Montag, 13. Oktober 2014

Konfrontation mit dem Tod

Über die Gefahren beim toreo
wenn junge Leute dem Tier gegenüberstehen
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von Torodora Gorges
(Fotos: mundotoro)

Ein torero, ob als Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, riskiert Gesundheit und Leben bei seiner Konfrontation mit dem Stier, dessen Tod er vorbereitet. Regelmässig setzt er sein eigenes Leben aufs Spiel. Um nicht selbst Opfer der Übermacht des Stieres zu werden, muss er deren Schnelligkeit und Stärke, aber auch seine Lernfähigkeit berücksichtigen. Man weiss, dass ein toro innerhalb von kurzer Zeit die Finten Täuschungen der toreros durchschaut hat und "Bescheid weiss" - el toro sabe latín, sagt man im Fachjargon. Man hat deswegen in der corrida einen begrenzten Zeitraum von zwanzig Minuten festgelegt, innerhalb dessen sein Tod erfolgen muss, damit das Leben des toreros nicht durch sein Wissen des Stieres gefährdet wird.

Der toro ist ein guter Beobachter und lernt schnell.
Die wichtigen Gebote für den torero heissen:
Der torero muss durch seinen Einsatz den toro verlangsamen, mässigen und schliesslich führen, dominieren. Mit Hemingways Beschreibung: "Parar los pies: die Füsse stillhalten, während der Stier angreift; templar: das Tuch langsam bewegen; mandar: das Tier mit dem Tuch beherrschen und kontrollieren". Auf welche Weise ein toro diese grundlegenden Aufgaben inszeniert, macht seine "persönliche Note" aus, auch schon in ganz jungen Jahren, wie es zum Beispiel in Videoaufzeichnungen des jugendlichen Morante de la Puebla zu sehen ist.

Parar los pies, den Stier passieren lassen ohne seine Füsse zu bewegen.
Hier mit geschlossenen Beinen.
Der matador de toros Talavante am letzten Samstag in Zaragoza
Immer aufs Neue droht einem torero Gefahr durch eigene Fehler im Umgang mit dem Tier und durch dessen Unberechenbarkeit. Er ist während seiner Arbeit ständig wechselnden Gefühlen - Schrecken, Angst, Freude, Stolz oder Beschämung - unterworfen. Die Furcht vor Versagen und Misserfolg lässt sich vermutlich nur mit grossem Energieaufwand aus dem Bewusstsein ausblenden, ebenso die eigene Todesangst. Sie muss verdrängt und verleugnet werden, wenn sie nicht, wie beim typischen Draufgänger zu beobachten, ins Gegenteil verkehrt wird.

Psychisch werden immense Abwehrleistungen von einem Menschen gefordert, der schon im Jugend- oder gar Kindesalter reale Erfahrungen mit dem Tod und mit dem Töten gemacht hat. Der Akt der Tötung des Stieres am Ende einer corrida de toros ist mit einem festlichen archaischem Opferritus vergleichbar. Das Überich des Menschen, der diesen Tod innerhalb des tradierten Reglements zelebriert, ist durch das Ritual "ent-schuldigt". Sein individuelles Gewissen fühlt sich entlastet durch das Wissen um die kollektive Zustimmung.

Momente welche die toreros fürchten.
Wie aber wird das Töten eines Stieres von einem noch sehr jungen Menschen erlebt? Der österreichische Filmemacher Günther Schweiger befragt einen Jungen, der mit anderen Gleichaltrigen in einer escuela taurina ausgebildet wird, ob es ihm nicht Leid tue, einen Stier zu töten. Er antwortete: "Nein, er muss doch sowieso sterben". Das ist eine Form der Rationalisierung, die dem allgemeinen kindlichen Gefühl von Liebe, Ehrfurcht und Mitleid für das Tier widerspricht. Welche innere Zerrissenheit muss der Junge überwinden, um zum erforderlichen tödlichen Stoss mit dem Degen überzugehen? Kann er die Ambivalenz mit denselben Mechanismen abwehren wie ein "gestandener", erwachsener Mann?

Alumnos in einer escuela taurina, noch ohne Stiere
Von den erfahrenen toreros wissen wir, dass sie die toros seit ihrer Kindheit lieben. In der Zärtlichkeit eines toreros gegenüber dem Stier, in der harmonisch gebundenen Bewegung, drückt sich seine libidinöse Beziehung zu ihm aus. Ich stelle mir vor, dass es während der Laufbahn eines toreros immer wieder zu psychischen Krisen kommen kann, die im Zusammenhang mit seinem inneren Dilemma gegenüber dem Tod des Stieres stehen.

Die Berührung, der Kontakt mit dem Tod.
Die Abwehr des Konflikts kann unter bestimmten Bedingungen im Laufe der Entwicklung eines matadores zusammenbrechen.

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Quellennachweise:

Torodora Gorges, Morante de la Puebla -Torero, Books on Demand GmbH, Norderstedt, 2010
Ernest Hemingway, Death in the Afternoon, Charles Scribner`s Sons, New York, 1932

Sonntag, 12. Oktober 2014

Der Reichsführer wird ohnmächtig

Heinrich Himmler besucht einen Stierkampf in Madrid
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von Philip de Málaga


Bei der Reise in die Vergangenheit entdeckte SfA etwas aus der Zeit des Dritten Reiches. Am  20. Oktober 1940 besuchte der Reichsführer der SS Heinrich Himmler eine corrida de toros in Las Ventas, in der plaza de toros der spanischen Hauptstadt. Dem Mann aus Deutschland wurde ein regelrechtes cartel de lujo geboten: Marcial Lalanda (SfA-Lesern dürfte er mittlerweile bekannt sein), Rafael Ortega "Gallito" und die alternativa von Pepe Luis Vázquez. Ein tarde de toros mit einem No hay billetes. Aber nicht wegen des Besuches aus Deutschland

Auf den carteles wurden die spanischen Señoras und Señoritas aufgefordert sich für diesen tarde entsprechend spanisch mit Schal zu kleiden und mit gut aussehender Frisur. Obwohl es regnete begann die corrida pünktlich um Viertel vor Vier. Und gleich zu Beginn wurde hier mit einer Tradition gebrochen. Der Paso Doble erreichte die tendidos. Nach dem paseillo wurde von der banda taurina die deutsche und spanische Nationalhymne sowie die La Falange gespielt.


Es regnete weiter und trotzdem wurde das espectáculo taurino begonnen. Doch im Laufe der corrida geschah im palco der Nazis etwas höchst Unerwartetes. Der Reichsführer war dermassen entsetzt was er im ruedo zu sehen bekam, ihm wurde schwindelig und schliesslich fiel er in Ohnmacht. Der servicio médico eilte herbei um Himmler wieder auf die Beine zu helfen. Etwas später verurteilte ausgerechnet jene Person, die für eines der grössten Verbrechen gegen die Menschheit verantwortlich ist, die toros als ein verachtenswertes und höchst blutiges Schauspiel. 

Heinrich Himmler und der torero Marcial Lalanda
Es regnete in Strömen weiter und nach dem dritten toro wurde die corrida suspendiert. Wie das Protokoll verlangte, betraten dann die matadores de toros den palco wo ihnen von Himmler deutsche Medaillen und silberne Zigarettenetuis überreicht worden sind.

Himmler sollte noch eine zweite corrida in Bayona (Galizien - oben mittleres Foto links) besuchen. Aus nachvollziehbaren Gründen kam es nicht dazu.

Samstag, 11. Oktober 2014

Mit 34 Peseten zum Millionär

Marcial Lalanda - 1932,  Stierkampf in Alicante
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von Philip de Málaga


Bleiben wir noch ein wenig in der Vergangenheit. Gehen wir zurück in das Jahr 1932. In jenem Jahr ist ein internationaler Bestseller zum Thema der tauromaquia entstanden. Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway veröffentlicht sein Werk "Tod am Nachmittag". Kein angehender aficionado ist zumindest in der Vergangenheit nicht daran vorbei gekommen es zu lesen. Beeindruckend war das damals noch einzigartige "Erklärende Spezialverzeichnis für gewisse Worte, Bedeutungen und Redewendungen die beim Stierkampf verwendet werden" mit über 500 Begriffe. Überhaupt zeigt der 88-seitige Anhang wie intensiv sich Hemingway mit den toros auseinander gesetzt hat. Auf 64 Seiten sind Fotoaufzeichnungen zu sehen.

Zwei Seiten davon widmet er einem besonderen torero. Dem matador de toros Marcial Lalanda del Pino.

Gleich zwei Seiten widmet Hemingway dem torero Marcial Lalanda
Hemingway schrieb über ihn: "Marcial Lalanda, der wissenschaftlichste und fähigste aller toreros der Gegenwart, beobachtet den toro in aller Ruhe, wie er nach einer estocada zusammen bricht." Überhaupt war das temple Ausdruck seiner nüchternen Gelehrtheit im Umgang mit den toros einer seiner grossen Stärken. 

Lalanda noch ein Kind
Lalanda 1903 in Madrid geboren tötete schon mit zehn Jahren in Alameda de la Sagra (Toledo) vor Publikum seine erstes becerro, wo er sein erstes Geld als torero verdiente. Ganze 35 Peseten und 40 Cents. Im selben Jahr trat er ebenfalls in der Provinzhauptstadt Toledo auf, wo er die Kreisverwaltung dermassen beeindruckte, dass diese eine escuela taurina eröffnete um weitere alumnos zu fördern. Mit nur elf Jahren öffnete er seine erste puerta grande bei Madrid, verliess also die plaza de toros auf hombros und es war das erste Mal, dass nun auch die Presse auf ihn aufmerksam geworden ist. Das war im Dezember 1914. Nur das Gesetz verhinderte weitere Erfolge, war es jungen Leuten unter sechzehn Jahren untersagt bei den toros öffentlich anzutreten. So pausierte er für zwei Jahre erst einmal und 1919 zeigte er sich wieder bei becerradas in der Öffentlichkeit, trat dann bei zahlreichen novilladas an bis er am 21. September 1921 in Real Maestranza de Sevilla seine alternativa bestritt. Sein padrino war kein Geringerer als Juan Belmonte und der testigo Chicuelo. Zwar kam er dabei nicht über ovaciones hinaus, aber schon im nächsten Jahr gelang es ihm in den plazas von Valencia, Barcelona und Sevilla zu triumphieren. Und seinem Weg zu einem der grossen maestros stand nichts mehr im Weg. Mit 34 Peseten hat er begonnen und schaffte es als torero zum Millionär.

Lalanda der maestro
Und trotzdem ist er heute der gegenwärtigen afición eher unbekannt. Besonders in Kreisen der nichtspanischen aficionados. Es gibt sehr wenig Filmmaterial über ihn und auch die Literatur hält sich eher bescheiden. Obwohl Lalanda einer der bedeutendsten figuras seiner Zeit wurde. Die Presseberichte hatten sich überschlagen mit Lobeshymnen über ihn. Wo er auftrat gelang es ihm zu überzeugen. In Madrid zum Beispiel trat er im Jahr 1935 zehn Mal an und und erreichte zehn durchschlagende Erfolge.

Sein Mut war unbestritten. Un torero muy valiente! Besonders mit der capa, war er auch häufig die erste Person, welche dem toro begegnete. Den capote verstand er mit grosser Kunstfertigkeit zu schwingen. Toros, mit welchen sich andere toreros schwer taten begegnete er mit Ruhe und Gelassenheit als ob es nichts Einfacheres gäbe als dieses res zu dominieren. Für ihn schien alles fácil zu sein, eine Leichtigkeit, obwohl auch er die schmerzhaften Erfahrungen von cornadas erfahren durfte. Aber auch die konnten ihn nicht abhalten seiner labor weiter nach zu gehen. Wo er antrat war mindestens ein casi lleno immer garantiert. 

Gehen wir nach Alicante und schauen dem maestro ein wenig im ruedo zu:


Dort trat Lalanda am  17. Januar 1932 mit den matadores de toros Manuel Mejías Bienvenida und Domingo Ortega an. Obwohl es recht kalt war, wurde der tarde de toros ein voller Erfolg. Und wie der Zufall es wollte fand SfA ein Video von jenem Nachmittag in Alicante. Die kurioserweise aus Italien stammende Montage (denn der Ablauf entsprach nicht der eigentlichen lidia) wird musikalisch von dem Werk Liebesteid des österreichstämmigen Komponisten und Violinisten Fritz Kreisler begleitet, welcher hier zwei Interpretationen (1930 und 1942) anbietet.


Auch in diesem Video braucht man den Mut und die Dominanz eines Lalandas nicht in Frage zu stellen.
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Quellennachweise:

Ernest Hemingway, Death in the Afternoon, Charles Scribner`s Sons, New York, 1932
COSSÍO, Inventario Biográfico, Band 15, Espasa Calpe S.A., 2007
Cinecittá Luce S. p. A., Rom

Freitag, 10. Oktober 2014

La Joselito: Flamenco und Stierkampf

Über eine ungewöhnliche Taufe
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von Philip de Málaga


Keine Frage, die mundo de los toros und die Welt des Flamencos gehören in Andalusien zusammen. Dabei verkörpert der Flamenco nicht einfach nur Musik und Tanz, sondern eine Lebensphilosophie. Und nicht selten wird dort der Tod selbst oder in ihn hinein getanzt vielleicht aber auch in literarischem Gesang interpretiert. Vor diesem Hintergrund ist es naheliegend, dass die beiden Welten, die toros und der Flamenco irgendwie eng verschmolzen sind. Der Tod, als Ende eines Mysterienspiels verbindet sie.

Und so ist es bei einer corrida flamenca vorgesehen, dass statt des legendären paso doble ein Flamencogesang ertönt, besonders wenn der matador im letzten Drittel den toro auf sein Ende vorbereitet.


Der wohl einer der populärsten matadores de toros Anfang des letzten Jahrhunderts war der maestro José Gómez Ortega mit dem Künstlernamen Joselito "El Gallo" (1895 bis 1920).

Auf der anderen Seite findet sich die Flamencotänzerin Carmen Gomez (1006 bis 1998). Eine Zigeunerin war sie keine, aber den Rhythmus wohl schon im Leibe der Mutter gespürt, so sagte sie. Ihr Vater Rodrigo Acensio hatte den grossen Wunsch ein richtiger torero zu werden, und so spendierte der Bürgermeister zwei kleine becerras, damit er und sein Freund Relampago auf dem Marktplatz üben konnten um Ihr Können unter Beweis zustellen. Doch seinen Freund erwischte es schwer, so schwer, dass er mit seiner zukünftigen Frau Carmen Gomez keine Kinder mehr bekommen konnte. Der Bürgermeister war schockiert und wütend und die torero-Anwärter gaben es auf. Relampago begleitete mit der Gitarre Carmen bei ihren Tänzen und ihr Vater wurde Fischhändler in Barcelona

Sie trat zwar schon an vielen Stätten in Begleitung von grossen Tänzern wie La Macarrona, La Melena, Estampio oder La Tanguera auf, aber ihr fehlte immer noch ein richtiger Künstlername.

Carmen und Relampago besuchten häufig die corrida de toros. In den tendidos sahen sie auch oft den diestro Joselito als Zuschauer sitzen. Dieser steckte ihr manchmal Geld zu. Einmal besuchte er Carmen bei einem Flamencokonzert. Am Ende begab sich Joselito mit einem Sherryglas in der Hand auf die Bühne, leerte den Inhalt über ihren Kopf und sagte: "Du sollst meinen Namen tragen, denn du wirst eines Tages sehr berühmt werden". Ihr Freundin Consuela Reyes, welche sich auch der Kunst des Flamencos widmete reagierte sofort: "Hast du verstanden, du bist soeben auf den Namen Joselito getauft worden, und ab heute sollst du dich so nennen!"


Und so wurde sie getauft, geschaffen und berühmt. Das war 1917. Drei Jahre später wurde Joselito in der plaza de toros von Talavera de la Reina (Toledo) von dem toro Bailador getötet. La Joselito aber tanzte weiter, noch viele Jahre mit tiefer Transmision grösster Trauer um ihren Namensgeber.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Lichteranzüge für Alle

Über den Erwerb von Artikeln aus der Stierkampfszene
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von Philip de Málaga

In der letzten Woche erhielt SfA eine Anfrage eines Lesers, ob man als Privatmann auch die Möglichkeit hat an Accessoires aus der mundo de los toros zu kommen. Selbstverständlich ist das kein Problem. Ob eine muleta mit espada, banderillas oder eine capa, dafür gibt es spezielle Geschäfte in Madrid und Sevilla. Nun kommt nicht ein jeder dorthin, aber man hat auch die Möglichkeit in Onlineshops diese taurinischen Produkte zu erwerben. Ob neu oder aus zweiter Hand, sogar massgeschneiderte traje de luces werden angeboten. So findet man beispielsweise solch ein Produktangebot bei Aplausos unter Tutiendataurina.


Auch das Internetportal mundotoro verfügt über eine Online Boutique: Tiendatoro:


Da stellt sich natürlich die Frage, was macht jemand, der sich selbst, aus welchem Grund auch immer, nicht den toros oder novillos, nicht mal einer becerra gegenüberstellt, mit solchen Artikeln? Der Gedanke zu Dekorationszwecken ist wohl hier der naheliegensde. Das der traje de luces ohne eine corrida wenig Sinn macht scheint nur verständlich. Und trotzdem wirbt das Portal von Aplausos mit dem Slogan: "Keiner sollte die Möglichkeit versäumen sich einmal in seinem Leben in eine traje de luces zu kleiden". Jedem das Seine.

Was jedoch die capa oder die muleta anbetrifft, dafür gibt es sehr wohl einen Verwendungszweck. Denn jene Utensilien kann man auch ohne die reses verwenden, also die Manöver der toreros eben ohne toros durchzuführen. Verónicas oder naturales ohne sich den Gefahren der gefährlichen cuernos auszusetzen. Im Spanischen nennt sich das toreo de salón. Ob auf der eigene Terrasse oder mit Freunden in öffentlichen Gartenanlagen, alles kein Problem. Und in den escuelas taurinos, gehört es zum Alltag. Meistens aber in einer echten plaza de toros und vor allem mit dem Ziel und der Hoffnung bald selbst den Weg zu einem matador de toros antreten zu können.


Was die aficionados des toreo de salón anbetrifft, so hilft es ihnen selbst ein wenig mehr die Arbeit der toreros nachvollziehen zu können. Da wird nicht einfach nur mit einem Tuch gewedelt, sondern dahinter verbirgt sich angelerntes Können. Verbunden mit jahrelanger Übung. Und wie schwer das ist, hat Colin Ernst hier bei SfA schon in zahlreichen Reportagen beschrieben.

Und wir erinnern uns an Zweiteiler von Dominik Sachsenheimers Reise nach México, wo er dann mit grösstem psychischem Aufwand dem Tier gegenübersteht und die Faktoren über die Kontrolle der Angst und der eigene Mut in den Vordergrund rücken.

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Siehe auch:

Viva México (1.Teil): SfA-Reportage von Dominik Sachsenheimer vom 24. März 2013
Viva México (2.Teil): SfA-Reportage von Dominik Sachsenheimer vom 25. März 2013
Sanlúcar (7.Teil): SfA-Reportage von Colin Ernst vom 30. März 2014

Mittwoch, 8. Oktober 2014

In einem Dorf bei Valencia wird Geschichte geschrieben





von Philip de Málaga


Die kleine Gemeinde Foios zelebriert die erste corrida in ihrer Geschichte
Wenn die afición die Sache selber in die Hand nimmt
Der zweite Auftritt von Vicente Ruiz "El Soro"
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Die knapp 7.000 Seelengemeinde Foios in der Provinz Valencia veranstaltet am 30. November diesen Jahres ihre erste corrida. Nicht nur eine bescheidene corrida sondern eine corrida de toros in Kombination mit einer alternativa. Und zwei bekannte maestros begleiten den Neuling, den novillero Rafael de Foios, zu seinem taurinischen Ritterschlag zum matador de toros: Der ebenfalls aus Foios stammende Vicente Ruiz "El Soro" (sein zweiter Auftritt in diesem Jahr, nach seiner spektakulären reaparición) ) und Vicente Barrera aus Valencia.

Der padrino Vicente Ruiz "El Soro" und der testigo Vicente Barrera
Das Erstaunliche wie Historische bei dieser corrida ist, dass in diesem Dorf dass erste Mal ein festival taurino in deren Geschichte organisiert und ausführt. Normalerweise ist es ja so gehalten, dass lediglich Ortschaften mit einer taurinischen Tradition solche Veranstaltung ausführen dürfen. Meint, es hätte hier schon festejos taurinos geben müssen, was aber nicht der Fall ist. Dementsprechend verfügt Foios nicht über eine eigene plaza de toros und eine plaza portátil muss für die Festlichkeiten herhalten.

Dass es trotzdem diese corrida histórica organisiert begründet sich vor allem in zwei Punkten: Zum einen kommen aus Foios mittlerweile schon drei matadores de toros: Die maestros Tomas Jiménez, Vicente Ruiz "El Soro" und Antonio Ruiz "Soro II". Hinzu kommen der picador Jaime Ruiz Soro und der banderillero Raúl Martí. Mit Rafael de Foios kommt der vierte matador de toros, bzw. der sechste torero hinzu. Der zweite Grund reflektiert sich in der starken afición dieser kleinen Gemeinde. So gibt es einen Club Taurino de Foios, welcher zusätzlich für diese corrida histórica ein entsprechendes Rahmenprogramm zusammengestellt hat:
Für diese Veranstaltungen wird in Foios extra eine plaza portátil errichtet.
Diese Semana Cultural endet mit einem Dinner für alle Beteiligten. Zu verdanken ist diese mini feria vor allem dem Einsatz der afición aus Foios.


Dienstag, 7. Oktober 2014

Auch die Sozialisten sprechen sich für die Tauromachie aus




von Pedro Sánchez


Auch der Generalsekretär der Sozialistischen Arbeiter Partei in Spanien (PSOE) Pedro Sánchez bezog im Europäischem Forum am vergangenen Donnerstag eindeutig Stellung zur mundo de los toros:


"Die sozialistische Partei ist jene Partei, welche sich am meisten für den Tierschutz einsetzt."


"Wir sind grundsätzlich nicht gegen festejos populares mit Tieren wie zum Beispiel dem Toro de la Vega. Sehr sind wir aber gegen die Misshandlung von Tieren. 
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Meiner Meinung nach ist die tauromaquia Kultur! 

Pedro Sánchez
Generalsekretär der PSOE
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Und ich bin gegen jene Debatten, welche versuchen verschiedene Dinge einfach unter ein Dach zu kehren, was zu einer Irreführung der öffentlichen Meinung führt. Von meinem persönlichen Standpunkt aus, wird man mich nie bei einer corrida de toros sehen, denn ich teile diese Kultur nicht, aber ich respektiere diese Kultur."

"Was jedoch die Eindrücke des Toro de la Vega anbetrifft, er gehört eigentlich nicht mehr in ein Spanien des 21. Jahrhunderts, und man kann ihn nicht mit Tradition rechtfertigen. Auch Traditionen kann man anpassen, und diese ist eine davon."
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Quellennachweis:
ABC vom  2. 10. 2014

Montag, 6. Oktober 2014

Die Corrida als ein Abbild des Lebens




von Rainer Bischof


"Das Umgehen mit den Stieren muss immer von Liebe zu
den Stieren, also dass was wir als afición bezeichnet haben, von eben pundonor, Ehre, Kenntnis und Kunstfertigkeit gekennzeichnet werden. Das Töten des Stieres ist nicht als Auslöschen oder Vernichten zu erklären, weil es eben immer im Gedankenmoment und in der geistigen Verpflichtung der Opferung steht. Die Opferung steht in gänzlich anderer Tradition als ein "leeres" Töten. In diesem Zusammenhang darf man aber einen Aspekt nie vergessen: Dass die corrida in ihrem Ablauf ein Abbild des Lebens darstellt."


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Quellennachweis:
Werner Bischof, Heilige Hochzeit, Kapitel XI
Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar, 2006

Sonntag, 5. Oktober 2014

Über die Einsamkeit eines Toreros





von Philip de Málaga

Fotoausstellung in Antequera (Málaga)
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Wer diese Tage in der andalusischen Provinz Málaga verbringt, hat die Möglichkeit im Hospital Comarcal de Antequera eine Ausstellung mit taurinischen Motiven zu besuchen. Der Fotograf Paco Hurtado stellt dort in der Galerie "Espacio para el Arte" (Raum für die Kunst) seine Fotoserie "Toro y Hombre" (Stier und Mensch) aus. Dabei hält er die intimen Momente der toreos fest. Seien es die Bewegungen der toreros, Details der traje de luces oder einfache Gesten. "Kunst und Leidenschaft, Schmerz und Meinungsverschiedenheiten, Klagen und Ehrgefühle, Blumen im ruedo und Tränen im Herzen ... aber immer der Mensch und seine Einsamkeit", so beschreibt der Photograph selbst seine Werke.


Samstag, 4. Oktober 2014

Picasso lachte über Hemingway

In Südfrankreich amüsiert sich der Spanier Picasso
über den amerikanischen Stierkampfkenner Hemingway
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von Philip de Málaga


Wir schreiben das Jahr 1959. Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway reiste nach Spanien um für das Magazin Life über die temporada taurina zu berichten. Dabei verschlug es in auch in den Süden Frankreichs, um seine beiden Favoriten den matador de toros Luis Miguel Dominguín zu begleiten. 

Bei einer corrida de toros in Nîmes begleitete der britische Kunstkritiker Sir John Richardson den spanischen Künstler Pablo Picasso und beobachteten Ernest Hemingway, welcher direkt vor ihnen im callejón stand. Nach dem paseillo, also dem Einmarsch der toreros ins ruedo war es in Frankreich üblich die Nationalhymne zu spielen. Auch wenn man üblicherweise dazu aufstand, sahen es die Franzosen in den tendidos etwas lockerer und blieben sitzen. 

Pablo Picasso, Ernest Hemingway und Sir John Richardson
Da beobachteten Richardson und Picasso, wie Hemingway in ziemlich aufrechter Haltung im callejón Stellung bezog und mit dem rechten Arm salutierte. Als er merkte, dass keiner der Marseillaise den nötigen Respekt entgegenbrachte, bzw, sich in eine entsprechende Haltung begab, geschweige denn salutierte, tat er so, als ob er sich lediglich die Stirn abwischen wollte und liess seine Hand unauffällig in seiner Tasche verschwinden. Der spanische Künstler und der Sir sahen dass von ihren Plätzen aus und mussten schallend lachen. Picasso musste dabei besonders herzhaft gelacht haben, konnte er doch Hemingway nicht besonders leiden.

Freitag, 3. Oktober 2014

Das spanische Königspaar spricht sich für den Stierkampf aus





von Philip de Málaga


König Felipe VI von Spanien bekräftigt die Tauromachie
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Felipe VI de España mit einem Gruss an die tauromaquia.
Bei der Eröffnungsrede zur feria von Zafra (BadajozExtremadura) durch den spanischen König Felipe VI de España liess er keinen Zweifel daran, dass das Königspaar ebenfalls hinter der mundo de los toros stehe. Zwar wird von verschiedenen Organisationen der antitaurinos gerne das Gegenteil behauptet, aber es entspricht einfach nicht der Wahrheit. 

Zwar nicht so oft wie sein Vater, der ehemalige König von Spanien, Juan Carlos I. oder seine Grossmutter, aber immer wieder zeigten sich die damaligen Prinzen Felipe und seine Frau Letizia bei einer corrida de toros. Vorzugsweise nicht im palco real sondern direkt an der barrera. Nur wer zu der tauromaquia steht, wer über ein bestimmtes Wissen über die toros verfügt, sucht auch die Nähe zur lidia im ruedo. Und im Foto links kann man wohl gut erkennen, das das Königspaar von der Anwesenheit bei einer corrida de toros nicht gerade unbegeistert wirkt. Und es versteht sich von selbst, dass nicht wenige matadores den Tod des toros dem aktuellen Königspaar widmen.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Wenn Städten das Geld ausgeht

Auch Fuengirola leidet unter der Krise
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von Philip de Málaga



Die feria von Fuengirola in der Provinz Málaga gilt als die letzte grosse feria an der Costa del Sol. Sie erfreut sich grosser Popularität. Auch die feria taurina war stets beliebt und sorgte mit den bekannten figuras wie Espertaco, Joselito, Curro Romero, Manuel Benitez El Cordobés, El Fandi oder Miguel Márquez für eine volle plaza de toros

Doch in diesem Jahr betrachtet der aficionado aus Fuengirola und Umgebung eher erstaunt das cartel für dieses Jahr. Lediglich eine corrida mixta steht am 12. Oktober 2014 auf dem Programm. In den vergangenen Jahren waren es zwei bis drei festejos taurinos mit beliebten maestros. Das erstaunliche hierbei ist, dass nicht eine richtige figura der Gegenwart vertreten ist. Zu sehen die rejoneadora Lea Vicens, und die matadores de toros David Galan und David Galvan. Die letzten beiden matadores de toros befinden sich im aktuellen escalafón auf Platz 27 und 73. Lediglich die rejoneadora befindet sich mit einer Erfolgsquote von 195 Prozent auf dem dritten Platz. Aber rejoneo, also der Stierkampf zu Pferde, ist nicht jedermanns Sache und man vermisst bei dieser corrida eindeutig einen matador de toros der Top-Ten-Elite. Was diesmal mit Sicherheit nicht zu einem No hay billetes führen wird, obwohl David Galvan sich bei einer Erfolgsquote von 144 Prozent nicht beklagen kann und Galan den Status eine Lokalmatadors geniesst.

Eine solche Entwicklung in einer dermassen taurinischen Gemeinde zu beobachten kann die afición nur traurig stimmen. In der Stadtkasse scheint es diesbezüglich an finanziellen Mittel zu fehlen. Die Zeiten wo es ein rejoneo oder eine novillada mit zwei corridas de toros gab sind vorläufig vorbei. Selbst das morgendliche Treiben der becerras und novillos zur plaza wurde gestrichen.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Wenn Behörden versagen





von Philip de Málaga



70 Gegner gegen eine ausverkaufte Stierkampfveranstaltung
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Die 34.000 Seelengemeinde Villena in der Provinz Alicante verfügt über eine lange tradición taurina. Die gegenwärtige plaza de toros entstand 1924, bietet in den tendidos Platz für 4.000 Zuschauer, und veranstaltete am 7. September diesen Jahres, anlässlich der Festivitäten zu "Mauren und Christen" vor ausverkauftem Hause eine corrida de toros mit den maestros Juan José Padilla (oreja und dos orejas), El Cid (ovación und ovación) und Francisco José Palazón (dos orejas und oreja). 

Die ausverkaufte plaza de toros in Villena
Trotz eines letztendlichen "No hay billetes" erlaubte das grüne Rathaus eine Demonstration von 70 antitaurinos direkt bei der plaza während der Veranstaltung, welche versuchten die Besucher zu hindern, zu den taquillas zu gelangen, bzw. durch die entsprechenden puertas die plaza de toros selbst zu betreten. Das erstaunliche an dieser Aktion ist dabei wohl die Tatsache, das zwar eine manifestación antitaurina genehmigt worden ist, aber zum Schutz der taurinos lediglich vier Personen der Guardia Civil bereitgestellt worden sind, die eher tatenlos dem Geschehen zusahen, welches zu Verzögerungen führte.

Da fragt man sich zu Recht, wozu werden eigentlich in Spanien Gesetze festgelegt, wenn es letztendlich dann doch Interpretationssache der lokalen Bürgermeister bleibt, wie in San Sebastian. Die tauromaquia ist in Spanien zum Patrimonio Cultural Inmaterial erklärt worden, also zum nationalen Kulturgut. Es ist klar im Gesetz (13/2013) festgelegt worden, dass die öffentlichen Behörden einen reibungslosen Ablauf garantieren und die tauromaquia zu fördern haben. Mit lediglich vier Polizeibeamten lässt sich die Sicherheit einer solchen corrida wohl kaum gewährleisten.

Wieder wäre dies ein Grund einen Blick zum französischen Nachbarn zu werfen, wo es antitaurinos untersagt worden ist während eines festejos taurinos sich der plaza beziehungsweise dem Veranstaltungsort zu nähern um gewalttätige Auseinandersetzungen im Vorfeld zu verhindern. Es wird höchste Zeit, dass Spanien dieses für das nächste Jahr umsetzt. Denn allein schon die statistische Auswertung spricht für sich: Da versuchten 70 antitoristas gegen 4.000 aficionados de toros ein corrida massiv zu stören. In Prozenten ausgedrückt, gerade mal 1,7 Prozent von 100 Prozent! Und da brauchen jetzt die antitaurinos nicht herkommen um vom Mut und des Einsatzes der 70 Demonstranten zu sprechen. Einfach nur realitätsentfernt.