von Phillip de Málaga
(Photos:
mundotoro,
SfA,
Cultoro)
Morante kommt ...
und nur wenige Sekunden setzen die königliche Maestranza
in einen Rausch des unnachahmlichen toreo eines Genies
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Wenn eine
plaza de toros wie die
Real Maestranza de Sevilla sich
hasta la bandera mit Rang und Namen aus der andalusischen Hauptstadt füllt, wenn unter den
toreros beim
paseillo nur einer ist, der einen Namen eines Genies, eines, nein, des Boheme der
tauromaquia trägt, wenn die Sonne mit ihren Strahlen den
maestros beim
paseillo in das Gesicht leuchtet und der Wind die Gegenwart spüren lässt, dann ist er gekommen, der Moment der Erwartung. Der Puls bleibt stehen und wartet auf seinen Einsatz. Die Brust ist angespannt, das Herz erfreut sich dabei zu sein, diesen Moment mitzuerleben können. Es ist soweit. Die
Maestranza ist vorbereitet.
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| Der paseillo, dem Licht entgegen um den Himmel zu erobern. |
Morante de la Puebla, der andalusische
torero, der erste
matador de toros, dem es gelungen ist, das
toreo in diesem modernen Zeitalter, fern ab seiner mittelalterlichen Entstehung und den Wurzeln in der archaischen Distanz, als Selbstverständlichkeit im Bereich der Kunst, dem kreativen Schaffen neuer Inspirationen, zu integrieren. Wegen ihm sind sie gekommen. Sie kamen um den
morantismo zu spüren, zu sehen und zu erleben, selbst wenn es nur für wenige Minuten ist. Nach dem historischen
indulto vom vergangenen Mittwoch wollte man mehr, man hoffte dem Himmel der
toreros noch einmal näher zu kommen. Noch einmal in diesen Tagen an der Geschichte der
tauromaquia teilnehmen zu können.
Dann kam er, nach einem
silencio, einer
ovación und einem
oreja, der vierte
toro des Tages. Sein Name
Dudosito von der
ganadería Nuñez de Cuvillo. In der
Feria de Abril der achte
toro von
Morante. Seine letze Möglichkeit die Himmelspforte zu öffnen. Und was da durch das
toril ins
ruedo stürmte zeigte Klasse,
bravura, ein
toro zu Verlieben. So sah es auch der Künstler. Das Kinn an die Brust gepresst, den
capote führend, beobachtet er den vorbei gleitenden
toro, variierte und bestimmte das Tempo, kontrollierte das Geschehen und der Puls der Tausenden um das Rund verteilt begann zu beschleunigen.
Der
capote von
Morante, wenn der
toro mitspielt, bezaubert. Und
Dudosito tat ihm den Gefallen. Galoppierend nahm er die Manöver der
chicuelinas und andere an, während der
diestro ihn mit geschlossen Beinen empfing und ihn mit seiner typischen
media verónica in das Leere laufen liess.

Bei so viel Euphorie und Begeisterung kam die Wahrheit vor dem abschliessenden
momento de verdad. Jenes Drittel, was entscheiden wird über Niederlage und Triumph oder gar einem peinlich anmutendem
silencio im Publikum. Der
toro kam und
Morante war schon da. Stand sicher auf dem Sand im
ruedo und nahm in aller Ruhe seinen Angriff entgegen. Der Zeitlupenmodus sprang an. Mit der tiefgeführten
muleta erreichten Anfänge emotionaler Strömungen die
tendidos.
Bién hörte man von den Plätzen. Erneut passiert der Stier, mit der rechten Hand langsame
derechazos. Da steht der
diestro fest auf seinen Beinen, mit aufrechter Haltung, mit tiefem Einblick in die Gestaltung und Durchführung seiner Manöver, die
natural, so langsam, welch eine Langsamkeit, so tief, das man die Luft anhält,
ai, que profundo, und das Publikum beginnt zu träumen. Träume die wahr werden. Da ist sie, die Realität, die man sich wünscht. Genau jene Momente warum es in der
Real Maestranza de Sevilla ein
No hay billetes gab, und vielen der Zutritt versagt worden ist. Ein gesellschaftlicher Highlight in Andalusien in dem die
mundo taurino triumphiert. Der
temple den Atem des Windes anhalten lässt. Und da sitzt nun der
Morantista, der
aficionado, der
taurino auf seinem
asiento, schaut auf das Erlebte und kann es kaum fassen. Was hat er da nur gesehen?
¡Madre mía, que torero, que Morante! Die schleichende Ruhe im
torero, das rasante Tempo im eigenen Puls.
¡Que fiesta!
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| Nah am toro und in aller Ruhe, ganz langsam, eine natural. |
Und dann?
Dudosito wehrte sich. Ja, er griff stets die
muleta an und entwaffnete den
torero. Das rote Tuch glitt zu Boden und der hölzerne Stab, der
estaquillador zerbricht. Da stand er nun, der
matador ohne seine Bewaffnung, ohne Schutz, ohne Ablenkung. Die
banderilleros strebten an, ihm zur Hilfe zu eilen, den
toro abzulenken, eine zweite
muleta zu bringen, doch der
maestro Boheme entschied mit genialer Inspiration anders. Er nahm die ein wenig zweckentfremdete
muleta wieder auf, ergriff sie mit seinen beiden Händen wie eine
capa, rechts und links vom roten Tuch, stellte sich erneut dem
toro, liess ihn angreifen und schwenkte die
muleta wie ein
capote, eine
media verónica,
olé,
que bonita,
que belmontina,
que pureza, der pure
toreo war wieder neu geboren, er war einfach wieder da.
Da stand er nun, der neugeborene
Morante, voll und ganz auf das Wohl des
toros seines
Dudosito konzentriert.
Belmonte war wieder erschienen. Er war dort. Sein Herz schlug einfach so plötzlich in den
tendidos, in den Herzen der
aficionados.
Morante hat es geschafft. Ob eine Zigarre rauchend an der
barrera sitzend oder im
ruedo, der
toreo ist
arte, ist Kunst. Er hat es soeben bewiesen. Demonstriert. Mehr noch. Das Herz angesprochen. Eine Explosion der taurinischen Gefühle verursacht. Man ist wieder da. Man versteht, wonach man gesucht hat. Wie kann man da aufatmen, wenn man soeben gespürt hat, was man nie für möglich gehalten hat?

Die
puerta grande hat sich für den
torero aus Andalusien geöffnet. Der
paso doble erklingt. Die Himmelspforten sind gnädig mit der
afición und breiten weit auf ihre Tore für neue Inspirationen. Und um den Himmel zu erreichen, mussten wir schon sehr weit zurück blicken. Ganze 25 Jahre ist das her, wo der berühmte Ausspruch über den kolumbianischen
diestro César Rincón in allen Medien zu lesen war, als er 1991 in einem Jahr vier mal die
puerta grande in
Las Ventas öffnete: "
Cesar Rincón in Madrid kämpfen zu sehen, ist wie Gott etwas zu fragen und er antwortet dir". An diesem
tarde de toros in
Sevilla, in der königlichen
plaza de toros der andalusischen Hauptstadt, waren wir genau dort wieder angelangt.
Danke an Morante, Danke dass wir diesen Moment noch einmal erleben durften. Muchas gracias, maestro de la Puebla.