Samstag, 4. Juni 2016

Über die Leidenschaft für die Stiere bis über den Tod hinaus




von Ursula Herzog


Über die Tradition die afición mit ins Grab zu nehmen
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Südfrankreich hat viele clubs taurinos. Einer davon, „La Querencia“, in Saint Gilles im Languedoc-Roussillon in der Nähe von Arles, ist dreissig Jahre alt geworden und feiert den Geburtstag.

Die Stiere sind im Süden Frankreichs noch immer Teil des Lebens und auch des Todes. Sie sind sogar auf den Grabsteinen zu finden.


Die Familien bilden die toros an den Grabsteinen ab, etwas, was dem Toten viel bedeutet hat. Man ist im Land der Pferde und der Stiere. Der kleine Ort Saint-Étienne-du-Grès hat nicht einmal 2.500 Einwohner, aber eine eigene plaza de toros. Die tradición taurina wird hier erlebt, gelebt und gefühlt. Bis über den Tod hinaus.



Freitag, 3. Juni 2016

Die erste Alternativa gab es 1756

Auch das gab es mal, alternativas für picadores
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von Philip de Málaga


Wer einen picador sich genauer betrachtet, wird erkennen, dass er wie die matadores de toros mit einer goldenen chaquetilla bekleidet ist. Die Sitte kam daher, da ursprünglich die caballeros, die Ritter, zu Pferden die toros, mit Lanzen, mit so genannten picas bekämpften. Daher auch die Bezeichnung picador für jenen Berufsstand, der heutzutage das erste tercio bei einer corrida de toros dominieren sollte.
Caballero Rejoneador der versucht einen toro aufzuhalten.
(Zeichnung aus dem 18. Jh. von Emmanuel de Witz)
Und da die caballeros ursprünglich auch die matadores waren, so wie heute die rejoneadores, scheint es nur verständlich, dass sie über den Akt des Ritterschlages verfügten, einer alternativa. Und wer einen Blick zurück in die documentación histórica taurina wird die erste alternativa auf den 25. Mai 1756 in Chiclana der Provinz Cádiz datiert. Es tritt an der 22-jährige José Cándido Expósito. Fünfzehn Jahre später, am 23. Juni 1771 starb er in Puerto de Santa María. Er war der erste lideador de categoría muerte, also der erster matador de toros, welcher bei der Ausführung der arte del toreo starb.
1756: Der erste matador de toros der Geschichte: José Cándido Expósito
Und so kam es auch, dass picadores ihre alternativa erhielten, obwohl sie eigentlich als subalterno für den matador de toros in seiner cuadrilla tätig waren. Aber die goldene chaquetilla machte es möglich. Trotzdem war es nur eine Frage der Zeit, auf die Prozedur der alternativa für picadores ganz zu verzichten, vor allem auch deswegen, weil sie bei der lidia nicht im Mittelpunkt stehen sollten.
1914: Die letzte alternativa eines picadores
Und so kam es am 31. Mai 2014 in Madrid zur letzten alternativa für einen picador. Sein Name war Tomás Castillo "Relámpago", trat an zur achten corrida des abonos und bekam von seinem Kollegen Manuel Gil "Cachiporra" die vara, um den Angriff des ersten toros entgegen zu nehmen. Zwar tragen heute die picadores weiterhin die goldene chaquetilla aber eine alternativa steht ihnen nicht mehr zu.

Donnerstag, 2. Juni 2016

Katalonien verbietet nun auch Stierkämpfe in den Stierzuchten




von Philip de Málaga


In Katalonien sind nun auch die tientas auf privatem Grund verboten
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Das die corridas in Katalonien verboten sind ist weitgehend bekannt. Auch die Tatsache, dass die festejos populares, also jene fiestas wo die Stiere der Willkürlichkeit der Bevölkerung ausgesetzt sind, nur eine Woche nach dem Verbot der corridas, weiterhin vom katalanischen Parlament zugelassen worden sind. Auch die so genannten tientas auf den ganaderías unterlagen keinem Verbot, auch deswegen nicht, weil sich zum einen die plaza de toros auf privatem Grundstück befinden, und zum anderen, meistens unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden.

So hat die ganadería Mur in Alfara de Cares ihre tientas wo die toros auf Eignung getestet werden, ihre Veranstaltungen einem öffentlichen Publikum zugänglich gemacht, wo vor allem ein russisches Publikum angesprochen wurde. Einige ganaderías im Flussgebiet des Ebro haben diese Einnahmequelle für sich entdeckt.
Das soll es in ganz Katalonien nicht mehr geben.
Doch nun hat die Generalität, ohne Vorankündigung, obwohl sie die tientas vor zwei Jahren als ein legales espectáculo noch deklariert hatte, unter Berufung auf das Verwaltungsgericht in Barcelona diese festejos taurinos in ganz Katalonien mit einem Verbot belegt.

Wieder einmal drängt sich die Politik in den Vordergrund, und die Rechte der Bürger spielen dabei keine grosse Rolle. Zwei grosse Institutionen prallen hier zusammen, und eine dritte entscheidet. Während ein Verwaltungsgericht von Barcelona die faenas auf den ganaderías für illegal erklärt, erteilte das Ministerium für Landwirtschaft für jene festejos taurinos eine Genehmigung. Und nun meldete sich die katalanische Landesregierung zu Wort, bestätigte das Urteil des Verwaltungsgerichts, und verbietet ohne jegliche Ankündigung die tientas auf katalanischem Boden. Diese Nachricht traf vor allem die ganadería Mur völlig überraschend, denn die Zucht hatte nach der Zusage durch das Landwirtschaftsdepartment auf die Einleitung von juristischen Schritten verzichtet, um ihre Rechte zu wahren.

So fragt sich die grösste Mediengruppe in Spanien, Vocento, wie ist es eigentlich zu diesem Haudruckverfahren gekommen? Woher die Kehrtwende? Wer hat den Druck ausgelöst? Es scheint auf der Hand zu liegen, dass dahinter nicht irgendwelche Beamten stehen, die irgendwelche Ungerechtigkeiten beseitigen wollen. Denn tientas sind in Katalonien sowieso nicht mehr zulässig. Auch im Ebrotal nicht. Aber sie finden unter anderem in Alfara statt, wo man die festejos taurinos an die katalanische Legalität angepasst hat. Und die Bevölkerung generiert durch die Besuche ein gewisses Einkommen, welches durch diese Vorgehensweise drastische gekürzt wird. Der sozialistischen Bürgermeister Josep Mas zeigte sich empört.

Aber es zeigt das politisch einseitige wie unrationelle Vorgehen auf, wenn es um die toros geht. Wahrscheinlich reagiert die Generalitat nur deswegen so streng, weil sie den Widerstand auf den Balearen, vor allem Mallorca zur Kenntnis genommen haben, und ähnlichen Vorgehensweisen in Katalonien vorbeugen wollen.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Madrid: Steigende Tendenz bei den Besucherzahlen von San Isidro




von Philip de Málaga


Die plaza füllte sich in der dritten Woche San Isidro zu 89 Prozent
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Die toros werden in der spanischen Hauptstadt immer beliebter. In den ersten drei Wochen füllten 402.389 Zuschauer die tendidos für San Isidro. Das sind durchschnittlich 81 Prozent.

Besucher der einzelnen corridas
Durchschnittliche Besucherzahlen pro Woche
Durchschnittliche Besucherzahlen San Isidro

Dienstag, 31. Mai 2016

Talavante: Sich nicht bewegen





von Philip de Málaga


Alejandro Talavante trifft auf Enrique Romero
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Der 1987 in Badajoz geborene torero Alejandro Talavante Rodriguez traf bei einer corrida de toros auf den Journalisten Enrique Romero vom andalusischen Regionalsender Canal Sur, dessen Sendung Toros para Todos (kurz TPT) jeden Sonntag Mittag sich grosser Popularität erfreut. Auch über Satellit in Andalucía TV.

Alejandro Talavante und Enrique Romero
Der matador de toros und der Journalist standen im callejón und blickten über die barrera in das verregnete ruedo. Die plaza mit ihrem arena war mit grossen Pfützen versehen und Romero meinte:  "Madre mía, in dieser Schlammgrube könne man mit den toros wohl nicht arbeiten." Worauf der maestro aus Badajoz entgegnete, "Warum denn nicht? Denn schliesslich würde er still stehen bleiben und sich nicht bewegen." Somit kaum der Gefahr ausgesetzt, das Gleichgewicht zu verlieren. Die Selbstverständlichkeit, mit der die figura der Gegenwart diese Erkenntnis rüberbrachte beeindruckte den Journalisten.

Sonntag, 29. Mai 2016

Alicante: 6.000 Dauerkarten wurden am ersten Tag verkauft




von Philip de Málaga


Grosser Andrang, wenn der maestro kommt
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Vom 22. bis zum 26. Juni findet in der Küstenstadt Alicante die Feria de les Fogueres de Sant Jon. Angekündigt ist diesmal die figura José Tomás, welches selbstredend für gut besuchte corridas sorgen wird. Und daran ist auch gleichzeitig zu erkennen, dass das Interesse für die mundo taurino sehr wohl recht gross. Denn wenn toreros antreten, welche in der Gunst der afición sehr weit oben stehen, füllen sich die plaza de toros auffallend gut, bis hin zum No hay billetes. Und nach dem grossen Auftritt eines José Tomás in Jerez de la Frontera sind die Erwartungen der aficionados hoch.

Schon seit den frühen Morgenstunden bildeten sich vor den taquillas grosses Warteschlangen.
(Foto: mundotoro)
Am 9. Mai begann der Vorverkauf für die abonos dieser feria taurina. Schon in den frühen Morgenstunden bildeten sich vor den taquillas lange Warteschlangen. Und so wurden schon am ersten Tag 6.000 Dauerkarten für die vier corridas de toros und das rejoneo im Juni sowie für die novillada con picadores im August verkauft.

Die erste corrida de toros gab es in Alicante im Jahr 1700, anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Concatedral de San Nicolás de Bari. Im Laufe der kommende Jahre gab es zahlreiche festejos taurinos, für welche hölzerne plaza de toros errichtet worden sind. Erst 1833 begann man mit dem Bau eines richtigen cosos, welches aber erst 1888 nach erneuten Umbauarbeiten fertiggestellt worden ist. Das Kuriose dabei ist, die plaza hatte ein aforo für 16.000 Zuschauer. Eine durchaus beeindruckende Zahl, zählte Alicante zu diesem Zeitpunkt lediglich 19.000 Einwohner. Heute bietet die plaza de toros Platz für 15.235 Zuschauer.

Samstag, 28. Mai 2016

Rekord-Einschaltquote bei Liveübertragung




von Philip de Málaga


Bis zu 11,9 Prozent verfolgten die corrida de toros in Madrid
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Die corrida de toros vom 15. Mai in der plaza de toros Las Ventas der spanischen Hauptstadt Madrid wurde live im spanischen lokalen Privatsender Telemadrid übertragen. Nicht nur die tendidos in diesem coso füllten sich, um das festejo taurino mit den matadores de toros Alejandro Talavante, Andrés Roca Rey und Posada de Maravillas zu betrachten, sondern auch vor den Bildschirmen versammelte sich eine beeindruckende Zahl an Zuschauern. Durchschnittlich verfolgten 154.000 Zuschauer diese corrida de toros, was einer Einschaltquote von 10,3 Prozent entspricht. Allein schon im Vorprogramm zählte der Sender 60.000 Zuschauer. Die höchste Audienz verzeichnete man zwischen 20:00 und 20:45 Uhr, wo es bis 178.000 Zuschauer, also 11,9 Prozent vor den Bildschirm zog. Und das, wohlgemerkt, lediglich in der Region von Madrid.

Freitag, 27. Mai 2016

54 Antworten, die BILD-Redakteure akzeptieren sollten (2)

Über die zweifelhafte wie einseitige Berichterstattung der BILD-Zeitung
wenn es um Stierkampf geht
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von Philip de Málaga


Die eigentliche Frage lautet doch eher, warum müssen sich aficionados de toros 54 Fragen von der Boulevardzeitung BILD gefallen lassen, die zum einen sich an Niveaulosigkeit kaum übertreffen lassen, und zum anderen von mehreren Leuten zusammen getragen worden sind, die sich weder im Thema der tauromaquia auskennen, noch, wie sich an einigen Fragen deuten lässt, sich entsprechend über die mundo de los toros informiert haben. Recherche scheint den Redakteuren von BILD ein Fremdwort zu sein. Zumindest wenn es um die mundo taurino geht.


SfA beantwortet die Fragen nicht um der BILD Redaktion zu gefallen, sondern aus Respekt den Lesern gegenüber.

BILD: 28. Wer verdient eigentlich Geld damit?

Gerade in diesem Jahr gab es zahlreiche Veröffentlichungen zu diesem Thema. Auch SfA hat darüber berichtet. Und einer grossen Tageszeitung wie der BILD müssten doch eigentlich diese Informationen zugänglich sein. Oder war man zu bequem seine Hausaufgaben zu machen? Von einer grossen Tageszeitung kann man ruhig mehr erwarten.

Aber ein Punkt soll am Rande erwähnt werden. Unter den kulturellen Angeboten Spaniens, generiert der Staat beim Stierkampf das grösste Einkommen. Von jedem investierten Euro in die mundo de los toros erhalten die öffentlichen Einrichtungen 2,5 Euro zurück. Von wegen der Unterstellung, mit europäischen, wie deutschen Steuergeldern würden die toros überhaupt erst ermöglicht werden. "Das espectáculo taurino ist nach dem ausländischen Kino die am meisten besuchte kulturelle Veranstaltung und wird am wenigsten subventioniert." So der bekannte Journalist Carlos Herrera

BILD: 29. Sind die Kämpfe vielleicht nur eine Touristenattraktion, mit der Geld verdient wird?

Definitiv nicht. Die Stierkämpfe finden nicht für den Tourismus, sondern trotz des Tourismus statt. Die grossen empresas welche die festejos taurinos organisieren zählen im Publikum nicht mehr als zwei bis drei Prozent Touristen. Wenn überhaupt. (Siehe: Der grosse Irrglaube: Stierkampf sei für den Tourismus)

BILD: 30. Warum werden toreros bejubelt?

Für ihre gute, mutige und künstlerische Leistung im ruedo. Genauso wie andere Künstler, Schauspieler und Sportler vom Publikum jeweils in ihrem Tätigkeitsbereich bejubelt werden. 

BILD: 31. Ist es mutig ein Lebewesen zu quälen, und zu töten.

Ja, es ist mutig sich ins ruedo zu trauen um sich einem toro zu stellen. So ein Stier beschleunigt schneller als ein Rennpferd, wiegt 400 bis 700 Kilo, auch mal mehr, und viele toreros wurden schon verletzt oder gar getötet. Besonders nach einer schweren Verletzung zeigt sich der wahre Mut eines matadores de toros. Wer jemals in der ersten Reihe einer plaza de toros gesessen hatte, und den Stier vor sich in die barrera rammen sah, weiss welche Gefahr von solch einem Tier ausgeht.

BILD: 32. Handeln sie menschlich?

Die Frage nach der Menschlichkeit, geht wohl ein wenig am Thema vorbei. Generell könnte man auch fragen, ist es menschlich Fleisch zu essen, Tiere zu halten oder zu jagen? Und gewiss richtet sich diese Frage an die moralischen Vorstellungen der Lebewesen. Tatsache ist, toreros treten häufig für wohltätige Zwecke an. Sie riskieren ihr Leben um andere Menschen, Gruppen oder Organisationen mit so genannten corridas de beneficencia zu unterstützen. Wie weit die Tierliebe in anderen Bereichen geht, gerade da scheint die Frage nach der Menschlichkeit gerechtfertigter als bei den toros. Denn Tiere sind Tiere, und deren Menschlichkeitswerdung kann nicht das Ziel der Evolution sein.

BILD: 33. Handeln sie moralisch?

Selbstverständlich. Da sich die inneren Werte vieler Menschen gefühlsmässig mit der tauromaquia identifizieren, ist die corrida de toros moralisch durchaus vertretbar. Das betrifft auch den matador selbst. Nur wenn er mit sich moralisch gesehen im Reinen steht, ist er auch in der Lage den toro zu töten, weil er es für "den richtigen Weg" hält. Mit einem inneren Zwiespalt wäre dies nicht möglich. Genauso verhält es sich mit dem Publikum. Man kann nicht sich etwas anschauen und bejubeln, wenn man es moralisch nicht mal sich selbst gegenüber vertreten kann. (Siehe auch die SfA-Reportage: Stierkampf und die Moral)

BILD: 34. Haben sie kein Mitgefühl?

Wer? Das Publikum oder die toreros? Wie auch immer, erst wenn man beginnt den toro zu verstehen, kann man mit ihm arbeiten oder die Arbeit der toreros bewerten. Gerade das Mitgefühl für den Stier ist von tragender Bedeutung. Es ist ein Lebewesen mit einem stark ausgeprägten Instinkt. Kein elektronisches Wesen, wodurch die Berechenbarkeit auszuschliessen ist. Die corrida ist kein Computerspiel, sie ist Realität. Der Stier ist ein Individuum mit einem eigenen Charakter, dessen bravura erkannt werden will. In den tendidos leidet das Publikum, wenn der matador den toro nicht artgerecht und zügig in der Lage ist zu töten. Mehr noch, es empört sich. Und zu Recht.

BILD: 35. Ist es verantwortungsvoll, sich der Gefahr auszusetzen?

Ja, vorausgesetzt man ist sich sich seiner Aufgabe bewusst, hat den Umgang gelernt, verfügt über das entsprechende Feingefühl für Stier wie für die jeweiligen Situationen und der Körper findet sich in guten Konditionen. Stierkampf ist aber keine Gaudi, welcher man sich vielleicht sogar im alkoholisierten oder ähnlich berauschtem Zustand nicht eben so mal hingeben sollte.

BILD: 36. Was sagen ihre Familien dazu?

Meistens kommen die angehenden toreros aus Familien mit einer taurinischen Tradition. Ein Bezug zu den toros hat der Nachwuchs in der Regel schon von Klein an. Für die mundo taurino ist der Umgang mit den toros etwas ganz Natürliches. Ganz normaler Alltag. Nicht jeder verfügt über den Mut ein torero zu werden, und gerade diese Erkenntnis macht den Beruf eines matadores de toros für viele so faszinierend.

BILD: 37. Wer bejubelt einen torero noch, der für immer entstellt wurde?

Wie bitte? Bei dieser Frage fehlt es eindeutig an Respekt den Menschen gegenüber. Es gibt Sportarten, wo sich Personen einer gewissen Gefahr aussetzen und auch Unfälle erleiden. Wie ist das zum Beispiel mit dem Rennsport? Stellen sie verunglückten Fahrern wie einem Niki Lauda oder den Anhängern der Formel 1 ähnliche Fragen? Die BILD-Zeitung begibt sich mit dieser Frage auf ein Niveau, welches schon ziemlich nahe an eine verachtenswerte Sichtweise kommt.

BILD: 38. Mit welchen Worten wird eine Familie getröstet, wenn ein torero stirbt?

Genauso wie bei Frage 37 erstaunt diese den Leser. Haben wir ein Problem im Umgang mit Menschen? Selbstverständlich bringt man der Familie des durch einen toro getöteten torero den selben Respekt und Beileid entgegen wie bei anderen Unglücksfällen. Der verunglückte torero ist ein Mensch, ein menschliches Wesen, der seiner Leidenschaft, dem toreo zum Opfer wurde. 

Gerade in diesen Tagen starb in Peru der novillero Rennato Motta an den Folgen einer cornada auf dem Weg in das Hospital. Aus der ganzen Welt erreichten der Familie Beileidsbekundungen und in der gesamten mundo de los toros gedachte man dem verstorbenen novillero. SfA hat darüber berichtet: Tod am Nachmittag in Peru (Teil 1), (Teil 2) und Rennato Motta, es hätte auch anders ausgehen können.

BILD: 39. Hat der Stier eine Würde?

Grundsätzlich ja, wobei es hier durchaus verschiedene Betrachtungsweisen gibt. Da wäre zunächst der politische Blickwinkel: In Deutschland sieht man die Tierwürde differenziert angesiedelt: "Die Garantie der Menschenwürde in Art 1 der Charta für Grundrechte der Europäischen Union und in Art 1 Abs 2 GG schützt allein die Würde des Menschen, nicht der Tiere. Ein Recht auf ethischen Tierschutz kann aus der Garantie der Menschenwürde nicht hergeleitet werden" (Verwaltungsgericht Frankfurt, NJW 2001, 1295, Az.: 1G 429/01 (V)). In der Schweiz dagegen spricht die Bundesverfassung von der Würde einer Kreatur.

In der Würde reflektiert sich die Erkenntnis des Seins, der Wert des Individuums und seine zukommende Bedeutung. Gemeint ist damit auch die Stellung innerhalb der Seinen. Somit verfügt der toro bravo sehr wohl über eine Würde. Seine Existenz, sein "Sein", beruht unter anderem darauf, speziell für die corridas gezüchtet zu werden. Er greift an um sich zu verteidigen, sein "Sein" zu beschützen. Dafür wurde er geboren. Und es ist nicht erlaubt ihn einfach so abzuschlachten. Auch nicht im ruedo. Ein reglamento schreibt dieses vor und eine taurinische Ethik liegt wie ein Damoklesschwert über den toreros

Aber auf der anderen Seite, ein toro ist ein Tier. Es verfügt nicht über die menschliche Intelligenz, also um die moralischen Werte zu erkennen oder gar zu interpretieren. Auch ist ihm das Ende seines Lebens unbekannt. Er kennt den Tod nicht. Wie man es auch immer sehen will, die Thematik ist nicht einfach zu erfassen. Der Zusammenhang zwischen Moral und Würde scheitert letztendlich an der Dominierung durch den Menschen. Wie schrieb Leo Tolstoi? "Wenn ein Mensch ernstlich und aufrichtig den moralischen Weg sucht, so ist es das erste, wovon er sich abwenden muss, die Fleischnahrung."Aber seien wir ehrlich, davon sind wir wirklich weit entfernt. 

BILD: 40. Macht es wirklich Spass, dabei zuzuschauen?

Zwei Antworten: 

Nein, es ist keine spassiges Vergnügen.

Und Ja, als anspruchsvoller Zeitvertreib wird es gerne in Anspruch genommen. Man geht gerne zu Stierkämpfen. Glauben BILD wirklich allen Ernstes, dass man zum Beispiel in Madrid während der feria taurina San Isidro, allein für die ersten sechs corridas fast 120.000 entradas verkauft hätte, würde es den Menschen nicht gefallen zu den toros zu gehen?

Übrigens, man geht ja auch ins Theater. Bei einem Drama hat das Publikum nichts zu lachen. Aber deswegen müssen sie sich nicht dafür rechtfertigen.

BILD:41. Welcher Moment ist daran am besten?

Da hat jeder aficionado seine eigenen Prioritäten. In einer plaza de toros gibt es während einer corrida viel zu sehen und zu beobachten. Für viele ist der beste Moment die natural mit der muleta, für andere die klassische Ausführung einer verónica, die Vielfalt mit den engaños oder der momento de verdad, der Todesstoss.

BILD: 42. Warum wiegt das Leid eines Tieres weniger als die Unterhaltung von ein paar hundert Zuschauern?

Wiegt der Genuss eines Menschen wenn er ein kleines Tier verspeist mehr als das Leid des Tieres welches es bei der Zucht ertragen muss? Ein toro bravo muss während seines Lebens nicht leiden. Den grössten Stressfaktor hat er, so konnte man an der Universität Complutense in Madrid nachweisen, beim Transport. Aber bis zu diesem Moment führt er ein herrliches Leben in Freiheit, über mehrere Jahre hinweg, wo er voll und ganz seinen Instinkten folgen kann. Ein toro lebt durchschnittlich zwei Millionen Minuten (1,6 bis 2,7 Millionen). Die zwanzig Minuten in der plaza de toros machen lediglich 0,001 Prozent und weniger seines Lebens aus. Und in diesen zwanzig Minuten leidet er weniger, als beim Transport. Weniger als fast alles Fleisch was wir verspeisen.

BILD: 43. Was ist mit Gerechtigkeit?

Gerechtigkeit verbirgt den Zustand eines sozial geregelten Zusammenlebens, geregelt durch die jeweilige Gesetzgebung eines Landes. In Spanien ist die Existenz der tauromaquia Teil der staatlichen Verfassung. Es ist somit ein Grundrecht eines jeden, an Stierkämpfen als torero oder Zuschauer teilzunehmen. Mehr noch, in Spanien und Frankreich ist die tauromaquia als Kulturerbe deklariert. Sie ist somit von den staatlichen Einrichtungen zu schützen und zu fördern.

In Bezug auf den Stier, dieser wird gezüchtet um zu sterben. Die Gerechtigkeit findet sich in seiner Lebensform wieder. Auch hier unterliegen die Züchter starken Normen und Kontrollen, welche durch den Staat vorgegeben sind. 

BILD: 44. Hat der Stier eine faire Überlebenschance?

Mehr als jedes Tier, welches für die Fleischnahrung gezüchtet wird. Denn im Gegenteil zu denen, hat der toro immerhin eine Chance auf eine Begnadigung. Es liegt wohl kein Fall vor, dass die Tiere schon mal im Schlachthof begnadigt worden sind. Aber es sei festgestellt, der Stier wird in erster Linie gezüchtet um in einer plaza de toros zu sterben.

Und nebenbei gefragt, nehmen wir an, die toros werden nicht getötet. Können also danach weiterleben. Wer soll dann eigentlich für die Kosten aufkommen? Haben Sie eine Ahnung, was man zum Beispiel in der Tierrechtsorganisation PETA mit den toros machen würde? Man würde sie töten, weil keine finanziellen Mittel zur Verfügung ständen.

BILD: 45. Sind die Zuschauer Sadisten?

Nein. 



BILD: 46. Warum?

Die Bildredaktion benötigt wohl zwei Fragen um eine Antwort zu bekommen.



BILD: 47. Warum nicht?

Lassen wir hier den spanischen Schriftsteller und bekannten wie überzeugten antitaurino Rafael Sánchez Ferlosio sprechen: "Man sollte festhalten, dass sich bei aller Grausamkeit der corrida im ruedo, man sich auf keiner Weise am Leiden des toros erfreue." (Leserbrief EL PAÌS, 25.6.1985)

Ansonsten wurde diese Thematik schon in den ersten Fragen beantwortet.

BILD: 48. Haben die Stiere Recht auf Rache?

Wie soll sich denn ein getöteter Stier rächen können?



BILD: 49. Hat man das Recht, Tierquälerei zu befürworten?

Nein.



BILD: 50. Hat man die Pflicht, fühlende Lebewesen zu schützen?

Ja. 



BILD: 51. Sind toreros tapfer?

Mit Sicherheit. Um in das ruedo sich zu trauen benötigt man eine bestimmende Furchtlosigkeit. Man muss über eine gewisse Selbstbeherrschung verfügen, bereit sein der Gefahr entgegenzutreten und versuchen mit verwegenen, wagemutigen wie couragierten Manövern dem Publikum ein grandioses Schauspiel zu bieten. Ein Schauspiel, welches dem torero liegen muss, denn erst wenn er sich selber gefällt, ist er auch in der Lage die Emotionen, den duende in die tendidos zu transportieren.

BILD: 52. Warum?

Sich in ein ruedo zu begeben, wo ein 500 Kilo schwerer toro schneller als ein Rennpferd beschleunigt, dazu gehört Mut. Mehr noch, wenn man dort stehen bleiben muss, lediglich ein rotes Tuch in der Hand um den Stier in andere Bahnen zu lenken.  Wenn man sich dem Stier nähern muss, weil er nicht angreift und eher spontan reagiert. 

Auch antitaurinos kennen die Gefahr die von den toros ausgehen. Schon öfters sprangen sie in das ruedo um die corrida zu stören. Aber immer erst dann, wenn der toro schon tot war oder bevor er durch das toril das ruedo betrat. Sie wissen schon warum.

BILD: 53. Sind Stiere tapfer?

Es gibt solche und solche Stiere. Je mutiger, umso mehr bravura ein toro zeigt, um so grösser seine Chance begnadigt zu werden. Ein indulto ist nicht nur der Weg in die Freiheit für den Stier sondern auch das höchste Erlebnis der Gefühle für einen aficionado de toros.

BILD: 54. Haben sie eine Wahl?

Nein, sollen sie auch nicht. Und nebenbei gefragt, haben andere Tiere in Zucht und Haltung eine Wahl?