimgesucht hatten. Diese corrida war komplett ins Wasser gefallen.

Wenige Tage später las ich, dass Morante de la Puebla in der plaza von Marseille, als solche wurde der Name des südfranzösischen Städtchens Istres bezeichnet, einen grossartigen Triumph gefeiert habe. Ich war neidisch auf das dortige Publikum. Istres, in der Nähe von  Marseille! Ich wunderte mich über meine Unkenntnis als alte aficionada und Kennerin der taurinischen Szene.

Im Februar - oder sogar schon um den Jahreswechsel herum? - kam das Gerücht auf, dass Morante den seit mehr als einer Dekade retirierten torero Joselito dazu „überredet“ hätte, gemeinsam mit ihm in Istres während der diesjährigen Juni-Feria an einem Nachmittag aufzutreten. Die afición war elektrisiert; das Gerücht wurde bestätigt, die Nachricht schlug wie eine Bombe ein.

Bevor der Internetverkauf der entradas gestartet wurde, schien es mir sinnvoll, mich über die Internet-Agenturen rechtzeitig über das (bescheidene) Angebot an Hotels in dem kleinen Ort zu informieren. Zu moderatem Preis  buchte ich ein Hotel mit Garten und Pool am Rande  von Istres in der Hoffnung, als Nicht –Autofahrer ein Transportmittel zur PlazaArénes Le Palio“ zu finden.

Am 17. Februar konnte ich unsere Prä-Entradas ausdrucken (Tribüne B, 8. Reihe). Zwei Wochen später war die plaza ausverkauft; aber auch die Unterkunftsangebote  in und um Istres herum waren knapp geworden, die Preise hatten sich für die Übernachtungen während der Feriazeit verdoppelt  oder gar mehr als  verdreifacht. Es hiess schliesslich, dass mindestens vierzig Prozent der abonos von Spaniern gekauft worden waren. Der Grund hierfür ist sicher nicht nur, dass der spanischen afición die PlazaMonumental de Barcelona verloren gegangen ist. Die Hauptattraktion für diese feria war JOSELITO, der seit seinem Rückzug aus den ruedos immer mehr zur Legende mutierte. Seine vor drei Jahren erschienene Autobiographie, „Joselito – el verdadero“, eigentlich ein klassischer Entwicklungsroman, spannend, intelligent und kultiviert, hatte sicher dazu beigetragen. Meine taurinischen Freunde und ich hatten das Buch mit Begeisterung „verschlungen“.  Nun also konnte ich Joselito, der  inzwischen als Landwirt und vor allem Züchter tapferer Stiere in Erscheinung getreten war, wieder im Lichterkleid auftreten sehen. Er wollte sich diesen Luxus, dieses Vergnügen gönnen dank Morantes freundschaftlichem Vorschlag.

Beide zusammen hatte ich zuletzt am 1. April 2006 anlässlich der grossen Benefizveranstaltung in Las Ventas für Rafael de Paula gesehen. Zu diesem denkwürdigen Ereignis war ich mit meinem inzwischen verstorbenen Freund Uli (Anmerkung von SfA: Gründer der bekannten Seite La Tauromaquia, welches über Jahre lang das wichtigste deutschsprachige Portal in Sachen Tauromachie war), einem begeisterten Joselito-Anhänger, nach Madrid geflogen. Was für ein aufregender Tag! Um Las Ventas herum vibrierte das taurinische Leben. Uli und ich wurden vom Team der Fernsehsendung Tendido Cero interviewt, als wir das Szene-Lokal "Puerta Grande" aufsuchten. Deutsche aficionados galten damals noch als exotische Minderheit. Im Publikum befand sich auch Adrian Brody, der in einem Film mit Penelope Cruz den torero Manolete darstellte. Soweit ich weiss, hat es der Film nicht einmal  in  spanische, geschweige denn in deutsche Kinos geschafft. 

Morante de la Puebla und Joselito
Nun also ging ich wieder auf die Reise zu einem gemeinsamen Auftritt von Joselito und Morante. Kein mano a mano diesmal! Ein dritter Akteur, der novillero Cayetano Ortiz stand auf dem cartel mit der Ankündigung seiner alternativa. Um es vorwegzunehmen: Ich hatte den Eindruck, dass dessen Mitwirkung vom Publikum quasi "in Kauf genommen" wurde, obwohl der talentierte junge torero sich ebenso mutig wie anmutig ins Zeug legte und den aficionados durchaus etwas zu bieten hatte.


Insbesondere wegen Joselito waren die Zuschauer aus Frankreich, Spanien und ganz Europa nach Istres angereist. Sein Auftritt mit Morante am Sonntagnachmittag bildete den Höhepunkt dieser drei Tage dauernden feria  die in der Zeitschrift AplausoS vom 16. Juni 2014 als "una feria con magia" betitelt wurde. Der Zauber dieses Nachmittags stellte sich zeitverzögert ein.


Er begann mit Regen und einem Stier, der wegen eines defekten Horns ausgewechselt werden musste. Das dauerte länger  und stellte Geduld und Können des Novizen Gayetano Ortiz auf die Probe, bevor er Gelegenheit bekam, seine Talente zu zeigen. Er erwarb sich mit seinem ersten Sier eine Trophäe, ein oreja.


Wäre Morante mit dem Degen sicherer gewesen, hätte er bei seinem zweiten Stier durchaus eine weitere Trophäe erhalten. Man kennt das schon! Wir Morantistas leiden immer wieder mit unserem "Genio-Torero" über diese Einbussen, sind aber dennoch in der Lage, uns an den unnachahmlichen einzelnen  Details zu erfreuen. Sein persönlicher Stil vermittelt uns barocke Sinnlichkeit in der Weichheit der Bewegungen, neben introvertierter Melancholie zeigt sich dionysische Lebensfreude!  Er führt den Stier in symbiotisch anmutender, liebevoll-zärtlicher  Nähe an seinen Körper und  überlässt dabei seinen inneren seelischen Raum dem duende. "Se torea como se es!" (Belmonte)


Dieser Nachmittag aber gehörte Joselito! Wir genossen seinen einzigartigen und einmalig gebliebenen  Auftritt in Istres. In reifer Gelassenheit und Ausgeglichenheit beherrscht er den Stier. Selbstsicher, mit ruhiger Eleganz und natürlicher Autorität scheint er aus einem intellektuellen Potential Inspiration zu schöpfen, Kreativität aus sublimierter Energie. Auch sein überzeugendes Können löst Fantasien zu Künstlern auf anderen Gebieten aus. Ich verglich Joselito  mit  Martha Argerich, der grossen Pianistin, die bei höchster technischer Meisterschaft mit mentaler Überlegenheit und Reflektiertheit ihr Publikum fasziniert und begeistert.


Während ich noch dabei war, mir vorzustellen, welche - klassische - Musik Joselitos Stil gerecht würde (eine Klavier-Partita oder eine Cello-Suite von J.S.Bach?), überraschten bei seiner ersten faena  die Musiker der plaza von Istres das Publikum mit Edith Piafs "Hymne an die Liebe". - Sentiment, Sentimentaliät, Emotion! Gebannte Stille, nicht wenige Zuschauer schienen zu Tränen gerührt.  Auch für die Arbeit mit seinem zweiten Stier hatten sich die Musiker etwas Besonderes  einfallen lassen: El Concierto de Aranjuez, das in Südfrankreichs Plazas de Toros gerne gespielt wird, so zum Beispiel vor einigen Jahren in Nîmes während einer grandiosen faena von Morante. (Ich allerdings, könnte ich etwas in der Welt der Stiere "bestimmen", würde mir den Traum erfüllen, Morantes faenas mit der Musik von Franz Schubert zu unterlegen.) 


Die digitale taurinische Presse (mundotoro und burladero) titelte  "Joselito desata la locura, cuatro orejas y rabo. Brillante reaparición" (Joselito entfacht den Wahnsinn. Brillante Rückkehr) und fuhr fort: "Joselito vuelve - y se queda?" (im Sinne von: Joselito kehrt zurück - wird er bleiben?)



Fünf Trophäen - der Künstler und sein Publikum gleichermassen dankbar und glücklich. Dos orejas und dos orejas y rabo sorgten für die puerta grande. Wer gehofft hatte, dass dieser grandiose Erfolg Joselito zu weiteren Auftritten motivieren würde, sah sich enttäuscht. Joselito ist sich treu geblieben. Es gibt kein "Come-Back"!


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Siehe auch:
Joselito betritt wieder die BühneSfA Reportage vom 1. Februar 2014
Ich wäre im Gefängnis oder totSfA Reportage vom 23. Mai 2012

Samstag, 26. März 2016

Las Fallas und die Stiere in Valencia





von José und Wella de Alemania


Wir sind schon 27 mal dort gewesen und verfügen über gute Verbindungen und Freundschaften.  

Seit vielen Jahren wohnen wir im Hotel Vincci Lys in der Nähe der plaza. Früher war es das Astoria wo sich die Creme de la Creme trifft, heute ist es dieses Hotel. Es liegt wenige Meter von der plaza entfernt. Die mundo de los toros spielt sich hier ab, und es kann vorkommen, das man mit Morante und El Juli zusammen Champions League im Fernsehen schaut.

Das Vier-Sterne-Hotel Vincci Lys in Valencia
Las Fallas ist eines der grössten Feste der Welt, und es wäre schade, wenn man alles nur auf den Stierkampf reduziert. Deshalb ist es ein idealer Ort, beides miteinander zu verbinden.



Nicht alle unserer Freunde sind aficionados, aber Sie gehen völlig entspannt damit um. Sie sorgen immer dafür, dass wir pünktlich zur corrida da sind.

Es gibt auch antitaurinas, aber lediglich so um die dreissig Personen, meistens junge Frauen. Sie sind nun auf der anderen Strassenseite, damit der Lärm nicht so stört.


Als ich Sie fragte, warum sie mittags zur corrida de rejones nicht da gewesen seien, antwortete mir eine Dame, sie hätte ausschlafen wollen.👎

Sehr enttäuscht waren wir vom Auftritt von "El Soro". Was ist von dem übrig geblieben? Eine gute Vorlage für alle antitaurinos. Dick, aufgeschwemmt und humpelnd quälte er sich über die Runden.

"El Soro" (Foto: mundotoro)
Die plaza ist ja erste Kategorie, aber sie strahlt ein schönes Ambiente aus. Man nimmt es nicht so "todernst" wie in Las Ventas.

Eine gute Idee ist es ein palco zu nehmen. Man ist etwas weiter weg, aber man sitzt sehr bequem. Die Nachbarn sind oft Firmen, die ihre Mitarbeiter einladen, und deshalb herrscht immer eine angenehme Stimmung. 

Die Idee "alt gegen jung" ist interessant und hat sich für Simon Casas wohl ausgezahlt. Er hat mir gesagt, er sei sehr zufrieden.

Der empresario Simon Casas und SfA-Leser José de Alemania
Ein tolles Erlebnis war die corrida mit Talavante und Roca Rey. Es ist imponierend, über welches Selbstbewusstsein dieser junge Mann mit gerade mal zwanzig Jahren verfügt, und wie "athletisch der Stierkampf geworden ist. Man hat das Gefühl, die Grenzen sind nun erreicht, mehr Nähe zum Stier geht nicht. Ob diese Entwicklung gut ist, kann man auch bezweifeln. 


Wenn man die Ruhe und Ausgeglichenheit eines Enrique Ponce sieht, dann spürt man den Sinn des Stierkampfes wieder. 

Enrique Ponce (Foto: mundotoro)
Wir können jedem aficionados Valencia sehr empfehlen. Es macht ja auch Sinn durch den Stierkampf Land und Leute kennenzulernen.  Die spanischen Feste haben einen Charme, den man bei uns in Deutschland kaum noch findet. 

Im nächsten Monat sind wir in Sevilla bei der Feria de AbrilWir freuen uns schon auf die "schönste Plaza de Toros der Welt"

Freitag, 25. März 2016

Für Hemingway war der Stierkampf ein Sport




von Ernest Hemingway


Keine Frage, Hemingway brachte die mundo de los toros in die Welt. Mit seinen literarischen Vorlagen aus den 30er Jahren schaffte er eine Basis für die Internationalisierung des Interesses an der tauromaquia. Für nicht wenige taurinos auf der Iberischen Halbinsel schieb der amerikanische Schriftsteller des öfteren mal am Thema vorbei. Interpretierte Dinge hinein, die es nicht gab, über- oder unterbewertete und vor allem versuchte mehr taurino zu sein als die aficionados, gar jene, welche in diese mundo taurino hineingeboren sind.

Dazu gehört mit Sicherheit auch folgendes Zitat von ihm, wo er die festejos taurinos einem sportlichen Ereignis gleichsetzt. Dieses Zitat stammt aus dem Jahr 1950 und bildet wohl die Basis, der Einführung des Begriffes vom Extrem-Sport. Also einer erbrachten Leistung, wo die Akteure gezwungen sind an ihr Limit zu gehen, sich extremen Gefahren auszusetzen um nur so ihre Ziele zu erreichen.


"There are only three sports: 
bullfighting, motor racing and mountaineering; 
all the rest are merely games."

"Es gibt nur drei Sportarten: 
Stierkampf, Motorsport und Bergsteigen; 
der Rest sind nur Spiele."


Donnerstag, 24. März 2016

Als deutsche Zeitungen das Ohr entdeckten




von Philip de Málaga


Wie plötzlich deutsche Medien etwas entdecken, 
was es schon sehr lange gibt
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Jeder der sich mal ein wenig mit dem Ablauf einer corrida de toros beschäftigt hat, bekam irgendwie mit, dass die matadores am Ende von einer erfolgreichen lidia mit einem oder zwei orejas als trofeos belohnt werden. Um diese zu fordern, benötigt der aficionado in den tendidos ein weisses Taschentuch, welches er in Richtung presidente schwingt, um zu signalisieren, dass er ein oreja fordert.
Das Publikum war mit der Leistung des matadores zufrieden und fordert
mit den weissen Taschentüchern die Prämie eines orejas vom Präsidenten.
Ist es die Mehrheit des Publikums, welche mit den weissen pañuelos winkt, wird von dem presidente der corrida das erste oreja gewährt. So gelang es dem matador de toros Curro Díaz, am letzten Palmsonntag in Las Ventas, der grössten plaza de toros in Europa, nicht nur ein oreja zu erlangen, sondern gleich zwei Mal ein oreja  welches im die puerta grande in einem der wichtigsten cosos in Spanien öffnete, wo er auf Schultern durch getragen worden ist.

Der matador de toros Curro Díaz in Madrid
In fast allen spanischen Medien wurde dieses Ereignis lobend erwähnt wie zum Beispiel in der konservativen Tageszeitung EL MUNDO: Puerta grande für die Kunst des Curro Díaz. Man sprach von der arte del toreo.


So viel Kunst konnte wohl die deutschen Presse in der arte de lidiar nicht entdecken. Im Gegenteil sogar. Gerne betitelt man die toros wieder als ein sportliches Ereignis und die Pose des toreros sei eine einzige Schande.


Ob sich die Verfasser solcher Beiträge überhaupt einmal  mit der mundo de los toros journalistisch korrekt befasst haben, kann man wohl bezweifeln. Wenn die meistgelesene Tageszeitung Deutschlands nicht einmal in der Lage ist den Ort des Geschehens korrekt zu nennen, was kann man da schon erwarten.

Ausschnitt aus dem Artikel der BILD.
Zwar gab es im amerikanischen Las Vegas in der Tat auch schon mal corrida de toros, aber das hiesige Ereignis fand in Spaniens Hauptstadt Madrid statt, in der plaza de toros Las Ventas.

Zwar erwähnt BILD am Ende seines kurzen Berichtes die pro-taurinische Demonstration in Valencia diese Tage, aber trotzdem scheint die Frage nicht so ganz ungerechtfertigt, was will man mit solchen Artikeln eigentlich erreichen? Was möchte man dem Leser mitteilen? Fachkundige und gut recherchierte Information wohl kaum. Auch scheint es kein sinnvoller Beitrag für die abolición de los toros zu sein. Oder doch? Immerhin, benutzt man das Wort "immerhin" um anzudeuten, dass es auf der Inselgruppe der Balearen und in Katalonien verboten ist. Verboten? In Katalonien? Das dort lediglich eine Handvoll corrida de toros in der katalanischen Hauptstadt Barcelona verboten wurden, haben sie nicht erwähnt. Auch nicht die über 65 festejos populares, welche weiterhin mit grossem Eifer in den vor allem ländlichen Gegenden  Kataloniens weiterhin organisiert werden. Selbst Tierschützer und antitaurinos erkennen dieses politische Intrigenspiel mit den toros. Die deutsche Presse muss da wohl noch ein wenig lernen.

Aber immerhin, dass mit den orejas haben sie jetzt auch mitbekommen. Immerhin, eine Tradition, welche es schon seit dem 18. Jahrhundert gibt, und in Ronda und Sevilla entstanden ist. Ursprünglich wurde mit dieser Geste dem matador das Fleisch seines getöteten toros zugeteilt, damit er es mit seiner cuadrilla, der Familie und den Freunden verspeisen konnte. Manchmal stellte der torero das Fleisch auch wohltätigen Zwecken zur Verfügung.

In Madrid werden jedes Jahr zwischen 35 und 50 orejas verteilt. Genau waren es in den letzten zehn Jahren 396 orejas. Und in Deutschland ist diese Erkenntnis jetzt angekommen . . .

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Siehe auch:

Orejas und rabos, was hat es eigentlich damit auf sich?, SfA Reportage vom 2. Februar 2014

Mittwoch, 23. März 2016

Über das Publikum




von "El Papa Negro"


Der matador de toros Manuel Mejías Rapela (1884 bis 1964), bekannt unter dem Künstlernamen "El Papa Negro" ist der Begründer der bekannten Bienvenida Dynastie, welches sich darin begründet, dass er in der Gemeinde Bienvenida in der Extremadura geboren ist. Aber schon mit sieben Jahren wechselte er mit seiner Familie in die andalusische Hauptstadt Sevilla. Den Namen seiner Geburtsstadt nahm er mit und begründete eine Dynastie an torero. Er hatte sieben Kinder, fünf wurden zu matadores de toros, einer unter ihnen der bekannte Antonio Bienendia, mit welchem der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway befreundet war und auch über diesen geschrieben hatte.

"Das Publikum protestiert viel zu häufig und ohne Grund, 
denn sie kennen nicht einmal 
die schwierigen Konditionen der toros!"

Dienstag, 22. März 2016

Ein Torero legt eine Pause zur Wiederfindung ein




von Philip de Málaga


Salvador Vega aus Málaga teilt sich in den Sozialen Netzwerken mit
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Das sich ein matador de toros mal für eine Zeit aus der mundo de los toros zurückzieht ist weder etwas neues noch besonderes. Schon gar nicht, wenn man jenen torero unter den internationalen aficionados kaum kennt. So der am 8. März 1984 in Málaga geborene Salvador Vega. Eine Familie taurina, sein Vater selbst war novillero. Im Februar 2003 hält er seine alternativa in Nîmes ab, wo kein geringerer als der maestro Joselito ihm als padrino zur Seite steht. Mit einem toro und dem stolzen Gewicht von 589 Kilo erlangt er als trofeo dos orejas, und es beginnt für ihn eine tolle temporada, wo es ihm gelang in Santander, Jerez de la Frontera, Algeciras, Puerto de Santa María, Dax, Bilbao und zwei Mal in Málaga. Auch 2004 lief hervorragend für den Malgueño. Die folgenden zwei bis drei Jahre waren geprägt von Höhen und Tiefen, von Triumphen in Ronda, Sevilla, Madrid und Valladolid aber auch zahlreichen silencios in anderen plaza de toros. Dann gelang es ihm zwar sich mit einer kontinuierlichen Leistung zu  präsentieren, aber der richtig Durchbruch wollte nicht mehr gelingen. Im letzten Jahr trat er ersatzweise für Jiménez Fortes ein, wo er bei seinem ersten toro das Publikum mit einer sehr guten estocada überraschte, welches ihm auch die Prämie der besten estocada der feria taurina in Málaga 2015 einbrachte.

Nun will sich der maestro aus Málaga zurückziehen, in sich gehen um dann neu geordnet, motiviert und wieder die ruedos zu betreten und die mundo taurino zu erobern. Bei seinen Fans und der afición hat er seinen Schritt gestern Vormittag in den Sozialen Netzwerken angekündigt:


"Mit diesem Schreiben möchte ich Ihnen meine Entscheidung mitteilen, dass ich mich auf eine unbestimmte Zeit aus den ruedos zurückziehen werde. Ich spüre dazu die innere Notwendigkeit meinen eigenen und passionierten Weg des toreos zu finden, meine persönliche Form es zu interpretieren. Die Zeit ausserhalb der ruedos ist, wie ich schon sagte, nicht vorgegeben.  Hängt aber davon ab, wie meine Motivation und die Gefühle welche mich immer dazu bewegten mich auszudrücken,  genauso wie die Leidenschaft mit der ich den Beruf erlebte, mich wieder beleben, welche derzeit eher verschwunden erscheinen.

Es war eine sehr schwere Entscheidung für mich, aber ich bin davon überzeugt, dass es richtig war. Und so möchte ich mich ganz herzlich bei allen aficionados und Fans bedanken, welche mit ihrer Treue und Liebe während meiner gesamten Karriere zur Seite standen. Dank auch an meine Familie, welche mich ebenfalls auf dieser neuen Etappe bedingungslos unterstützen wird. Schliesslich habe ich noch das Bedürfnis mich bei meinem gegenwärtigen apoderado Manolo Cortes zu entschuldigen, für ein Projekt, welches wir abbrechen mussten, da andere Prioritäten gesetzt worden sind. Ich danke ihm für die Unterstützung und sein Verständnis für meine Entscheidung.

Ich verabschiede mich mit Worten, obwohl die beste Form mich auszudrücken war stets in der plaza. Darum möchte ich es auf diesem Weg mit einer Zusammenfassung meines letzten Auftrittes der letzten temporada bei der Feria von Málaga tun."

Salvador Vega mit seinem ersten toro in der La Malagueta am 21. August 2015:

Montag, 21. März 2016

Über die Kenntnis, die ein Aficionado de toros haben sollte




von Rafael "El Gallo"


Der matador de toros Rafael Gómez Ortega mit dem Künstlernamen El Gallo und später Divino Calvo (Göttlicher Kahlkopf) war der älteste Bruder des legendären maestros Joselito (1895 bis 1920). Er war übrigens auch der Schwager des bekannten toreros Ignacio Sánchez Mejías, welcher nicht nur den andalusischen Poet García Lorca animierte, sondern auch SfA Mitarbeiterin Torodoro Gorges auf ihrem Webauftritt torodoro.


"Mein Vater ist der beste aficionado den ich kenne.
Wenn er sagt, dass eine Sache schlecht oder gut war,
erklärte er auch immer warum."

Sonntag, 20. März 2016

Wenn der Stier eine Tonne wiegt!

Über den grössten Kampfstier der Welt - 950 Kilo!
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von Philip de Málaga


Schon bei einem toro bravo mit mehr als 600 oder gar 700 Kilo geht ein Raunen durch die plaza de toros. Zu viel toro, zuviel sich bewegendes Fleisch, für einen torero.  Solche corridas sind in der Regel der ganadería Miura zugestanden, jene Stierzucht, welche die meisten toreros auf dem gewissen hat.  Besonders mutig wird es dann, wenn der matador von kleiner Gestalt ist. Wie zum Beispiel der Sevillaner Domingo Valderrama. Mit einer Grösse von nur 1,62 Meter scheute er sich nicht gegen die kräftigen und grossen Tiere der Miuras anzutreten. Und manchmal waren die Tiere mit ihren 700 Kilo grösser als der torero und er konnte nicht einmal über sie hinwegsahen. Und für die estocada benötigte er einen gewaltigen Satz nach oben, um den estoque richtig zu platzieren. Für viele aficionados galt der kleine maestro aus der andalusischen Hauptstadt als einer der mutigsten toreros seiner Epoche.

Domingo Valderrama fürchtet keine grossen toros.
"Nur weil man so klein ist, beeinträchtigt das doch nicht eine figura zu sein," verkündet voller Überzeugung der kleine torero aus Sevilla.

Was ist nun, wenn aber der toro selbst alle optischen Masse sprengt? Sich in seiner Evolution in einem optischen Grössenrausch befindet? Weit mehr als 700 Kilo auf die Wage bringt, beinahe 1.000 Kilo, eine ganze Tonne gegen vielleicht 70 Kilo torero?


Zugegeben, eigentlich bekommt man diese eher nicht zu sehen. Scheitert es doch schon daran, dass kein torero sich gegen diese taurinischen Monster herangetraut. Aber trotzdem hält man Ausschau, wer hält den den Guinessrekyord mit dem grössten toro im ruedo aller Zeiten?

Weit muss man zurückschauen. Wir gehen in das Jahr 1932 nach Barcelona, eine Epoche wo die mundo taurino in der katalanischen Hauptstadt noch Willkommen war. Und was an diesem Tag der corrida de toros in der Monumental de Barcelona zu sehen bekamen, wurde in den folgenden Tage in den Medien als eine Bestie beschrieben, als das wildeste Tier dass jemals ein ruedo betreten hatte.

Es war der 24. Juli 1932 und der matador de toros aus México, David Liceaga, traute seinen Augen nicht, als er seinen toro aus dem toril rennen sah. Zwar hatten ihn seine banderilleros vorgewarnt, aber diese Dimension hatte der Mexikaner nicht erwartet. Ein toro von gigantischem Ausmasse, mit stolzen 950 Kilo von der ganadería Arránz.

950 Kilo für einen historischen Nachmittag
Und was der matador aus México zeigte gefiel dem Publikum in den tendidos. Furchtlos trat er seinem "Gegner" entgegen und zum Erstaunen der Zuschauer gelang es dem torero seiner Aufgabe als matador gerecht zu werden, und tötete den toro mit einer beeindruckenden estocada.

Obwohl David Liceaga der Hauptakteur an diesem historischen tarde de toros in Barcelona war, wo er den grössten toro in der Geschichte der tauromaquia mit Erfolg einem erstaunten Publikum präsentierte und auch in den dreissiger Jahren in einigen plaza de toros stets gern gesehen war, wo er vor allem mit der capa überzeugte, ist er der heutigen afición weitgehend unbekannt.


Samstag, 19. März 2016

Die Universität von Murcia fördert den Stierkampf




von Philip de Málaga


Das akademische Institut von Murcia 
bietet Stipendien für angehende Toreros der Stierkampfschule an
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Gestern hat die katholische Universität San Antonia de Murcia (UCAM) und die Escuela de Tauromaquia der Region Murcia einen Kooperationsvertrag unterschrieben, wo Studenten der akademischen Hochschule die Möglichkeit gegeben wird, parallel zu ihrem Studium, eine Ausbildung in der lokalen escuela taurina anzutreten, um auch die Möglichkeit zu haben, die mundo de los toros besser kennenzulernen, und gegebenenfalls repräsentieren zu können. Mit diesen Stipendien soll die tauromaquia als Kulturgut gefördert werden, nicht nur um sie als Tradition zu erhalten, sondern auch den gesetzlichen Standards zu entsprechen.

Rocío Bernal von der escuela taurina und José Luís Mendoza, Präsident der UCAM
(Foto: mundotoro)
Die Präsidentin der escuela taurina, Rocío Bernal, bedankte sich bei dem Präsidenten der Universität, Don José Luís Mendoza für seinen Einsatz und die Unterstützung der mundo taurino,  Dabei betonte sie, dass diese besondere Sensibilität für die Escuela de Tauromaquia nicht nur ein kurzes Aufflackern einer losen Idee sei, und fügt hinzu, dass es eine gute Alternative für Schulversager sei um einen neuen Blick für die Zukunft der Schüler zu offenbaren.

Der matador de toros Pepín Liria
Mendoza bemerkte dazu, dass sicherlich einige dieser toreros Erfolg haben werden, andere wohl nicht, aber man habe wenigstens die Mittel zur Verfügung gestellt, um einigen diese andere Ausbildung zugute kommen zu lassen, welche ihnen ein zukünftiges Leben ermöglich könnte.

Anwesend war auch der matador de toros Pepín Liria. Der professionelle torero sieht in diesem Vertrag eine echte Chance für die alumnos der escuela taurina. Die grösste Sorge für die Anwärter des toreos sieht er jedoch in deren Zukunft. Es ginge nicht allein nur um eine gute Ausbildung anzubieten, denn man weiss ja wie schwer es ist eine gute figura im toreo zu werden, sondern man sollte diesen toreros auch die entsprechenden Möglichkeiten für eine Zukunft garantieren können.

Freitag, 18. März 2016

Drei Nationen - Zwei Stiere - Ein Kampf




von Philip de Málaga



Korida: Der Dokumentarfilm von Siniša Vidović
Ein Stierkampf für den Frieden?
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Über den Stierkampf in Bosnien Herzegowina hatte SfA schon im August letzten Jahres berichtet. Nun gibt es über dieses doch besondere Ereignis der Stiere einen Dokumentationsfilm, der in der letzten Woche offiziell vorgestellt worden ist.


Pressemitteilung

Korida begleitet mehrere Protagonisten auf ihrer bewegenden Reise durch die Welt der bisher kaum filmisch festgehaltenen bosnischen Stierkämpfe, der Koridas. Der Dokumentarfilm nähert sich dem Phänomen Korida und eröffnet uns neue Blickwinkel auf fremde Strukturen und althergebrachte Vorstellungen.


Was macht sie so anziehend, dass sie eine derartige Faszination auslösen? Warum vergessen gerade hier die drei ehemals Krieg führenden jugoslawischen Ethnien ihre Differenzen und lassen stattdessen die Stiere kämpfen? Stimmt es, dass Koridas dem bosnischen Volk mehr Frieden gebracht haben als die Europäische Union?


Korida widmet sich der weitgehend unbekannten aber jahrhundertalten Tradition des bosnisch-herzegowischen Stierkampfes und seiner völkerverbindenden Wirkung.


Die Hauptprotagonisten sind nicht die kämpfenden Stiere selber, sondern die Menschen, die hinter ihnen stehen sowie ihre Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die sich im Wandel befindet und mit ihrer Vergangenheit und um einen positiven Blick in die Zukunft.


Die Welt der Stierkämpfe des bosnischen Hinterlandes bietet auf Grund seiner gesellschaftspolitischen Brisanz und der immens spannenden und bisher nie portraitierten Charaktere die Möglichkeit einen ungeschönten Blick auf ein Land zu werfen, das sich auch nach über zwei Jahrzehnten noch nicht von den Auswirkungen des Krieges erholt hat. Alte Wunden bluten immer noch unter der Oberfläche und Politiker unterschiedlichster Parteien führen Stellvertreterkriege auf dem Rücken der Bevölkerung. 


Eine Bevölkerung, die wie so oft im friedlichen Miteinander schon viel weiter ist, als viele Politiker wahrhaben wollen. Der Film zeigt zudem die universelle Verbundenheit von Mensch und Natur und der kathartischen Wirkung dieser Verbindung. Korida ist ein Dokumentarfilm von archaischer Poesie, ein Film über das ewige Wechselspiel zwischen Mensch und Natur, Jung und Alt und der der Vergangenheit, die in der Zukunft sichtbar wird.

Der Regisseur Siniša Vidović über seinen Film

"Wer sind die Menschen, die in diesem Kosmos leben? Und warum scheint es einer der wenigen Massenevents der Region zu sein, bei dem es keine ethnischen Konflikte gibt? Diese Fragen beschäftigten mich und führten mich zu einer mehrjährigen Reise, die nun in diesem Dokumentarfilm mündet. 


Der Zuschauer bekommt nicht nur einen Einblick in das ihm weitgehend unbekannte bosnische Stierkampf-Milieu, sondern auch in die Menschen und ihre Konflikte. Die Protagonisten sprechen oft darüber, dass trotz des Krieges zwischen den Ethnien aktuell keine Probleme vorherrschen, zumindest nicht in der ländlichen Welt der Koridas. Zugleich zeigt der Film jedoch, wie eine der wichtigsten Koridas des Jahres auf Grund eines ethnischen Konflikts nicht stattfinden kann. Dieser Bruch zwischen den Behauptungen der Protagonisten und der harten hier dokumentierten Realität  erlaubte mir einen einen Blick jenseits der Welt der Koridas: Er gab mir einen neuen Blick auf die fragilen, zwischenmenschlichen Beziehungen einer krisengeprägten Nachkriegsgesellschaft. Und diesen Blick möchte ich nun mit dem Kinopublikum teilen und diskutieren."


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Offizieller Link: Korida





















Donnerstag, 17. März 2016

Eine Kultur für das Volk




von Enrique Ponce


Am Tag 13M (13. März 2016) der Demonstration für die Freiheit der tauromaquia in Valencia war der matador der toros Enrique Ponce einer der hervorstechenden Sprecher, welcher tausende von aficionados mit seinen Worten begeistern konnte.  SfA hatte darüber berichtet: Der Ruf der Freiheit

"Kultur ist nicht das, was einige meinen was es ist, 
sondern was das Volk will! 


Der toro ist weit mehr als ein Hobby oder ein Zeitvertreib; 
wir reden hier von der freien Wahl des Menschseins, 
das Lied des Lebens zu singen im Angesicht des Todes. 
Und all das was wir verteidigen 
tun wir in vollem Bewusstsein der Moral und Ethik."

"Und hier ein vehemente Empfehlung: 
Verleugnen sie uns nicht, ohne uns zu kennen!"