Freitag, 10. Januar 2014

Enrique Ponce

Über einen der grössten Kenner der Stiere
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von Colin Ernst 


Wie charakterisiert der maestro Enrique Ponce die verschiedenen Stierzuchten? Für mich ist Enrique Ponce einer der größten Stierkenner in der Szene. Keine Bewegung des Tieres entgeht ihm, er weiß um die besonderen Eigenschaften der Züchtungen. Und er kann das Gesehene hervorragend umsetzen. Etwas, was ihn vom Durchschnittstorero unterscheidet. Worauf achtet der maestro? Auf die hechura und den Körperbau, da kann sein geschultes Auge schon einiges herauslesen. Wie bewegt sich das Tier, galoppiert es zum burladero, oder trabt es. Letzteres, oder das Annähern im Schritt, mag er nicht. Senkt der Stier den Kopf, wenn er zum burladero kommt oder stößt er nach oben? Das alles sind nur Hinweise, Anzeichen, aber der torero weiss um die Veränderungen, die der Stier während der lidia durchmacht. Auch er hat sich mit den ganaderías beschäftigt und die Domecq Stiere hält er für sehr komplett. Sie haben einen ausgewogenen Körperbau, mittlere Bewaffnung, mittlere Größe, recorrido, temple und sind nobel. Was dem maestro wenig gefällt, das sie schon mal am Ende eines muletazos gern mit dem Kopf hochstossen, das ist sehr lästig, schmälert die Ästhetik. Über die Victorinos, mit denen er viele erfolgreiche corridas bestritten hat, äußert er sich positiv. Sie greifen immer schön an, mit dem Kopf nach unten, sie bleiben bei dir. Sie sind ernst zu nehmen, auch wenn sie kleiner und kompakter sind. Auch er sieht die Ähnlichkeit mit den mexikanischen Stieren, die allerdings noch mehr Santa Coloma Anteil im Blut haben, als die Albaserradas von Victorino Martin. Die encaste Nuñez (zum Beispiel Alcurrucen) gefällt ihm der toro mit dem weißen Horn, engatillado, mit rythtmischer Galoppade. Kritisch sieht der maestro ihn in der capote, da sei er kompliziert und man muss viel aus ihm herauslocken. Aber so hat man schon so manch überraschende faena zu sehen bekommen. Mit den Atanasios (zum Beispiel Valdefresno) hat er in den 90gern viele Triumphe gefeiert. Sie seien ähnlich wie die Nunez. Besonders gefallen sie ihm mit der muleta, wo sie beständig, mit dem Kopf nach unten, folgen, viel temple haben. Die Atanasios haben ordentliche Hörner, schwere Knochen, langem, schwerem Körperbau, was schon sehr beeindruckend ist, wenn man davor steht. Die encaste Murube (zum Beispiel Fermín Bohorquez) gefällt ihm wegen ihrem Rhythmus im Galopp, viel temple, aber mit Problemen den Kopf zu senken. Über die Santa Colomas (zum Beispiel Prieto de Cal): Ein sehr ehrlicher toro, der gut galoppiert, bleibt mit gesenktem Kopf in der muleta, hat Ausdauer… ein perfekter toro – wenn es ein „guter“ Santa Coloma ist. Ein „schlechter“ ist der listige toro, der den Kopf nicht senkt, der dich sieht und sucht. Da muss man sehr perfekt arbeiten, sich mit der muleta decken, der toro „malo“ ist der intelligente Stier.

Donnerstag, 9. Januar 2014

Europa und der Stier (1.Teil)

Gedanken zum europäischen Umgang mit der mundo de los toros
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von Torodora Gorges


Wer das Thema, ob nun Stierkampf oder corrida de toros genannt, grundsätzlich ablehnt, braucht nicht weiter zu lesen. Kein Gegner soll für den Stierkampf gewonnen oder in seiner gegnerischen Position erschüttert werden. Es geht nicht darum, ihn gegen seine Kritiker zu verteidigen und zu rechtfertigen.


Nach der antiken Mythologie ist die Gestalt Europas mit dem Stier verbunden. Im kollektiven Unbewussten stellen der Stier und Europa eine Einheit dar, die sich über die darstellenden Künste vermittelt hat. Ich möchte mit dem Buch Morante de la Puebla - Torero dafür eintreten, dass der Stierkampf in den Regionen Europas erhalten wird, wo er traditionell schon immer beheimatet war, aber jetzt vom Verbot bedroht ist.

Die wachsende Einheit des modernen Europa in Form der Europäischen Union könnte – so sieht es derzeit aus - die zunehmende Trennung der mythologisch-symbolischen Verbindung zwischen
Europa und dem Stier zur Folge haben: Das moderne Europa, den Vorstellungen „politischer Korrektheit“ verpflichtet, ist dabei, sich zu entmythologisieren und sieht sich zum Verzicht auf den Stier-Kampf genötigt, gleichzeitig aber – und nicht bedacht - zum Verzicht auf den Kampf-Stier.

Henry de Montherlant
Ich vertrete die Ansicht, dass Europa durch ein Verbot des Stierkampfs an kultureller Vielfalt verliert. Wie der französische Romancier Henry de Montherlant 1926 argwöhnt: „Man hat es darauf abgesehen, durch die Vernichtung des Stierkampfs die Einheit der spanischen Seele zu vernichten“, so fürchten die Anhänger der fiesta nacional immer wieder, dass mit der Zerstörung der Tauromachie die Kultur Spaniens zerfallen könnte. Seitens der Befürworter bemüht man sich in jüngerer Zeit um die Anerkennung der Tauromachie als Bestandteil des Weltkulturerbes. Für sie ist die fiesta de toros von der Kultur des Landes nicht zu trennen. Ginge es nach den Vorstellungen der Vertreter „politischer Korrektheit“, so wäre sie innerhalb der Europäischen Union vermutlich längst verboten worden, und Europa hätte an kultureller Vielfalt und Diversität verloren.

Das umstrittene Thema lässt keine vorurteilsfreie Diskussion zu. Abgründe trennen die Gegenspieler. Die ewig gleiche Wiederholung altbekannter Argumente macht sie für die Kontrahenten nicht überzeugender! Wer in der Tauromachie nur sadistische Tierquälerei und Brutalität zu sehen bereit ist, bleibt verschlossen für andere Meinungen. Mit griffigen Slogans proklamieren die Gegner die für sie unversöhnlichen Widersprüche der Tauromachie: „La tortura no es arte ni cultura!“ (Die Tortur ist weder Kunst noch Kultur) oder „Si la tauromaquia es arte, el canibalismo es gastronomía!“ (Wenn die Tauromachie Kunst ist, dann ist Kannibalismus Gastronomie!).

Tierschützer machen sich zunehmend in den traditionellen europäischen „Stierkampfländern“ Spanien, Frankreich, Portugal, ebenso wie in den Ländern Mittel- und Südamerikas gegen den Stierkampf stark. Bislang ohne Erfolg. Durch eine in Brüssel Anfang Juni 2008 getroffene Entscheidung ist der Erhalt der fiesta de toros in den Ländern Europas mit Stierkampftradition vorläufig gesichert.

Einige katalanische Orte hatten sich bereits in den vergangenen Jahren zu „stierkampffreien Zonen“ deklariert, ohne nennenswerte Kontroversen damit auszulösen. Gegen das Ende der fiesta de toros in Barcelona, der Stadt mit der zweitgrößten plaza de toros, erheben sich gegenwärtig jedoch heftige Proteste. Das antitaurinische Klima Kataloniens entspreche nicht einer größeren Tierliebe, meinen die spanischen Befürworter der corrida de toros. Zu verstehen sei deren Ablehnung nur im Zusammenhang mit der separatistischen Politik der Katalanen und ihrem Argwohn gegenüber dem traditionalistischen „zentralistischen Spanien“.

Verteidigt wird die fiesta nacional zunehmend seitens einer „Internationale“ von europäischen und außereuropäischen Anhängern der Tauromachie. In den vergangenen Monaten (Stand März 2010) erfuhr die spanische „Welt der Stiere“ mediale Unterstützung zum Beispiel seitens der „New York Times“ und „La Repubblica“, die sich detailliert mit der innerspanischen Kontroverse beschäftigten und für den Erhalt der fiesta de toros eintraten. Auch die Artikel der deutschen „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ tragen in der Regel durch ihre objektive und unpolemische Berichterstattung zur Aufklärung ihrer Leser bei.

Die deutsche Autorin dieser Zeilen zählt sich zu dieser „Internationale“ der afición a lostoros und betont mit Nachdruck, dass es keineswegs ihr Anliegen ist, Stierkampfgegnern – antitaurinos – die eigene befürwortende Position verständlich zu machen oder nahe zu bringen. Genauso wenig will sie neugierige Leser, die sich an diese Lektüre heranwagen, zu Anhängern der fiesta de toros bekehren.

Ernest Hemingway und der Stierkampf
Jahr für Jahr werden wissenschaftliche oder literarische Werke auf dem Gebiet der „Welt der Stiere“ neu verlegt. Schon Ernest Hemingway sprach von mehr als zweitausend spanischen Büchern und Broschüren, auf die er sich bei der Veröffentlichung seines inzwischen klassischen Werkes „Tod am Nachmittag“, 1932,beziehen konnte. Unter diesem Titel eroberte Hemingways Buch den englischsprachigen Raum. Seine Übersetzung in viele Sprachen verschaffte der Kunst der Tauromachie globale Verbreitung und Bedeutung. Auch im Deutschen wurde HemingwaysTod am Nachmittag“ zum Synonym für das Ritual des Stierkampfs. Die Übersetzung erschien 1957, also in einer Zeit, als der deutsche Spanien-Tourismus seinen Aufschwung nahm.

Aber schon davor, im ausgehenden 19. und frühen 20.Jahrhundert hatten sich Reisende in Spanien für die fiesta de toros interessiert, sich entweder von den „blutigen Volksfesten“ abgestoßen oder vom exotischen Reiz angezogen gefühlt. Als „Stiergefechte“ bezeichnete man um diese Zeit noch die Konfrontation von Mensch und Tier. Kulturkritiker setzten sich mit dem „anstößigen“ Thema
auseinander. Literaten, Musiker und Maler ließen sich in ihren Kunstwerken sowohl vom folkloristischen Element wie vom tödlichen Mythos inspirieren. „Carmen“, nach Prosper Mérimées Novelle von Georges Bizet vertont, ist eines der bekanntesten Beispiele.

Der Stier als Symbol fand Eingang in die Sprache des Alltags und wurde zum Sinnbild dunkler Kräfte in kulturellen und politischen Auseinandersetzungen. Für die einen repräsentierte er ungebundene Lebenskraft und Leidenschaft, für die anderen dagegen eine den Zivilisationsprozess bedrohende Macht. Ich gehe davon aus, dass ihre potentiellen Leser sich mit einem gewissen Bestand an Vorbehalten dem „prekären“ Thema nähern. Unvoreingenommenheit oder gar Neutralität sind nicht vorauszusetzen, wissbegierige Neugier einem befremdenden kulturellen Phänomen gegenüber schon eher. Bei den meisten Menschen, die sich nicht von vornherein einem möglichen inneren Konflikt durch totale Abwehr verschließen, bleibt der Zugang zur Welt der Tauromachie solange ein theoretischer, ein intellektueller, bis sie zum ersten Mal mit dieser Welt, dem mundo de los toros, in unmittelbaren Kontakt kommen. Sei es, dass sie als Zuschauer direkt an einer corrida de toros teilnehmen – oder indirekt an deren medialen Übertragung.

Die Erschütterung über das, was gesehen und erlebt wird, greift tief ins Unbewusste, man kann sich ihrer nicht erwehren. Viele Menschen treffen daraufhin die Entscheidung, sich von dieser als grausam empfundenen Welt in Zukunft fern zu halten; sie wählen die Eindeutigkeit. Andere, trotz ihrer ebenso tiefen Erschütterung, vermeiden eine prinzipielle Tabuisierung dieser Welt. Das Befremdende, das Unverstandene in Form des Archaischen hat sie erfasst und beschäftigt sie innerlich weiter. Diejenigen, die sich von dem Geschehen einfangen und berühren lassen, fühlen sich in einen Zustand innerer Zerrissenheit versetzt.

Eine Barbarei!“, so schreibt Kurt Tucholsky nach dem Besuch einer corrida in Südfrankreich. „Aber wenn sie morgen wieder ist: ich gehe wieder hin“. Die Ambivalenz, die Tucholsky 1927 in seinem Pyrenäenbuch kurz und handfest auf den Begriff bringt, wird von allen geteilt, die sich dem kultischen Charakter der Interaktion zwischen Mensch und Stier nicht verschließen, die sich affizieren lassen. Obwohl die ambivalenten Gefühle den meisten Stierkampfanhängern weitgehend unbewusst bleiben, spielt der abgewehrte Zwiespalt zwischen ethischen Überzeugungen und dem mystischen und irrationalen Reiz des archaischen Todesrituals immer wieder eine Rolle im Erleben der aficionadosa los toros.

Das spanische Wort afición beinhaltet mehr als Affinität, es ist mit Zuneigung und Liebe zu übersetzen. Die afición a los toros ist dieLiebe zu den Stieren. Die aficionados wenden sich dem Objekt ihrer Liebe immer wieder neu zu, können nicht davon lassen, folgen einer Art von Wiederholungszwang. Manche Beobachter gehen noch weiter in ihrer Beurteilung: „Die Liebenden wie die aficionados sind keine Gelegenheitskonsumenten, sondern Süchtige“, heißt es in einer 1986 erschienenen kulturanalytischen Interpretation der corrida de toros, auf die in meinem Buch über die Biografie von Morante de la Puebla noch näher eingegangen wird.

Phänomene der Sucht lassen sich bei allen Menschen beobachten, die sich mit Leidenschaft einer Sache, einer „Liebhaberei“ hingeben. Die sich zu ihrer afición bekennende Verfasserin nahm die beschriebenen Gefühle der Ambivalenz ebenso wie die zuletzt erwähnten „süchtigen Anteile“ staunend an der eigenen Person wahr. Sie beschreibt ihre ganz persönliche Annäherung an die spanische fiesta de toros, ihre neugierigen Versuche, eine komplexe fremde Welt zu durchdringen und sich allmählich anzueignen. Sie setzt an konkreten Erfahrungen an und vermeidet eine abstrakte Diskussion.

„Material“ ihrer Überlegungen liefern zum einen ihre eigenen, subjektiven Erfahrungen, und zum anderen ihre Konzentration vor allem auf den exemplarischen Lebenslauf eines toreros, der mit seiner Karriere seit über einer Dekade den „mundo taurino“ in Atem hält: José Antonio Morante Camacho „Morante de la Puebla“

Dass die Autorin gerade diesen torero in den Fokus ihrer Abhandlung stellt, ist weniger in der „Berühmtheit“, der Prominenz, dieser faszinierenden Figur begründet. Seiner Kunst, seinem irrationalen Zauber – dem embrujo- liegen die „morantistas“ zu Füßen, zu denen sich auch die Autorin zählt. Die besondere Aufmerksamkeit, die sie dem sensiblen Künstler-Torero widmet, ist seiner biographischen Entwicklung geschuldet, die stärker als vergleichbare professionelle Werdegänge Einblick in die Psychodynamik einer Torero-Persönlichkeit bietet. Sein einzigartiger Werdegang steht im Fokus der Reflexionen der Autorin, die mit hinreichender Distanz auf
psychoanalytischem Hintergrund Bewunderung und Respekt für die „fiesta más culta“am Beispiel Morante de la Pueblas zum Ausdruck bringt.

Die Autorin ist überzeugt: Im Stierkampf wird ein Drama inszeniert, das sich in seiner Irrrationalität jeder rationalen Erklärung entzieht. Einer durchrationalisierten Gesellschaft muss dieses kulturelle Phänomen daher zunehmend zum Ärgernis werden. Man könnte sagen: Unsere Gesellschaft ist dabei, sich zu Tode aufzuklären.
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Quellennachweise:
Morante de la Puebla - Torero, Torodora Gorges, Vorwort, Frankfurt 2010
Gunzelin Schmid Noerr/Annelinde Eggert, Aufsatz aus: Kultur-Analysen, Frankfurt, 1986

Mittwoch, 8. Januar 2014

El callejón

Über den Gang zwischen dem Publikum und dem ruedo
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von Philip de Málaga




Zwischen dem Publikum in den tendidos und dem ruedo befindet sich ein Gang. Der so genannte callejón. Dieser grenzt an die erste Zuschauerreihe, der barrera. Denselben Namen trägt auch die hölzerne Wand, die den callejón vom ruedo trennt. In ihr befinden sich je nach Grösse der plaza de toros drei bis maximal fünf Zugänge zum ruedo, welche wiederum durch eine hölzerne Wand, dem burladero geschützt sind. Auch die hölzernen Wände im callejón nennen sich burladero, genaue Bezeichnung ist burladero de callejón. Hinter diesen befinden sich Ärzte, empresarios, apoderados, prominente Gäste, Politiker, die Polizei und sonstige Angestellte der plaza. Die optimale Breite sollte in der Regel zwei Meter sein, es gibt aber plazas wo der callejón gerade eineinhalb Meter breit ist.

Was viele heute kaum wissen, der callejón ist eigentlich eher eine Erfindung späterer Zeit. Früher zu Beginn der Geschichte der tauromaquia in den ersten Epochen des toreo hatten die toreros keine Möglichkeit vor den toros zu flüchten. Wenn damals auf den plaza mayores ein toro sie im Visier hatte, mussten sie alle Kunstfertigkeit einsetzen, um ihr Leben zu retten. Und dann kam schliesslich als erster Schutz der burladero. In der Literatur über das toreo wird dieser Schutzwall sehr differenziert betrachtet. Zum einen stellt man sich die Frage, sollte ein torero überhaupt die Möglichkeit, bzw. das Recht haben vor einem toro zu flüchten? Ist es nicht eher eine feige Handlung des toreros sich hinter dem burladero zu verstecken? Sozusagen die Kurve vor der Gefahr zu kratzen? 

Dann später erst kam der callejón. Aber ohne burladero. Wenn ein torero vor einem toro flüchten wollte, musste er mit einem eleganten Sprung die barrera überwinden.

Im Buch von José Antonio del Moral kann man die These nachlesen, dass die Anzahl der burladeros die traditionelle lidia negativ beeinflussen würde. Die Aussage ist klar und deutlich. Ein matador hat sich dem toro zu stellen. Es ist seine Aufgabe die menschliche Überlegenheit darzustellen. Dominanz zu zeigen. Begleitet mit künstlerischen Elementen. Und eben nicht mit der Möglichkeit einer Flucht in eine Zone die der toro nur mit grossem Aufwand erreichen kann.

So gross der toro auch sein mag, mann sollte sich ihm stellen und nicht die Flucht antreten.
(Foto und Text: Aficionados prácticos aus Málaga)

Dienstag, 7. Januar 2014

Quite de Ronda

Über eine Serie von Manövern mit dem capote und einer Poesie
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von Colin Ernst 


Auf meinen Streifzügen durch die Welt der tauromaquia, stieß ich auf einen spektakulären quite. Kreiert von Antonio Ordoñez. Er ist lang, und nicht leicht auszuführen, vor allem braucht es einen Stier, der mit alegría auf die capa reagiert. Der "quite de Ronda", von Ordoñez zuerst gezeigt, ist eine Abfolge von largas cambiadas, aforaladas, gemeinsam mit einer oder mehreren gaoneras. Zum ersten Mal sah ich diesen quite bei einer corrida mit Morante de la Puebla und Cayetano Rivera Ordoñez, dem Enkel des "Erfinders". Nachdem Morante mit seinen veronicas, chicuelinas und media veronicas das Publikum grade zu hypnotisiert hatte, wollte der Enkel des Ordoñez und Sohn des Paquirri, diesem in nichts nachstehen. Die tendidos bebten vor lauter Applaus und ole's. Was steckt hinter diesem speziellen quite? Die largas cambiadas, ebenso wie die faroles und die gaoneras sind suertes, wobei die capa in weiten Schwüngen um den Körper des toreros herumgeführt werden. Das besondere, bei der gaonera ist, das die capa hinter dem Rücken gehalten wird. Passiert der Stier, dreht man sich im selben Moment um, ähnlich wie bei den chicuelinas, nur das man die capa im Rücken hat. Rodolfo Gaona (1888-1925) zeigte sie mit einem toro der ganadería Benjumea in Las Ventas um 1910 zum ersten Mal in Spanien. Angeblich hat Gaona dieses Manöver nicht selbst kreiert, sondern der banderillero "Ojito". Heute kann jeder gelehrige toreroschüler afaroladasgaoneras und largas cambiadas ausführen, das ist nicht das Problem. Aber der Teufel liegt im Detail, denn mit einem zögerlichen Stier, einem toro suelto oder gar parado, lässt sich nicht eine dieser suertes ausführen. Um, wie beim quite de Ronda, eine ganze Serie aus zu führen, braucht man einen toro, der wieder und wieder auf das Tuch losgeht. Nach dem Abschied von Joselito, den Brüdern Rivera Ordoñez, dem Ausbleiben von José Tomás, ist Morante de la Puebla der Einzige, der, mit passendem Stier, den quite de Ronda in all seiner Schönheit zeigen könnte.

Fue tal el impacto que causó en España  " El Indio" que el poeta Gerardo Diego le dedicó un poema precioso:

Final poético; ein poetisches Finale:

“...El nuevo Martín Lutero
ya se estira y se apersona
y se estiliza, altanero
Qué elegancia de torero
La de Rodolfo Gaona
Pues su quiebro de rodillas
y su larga y su verónica
su tercio de banderillas
merecen no estas quintillas
Otro Bernal y otra Crónica
Lámina pura de oro
flexible, sonora, huera
riza y desriza ante el toro
el azteca meteoro
de la sagrada gaonera...

Montag, 6. Januar 2014

Literatur als Stierkampf




von Michel Leiris
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eingestellt von Dr. Andreas Krumbein



(Foto: Anya Bartels)
„Ganz allgemein lässt sich sagen, die Stierkampfregel verfolge einen hauptsächlichen Sinn: nicht nur verpflichtet sie den Menschen, sich ernstlich in Gefahr zu bringen (und waffnet ihn zugleich mit einer unentbehrlichen Technik), verpflichtet ihn also, sich nicht auf beliebige Weise seines Gegners zu entledigen und verhindert, daß der Kampf in ein bloßes Abschlachten ausartet; so haarspalterisch wie ein Ritual, bietet sie einen taktischen Aspekt (das Tier so weit zu bringen, dass es den Todesstoß empfangen kann, ohne es jedoch mehr als nötig ermüdet zu haben), aber sie bietet auch einen ästhetischen Aspekt: im gleichen Maße wie der Mensch ‚sich profiliert’, wenn er seinen Degenstoß verabreicht, wird dieser Anspruch in seiner Haltung liegen; im gleichen Maße, wie seine Füße unbeweglich bleiben, während die capa sich langsam bewegt, im Ablauf einer Folge abgezirkelter und eng miteinander verbundener Ausfälle, wird er mit dem Tier zusammen diese blendende Komposition bilden, wo Mensch, Mantelstoff und schwer gehörnte Masse durch ein Spiel gegenseitiger Einwirkungen miteinander vereinigt scheinen: alles trägt dazu bei, kurz gesagt, dem Aufeinanderprall des Stieres und des toreros einen skulpturalen Charakter aufzuprägen.“ 

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Quellennachweis:
Michel Leiris: Literatur als Stierkampf 
Seite 7-22 in: Mannesalter, Band 427 der Bibliothek 
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1975, ISBN 3-518-01427-7

Sonntag, 5. Januar 2014

Posada de Maravillas: 10 Fragen 10





mit Posada de Maravillas
(Fotos: mundotoro)

Schon sein Künstlername spricht aus, was man von diesem torero erwarten kann. De maravilla, dass steht für spitzenmässig. Schon bei seinem Debut mit picadores in Olivenza im März diesen Jahres erlangte er vier orejas, einen rabo und sogar einen indulto. Juan Luis Ambel Barranco, im Februar 1994 in Badajoz geboren, gehört ohne Frage zu den führenden figuras unter den novilleros in den plaza de toros der Provonvinzhauptstädte. Bei 22 festejos mit 43 reses erlangte er 34 orejas und einen rabo. Bei elf faenes konnte er dos orejas erobern. Nun stellt sich Posada de Maravillas den 10 Fragen 10 von mundotoro:


1.Wie würdest Du am besten die derzeitige Krise geradebiegen?

Man sollte das ganze System der mundo de los toros neu strukturieren.

2. Dein Lieblingsrezept?

Lamm a la Varga.


3. Dein Traum-cartel?

Juan Posada, Antonio Posada, Santiago Posada, Finito de Cordoba und ich, damit es mir gut geht.

4. Bist Du ein Freak von etwas?

Aktuelle Musik: Miley Cyrus, Justin Bieber, ...


5. Was stört Dich am meisten?

Das sie uns als veraltet bezeichnen, sogar Mörder nennen.

6. Welche Zeichentrickfilme gefallen Dir am besten?

Los Simpsons.



7. Ein Bekenntnis?

Vor einer corrida einen pikanten Film zu sehen. Oder ein Video von Michael Jackson.

8. Was scheint Dir lächerlich?

Die taurinos die sich nicht wirklich für die fiesta einsetzen.


9. Wie rufen sie Dich?

Peluca.

10. Was hat Dir selbst in dieser temporada gefehlt?

Mit einem toro in Valencia zurechtzukommen. 


Samstag, 4. Januar 2014

Der gute Stierkampf ...




von Pierre Imhasly


"Der gute Stierkampf ist alter Wein. 
Man muss ihn langsam und mit Gaumen trinken. 
Die corrida ist eine Tragödie, 
die für den Mann die Gefahr bringt. 
Todesgefahr, 
dem toro aber den sicheren Tod. 
Der Tod des Mannes ist ein Unfall. 

Schauspiel, Ritual, Mysterium, Magie, Kunst; 
grosse Worte für das bisschen fiesta
für ein bisschen  Emotion. 
Doch die grosse Emotion 
ist das Endprodukt aller Kunst, 
auch der mit kleinen Worten."

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Quellennachweis:
Corrida. Der spanische Stier und sein Fest, Pierre Imhasly
Edition Erpf, Bern, 1982

Freitag, 3. Januar 2014

Die heilige Verónica


Jede corrida wird mit einer Heiligen begonnen
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von Philip de Málaga


Es ist wohl das bekannteste und in der Regel auch eines der ersten Manöver die ein matador mit dem toro vollführt. Wer diese suerte nicht beherrscht, der brauch gar nicht erst im ruedo antreten. Dabei tritt der torero dem Stier mit der capa entgegen. Bei der capa handelt es sich um einen zweifarbigen Cape, einem außen rosa gefärbten und innen gelben Umhang, der normalerweise mit beiden Händen gehalten und geführt wird. Der Name capa wird von capote abgeleitet und im Cossío, dem spanischen Brockhaus für Stierkampf findet sich die Erklärung: Instrumento de torear ... para burlar y torear al toro. Ein Instrument des Stierkampfes um den Stier zu täuschen und um mit dem Stier zu arbeiten. Wobei das Wort torear absolut vielseitig übersetzt werden kann. Denn neben mit dem Stier zu kämpfen, steht es für provozierenbelästigen aber auch verspotten. Im besagten Cossío verweist man erst einmal auf ein anderes Wort: Lidear los toros en la plaza. Lidear bedeutet, mit einem toro suertes durchzuführen. Und schliesslich: Acción de dar al toro lidia. Also eine Tätigkeit mit dem toro im Rahmen einer lidia, der Gesamtheit aller auszuführenden Figuren mit einem toro während eines Stierkampfes.

Und was hat das bis jetzt mit der Heiligen Verónica zu tun? Wenn ein toro das Rund einer plaza de toros betritt, wird er meistens vom matador mit einer Serie von veronicas empfangen. Dabei hält der torero die capa mit beiden Händen frontal zum toro und versucht ihn zu locken um ihn an sich vorbei führen zu können. Es ist das erste Manöver wo der matador mit beiden Füssen fest auf dem Boden steht, ohne sich zu bewegen, mit der capa der den toro zu empfangen, um diesen in einer eleganten Bewegung um sich herum zu führen. Es ist die erste suerte, wo der matador den toro beherrscht.
Ein torero lockt den toro mit der capa
Der torero führt den toro an sich heran
Der torero führt den toro an sich vorbei

El Greco: Die Heilige Verónica (um 1580)
Jenes Manöver nennt man verónica. Ein jeder der in irgend einer Weise mit dem Stierkampf konfrontiert ist hat diesen Namen schon mal gehört. Nach irgendeiner Heiligen benannt, und die ganz Schlauen wissen sogar etwas von einem Schweisstuch zu berichten. Und es stimmt

Die Figur trägt den Namen nach der Heiligen Veronica, einer angeblichen Jüngerin von Jesu Christi, obwohl nicht sicher ist, ob sie überhaupt existiert hat. Auf seinem Kreuzweg soll sie Jesu ein Schweisstuch mit beiden Händen in der Art gereicht haben, wie eben jenes Manöver der toreros ausgeführt wird. So zumindest stellt es sich in zahlreichen Kunstwerken dar.

"Costillares"
Die Erfindung des Manöver der verónica wird Joaquín Rodríguez, bekannt unter dem Namen Costillares (1746 - 1799), zugeschrieben. Überhaupt war er der erste torero der begann mit capa und muleta die ersten kunstvollen Manöver zu vollführen. Die Namensgebung ist aber von José Degado "Pepe Hillo" (1754 - 1801) erfolgt, der diese Figur in seiner tauromaquia von 1796 erstmals schriftlich festhält.



Der spanische matador de toros Enrique Ponce in Mexiko mit einigen verónicas


 

Abschließend sei festgestellt, dass sich die verónica selbstverständlich auch in ein Verb konvertieren lässt, veroniquearRegaterín tuvo una gran tarde, hasta como torero, pues veroniqueó superiormente. (Regaterín hatte einen grossen Nachmittag, vollendet als ein torero, seine veronicas auf höchstem Niveau.)

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Quellennachweise:
  • COSSIO, Band 1, Espasa Calpe S.A., 2007
  • CINCO LUSTROS DEL TOREO, José D. De Quijano (Don Quijote), Ediciones de "La Fiesta Brava" Barcelona 1933
  • EL ARTE DE TOREAR, José Delgado "Pepe Hillo", 1796:
Pepe Hillo
“La Verónica: Esta es la que se hace de cara al Toro , situandose el Diestro en la rectitud de su terreno . Es la mas lucida , y segura que se executa ; y sus reglas son áproporcion de los Toros . El Franco ,Boyante , Sencillo ó Claro que todo es uno, se debe dexar venir por su terreno, y quando llegue á jurisdiccion cargarle la Suerte y sacarla , y hasta este acto , parará el Diestro los pies para lograr echarle quantas suertes quiera, procurando siempre que quede la Res derecha y no atravesada . Si estos Toros tienen muchas piernas deberá el Diestro situarse á bastante distancia ,a la Suerte, porque siempre pueden rematarla , pero sí carecen de ellas se han de citar sobre corto ,de forma que rematen y hagan suerte; y si no ,sucede muy de continuo que se quedan por falta de piernas antes de llegar á el engaño , o en el centro, y entonces puede peligrar el Diestro”

Donnerstag, 2. Januar 2014

José Garrido: 10 Fragen 10




mit José Garrido
(Fotos: mundotoro)


Unter den novilleros zählt dieser torero wohl zu den grossen Aspiranten und alle Experten der Szene taurina sind sich einig, dass er eine grosse Zukunft vor sich hat. Er konnte in der temporada 2013 durchweg überzeugen und sein Höhepunkt war der indulto des toros Soñador in Arganda de Ley (20 Kilometer von Madrid). Im letzten Jahr konnte der im Jahr 1993 in Badajoz geborene torero mit 52 reses 51 orejas und 4 rabos als trofeos erobern. Zwei indultos begleiteten seine temporada. Nun stellt sich der junge maestro den 10 Fragen 10 von mundotoro:


1.Wie würdest Du am besten die derzeitige Krise geradebiegen?

Pff, nicht die leiseste Ahnung. Ich bin einfach in der politischen Ebene nicht involviert um da mitreden zu können.

2. Dein Lieblingsrezept?

Gerade das, was man zum Überleben benötigt. Was ich allerdings am liebsten esse sind Spiegeleier mit Pommes.


3. Dein Traum-cartel?

Paco Ojeda, Manzanares (der Vater) und José Garrido.

4. Bist Du ein Freak von etwas?

Belästigung und Menschen zu ärgern.


5. Was stört Dich am meisten?

Wenn man man mich frühmorgens anspricht.

6. Welche Zeichentrickfilme gefallen Dir am besten?

Los Simpsons.


7. Ein Bekenntnis?

Frag mich das später ... Schweigen ist hier die bessere Antwort, hahaha.

8. Was scheint Dir lächerlich?

Wenn man gegen etwas protestiert, was man  nicht mal in seiner Integrität oder in seiner Philosophie kennt.


9. Wie rufen sie Dich?

Schon immer José.

10. Was hat Dir selbst in dieser temporada gefehlt?

Ich denke ich hatte eine gute temporada. Manchmal habe ich mit dem espada versagt, wie zum Beispiel in Málaga, aber es war für mich ein gutes Jahr.