Donnerstag, 19. Mai 2016

Tod am Nachmittag in Peru (1)

Eine Tragödie in Südamerika
Der peruanische Novillero Renatto Motta stirbt an seiner Hornwunde
auf dem Weg in das Krankenhaus
___________________________________________________________________







von Philip de Málaga

Es war ein Tag der mit viel Optimismus begann. Der zwanzigjährige novillero Renatto Motta del Soler schrieb auf seiner Seite in facebook: "Ich bin auf dem Weg nach Malco mit einem cartel welches mir viel Illusion bereitet". Ein Traum, der gleich einer Seifenblase zerplatzte. Eine Fiktion die mit dem Tod endete.

Malco ist eine kleine Gemeinde, mit gerade mal etwas mehr als einhundert Einwohnern, in den Anden von Peru in der südlichen Region Ayacucho. So klein, dass diese Ortschaft nicht mal im Online-Nachschlagewerk Wikipedia zu finden ist. Und zu Ehren des Heiligen San Isidro Labrador wurde hier eine corrida mixta organisiert, mit geradezu internationaler Besetzung. Auf dem cartel standen die matadores de toros Emilio Serna aus Spanien, Gustavo Zuñiga aus Kolumbien, César Bazán "El Yeta" aus Peru und eben der novillero Renato Motta del Soler "Mottito"
Ein sehr internationales cartel in einem kleinen Dorf mit 100 Einwohnern im Süden von Peru:
Emilio Laserna, Gustavo Zuñiga, César Bazán "El Yate" und Renato Motta del Soler
Geboren am 28. Januar 1996 in der peruanischen Hauptstadt Lima, war es für Renatto von seinen jüngsten Tagen an ein Traum torero zu werden. Die Phantasie dazu hatte er, denn er liebte die Schauspielerei und die Magie. Beides was man im toreo findet. Den Zauber, die Faszination, die Darstellung des Lebens in einem ritualen Schauspiel. Und so gehörte sein grosses Herz der Begegnung mit dem toro. Trotz seines ungeeigneten Körperumfangs, denn als kleines Dickerchen gab er nicht gerade die optimale Figur eines angehenden maestros ab.

Renato Motta 2009 in Acho. Der kleine moppelelige  novillero.
Keiner konnte sich vorstellen, dass aus ihm noch mal ein richtiger torero werden könnte
Mit sieben Jahren trat er in die escuela taurina von Acho ein. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er 2008 mit 12 Jahren. Es folgten hier und da ein paar wenige Einsätze, doch dann pausierte er aus gesundheitlichen Gründen für wenige Jahre. Kaum erholt, und an Gewicht verloren, begann er sich wieder vorzubereiten. Ging bei verschiedenen matadores de toros in die Schule, besuchte jeden möglichen concurso oder öffentliche tienta, bis er schliesslich 2014 zu seiner ersten novillada sin picadores kam. In einer plaza portátil in der Provinz Lima erhielt er immerhin ovaciones vom Publikum. Es folgten noch zwei weitere festejos bis es am 17. Mai 2016 zu seinem vierten Auftritt kommen sollte. Das Schicksal nahm seinen Lauf.

Es war eine grosse Chance für ihn, mit richtigen matadores de toros ein cartel zu teilen. Eine wahre oportunidad. Doch der Preis war hoch. Der empresario bot ihm lediglich an, kostenlos anzutreten, welches bedeutete, dass Renatto Motta für alle seine Kosten aufkommen musste, auch für seine cuadrilla. Er selbst würde lediglich ein grosszügiges Trinkgeld erhalten und im Falle eines triumphalen Auftrittes würde man ihm, immerhin, eine neue traje de luces spendieren. Und was tut ein novillero nicht alles um erfolgreich und bekannt zu werden. Und hat nicht gerade am vergangen Freitag in Madrid, dem wichtigsten coso der Welt, der Peruaner Roca Rey triumphieren können. Da wollte er auch hin.

Und dann kam er, sein Moment, sein grosser tarde de toros. Die plaza de toros füllte sich mit 3.000 Zuschauern, welche teilweise aus der Hauptstadt Lima angereist kamen, aber auch Ausländer waren in den tendidos zu sehen.

Die corrida begann sehr vielversprechend für Renatto Motta. Obwohl sein erster novillo complicado war, hatte der novillero das Geschehen unter Kontrolle. Es gelang ihm zu brillieren, die olés hallten über das ruedo und schliesslich wurde seine arte del toreo mit einem oreja belohnt. Vuelta al ruedo.
Vuelta al ruedo
Ein guter Beginn, und es sollte noch besser werden. Denn sein zweiter novillo war viel einfacher im Umgang, weniger complicado und der mögliche Triumph so fühlbar. Renatto dachte an seinen neuen traje de luces und widmete die faena seines zweiten Tieres der empresa. Der Grundstein für einen gelungenen tarde de toros war gelegt. Die puerta grande zum Greifen nah.

Fortsetzung folgt

________________________________________________________________

ANMERKUNG VON SfA: Das letzte Photo stammt nicht von der corrida mixta in Malco.

Dienstag, 17. Mai 2016

Madrid: Über 100.000 Besucher in der ersten Woche




von Philip de Málaga


Freitag der 13, brachte das erste "volle Haus"
___________________________________________________________

Nun hat die wichtigste feria taurina der Welt begonnen. San Isidro in der capital taurina Madrid. Die ersten sieben festejos liegen in der Vergangenheit und man kann eine erste Balance des Interesse bei den Zuschauern ziehen. Insgesamt zählte man bis zum Freitag 115.057 zahlende Besucher in den tendidos.
Besucherzahl in Las Ventas nach Tagen.
Das sind durchschnittlich 16.437 Besucher pro corrida. Statistisch gesehen, war somit Las Ventas im Durchschnitt täglich zu 69 Prozent belegt.
Die durchschnittliche Belegung der tendidos in Las Ventas
Den Besucherrekord der ersten Woche gab es am letzten Tag, am Fertig den 13. Mit 23.798 Zuschauern konnte die plaza de toros in der spanischen Hauptstadt ihr erstes No hay billetes präsentieren (SfA hat darüber berichtet: War der König wirklich so königlich?).
Madrid: Die plaza de toros  Las Ventas. (Foto: mundotoro)
Erstaunlich das Ergebnis der einzigen novillada am Montag den 9. Mai. Mit immerhin 17.212 Zuschauern (entspricht einer Belegung von 72,3 Prozent) sassen mehr Besucher in den tendidos als bei den anderen corridas de toros. Ausser eben am Freitag den 13. Das hat mit Sicherheit zum einen damit zu tun, dass die entradas bei novilladas bis zu fünfzig Prozent günstiger sind als bei corridas de toros, aber es zeigt auf der anderen Seite auf, dass sehr Wohl auch ein Interesse am Nachwuchs besteht. Diese Erkenntnis sollte den jungen toreros Mut machen.

Montag, 16. Mai 2016

Waren die Trophäen in Madrid für Roca Rey doch ein wenig übertrieben?


Auf den SfA-Beitrag War der König wirklich so königlich, welcher sich unter anderem auf den Artikel von Antonio Lorca in der spanischen Tageszeitung EL PAÍS bezog, gab es einige Reaktionen. 
Artikel vom 13. Mai 2016: Desvergonzada puerta grande
Der Autor kratzt an der Wahrhaftigkeit der tauromaquia. Macht es wirklich Sinn die mundo de los toros so zu popularisieren, nur um sie zu erhalten, und das um jeden Preis? Gewiss, man will dem politischen Druck und dem antitaurinismo etwas mehr entgegenbringen als bis jetzt. Viel mehr. Und Roca Rey war ja als junger torero keineswegs schlecht. Er hatte Mut bewiesen und das kann man doch durchaus anerkennen. Es ist nicht die Kritik an Roca Rey selbst, er ist ja noch jung, sondern vielmehr die viel zu euphorische Überwertung durch das Publikums in Madrid, welches für ein gewisses Erstaunen sorgt.


Torodora Gorges:
Ich habe Roca Rey noch nicht "life" erlebt. Über Videos vermittelt sich mir nicht das ganz Besondere. Mir kommt er eher vor wie Jung-Siegfried, über-mütig furchtlos, spätadoleszent! Er will es den "Alten" zeigen, zu was ein heldenhafter Jüngling fähig ist - die Autoritäten (oder die Realitäten) verachtend, den Tod verleugnend. - Mein Siegfried-Vergleich drängt sich mir auf, weil ich derzeit zum dritten Mal diesen wunderbaren Frankfurter Wagner-Ring "geniesse". Gestern war Siegfried an der Reihe mit einem herrlichen Sängerdarsteller. 
Der junge Siegfried (Klaus Busch)

Peter aus Marbella:
Roca Rey ist ein japanischer Kamikazetorero, der meint mit seinem riskanten Auftreten den echten aficionado überzeugen zu können. Der Mut ist lediglich der Anfang. Ob er das weiss? Doch um ein guter torero zu werden gehört weitaus mehr dazu. Ein guter Flamencosänger braucht nicht einmal den Mut, aber eine gewisse arte um nach oben zu kommen. Beim torero ist es ähnlich. Auch er benötigt arte, ganz bestimmt!!! und im Gegensatz zum Flamencosänger auch ein wenig Mut. 

Was ich persönlich ebenfalls nicht nachvollziehen kann, wie kommt ein ausländischer torero, er kommt ja aus Peru, so ohne weiteres so mit Lorbeeren beworfen wird? Und das in Madrid, dem wohl anspruchsvollstem Publikum in Sachen toros? Natürlich gab es da einen César Rincón aus Kolumbien, aber der hatte doch mal eine ganz andere Klasse.

Isabel González aus Madrid:
Ich finde den Artikel von Herrn Lorca sehr gut. Er reitet nicht auf der Welle wie die anderen Medien, sondern berichtet so, wie man es von der Zeitung El País erwartet. Sachlich bleibt er beim Thema, auch wenn es vielen aficionados missfallen hat. Persönlich war ich davon enttäuscht dass andere Zeitungen wie ABC, El Mundo es nicht so gesehen haben. 

Mir gefällt, dass auch Du Philip, diese Sichtweise hier mit eingebracht hast. Denn gerade ausländische aficionados von Stierkämpfen neigen zu einer gewissen Einseitigkeit. Einfach deswegen, weil es ihnen an Erfahrung fehlt. An der Nähe zum Thema. Im Allgemeinen habe ich das Gefühl, dass der Mut bei den ausländischen Besuchern an aller erster Stelle steht. Könnte ich da recht haben? 

Ich selbst war auch dort in Las Ventas und habe es gesehen. Klar, Roca Rey war sehr mutig. Zu mutig, sogar waghalsig, vielleicht auch verrückt, und genau das missfiel mir. Es erinnert mich daran, als ich vor vielen Jahren José Tomás gesehen habe. Auch er neigte dazu, sich zu sehr in Gefahr zu begeben. Aber aus ihm ist etwas geworden. Vielleicht haben wir ja bei dem jungen Mann aus Peru dieselbe Hoffnung. Es würde mich freuen. Für ihn und die toros.

Sonntag, 15. Mai 2016

War der König wirklich so königlich?





von Philip de Málaga


Madrid: Roca Rey öffnet die puerta grande
______________________________________________________________

Keine Frage, es war eine tarde de toros inolvidable. Unvergesslich. Ein königlicher Tod am Nachmittag in Las Ventas von Madrid. Zum einen, weil das spanische Königshaus mit Don Juan Carlos und Prinzessin Doña Elena präsent war, und auch weil sich die 23.798 Zuschauer fassende plaza de toros komplett hasta la bandera füllte. No hay billetes in der capital del toreo! Ein gutes Fundament für eine corrida buena, die Stimmung war gut, und das Publikum in den tendidos erwartete voller Freude die beide figuras importantes Sebastián Castella (triunfador von San Isidro 2015) und Alejandro Talavante, welche die alternativa des jungen matadores de toros Roca Rey in der spanischen Hauptstadt mit ein confirmación bestätigen sollten und es auch taten.
Die matadores de toros Sebastián Castella, Alejandro Talavante und Roca Rey.
Noch etwas fällt einem zu diesem cartel ein. Es zeigt auf, wie international die tauromaquia ist. Bei der confirmación war der padrino ein Franzose, der testigo ein Spanier und der Neuling kam aus Peru. Das festejo taurino konnte beginnen und viele waren von dem Ergebnis, dem Erlebten begeistert. Sei es die spanische Fachpresse, zahlreiche Medien und auch den deutschen aficionados schien es zu gefallen. War es wirklich so? Haben alle es so gesehen? Werfen wir einen Blick auf das Geschehene.
Königlicher Besuch in Las Ventas: Don Juan Carlos und Doña Elena
Und was bekam das Publikum zu sehen. Zunächst einmal eine ovación für die confirmación und dann folgten drei silencios. Ein Grund zur emotionalen Welle? Wohl kaum. Gut, kann passieren, wenn die anderen noch verbliebenen zwei toros mehr zulassen und die toreros dementsprechend agieren. Nun die toros waren schwierig, machten die lidia nicht gerade einfach. Doch die Erfahrung des "hombres" Alejandro Talavante brachte die erste emoción in die tendidos und belohnt ihn mit einem oreja. Der tarde war gerettet, wenigstens etwas, aber es sollte noch besser werden.


Und wie bei einer jeden corrida, stets hofft das Publikum auf den letzten toro. Und es kam, was man erwartet, erhofft hatte. So beschrieb es die spanische Tageszeitung EL MUNDO, es kam das peruanische Erdbeben. Und wieder machte es der toro dem 19-jährigen "Niño" Roca Rey nicht einfach. Doch der junge torero aus Peru stellte sich im furchtlos entgegen. Eine quite und fünf gaoneras liessen die Herzen der aficionados erfreuen. Das könnte etwas werden. Die faena begann, der brindis gehörte dem Publikum, und alle fieberten mit ihm. Und gleich zu Beginn hielten alle die Luft an, passierte der toro den Rey dermassen knapp am Rücken, man sah ihn schon zu Boden geschleudert. Ein Aufschrei in den tendidos. Der toro visierte öfters den König an (Rey heisst übersetzt König), fand ihn spannender als den engaño. Aber "El Niño" stand seinen Mann, liess sich dadurch nicht beeindrucken, nahm sein Herz in die Hand, führte die muleta, die Emotionen brodelten, und alles ganz dicht am Stier. Gänsehaut in den Rängen, so etwas bekam man in Las Ventas schon seit längerem nicht mehr zu sehen. Da riskiert ein matador alles um beim Publikum anzukommen. Wie heisst es? Jugarse la cornada, so nah am toro zu stehen, um Gefahr zu laufen, von diesem erwischt zu werden um mit einer cornada abgestraft zu werden. Se juega la vida, er spielt mit dem Leben. Puerta grande o enfermería, Triumph oder Niederlage, nur noch darum ging es. Und beim Publikum kam es an. Estocada, muerte del toro und dann stehende Ovationen auf vibrierenden Tribünen. Las Ventas droht auseinander zu brechen und der junge Mann aus Peru wird mit dos orejas und dem triumphalen Auszug durch die puerta grande belohnt.

Die Prämie für einen mutigen torero.
Beginnt so ein Traum langsam in Erfüllung zu gehen? EL MUNDO sieht hier den Mut eines Rocas und den Glauben einer figura für die Zukunft. Andere sehen es genauso. Alle scheinen sich einig zu sein. Alle? Sind es wirklich alle? Da konnte man zum Beispiel in der grössten Tageszeitung Spaniens EL PAÍS (und die kann man wirklich nicht mit der deutschen BILD vergleichen) folgendes lesen:


Weiter heisst es: 
Die dos orejas mit denen der junge Roca Rey ausgezeichnet worden ist, sind absolut übertrieben, typisch für diese Epoche der unbegrenzten Grosszügigkeit, wenn ein torero einem schwierigen toro einige Manöver abverlangen kann. Der torero aus Peru ist übermutig, der in der Lage ist, sich harmlos einer cornada entgegenzustellen und dieses in die tendidos überträgt; aber torear, so wie man es sagt torear de verdad, ist ihm eigentlich bis jetzt noch nicht so richtig gelungen. Er weiss sehr wohl seine technischen und artistischen Mängel durch auffälligen Wagemut zu ersetzen, von dem Moment an wo der toro kommt bis hin zum arrastre. Und darin liegt sein Leistung. Natürlich, aber sicher. Jedoch von diesem Punkt an bis zur puerta grande, das ist noch ein langer Weg.
Der Autor kritisiert aber nicht nur Roca Rey sondern die corrida in ihrer Gesamtheit, toros, toreros  wie die empresa sich ein wenig lächerlich präsentierten. Dem Betrachter wurde einfach nur etwas vorgespielt, was es nicht sei. Wo figuras antreten, da könne man auch etwas erwarten, bzw. müssen die Verantwortlichen auch etwas bieten. Und nicht nur Show. 

Andere Medien hielten sich da etwas zurück. In EL MUNDO deuten sie lediglich an, dass das zweite oreja wohl ein wenig übertrieben gewesen sei. Auch die grösste Mediengruppe Vocento mit ihren grossen Tageszeitungen ABC oder DiarioSur (Málaga) verhält sich ebenfalls neutral, fragt aber an, wo denn bei so vielem peruanischem Erfolg der ebenfalls aus Peru stammende Nobelpreisträger der Literatur und aficionado de torosMario Vargas Llosa denn gewesen sei? Denn schliesslich sei er nicht nur ein grosser Befürworter sondern auch ein aktiver Verteidiger der fiesta nacional.
Er wurde vermisst: Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa
Und mit der Verteidigung der toros sind wir beim letzten Punkt. In einem Kommentar im Internetportal Aplausos konnte man dazu folgendes lesen:
Solange es den toro bravo und Männer wie Talavante und Roca Rey gibt, weder alle antitaurinos der Welt, weder die Politiker antitaurinos, noch überhaupt jemand könnte diese fiesta verbieten, denn so gross und wahrhaftig wie sie, gibt es keine andere.
Wie man es auch immer sehen mag, es war ein grosser tarde de toros, der zahlreichen aficionados viel Freude bereitet hatte. Aber deswegen sollten wir uns hüten, voller Blindheit zu beginnen, die fiesta de los toros zu einseitig zu sehen, sie mit falschen oder ungerechtfertigten Emotionen hoch zu jubeln, aber genauso sollte man sich an einer corrida erfreuen können, wo einfach nur der bewundernswerte Mut eines jungen Mannes die Gemüter in den tendidos erhitzen konnte. Die fiesta hat eben viele Facetten, und auch an so vielen wie möglich sollten wir unsere Freude haben können.

Samstag, 14. Mai 2016

2.500 Chinesen kamen um die Stiere zu sehen




von Philip de Málaga


Für Chinesen gehört der Stierkampf zum typischen Spanien
__________________________________________________________

Was nicht viele wissen, im chinesischen Fernsehen werden spanische corridas de toros schon öfters zeitversetzt, meistens in den Wintermonaten, übertragen. Obwohl die Audienz sich eher bescheiden hält, aber in diesem Land der aufgehenden Sonne und ach so vielen Menschen, soll es doch immerhin an die 15 Millionen Interessierte vor den Bildschirm gelockt haben. Auch wurden in China zwischenzeitlich unblutige festejos taurinos veranstaltet. Der Erfolg blieb aber irgendwie aus. Trotzdem ist das Interesse der Chinesen an den toros vorhanden.

So reiste eine Gruppe von 2.500 Chinesen Anfang Mai diesen Jahres nach Spanien, um das typische Spanien kennen zu lernen. Es war die chinesische Unternehmensgruppe Tiens (mit Sitz in Tianjin), welche diesen Urlaub ihren Mitarbeitern ermöglichte. Neben Besichtigungen, Flamenco und Paella stand selbstverständlich auch eine corrida auf dem Programm. Und speziell für die asiatischen Gäste eine corrida sin sangre, ohne Blut.

Hierzu wurde die Reisegruppe am Morgen des 6. Mai in die plaza de toros von Moralzarzal geführt, welche bei diesen regnerische Tagen den Vorteil hatte überdacht zu sein, um eine suspensión der corrida taurina sin sangre für die sehr weit her gereisten aficionados zu verhindern.

Unter den drei novilleros befand sich der aus Málaga stammende Juan Carlos Benítez. Alle drei toreros mit ihren cuadrillas waren nicht nur sehr angetan von den asiatischen Gästen in den tendidos, sondern auch vollkommen überrascht über die Emotionen die dort aufkamen. Zwar füllte sich die plaza nicht mal zu Hälfte, aber die Stimmung war so beeindruckend wie bei einem vollem coso.
2.500 Chinesen in der Plaza de Toros von Moralzarzal.
Laut halten die Olé über das ruedo, wenn der novillo einen torero passierte, Rufe des Entsetzens, wenn das Tier sich dem Menschen zu sehr näherte und Begeisterung mit starkem Applaus, wenn sich der novillero vor den novillo kniete.
Das kam an, wenn der torero aus Málaga sich vor den novillo kniete.
Ein wenig ungewohnt und regelrecht auffallend waren für die toreros die zahlreichen Smartphones, welche fast die ganze Zeit auf sie gerichtet waren. Man will ja optische Erinnerung wieder in seine Heimat zurückbringen, oder ob da gar jemand live nach China gesendet hat?
Das Smartphone immer griffbereit.
Und als dann der junge novillero aus Málaga seine lidia beendet hatte erhielt er stehende Ovationen, und statt mit den weissen Taschentüchern nach trofeos zu verlangen, wedelten sie ihre blauen Mützen.
Die blaue Mütze als Ersatz für das weisse Taschentuch.
Su Lin, eine der Mitarbeiterinnen von Tiens war ganz begeistert. Sie sei schon mehrmals in Europa gewesen, aber einem espectáculo taurino hätte sie sich nicht nicht vorher erfreuen können: "Es hat mir sehr gut gefallen, so etwas habe ich noch nie gesehen.

Man kann gespannt sein, wie viele aus dem Reich der Mitte noch kommen werden. Sicherlich nicht wenige, denn wem schon die toros auf dem Bildschirm gefallen, der möchte dies doch sicherlich auch mal live mit erleben können. 
_________________________________________________
   
Siehe auch:

Chinesen wollen auch Torero sein TAURONEWS vom 6.4.2014
Stierkampf in China Reportage vom16.11.2013

Freitag, 13. Mai 2016

Die Tauromachie erhält ein Lehramt

  von Philip de Málaga

Die spanische Regierung möchte die Ausbildung 
im taurinischen Sektor professionalisieren
_____________________________________________________________

Im Rahmen des Programms PENTAURO, zur Förderung und Schutz der tauromaquia, will die konservative Regierung PP unter Mariano Rajoy in Spanien einen offiziellen Abschluss für einige Bereiche in der mundo de los toros schaffen. In erster Linie sollen dabei diejenigen angesprochen werden, die sich zunächst eine berufliche Zukunft als matador de novillos (sin picadores), banderilleros, picadores und pastores vorstellen können. Auch apoderados und empresarios möchte man hier einbinden.

Das Ziel ist es, den Schüler ein breites Wissen zu vermitteln. Geplant ist, den kompletten Unterricht auf zwölf Module zu teilen, welche über jeweils zwei akademische Einheiten mit 2.000 Stunden verteilt sind. Neben dem allgemeinen Unterricht (Mathematik, spanische Sprache, Englisch ...), stehen bei dieser Ausbildung selbstredend die Zugehörigkeiten zum torero im Zentrum. Dazu gehören unter anderem folgende Programmschwerpunkte: 
  • 190 Stunden die suertes des toreos, Geschichte und Anwendung
  • 130 Stunden praxisorientierte Ausbildung
  • 55 Stunden alles über die lidia und deren Ablauf
  • 30 Stunden  über das reglamento taurino und die rechtlichen Grundlagen
Der vom Ministerium vorgeschlagene Entwurf ist schon weit fortgeschritten, und soll noch vor den nächsten Wahlen umgesetzt sein. Geplant als erste Ausrichtungsstädte sind Madrid, ValenciaBadajoz, Salamanca und Málaga
Die ersten Orte, wo Tauromachie gelehrt wird.
Mit diesem Vorgehen reagiert die Regierung auf die Attacken gegen die mundo de los toros durch antitaurinos und Politiker, wie unter anderem das Rathaus der spanischen Hauptstadt Madrid. Diese neuen Deklarationen und Absichten durch die konservative Regierung gibt der fiesta nacional erneut starken Rückenwind.

Donnerstag, 12. Mai 2016

Und noch einmal Stierkampf auf Mallorca




von Philip de Málaga


Trotz kommendem Verbot soll es noch einen legalen Stierkampf geben
____________________________________________________________

Was auf der Insel der Deutschen, auf Mallorca, auffällt ist, dass trotz des aufkommenden Verbotes immer wieder Stimmen laut werden, die sich gegen die abolición de los toros aussprechen. Nach HaroFornalutx, ist es nun die Gemeinde Inca, die noch einmal ihre afición a los toros unterstreichen möchte. Mit ihren 30.000 Einwohnern gibt es hier ebenfalls eine tradición taurina. Denn die plaza de toros von Inca wurde schon am 18. September 1910 eingeweiht und hat einen aforo für 4.000 Zuschauer. 

Ab 1990 wurden dort die festejos taurinos eingestellt. Doch fünf Jahre später, am 30. Juli 1995 wurde die tradición mit einer corrida de toros und den maestros Tomás Campuzano, Victor Mendez und Chamaco wieder aufgenommen.

Und nun, bevor das neue Gesetz auf den Balearen in Kraft tritt, die toros auf der gesamten Inselgruppe zu verbieten, organisieren die taurinos mit legalen Mitteln ihre festejos taurinos. Das nächste am 29. Mai diesen Jahres, ein festival taurino in Inca. Ein festival, welches die Vielseitigkeit der tauromaquia widerspiegelt. Von zwei rejoneadores, über zwei matadores der toros und zwei novilleros bis hin zur Präsentation des salto de gorracha. Etwas was man heute nur noch in der Regel bei den recortadores zu sehen bekommt. Bei den Stieren handelt es sich um novillos, wie meistens üblich bei solchen festivales.


Zum Entsetzen der antitaurinos, der Assóciacío Animalista de les Illes Balears, wo Carmen Rojas konstatiert feststellt, "Es fehlen nur zwei Schritte bevor das neue Tierschutzgesetz in Kraft tritt. Und vor ein paar Wochen war auch keine corrida mehr geplant. Doch die taurinos wollen es bis zum letzten Moment ausnützen und noch eine organisieren." Der Bürgermeister Virgilio Moreno (PSOE) sieht es dagegen gelassen. "Wir werden alles unternehmen, damit es den geltenden Rechtsvorschriften entspricht."

Plaza de toros von Inca auf Mallorca für 4.000 Zuschauer
Angetrieben seien sie durch den erfolgreichen Besucherandrang in Muro am letzten 17. April. So ein Sprecher und Rechtsanwalt der Stiftung Toro de Lidia, José Miguel Soriano, "die tauromaquia ist ein öffentliches espectáculo, welches zu Kulturgut deklariert worden ist, und es sei keine autonome Angelegenheit dieses zu verbieten, sondern Sache des Staates."

Mittwoch, 11. Mai 2016

José Tomás kein perfekter Torero?




von José Moreno


Es wird viel diskutiert, 
ob der Maestro aus Galapagar ein wahrer perfekter Torero ist.
___________________________________________________________

Es kann durchaus sein, dass José Tomas nicht der perfekte torero ist. Darüber kann man diskutieren. Viele - nicht wir - diskutieren über fast alles: Die plazas wo er antritt, die toreros mit denen er sich messen lässt, und über die ganaderías denen er sich stellt. Auch kann es deswegen sein, da er eine temporada auf drei bis vier corridas de toros reduziert.

Und es kann sein, dass das alles wahr und José Tomás nicht der perfekte torero ist.

Vielleicht ist José Tomás nicht der perfekte torero, aber in Jerez lieferte er eine perfekte faena ab.

Derechazo von José Tomás (Foto: Maurice Berho, mundotoro)
Mit seiner Standhaftigkeit, mit seinem Einsatz, mit seinem Mut, mit seiner Inspiration, mit seiner präzisen Handhabung des engaño, seinem sensiblen Umgang mit der Zeit, um jedem toro genau das zu geben wonach sie verlangen.

Und mit alldem, José Tomás in Jerez, brachte den toreo auf den höchsten Gipfel eines Erfolges, und dort bleibt er noch solange, bis er wieder antritt.

Dienstag, 10. Mai 2016

Alicante: Grosser Andrang für die Feria de San Juan




von Philip de Màlaga


Mit José Tomás steigt das Interesse in Alicante
___________________________________________________________

Schon seit 1700 gibt es in Alicante toros. Zu Beginn half man sich mit hölzernen ruedos aus. Aber mit der Konstruktion einer richtigen plaza de toros begann man erst 1848. Und ein gewaltiges wie beeindruckendes Projekt entstand, welches vom 15. bis zum 17. Juni 1880 eingeweiht worden ist. Mit einem aforo für 15.235 Personen deckte es fast 40 Prozent der damals 40.000 Einwohner von Alicante ab. So sehen waren bekannte toreros wie Largatijo und Guerrita. Drei Tage festejos taurinos, eine Bevölkerung im Rausch der toros.


Die plaza de toros von Alicante im 19. Jahrhundert
Und nun, 128 Jahre später begeistert sich die afición immer noch für die toros. Und zu dieser Feria de San Juan ganz besonders, ist es doch der empresa Simón Cásas gelungen, den maestro José Tomás zu verpflichten. Und genau wie in Jerez de la Frontera war der Andrang beim Kartenverkauf gross. Innerhalb weniger Stunden wurden am ersten Tag mehr als 6.000 abonos verkauft. Denn, wie Simón Cásas angekündigt hatte, werden fast nur abonos für die vier corridas de toros, das eine rejoneo und eine novillada con picadores angeboten. Lediglich fünf Prozent, weil vom Gesetzgeber vorgeschrieben,  gehen in den Verkauf der entradas sueltas, das sind gerade mal 761 entradas.

Lange Warteschlange in Alicante (Foto: mundotoro)
Die festejos taurinos finden vom 22. bis zum 26. Juni statt. Der Verkauf der noch restlichen Einzelkarten beginnt am 10. Juni 2016.

Sonntag, 8. Mai 2016

Méjanes

Wer war Paul Ricard, der erste Eigentümer von Méjanes?
______________________________________________________

von Ursula Herzog

Mitten in der Camargue in der Nähe von Arles liegt der Besitz von Méjanes. Dazu gehört auch eine kleine private Arena mit mehr als 4.000 Plätzen, in welcher alljährlich  „Luxusveranstaltungen“ des rejoneo stattfinden. So werden für dieses Jahr für den 23. Juli die rejoneadores Hermoso de Mendoza, Andy Cartagena und Lea Vicens angekündigt. Es ist das 45. Mal, dass in Méjanes  die „Feria du Cheval – Rejon d’Or“ stattfindet.


Wer war Paul Ricard, der erste Eigentümer von Méjanes?

Paul Ricard wurde 1909 in Marseille geboren. Er beschäftigte sich sein ganzes Leben mit dem Pastis, dem typischen südfranzösischen Anisschnaps. 1932 gründete er eine eigene Firma, in der er nach einem von ihm selbst entwickelten Rezept ein 40%iges Anisgetränk herstellte. Das Pastisgetränk „Ricard“ eroberte Frankreich. Paul Ricard führte seine Marke erfolgreich in Spanien, Italien und Nordafrika ein. 1940 kam das Aus. Unter dem Vichy-Regime wurde der Pastis verboten. Paul Ricard war gezwungen, seine Fabrik zu schließen. Daraufhin verlegte Paul Ricard sich auf die Landwirtschaft, beschäftigte seine Arbeiter weiter und ersparte ihnen damit „Le service du travail obligatoire“ (die Zwangsarbeit). Er baute auf der Domaine Méjanes in der Camargue, die er einige Jahre vorher gekauft hatte, Reis an, züchtete Stiere und errichtete eine Arena. Nach dem Krieg organisierte Paul Ricard sein Unternehmen neu. 1975 fusionierte er mit seinem Konkurrenten Pernod. Aus diesem Zusammenschluss ging der Pastiskonzern „Pernod Ricard“ hervor. Heute werden sowohl „Pernod“ als auch „Ricard“ verkauft. 1970 liess Paul Ricard den „Circuit Paul Ricard“ bauen, eine Rennstrecke, auf der zwischen 1971 und 1990 vierzehn Mal der Grand Prix der Formel 1 ausgetragen wurde

Paul Ricard  gründete seinen ersten Club Taurin bereits 1955.  Er sagte dazu: „Wenn ich meine Kindheitserinnerungen hervorhole, dann fällt mir ein, dass von Stieren gesprochen wurde. Mein Vater war ein eifriger aficionado und die ganze Familie interessierte sich für die Tauromachie. Die Jahre vergingen und ich bekam die Gelegenheit, „Le Domaine de Méjanes“ zu kaufen. Diese Gegend hatte mich immer angezogen.“

Auf Betreiben von Paul Ricard und mit dem unermüdlichen Enthusiasmus von Louis Thiers wuchs die Zahl der „Clubs“ schnell. Sie entstanden auch ausserhalb der Camargue und schließlich am Ende im ganzen Süden Frankreichs. Innerhalb von 20 Jahren wurde „l’Union des Clubs Taurins Paul Ricard“ zur ersten tauristischen Vereinigung in Frankreich. 1979 ging man mit der „Fédération française de course landaise“ zusammen und es entstand der größte tauristische Zusammenschluß Europas. Die Vereinigung umfasst heute mehr als 15000 Mitglieder in fast 400 Clubs. Angeschlossen sind der Club Taurin Paul Ricard von Madrid und der Club Taurin Paul Ricard von Brüssel. Die Hauptversammlung findet Traditionsgemäß in Méjanes statt.

Arénes de Méjanes
__________________________________________________________

Links zu diesem Thema:

Wikipedia: Paul Ricard (französisch)