Montag, 4. Januar 2016

23.000 Jahre Tauromachie - Der Film




von Philip de Málaga


Passend zur Ausstellung nun der Dokumentationsfilm
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Wir bleiben bei der Kunst. Im November letzten Jahres hatte Ursula Herzog in den TAURONEWS im Beitrag 23.000 Jahre Tauromachie über die Wander-Ausstellung "Tauromachies universelles" von André Viard im französischen Saint Server berichtet. Nun hat der Ex-matador und Präsident des französischen Nationalen Observatorium für Taurinische Kultur, André Viard über diese Thematik einen Dokumentarfilm gedreht. Ein Streifen, der aufzeigt, welch wichtige und tragende Rolle der toro in den letzten weit über acht Millionen Tagen der Menschheitsgeschichte, bis heute in die Gegenwart in zahlreichen kulturellen Kreisen gespielt hat. Eine Beziehung zwischen Mensch und Stier, zwischen Intelligenz und Instinkt, welche noch in der Gegenwart über siebzig Millionen Menschen in ihren Bann zieht.

Hier ein kleiner Vorgeschmack für die Leser von SfA. Der offizielle Trailer:


Die Wanderausstellung "Tauromachies universelles" selbst von André Viard wird es in den nächsten Tagen, am 6. und 7. Januar 2016 im Museum der modernen Kultur Carré`d`Art im südfranzösischen Nîmes zu sehen geben. Da Nîmes über eine grosse afición verfügt, kann man mit einem entsprechenden Interesse und diesbezüglichen Andrang rechnen.

Sonntag, 3. Januar 2016

Pablo Hermosa de Mendoza erhält die Medaille der Schönen Künste




von Philip de Málaga


Und wieder geht eine Medaille der Schönen Künste an die Tauromachie
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Das alte Jahr endet mit einer guten Nachricht für die mundo de los toros im Neuen Jahr. Das spanische Ministerium für Bildung, Sport und Kultur hat für das 2015 erneut einen torero mit der Medalla de Oro de de Bellas Artes ausgezeichnet. Diese Medaille für die Schönen Künste geht diesmal an den rejoneador, den torero zu Pferde, an Pablo Hermoso de Mendoza. Nach Don Álvaro Domecq y Diez (1999) und Don Ángel Peralta Pineda (2012) ist es nun der dritte rejoneador, welcher in den Genuss dieser Auszeichnung gekommen ist. Mit diesem Preis wird vor allem die Förderung, Bildung, Entwicklung und Verbreitung von Kunst und Erhaltung von nationalem künstlerischen Erbe zum  Ausdruck gebracht.

Vor den Farben Spaniens repräsentiert der rejoneador Pablo Hermoso de Mendoza,
das die tauromaquia sehr wohl als patrimonio cultural zu den Schönen Künsten gehört.
(Foto: mundotoro)
Der rejoneador de Mendoza wurde für seine Leistung im Bereich der tauromaquia von einem Komitee auserwählt, welches von dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy geleitet worden ist. Damit wird unterstrichen, dass für die spanische Regierung die mundo taurino weiterhin wie selbstverständlich ein künstlerisches Element für die spanische Gesellschaft darstellt. Sie ist und bleibt ein patrimonio cultural Spaniens. Der Ausschuss wählte den 1966 in der Gemeinde Tafalla, in der Region Navarra (wo Pamplona liegt) einstimmig zum besten torero auf dem Rücken eines Pferdes der Gegenwart. Ein Urteil, welchem der grösste Teil der afición zustimmt und sich schon wunderte, wieso es dazu  noch nicht früher gekommen ist. Schließlich füllte schon seit langem Don Pablo Hermoso de Mendoza die ruedos wie kaum ein anderer seiner Kollegen. Und das schon seit vielen Jahren. Für viele sorgte er für eine Renaissance beim rejoneo.

Portugal: Auch im Land des rejoneo konnte er überzeugen (Foto: mundotoro)
Das Besondere an diesem Ausnahmerejoneador war wohl auch die Tatsache, dass er aficionados de toros in den Bann zog, die es nicht so unbedingt mit dem rejoneo haben. Nicht weil sie den Mut nicht bewunderten oder nicht genügend Respekt gegenüber erweisen, sondern weil sie schlicht und einfach zu wenig von der eigentlichen Reitkunst verstehen. 

1994 trat der rejoneador zur Feria de Pilar in Zaragoza, welche live im Fernsehen übertragen worden ist. Von da an, wollte man diesen neuen Reiter sehen und in den folgenden Jahren kam er zu triumphalen Auftritten in Madrid und Sevilla. Seinem Aufstieg zu einer der figuras im rejoneo stand von nun an nichts mehr im Wege. Auch international war er gefragt und in Ländern wie Portugal, Frankreich, Mexiko, Ecuador, Kolumbien, Peru, Venezuela und sogar in den Vereinigten Staaten ein gern gesehener Gast.
2015 trat Pablo Hermoso de Mendoza in Spanien fünfzig Mal im ruedo an. Begegnete dabei 101 toros, erhielt 84 orejas und 4 rabos. Beeindruckend auch seine Leistung in der Königsklasse, in den plaza de toros der ersten categoría. Sechszehn festejos und 23 orejas.

Das Team von SfA gratuliert Don Pablo Hermoso de Mendoza für seine ohne Frage verdiente Auszeichnung.

Samstag, 2. Januar 2016

Unser Stier (3. und letzter Teil)

José Tomás
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von Dr. Andreas Krumbein


José Tomás auf einem cartel vor der plaza de los toros
José Tomás! Mein Star, mein Held, mein Liebling, dem ich fast alles verzeihe, die Weigerung einen seiner Stiere zu töten, die Konzentration auf Konfektionsware, seine Verrücktheit, seine Spleens. Es sind solche Ausnahmeerscheinungen, die der mundo de los toros etwas Besonderes geben, etwas, das über toros, tauromaquia, toreo, corrida und feria hinausgeht, das schwierig, kantig und ärgerlich ist, doch eben auch wunderbar und das eine spezielle Haltung erkennen lässt.

Das lesen der ersten Ankündigung der carteles für die Colombinas 2011, das organisieren des Sommerurlaubs so, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein würde, und das Bestellen der entradas war Eins. Die neue Regel Nr. 2, deren sträfliche Missachtung mir wohl nie mehr unterlaufen wird, war mir zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht ins Bewusstsein gedrungen, und so war in kürzester Zeit alles perfekt vorbereitet.

Die erste corrida nach Aguascalientes in Valencia Ende Juli war im 6toros6 gut besprochen worden und meine Erwartungen hoch. Sie waren zu hoch.

Die erste Irritation war die sehr luftig sitzende taleguilla, als wäre sie eine Nummer zu gross gewesen.

Es kam mir so vor, als würde viel schiefgehen.

Missglückter Abschluss einer Serie von chicuelinas: Versuch einer revolera?    
Bis auf weniges war ich mit nichts zufrieden und enttäuscht. Die Stiere schlecht? Der Mann noch nicht wieder voll in Form? Ich selbst zu fordernd und mit falschen Vorstellungen? 

Alles gut gegangen - diesmal
Und die manoletinas con el compás abierto, die in den Kritiken am nächsten Tage in einigen Zeitungen als sehr persönliche, frische Neu-Interpretation von ganz besonderer Ästhetik gepriesen wurden, erhärteten in mir den Verdacht, dass die körperliche Konstitution von vor Aguascalientes noch nicht wieder vollständig wiederhergestellt war. Und die seelische?
Manoletinas con el compás abierto

Nun denn, auf ein Neues! Ein seguidor bleibe ich natürlich.


Der matador de toros José Tomás in Huelva, beim ersten tercio
Vuelta al ruedo beim zweiten toro des tarde de toros

Unser Stier

Die kleine Feria
Parallel zu den Colombinas findet in einem Nest an der Mündung des Río Odiel die örtliche feria statt, in Mazagón. Wenn die Colombinas in etwa so sind wie das Maschseefest in Hannover, dann ist die feria von Mazagón so wie die Kirmes in Altwarmbüchen.

   
Die Karussells sind solide, eiserne 50er-Jahre-Konstruktionen, die das sentimentale Herz eines alternden Vaters höher schlagen lassen, der fino ist sehr großzügig – mit Berg – eingeschenkt, die ración patatas fritas (Portion Pommes Frites) von enormer Größe, so dass ich helfen muss, denn die Tochter bleibt bei ihrer Linie und isst immer noch wie ein Vögelchen. Die Atmosphäre ist familiär und vermittelte den Eindruck, als würden ausländische Touristen Mazagón nur selten aufsuchen, und ich fühlte mich besonders gut behandelt.

Mazagón hat ein Apartment-Hotel, das es dem aficionado nahelegt, das Fleisch der Stiere vom Vortag in der kleinen, gut ausgestatten Küche selbst zuzubereiten und in grossen Mengen zu sich zu nehmen. Und so haben wir es getan.

Nachdem Doña Jimena vom schwarzen Wagen mit den getönten Scheiben abgeholt worden war, fuhr ich mein Fleisch – solomillo, kein Suppenfleisch! – nach Mazagón und bin bis heute stolz auf die großartige Qualität der Ware, auf die Leistung des Koches, auf meine Frauen, die mit größtem Appetit mein Werk genossen und es lobten. Vor allem bin ich stolz auf meine Tochter, die seit dem bis auf den heutigen Tag im Falle von gutem Rindfleisch das Essverhalten eines Vögelchens ausgetauscht hat gegen dasjenige grösserer, gefrässigerer und hungrigerer Tiere.

Ist das jetzt unser Stier?
Wie meinen?
Ob das jetzt unser Stier ist?
Ja sicher!

Unser Stier

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Feliz Año Nuevo

Ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2016 wünscht Ihnen das Team von SfA!

Die plaza de toros, die ruedos, die sie umgebenen tendidos, die Gelände der festejos populares, die toreros wie die taurinos, die toros und ganaderos, kurz die gesamte afición a los toros freut sich auf ein neues Jahr. Ein Jahr mit einem guten Anfang, und dazu müssen wir erst einmal über den Atlantik schauen. Denn der taurinische Highlight beginnt in México. Alle, warten, schauen und wollen sich überraschen lassen. Gelingt es dem maestro José Tomás wieder die Titelseiten der Presse zu erobern? 

Die Tauromachie als spanisches Kulturerbe!
Und so freuen wir uns auf die tradición taurina 2016, dass sie uns als patrimonio cultural mit  zahlreichen hasta la bandera, einem herrlichen Ambiente, fantastischen toros, überzeugenden toreros, welche den duende in die tendidos, in die Herzen der aficionados bringen werden. In unsere Herzen.

Dafür bedanken wir uns beim toro bravo, für seine Existenz, welche dies überhaupt erst möglich sein lässt. Den ganaderos, die so viele liebevolle Zeit auf deren Zucht verwenden. Ja toro, auch Dir wünschen wir eine besondere bravura für das kommende Jahr, und wer weiss es schon, vielleicht bringt sie dir die Freiheit, ein indulto dass dir den Lohn für deinen Mut mit einem weiteren herrlichen Leben auf den dehesas schenken wird.
Der Lohn eines toros: Ein herrliches Leben auf den Weiden.

¡ V I V A N    L O S   T O R O S !

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Unser Stier (2. Teil)

Ein überfüllter Wettbewerb und der Einkauf
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von Dr. Andreas Krumbein



Fehleinschätzung Nr. 2:  „Ich glaube nicht, dass da viele hingehen!“

Schaut einmal: wir haben drei Freikarten für das … Gran Final Certamen Huelva Busca Un Torero.” 
Was ist denn das?
Und was heisst certamen?
Das muss ich erst nachschlagen.
Gehen wir da hin?
Na sicher, gehen wir da hin! Is‘ doch wohl klar! Übermorgen. Da brauchen wir aber wohl nicht besonders früh da zu sein. Da finden wir sicher gut Platz. Ich glaube nicht, dass da viele hingehen! Wenn für so etwas schon Freikarten ausgegeben werden.

Wir nähern uns der plaza und schon von weitem hört man aufgeregtes Stimmengewirr, durch alle Eingänge laufen – nicht gehen – Leute, sowohl hinein als auch hinaus. Ich werde unruhig. 

Ach Du Scheisse, das ist ja total voll!“ 
Ich seh’s!
Wir dürfen uns nicht verlieren!
Ja, ja!“ 

Wir schaffen es bis in die andanadas, zu den billigsten Plätzen ganz oben in sol, zu allen anderen Ebenen haben uns Ordner den Zugang verwehrt: alles voll! Die Sitzplätze sind alle belegt, die Menschen stehen in den Gängen, auf den Treppen, sitzen auf den Überdachungen der Treppenaufgänge, stehen auf jedem Stück Fläche. Im sombra sieht man Leute, die ganz oben auf dem Dach direkt neben den Fahnenmasten stehen und dort bis zum Schluss bleiben werden. ¿Hasta la bandera? Ach deswegen!


Besucher in sol beim Gran Final Certamen Huelva Busca Un Torero:
Der Anblick täuscht, so wenige Leute wie auf dem Foto waren es nicht.
Wir setzen uns zu den anderen auf das Dach des Treppenaufganges, der zu den andanadas führt. Dort sitzen schon zehn bis zwölf andere. Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Etwa dreissig Prozent der Besucher sind Jugendliche und Kinder. Etliche Leute stehen in den Gängen, die aussen um die Sitzplätze der plaza herumführen und zu den einzelnen tendidos führen. Sie sind nur da und schauen gar nicht zu.

Es war anstrengend. Unsere Tochter konnte sehr gut sehen. Meine Frau und ich nicht so gut: zwischenzeitlich mussten wir aufstehen und hatten das Dach vor den Augen. Unsere Tochter hatte jemanden kennengelernt. Alles in allem war es super! Schon wieder was gelernt: Trotz Freikarten unbedingt überpünktlich sein! (Ausserdem: kein Suppenfleisch kaufen und frühzeitig Betten buchen!)


Der schmucke Sieger des Gran Final Certamen Huelva Busca Un Torero 2011

Fehleinschätzung Nr. 3: Zur Feria tragen Mädchen Flamenco-Kleider.

Im Jahre 2010 trug in Málaga zur Feria manch junges Mädchen sein traje de flamenco, sowohl auf dem recinto ferial als auch zur corrida de toros. Und unsere Tochter tat es ihnen gleich. Sie war eine unter vielen. Im Jahre 2011 in Huelva war sie die einzige, sowohl auf dem recinto ferial als auch bei den Stieren. 

„Ich bin ja die einzige, die ein Flamenco-Kleid trägt!
Ja, ist mir auch schon aufgefallen!“. Sprach’s und kümmerte sich nicht weiter darum. 

Die schweren Peinlichkeitsattacken der Pubertät waren noch entfernt. Auf dem recinto ferial kümmerten sich auch die anderen nicht darum. Bei den Stieren schon, vorwiegend ältere Damen. 

¡Qué bonita!“ (Wie hübsch)
¡Qué guapa es!“ (Wie schön sie aussieht)
¡Guapita!“ (Schönheit)

Dann kamen die gutgemeinten Einladungen: pasteles (Kuchen) hier, ein Scheibchen jamón (Schinken) dort, ein bocadillo de chorizo (Brötchen mit Paprikawurst) ein Händchen voll pipas, doch mit eiserner Konsequenz wird jedes Angebot verschmäht, und allmählich gefriert das freundliche Lächeln der älteren Damen. Zum verschämten Lächeln der Eltern gesellt sich das Gefühl der Peinlichkeit über das ungezogene Kind, das sich nicht zu benehmen weiss. Welch Makel! Ein Waterloo! 

Sie isst ja wie in Vögelchen!
Kein Wunder, so zaundürr wie sie ist!
Du musst mehr essen!“ Stimmt! Tut sie aber nicht.


Der Sieger dankt einer jungen Besucherin für ihr Kommen; 
die Besucherin hat statt des Flamenco-Kleides ihr zweitschönstes Stück gewählt.

Das Mädchen

Auf dem Dach des Treppenaufganges ist noch ein anderes Mädchen. Es hat blonde Haare. Der matador stellt sich zu estocada auf und profiliert. Da ergreift eine Frau den blonden Kopf und drückt ihn fest an ihren Bauch, so dass das Kind nicht mehr sehen kann. Das Mädchen versucht den Kopf zu drehen, doch Mutter hat sie fest im Griff. „Guck‘ da nicht hin!“, sagt sie gut vernehmlich auf Deutsch. Die Menge jubelt, der Stier geht in die Knie, die puntilla fährt ins Genick. Mutter gibt den Kopf frei. Alles verpasst!


Beim nächsten Stier während der banderillas spricht Vater. „Das tut dem Stier überhaupt nicht weh! Das muntert ihn auf.“, sagt er zur Tochter, auch auf Deutsch. Meine Frau und ich schauen uns an und verdrehen die Augen: muss das denn sein, den Kindern solch einen Stuss zu erzählen?

Der Gewinner 2011, der novillero David de Miranda
Die beiden deutschen Mädchen haben sich gefunden. Während des folgenden Stieres hocken sie die ganze Zeit zusammen und unterhalten sich. Aufgepasst haben sie wohl kaum. Die Eltern betrachten die beiden und lassen sie. Der matador stellt sich zu estocada auf und profiliert. Die Eltern betrachten die beiden und lassen sie. 

"Findest Du es schlimm, wenn der Stier getötet wird?", fragt das Mädchen. 
"!", sagt unsere Tochter. 
"Ich auch nicht.", sagt das Mädchen, "aber meine Mutter will nicht, dass ich das sehe."
Warum nur?


Fleisch

Steht man vor der puerta grande der Plaza de Toros de la Merced in Huelva und geht man am Tag nach den Stieren links um die plaza herum und findet nach einer Viertelrunde den nur dann geöffneten Laden, aus dem heraus ein Fleischer das Fleisch der Stiere vom Vortag verkauft. Auch hier gilt die dritte neue Regel: unbedingt überpünktlich sein! Sonst gibt’s nichts mehr.


Ich komme dreissig Minuten vor Ladenöffnung. Vor mir stehen etwa zwanzig Personen. Ich stelle mich dazu. Die Leute wirken erschöpft und verschlafen, einige haben sich hingesetzt. Die Reihenfolge ist allen klar.

Ein schwarzer Wagen mit getönten Scheiben hält. Aus dem Fond steigt Doña Jimena. Sie hat pechschwarz gefärbte Haare und trägt schwarze Pumps. In den Händen trägt sie zwei leere Taschen aus schwarzem Kunstleder. Auf ihrem üppigen, zusammengebundenen Busen wippt ein großer, dunkelgrüner Stein. Modeschmuck. Beim Gehen biegen sich bedrohlich die Unterseiten ihrer Pumps durch. Man spürt: sie wird den Konjunktiv falsch verwenden.

Ist dies das Ende der Schlange?“ 
Die Leute schauen träge auf. 
Ja, ja, ich bin die letzte.“, sagt eine Frau mit braunem Haar. Doña Jimena wartet. 
„Ist das hier mein Platz oder Ihrer?“, wendet sich Doña Jimena an die Frau mit dem braunem Haar. 
Das ist meiner. Sie kommen nach mir.“, antwortet die Frau. Alle warten. 
Das war doch mein Platz, nicht wahr?“, fragt Doña Jimena in die Runde und zeigt auf den Platz vor der Braunhaarigen. Die Leute schauen verdutzt, einige grinsen. 
Nein, das ist mein Platz.“, sagt die Frau mit dem braunem Haar leicht genervt, „Ihr Platz ist hinter mir!

Am Laden werden geräuschvoll die Rolläden hochgezogen: es geht los! Alle drängen gleichzeitig auf die Ladentheke zu und geben lauthals ihre Wünsche den drei Verkäuferinnen zu Gehör, die wie die Verrückten Fleisch aus riesigen Wannen herausnehmen, es zerteilen, einpacken, kassieren, Wechselgeld herausgeben und sich zwischendrin den Schweiss von der Stirn und die Hände an ihren Schürzen abwischen. Währenddessen bringen Männer weitere gefüllte Wannen aus dem Inneren des Ladens nach vorne. Doña Jimena ist dran und lässt sich ihre zwei Kunstledertaschen bis zum Rand füllen. Sie bezahlt 120,00 EURO. Nach ihr kommt die Braunhaarige. Ich selbst kaufe ein Kilogramm solomillo und beachte damit die neue Regel Nr. 1.



Nur für die Härtesten: Carne de tercera (Lepe, Huelva, 2008),

bevor ich es in einer Pfanne in ein Brett verwandelt habe.
F o r t s e t z u n g   f o l g t !