Mittwoch, 10. September 2014

Das erste Mal (8. Teil)

HINWEIS: Die blau-kursiven spanischen Fach-Begriffe
sind mit dem deutschsprachigen Lexikon des Stierkampfs verlinkt.

Wer das erste Mal einen Stierkampf besucht sollte gewisse Punkte bedenken

8. Teil: Das erste Drittel und die quites
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von Philip de Málaga


(Foto: Dr. Andreas Krumbein)


Nachdem der toro nun aufgefordert worden ist den picador anzugreifen, und dementsprechend das Pferd attackiert hat liegt es nun an dem matador den toro wieder vom picador wegzuführen. Dieses Manöver nennt man eine quite. Das Worte quite kommt von quitar, weglocken, beseitigen. Dabei soll der matador jedoch den toro nicht nur vom picador wegführen sondern es mit eleganten Manövern verbinden. Für viele aficionados eines der wichtigsten Teile einer corrida, weil man vor allem daran die bravura des entsprechenden toros erkennen kann, und es sich auch erahnen lässt, in welchem konditionellem wie mutigen Zustand sich der matador befindet.

Verónica

Bei den quites gibt es mehrere Manöver. Mit dem ersten, der verónica ist der vertraute SfA-Leser schon im 6. Kapitel (Der Auftritt des Matadores und die Verónica) konfrontiert worden, wo der matador den toro das erste Mal empfängt.

Media verónica

Besonders elegant ist es dann, wenn diese Serie der verónicas mit einer media verónica beendet wird. Dabei stellt sich der matador vor den toro, lässt die capa aber nicht elegant durchschwingen, sondern bleibt frontal stehen, bricht diesen Vorgang ab, und schwingt die capa in dem Moment wo der Stier den matador passiert, elegant hinter den Rücken, womit er den toro ins Leere laufen lässt.

Der matador de toros Morante de la Puebla ein maestro der media verónica.
(Foto: mundotoro)
Chicuelina

(Foto: mundotoro)



Ein weiteres sehr populäres Manöver für die aficionados ist die chicuelina. Dabei erwartet der matador mit ausgebreiteter capa den Angriff des toros entgegengesetzt dreht sich um sich selbst und wickelt die capa um sich, während der Stier passiert und ins Leere läuft. Benannt wurde dieses Manöver nach dem matador de toros Manuel Jiménez "Chicuelo" (1902 bis 1967). Unten im Video sieht man den maestro José Tomás mit einer Serie von chicuelinas




Rebolera

Beendet werden solche Serien von chicuelinas in der Regel mit einer rebolera. Dabei schwingt der matador die capa lediglich mit einer Hand seitlich um seinen Körper, um auch hier den toro ins Leere laufen zu lasen.

(Foto: mundotoro)
Farol

Als nächstes Manöver findet sich die farol. Die Beschreibungen zu diesem Manöver variieren. In der tauromaquia des matadores de toros  Rafael Guerra "Guerrita" (1862 bis 1941) wird der farol wie folgt beschrieben: "Der toro wird wie bei einer verónica empfangen. Nähert er sich jedoch dem torero reisst dieser die capa über die Schulter und schwingt sie über den Kopf."


Gaonera

Eine andere Form den toro zu empfangen nennt sich gaonera. Dabei hält der matador die capa mit beiden Händen hinter seinem Rücken und lässt dann den angreifenden toro jeweils unter einem Arm durch die capa passieren. Erfinder dieser Figur ist der Mexikaner Rudolfo Gaona (1888 bis 1975).


Larga natural por alto

Ein Manöver bei dem der matador die capa lediglich mit einer Hand um sich führt. Im Gegensatz zur rebolera wird diese Figur in die Länge gezogen, damit der toro der capa für weitere Manöver weiterhin folgen kann.


Navarra

Bei der navarra handelt es sich um eine Variante der verónica, wobei der matador de toros dem Stier, meist mit geschlossenen Beinen, frontal begegnet, aber bei der Ausführung des Manövers die Haltung beibehält, also sich nicht seitlich zum toro positioniert, während dieser passiert.

Francisco Luis Espla bei der Durchführung einer navarra.

Die letzte quite wird in der Regel stets von jenem matador ausgeführt, der gegen den nächsten toro antritt.

Gewiss gibt es noch weitere Manöver die mit der capa als quite durchgeführt werden können. Den Phantasien der matadores sind da kaum Grenzen gesetzt. 

In einer plaza de toros der ersten categoría sollte ein toro den picador drei Mal angreifen. In den zweiten und dritten categorías zwei Mal. Jedoch hat der matador jedes Mal die Möglichkeit ein weiteres Eingreifen des picadores zu verhindern, um den toro nicht zu sehr zu verletzten, damit gewährleistet werden kann eine gute faena durchzuführen. Die Aufforderung zum Abbruch geschieht dadurch,  dass der matador die montera in die Hand nimmt und Richtung palco presidencial zeigt. Vorausgesetzt der presidente stimmt diesem zu, zeigt er das weisse pañuelo.

Kurioses am Rande:

Damals gingen die Kinder singend Hand in Hand durch die Strassen. Dieses Zusammengehen nannte man alimón. Und eben diesem Verhalten gibt es ein Manöver mit der capa, welches jeweils an beiden Enden von einem matador geführt wurde. Diese Vorgehensweise nennt man torear alimón:

(Foto: mundotoro)

Fortsetzung folgt

© Philip de Málaga
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Die Serie für Neueinsteiger bei SfA:

3. Teil: Der Präsident

Demnächst:

9. Teil: Das zweite Drittel und die Banderilleros



Mittwoch, 3. September 2014

England und Frankreich stellen gemeinsam in Spanien aus




von Ursula Herzog


André Viard und Andrew Moore zeigen den toro im campo und in der plaza
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Zur Zeit gibt es in der spanischen Hauptstadt Madrid eine Ausstellung von Fotos von Andrew Moore aus Großbritannien und André Viard aus Frankreich. 

Andrew Moore und André Viard
Andrew Moore ist Vizepräsident des CTL (Club Taurino of London) und der ehemalige matador André Viard, Herausgeber der Zeitschriften „Tierras Taurinas“ (in Spanisch) und „Terres Taurines“ in französischer Sprache. 

Der Titel der Ausstellung ist “El toro en el campo y el toro en la plaza”. André Viard zeigt 16 Fotos von kämpfenden Stieren “en el campo”, Andrew Moore 23 Fotos von Stieren im ruedo einer plaza de toros


Ort der Ausstellung ist das Centro Hispano Americano.



Montag, 25. August 2014

José Tomás Puerta grande in Málaga


No hay billetes, die Malagueta wieder ausverkauft hasta la bandera.


Es war längst an der Zeit, das der matador de toros José Tomás in der Malagueta auftrat. In einem mano a mano trat er mit dem wohl besten rejoneador Pablo Hermoso de Mendoza an. Und wenn der maestro Tomás antritt sind die tendidos gefüllt. Man erwartet grosse Leistung. Taurinische Leidenschaft.

Dem ersten toro von Tomás fehlte es an fuerza. Bei der zweiten verónica verlor er sogar den capote. Seine quites führte er mit viel temple aus. In der faena agierte der toro mit erhobenen Kopf und mehr als drei pases waren dem maestro nicht möglich. Und trotz estocada entera aus den tendidos kam lediglich ein silencio.

Aber ein José Tomás wäre kein maestro könnte er seine Leistung nicht steigern und vor allem die toros es zu lassen. Und so war es bei seinem zweiten Stier. Er dominierte mit den verónicas. Zwei kurze puyazos folgten und die quites waren an Eleganz nicht zu übertreffen.

Den  zweiten toro widmete er dem Publikum. Und dann kam sein temple wo er den embrujo in die tendidos übertrug. Die faena perfekt. Temple, die naturales ein Traum, und mit seinen muletazos verstand er es den toro zu dominieren. Toro und torero waren eins. Nach der estocada fiel der toro an der banda. Flamencogesänge in den tendidos und ein oreja für den maestro.


Und dann kam die Gloria. Ein toro castaño mit stolzen 596 Kilo, welche Tomás mit herrlichen verónicas empfing. Mit einem solchen toro mit embestida und transmisión gelang es dem maestro zu zaubern. Besonders die naturales überzeugten, tief geführt, mit temple welche die Emotionen erneut in die tendidos führte. Muletazos largos zeigten Dominanz und eine intensive faena. Alles so perfekt, das eine media estocada ausreichte dos orejas zu bekommen. Und so öffnete sich die puerta grande einem José Tomás. Ein  Moment auf den die afición von Málaga gewartet hat.

Samstag, 23. August 2014

Málaga ausverkauft


Morante de la Puebla kommt und die tendidos in Málaga füllen sich

Picasso hat das ruedo verlassen und Morante kam. Eigentlich war es ein schwieriger Stier. Ein toro protestado. Aber der matador de toros Morante de la Puebla zeigte sich als ein wahrhaftiger torero. Es war Morantes Tag. Mit der capa, die faena alles schien zu gelingen. Morante zeigte temple und gestaltete den toro inválido zur nobleza. Die Emotionen erreichten die tendidos. Mit seinen muletazos liess er das Publikum träumen. Das Parfüm eines Morantes, so betitelte das Magazin Aplausos seine Leistung. Den toro empfing er mit klassischen verónicas und beschloss mit einer chicuelina. Überhaupt, mit beiden toros und torero eine Einheit von templanza. Gerechtfertigt das oreja, trotz media estocada und descabello, bei seinem zweiten toro, obwohl auch dieser toro vom Publikum abgelehnt wurde. Und in den tendidos forderte man das zweite. Und das beweist das Morante den Titel maestro alles andere als verdient hat. Beim ersten gab es nur ein silencio.



Es war der tarde eines Morantes aber auch die anderen matadores konnten überzeugen. Da war ein Manzanares, der widmete seinen letzten toro Morante


Er spielte mit den Distanzen zum toro. Es gelangen ihm wunderbare muletazos largos und seine naturales waren sehenswert. Er versuchte den toro recibiendo zu töten aber zwei weitere media estocadas verhinderten den Triumph  eines orejas.

Aber bei seinem ersten toro war das Glück auf seiner Seite. Ein astifino brachte den maestro dazu zu zaubern. Auf jeder Seite liess er den Stier passieren, die muleta beherrschte er wie kaum ein anderer, vor allem die Eleganz auf der linken Seite. Ein estoconazo brachte ihm das wohlverdiente oreja.



Weniger Glück hatte der maestro Enrique Ponce. Auch er hatte als ersten toro einen astifino. Er folgte zwar der muleta aber nicht den Aufforderungen des matadores. Aber seine Arbeit wurde mit einer ovación belohnt. Der zweite toro betrat mit viel fuerza das ruedo und Ponce gelang es eine klassische faena zu präsentieren. Mit einer schwachen estocada, einem pinchazo verlor er seine premio.

Freitag, 22. August 2014

Keine orejas bei der Picassiana


Wieder geht es in der Malagueta leer aus

Ein Klassiker wurde wieder einmal deklassiert. Die knapp 9.000 Zuschauer in den tendidos wurden wieder einmal enttäuscht. Allen voran der maestro Javier Conde, der die corrida picassiana eröffnete. Seine faena führte er fast ausschliesslich mit derechazos aus von denen sich auch einige sehen liessen. Die Katastrophe endete in einer media estocada und sieben descabellos und ein aviso. Die Antwort aus den tendidos war eindeutig: Silencio. Sein  zweiter toro betrat mit fuerza das ruedo doch Conde konnte mit ihm nichts anfangen. Und als er erneut den descabello benötigte waren pitos die Antwort des Publikums.

Salvador Vega begann seine Arbeit gut. Obwohl der toro inválido erschien empfing ihn der maestro gut mit der capa. Mit der muleta gelangen ihm schöne Manöver doch nach der dritten Serie liess der toro ab und folgte nicht mehr den Aufforderungen des toreros. Die faena wurde zur Unmöglichkeit deklariert. Es war für Vega einfach unmöglich zu glänzen aber das Publikum bewertete seinen Einsatz mit einer ovación. Seinen zweiten toro mit fast sechs Jahren empfing er mit verónicas auf rodillas. Und das war es auch schon. Der toro hielt den Kopf trotz picador recht hoch und es war unmöglich für den matador eine kunstvolle faena zu präsentieren. Palmas.

Ein wenig Licht gab es trotzdem in der Malagueta. Der Sohn des empresarios der plaza de toros von Benalmádena Saúl Jiménez Fortes gelang es ein wenig Emotionen in die tendidos zu übertragen. Seine faena war geprägt von suavidad. Mit temple kam er dem taurinischen Erfolg sehr nahe. Drei naturales liessen die Herzen der Zuschauer in Leidenschaft ziehen. Leider versagte er mit der ersten estocada doch der zweite estoconazo brachte die Euphorie in die tendidos und man forderte ein oreja, dem der presidente nicht zustimmte, weil, die erste estocada nicht sass. Vuelta al ruedo, das Mindeste was dem maestro man gewähren konnte.


Der zweite toro gestaltete sich etwas schwieriger. Ein toro duro. Aber Fortes gab alles und versuchte seiner Rolle als Lokalmatador gerecht zu werden. Besonders bei der faena wollte ihm die transmision nicht so richtig gelingen. Aber die voluntad war zu erkennen. So bekam man einige gute derechazos zu sehen. Aber dieser Einsatz war es nicht wert ein oreja zu bekommen, obwohl dieses vom Publikum gefordert wurde.


Na ja, und jetzt schauen alle auf den die heissen Tage. Heute Morante und morgen José Tomás.

Noch etwas war auffallend, die toreros trugen diesmal keine an Picassos ähnliche Kunstwerke an trajes.

Donnerstag, 21. August 2014

Picasso in der Malagueta


Zur corrida picassiana in der südspanischen Metropole Málaga präsentiert sich der Meister Pablo Picasso selbst. Dreissig Mitarbeiter waren eine lange Nacht beschäftigt die plaza de toros die Malagueta dementsprechend vorzubereiten. Der Künstler Loren aus Málaga hat sie erstellt und ist für die Ausführung verantwortlich.








Und es versteht sich von selbst das matadores de toros aus Málaga diese Picasso gewidmete corrida bestreiten. Es sind die maestros Javier Conde, Salvador Vega und Saúl Jiménez Fortes. Ob wir Javier Conde wieder mal mit einer weissen muleta sehen werden, dass dürfte eine Überraschung bleiben.


Javier Conde mit einer muleta blanca

Dienstag, 19. August 2014

Silencio in Málaga


Über zwei ovaciónes kam der maestro Antonio Ferrera nicht hinaus

Es sollte der erste grosse tarde de toros in der Malagueta werden. Der matador de toros Antonio Ferrera alleine gegen sechs toros der wohl berühmtesten ganadería Spaniens, den Miuras. In der Geschichte der tauromaquia das siebte Mal. Sechs maestros hatten schon vorher die Ehre: 
Und beim "sollte" sollte es wohl auch bleiben. 

Enttäuschende toros der Miuras verhinderten einen triumphalen tarde de toros. Fast alle toros ohne fuerzas, flojos oder einfach nur inválido oder deslucido. Nur der zweite toro, das einzige Exemplar, welches den Titel noble verdiente. Hier ertönten die ersten lauten olés durch die plaza als es Ferrera gelang mit wunderbaren quites zu überzeugen. Leider versagte er mit den banderillas, welches er aber durch seine faena mit der muleta wieder wettmachen konnte. Vor allem seine langen derechazos überzeugten das Publikum. Seine estocada ein wenig trasera aber tödlich. Die pañuelos in den tendidos reichten nicht aus den presidente zu überzeugen.

Überhaupt, dass einzige was bei dieser miurada zu überzeugen verstand waren die tercios de banderillas.
Viel erwartet, wenig erreicht. Mit ein wenig Gnade des presidente
hätte es zumindest zu einem oreja gereicht.
(Foto: mundotoro)

Mittwoch, 13. August 2014

Miuras in Málaga


In Málaga hat es eine ungewöhnliche wie seltene Änderung gegeben. Seit langem treten dort wieder die toros der bekannten ganadería Miura an. Und zwar nicht gegen drei matadores de toros sondern gegen den espada único Antonio Ferrera.


Antonio Ferrera zählt mit seinen 15 Jahren seit seiner alternativa mit Sicherheit zu den toreros veteranos. Vor allem auch deswegen, weil er in allen tercios seine lidia versteht zu dominieren. Er war stets in der Lage ein aufmerksames Publikum für sich zu interessieren. Seine Höhepunkte hatte er gewiss zum Jahresende 2001 in Cali (Kolumbien) wo er Cañonero mit 460 Kilo der ganadería Ernesto González indultado. Seinen zweiten grossen Triumph erlangte er im Mai 2002 in Las Ventas (Madrid) wo es ihm gelang die puerta grande zu öffnen.

Er ist der siebte matador de toros der sich alleine den Miuras vom campo bravo stellt. Warum in Málaga? "Schon seit zwanzig Jahren pflegt meine Familie eine intensive Beziehung zu Málaga. Ein historischer Nachmittag, von dem ich schon immer geträumt habe. Es war eigentlich unvorhersehbar und so ist es für mich ein Privileg dort in der Malagueta antreten zu können. Und das Hauptmotiv war ohne Frage die Herausforderung gegen die schwersten toros im campo bravos antreten zu können."

Málaga, eine feria taurina mit anspruchsvollsten carteles, da muss die Real Maestranza von Sevilla sich was einfallen lassen um nicht ihre Bedeutung in der tauromaquia zu verlieren.