mit Miguel Sánchez
Der matador de novillos stellt sich den Fragen von Philip de Málaga
Miguel Sánchez: Mein ganzes Leben habe ich den
toros gewidmet. Und als ehemaliger Bankmann ist es verständlich dass ich versuche es in Zahlen auszudrücken.
Wenn man das jetzt alles zusammenzählt, stellt man fest, der ist schon 100 Jahre alt.
SfA: Wie ist Deine Erfahrung als
asesor artístico mit den Präsidenten einer
corrida?
Miguel Sánchez: Vieles was man als
asesor artistico sagt hören die Präsidenten zwar, nehmen es aber nicht wahr. Entscheiden letztendlich wie sie wollen. Sie haben manchmal den selben Einfluss wie schlechte Schiedsrichter beim Fussball und keiner kann dagegen etwas machen. Mir gefällt vor allem nicht, wenn die Mehrheit des Publikums ein
oreja fordert und der Präsident dieses einfach ignoriert, obwohl er laut dem
reglamento taurino dazu verpflichtet ist, diese Auszeichnung dem
matador zu zugestehen.
SfA: Was ist für dich das
toreo? Was bedeutet es für dich?
Miguel Sánchez: Beim
toreo kann ich nur meine eigene Erfahrung sprechen lassen. Die
toros und die dazugehörige
afición sind nicht frei von Widersprüchen. Eigentlich habe ich keine Daseinsberechtigung. Ich will mich erklären. Als mich mein Vater mit sieben Jahren das erste Mal mitgenommen hatte, keine Frage ich war fasziniert, doch ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, selbst einmal im
ruedo zu stehen. Und trotzdem kam es dazu. Ein unheimlich starkes Gefühl überkam mich. Und von da an begann ich mit was auch immer, einem Handtuch oder Ähnlichem und versuchte nachzuahmen was ich in der
plaza de toros gesehen hatte. Das zu vermitteln ist nicht einfach, diese Erfahrung muss man selber machen.
SfA: Wie siehst Du die Zukunft der
toros?
Miguel Sánchez: Ich denke mit allen Schwierigkeiten welche derzeit nicht nur die
fiesta zu kämpfen hat, bin ich sehr optimistisch eingestellt. In meinen Augen wird sie nie ihr Ende finden. Solange es Menschen gibt, die sich trauen einem
toro entgegenzutreten und dabei auch noch unvergleichbare
arte schaffen, wie zum Beispiel
Morante,
Rafael de Paula,
Antonio Ordoñez oder
Curro Romero, brauch sich die
fiesta keine Sorgen machen. Meint, mit
toreros und solchen Charakteren wird die
fiesta nacional ewig bestehen.
Und wer ist eigentlich dagegen. Da verkaufen sich innerhalb von zwei Stunden gut 20.000
entradas um
José Tomás zu sehen. Und vor der
corrida kommt eine Handvoll Menschen, sie nennen sich
antitaurinos, und beschimpfen diejenigen die es wagen, in die
plaza de toros zu gehen. Es kann doch nicht sein, dass ich zu einer vollkommen legalen Veranstaltung gehe und von irgendwelchen Leuten lautstark als Mörder beschimpft werde. Wir
taurinos verlangen ja nicht, dass sie sich ändern, sondern dass sie unseren Standpunkt und unsere Ideologie anerkennen, genauso wie wir ihre Haltung respektieren.
SfA: Wo siehst Du die wirklichen Gegner der
fiesta?
Miguel Sánchez: Meistens finden sich die wahren Gegner der
fiesta innerhalb der
fiesta, sozusagen in den eigenen Reihen. Vor allem den
empresarios fehlt es am notwendigen Weitblick. Sie denken alle in erster Linie an das schnelle Geldverdienen. Ich habe noch keinen
empresario gehört, der kein Geld verloren hat. Alle haben Geld verloren, sagen sie. Dabei stimmt das gar nicht. Sie haben nur weniger verdient. Und was sie weniger verdient haben deklarieren sie öffentlich als Verlust. Ein Beispiel. Ein
empresa möchte mit einer vollen
plaza de toros fünf Millionen Peseten (ich rechne noch in Peseten) verdienen. Jedoch sind die
corridas nur zu drei Viertel besucht und jetzt verdient man nur zweieinhalb Millionen Peseten. Doch statt vom Gewinn zu reden spricht man von zweieinhalb Millionen Peseten Verlust. Alle verlieren nur Geld. Wenn dann aber eine
plaza de toros für die nächste
temporada ausgeschrieben wird, stehen sie Schlange, manchmal bis zu zwölf Bewerbungen. Ist doch komisch, wo sie gar nichts verdienen.
SfA: Als
torero, welche waren deine bevorzugten
suertes?
Miguel Sánchez: Mit der
muleta. Nicht so sehr mit dem
capote. Im meinem Geist hatte ich immer
Antonio Ordoñez. Ich habe ihn kopiert, und wenn ich mich dann im Nachhinein mich auf den Fotos gesehen habe, ich war selber überrascht. Dieselbe Haltung, das hat mich gefreut und stolz gemacht. In sofern bildeten die Manöver mit der
muleta den Kern meiner Arbeit. Vor allem die
natural und
derechazo.
SfA: Und die
banderillas?
Miguel Sánchez: Nie, nicht mal beim Training.
SfA: Hast du auch Nachts heimlich unter Mondschein auf der Weide geübt?
Miguel Sánchez: Nie. Dazu bin ich viel zu legal. Und ausserdem war und ist mir bewusst, dass ich damit meine
compañeros, die am nächsten Morgen antreten in Lebensgefahr bringe. Nein, das kam für mich wirklich nie in Frage.
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Mijas ... Stierkampf für Touristen
Für Miguel Sánchez ein Alptraum |
SfA: Was denkst du über die ausländische
afición?
Miguel Sánchez: Wunderbar. Aber leider werden die Touristen, besonders hier an der
Costa del Sol in Ortschaften wie
Mijas,
Benalmádena,
Torremolinos und früher auch
Fuengirola geradezu ausgebeutet. Die Eintrittspreise sind nicht selten exorbitant! Aber das ist nicht nur die Schuld der
empresarios sondern auch der Behörden, welche diesem Vorgehen keinen Einhalt gebieten.
Manchmal ist es richtig peinlich. Sie nennen es
corrida de toros aber in Wahrheit es ist eine
becerrada. Wenn überhaupt. Vor gar nicht so langer Zeit sah ich eine solche Veranstaltung. Die Tiere brachten nicht einmal achtzig Kilo auf die Wage, und die Kerlchen die sich dort übten standen wohl das erste Mal vor solch einem
res.
SfA: Wer sind für dich die grossen
figuras der Gegenwart?
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Enrique Ponce, für Miguel Sánchez
einer der besten toreros der Gegenwart.
(Foto: mundotoro) |
Miguel Sánchez:
Enrique Ponce. Seit dreiundzwanzig Jahren nach seiner
alternativa ist er immer noch ein regelrechter Computer, gekleidet in
traje de luces. Er verfügt über eine privilegierte Mentalität. Er ist ein
torero der für den
toro da ist. Er kennt sich mit den Stieren aus wie kein anderer. Was er mit den
toros macht ist einfach nur unglaublich. Der
toro steht für ihn im Mittelpunkt. Hier in
Málaga hat er im Jahr 2000 ein
indulto erreicht. Das einzige
indulto welches es in der hundertfünzigjährigen Geschichte der
plaza de toros in
Málaga gegeben hat. Aber der
toro aus der Zucht
Buenavista war nicht nichts Besonderes, nicht mal erwähnenswert, sondern erst durch
Enrique Ponces Arbeit mit der
muleta wuchs der
toro über sich hinaus, bis das Publikum das
indulto forderte.
Ponce setzt sich halt für die Gutmütigkeit seiner
toros ein, wie kein anderer.
Dann wären da noch
Manzanares,
El Juli,
Talavante,
Miguel Angel Perrera und natürlich
Morante und
José Tomás.
SfA: Was denkest du über Frauen im
ruedo?
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| Cristina Sánchez |
Miguel Sánchez: Da gibt es einige die mit viel Mut an die Sache gehen. Frauen treten nun mal mit geringeren Konditionen an als ihre männlichen Kolegen. Aber das bringt auch Vorteile, vor allem wenn es ihnen gelingt diese gegenüber dem Publikum auszuspielen. Frauen versuchen mehr zu wirken als mit dem
toro zu agieren. Das ist auch einer der Gründe, warum männliche
matadores de toros nicht so gerne mit
matadoras antreten.
SfA: Und Cristina Sánchez?
Miguel Sánchez: Sie war ohne Frage sehr mutig, in
Madrid gab es sogar
dos orejas, in Amerika war sie erfolgreich, und sie ist gegen richtig grosse und gefährliche
toros angetreten, stimmt alles, aber mich selbst hat sie in meinem Inneren nie so richtig ansprechen können.
SfA: Wie siehst du die Kontinuität eines
toreros? Wie flexibel dürfen sie sein?
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| Miguel Sánchez mit Curro Romero |
Miguel Sánchez: Ein kreatives
toreo mit
arte kann man einfach nicht dauerhaft erwarten, wie zum Beispiel die Arbeit eines Maurermeisters. Der
torero muss den Moment abwarten, in der entsprechenden Verfassung sein und vor allem die Möglichkeit haben, das zu tun, was ihm auch am meisten liegt. Ich habe zum Beispiel überhaupt kein Problem damit, wenn
Morante statt der üblichen fünfzehn bis zwanzig Manöver mit der
capa eben vierzig
capotazos und mehr vorführt, und dementsprechend die
faena ein wenig kürzer gestaltet. Wozu braucht man die
muleta wenn die tollen Momente beim
capeo liegen? Einer der danach handelte war
Curro Romero. Ich habe gehört, dass er bei einem
toro nur den
capote verwendete. Schau mal, hier ein Foto mit
Curro Romero, und wir hatten uns gerade darüber unterhalten.
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Philip de Málaga
und Miguel Sánchez |
Morante hat ja diesbezüglich auch schon Interesse gezeigt, und wenn er dieses Jahr in
Ronda mit den sechs
toros antritt, würde es mich nicht wundern Ähnliches zu sehen zu bekommen. Aber nur wenn er als
unico espada antritt.
SfA: Vielen Dank für das Interview.
Miguel Sánchez: Die Ehre liegt ganz bei mir und ich freue mich schon darauf noch viele deutsche
aficionados hier in der
Malagueta begrüssen zu können.
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Das
museo taurino von
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